Corona: Frankreich führt verpflichtende Tests an Flughäfen ein

Frankreich geht im Kampf gegen ein Wiederaufflammen der Corona-Pandemie einen Schritt voran. An Flughäfen werden nun verpflichtende Coronavirus-Tests eingeführt. Getestet werden allerdings nicht alle Reisende, betroffen sind nur Rückkehrer aus insgesamt 16 Risikoländern. Darunter sind neben den USA unter anderem auch Brasilien, die Türkei, Algerien und Israel.

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Tests für Besucher aus Risikogebieten

In bestimmten Ländern sei der Zugang zu Corona-Tests schwierig, sagte der neue Premierminister Jean Castex bei einem Besuch am Pariser Flughafen Charles de Gaulle zur Begründung des neuen Schrittes. Nach Angaben von Castex‘ Büro sind unter anderem auch Serbien, Südafrika, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien betroffen. Da die EU die Grenzen zu den meisten der Risikoländer bisher geschlossen hält, betrifft die Maßnahme dem Premier zufolge zunächst nur französische Staatsbürger oder Menschen aus Drittländern mit einer Aufenthaltserlaubnis in Frankreich. In Deutschland hatten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern zuvor auf freiwillige Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten an Flughäfen geeinigt.

Warnung für Katalonien ausgesprochen

Zugleich riet der Regierungschef den Franzosen davon ab, in die spanische Region Katalonien zu reisen, „solange sich die gesundheitliche Situation dort nicht verbessert“. Mit der Regierung in Madrid werde besprochen, wie man den Grenzverkehr nach Frankreich soweit wie möglich herunterfahren könne. Spanien hatte am Mittwoch erklärt, eine erneute Schließung der Grenze zu Frankreich vermeiden zu wollen. Unter anderem in der Hauptstadt Barcelona hatten die Behörden zuletzt wieder strenge Ausgangsbeschränkungen eingeführt.
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Sorge wegen Corona-Anstieg im Elsass

Zudem haben die Behörden in Ostfrankreich angesichts eines leichten Anstiegs der Corona-Infektionen zu mehr Wachsamkeit aufgerufen. Die Abstandsregeln müssten unbedingt eingehalten werden, sagte die Leiterin der regionalen Gesundheitsbehörde ARS von Grand Est, Marie-Ange Desailly-Chanson. Sie riet davon ab, sich zu umarmen oder Küsse auszutauschen. Die Ansteckungsherde hätten sich verändert, ergänzte die Präfektin der an Deutschland grenzenden Region, Josiane Chevalier. Derzeit seien neue Cluster vor allem im beruflichen Umfeld und nach Familienfeiern erkennbar.

 

 

Grand Est schwer getroffen von der Pandemie

In Grand Est seien seit Anfang Juli etwa 30 neue Ansteckungsherde festgestellt worden, erklärte Chevalier. Derzeit müsse deshalb aber nicht Alarm geschlagen werden. Das südelsässische Département Haut-Rhin sowie die Départements Moselle und Vosges stünden unter genauerer Beobachtung. Die Zahl der Neuinfektionen in Grand Est hatte sich demnach in der vergangenen Woche verdoppelt. In den Wochen zuvor habe es durchschnittlich 150 neue Fälle gegeben, in der vergangenen Woche seien es fast 300 gewesen.

Die Region war von der Coronavirus-Pandemie hart getroffen worden. Seit Beginn der Gesundheitskrise wurden dort fast 4000 Todesfälle registriert, in ganz Frankreich sind es bisher knapp mehr als 30 000. Vor dem Krankenhaus im südelsässischen Mülhausen musste zeitweise eine Militärklinik aufgebaut werden, um die Intensivstationen zu entlasten.
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Eine gewissen „Dynamik“ der Ausbreitung von Corona

Es gebe beunruhigende Zeichen, dass die Pandemie in einigen Gebieten wieder aufflammen könnte, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran im Nachrichtensender „Franceinfo“. Es zeige sich eine gewisse „Dynamik“ bei der Ausbreitung. Von einer zweiten Welle sprach er jedoch nicht. In mehreren Gemeinden in der westfranzösischen Bretagne und im Département Mayenne war zuletzt wegen steigender Infektionszahlen bereits eine allgemeine Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen und Geschäften eingeführt worden. Landesweit gilt diese in Frankreich seit Montag. Zuvor galt sie unter anderem in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Corona: Frankreich verschärft Maskenpflicht – Bretagne besonders betroffen

