Corona: Verschärfte Ausgangsbeschränkungen im Elsass

Wieder ist das Elsass schwer von der Corona-Pandemie betroffen. In der Region wird nun eine verschärfte abendliche Ausgangssperre in Kraft gesetzt. Auch in anderen Départements ist die Lage äußerst angespannt.

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Die Grafik des „Le Parisien“ zeigt, wo die verschärften Ausgangsbeschränkungen in Frankreich gelten

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Ausgangsbeschränkungen auf 18 Uhr vorgezogen

In den an Deutschland grenzenden französischen Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin wird das sogenannte couvre-feu auf 18 Uhr vorgezogen. Die Corona-Lage in dem Département Bas-Rhin mit der Elsass-Metropole Straßburg gebe Anlass zu großer Sorge, teilte die zuständige Präfektur mit. Daher werde die Ausgangssperre von 20 auf 18 Uhr vorverlegt. Ähnlich äußerte sich das Département Haut-Rhin. Bereits seit Anfang Januar gilt diese Regelung auch in dem an Deutschland grenzenden Département Moselle.

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Premier Castex: Eine notwendige Maßnahme

Seit einer Woche gilt bereits in 15 Départements eine Ausgangssperre ab 18.00 Uhr. In allen anderen Landesteilen müssen die Menschen ab 20 Uhr zu Hause bleiben. Die besonders strengen Ausgangssperren ab 18 Uhr, die bereits in stark von der Pandemie betroffenen Regionen gelten, sollen nun auf acht zusätzliche Départements ausgeweitet werden, sagte Frankreichs Regierungschef Jean Castex in der südwestfranzösischen Stadt Tarbes. Angesichts zunehmender Kritik an den scharfen Maßnahmen verteidigte Castex diese als „schwierig, aber notwendig“. Die besonders betroffenen Regionen liegen im Osten und Süden des Landes.

Die Menschen dürfen während der Ausgangssperre weiterhin zur Arbeit fahren oder wegen zwingender familiärer Gründe das Haus verlassen. Spaziergänge, Einkäufe oder Sport an der frischen Luft sind aber untersagt.

Für Unruhe sorgt nun in Frankreich, dass in der Region Bouches du Rhône mehrere Infektionsherde entdeckt wurden, wo die neuartige Mutation des Corona-Virus nachgewiesen werden konnte. Diese Form des Virus hat in Großbritannien zu einer explosionsartigen Zunahme der Corona-Fälle geführt.

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Kritik am schleppenden Impfstart

Immer lauter wird die Kritik unterdessen am der Impfstrategie der Regierung. In der ersten Woche nach dem Start am 27. Dezember gab es in Frankreich Medien zufolge nur einige Hundert Impfungen. Offizielle Zahlen suchte man zunächst vergebens. Französische Regionalpolitiker warfen der Regierung in Paris Versagen vor und fühlten sich nicht eingebunden. Frankreichs Impfkampagne sah vor, im Januar und Februar erst einmal ältere Menschen in Pflegeheimen und älteres Personal vor Ort zu impfen. Das sei logistisch schwierig, verteidigten die Behörden das schleppende Tempo. Nach massiver Kritik wurde der Personenkreis schließlich erweitert – zum Beispiel auch auf Menschen über 75 Jahre, die nicht in Heimen leben, sowie weiteres Gesundheitspersonal. Nun sollen außerdem Hunderte Impfzentren öffnen.

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Vogelgrippe – ein weiterer gefährlicher Virus grassiert in Frankreich

Frankreich kämpft gegen das Corona-Virus. Fast nebenbei vermeldet die Regierung, dass im Süden der Landes nun auch der Vogelgrippevirus grassiere. Der Erreger ist für den Menschen ungefährlich – allerdings müssen nun Hunderttausende Enten getötet werden.

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Aus der Mitteilung der Regierung zum Ausbruch der Vogelgrippe

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Ein hochansteckender Virus

Frankreichs Landwirtschaftsminister Julien Denormandie redet nicht um den heißen Brei herum. Im lokalen Radiosender France Bleu Gascogne berichtet er von etwa 400 000 Enten, die seit dem 20. Dezember im Département Landes getötet wurden. Hunderttausende weitere würden folgen. Es sei notwendig, schnell zu handeln. Der Virus sei hochgradig ansteckend.

