Belgien gibt Nazi-Raubkunst zurück

Die Suche hat mehrere Jahre gedauert. Nun hat Belgien Gemälde aus den Königlichen Museen der Schönen Künste zurückgegeben. Das Werk war einem jüdischen Ehepaar während des Zweiten Weltkriegs gestohlen worden war. Nun soll auch eine Online-Forschungsarbeit zu 2800 anderen Werken ungewisser Herkunft gestartet werden.

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Ein starkes Signal in der Kunstwelt

Der der zuständige Staatssekretär Thomas Dermine zeigte sich sehr zufrieden über die Rückgabe des Bildes. Es sei die erste Restitution der Königlichen Museen und sende ein starkes Signal, sagte er.

Das Gemälde „Blumen“ (1913) des deutschen Expressionisten Lovis Corinth hatte Gustav und Emma Mayer gehört, die sich auf der Flucht aus Deutschland in Brüssel niedergelassen hatten. Es wurde demnach von den Nationalsozialisten gestohlen und nach der Befreiung Brüssels den Königlichen Museen anvertraut, da die Besitzer nicht mehr bekannt waren. Durch jahrelange Recherchearbeit habe man die rechtmäßigen Eigentümer nun ermitteln können.

Eine Datenbank für die Suche nach Besitzern

Belgische Behörden richteten am Donnerstag zudem eine Online-Datenbank mit rund 2800 Kunstwerken ein, die dem Staat nach dem Zweiten Weltkrieg in die Hände fielen. Sie soll dabei helfen, mögliche rechtmäßige Besitzer der aus zweifelhafter Herkunft stammenden Werke zu ermitteln.

Gleichzeitig eröffneten die Königlichen Museen der Schönen Künste zwei Säle, einen zur Kontextualisierung von während des Krieges geplünderten Kulturgütern, den anderen zu Fragen des Kolonialismus und der Vielfalt. Letzteres steht im Mittelpunkt der Gemäldestudie von Rubens, die lange unter dem späten Namen „Têtes de Nègres“ bekannt ist und heute „Vier Studien eines Kopfes“ heißt.

Ein Imam spaltet Belgien

Einer der bekanntesten muslimischen Prediger darf nicht mehr einreisen. Ihm wird vorgeworfen, eine Gefahr für die nationale Sicherheit zu sein.

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Der Imam Mohamed Toujgani soll bei einer Predigt im Jahr 2009 Hassreden gehalten haben.

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Imam in der größte Moschee in Brüssel

Nach dem Freitagsgebet stehen die Gläubigen noch in kleinen Grüppchen vor der Al-Khalil-Moschee in Brüssel zusammen. Belangloser Klatsch und Tratsch werden ausgetauscht, doch immer wieder fällt auch ein Name: Mohamed Toujgani. Vier Jahrzehnte war der Mann Imam im größten islamischen Gotteshaus von Brüssel, über 3000 Menschen versammeln sich dort regelmäßig zum Gebet. Doch nun wurde der Prediger aus Belgien ausgewiesen, er stelle eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar, heißt es von Seiten der Behörden.

„Diese Beschuldigungen sind völliger Unsinn“, sagt ein Mann vor der Moschee. Der Imam habe immer den Frieden gepredigt. Andere Gläubige bestätigen diese Aussage, manche müssen ihre Antworten übersetzen lassen, sie sprechen nur Arabisch. Einig sind sich alle darin, dass die Ausweisung Mohamed Toujgani ein gezielter Angriff auf die Gemeinschaft der 400.000 Muslime in Belgien sei.

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Molenbeek ist als „Terror-Hauptstadt“ verschrien

Welche neuen Erkenntnisse es inzwischen gegen den Imam gibt, ist nicht ganz klar. Ein Video macht die Runde, in dem der Prediger fordert, dass die „zionistischen Unterdrücker verbrennen“ müssten. Der Clip stammt allerdings aus dem Jahr 2009, jenem Jahr, als das israelische Militär eine blutige Offensive im Gazastreifen durchführte. Erinnert wird auch daran, dass Chakib Akrouh, einer der Attentäter vom 13. November in Paris, in die Al-Khalil-Moschee zum Beten kam. Seit den Anschlägen ist der Brüsseler Stadtteil Molenbeek, aus dem mehrere Täter stammten und in dem auch das Gotteshaus liegt, als eine Art „Terror-Hauptstadt“ verschrien. Dort leben knapp 100 000 Menschen und er gilt als Synonym für die gescheiterte Integration der Muslime, die sich eine Parallelwelt aufgebaut hätten.

