Berlusconi, Putin und eine Flasche Wein für 150.000 Dollar

Silvio Berlusconi wollte doch nur einen alten Freund besuchen – nun hat er davon nichts als Ärger.

15.09.18-Berlusconi Stolz postete Berlusconi Bilder von sich und Putin auf Instagram. Hier der Link zu Instragam

Ein teurer Schluck Wein

Dass der italienische Ex-Premier mit dem Gesetz in Konflikt gerät, ist zumindest in seinem Heimatland nichts Neues. Doch dass er einmal wegen der Verköstigung eines edlen Weines belangt werden könnte, ist auch für skandalerprobten Berlusconi etwas Neues. Wladimir Putin und sein Freund Silvio Berlusconi ließen es sich bei Berlusconis Besuch auf der von Russland annektierten Krim gut gehen. Sie besuchten das berühmte Weingut „Massandra“. Die Direktorin Janina Pawlenko öffnete zu diesem Anlass eine von fünf Flaschen eines 240 Jahre alten Weins aus Jerez de la Frontera. Damit wurde eine der ältesten Falschen aus der Enothek des traditionsreichen „Massandra“-Betriebes geöffnet. Der Gründer von „Massandra“, Graf Mikhail Voronzov, hatte den Wein aus der Ernte von 1775 auf die Krim gebracht. Der aktuelle Preis einer solchen Flasche wird von Experten auf rund 150.000 Dollar geschätzt.

Das aber hat die ukrainische Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Die ermittelt nun nämlich wegen Unterschlagung, heißt es aus der Ukraine. Der Grund: das einst ukrainische Gut Massandra, das zahlreiche Raritäten in seinen Kellern hat, wurde nach der russischen Annexion der Krim verstaatlicht. Sehr unwahrscheinlich ist allerdings, dass die Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen Erfolg haben dürfte. Die Einleitung des Verfahrens ist folglich eher symbolischer Natur.

Einreiseverbot in die Ukraine

Aber damit nicht genug. Die Reise Berlusconis hat noch andere Folgen. Der Sicherheitsdienst der Ukraine hat dem italienischen Ex-Premier „im Interesse der nationalen Sicherheit“ die Einreise für drei Jahre verboten. Das schreibt „SputnikNews“.  Das ist der Link zu dem Artikel. 

15.09.18-sputini Screenshot von SputnikNews

„In Bezug auf den italienischen Staatsbürger Silvio Berlusconi wurde am 14. September 2015 der Beschluss gefasst, ihm die Einreise in die Ukraine im Interesse der Gewährleistung der Sicherheit des Landes für drei Jahre zu verbieten“, heißt es in einer schriftlichen Antwort der Sicherheitsbehörde, die das Internet-Portal Apostrof in Beantwortung seiner entsprechenden Anfrage bekommen hat. Aber auch dieser Schritt dürfte eher symbolischen Charakter haben.

Zumindest befindet sich Berlusconi nun in bester Gesellschaft. Auch Gerard Depardieu, Putin-Freund und ehemals französischer Schauspieler, steht ebenfalls auf der schwarzen Liste der Ukraine. Er machte allerdings zuletzt Urlaub in Weißrussland – bei seinem anderen Freund, Präsident Lukaschenko.

Berlusconi, ein Minister von Putins Gnaden?

Silvio Berlusconi ist immer für eine Schlagzeile gut. Sitzt der italienische Politiker bald im russischen Kabinett? Das fragt sich die italienische Zeitung „La Stampa“ – und übergießt ihn mit beißendem Spott.

15.05.28-francesca Berlusconi ist immer für eine gute Geschichte zu haben. Hier zeigt er sich auf Instagram mit seiner neuen Lebensabschnittsbegleiterin.

Berlusconi als Minister bei Putin

Wirklich sicher ist die Geschichte nicht – aber man traut sie dem eitlen und offensichtlich noch immer gekränkten Berlusconi allemal zu. Nach Informationen von „La Stampa“ hat Italiens Ex-Regierungschef bei einem Abendessen damit geprahlt, dass der russische Präsident Wladimir Putin ihm einen Ministerposten in Moskau übertragen würde. „In Italien wurde ich an den Rand gedrängt“, sagte der 78-Jährige demnach nach Angaben eines der Anwesenden. Putin hingegen habe ihm gesagt, er wäre bereit, ihm die russische Staatsbürgerschaft und die Leitung des Wirtschaftsministeriums anzubieten.

Süffisanter Kommentar

Eine solche Aussage kann allerdings nicht unkommentiert bleiben. Also spottete der Kommentator von „La Stampa“ über die angeblichen Äußerungen des 78-Jährigen: „Silviusko“ werde für das Scheitern seines ersten Fünfjahresplans wenigstens nicht „die ausufernde Macht von Richtern und Journalisten“ verantwortlich machen können, schrieb Massimo Gramellini. Von dieser „Plage“ habe sich Russland schon lange befreit. In Anspielung auf Berlusconis Vorliebe für junge Frauen fügte der Journalist hinzu: Wichtige Treffen mit Putin würden sicher nach Mitternacht in dessen Datsche abgehalten – „mit einer Gruppe junger Ökonominnen“.

Auf den Spuren von Depardieu

Berlusconi wäre nicht der erste prominente West-Europäer, der nach Russland übersiedelt: Der französische Schauspielstar Gérard Depardieu nahm aus Ärger über die Steuerpolitik in seiner Heimat 2013 die russische Staatsbürgerschaft an. Sein offizieller russischer Wohnsitz ist in der Stadt Saransk.