Folgende Maßnahmen würden ergriffen, heißt es vom Ministerium:

  • Les abattages préventifs pratiqués aujourd’hui sur un rayon de 3 km autour des foyers le seront sur 5 km. Ils concerneront dans le 1er kilomètre tous les oiseaux d’élevage et de basse-cour, et pour les 4 km suivants l’ensemble des palmipèdes et les autres volailles quand elles ne sont pas claustrées ;
  • Les capacités d’abattage vont être significativement augmentées grâce à la mobilisation du prestataire mandaté par l’État, à celle des vétérinaires sanitaires ainsi qu’à la réquisition d’abattoirs supplémentaires ;
  • La zone de surveillance de 10 km autour des foyers pourra être étendue jusqu’à 20 km, avec interdiction de sortie et d’entrée de volailles (y compris pour repeupler un élevage qui a terminé son cycle de production). Ces restrictions seront réévaluées d’ici la fin du mois de janvier, à l’aune du bilan épidémiologique.

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Auch andere Départements betroffen

Insgesamt gibt es laut Ministerium in 119 Betrieben in Landes Infektionen. Das Département ist bekannt für die Zucht von Wasservögeln für die Herstellung der in Frankreich beliebten Stopfleber (Foie Gras). Auch in einigen anderen Départements ist es zu Ausbrüchen gekommen.

Ab der kommenden Woche sollen Halter der betroffenen Betriebe Entschädigungszahlungen erhalten, sagte Denormandie. Das in Frankreich nachgewiesene Vogelgrippevirus H5N8 gilt als ungefährlich für den Menschen.

Die Frage, ob es ein Mittel gegen die Vogelgrippe gebe, musste der Minister verneinen. Hauptgrund: viele Länder würden den Import von geimpften Tiere nicht erlauben.

„Il y a deux difficultés : il n’y a pas de vaccin homologué, et ces filières exportent beaucoup. Un certain nombre de pays à l’export refusent d’acheter de la volaille vaccinée redoutant qu’elle soit porteuse saine du virus, et qu’elle puisse contaminer des volailles localement.“

Landwirtschaftsminister Julien Denormandie

„Staatsskandal“ – schleppender Impfstart sorgt in Frankreich für Ärger

Die Aufregung in Deutschland über den holprigen Impfstart ist groß. Ein Blick über die Grenze nach Frankreich zeigt, dass es in anderen Ländern wesentlich größere Probleme gibt. Wurden in Deutschland bisher offiziell fast 270.000 Menschen geimpft, sind es in Frankreich ein paar Hundert.

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Die besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Regionen liege alle im Osten des Landes

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Kopfschütteln über die Nachbarn in Deutschland

Die Franzosen blicken wieder einmal mit Kopfschütteln über den Rhein. In Deutschland brandet wieder einmal eine Welle der Empörung durch das Land, weil die Bundesregierung in Sachen Impfungen völlig versagt habe. Politiker der Opposition und vor allem Journalisten zählen unermüdlich und im höchsten Ton der Erregung auf, was nicht gut läuft und sehen allerorten nur Chaos und Staatsversagen. Im Zuge des schleppenden Starts der Impfungen war auch die Kritik laut geworden, die EU habe vorab zu wenig von dem schließlich als ersten zugelassenen Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer bestellt. Dazu sagte Regierungssprecher Steffen Seibert: „Wir sind überzeugt, dass das der richtige Weg war und ist“. Der europäische Zusammenhalt habe sich gerade in der Pandemie als wichtig erwiesen.

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Zu wenige Corona-Impfungen in Frankreich

Im Vergleich zu Frankreich läuft die Impfkampagne in Deutschland allerdings geradezu reibungslos. Konrekt heißt das: in den ersten Tagen wurden allenfalls einige Hundert Menschen geimpft. Auf der Website Covid Tracker ist von mehr als 500 Menschen geimpften Menschen zu lesen. Es handelt sich dabei allerdings nicht um eine offizielle Seite der Regierung, der Betreiber erhält die Zahlen eigenen Angaben nach von den Gesundheitsbehörden. Gesundheitsminister Olivier Véran sagte beim Besuch eines Pariser Krankenhauses, dass im Laufe des Tages mehrere Tausend Menschen geimpft worden seien – nannte aber keine genaue Zahl.

Tatsache aber ist, dass der Impfstart im ganzen Land extrem langsam läuft. Aus diesem Grund wächst im ganzen Land der Ärger. Auch Präsident Emmanuel Macron hatte in seiner Neujahrsansprache auf die Kritik am relativ langsamen Anlaufen der Impfkampagne geantwortet. Er werde es nicht zulassen, dass sich aus den falschen Gründen eine ungerechtfertigte Langsamkeit einstelle, sagt er. In dem zentral geregelten Staat ist allerdings der Präsident jener, der für die Organisation verantwortlich gemacht werden kann.

