Boris Palmers Schmähbrief

Der Tübinger Oberbürgermeister Palmer ist ein streitbarer Politiker. Dass er auch ein Talent als Satiriker besitzt, beweist er mit einem offenen Brief an den türkischen Staatschef Erdogan. Darin fordert er ihn auf, Jan Böhmermann „die Eier abzuschneiden“.

 

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Ein Text auf der Meta-Ebene

Immer wieder eckt der Tübinger Oberbürgermeister mit seinen Aussagen an – sei es zur Flüchtlingspolitik, den Verkehrskonzepten des Landes oder zum Baumbeschnitt. Als Satiriker ist Palmer allerdings noch nie aufgefallen. Doch nun stellt der Politiker sein Talent auch auf diesem Gebiet unter Beweis.

In einem offenen Brief an den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan tut er via Facebook seine Meinung zum Fall Jan Böhmermann kund. Allerdings – und das ist das Vertrackte an der Sache – darf der Text vom  Leser nicht wörtlich genommen werden. Man muss also die in der Causa Böhmermann viel zitierte Meta-Ebene erklimmen, um den Inhalt in seiner Gänze zu verstehen. Insofern gleicht das Schriftstück Palmers dem umstrittenen Schmähgedicht von Jan Böhmermann – ist allerdings nicht ganz so vulgär.

„Böhmermann spricht nicht für Deutschland“

Schon der erste Satz kommt daher wie eine Provokation. „Böhmermann spricht nicht für Deutschland“, schreib Palmer. Diese Aussage erscheint sehr mutig in einer Zeit, in der scheinbar jeder Bundesbürger zum Verteidiger der freien Meinungsäußerung mutiert ist. Aber, wie gesagt, es ist alles Ironie.

Und weiter geht es. Palmer entschuldigt sich für die „schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, die Böhmermann gegenüber Erdogan verübt habe.

Sollte der geneigte Leser die Palmer‘sche Satire bis jetzt noch nicht in seiner Gänze erkannt haben, müsste er spätestens an der Stelle stutzen, an der der OB Erdogans Kampf gegen die Meinungsfreiheit in den höchsten Tönen lobt. „Mehr als 2000 Strafverfahren wegen Beleidigung des Präsidenten sprechen eine klare Sprache“, jubelt Palmer.

„Schneiden Sie Herrn Böhmermann die Eier ab“

Schließlich fordert der Tübinger Politiker, dass Böhmermann auf jeden Fall an die Türkei ausgeliefert werden müsse – da in Deutschland wegen des „zu schwachen Strafrechts“ eine Bestrafung wohl kaum in angemessener Weise möglich sei.

Dann steuert Boris Palmer – und das macht der Politprofi wie ein Vollblut-Satiriker – seinen Text im letzten Satz pfeilgerade dem lang ersehnten Höhepunkt zu. „Schneiden Sie Herrn Böhmermann die Eier ab, damit er sich nie wieder über Präsidenten mit kurzem Schwanz lustig macht.“ Wer an dieser Stelle nicht zumindest schmunzelt, der hat den Sinn von Satire wirklich nicht verstanden.

 

ZDF zensiert Böhmermann-Schmähung Erdogans

Jan Böhmermann musste etwas tun. Die Reaktion des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf das Witzfilmchen der NDR-Sendung „extra3“ konnte er nicht unkommentiert lassen. Doch nun wurde der Chef-Satiriker des deutschen Fernsehens vom eigenen Sender ausbremst.

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Der Bildschirm bleibt schwarz

Vom ZDF aus der Sendung genommen

Böhmermanns „Neo Magazin Royale“, das am Donnerstag online in der ZDF Mediathek veröffentlicht wurde und die planmäßig am Freitag (01.04.2016) nach der „heute show“ im linearen Programm des ZDF ausgestrahlt werden soll, wurde vom ZDF aus der Mediathek entfernt. Als Grund gibt der Sender an, die darin enthaltene Parodie über den türkischen Präsidenten Erdogan in der Sendung entspreche „nicht den Ansprüchen, die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt.“

Dabei ist der Zweck der Parodie durchaus ein erzieherischer und aufklärerischer. Böhmermann und Ralf Kabelka erklären den Unterschied zwischen hierzulande erlaubter Satire und auch in Deutschland verbotener Schmähkritik.