In Frankreich gilt im Kampf gegen das Coronavirus wieder eine verschärfte Maskenpflicht. Grund sind steigende Infektionszahlen in einigen Départements und die damit einhergehende Furcht vor einer erneuten unkontrollierten Ausbreitung der Krankheit. In einigen Städten in Frankreich ist die Corona-Schutzmaske nun auch auf der Straße Pflicht.

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In Saint-Brieuc herrscht nun Maskenpflicht auch in der Fußgängerzone des Stadt

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Schutzmasken in allen öffentlichen Räumen

Im ganzen Land muss nun in öffentlichen geschlossenen Räumen eine Schutzmaske getragen werden. Die neuen Regeln gelten unter anderem für Geschäfte, Banken, Markthallen, aber auch in Museen und Sehenswürdigkeiten. In Restaurants, Cafés oder Kinos gelten weiter spezielle Regeln. Dort muss die Maske am Platz nicht getragen werden – nur dann, wenn sich jemand durch den Raum bewegt. Bisher konnten Betreiber selbst entscheiden, ob Kunden und Besucher eine Maske tragen müssen. Bei Nichteinhaltung der Maskenpflicht droht ein Bußgeld von 135 Euro. In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt in Frankreich landesweit bereits seit Mai eine Maskenpflicht. Auch viele Sehenswürdigkeiten wie der Eiffelturm oder der Louvre in Paris konnten nur mit Maske besucht werden.

In der Bretagne gelten besonders strenge Regeln

Einigen Orten reichen die Verschärfungen aber nicht aus. In der Küstenstadt La Rochelle in Westfrankreich ist die Maske seit Mittwoch im Alten Hafen und im Stadtzentrum verpflichtend. Die Regel ziele darauf ab, ein Wiederaufflammen der Epidemie in Zeiten mit viel Touristen zu verhindern, hieß es. Auch in Concarneau und Saint-Brieuc in der Bretagne ist die Maske im Zentrum vorgeschrieben. In Saint-Brieuc gilt auch Maskenpflicht auf Spielplätzen, Parks oder am Hafen. Ausnahmen gelten für Sportler oder Menschen mit Behinderung.

Touristen können ohne Probleme einreisen

Touristen aus Deutschland können trotz der nun verschärften Bedingungen ohne Probleme nach Frankreich einreisen, spezielle Unterlagen sind nicht nötig. Auch eine Quarantäne ist nicht notwendig. Zu den Beschränkungen zählt allerdings, dass Eintrittskarten für Sehenswürdigkeiten in der Regel vorher online gebucht werden müssen. Damit soll die Zahl der Besucher reguliert und gewährleistet werden, dass die Menschen genug Abstand halten können.

 

Angst vor einem neuen Aufflammen der Pandemie

„Es gibt beunruhigende Zeichen, dass die Pandemie in einigen Gebieten wieder aufflammen könnte“, erklärte Gesundheitsminister Olivier Véran am Montag im Nachrichtensender „France-Info“. Er wolle nicht von einer neuen „Welle“ sprechen, aber es zeige sich eine gewisse „Dynamik“ bei der Ausbreitung. Frankreich ist von der Corona-Krise mit mehr als 30 000 Toten hart getroffen geworden. Der Minister versicherte auch, dass das Land inzwischen genügend Masken vorrätig habe, um die Maßnahme durchzusetzen. Zu Beginn der Corona-Pandemie war es, ähnlich wie in den meisten anderen Ländern, zu Lieferengpässen bei der Versorgung mit Schutzausrüstung gekommen.

Besonders betroffen ist die Bretagne

In mehreren Gemeinden in der Bretagne und dem angrenzenden Département Mayenne wurde wegen der steigenden Infektionszahlen bereits vor einigen Tagen eine allgemeine Maskenpflicht in allen geschlossenen öffentlichen Räumen verhängt. Experten sehen einen Zusammenhang mit der wachsenden Zahl von Urlaubern in der Region und den vermehrten Gruppenaktivitäten. Gesundheitsminister Véran sagte, eine neue Infektionsquelle seien offenbar Familientreffen während des Sommerurlaubs.