Sorge bereitet den belgischen Behörden offensichtlich, dass sich die Gläubigen den Lebensstil ihres Imams zum Vorbild nehmen könnten. Obwohl Mohamed Toujgani seit 40 Jahren in Belgien lebt, spricht er weder Französisch noch Niederländisch. Er hat mehrere Frauen, von denen eine mit ihm in Belgien lebt. Der Imam ist die Inkarnation einer sehr konservativen, sunnitischen Glaubensrichtung, die er vehement predigt und die jede Integration in die belgische Gesellschaft ablehnt. Diese Interpretation des Korans wird auch in der an die Moschee angeschlossene Schule gelehrt. 500 Kinder bekommen dort Arabischunterricht, auch eine staatlich anerkannte Grundschule gehört zur Moschee. Finanziert wird der gesamte Komplex ausschließlich aus Spenden.

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Ein typischer Vertreter seiner Generation

Mohamed Toujgani sei der typische Vertreter der Generation der ersten Imame, die nach Belgien kamen, erklärt Corinne Torrekens, Professorin für Politikwissenschaft in Brüssel und Spezialistin für zeitgenössischen Islam. Auch sie findet seine Interpretation des Korans überaus bedenklich, kann sich aber nicht vorstellen, dass er die große Gefahr darstelle, die die Behörden in ihm nun sehen. Auch kritisiert Corinne Torrekens, dass die Behörden keine konkreten Vorwürfe gegen Mohamed Toujgani vorbringen. Aufgelistet werden in den Sicherheitsberichten allerdings „zahlreiche Predigten, die zu Hass und Gewalt aufstacheln“ und die „die Verbreitung rassistischer oder diskriminierender Ideen gegen die jüdischen und schiitischen Gemeinschaften“ in Belgien.

Doch auch in der muslimischen Gemeinde regt sich Widerstand und nicht alle Gläubigen wollen mit dem umstrittenen Iman in einen Topf geworfen werden. Die Exekutive der Muslime Belgiens betonte in diesen Tagen ausdrücklich, dass der Entzug der Aufenthaltserlaubnis für Mohamed Toujgani eine „ausschließlich private Angelegenheit“ sei. Zudem gebe es „keine Autoritätsbeziehung zu den Imamen“ der Al-Khalil-Moschee. Längst hat der der Streit auch die Politik erreicht. Migrations-Staatssekretär Sammy Mahdi, der für die Ausweisung verantwortlich zeichnet, sah sich sogar gezwungen, in der Zeitung „Le soir“ einen offenen Brief zu veröffentlichen. Zuvor war der 33-Jährige, der einen irakischen Vater hat, von vielen Muslimen als Verräter beschimpft und bedroht worden. „Hätte ich die Berichte der Sicherheitsdienste ignorieren sollen, weil meine Wurzeln bis nach Bagdad reichen?“ fragt Sammy Mahdi. Die Angriffe auf ihn kamen sogar aus der eigenen, konservativen Partei. Ahmed El Khannouss, ehemaliger Gemeinderat in Molenbeek, hatte Sammy Mahdi auf Facebook vorgeworfen, den extremen Rechten Konkurrenz machen zu wollen. Der Lokalpolitiker hat sich inzwischen von seinen Aussagen distanziert – allerdings erst, als im angedroht wurde, aus der Partei ausgeschlossen zu werden.

Belgien zahlt seinen Bürgern 100 Euro

Die Kosten für Gas und Strom steigen steil an. Nun hat die Regierung in Brüssel reagiert. Belgien entlastet Haushalte wegen der hohen Energiepreise mit einer Einmalzahlung von 100 Euro.

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Ein „Kaufkraft-Booster“ für Belgien

Die Regierung beschloss auch, die Mehrwertsteuer für Elektrizität vorübergehend zu senken. Premierminister Alexander De Croo nannte die Maßnahmen einen „Kaufkraft-Booster“. Konkret wird die Mehrwertsteuer für Strom ab März bis Ende Juni von 21 auf 6 Prozent gesenkt und allen Haushalten werden einmalig 100 Euro ihrer Stromrechnung erlassen. Zudem wird demnach ein besonderer Sozialtarif für Haushalte mit niedrigem Einkommen bis Ende Juni verlängert. Insgesamt kosteten die Maßnahmen etwa 1,1 Milliarden Euro. Neben Belgien haben auch andere europäische Länder Maßnahmen ergriffen, um Verbraucher vor den seit letztem Jahr stark angestiegenen Energiepreisen zu schützen.