Erdogan auf übelste Weise beschimpft

Zugegeben, der türkische Präsident wird in dem Gedicht mit dem Namen „Schmähkritik“ auf obszöne Weise beleidigt und verunglimpft. Doch Böhmermann und Kabelka geben im Anschluss Tipps, wie Erdogan gegen eine solche Schmähkritik vorgehen kann: Er müsse sich einen Anwalt nehmen und dann zu einem Gericht gehen. Dann könne solch eine Schmähkritik aus der Mediathek entfernt werden, so Kabelka.

Diesen Weg kann sich Erdogan nun aber sparen. Das ZDF war schneller.

 

 

Hier geht es zu dem Bericht über Erdogan und seine Erregung über „extra3“

 

Satire gegen Extremsport

Felix Baumgartner hat Recht! Ihn als „behinderten Volltrottel“, „Nazi“ oder seine Freundin als „billige Schlampe“ zu beschimpfen, ist tatsächlich ein Zeichen von  mangelnder Reife und Niveau. Hier brechen sich die üblichen Facebook-Reflexe die Bahn, die die Plattform wirklich unerquicklich werden lassen. Felix Baumgartners eigener Post ist allerdings auch nicht von schlechten Eltern:

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Damit hat der Extremsportler eine Lawine losgebrochen. Doch wer einen Sprung aus dem Weltall wagt, der ist auch für solche Lebenslagen gestählt. Also schreibt er:

 

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Reichlich albern wirkt bei seinen Posts, dass Baumgartner die übliche Facebook-Diktion verwendet – viele Worte in Großbuchstaben schreibt (das soll das Brüllen ersetzen) und nicht fehlen dürfen natürlich die schier unendlich vielen Ausrufezeichen. So schreibt er über hunderttausende Flüchtlinge, die das Land „UNTERWANDERN“ und vom fehlenden „MORALISCHEN“ Kompass. Und schließlich kommt er noch – wie viele Verschwörungstheoretiker  heutzutage – auf das große Schweigekartell zu sprechen. “Die Polizei und unser Militär haben SPRECHVERBOT und dürfen sich zu den aktuellen Problemen gegenüber der Presse nicht äussern.”  Hier geht es zum FB-Kommentar

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Baumgartner über politische Sachverhalte äußert. In einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Kleine Zeitung“ bezeichnete er „eine gemäßigte Diktatur“ als die beste Regierungsform und erntete viel Spott dafür.

 

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Viele Male wird der Post kommentiert und macht im Netz eine kleine Karriere. Und die Erwiderungen sind durchaus nicht nur auf dem von Baumgartner beklagten „Nazi“-Niveau. Ein User setzt sich mit der Tatsache auseinander, dass man den Sportler durchaus irgendwie auch als eine Art Steuerflüchtling sehen könnte:

 

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Und dann gibt es natürlich noch Jan Böhmermann – jener Satiriker, der die Regeln des Internets wie kein zweiter verinnerlicht hat. Der will sich so eine Chance zum Spott natürlich nicht entgegen lassen.  Er kommentiert unter dem Baumgartner-Post – natürlich im Stil des Extremsportlers, mit vielen Großbuchstaben und Ausrufezeichen:

 

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Und Böhmermann hat natürlich eine Lösung des Problems. Er will Till Schweiger von der Kette lassen. Der Schauspieler, der sich öffentlich und medienwirksam für Flüchtlinge einsetzt und für sie sogar ein Heim bauen lassen will. Dafür muss aber auch er Kritik einstecken:

 

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Tatsache ist: Jeder weiß, dass auch Schweiger gerne die sozialen Plattformen nutzt, um sich Gehör zu verschaffen. Die Fortsetzung der Geschichte „Baumgartner meets Böhmermann“ scheint also gesichert.

 

Was sagt Red Bull?

Wie erwartet findet das „Handelsblatt“ auch einen wirtschaftlichen Aspekt an der Geschichte. Natürlich kann es der Firma Red Bull nicht ganz egal sein, was einer ihrer Werbeträger in die Welt bläst. Im „Handelsblatt“ heißt es:

„Er schlägt aber durch die Erwähnung von Sponsor Red Bull in seinem Posting auch die indirekte Brücke zur Rolle als Teil der Markenidentität des Brausekonzerns. Für das Unternehmen eine sehr unerfreuliche Situation, denn der Kniff des deutschen Moderators bringt Red Bull in Erklärungsnot. Denn Sportler sind immer auch Markenbotschafter und Sprachrohre. Eigentlich kann sich der Weltkonzern Red Bull nicht erlauben, mit schlechter Publicity in Verbindung gebracht zu werden.