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Großer Ärger in Grand Est

Das sieht auch Jean Rottner so. Es handle sich um einen „Staatsskandal“, sagte der Präsident der an Deutschland grenzenden Region Grand Est dem Sender France 2. „Alles wird von Paris aus entschieden“, monierte er. Die Regionen würden nicht richtig eingebunden. Sich impfen zu lassen, sei komplizierter als der Kauf eines Autos. Die Region Grand Est ist schwer von der Covid-19-Pandemie getroffen.

Auch der Frontmann der Grünen und Europa-Abgeordnete Yannick Jadot bezeichnete den Impfstart als „Fiasko“. „Frankreich hat die gleiche Anzahl von Dosen pro Million Einwohner wie Deutschland“, schrieb er auf Twitter. Wenn man sie verspätet einsetze, sei das die Schuld von Präsident Emmanuel Macron.

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Frankreich schwer von Corona getroffen

Die Präsidentin der französischen Behörde für Gesundheitsfragen verteidigte das Vorgehen der Regierung und versucht, die niederen Impfzahlen zu erklären. „Unser Hauptziel ist es, die Zahl der Todesfälle zu reduzieren und die Zahl der Krankenhausaufenthalte zu verringern“, sagte sie dem Sender BFM TV. Deshalb würden zuerst die Älteren vor Ort in den Heimen geimpft – man wolle sie nicht in Impfzentren schicken, um dort Schlange zu stehen. Wirklich durchdringen kann sie mit dieser Erklärung allerdings nicht.  

Frankreich mit seinen knapp 67 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist von der Corona-Pandemie schwer getroffen. Mehr als 65 000 Menschen starben, circa 2,6 Millionen infizierten sich mit dem Virus.

Jähes Ende einer illegalen Rave-Party

Feiern bis die Polizei kommt. Dieses Motto haben rund 2500 junge Leute an Silvester wörtlich genommen. Sie tragen sich in einer stillgelegten Halle in der Nähe von Rennes zu einer mehrtätigen illegalen Party. Die Beamten setzten dem Treiben auf dem Höhepunkt der Ekstase allerdings ein jähes Ende.

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Die Polizisten klingelten Punkt 5.30 Uhr. Es gab keine Intervention der Polizei“, unterstrich die Präfektur Ille-et-Vilaine auf einer Pressekonferenz. Die Polizisten hätten lediglich die Zugänge zu dem Gelände kontrolliert, da in der Nähe eines stillgelegten Flughafens liegt. Einige Raver hätten aber versucht, sich über eine Schnellstraße aus dem Staub zu machen – allerdings vergeblich. Andere hätten die Beamten mit Steinen beworfen, weil sie mit dem Ende der Party wohl nicht ganz einverstanden waren. Zuvor hatten die Polizisten die Musik abgestellt – ohne die Möglichkeit, sie wieder zum Laufen zu bringen, heißt es von der Präfektur.

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Nachdem das Gelände abgeriegelt worden war, machten sich die Beamten daran, rund 1200 gebührenpflichtige Verwarnungen zu verteilen, wie Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin auf Twitter wissen ließ. Darunter fielen etwa Verstößen gegen die Covid-Regelungen, wegen Nichteinhaltung der Ausgangssperre, wegen Nichttragens einer Maske und wegen rechtswidriger Teilnahme an einer Kundgebung. Auch wurden mehrere hundert Geldstrafen wegen Drogenkonsums verteilt. Bei der Kontrolle stellte sich heraus, dass die jungen Leute aus mehreren anderen französischen Départements und teils sogar aus dem Ausland angereist sind. Nachdem Ordnungskräfte bereits seit dem späten Donnerstagabend auf dem Partygelände in Lieuron im Einsatz gewesen waren, schrieb die nationale Gendarmerie am Samstagvormittag auf Twitter, dass die Party beendet sei.

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«Les forces de sécurité intérieure, nombreuses cette nuit à ma demande et les contrôles intensifs mis en place, conduisent à l’arrêt de la rave party illégale à #Lieuron sans violence. Nous poursuivons les contrôles et la verbalisation de chaque participant dès son départ du site»

Innenminister Gérald Darmanin

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Der Präfekt Emmanuel Berthier erklärte, dass die jungen Leuten verstehen müssten, dass sie sich und andere in große Gefahr gebracht hätten. Ihnen wurden nach der Razzia Corona-Tests angeboten.

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«Ils ont mis leur vie en danger, leur santé, il faut qu’ils préservent celles de leur entourage. Il leur a été proposé des test antigéniques ce samedi matin, et nous leur avons signifié de s’isoler désormais pendant 7 jours, et de se faire tester pour faire la preuve de leur responsabilité retrouvée».

Präfekt Emmanuel Berthier

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Wegen der Corona-Pandemie gelten in Frankreich enge Kontaktbeschränkungen. Laut einer Regierungsempfehlung sollten sich auch am Silvesterabend nicht mehr als sechs Erwachsene zuhause treffen. Eine nächtliche Ausgangssperre untersagt zudem das Verlassen des Hauses zwischen 20 Uhr und 6 Uhr ohne triftigen Grund.

