Beatrix von Storch wegen Hass-Tweet von Twitter gesperrt

Natürlich ist Beatrix von Storch wieder einmal das Opfer. Auf die Idee, dass ein Tweet von ihr ziemlich daneben sein könnte, kommt sie nicht. Die Polizei, die von ihr auch verbal angegriffen wurde, hat inzwischen reagiert.

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Screenshot auf Facebook

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Ein Tweet auf Arabisch

Die Verantwortlichen bei Twitter haben offenbar andere Maßstäbe, als die stellvertretende AfD-Bundestagsfraktionschefin. Das Unternehmen hat Beatrix von Storch vorübergehend gesperrt und damit Empörung in der AfD-Führung ausgelöst. Von Storch hatte sich in dem Internet-Kurznachrichtendienst am Silvesterabend über einen Tweet der Kölner Polizei aufgeregt, die Neujahrsgrüße in mehreren Sprachen veröffentlicht hatte, darunter Arabisch. „Was zur Hölle ist in diesem Land los? Wieso twittert eine offizielle Polizeiseite aus NRW auf Arabisch. Meinen Sie, die barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden so zu besänftigen?“, schrieb von Storch. Twitter sperrte ihren Account daraufhin für zwölf Stunden mit Verweis auf einen „Verstoß gegen Regeln über Hass-Inhalte“.

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Auf Twitter war von Storchs Eintrag am Montag nicht mehr zu lesen. Von Storch veröffentlichte allerdings einen Screenshot davon auf Facebook. Dort schrieb die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel am Montag: „Das Jahr beginnt mit dem Zensurgesetz und der Unterwerfung unserer Behörden vor den importierten, marodierenden, grapschenden, prügelnden, Messer stechenden Migrantenmobs, an die wir uns gefälligst gewöhnen sollen. Die deutsche Polizei kommuniziert mittlerweile auf Arabisch, obwohl die Amtssprache in unserem Land Deutsch ist.“

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Eine Sprecherin der Polizei Köln teilte FAZ.NET mit, man habe eine Strafanzeige gegen Beatrix von Storch erstellt. Es werde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wegen des Verdachts der Volksverhetzung.
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Die Köpfe der AfD

Die Aufgaben in der Führungsriege der AfD sind genau verteilt. Jörg Meuthen gibt der Partei einen bürgerlichen Anstrich, Frauke Petry vertritt den nationalkonservativen Flügel. Daneben machen die Spitzenkräfte aus dem AfD-Vorstand immer wieder mit populitischen Ausfällen von sich reden. Das sind die sechs wichtigsten Protagonisten:

Jörg Meuthen

Jörg Meuthen

Jörg Meuthen ist das freundliche Gesicht der AfD und gilt als gemäßigter Rechter. Der 54-Jährige ist Chef der 23-köpfigen Landtagsfraktion in Baden-Württemberg und – neben Frauke Petry – einer der beiden Sprecher der Bundes-AfD. Meuthen lehrt Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaften an der Hochschule Kehl, ist dort Dekan der Fakultät. Der Professor ist sehr eloquent und eine seiner Aufgaben bestand in den vergangenen Wochen darin, die verbalen Ausrutscher der Scharfmacher in der Partei wieder zu glätten. Er gibt zu, dass manche Aussagen seiner Parteifreunde zu radikal sind, grenzt sich aber nicht wirklich offensiv von rechten Strömungen innerhalb der AfD ab. In einem Interview sagte er einmal, dass er ein Gegengewicht zu den Rechtskonservativen im neuen Parteivorstand bilden wolle. Gerne vergleicht er die AfD mit den Grünen der Anfangsphase: auch da habe es Realos und Fundis gegeben. Bei der Alternative für Deutschland habe man ebenfalls ein gewisses Spektrum, aber die gemäßigten Kräfte würden sich auf Dauer durchsetzen.

Frauke Petry

Frauke Petry

Es gibt wenige Politiker in Deutschland, die so selten wie Frauke Petry in der „Ich“-Form sprechen. Wenn sich die Vorsitzende der AfD zu Reizthemen wie Flüchtlingspolitik oder Innere Sicherheit äußert, präsentiert sie sich stets als Sprachrohr ihrer Partei oder als Stimme der „besorgten Bürger“. Die gebürtige Dresdnerin zeigt wenig Scheu vor Herausforderungen. Die 40-Jährige ist Wissenschaftlerin, Mutter, ehemalige Unternehmerin und seit Juli 2015 Bundesvorsitzende der AfD. Die promovierte Chemikerin kam 2013 ohne politische Erfahrungen zur Alternative für Deutschland. Doch in den östlichen Bundesländern, wo viele unzufriedene Wechselwähler leben, hat ihr das sogar einen gewissen Vertrauensvorsprung verschafft. Seit Herbst 2014 führt Petry die AfD-Fraktion im sächsischen Landtag. Sie galt von Anfang an als Vertreterin des im Osten sehr starken rechtsnationalen Parteiflügels – aus Sicht ihrer Gegner aber vor allem aus Kalkül, weniger aus ideologischen Gründen.