 Das Getränkeunternehmen ist völlig unpolitisch, pflegt aber sein Image als Spaß- und Abenteuergetränk. Ein für Grenzzäune und Schutz des österreichischen Volkes vor der Unterwanderung durch Flüchtlinge warnendes Aushängeschild dürfte einigen Managern sauer aufstoßen.“

Was sagt Till Schweiger?

Zwei Tage hat es gedauert, bis Till Schweiger sich zu Wort gemeldet hat. Getan hat er das auf stern.de
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Die Sequenz in dem Interview lautete:
Macht Jan Böhmermann Sie wütend?
Nein. Aber ich finde den nicht lustig. Das ist ein leicht verzogener Bubi, der sich selbst am lustigsten findet. Ich kann wirklich über mich selbst lachen. Es gibt da einige witzige Parodien, einige Sketche in „Switsch reloaded“ sind saukomisch, oder auch die SWR3  Parodie über Tschiller ist echt gut. Aber Jan Böhmermann… ich habe das ein Mal geguckt und mich darüber gewundert, dass die den alle so feiern. Warum eigentlich? Weil die so sind wie er?
Jan Böhmermann hatte also vergeblich gehofft, dass Till Schweiger ihm im Kampf gegen den österreichischen Extremsportler beispringen würde – sollte er das je gehofft haben! Offensichtlich ist, dass Schweiger in Sachen Flüchtlingen inzwischen kein Spaß mehr versteht, was allerdings auch mehr als verständlich ist, angesichts der Anfeindungen, die er wegen seines eigenen Projektes erfahren hat.

Was macht Jan Böhmermann?

Wer aber gedacht hatte, dass der Satiriker Böhmermann nun Ruhe geben würde, der sieht sich getäuscht. Er reagiert auf die Tatsache, dass Baumgartner ihn in den sozialen Netzwerken auf seinen Accounts blockte und die Kommentare gelöscht hat – was allerdings wenig sportsmännisch daher kommt.
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Und da es Böhmermann gefällt, die Dinge weit über die Schmerzgrenze hinaus zu treiben, legt er noch einen nach. Auf Twitter lässt er seine Fans wissen.
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Nun wäre eigentlich wieder Felix Baumgartner an der Reihe. Der scheint aber wenig Lust darauf zu haben, aus diesem Internet-Clich eine unendliche Geschichte zu machen.

Haftbefehl kontert Böhmermann

Die Battle ist eröffnet. Der Rapper Haftbefehl antwortet mit „CopKKKilla“ auf Jan Böhmermanns POL1Z1STENSOHN”.

 

 

Mit seinem Rap-Song hat der Frontmann von “Neo Magazin Royale”  einen Hit auf Youtube gelandet. Darin setzt er als Gangsta-Rapper pöbelnden und Gewalt verherrlichenden Rappern die geballte Staatsmacht entgegen – denn : „Ich habe Polizei“.


Jetzt hat der Frankfurter Rapper Haftbefehl den Satiriker gekontert und ein Video mit dem Titel „CopKKKilla“ veröffentlicht.

Haftbefehl veröffentlichte den Song auf der Video-Plattform YouTube. In „CoppKKKilla“ rappt Haftbefehl unter anderem: „Ihr scheiß Bullen fahrt ruhig weiter euren Hintern warm, bis es heißt, der CopKKKilla kam.“

Auf Facebook postete er ihn mit folgenden Worten: „C-O-P-K-K-K-I-L-L-A in eure Gesichter! Die Medaille hat immer zwei Seiten… #ollischulzistimmernochcooler #abmorgenbeiitunes.“ Olli Schulz ist der Moderationspartner von Jan Böhmermann in der Radiosendung „Sanft und Sorgfältig“.

Böhmermann reagierte auf Twitter mit den Worten: „Es gibt nur 1 COPKKKILLA.“

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Böhmermann zum ESC!

Jan Böhmermann hat wieder zugeschlagen – und wieder sind die GEZ-Gebühren sinnvoll ausgegeben worden.  Als „POL1Z1STENSOHN“ gibt er die musikalische Antwort auf alle Gangster-Rapper. Böhmermann ist gewappnet, denn: „Ich hab Polizei“.

Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ war noch nie der große Quotenbringer, dafür immer für einen Internet-Hype gut. Spätestens seit seinem Varoufakis-Stinkefinger zeigt sich, dass YouTube das stärkste Format des Mannes ist.