Nicht alle finden die Maßnahmen in Belgien gut. Ökonomen kritisieren, dass die Zahlungen den Haushalt zu sehr belasten.

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Ausschreitungen bei Querdenker-Demo in Brüssel

Die Stimmung war von Anfang an aufgeheizt. Die Polizei war allerdings gerüstet. Die Proteste gegen die Corona-Beschränkungen in Brüssel sind an ihrem Ende in Gewalt umgeschlagen.

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Die Teilnehmer sehen sich in einer Diktatur – demonstrieren dürfen sie aber dennoch!

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Die Demo schlägt in Gewalt um

Mehrere Hunderttausend Menschen hätte an dem Protest in Brüssel teilgenommen, sagen die Veranstalter. Diese Zahl wird auch von den Querdenkern in den sozialen Netzwerken übernommen. Die Polizei spricht allerdings nur von etwa 50.000 Teilnehmern aus dem In- und Ausland – was der Wahrheit sehr nahe kommen dürfte.

Nach einem ruhigen, aber gespannten Beginn des Demozuges vom Nordbahnhof in Richtung Europaviertel, kam es immer wieder zu kleinen Scharmützeln. Einige Teilnehmer warfen Steine und Feuerwerkskörper, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Die Gewalt war so vehement, dass sich die Einsatzkräfte gezwungen sahen, in einer U-Bahnstation Schutz zu suchen. Am Ende wurden 70 Demonstranten festgenommen. Bei den Ausschreitungen wurde die gläserne Eingangstür zum Sitz des EU-Außenbeauftragten eingeschlagen. Borrell verurteilte die „Zerstörung und sinnlose Gewalt“.

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Ausschreitungen bei der Demo in Brüssel

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Teilnehmer aus ganz Europa

Zu der Demonstration hatten unter anderem die Bewegungen World Wide Demonstration for Freedom und Europeans United for Freedom aufgerufen. Sie luden ausdrücklich auch Menschen aus anderen EU-Staaten ein, sich dem Protest anzuschließen. Teilnehmer schwenkten unter anderem polnische, niederländische und rumänische Flaggen. Auch aus Deutschland waren Menschen angereist und schwenkten ein Transparent auf dem stand, dass die „rote Linie“ erreicht sei. Die aus Frankreich angereisten Gruppen skandierten Parolen und forderten den Rücktritt von Staatspräsident Emmanuel Macron.

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Belgiens Premier verurteilt die Ausschreitungen

Die Demonstranten trugen Transparente mit Parolen gegen den belgischen Regierungschef Alexander De Croo. Sie kritisierten zudem den Corona-Pass, mit dem in Belgien in zahlreichen öffentlichen Einrichtungen eine Corona-Impfung oder ein negativer Test nachgewiesen werden müssen. „Die Meinungsfreiheit gehört zu den Grundlagen unserer Gesellschaft“ und jeder dürfe seine Meinung frei äußern, erklärte De Croo. „Aber unsere Gesellschaft wird niemals blinde Gewalt akzeptieren und erst recht nicht gegen unsere Polizeikräfte.“

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Belgien vor einem Corona-Tsunami

In Belgien war die Zahl der täglichen Neuinfektionen in der vergangenen Woche auf mehr als 60.000 gestiegen. Die Behörden sprachen daher von einem Corona-„Tsunami“. Wegen des meist milderen Verlaufs bei einer Infektion mit der dominierenden Omikron-Variante und der hohen Impfrate ist das belgische Gesundheitssystem jedoch nicht so stark belastet wie während früherer Corona-Wellen. Regierungschef De Croo hatte daher am Freitag mitgeteilt, dass Restaurants und Bars ihre Öffnungszeiten wieder verlängern dürften. Diskotheken müssten allerdings weiterhin geschlossen bleiben.

Stromae antwortet im Interview mit neuem Song

Stromae ist mehr als ein Sänger. Dass er ein besonderer Künstler ist, hat der Belgier in einem Interview mit dem französischen Sender TF1 bewiesen.