Auch die der Bretagne benachbarte Region Pays de la Loire meldet höhere Infektionszahlen. Im Süden Frankreichs ist die Regionen Provence-Alpes-Côte d’Azur um Marseille und Nizza besonders betroffen. Eine leicht angespannte Situation herrscht auch in der Region Paris. Dies sei wegen der Millionen Menschen, die dicht gedrängt in dem Ballungsraum leben allerdings nicht verwunderlich, erklärten Experten.

 

 

 

Der Premier appelliert an den „Bürgersinn“

Gesundheitsminister Véran sprach von 400 bis 500 Infektionsherden im ganzen Land. Der sogenannte R-Faktor liegt in Frankreich seit Anfang Juli bei 1,2. Das heißt, jeder Infizierte steckt mehr als einen Menschen an. Auch Premierminister Jean Castex hat sich auf Twitter zu Wort gemeldet und an den „Bürgersinn“ der Franzosen appelliert. Virologen beklagen, dass sich in der Urlaubszeit kaum noch jemand an Schutzmaßnahmen hält. Dazu zählt ein Mindestabstand von einem Meter und der Verzicht auf den in Frankreich üblichen Wangenkuss zur Begrüßung.

SNCF testet Temperaturmessung bei Bahnreisenden

In Frankreich steigt die Zahl der Corona-Infektionen wieder an. Inzwischen müssen in allen öffentlichen geschlossenen Räumen Masken getragen werden. Die staatlichen Bahn SNCF geht einen Schritt weiter. Sie testet die Temperaturmessung bei Reisenden.

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Die Passagiere am Pariser Bahnhof Gare de Lyon können auf freiwilliger Basis an dem Versuch teilnehmen, wie die Bahngesellschaft SNCF mitteilte. Vor ihrer Reise mit einem TGV-Hochgeschwindigkeitszug können sie am Gleis mit einer Wärmebildkamera ihre Körpertemperatur messen lassen.

Damit will die französische Bahn nach eigenen Angaben „unter realen Bedingungen“ testen, wie flüssig das Einsteigen vonstatten gehen könnte, sollte die Regierung Temperaturmessungen für Reisende verpflichtend machen. Frankreich ist von den Corona-Pandemie besonders betroffen, inzwischen sind über 30.000 Menschen gestorben.

Für die Passagiere habe der Test keine negativen Folgen, versicherte die SNCF: Bei einer Temperatur von über 38,5 Grad werde ihnen lediglich eine chirurgische Gesichtsmaske sowie Handgel ausgehändigt. Zudem könne der Kunde die Reise kostenlos verschieben oder stornieren, wenn er dies wünsche.

Frankreich plant systematische Corona-Test an Flughäfen

Frankreich verschärft die Regeln für Einreisende – Touristen aus Deutschland sind davon allerdings nicht betroffen. Paris will Reisende aus Risikogebieten künftig am Flughafen auf Corona testen.

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Die bestehende Regelung wird verschärft

Die Maßnahme werde in den kommenden Tagen umgesetzt, kündigte Regierungssprecher Gabriel Attal an. Diejenigen, die bereits einen Corona-Test gemacht haben, müssten einen Nachweis darüber erbringen können, so Attal. Dann sei kein erneuerter Test in Frankreich notwendig. Gesundheitsminister Olivier Véran hatte Ende vergangener Woche noch von einer freiwilligen Maßnahme gesprochen.

 

 

 

Reisende aus Deutschland nicht betroffen

„In Ländern, in denen das Virus nicht mehr zirkuliert als in Frankreich, gibt es keinen Grund, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen“, erklärte Attal weiter. Reisende aus Deutschland dürften von den Tests nicht betroffen sein.

Wörtliche sagte er:

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«On va systématiser les tests à l’aéroport pour les voyageurs qui viennent de pays dits “rouge“, c’est-à-dire des pays où le virus circule le plus. 2.000 tests PCR par jour».

