Akif Pirinçci – shit happens!

Nach seiner rassistischen Rede bei einer Pegida-Demonstration hat Akif Pirinçci sich jetzt in einem Interview mit dem Magazin „Stern“ geäußert. Es kommt Erstaunliches zu Tag.

15.10.25-akif Viel Lärm um Akif Pirinçci. In diesem Tweet geht es darum, inwieweit sich die AfD-Jugend mit ihm solidarisiert hat.

Ist das eine Lesung?

Jetzt ist es geklärt – alles war ein großes Missverständnis. Akif Pirinçci hat mit den „Rechten nichts am Hut“, seine Hass-Rede war nur ein Freundschaftsdienst für seine alte Bekannte Tatjana Festerling und er hat den Auftritt insgesamt ganz anders gesehen. „Ich dachte, das wäre eine Lesung.“ Und: das Opfer ist im Grunde er selbst, Akif Pirinçci! Er sieht seine Existenz zerstört, weil Random House seine Katzen-Romane aus dem Programm genommen hat. „Was können denn die armen Katzen dafür“, fragt Pirinçci. Hier geht es zum Stern-Interview

Von Einsicht ist in dem Stern-Interview allerdings nichts zu lesen. Pirinçci: „Ich sehe das zwar im Fernsehen, aber das ist ja wie ein Rockkonzert, die feiern sich da selbst ab. „Hallo, wir sind Pegida, gimme five.“ Und dann komme ich mit einem total provokanten und polemischen Text daher, der sehr geschraubt ist, und tja… shit happens.“

Eine einfache Weltsicht

Das ist allerdings eine sehr einfache Weltsicht und es stellt sich die Frage, ob an diesem Mann die Diskussionen um Rechtspopulismus und Fremdenhass spurlos vorüber gegangen sind?

Er sinniert auch darüber, dass er Deutschland verlassen werde – aber auch in diesem Fall lässt der Autor tief blicken. Er will weg, weil er „nicht in einer muslimischen Gesellschaft leben“ will. Die Toleranz werde den Deutschen Stück für Stück genommen, wenn sie nicht mehr in der Mehrheit seien.

Akif Pirinçci bliebt sich also treu und verbreitet weiter sein kruden, rechtspopulistischen Thesen – aber wahrscheinlich ist auch das nur wieder ein großes Missverständnis.

Die AfD-Jugend verteidigt den Autor

Die Jugendorganisation der rechtpopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD), Junge Alternative (JA), hat sich mit Akif Pirinçci solidarisiert, das meldet das Handelsblatt.Der Grund: wie einige Verlage hat auch der Internet-Händler  die Titel des Autors aus dem Programm genommen. In einer Pressemitteilung der JA heißt es wörtlich:

„Wir haben uns ‚Verstand statt Ideologie‘ auf die Fahne geschrieben, da können wir nicht mit Leuten zusammenarbeiten, die aus billigem Opportunismus heraus, die Meinungsfreiheit in Deutschland untergraben,“ erklärte der Bundesvorsitzende Sven Tritschler am Freitag. Es gebe sogar Buchhandlungen, die Pirinçcis Werke vernichten wollen. „Da fühlt man sich doch unweigerlich an Heine erinnert: ‚Erst brennen die Bücher und dann die Menschen!’“

Hier der Link zu der PR-Mitteilung

Sven Tritschler, Vorsitzender der Jungen Alternative, erklärt ausdrücklich, dass es sich nicht um eine inhaltliche Solidarisierung handelt. Hier ein Tweet dazu.

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Und auch der Co-Bundesvorsitzende Markus Frohnmaier erklärt: „Man muss nicht alles gutheißen, was Herr Pirinçci sagt oder gesagt hat, aber wenn man jetzt sogar seine unpolitischen Katzenkrimis aus dem Regal nimmt, handelt es sich um Existenzvernichtung. So etwas darf es heutzutage nicht mehr geben!“

Interessant ist, dass sich die AfD-Jugend sehr große Sorgen um die Existenz des Autors macht, der nach eigenem Bekunden ein großes Haus besitzt. Die Existenz der Flüchtlinge, die in ihrer Heimat durch den Bürgerkrieg alles verloren haben, scheint ihnen weniger am Herzen zu liegen.

Akif Pirincci, von allen guten Webmastern verlassen

Der Autor Akif Pirincci hat nach seiner Hass-Rede auf der Pegida-Demo in Dresden nicht nur die Justiz am Hals. Er muss sich für sein Blog „Der kleine Akif“ auch einen neuen Webmaster suchen. Der hat seinen Job gekündigt – jedoch nicht, ohne sich entsprechend zu verabschieden.