Frankreich Corona: Ein Land zerfällt in zwei Hälften

Frankreich glaubte, die Corona-Pandemie gut unter Kontrolle zu haben. Doch nun steigen in vielen Regionen die Infektionszahlen wieder steil an – und das Land ist dabei offensichtlich geteilt in zwei Hälften.

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Frankreich zerfällt angesichts der Corona-Zahlen in zwei Teile

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Die Corona-Zahlen steigen wieder steil an

Immer wieder kam der Vergleich mit Deutschland. Hatte der große Nachbar die erste Welle verhältnismäßig gut überstanden, kämpft Deutschland nun seit Wochen gegen die zweite Welle des Virus. Da in Frankreich früher die Einschränkungen eingeführt wurden, stand das Land nun besser da. Doch nun steigen auch in Frankreich wieder die Zahlen. Dabei zeigt sich Erstaunliches: während der Westen des Landes ziemlich unberührt bleibt, scheint im Osten die Entwicklung reichlich bedrohlich.   

Bourgogne Franche-Comté und Grand Est sind „die am stärksten betroffenen Regionen“, fasst Santé publique France in seinem neuesten epidemiologischen Update zusammen, das am 24. Dezember veröffentlicht wurde. Die Inzidenzrate (Anzahl der Fälle pro 100.000 Einwohner pro Woche) übersteigt vom 17. bis 23. Dezember die Marke von 250. Mehrere Fachleute und auch Bürgermeister in Grand Est sahen die Entwicklung kommen und forderten für Heiligabend strenge Ausgangsbeschränkungen – was die Regierung in Paris aber ablehnte. Man wolle den Franzosen wenigstens über die Feiertage die Gelegenheit geben, ihre Familien zu sehen.

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Vor allem der Osten ist betroffen

Der Epidemiologe Pascal Crepey führt mehrere mögliche Erklärungen für diese Entwicklung an. Vor allem im Grand Est könne die Nähe zur Grenze und die dadurch ermöglichten „Bevölkerungsströme“ ein Grund sein. Aber auch die Nachlässigkeit der Menschen, was die Hygieneregeln angeht. Aber auch Wetterfaktoren, insbesondere Luftfeuchtigkeit und Temperatur, könnten „einen Einfluss auf die Zirkulation des Virus haben“, sagte Pascal Crepey.

Eine Karte mit der Inzidenzrate von Frankreich gibt Aufschlüsse über die Verteilung der Neuinfektionen. Zu erkennen ist ein ausgedehnter Streifen, der sich vom Grand Est bis zur Côte d’Azur erstreckt und durch die Auvergne-Rhône-Alpes führt. Viele ländliche Départements in dieser Region, wie Nièvre, Yonne, Cantal oder Lozère, haben jetzt mehr als 200 Fälle pro 100.000 Einwohner pro Woche. Dies ist oft doppelt so viel wie Anfang Dezember. Das kann, so die Fachleute, nicht mit der steigenden Zahl von Test erklärt werden.

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Minister warnt vor drittem Lockdown

Wenn man nur Menschen ab 65 Jahren betrachten, liegt die Inzidenzrate in einigen Gemeinden, die weit entfernt von Großstädten liegen, sogar über 500. Das macht dem französischen Gesundheitsminister große Sorgen. Diese Entwicklung bei älteren Menschen „lässt die Befürchtung aufkommen, dass die Krankenhausaufenthalte in den kommenden Tagen zunehmen werden“, sagte Olivier Véran.

Deutlich wird also, dass die Epidemie nicht an den Stadtgrenzen endet und dass auch weniger besiedelte Gebiete mit weniger zahlreichen sozialen Interaktionen betroffen sein können. „Vielleicht treffen die Menschen weniger Vorsichtsmaßnahmen, wenn sie den Eindruck haben, dass das Virus, das seit langem mit Städten in Verbindung gebracht wird, weit entfernt ist“, vermutet der Epidemiologe Pascal Crepey.

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Nizza von Corona schwer getroffen

Von den Städten ist Nizza in diesen Tagen am stärksten betroffen. Die Inzidenzrate dort erreichte vom 17. bis 23. Dezember die Zahl von 365. Damit ist der Stand vom Höhepunkt der zweiten Welle Anfang November bereits fast erreicht. Bemerkenswert ist, dass diese Zahl im Moment sehr schnell ansteigt, obwohl in der Region keine massiven Screening-Operationen organisiert sind, die den Anstieg der Anzahl der identifizierten Fälle verstärken könnten.