So auch in diesem Fall, wenn er pöbelnden und Gewalt verherrlichenden Rappern die geballte Staatsmacht entgegensetzt.

 

Jan Böhmermann zeigt den Mittelfinger

ZDF-Moderator Jan Böhmermann hat mit der satirischen Aussage, er habe das umstrittene Video mit dem griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis gefälscht, einen Sturm in den sozialen Medien ausgelöst. Am Donnerstagvormittag kam dann die Klarstellung vom ZDF: „Das ‚Neo Magazin Royale’ ist eine Satiresendung.“

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Die  Fälschung ist „zu 100 Prozent echt“! Das behauptet zumindest Jan Böhmermann – oder ist seine krude Videobotschaft im Internet auch schon wieder Satire? Aber interessiert sich überhaupt noch jemand für die Wahrheit? Geht es längst nicht um mehr, als nur um einen griechischen Stinkefinger? Tatsache ist: die Internetgemeinde befindet sich in einer Art virtuellem Ausnahmezustand. Der Grund: #varoufake!

Einfache Sache mit komplizierten Weiterungen

Die Sache ist im Grunde schnell erzählt – zumindest der erste Teil der Geschichte. Teil zwei ist komplexer und so schwer zu enträtseln wie die Odyssee. Fest steht: Der ARD-Talker Günther Jauch hatte am Sonntagabend ein Video von einem Auftritt des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis aus dem Jahr 2013 ausgestrahlt. Es soll zeigen, wie der Politiker Deutschland symbolisch den ausgestreckten Mittelfinger zeigt. Varoufakis hatte das Video bei Jauch als gefälscht bezeichnet. Die Empörung in Deutschland war riesig. Wie kann dieser Grieche sich erdreisten, Offensichtliches abzustreiten und Deutschlands angeblich wichtigsten Talker als Lügner hinzustellen?

Doch dann drängt sich der TV-Satiriker Jan Böhmermann ins Geschehen. Der behauptet in seiner ZDF-Sendung „Neo Magazin Royale“, dass er das Video gefälscht, also den Stinkefinger nachträglich ins Bild montiert habe. Varoufakis bedankt sich postwendend über den Nachrichtendienst Twitter bei Böhmermann und verlangt von Jauch eine Entschuldigung. Man fragt sich allerdings wieso? Denn Varoufakis bezichtigte Jauch  zwar der Unwahrheit, twitterte nach der Sendung selbst aber ein Video mit der Stinkefinger-Sequenz. Das wohl als Beweis, dass dieser Abschnitt aus dem Zusammenhang gerissen worden sei.

Welche Rolle spielt Varoufakis?

Zwei Erklärungen sind möglich: Varoufakis scheint sich  durchaus an die obszöne Geste zu erinnern. Oder er hat sie schlicht vergessen und ist selbst der Macht der Bilder  erlegen.  Im zweiten Fall wäre er auch ein Opfer Böhmermann’scher Satire. Denn der behauptet nun, die Fälschung sei gefälscht, es habe den Stinkefinger also gegeben. Alles scheint inzwischen möglich, und damit ist der  Nährboden für den Hype gelegt. Im Internet ist der Hashtag #varoufake  ein Hit, und Böhmermann beobachtet die Aufregung feixend vom Satire-Olymp herab, in den er mit dieser Nummer  aufgestiegen ist. Sein Verdienst ist es, der Empörungsrepublik Deutschland den Spiegel vorgehalten zu haben. Gestritten wird mit  altbekannten Stereotypen von rechtschaffen wirtschaftende Deutschen und faulenzenden Griechen.

Eiskalt hat Böhmermann  das Potenzial zu seinem Zweck genutzt, das in den Auftritten des Athener Finanzministers liegt: das provozierend selbstsichere Auftreten, die polarisierenden Aussagen, das kantige Äußere und vor allem der deutsche Ärger über die griechische Tragödie, der sich über die Jahre bei vielen aufgestaut hat.