Der Link zu „La Stampa“

Berlusconi auf Abwegen

Peinlicher Fehler des Cavaliere. Der ehemaligen italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi nahm vor dem Regionalwahlen in Segrate bei Mailand an einem Straßenfest des konkurrierenden Mitte-Links-Kandidaten Paolo Micheli teil und warb für diesen.

15.06.01-Berlusconi Ein Ausriss aus dem Corriere della Sera mit dem irrlichternden Berlusconi

Paolo Micheli zögerte natürlich keine Sekunde, diesen Fehltritt der Welt zu verkünden.  Berlusconi blieb demnach etwa fünf Minuten, bis er merkte, dass er das falsche Fest erwischt hatte. Ursprünglich wollte Berlusconi zu der Veranstaltung seiner Mitte-Rechts-Kandidatin Tecla Fraschini, die in der Nähe stattfand. „Berlusconi hat sich mit einigen Jugendlichen unterhalten, hat sie gefragt, wie der Name des Kandidaten lautet“, berichtete Micheli. „Dann hat er ihnen gesagt: „Am Sonntag findet ihr etwas Zeit, um für Paolo zu stimmen“, bevor er bemerkt hat, dass er auf dem falschen Fest ist.“

Hier der Link zum Bericht im Corriere della Sera

Nachtrag zum Wahlergebnis:

Die Demokratische Partei von Ministerpräsident Matteo Renzi hat in fünf von sieben Regionen gewonnen. Doch schnitt die Regierungspartei schwächer ab als bei der Europawahl vor einem Jahr. Stark schlug sich dagegen die ausländerfeindliche Lega Nord. Ihr Chef Matteo Salvini gilt Experten nun als kommende Führungsfigur der Konservativen. Auch die Fünf-Sterne-Bewegung des Komikers Beppe Grillo konnte regional punkten.

„Das Ergebnis zeigt den Aufstieg eines neuen führenden Kopfes für die rechte Mitte: Salvini“, sagte Experte Wolfgango Piccoli von der Organisation Teneo Intelligence. „Es gibt nun im Prinzip zwei Matteos in der italienischen Politik: Matteo Renzi und Matteo Salvini.“ Salvini, der seinen Wahlkampf vor allem gegen Migranten und die Europäische Union richtete, habe die Lega Nord von einer regionalen in eine landesweite Partei umgeformt.

Berlusconi entdeckt Instagram

Silvio Berlusconi ist zurück. 2013 war er wegen Steuerbetrugs verurteilt worden, musste Sozialdienst im Altenheim ableisten und durfte zwei Jahre kein öffentliches Amt bekleiden. Doch das alles ist Geschichte und Berlusconi will es noch einmal wissen. Für den Start ins neue politische Leben hat der „Cavaliere“ das Internet entdeckt. Seit einigen Tagen ist der 78-Jährige auf dem Fotonetzwerk Instagram unterwegs.

15.05.28-Berlu01 Berlusconi verfolgt den ESC

Tiefe Einblicke

Dort gibt er tiefe, manchmal auch ungeschminkte Einblicke in sein sagenumwobenes Privatleben. Das allerdings ist – entgegen vieler Vermutungen – eher gewöhnlich. Keine Bilder von ausschweifenden Bunga-Bunga-Partys mit minderjährigen Teilnehmerinnen in Nonnenkostümen, keine Trinkgelage mit teurem Schampus und Kaviar. Berlusconi hatte all diesen Darstellungen immer energisch widersprochen und stets nur von „eleganten Abendessen“ erzählt. Die Richter glaubten ihm und sprachen den Mann frei, der viermal Ministerpräsident von Italien war und fast 15 Jahre das Land regiert hat.

15.05.28-francesca Berlusconi und seine Freundin Francesca

Die ungeschminkte Wahrheit

Nun also zeigt Berlusconi auf Instagram seine Wahrheit – und die einzigen, die ausgelassen durch die sagenumwobene Villa Arcore toben sind seine drei Hündchen. Der 78-Jährige selbst gibt sich seriös, drückt beim ESC zu nächtlicher Stunde den italienischen Tenören die Daumen und schmiegt sich selig lächelnd an seine fast 50 Jahre jüngere Freundin Francesca Pascale. Die Botschaft ist eindeutig: Seht her, ich bin kein hormongesteuerter Hallodri und kaltblütiger politischer Strippenzieher! Hier präsentiert sich auf teils verschwommenen Bildchen ein ganz normaler Mann, der sehr hart für sein Land arbeitet – es ist die heile Welt eines italienischen Patrioten. Immer wieder sind auf den Bildchen geschickt beiläufig die Farben der italienischen Flagge drapiert – sei es als Blumengesteck im Hintergrund oder auf dem Teller als grün-weiß-rote Pasta.

15.05.28-pasta Berlusconi und seine Pasta

Kampf ums Überleben

Fast 100 Fotos sind in einer Woche hochgeladen worden und über 27.000 Abonnenten hat der Account. Und warum das alles? Es ist der Kampf ums politische Überleben! Berlusconis Partei „Forza Italia“ droht der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Kommenden Sonntag sind Regionalwahlen und es droht eine politische Katastrophe – aber daran ändert wahrscheinlich auch der patriotische Instagram-Auftritt Berlusconis herzlich wenig.