Petry hat aus ihrer Ehe mit einem evangelischen Pfarrer vier Kinder, inzwischen ist sie mit dem NRW-Landeschef Marcus Pretzell liiert.

Wenn Petry bei Wahlveranstaltungen oder auf Parteitagen spricht, bildet sie kurze, einfache Sätze. Ihren Politikstil beschreibt sie selbst als „konstruktiv mit einem gelegentlichen Hang zur Provokation“.

Alexander Gauland

Alexander Gauland

Alexander Gauland ist ein Polit-Profi. Der heute 75-Jährige war einst Vertrauter des hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann (CDU) und leitete von 1987 bis 1991 die Hessische Staatskanzlei. Nach der Wende wurde der Herausgeben der in Potsdam erscheinenden Tageszeitung Märkische Allgemeine. Eigenen Aussagen zufolge fühlte sich Gauland pudelwohl beim „Stahlhelmflügel“ der Union und vertrat dort deftigen Ansichten über interessengeleitete Außenpolitik und übertriebene Demokratievorstellungen. Doch als die CDU sich modernisierte und den nationalkonservativen Flügel an den Rand drängte, begann der ehemalige Christdemokrat mit der Partei zu fremdeln.

Aufgewachsen in der DDR und dann in die Bundesrepublik geflohen, verkörperte er ganz die klassische konservativ-bürgerliche CDU. Diesen Profilverlust beklagte er häufig bitterlich und trat schließlich nach 40 Jahren Mitgliedschaft aus der Partei aus – und in die Alternative für Deutschland (AfD) ein. Dort fand er genau das Milieu, das er in der CDU vermisste. Schnell stieg er zum Spitzenkandidaten im Brandenburger Wahlkampf auf und erreichte mit zwölf Prozent das beste AfD-Ergebnis überhaupt. Dazu half ihm sicher seine Bekanntheit, aber auch sein völlig schmerzfreier Umgang mit DDR-Nostalgie. Im Brandenburger Landtag fungiert er als Alterspräsident.

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Beatrix von Storch

Beatrix von Storch ist eines der Aushängeschilder des rechten Flügeln in der AfD. „Konservativ-liberal, bürgerlich-patriotisch“ bezeichnet sie ihre politische Ausrichtung. Ihre Gegner nennen sie hingegen reaktionär. Von Storch hält die EU für undemokratisch. Sie kämpft gegen Abtreibung und die Gleichstellung Homosexueller. Damit spricht die Protestantin von Storch auch gezielt konservative, bibeltreue Christen an, denen das „C“ in CDU und CSU zu sehr zur Folklore verkommen ist. Auch im Umgang mit Flüchtlingen gehört von Storch zu den Hardlinern der AfD. Sie war es auch, die in einem Kommentar auf ihrer Facebook-Seite die Frage mit „Ja“ beantwortete, ob man Frauen mit Kindern notfalls mit Waffengewalt am Grenzübertritt stoppen solle. Später ruderte sie zurück.

Die 44-Jährige sitzt für die AfD im Europaparlament und gehört dort bal der EFDD-Fraktion um Nigel Farange an, dem Vorsitzenden der rechtspopulistischen UKIP. Im vergangenen Jahr stieg sie zur stellvertretenden AfD-Parteichefin auf, außerdem führt sie den Berliner Landesverband, der sich berechtigte Hoffnungen machen darf, im Herbst ins Abgeordnetenhaus einzuziehen.