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Musik als Lebensretter

Ob die Musik ihm geholfen habe, sich von der Einsamkeit zu befreien, fragte die Journalistin Anne-Claire Coudray den Künstler. Stromae begann daraufhin, zu singen: „Ich bin nicht alleine damit, einsam zu sein.“ Es war das erste Mal, dass er seine neue Single „L’Enfer“ präsentierte. In dem Lied, das auf Deutsch übersetzt „Die Hölle“ heißt, singt Stromae von Suizidgedanken.

Es ist bereits die zweite Single, die der 36 Jahre alte Musiker in den vergangenen Monaten veröffentlicht hat. Im Oktober brachte er nach jahrelanger Pause den Titel „Santé“ heraus, der ein Tribut an Arbeiterinnen und Arbeiter ist. Am 4. März soll sein neues Album „Multitude“ erscheinen.

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Ein neuer Song als Antwort

Alles habe ganz „normal“ angefangen, erzählt Stromae wähend des Interviews. „Normal“ ist ein Wort, das immer wieder in den Antworten des Künstlers, als er über seine überraschende Pause vor sieben Jahren spricht. „Ich musste einfach Dinge erleben. Ich habe geheiratet, ich habe ein Kind bekommen, das jetzt drei Jahre alt ist. Das Leben auf Tour hingegen ist nicht sehr interessant, naja, es ist ein Sommercamp. Wir erleben aber keine normalen Dinge.“

Sechs Jahre war Stromae praktisch abgetaucht. Um das Verschwinden des belgischen Musikers ranken sich viele Gerüchte. Die offizielle Version: wegen der Einnahme eines Malaria-Medikamentes während einer Konzerttour 2015 durch Afrika litt er plötzlich unter Angstzuständen. Es war damals das jähe Ende der Tournee mit dem bereits legendären Album „Racine Carrée“, das über drei Millionen Mal verkauft wurde. Der musikalische Marathon führte ihn im Jahr 2015 quer durch Europa, Nordamerika, Brasilen und Afrika. Damals spielte er an 209 Abenden vor über 1,6 Millionen Menschen, bevor er am Ende seiner Kräfte in Ruanda die Tour abbrechen musste. Das ostafrikanische Land ist auch die Heimat seines Vaters, der die Familie einst verlassen hatte, von Belgien nach Afrika zurückkehrte und im Jahr 1994 während des Völkermordes in Ruanda getötet wurde. Um dieses Trauma zu verarbeiten hatte Stromae den Welterfolg Papaoutai (Papa, wo bist Du) geschrieben. Der Sänger hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass die Tournee für ihn die Hölle und er physisch und psychisch am Ende gewesen sei.

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Die Rückkehr ist auch eine Standortbestimmung

Die Erwartungen an Stromae, der mit bürgerlichem Namen Paul Van Haver heißt, sind allerdings von allen Seiten sehr hoch geschraubt. Für das neue Album seinem dem Künstler eine Million Euro Minimum für die Veröffentlichung garantiert.

Für Stromae ist die Rückkehr auf die Bühne auch eine Art Standortbestimmung. Viele seiner jungen Fans, vor allem beim Festival Les Ardentes in Lüttich, werden ihr Idol zum ersten Mal überhaupt mit eigenen Augen sehen.

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Mit seinen 36 Jahren zählt Stromae zu den Veteranen einer inzwischen sehr populären belgischen urbanen Musikszene, deren Pate der Sänger mit seinen Welterfolgen einst war. Allerdings hat sich in den Jahren seines Verschwindens auch die Musik, eine Mischung aus Rap, Elektro und afrikanischen Klängen, rasant weiterentwickelt. Er habe „nie wirklich aufgehört Musik zu machen“, sagte Stromae, in einem seiner wenigen Interviews. Und das klingt wie ein Beschwörung, die alle Kritiker angesichts seines Comebacks zum Schweigen bringen soll.

Belgische Justiz hebt Corona-bedingte Schließung kultureller Spielstätten auf

Der Aufschrei bei den Künstlern in Belgien war riesig. Die Regierung hatte wegen Corona die Schließung aller kultureller Spielstätten angeordnet. Doch nun macht die Justiz diesem Plan einen Strich durch die Rechnung.

