Asterix und Obelix trauern um ihren Vater Albert Uderzo

Mit den beiden ungleichen Galliern ist der französische Zeichner weltberühmt geworden. Nun ist der Erfinder der Comic-Helden gestorben.

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20.03.24-Asterix

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Den Erfolg nicht in die Wiege gelegt

Der Erfolg als Zeichner wurde Albert Uderzo nicht gerade in die Wiege gelegt. Der Sohn italienischer Einwanderer war farbenblind und er hatte sechs Finger an jeder Hand. Die kleine Fehlbildung wurde ihm nach seiner Geburt am 25. April 1927 bereits früh entfernt. Mit dem anderen Problem musste er sich allerdings sich ein Leben lang herumschlagen, doch er wusste sich zu helfen. Damit Uderzo eine grüne Wiese nicht in leuchtend roten Farben bemalte, beschriftete er alle seine Buntstifte.

Und was wäre aus dem Jungen Albert geworden, hätte ihn nicht sein sieben Jahr älterer Bruder Bruno einst dazu gedrängt, seine Zeichnungen einem Pariser Verlag anzubieten? Dort publizierte er mit 14 seine ersten Arbeiten. So wurde Albert Uderzo zu einem der berühmtesten Zeichner der Welt. Am Dienstag ist die Comic-Ikone im Alter von 92 Jahren im Pariser Vorort Neuilly gestorben.

Inspiriert von Mickey Maus

Seinen ersten Comic entdeckte Albert Uderzo einst nach eigenen Angaben in der französischen Tageszeitung „Le Parisien“. Fasziniert von den Abenteuern von Mickey Maus begann er im Alter von zehn Jahren selbst Figuren mit großen Nasen zu skizzieren. Nach der Schule schlug sich Uderzo erst einmal durchs Leben, arbeitete als Nachwuchszeichner und Bürobote in einem Verlag in Paris und landete nach dem Krieg für kurze Zeit unter anderem beim Trickfilm.

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Im Jahr 1951 folgt schließlich die alles entscheidende Begegnung, von der Uderzo im Lauf seines Lebens immer wieder erzählen muss. Er lernt den talentierten Texter René Goscinny kennen. Beide entdecken ihre gemeinsame Leidenschaft für Walt Disney und für Laurel und Hardy. Uderzo beschreibt die erste Begegnung als „wesentlich und entscheidend“ für sich. Für Goscinny soll sie eine Art gegenseitige Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, wie „Le Monde“ schrieb. Sie hätten stundenlang miteinander geredet und beschlossen zusammenzuarbeiten.

Die Geburtsstunde von Asterix und Obelix

Das kongeniale Duo produziert in den folgenden Jahren mehrere Serien und hat erste Erfolge mit Figuren wie dem Indianer Umpah-Pah oder dem Reporter Luc Junior. Nach einer Auseinandersetzung mit ihrem Arbeitgeber gründen die beiden eine Werbeagentur, in der am 29. Oktober 1959 die erste Ausgabe der Jugendzeitschrift „Pilote“ erscheint. Darin haben zwei ungleiche Gestalten ihre Premiere: ein kleiner, knollennasiger Antiheld und dicker, rothaariger Tollpatsch. Astrix und Obelix haben das Licht der Öffentlichkeit erblickt.

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Den Nerv der Menschen getroffen

Uderzo und Goscinny ahnen, dass sie den Nerv der Menschen getroffen haben und veröffentlichen zwei Jahre später das erste Album „Asterix der Gallier“. In den folgenden Jahrzehnten werden weltweit rund 370 Millionen Exemplare der Serie verkauft. Übersetzt werden sie über 100 Sprachen und Dialekte. Dabei sind die gallischen Helden, die mit List und Zaubertrank den Römern Angst und Schrecken einjagen, zuerst vor allem für die Franzosen gedacht. „Wir wollten etwas typisch Französisches schaffen, das sich von den amerikanischen Comics absetzt“, sagte Uderzo einmal. „Doch vermutlich haben wir mit unseren Geschichten etwas berührt, was alle Menschen trifft“.

Der Schock durch den Tod von Goscinny

Im November 1977 schien dann das jähe Ende von Asterix und Obelix gekommen. Mit nur 51 Jahren starb Goscinny bei einem Arztbesuch an einem Herzstillstand. Doch Uderzo beschloss, nach diesem Schock alleine weiterzumachen und auch die Texte für die Geschichten zu schreiben. Für eingefleischte Fans grenzte das an Blasphemie und die Kritiker bemängelten, den neuen Bänden fehle der ironische Witz der früheren Jahre. Doch die Leser dem blieben dem ungleichen Gallier-Duo treu. Das erste von Uderzo allein geschaffene Album „Der große Graben“ erschien 1980. Anfang 2009 zog er sich wegen seines Arthroseleidens zunehmend vom Zeichentisch zurück. Zwei Jahre später übergab er das Zepter ganz an jüngere Kollegen. Der erste Asterix-Band von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad erschien 2013.

Nach seinem Rückzug machte Uderzo auch weniger schöne Schlagzeilen. Zuerst stritt er sich über Jahre mit dem Verlag Dargaud um die Rechte für die ersten 25 Asterix-Bände. Danach begann zwischen ihm und seiner Tochter Sylvie ein jahrelanger juristischer Kampf um das millionenschwere Asterix-Erbe, den beide 2014 beilegten. So fand er am Ende doch noch den Frieden mit seiner Familie. Die ließ die Welt nun wissen, dass Albert Uderzo friedlich eingeschlafen sei. Er erlag demnach „einem Herzinfarkt, ohne Verbindung zum Coronavirus“.

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Coronavirus bei Asterix und Obelix 

Mitten in der Coronavirus-Krise ist Asterix-Erfinder Albert Uderzo gestorben. Der 92-Jährige erlag nach Angaben seiner Familie aber nicht der Lungenkrankheit Covid-19, sondern starb im Schlaf an einem Herzinfarkt. Was viele Fans überrascht: Bereits vor einigen Jahren tauchte „Coronavirus“ bei Asterix auf.
In dem 2017 erschienenen Band „Asterix in Italien“ heißt der Bösewicht „Coronavirus“. Dabei handelt es sich um einen verschlagenen Wagenlenker mit einer goldenen Maske, der im Auftrag von Julius Cäsar ein Pferdewagen-Rennen quer durch Italien gewinnen soll. Asterix und Obelix wollen den Sieg dieses bösartigen „Coronavirus“ auf jeden Fall verhindern. Eine der Zeichnungen in dem Comic zeigt eine jubelnde Menge, die „Coronavirus, Coronavirus“ schreit.
Waren die Uderzo-Nachfolger Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad also Hellseher, als sie den Band „Astérix et la Transitalique“ entwarfen? Kaum. Autor Ferri erklärte bereits 2017 bei der Vorstellung des neuen Comics in Paris, sie hätten sich für den Namen „Coronavirus“ entschieden, weil er „böse“ klinge. Denn die Familie der Coronaviren galt als Auslöser der SARS-Epidemie von 2002 und 2003 mit hunderten Toten.
Wer „Coronavirus“ in der deutschen Ausgabe von „Asterix in Italien“ sucht, tut dies allerdings vergeblich. Dort heißt der Wagenlenker Caligarius, und sein Beifahrer Bleifus und nicht Bacillus wie im französischen Original. Der deutsche Übersetzer Klaus Jöken sagte dazu 2017 der Zeitung „Die Welt“: „Wir Deutsche empfinden Krankheiten als etwas sehr Unappetitliches, Ekliges.“ Deshalb habe er sich mit dem Verlag für den Namen Caligarius entschieden.