Björn Höcke

Björn Höcke

Björn Höcke wendete sich, wie viele der AfD-Mitglieder, enttäuscht von der CDU ab. 2013 gehörte der Lehrer für Sport und Geschichte zu den Gründern der Alternative für Deutschland in Thüringen. Bei der Landtagswahl in Thüringen 2014 war Höcke Spitzenkandidat der AfD und errang über die Landesliste seiner Partei ein Mandat im Landtag. Bundesweit medial bekannt wurde der 44-Jährige durch einen Auftritt bei Günther Jauch, bei dem er als Zeichen seiner nationalen Gesinnung zum Anfang der Sendung ein Deutschland-Fähnchen über seine Sessellehne legte. Im Anschluss distanzierten sich die AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry  und Jörg Meuthen von Höckes Auftreten. Noch einmal von sich reden machte der Politiker, als er Afrikanern eine auf Bevölkerungsüberschuss abzielende Reproduktionsstrategie andichtete. Unbestritten ist seither, dass Höcke zum national-völkischen Flügel der Partei gehört, ihm werden auch immer wieder Berührungspunkte zur Szene der Neonazis nachgesagt. Die „New York Times“ bezeichnete den AfD-Politiker als „neues Gesicht des Rassismus in Deutschland“.

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Marcus Pretzell

Der smarte 42-Jährige ist insbesondere als Lebensgefährte Petrys bekannt: Das AfD-Powerpaar inszeniert sich gern in der Öffentlichkeit. Politisches Gewicht hat der Jurist und vierfache Vater aber schon länger, er ist nordrhein-westfälischer Landeschef und AfD-Europaabgeordneter. Auf dem Essener Parteitag 2015 brachte er den Saal mit Sätzen wie diesen in Wallung: „Sind wir die Anti-Euro-Partei oder die Pegida-Partei? Wir sind beides und noch viel mehr.“ Auch Pretzell verfolgt einen demonstrativ pro-russischen Kurs. Dass er kürzlich mit einem russischen Visum die von Moskau annektierte Krim besuchte, erzürnte die Ukraine. Aus der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) im EU-Parlament wurde Pretzell unlängst ausgeschlossen. Sein Ziel für die AfD: 2021 als stärkste Partei den Bundeskanzler stellen.

Hier eine Analyse des Programm der AfD

 

Die AfD und ihre Idee vom Islam

Beatrix von Storch hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Wieder einmal geht es um das Parteiprogramm der AfD. In einem Interview mit der „FAS“ sagt die Politikerin, dass der Islam nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei.

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Die Ideen von Storchs haben viele Anhänger. Auf Facebook feiert sie 50.000 Follower.

Mit dem Grundgesetzt nicht vereinbar?

„Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist“, sagte die stellvertretende Parteivorsitzende und Europa-Abgeordnete Beatrix von Storch der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Mit ihrer Aussage steuert sie sich allerdings in einen Widerspruch, der ihrer Ansicht aber offensichtlich keine ist. Die AfD-Politikerin betont, der Islam könne in Deutschland keine Heimat finden. „Viele Muslime gehören zu Deutschland, aber der Islam gehört nicht zu Deutschland.“

Auf ihrem Parteitag Ende April in Stuttgart will die AfD ihren Anti-Islam-Kurs in ihrem ersten Parteiprogramm beschließen. Dabei soll es laut Bericht auch darum gehen, Symbole des Islams aus der Öffentlichkeit zu verbannen. „Wir sind für ein Verbot von Minaretten, von Muezzins und für ein Verbot der Vollverschleierung“, sagte von Storch. Diese Forderungen erhebe der Bundesvorstand im Programmentwurf.

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Auch Gauland sieht Deutschland in Gefahr

Im Sinne von Beatrix von Storch äußerte sich auch Alexander Gauland, Fraktionschef der AfD in Brandenburg und ebenfalls stellvertretender Parteichef. „Der Islam ist keine Religion wie das katholische oder protestantische Christentum, sondern intellektuell immer mit der Übernahme des Staates verbunden. Deswegen ist die Islamisierung Deutschlands eine Gefahr“, sagte Gauland der „FAS“.

Gauland wandte sich gegen die Vorstellung, dass es neben der fundamentalen Ausrichtung des Islams auch einen aufgeklärten Islam gebe, der mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar sei. „Wir sind ein christlich-laizistisches Land, der Islam ist ein Fremdkörper. Einen Euro-Islam gibt es in Wirklichkeit nicht“, sagte der stellvertretende AfD-Vorsitzende.

AfD will Koranschulen stärker kontrollieren

Die AfD will laut FAS, dass Koranschulen und Moscheen schärfer kontrolliert werden. Es sei notwendig, „den Wildwuchs von islamischen Religionslehrern und Koranschulen, die privat finanziert werden, zu stutzen“. Das gelte vor allem für Moscheen, in denen Imame aus Saudi-Arabien predigten und die auch von dort bezahlt würden, betonte Gauland.