«Ceux qui auront pu faire un test depuis le pays d’origine n’auront pas à le refaire en arrivant à Paris, en France. Il faudra qu’ils puissent produire la preuve qu’ils ont fait un test, ça va être mis en place dans les jours qui viennent.»

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Führende Wissenschaftler in Frankreich hatten am Wochenende eine Maskenpflicht in öffentlichen geschlossenen Räumen gefordert, um ein Wiederaufflammen der Epidemie zu verhindern. In Frankreich gilt in öffentlichen Verkehrsmitteln Maskenpflicht. Viele Läden, Sehenswürdigkeiten oder andere Einrichtungen schreiben aber das Tragen einer Maske vor. Frankreich ist von der Corona-Pandemie hart getroffen und zählt mehr als 30.000 Tote.

Sorge über neuen Anstieg der Corona-Fälle

Frankreichs Gesundheitsbehörde warnte zuletzt vor einem Wiederanstieg der Corona-Fälle. Es zeige sich, dass die Übertragung des Virus anhalte oder sogar fortschreite, erklärte Santé Publique France. „Die bisher beobachtete Zunahme bleibt zwar moderat, erfordert aber höchste Wachsamkeit“, hieß es. „Um ein Wiederaufflammen der Epidemie zu vermeiden, ist es unerlässlich, dass die Bevölkerung die empfohlenen Präventionsmaßnahmen rigoros anwendet.“

Auch Jean-François Delfraissy, der Leiter des wissenschaftlichen Rates, der die französische Regierung in der Krise berät, äußerte sich zuletzt ähnlich. „Wir sind sehr überrascht von der Tatsache, dass Barriere- und soziale Distanzierungsmaßnahmen nicht mehr respektiert werden“, kritisierte er. Dabei sieht er besonders die Jüngeren in der Pflicht, die sich seiner Ansicht nach nicht an die Regeln halten.

Ärger über dein Konzert in Nizza

Empörung in Frankreich über ein Konzert inmitten der Corona-Krise: Knapp 5000 Menschen versammelten sich am Samstagabend auf der berühmten Promenade des Anglais in der Hafenstadt Nizza – dort legte etwa der bekannte französische DJ The Avener auf. Medienberichten zufolge wurden die Schutzmaßnahmen gegen Corona nicht eingehalten – die Menschen hielten keinen Abstand und trugen keine Masken. Auf Fotos und Videos war eine zum Teil dicht gedrängte Menge zu sehen.

Lockerung der Corona-Reglungen

In den vergangenen Wochen waren die Corona-Regelungen gelockert worden.  Die Einreise von Deutschland nach Frankreich ist nun wieder problemlos möglich, im Land selbst sind allerdings einige Einschränkungen zu beachten. In weiten Teilen des Landes haben Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber nun wieder geöffnet. Auch die Restaurants empfangen im ganzen Land wieder Gäste – alles natürlich mit strengen Hygieneregeln. Auch Freizeitangebote sind nun wieder verstärkt möglich. So sind alle Strände wieder zugänglich. Große Museen und Monumente dürfen ebenfalls wieder Besucher empfangen.

Fast alleine mit Mona Lisa

Der Louvre in Paris hat wieder geöffnet. Wegen der Corona-Regelung darf nur ein Bruchteil der üblichen Besucher das Museum besuchen.

 

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Fast einsam vor dem Louvre

Der Louvre in Paris hat den ersten Tag geöffnet und am Eingang wartet keine unendliche Menschenschlange. Vor der Pyramide im Innenhof des meistbesuchten Museums der Welt ist die Situation ungewohnt entspannt. Das Personal kontrolliert am Montag in der Sommersonne freundlich die Eintrittskarten der wenigen Besucher, einige Kunstliebhaber müssen abgewiesen werden, sie haben keine Online-Reservierung. Vier Monate hatte das Museum wegen der Corona-Pandemie geschlossen, nun wartet auf die Angestellten eine große Herausforderung. „Es ist sehr bewegend für all die Teams, die diese Wiedereröffnung vorbereitet haben“, sagte Direktor Jean-Luc Martinez. Im vergangenen Jahr drängelten sich 9,6 Millionen Menschen durch den riesigen Kunstpalast. Im Juli 2019 mussten einige Säle wegen Überfüllung sogar geschlossen werden.