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Erleichterung in der Kunstwelt

Die Entscheidung des Staatsrates war eine große Erleichterung für die Kunstwelt in Belgien. Die Richter erklärten, es sei von der Regierung nicht hinreichend dargelegt worden, inwiefern die Spielstätten „besonders gefährliche“ Aufenthaltsorte seien und somit zur Ausbreitung des Coronavirus beitrügen. Daher sei auch nicht zu erkennen, warum ihre Schließung angeordnet werden müsse. Die Entscheidung des obersten Verwaltungsgerichts des Landes bezieht sich auf Konzerthallen, Theater und andere Spielstätten, nicht aber auf Kinos. Die belgische Regierung hatte die Schließung der Spielstätten am 22. Dezember angeordnet, um die Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus in Belgien zu einzudämmen. 

Am Sonntag haben Tausende Belgier gegen die Verschärfung der Corona-Maßnahmen im Kulturbereich protestiert. Rund 5000 Menschen gingen nach Angaben der Polizei in Brüssel auf die Straße. Vertreter von Theatern und der Staatsoper in Brüssel riefen die Regierung auf, die Schließung von Kultureinrichtungen zu überdenken. „Nein zu diesem idiotischen Dekret!“ und „Keine Kultur, keine Zukunft“ war auf den Plakaten der Demonstranten zu lesen.

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„Wir analysieren derzeit eingehend das Urteil des Staatsrats“, teilte das Büro von Regierungschef Alexander De Croo am Dienstagabend mit. „Alle notwendigen Abstimmungen werden schnell stattfinden.“ Am Sonntag hatten tausende Menschen in Belgien gegen die neuen Auflagen demonstriert. Derweil sind derzeit einige belgische Kinos, etwa in Brüssel, Namur und Lüttich, geöffnet, obwohl dies eigentlich weiterhin untersagt ist.

Kinos dürfen wohl auch öffnen

Auch die Anordnung zur Schließung von Kinos könnte in den kommenden Tagen aber aufgehoben werden, da hierzu ebenfalls mehrere Beschwerden beim obersten Verwaltungsgericht eingereicht wurden. Die Kulturministerin von Brüssel und der französischsprachigen Region Wallonien, Bénédicte Linard, sprach sich dafür aus, die Kinos schon jetzt wieder zu öffnen. Nach der Entscheidung des Staatsrats vom Dienstag ergebe es keinen Sinn, das Urteil zu den Kinos abzuwarten. 

Die Corona-Zahlen in Belgien waren in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen, doch die Ausbreitung der besonders ansteckenden Omikron-Variante bereitet den Behörden Sorgen.

Niederländer stürmen die Nachbarländer

Unterdessen bereitet den belgischen Behörden ein anderes Problem sehr großes Kopfzerbrechen. Denn im Nachbarland Niederlande besteht noch bis Mitte Januar ein Lockdown, mit dem die Verbreitung der stark ansteckenden Omikron-Variante gebremst werden soll. Geschäfte, Gaststätten, Schulen, Kultur- und Sporteinrichtungen sind geschlossen. Ausnahmen gelten für Supermärkte oder Apotheken. Seit Dienstag gilt Omikron in den Niederlanden offiziell als die dominante Variante des Coronavirus.

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Um über die Feiertage doch noch zum langersehnten Einkaufsbummel zu kommen, sind viele Niederländer in die Nachbarländer gereist. Der niederländische Gesundheitsminister Hugo de Jonge hat seine Landsleute aufgerufen, angesichts der Corona-Pandemie vorerst nicht mehr zum Einkaufen nach Deutschland oder Belgien zu fahren. „Wenn es in den Niederlanden unvernünftig ist, durch die Einkaufsstraßen zu gehen, dann ist es das auch in Antwerpen oder Aachen“, sagte De Jonge am Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur ANP. „Ich rufe Sie dringend auf: Bleiben Sie zu Hause.“

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 Ob sich die Niederländer daran halten, ist allerdings mehr als fraglich. Die belgische Bahn hat sich aus diesem Grund dazu entschlossen, mehr Züge zwischen den Niederlanden und Belgien einzusetzen. Die niederländische Bahn riet am Mittwoch davon ab, Züge in Richtung Belgien zu benutzen. Sie seien oft so überfüllt, dass es unmöglich sei, den erforderlichen Mindestabstand einzuhalten.   dpa

Belgischer Kickbox-Weltmeister stirbt an Corona

Frédéric Sinistra brüstete sich immer wieder, der stärkste Mann von Belgien zu sein. Nun hat der durchtrainierte 40-jährige Kickboxer seinen letzten Kampf verloren. Er ist an einer Infektion mit dem Corona-Virus gestorben. Bis zu zuletzt hatte Sinistra die Existenz des Virus geleugnet und war natürlich nicht geimpft.