Den Vorschlag des AfD-Bezirksverbandes Niederbayern, den Bau und Betrieb von Moscheen ganz zu verbieten, lehnen von Storch und Gauland ab, weil die Freiheit der Religionsausübung geachtet werden solle.

Hier der Link zur weiteren Berichterstattung

Neue Heimat für Beatrix von Storch

Beatrix von Storch kommt ihren Kritikern zuvor. Die AfD-Politikerin ist einem drohenden Ausschluss aus ihrer Fraktion im Europaparlament zuvorgekommen. Sie wechselt nach eigenen Angaben vom Freitag in die EFDD-Fraktion des britischen Rechtspopulisten Nigel Farage.

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Beatrix von Storchs wortreicher Abschied

In einer ziemlich ausführlichen Mitteilung tat die Politikerin ihren Schritt kund. Dort heißt es:

 

„Ich freue mich, in die Fraktion Europa der Freiheit und der direkten Demokratie (EFDD) einzutreten. Gerne gehe ich diesen Schritt, der ein Signal ist, insbesondere so kurz vor dem britischen Referendum über den Verbleib in der EU.“

 

Farage ist Chef der britischen Unabhängigkeitspartei UKIP, die für einen Austritt aus der Europäischen Union wirbt. Bisher war von Storch Mitglied der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten (EKR), der auch die britischen Konservativen angehören. Die EKR-Spitze hatte von Storch und dem anderen Europaabgeordneten der AfD, Marcus Pretzell, Anfang März zum Austritt aufgefordert.

Streit über Schusswaffengebrauch

Hintergrund waren Äußerungen der beiden Politiker zum möglichen Einsatz von Schusswaffen gegen Flüchtlinge. Für den Fall, dass beide die Gruppierung bis Ende März nicht freiwillig verließen, sollte am 12. April über einen Zwangsausschluss abgestimmt werden.

Wer die Schuld an dem Streit trägt, ist nach Ansicht von Beatrix von Storch eindeutig. Sie schreibt:

 

„Die Zusammenarbeit mit der EKR-Fraktion möchte ich im Hinblick auf das gezielt AfD-schädigende Verhalten vor den Landtagswahlen vom 13. März nicht weiter fortsetzen. Die Pressestelle der EKR hatte im Auftrag der Tory-Führung wahrheitswidrig den Ausschluss der AfD-Delegation kommuniziert. Der Fraktionsvorsitzende Syed Kamall hat inzwischen auch begonnen, mir meine Ausschussmitgliedschaften streitig zu machen.“

 

Aber natürlich will sie nicht alles auf die persönliche Ebene ziehen. Sie betont auch, dass ihre politische Heimat eher in der EFDD-Fraktion liege.

 

„Ich bin sicher, in der EFDD ein passendes politisches Umfeld gefunden zu haben, aus dem heraus ich meine politische Arbeit bestmöglich gestalten kann. Uns verbindet unser Eintreten für eine freiheitliche Wirtschaftspolitik, Bürgerrechte, direkte Demokratie und Souveränität der Mitgliedstaaten.“

 

Die EKR-Fraktion dürfte aufatmen, dass die Konfrontation nicht auf einen großen Showdown hinausgelaufen ist. Auch die EFDD scheint zufrieden. Die Fraktion begrüßte das neue Mitglied auf ihrer Homepage. Dort heißt es unter dem Logo der AfD:

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“The Europe of Freedom and Direct Democracy Group welcomes German MEP Beatrix von Storch as a new member. We are pleased that such a prominent and respected member of the AfD Party subscribes fully to our Charter and will work with us for a Europe of Freedom and Direct Democracy.“

 

Also alle glücklich – so soll es sein.

Hier geht es zur Homepage der EFDD

Das Dämonische in Frauke Petry

Frauke Petry hat ein Interview gegeben. Eigentlich nichts Ungewöhnliches für eine Parteivorsitzende. Doch dieses Mal plauderte die AfD-Chefin in der „Bunten“ mit ihrem Lebenspartner Marcus Pretzell über Privates – und legte auch einige politische Sprengsätze.

 

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Frauke Petry muss einigen Spott über sich ergehen lassen.

 

Etwas „dämonenhaft Schönes“

Wollen wir das wirklich wissen? Es war keine Liebe auf den ersten Blick, gesteht Frauke Petry. Und bis zum „ersten Kuss“ habe es eine ganze weile gedauert, erzählt der nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell. Sie schätze an ihm dessen „männliche Stärke“, er umgekehrt ihr Aussehen, das etwas „dämonenhaft Schönes“ habe.