Gesundheitsminister Veran warnte, dass es zu einem dritten Lockdown kommen könnte, wenn sich die Entwicklung fortsetzt. „Wir schließen niemals Maßnahmen aus, die zum Schutz der Bevölkerung erforderlich sein könnten. Das bedeutet nicht, dass wir uns entschieden haben, sondern dass wir die Situation Stunde für Stunde beobachten “, sagte Olivier Véran in einem Interview.

Corona: Reisewarnung gilt nicht mehr für die Bretagne

Wegen sinkender Corona-Infektionszahlen in Frankreich hebt die Bundesregierung die Reisewarnung für einzelne Regionen des Nachbarlandes wieder auf. Die Bretagne im Nordwesten des Festlandes und die Insel Korsika werden ab Sonntag nicht mehr als Risikogebiete geführt, wie das Robert Koch-Institut mitteilte. Das gilt auch für die französischen Überseegebiete Guadeloupe und Martinique in der Karibik sowie Réunion im Indischen Ozean.

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Die Entwicklung der Corona-Zahlen in Frankreich

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Was bedeutet Risikogebiet?

Die Einstufung als Risikogebiet und die damit automatisch verbundenen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts bedeuten zwar kein Reiseverbot, sollen aber eine möglichst große abschreckende Wirkung auf Touristen haben. Das Gute für Urlauber: Sie können bereits gebuchte Reisen stornieren, wenn ihr Ziel zum Risikogebiet erklärt wird. Rückkehrer aus den Risikogebieten müssen aber bis zu zehn Tage in Quarantäne, können sich davon allerdings durch einen negativen Test ab dem fünften Tag nach Einreise vorzeitig befreien lassen.

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Wann wird ein Land zum Risikogebiet?

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt, wenn ein Land oder eine Region den Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschreitet. Ganz Deutschland ist nach diesen Kriterien wie die meisten anderen europäischen Länder Risikogebiet.

Großes Lob für Frankreich

Frankreich wurde von der ersten und auch der zweiten Corona-Welle hart getroffen. Nach drastischen Gegenmaßnahmen sind die Infektionszahlen in den vergangenen Wochen aber wieder stark gesunken. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte den harten Lockdown in Frankreich am Donnerstag ausdrücklich gelobt. „Dieses Mal hat Frankreich alles richtig gemacht und eindrucksvolle Erfolge erzielt, während in Deutschland die Dynamik der zweiten Welle leider immer noch nicht gebrochen ist“, sagte er dem „Handelsblatt“ sowie der französischen Zeitung „Les Échos“.  

Info:

Mit Stoik und Küchen-Philosophie gegen Corona

Viele der berühmten Buchhändler an der Seine leben schon jetzt am Existenzminimum, doch nun kämpfen sie auch noch mit den Folgen der Pandemie. Allerdings wollen sie sich nicht unterkriegen lassen – schließlich seien sie schon viele Jahrhunderte vor Ort.

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Marie-Christine Thieblemen ist eine von 227 Buchhändlerinnen entlang der Seine

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Ermüdendes Warten auf Kunden

Marie-Christine Thieblement ist müde vom Nichtstun. Seit dem Morgen sitzt die alte Dame am Quai des Grands Augustins in der milden Herbstsonne und wartet. „Ich verkaufe hier seit 30 Jahren Bücher, aber solch ein Elend habe ich noch nie erlebt“, sagt sie. „Es kommen nicht einmal Neugierige vorbei, um zu stöbern.“ Selbst zum Flanieren entlang der Seine sei den Menschen in diesen verrückten Zeiten nicht mehr zumute. „Und das in Paris, wo sich sonst das ganze Leben auf den Boulevards abspielt“, wundert sich Marie-Christine Thieblement und schüttelt den Kopf.

Die Frau ist eine von exakt 227 Bouquinistes, die in Paris entlang des Seineufers alte Bücher, Postkarten, Poster, Briefmarken und inzwischen vor allem auch allerlei Klimbim für die Touristen anbieten. Sind die großen grünen Boxen auf den Quai-Mauern rund um das Jahr ein Treffpunkt für Sammler und ein Muss für jeden Paris-Besucher, bietet sich in diesen Monaten ein äußerst trister Anblick. Die meisten Stände sind mit dicken Vorhängeschlössern verbarrikadiert. „Mal sehen, wie viele im Frühling wieder öffnen“, fragt sich Marie-Christine Thieblement und klagt im selben Atemzug über das hoffentlich bald zu Ende gehende „année blanche“ – das schwarze Jahr.