 

 

 

Drastisch reduzierte Zahl von Besuchern

Wegen der Corona-Maßnahmen wird sich die Zahl der Besucher allerdings drastisch reduzieren. Knapp 30 Prozent der üblichen Besucherzahl wird Einlass zu den Kunstschätzen gewährt werden. Die Besichtigung der Säle folgt einem vorgeschriebenen Parcours, der vermeiden soll, dass sich die Kunstinteressierten kreuzen „Man wird unter anderem wieder die Säle der französischen Malerei des 19. Jahrhunderts öffnen, die Abteilungen islamischer Kunst und italienischer Skulpturen“, erklärte der Louvre-Chef. Und natürlich den Zugang zu seinen Stars: der marmornen Schönheit der Statue der Venus von Milo und der Mona Lisa von Leonardo da Vinci.

Eine Eintrittskarte muss reserviert werden

Wer das Museum besuchen will, muss vorher im Internet eine Eintrittskarte reservieren – ohne geht gar nichts. Und auch in den Ausstellungsräumen selbst werden einige Regeln zu beachten sein. Die auffälligste ist die Zick-Zack-Absperrung vor der weltberühmten Mona Lisa, die an die Check-in-Vorrichtungen in Flughäfen erinnert. Orangefarbene Punkte am Boden signalisieren den Abstand, den die Besucher darin wahren müssen. Allerdings haben die wenigen Kunstliebhaber nun mehr als die üblichen 50 Sekunden Zeit, die Frau mit dem geheimnisvollen Lächeln zu betrachten.

 

 

Ein großes Loch im Budget des Louvre

Die Verantwortlichen in Paris erwarten angesichts der weltweiten Reisebeschränkungen in diesem Jahr allerdings keinen steilen Anstieg der Besucherzahlen. Dreiviertel des Publikums kommt in der Regel aus dem Ausland, vor allem aus den von Corona geplagten Ländern USA und China. Martinez hofft auf 3000 bis 4000 Besucher, im besten Fall 5000 im Sommer.

Die Schließung angesichts der Pandemie hat ein riesiges Loch in das Budget des Louvre gerissen, der sich zu 50 Prozent aus dem Verkauf von Eintrittskarten finanziert. Der Museumschef beziffert den Verlust auf rund 40 Millionen Euro. Der Louvre muss allerdings keine Insolvenz anmelden, denn Hauptgeldgeber ist der französische Staat.

Christo – der Paris-Verpacker

Das Centre Pompidou zeigt eine Schau des verstorbenen Verhüllungskünstlers, die er selbst noch vorbereitet hat.

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Gezeigt werden im Centre Pompidou auch Werke aus der Pariser Zeit in den 60er Jahren. Hier das eingepackte Pferd.

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Ein Jahrhunderkunstwerk ist im Entstehen

Wenn es in der Kunst Wunder gibt, dieses Projekt wird als eines in die Geschichte eingehen. Im September 2021 wird in Paris der Arc de Triomphe verhüllt werden. Das Monument wird für 15 Tage unter 25.000 Quadratmeter silbern schimmerndem Stoff verschwinden, allein diese Vorstellung hat etwas Gewaltiges. Zum Jahrhundertkunstwerk macht das Projekt aber seine Entstehungsgeschichte. Seit Anfang der 60er Jahr trug der Künstler Christo die Idee mit sich herum, das französische Wahrzeichen zu verpacken, bevor sie in diesem Jahr verwirklicht werden sollte. Doch dann geschah das Unvorhersehbare: die Corona-Pandemie stoppte die Vorbereitungen nur Wochen vor dem erfolgreichen Abschluss. Das endgültige Aus schien mit der Nachricht vom Tode Christos am 13. Juni gekommen, er war in New York kurz vor seinem 85. Geburtstag gestoben. Doch dann zeigte sich, was wirklich große Kunst ausmacht, die sich von ihrem Erschaffer löst und auf faszinierende Weise weiterlebt.