Nicht alle in der Partei finden das Interview wirklich gelungen. Schon nach dem Auftritt Petrys vergangenes Jahr auf dem Bundespresseball in Berlin regte sich Widerstand gegen die AfD-Vorsitzende. Frauke Petry bei der „Lügenpresse“, hieß es hinter vorgehaltener Hand.

Petry lässt ihre Kollegen im Regen stehen

Der geneigte Leser erfährt allerdings nicht nur einiges über Petrys Liebesleben, in der „Bunten“ spricht sie auch über Politik – etwa über die Debatte, die nach den umstrittenen Äußerungen zum so genannten Schießbefehl entbrannte. Damals war die Berliner Landesvorsitzenden Beatrix von Storch der AfD-Chefin beigesprungen. Die national-konservative Politikerin hatte zugestimmt, dass die AfD die illegale Einreise von Frauen und Kindern mit Waffengewalt verhindern wolle. In der „Bunten“ hörte sich das nun so an: „Was Beatrix gesagt hat, war katastrophal. Ich will keine Toten.“ Diese Antwort lässt aber eine zentrale Frage offen: nimmt ein Bundesvorstandsmitglied ihrer Partei Tote in Kauf? Das sieht Beatrix von Storch offensichtlich auch so. Sie meldet sich, offensichtlich ziemlich angesäuert, in der „Bild“-Zeitung zu Wort: „Die Debatte um Schusswaffen hat Frauke Petry losgetreten. Das war der Kardinalfehler.“

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Doch damit nicht genug. Auch ihren stellvertretenden Bundesvorsitzenden Alexander Gauland ließ sie im Regen stehen. Die Aussage, die Flüchtlingskrise sei ein „Geschenk“ für die AfD, sei zynisch gewesen sei, sagte Petry: „Ein fataler Satz. Man kann sich doch nicht über Entwicklungen freuen, die dem Land schaden.“ Spricht so eine Vorsitzende, die Schaden von ihrer Partei abwenden will?

Schweigen in der AfD

Die Reaktion im Bundesvorstand auf das Interview Petrys ist Schweigen. Allein das Bundesvorstandsmitglied André Poggenburg sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ nach Erscheinen des „Bunte“-Artikels: „Man merkt daran die Spannungen, die da sind.“ Allerdings wird in vertraulichen Gesprächen immer wieder darauf angespielt, dass Petrys Führungsstil innerhalb der Partei nicht unumstritten sei. So wird ihr von einigen Mitgliedern, die sich lieber in einer Art Fundamentalopposition sehen, vorgeworfen, dass sie Regierungsbeteiligungen in den Bundesländern anstrebt. In den nationalkonservativen Kreisen steht sie ebenfalls in der Kritik, seit sie eine Ordnungsmaßnahme gegen Björn Höcke, den Vorsitzenden der AfD-Fraktion im thüringischen Landtag, wegen dessen Äußerung über das Reproduktionsverhalten von Afrikanern befürwortet hatte. Vorgeworfen wird ihr das ungeschickte Verhalten gegenüber den Medien. So hätten die „verpassten“ Interviews im „Morgenmagazin“ und der anschließende Streit darüber der Partei geschadet.

Ende April findet ein Bundesparteitag der AfD in Stuttgart statt. Dort soll vor allem über das neue Programm der Partei abgestimmt werden. Es sieht aber so aus, dass noch mehr Gesprächsbedarf besteht.

Zweifelhafte Politiker-Posts

Ist der der Post auf Facebook tatsächlich von Vera Lengsfeld? Zweifel waren angebracht, zu monströs ist die Aussage. Die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete gibt Angela Merkel die Schuld an den Terroranschlägen von Brüssel. Die Bundeskanzlerin habe „alles dafür getan, dass der Terror in Europa Fuß fassen kann“, schreibt sie. Doch damit nicht genug. Voller Sarkasmus schreibt sie weiter: „Lasst uns Angela Merkel feiern, sie hat es geschafft.“

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Ist dieser Post von Vera Lengsfeld – oder nicht?

Den Post von der Seite gelöscht

Vera Lengsfeld selbst bestreitet inzwischen die Echtheit des Posts. Sie schreibt, „dass dieser Post nicht von mir stammt, sondern von einer meiner Facebook-Freundinnen“. Der Beitrag war dann auch von ihrer Seite gelöscht worden. Diese Aussage ist allerdings mehr als befremdlich, da der Post direkt auf der Seite stand – also von ihr selbst oder einem Mitarbeiter gemacht worden sein muss.