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Fotos von der Intensivstation

Frédéric Sinistra wollte eigentlich nicht ins Krankenhaus, so einen „kleinen Virus“ könne er selbst besiegen. Erst als ihn sein Trainer dazu drängte, ließ er sich in die Klinik einweisen und wurde sofort auf die Intensivstation verlegt. Zu jenem Zeitpunkt hatte das Virus seine Lunge bereits stark angegriffen. Der Sportler selbst postete dann Fotos von sich in den sozialen Medien, in einem Krankenhausbett mit Beatmungsschläuchen in der Nase – aber noch immer sehr selbstbewusst auftretend.

Auf Facebook schrieb der Kickboxer noch am 26. November: „Leider wird mein Kampf am 4. Dezember in Nîmes abgesagt. Dank meines liebevollen Onkels, meines Trainers Osman Yigin, bin ich angewidert, aber lebendig.“ Trotz des schweren Verlaufs leugnete er weiter beharrlich die Existenz des Corona-Virus. „Eine Reihe von Krankheiten begannen, meine Lunge anzugreifen“, ließ er seine Fans wissen, ohne das Wort Corona überhaupt zu erwähnen. Und dann das Versprechen: „Ein Krieger dankt niemals ab !!!!!! Ich werde noch stärker zurückkommen.“

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Schließlich verließ er, gegen den dringenden Rat der Ärzte, das Krankenhaus und behandelte sich selbst zuhause mit Sauerstoff. Er wollte diesen Kampf zuhause führen, litt er doch nur an einer kleine Erkältung. Doch die Infektion war auch für seinen durchtrainierten Körper zu stark. Frédéric Sinistra starb am 15. Dezember im Alter von 40 Jahren infolge der Infektion.

Tapir-Nachwuchs im Zoo Antwerpen

Große Freude im Antwerpener Zoo! Dort wurde ein schwarzer malaysischer Tapir geboren. Pünktlich zu Weihnachten enthüllte der Tierpark erste Bilder des kleinen Tieres, das in seinem Gehege herumtollte. Auf die Welt kam der Nachwuchs bereits am 4. Dezember.

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Auf der Suche nach einem Namen

„Mutter Nakal und dem kleinen Jungen geht es gut“, heißt es aus dem Tierpark. Das sei eine sehr gute Nachricht, denn die Art sei vom Aussterben bedroht. Die Tapir-Fans wurden aufgefordert, Vorschläge für den Namen zu machen, der noch etwas anders aussieht als seine Eltern. In ein paar Monaten wird das kleine Tier allerdings seine weißen Flecken verlieren.

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Der Malaysische Schwarze Tapir ist durch Abholzung gefährdet. Es gibt schätzungsweise weniger als 2500 der Art in freier Wildbahn, und malaiische Tapire stehen seit 2014 auf der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN. Wie der Zoo Antwerpen betont, sei der Tapir auch wichtig für die Renaturierung des Urwaldes. „Wenn der Tapir Früchte frisst, verdaut er nicht auch alle Samen. Die halbverdauten kommen natürlich heraus, sie keimen und bilden so eine neue Pflanze“, heißt es von den Verantwortlichen.

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Obwohl Tapire Schweinen oder Ameisenbären ähneln, sind sie tatsächlich mit Pferden und Nashörnern verwandt. Ein ausgewachsener Tapir wiegt zwischen 550 und über 1000 Pfund.

Belgiens Atomausstieg mit Hintertür

Belgien wird seine sieben Atomreaktoren wie geplant bis 2025 abschalten – schließt einen Wiedereinstieg in die Kernkraft aber nicht aus. Die Regierungskoalition einigte sich auf einen entsprechenden Kompromiss.