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„Christo und Jeanne-Claude – Paris!“

Die Pragmatiker unter den Kunstliebhabern können einwenden, dass der bis zu seinem Tod verbissen arbeitende Christo das Projekt akribisch vorbereitet hatte und die Umsetzung nur noch eine Art künstlerisches Handwerk darstellt. Sie können sich in einer Werkschau im Pariser Centre Pompidou allerdings auch vom Gegenteil überzeugen, dass dieses Projekt mehr ist, als nur ein paar Tonnen Stoff über ein Denkmal zu werfen. Unter dem Titel „Christo und Jeanne-Claude – Paris!“ ist der Arbeit des Künstlerpaares eine Ausstellung gewidmet, die nun auch zu einer Hommage ihres Wirkens geworden ist. Bei der Vorbereitung der Schau, die eigentlich bereits im März hätte eröffnet werden sollen, habe man noch eng mit Christo zusammengearbeitet, sagte Museumsdirektor Bernard Blistène bei der Eröffnung am Mittwoch im Centre Pompidou.

Die Pariser Jahre von Christo

Schwerpunkt der Ausstellung sind die Pariser Jahre des Künstlers und dessen Frau Jeanne-Claude. Christo war nach seiner Flucht aus dem kommunistischen Bulgarien in die französische Hauptstadt gezogen, wo er zwischen 1958 und 1964 lebte und seine in Casablanca geborene Partnerin kennenlernte. Zu sehen ist im Centre Pompidou auch ein Porträt von Jeanne-Claude – natürlich kunstvoll verpackt. Damals begann Christo die unterschiedlichsten Alltagsgegenstände zu verhüllen wie Dosen, Flaschen, Stühle oder, Kinderwagen. Er wollte zeigen, dass jedes Objekt einen Platz in der Kunst hat. Wie bei den meisten Vertretern des Neuen Realismus (Nouveau Realisme), die er in Paris kennengelernt hatte, ging es ihm darum, existierenden Dingen eine neue Wahrnehmung zu verleihen. Seine damals geborene Idee zu verwirklichen, nämlich den Arc de Triomphe zu verpacken, schien zu jener Zeit für den noch unbekannten Künstler eine verwegene Utopie.

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Ein sehr aufschlussreicher Dokumentarfilm

Zurück nach Paris kamen Christo und Jeanne-Claude in den 80er Jahren. Ihr Projekt, dem der weitaus größte Teil der Ausstellung im Centre Pompidou gewidmet ist: das Verpacken der Pont-Neuf hinter 40 876 Quadratmetern Polyamidgewebe. Zu sehen sind unzählige Skizzen und Fotos, die den mühsamen Weg hin zur Realisierung minutiös dokumentieren. Auch einige Bahnen des Stoffes werden präsentiert, Spanngurte und Winden. Besonderes sehenswert ist ein rund einstündiger Dokumentarfilm. Zu beobachten ist ein wie aufgedreht wirkender Christo, der wie besessen daran arbeitet, das Projekt zu verwirklichen. Als ihm gesagt wird, dass er die einfachen Pariser Leute überzeugen muss, zieht der Künstler kurzerhand durch die Straßen, spricht wildfremde Menschen an, setzt sich in Bistros an die Tische und bricht Diskussionen über den Sinn von Kunst im Allgemeinen und seinem Projekt im Speziellen vom Zaun. Unermüdlich erklärt er, dass es ihm beim Verpacken nicht um das Verstecken eines Gegenstandes gehe, im Gegenteil, sein Ziel sei es, dessen eigentliche Linien wieder sichtbar zu machen.

Vielsagend bis an den Rand der Komik

20.07.01-Christo02Vielsagend bis an den Rand der Komik ist die Rolle des damaligen Pariser Bürgermeisters und späteren französischen Präsidenten Jacques Chirac. Er steht der ganzen Geschichte sehr distanziert gegenüber und wagt es nicht, sich dafür stark zu machen. Der Grund: seine politischen Gegner könnten es ausschlachten. Doch als sich der Erfolg der Aktion abzeichnet, hat Chirac kein Problem, sich mit Christo im Scheinwerferlicht ausgiebig feiern zu lassen. „Ich habe den Eindruck, die Politiker spielen Pingpong und wir sind die Bälle“, entfährt es der entnervten Jeanne-Claude in einer Szene. 1985 wurde das Werk schließlich realisiert.