 

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Vera Lengsfeld bestreitet, dass der Post von ihr ist

 

Das ist aber noch nicht das Ende der Geschichte, denn Vera Lengsfeld meldet sich noch einmal zu Wort. Sie beklagt sich, dass ihre Facebook-Seite nach dem umstrittenen Post gesperrt worden sei. Sie sieht sich nun als Opfer und spricht von einer „Rufmordkampagne“.

 

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Die Reaktion von Lengsfeld auf das Sperren ihrer FB-Seite

Zweifelhafte Äußerungen von Lengsfeld

Ihre Partei aber scheint keine Zweifel an der Echtheit des Post zu haben. „Diese Äußerung ist pietätlos und völlig daneben“, heißt es aus der CDU-Bundesgeschäftsstelle. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die CDU-Politikern sehr kritisch zu Merkels Flüchtlingspolitik äußert. Der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“, dem offiziellen Organ der Landsmannschaft Ostpreußen, sagte sie vor einigen Monaten: „Die CDU, der ich beigetreten bin 1996, die gibt’s nicht mehr, und zwar restlos nicht mehr.“ Lengsfeld saß von 1990 bis 2005 im Bundestag, zuerst für die Grünen, von 1996 an für die CDU.

Applaus von der AfD

Applaus bekommt Vera Lengsfeld aus der rechtspopulistischen Ecke. Die Pegida-Bewegung teilte den umstrittenen Facebook-Post auf ihrer Seite. Der Kommentar: „Vera Lengsfeld bringt es auf den Punkt!“

Aber nicht nur Lengsfeld erregt mit ihrem umstrittenen Post über die Anschläge in Brüssel die Gemüter. Auch Marcus Pretzell  und Beatrix von Storch, zwei Europaparlamentarier der AfD, meldeten sich über die sozialen Netzwerke zu Wort – von Mitleid für die Opfer allerdings keine Spur.

Pretzell war einer der ersten, der über Twitter die Nachricht von den Anschlägen verbreitete. Schien er am Anfang noch selbst geschockt von dem Geschehen, brach im Laufe der Zeit der AfD-Politiker in ihm durch. Schließlich setzte er einen Tweet ab mit dem Worlaut: „Vor meiner Haustür. Ich bin es so leid.“ Einen Tweet von „Die Zeit“, die twitterte, dass die  Trauer jetzt größer sein möge, als die Angst, kommentierte Pretzell mit: „Nein diesmal nicht wie jedes Mal! Es reicht.“ AfD-Chefin Frauke Petry leitete den Tweet ihres Kollegen und Lebenspartners dann auch direkt an ihre eigenen Follower weiter.

Auch Beatrix von Storch war offensichtlich in Brüssel. Sie schrieb an ihrer Follower: „Viele Grüße aus Brüssel. Wir haben soeben das Parlament verlassen. Hubschrauber kreisen. Militär rückt an. Sirenen überall. Offenbar viele Tote am Flughafen und am Zentralbahnhof. Hat aber alles nix mit nix zu tun.“

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Die Reaktionen auf die beiden Poste ließen allerdings nicht lange auf sich warten. Viele der Internet-Nutzer regten sich darüber auf, dass die blutigen Anschläge von beiden für ihre politische Propaganda ausgenutzt wurden. Einer der Kommentare über die Aussage von Beatrix von Storch: „Pfui Teufel! Sie sind eine Schande für Deutschland.“ Und auch Marcus Pretzell muss sich vorwerfen lassen, dass er offensichtlich Kapital aus den Attentaten ziehen will.

 

Nachtrag:

Nun hat sich auch Vera Lengsfelds Sohn Pilipp zu Wort gemeldet. Der sitzt seit Oktober 2013 für die Berliner CDU im Bundestag. Wie auch seine Mutter war er früher Mitglied der Grünen. Die politischen Äußerungen von Vera Lengsfeld will er nicht kommentieren, wie er bereits im Februar deutlich machte. Damals schrieb er auf Twitter: „Familie ist Familie, aber als MdB Lengsfeld muss und werde ich nicht jetzige Arbeit der Publizistin Lengsfeld bewerten oder interpretieren.“

Jetzt hat er allerdings eine kleine Ausnahme gemacht. Denn „Bild“-Mann Kai Diekmann fragt über Twitter bei ihm an, ob es ein Fake-Account sei, wo der umstrittene Post erschienen ist. Die Antwort von Sohn Philipp:

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