Den Bouquinistes fehlen die Touristen

Wegen der strengen Corona-Beschränkungen mussten alle Bouquinistes im März ihre kleinen Geschäfte schließen, doch als sie nach knapp zwei Monaten die typischen grünen Holzverschläge, die Boîtes, wieder öffneten, fehlten wegen der internationalen Reisebeschränkungen die Touristen in der Stadt. „Die machen inzwischen Zweidrittel des Umsatzes aus“, sagt Jérôme Callais, der einen Stand am Quai de Conti besitzt. Der 60-Jährige ist eines jener Originale der Szene, die sich mit einem wildfremden Menschen stundenlang über Gott und die Welt unterhalten können – und er ist Präsident und Gründungsmitglied der Bouquinistes-Vereinigung in Paris. Die Schwierigkeit sei, sagt er, dass sich viele seiner Kollegen schon vorher kaum über Wasser halten konnten und oft noch einen zweiten Job hatten, doch nun sei für manche die Schmerzgrenze erreicht.

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Die meisten Buchhändler an der Seine haben während der Pandemie ihre Läden geschlossen

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„Ich kann es mir nur erlauben hier zu sitzen, weil ich eine kleine Rente beziehe“, sagt Marie-Christine Thieblement, aber dass sie praktisch keine Einnahmen mehr aus dem Verkauf ihrer Kunstbücher hat, macht sich am Ende des Monats sehr schmerzlich bemerkbar. Ihr Problem ist, dass sie wegen ihrer Rente von ein paar Hundert Euro während der Corona-Pandemie keine Zuschüsse vom Staat bekomme, wie manche ihrer anderen Kollegen. Erst im Oktober hat die Regierung ein neues Programm zur Unterstützung kleiner Geschäfte aufgelegt, das einen Verdienstausfall von bis 1500 Euro pro Monat ausgleicht.

Eine jahrhundertealte Tradition in Paris

Die wenigen Bouquinistes, die im Moment noch auf den Quais an der Seine ausharren betonen, dass sie eigentlich keine Unterstützung vom Staat wollen, sie möchten einfach jeden Tag wieder ihre Klappen aufschließen und ihre Ware unter die Menschen bringen. Die Pandemie ist für diese Geringverdiener ein schwerer Schlag, doch keiner glaubt, dass das Ende ihrer Zunft gekommen sein könnte.

„Unsere Tradition reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück”, sagt Jean-Pierre Mathias mit einigem Stolz in der Stimme und setzt sich auf eine Parkbank vor seiner Boîte am Quai de Conti. Das bedeutet, dass seine Ausführungen nun etwas länger dauern werden. Denn wie viele der Händler, besitzt auch er nicht nur eine profunde Kenntnis der Geschichte, sondern verfügt auch über die Gabe, dieses Wissen äußerst eloquent zu vermitteln. In den Anfangszeiten hätten sich die Buchhändler ihre Kisten noch vor den Bauch geschnallt und an der Pont Neuf auf Kunden gewartet – und das nicht immer zum Wohlwollen der Herrschenden, erzählt Jean-Pierre Mathias. Denn manche verteilten bisweilen auch revolutionäre Flugblätter unterm Volk. Unter Napoleon bekamen die Händler schließlich feste Plätze an den Quais der Seine zugewiesen, die schnell zu Anlaufpunkten für Studenten und Intellektuelle wurden.

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Jean-Pierre Mathias glaubt an die Zukunft seines Gewerbes

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Ein schützenswertes Kulturgut

Heute noch sind die meisten Bouquinistes sehr spezielle Menschen und oft auch wandelnde Enzyklopädien. Wer ein besonderes Buch sucht, eine Frage zu einem ausgefallenen Kinoplakat oder einer seltenen Postkarte hat, wird bisweilen entlang der Quais von einem Fachmann um anderen geschickt – aber am Ende auf jeden Fall fündig. Bouquinistes-Präsident Jérôme Callais hält seine Zunft sogar für ein schützenswertes Kulturgut und hat die Aufnahme der Antiquariate an der Seine auf die Unesco-Liste der Weltkulturerbe angeregt – bis jetzt wartet er allerdings vergeblich auf einen positiven Bescheid.

Anders als viele Gewerbe braucht sich diese verschworene Gemeinde keine Sorgen über den Nachwuchs zu machen. Die grünen Bücherkisten scheinen für viele noch immer eine magische Anziehungskraft zu haben. Immer wieder stoßen neue und junge Gesichter dazu, die dann auch das Angebot verändern. Neben antiquarischen Büchern und den unvermeidlichen Mona-Lisa-Kaffeetassen und Eiffelturm-Anhänger sind inzwischen auch Punk-Literatur oder moderne Comic-Ausgaben zu finden. Was alle Bouquinistes allerdings gemein haben, ist eine gewisse Stoik, die sich beim Warten auf Kunden bei Wind und Wetter über die Jahrzehnte offensichtlich unweigerlich ausbildet. So plädiert etwa Jean-Pierre Mathias dafür – er ist übrigens ein unübertroffener Fachmann in Sachen Werbe- und Kinoplakate – die Pandemie ruhig an sich vorbeigleiten zu lassen. „Es wird ein Impfstoff gefunden, die Menschen werden zurückkehren und diese ungute Zeit schnell wieder vergessen“, prophezeit der Mann, der seit 40 Jahren an der Seine Bücher verkauft. So sei das immer gewesen und so werde das auch jetzt wieder sein.