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Die Hintertür

Entscheidend für eine mögliche Verlängerung der Laufzeiten, ist der Bau des Gaskraftwerks Vilvoorde. Das soll laut Atomausstiegsplan die Stromversorgung teilweise gewährleisten, wenn die Meiler vom Netz sind. Allerdings sind die Verhandlungen des französischen Energieunternehmens Engie ins Stocken geraten, da die flämische Regierung die Betriebserlaubnis verweigert hat. Deshalb heißt es in der Vereinbarung zum Atomausstieg:

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„Wenn für diese Anlage vor dem 15. März keine endgültige endgültige behördliche Genehmigung vorliegt, kann beschlossen werden, aus den nicht ausgewählten Projekten eine andere Kapazität auszuwählen.“

Tageszeitung Le soir

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Atomkraft in Belgien umstritten

In Belgien war der schrittweise Atomausstieg 2003 in Gesetz gegossen worden. Den Vollzug bis spätestens 2025 hatte die Regierung von Ministerpräsident Alexander De Croo bei ihrem Amtsantritt im Oktober 2020 angekündigt. Allerdings ist der endgültige Ausstieg aus der Nuklearenergie in der Brüsseler Sieben-Parteien-Koalition umstritten. Während die grüne Energieministerin Tinne Van der Straaten einen Komplettausstieg forderte, argumentierte De Croos liberale Partei MR, dass bei einem vollständigen Atomausstieg die Versorgungssicherheit durch Gaskraftwerke sichergestellt werden müsse – und diese seien klimaschädlicher als Akw. Rund 40 Prozent des in Belgien erzeugten Stroms gehen bislang auf die Atomkraft zurück.

Investitionen in kleine Atomkraftwerke

Aber auch wenn Belgien aus der Atomkraft im Jahr 2025 aussteigen sollte, wird die Technik nicht ad acta gelegt. Denn die Regierung will etwa 100 Millionen Euro in die Forschung zu sogenannten kleinen Atomkraftwerken (SMR) investieren.

In der Vereinbarung heißt es, dass das Land „bis 2050 ein nachhaltiges, kohlenstofffreies Energiesystem einrichtet, indem es die Elektrifizierung (Mobilität und Wärme), kontrollierbare Kapazität und Speicherung stärkt“. In diesem Zusammenhang heißt es, dass „die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren“ ihren Platz haben wird. Und weiter: „Wir dürfen den Forschungszug nicht verfehlen“ bei diesen fortschrittlichen Technologien. „Dazu wird ein langfristiges Programm entwickelt.“

Streit in der EU um Atomkraft

Über eine mögliche Renaissance der Atomkraft wird derzeit in der EU heftig gestritten. Mit Spannung erwartet wird ein Rechtstext der EU-Kommission zu grünen Investitionen. Die Brüsseler Kommission unter Ursula von der Leyen erwägt, die Atomenergie dabei auf eine Liste „nachhaltiger“ Energieformen aufzunehmen.  Während Deutschland eine Einstufung der Atomkraft als nachhaltig vehement ablehnt, gehört insbesondere Frankreich zu den Befürwortern einer solchen Bewertung. Präsident Emmanuel Macron hält die Atomenergie für unerlässlich, damit Frankreich und die EU wie geplant bis 2050 klimaneutral werden können. 

Flamen mit knuffelcontact und knaldrang

Die Corona-Pandemie bestimmt auch die Sprache im Alltag. Aus diesem Grund ist „Knaldrang“ in Flandern zum Wort des Jahres gewählte worden. Es beschreibt das Bedürfnis der Menschen zu feiern – es also richtig knallen zu lassen.

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Ein Hit zum knaldrang

Gewählt wurde das Wort von einer Bürgerjury. Das Wort landete mit gut 37 Prozent der Stimmen auf Platz eins. Laut dem flämischen Rundfunksender VRT ist „knaldrang“ ein vor allem bei jungen Menschen verbreiteter Ausdruck und steht für ein „intensives Bedürfnis zu feiern“. Dieses Wunsch komme angesichts der strengen Corona-Auflagen zu kurz, heißt es. 

Wegen der massiv gestiegenen Ansteckungen hatte die belgische Regierung Ende November die erneute Schließung der Diskotheken und andere Kontaktbeschränkungen verkündet. Bekannt wurde „knaldrang“ durch einen gleichnamigen Hit der niederländischen Sängerin Merol. Auch im vergangenen Jahr hatte es ein Corona-Begriff in Flandern auf den Spitzenplatz geschafft: „knuffelcontact“, wörtlich übersetzt „Kuschelkontakt“. Damit hatte Belgiens Gesundheitsminister Franck Vandenbroucke die erlaubten persönlichen Kontakte in der Pandemie bezeichnet.

Manche Flamen trauern dem Ende des Festes auf besonders kreative Weise hinterher. Manchmal wird es dabei auch etwas makaber, wie diese Traueranzeige zeigt.

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