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Sogar Pegida-Bachmann ist es peinlich

Nach den Hassreden auf der Dresdner Pegida-Kundgebung haben sich zahlreiche Politiker entsetzt gezeigt. Vertreter der Bundesregierung machten am Dienstag klar, dass sie die Pegida nicht länger als eine Gruppe besorgter Bürger betrachten, sondern als eine zumindest in Teilen rechtsradikale Bewegung. Die Dresdner Justiz leitete gegen den Redner Akif Pirincci nach einer KZ-Äußerung Ermittlungen wegen Volksverhetzung ein. Der deutsch-türkische Autor Pirincci, der auf Einladung des Pegida-Gründers Lutz Bachmann bei der Kundgebung am Montagabend aufgetreten war, hatte in seiner Rede Muslime attackiert und Flüchtlinge als „Invasoren“ bezeichnet. Nach Kritik an Politikern, die er „Gauleiter gegen das eigene Volk“ nannte, sagte er: „Es gäbe natürlich andere Alternativen. Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.“ Die Menge reagierte mit Gejohle und Applaus.

Pirincci hatte im Vorfeld aber auf seiner eigenen Website geschrieben, er werde in Dresden „einen hübschen Text vorlesen, der in Sachen Wutrede in diesem Lande Maßstäbe setzen wird“. Darin werde es um „die Verbrechen gehen, die man diesem Volk gegenwärtig antut“.

Der Webmaster sagt „Tschüss“

Akif Pirincci mit seiner Hassrede nicht nur die Justiz auf den Plan gerufen, sondern auch einen seiner engsten Mitarbeiter vergrault. Der Mann nennt sich Thorsten und betreut nach eigenen Angaben das Blog „Der kleine Akif“ des Autors. Hier geht es zum Blog des Autors

Verabschiedet hat sich Thorsten mit einem Text, der an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig lässt – gepostet auf dem Blog von des Autors. Es ist eine Abrechnung mit Pirincci. Der Titel: „Von der Scham“. Was den Leser erwartet, wird schon durch das Bild deutlich, das dem Text voran gestellt ist. Es ist das 1992 in Rostock-Lichtenhagen entstandene Foto eines Mannes, der ein Deutschland-Trikot trägt, sich eingenässt hat und den rechten Arm zum Hitlergruß hebt.

Der Text scheint kein Fake zu sein und die Seite ist wohl auch nicht gehakt worden. Das schreibt nach eigener Recherche der Deutschlandfunk, der mit dem Webmaster Kontakt hatte.  Der Link zum Deutschlandfunk

Die Scham des Webmasters

Der Webmaster schreibt in seinem Text von der Scham, die „wir Deutsche, vielleicht wie kein anderes Volk auf der Welt empfinden, und sei es nur unbewußt“. Sie gründe sich auf die Verbrechen, die Deutsche in der Zeit des Nationalsozialismus begingen: darauf „nicht rechtzeitig aufgestanden zu sein“, „weggeschaut zu haben“, „die Welt in einen unvorstellbaren Vernichtungskrieg geführt zu haben“.

Das sei eine Scham, so heißt es weiter, die „du, lieber Akif, leider nicht nachempfinden kannst“. Also auch nicht jene, „den Heimkehrenden, geflüchteten Landsleuten aus den vom Feind besetzten Gebieten Vertriebenen die kalte Schulter gezeigt zu haben und sie so behandelten, wie deinesgleichen wünschten, wir würden die Flüchtlinge der Gegenwart noch heute behandeln“.

Eine Abrechnung mit Folgen

Das Fazit des Webmasters Thorsten: „Ich schäme mich nicht nur fremd, für dich, Freund Akif. Ich schäme mich für mich. Dafür, dir bei der Errichtung deiner Plattform zur Verbreitung deines Unsinns behilflich gewesen zu sein“.

Der Text war nicht nur eine Abrechnung mit dem Autor, sondern auch eine fristlose Kündigung. „Du wirst dir wohl einen neuen Webmaster suchen müssen“, heißt es am Ende des Briefes.

Inzwischen scheint das Blog vom Netz oder schlicht überlastet.

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Und hier noch ein kleiner Nachdreher: der offenbar illegale Mitschnitt eines sehr seltsamen Telefongesprächs, das Akif Pirincci im Sommer mit dem Satiremagazin Titanic führe. Hier der Link zur Titanic-Seite. (Leider konnten wir nicht überprüfen, ob das Gespräch echt ist – oder ein Fake)