Frankreich: Skigebiete geöffnet – Skilifte geschlossen

Viele Skifahrer halten es für einen ziemlichen Witz. Frankreich will in den Weihnachtsferien die Skigebiete öffnen. Das Problem: die Lifte bleiben geschlossen. Auch die französischen Liftbetreiber sprachen von einer „wahnwitzigen“ Entscheidung.  

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Skifans sind verägert

Premierminister Jean Castex sprach lang und ausführlich über die geplanten Lockerungen der Corona-Auflagen in Frankreich. Als der Regierungschef schließlich zu den Plänen für die Skisaison kam, ahnte der Präsident des französischen Skiliftverbands, Alexandre Maulin, schon lange nichts Gutes mehr. Als Castex dann verkündete, dass die Skigebiete öffnen könnten, die Lifte aber geschlossen bleiben müssten, sagte Maulin er sei „am Boden zerstört“. Damit sei der Saisonstart praktisch abgesagt. Allerdings waren die Skifans vorgewarnt. Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor bereits betont, eine Öffnung der Skigebiete an den Feiertagen erscheine ihm wegen der weiter hohen Corona-Infektionszahlen unmöglich.

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Aufmunternde Parolen des Premiers

Also bleiben in Frankreichs Skigebieten wie überall im Land auch Restaurants und Bars bis mindestens zum 20. Januar geschlossen. Die Regierung stellte deshalb weitere Finanzhilfen in Aussicht. 2021 werde „das Jahr der französischen Gastronomie“, versprach Premier Castex. Daran wollen Restaurant- und Barbetreiber allerding nicht wirklich glauben und haben massive Proteste gegen die fortgesetzte Schließung angekündigt.

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Im Moment versuchen die Alpenländer noch eine einheitliche Linie in der Corona-Krise zu finden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dringt darauf, bis zum 10. Januar alle europäischen Skigebiete geschlossen zu halten, um neue Corona-Ausbrüche wie im österreichischen Ischgl im vergangenen Winter zu verhindern. Auch Italien befürwortet dies.

Österreich schwimmt gegen den Strom

Aus dieser Phalanx schert allerdings Österreich aus – das Land, in dem das berühmt-berüchtigte Ischgl liegt. Jenes Städtchen, das den zweifelhaften Ruf des europäischen Hotspots erworben hat. Österreich will den Skibetrieb auch in diesem Winter aufrechterhalten und nur Après-Ski untersagen. „Urlaub in Österreich ist sicher“, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger dem „Spiegel“. Das Land ergreife „alle Maßnahmen, um sicheren Urlaub zu ermöglichen“, sagte sie mit Verweis auf Maskenpflicht und Abstandskonzepte. „Man holt sich das Virus nicht draußen beim Skifahren“, betonte Köstinger. Die Frage aber ist, was passiert in den überfüllten Gondeln oder auch beim Anstehen an den Liften.

Paris: Illegale Corona-Party im Eisenbahntunnel

In Frankreich herrscht – anders als in Deutschland – ein ziemlich rigider Lockdown. Die meisten Franzosen halten sich daran, aber es gibt auch Ausnahmen. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist eine illegale Party aufgeflogen.

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Corona-Party in Paris

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Unter dem Motto „I want to break free“ haben zuletzt rund 300 junge Pariser im Osten der Hauptstadt an einem gut versteckten Ort eine illegale Rave-Party mitten im Lockdown gefeiert. Die Veranstalter sehen das ganze Event natürlich nicht als banale Party, sondern versuchen die Sache zu überhöhen. Sie erklären, dass es ein Akt des „Widerstands“ gegen die strengen Corona-Auflagen in Frankreich gewesen sei. Ganz nebenbei haben sie natürlich ziemlich gut abkassiert. Im ganzen Land sind alle Diskotheken geschlossen und private Feiern untersagt, die Menschen dürfen ihre Wohnungen nur aus triftigen Gründen verlassen.