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https://www.youtube.com/watch?v=BRvfZmwwHF0&t=10

Eine hochexplosive Mischung

Das alles ist eine hochexplosive Mischung, die Böhmermann in Brand gesetzt hat. Als virtueller Brandbeschleuniger diente ihm das Empörungspotenzial des Internets. Auch hier hatte er  richtig kalkuliert: Die meisten Leute wollen nicht  über die komplexe Thematik der Griechenlandkrise diskutieren, sie wollen ihrer Wut  freien Lauf lassen.  Böhmermann hatte allerdings auch das Glück des Fleißigen.  Jauch übernahm die Stinkefinger-Sequenz aus einem bizarren Musikvideo, das der Satiriker vor wenigen Wochen über Varoufakis gedreht hatte. Ein Fiasko für den so seriös auftretenden ARD-Mann, der sich nun einige Fragen gefallen lassen muss: Weshalb wurde die Echtheit des Videos nicht letztendlich geprüft? Weshalb wurde die Sequenz aus dem Kontext gerissen? Offensichtlich wird, dass Jauch mit dem kurzen Stinkefinger-Ausschnitt vor allem auf den schnellen Effekt zielte und Varoufakis als Lügner darstellen wollte. Diese Episode erschüttert nicht nur die Glaubwürdigkeit von Jauch. Man fragt sich, wie leicht Bilder zu manipulieren sind.

Jauchs Produktionsfirma fordert inzwischen allen Ernstes Beweise von Böhmermann, dass er das Stinkefinger-Video tatsächlich gefälscht hat. Das findet sogar das nicht gerade als Spaßsender bekannte ZDF lustig. Der Programmdirektor Norbert Himmler gab bekannt, dass man in Zukunft das „Neo Magazin Royale“ als Satiresendung kennzeichnen werde.

Böhmermanns Super-Fake

Wieder einmal Wirbel um den griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis. Dieses Mal geht es nicht ums Geld, sondern um seinen Stinkefinger.

13.03-varoufakis-stz Auch in der Stuttgarter Zeitung wird über den angeblichen Fake berichtet.

Fake oder gefakter Fake? Das ist hier die Frage. ZDF-Moderator Jan Böhmermann hat die Urheberschaft des umstrittenen Varoufakis-Stinkefinger-Videos für sich beansprucht. „Lieber Günther Jauch, liebe ARD, liebe „Bild“-Redaktion, einmal bitte tief durchatmen, vielleicht nehmen Sie sich mal einen Stuhl und setzen sich hin. Sie müssen jetzt ganz, ganz stark sein“, sagt Böhmermann in einem von ihm am Mittwochabend verbreiteten Youtube-Video. Darin erklärt der Moderator des satirischen Magazins „Neo Magazin Royale“, seine Redaktion habe die umstrittene Varoufakis-Sequenz manipuliert, weil Material für einen Spott-Song über den griechischen Finanzminister gefehlt habe.

Varoufakis ist natürlich hoch erfreut

Längst hat sich auch Varoufakis zu Wort gemeldet. Humor, Satire und Selbstironie seien großartige Mittel gegen blinden Nationalismus, teilte Varoufakis als Reaktion auf Böhmermanns Sendung über seinen Twitter-Account mit. „Wir Politiker brauchen sie dringend.“ In einem anderen Tweet fordert er eine Entschuldigung von Jauch.

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Ist nun alles geklärt? Nein!

Damit schein alles geklärt – ist es aber nicht. Denn Böhmermann selbst treibt das Verwirrspiel weiter. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat der Satiriker in seiner eigenen Sendung erklärt, dass das Video echt sei – seine Behauptung nur eine Art „Rache“ für das Jauch’sche Vorgehen sei:

„Liebe Redaktion von Günther Jauch, Yanis Varoufakis hat Unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht“, sagt Böhmermann da. „Ihr habt einfach nur das Video aus dem Zusammenhang gerissen und ’nen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. (…) Das habt Ihr gemacht – und der Rest ist von uns.“

Varoufakis widerspricht sich selbst

Den stärksten Beweis, aber dass der Stinkefinger echt ist, lieferte Varoufakis vor einigen Tage selbst. Er twitterte eine nicht geschnittene Aufnahme seines Auftritts. Deutlich darauf zu sehen: der Stinkefinger.

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Seine Argumentation – und da trifft er sich mit Böhmermann – ist, dass die Szene aus dem Zusammenhang gerissen sei. Dass er nun wieder behauptet, dass alles ein Fake sei, macht ihn nicht glaubwürdiger.

Ganz große Satire

Auf jeden Fall hat Böhmermann einen grandiosen Coup gelandet – und der ist garantiert kein Fake. Aber wer kann sich da sicher sein. Vielleicht reißt sich der Satiriker in der nächsten Sendung seine Maske vom Gesicht und dahinter erscheint Heino oder Florian Silbereisen oder Gianis Varoufakis.