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Die Location für die Party war gut gewählt. Sie fand in einem stillgelegten Eisenbahntunnel statt. Die Gäste wurden per Email eingeladen, die Tickets zum Preis von 15 Euro waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft, heißt es in einigen Berichten. Die Gastgeber hatten allerdings eine Auflage: die Gäste sollten einzeln oder in sehr kleinen Gruppen an den Ort im Osten von Paris kommen. So sollte vermieden werden, dass die Anwohner aufmerksam werden.

Die Partygäste mussten sich dann im Licht ihrer Handys den Weg durch den dunklen Eisenbahntunnel bis zu einer Halle bahnen, von wo die wummernden Bässe der Musik und die psychedelische Beleuchtung nicht nach außen drangen. Bilder und kurze Filme zeigen: Kaum jemand trug eine Maske, Abstandsregeln wurden nicht eingehalten.

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„Wir haben bereits Erfahrung damit“, sagte ein 27-jähriger Veranstalter, der seinen Namen nicht nennen wollte nach Angaben mehrerer Medien. „Wir können die Anlage in weniger als zwei Stunden irgendwo aufbauen und heimlich eine Party veranstalten.“ Organisatoren solcher Feiern drohen in Frankreich ein Jahr Haft und eine Geldstrafe von 15.000 Euro.

Vor allem die jungen Menschen klagen immer häufiger darüber, dass sie sich seit Monaten eingesperrt fühlen würden. Tatsache ist allerdings auch, dass am Anfang der zweiten Corona-Welle viele Studentenwohnheime zu Hotspot wurde, weil sich die jungen Leute nicht an die Regeln hielten. Danach haben einige Fakultäten beschlossen, ihren Betrieb einzustellen.

Mit fast 49.000 Todesfällen ist Frankreich eines der am stärksten betroffenen Länder Europas.

Corona: Erster Hoffnungsschimmer in Frankreich

In Frankreich macht sich vorsichtige Hoffnung breit. Nach Wochen der steigenden Zahlen, scheint die Infektionen inzwischen ihren Höhepunkt erreicht zu haben.

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Erstmals sei Wochen positive Nachrichten

Es ist die beste Botschaft, die die nationale Gesundheitsbehörde Santé publique seit vielen Wochen zu verkünden hat. Im Wochenbericht heißt es dort:

„Selbst wenn alle Werte auf hohem Niveau bleiben, legt ihre Auswertung nahe, dass der epidemische Höhepunkt der zweiten Welle überschritten ist.“

Gesundheitsbehörde Santé publique

Die Gründe für die sich andeutende Entspannung wurden von der Behörde auch nachgeliefert. Offensichtlich hätten die abendlichen Ausgangssperren in Großstädten wie Paris oder Lyon seit Mitte Oktober und der vor drei Wochen verhängte landesweite Lockdown eine „direkte Wirkung“ gehabt.

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Todesfälle haben sich stabilisiert

Erstmals seit einigen Wochen habe sich die Zahl der Todesfälle „stabilisiert“, hieß es. Zuletzt starben demnach innerhalb einer Woche gut 3750 Menschen an oder mit dem neuartigen Coronavirus – das war erstmals seit August ein Rückgang im Vergleich zur Vorwoche. Insgesamt wurden in Frankreich mittlerweile mehr als 47.000 Todesfälle gezählt.

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Entspannung auch in Kliniken

Zum ersten Mal seit Beginn der zweiten Welle seien auch die Krankenhaus-Einweisungen rückläufig, hieß es weiter. Zuletzt wurden in einer Woche knapp 17.400 Menschen ins Krankenhaus und gut 2700 auf Intensivstationen eingeliefert.

Dennoch will die Regierung vorerst an ihren strikten Maßnahmen festhalten. „Die Ausgangsbeschränkungen sind nicht beendet“, erklärte Gesundheitsminister Olivier Véran am Donnerstagabend. Die Regierung verweist darauf, dass die Intensivstationen immer noch zu rund 94 Prozent mit Corona-Patienten belegt sind.

Corona-Lockerung vor Weihnachten?

Allerdings prüft das Kabinett erste Lockerungen vor Weihnachten. Im Gespräch ist eine teilweise Öffnung der Geschäfte. Viele Franzosen hoffen zudem, ihre Familien zu Weihnachten besuchen zu können. Derzeit sind Reisen weitgehend untersagt, und auch das Verlassen der Wohnung ist nur aus triftigen Gründen erlaubt.

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Auch Frankreichs Regierungschef Jean Castex sieht das Land „auf einem guten Weg“ zu einer ersten Lockerung des Corona-Lockdowns. Wenn sich die Gesundheitslage weiter verbessere, könnten kleine Geschäfte „um den 1. Dezember herum“ wieder öffnen, sagte der Premierminister am Freitag bei einem Besuch in der bretonischen Gemeinde Crozon.