Christo liebte die Unabhängigkeit

Die Macher der Verpackung des Arc de Triomphe versichern immer wieder, dass Christo und dessen Frau Jeanne-Claude, die bereits im Jahr 2009 gestorben ist, ausdrücklich geäußert hätten, dass ihre laufenden Kunstaktionen auf jeden Fall fortgesetzt werden sollen. Noch im März fertigte Christo Zeichnungen des Pariser Projekts an und sicherte auf diese Weise dessen Finanzierung. Denn wie immer legte er großen Wert darauf, unabhängig von Sponsoren zu sein. Das nötige Geld kommt also auch in diesem Fall über den Verkauf von Drucken und Zeichnungen zusammen. Auch dieses profane, aber sehr wichtige Detail dürfte letztendlich dafür gesprochen haben, den Arc de Triomphe auch nach dem Tode des Künstlers zu verpacken.

Ende der Corona-Pause am Eiffelturm

Zum ersten Mal seit über drei Monaten kann die Sehenswürdigkeit in Paris wieder besichtigt werden. Dafür braucht es allerdings eine gute Kondition, denn der Aufstieg ist nur über die Treppe erlaubt.

 

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Ein steiler Weg bis zum Glück

Fast 700 Stufen sind es bis zum großen Wow-Effekt, dann liegt dem staunenden Besucher Paris zu Füßen. Über drei Monate war der Eiffelturm in der Corona-Krise geschlossen, am Donnerstag durften zum ersten Mal wieder Besucher bis zur zweiten Aussichtsplattform in 115 Metern Höhe hinaufsteigen. Das war an dem heißen Sommertag mit über 30 Grad allerdings eine schweißtreibende Angelegenheit. Die Aufzüge, die in normalen Jahren rund sieben Millionen Besucher auf die verschiedenen Etagen befördern, bleiben wegen der strengen Hygiene-Regeln in Frankreich vorläufig noch geschlossen.

Ein überwältigender Ausblick über Paris

Allerdings ist die Anstrengung angesichts der überwältigenden Aussicht schnell vergessen. Vom Eiffelturm aus wird die Schönheit von Paris noch einmal deutlich. Die ungewohnte Vogelperspektive macht die Achse vom Marsfeld hin zum Trocadéro erst wirklich begreifbar, in einiger Entfernung thront die weiße Basilika Sacré-Coeur im gleißenden Sonnenlicht erhaben auf dem Montmartre, im verwirrenden Häusermeer der Île-de-la-Cité erheben sich etwas behäbig die beiden Türme von Notre-Dame und die Seine verschwindet sich träge schlängelnd irgendwo am Horizont.

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Auch die Mitarbeiter sind erleichtert

Selbst die Männer und Frauen des Sicherheitspersonals scheinen diese grandiosen Aussicht vermisst zuhaben und lassen ihren Blick am ersten Tag der Eröffnung immer wieder über die Stadt schweifen. Sébastian Dupré arbeitet seit fast 24 Jahren auf dem Eiffelturm, doch so lange Zeit musste er noch nie pausieren. Die mehr als dreimonatige Schließung des Eiffelturms wegen der Corona-Pandemie sei die längste seit dem Zweiten Weltkrieg. „Wir alle sind glücklich, wieder hier zu sein“, sagt er sichtlich zufrieden und hofft, dass nun wieder ein weiteres, kleines Stück Normalität in das Leben der Stadt Einzug hält.

 

Beschränkungen in den ersten Wochen

Es wird allerdings noch einige Zeit dauern, bis der Alltag am Eiffelturm zurückehrt. Die Zahl der täglichen Besucher ist in den kommenden Monaten begrenzt und wer nach oben will, muss sein ihr Ticket vorab im Internet reservieren. Der Aufstieg erfolgt zudem über eine andere Treppe als der Abstieg, um einen Mindestabstand zwischen den Besuchern sicherzustellen. Das Konzept scheint zu funktionieren. Victoria Klahr, die Sprecherin der Betreibergesellschaft, erklärt, dass für die ersten Tage bereits mehrere Hundert Tickets verkauft worden seien. Vor allem aus Deutschland und Belgien laufe die Nachfrage bereits wieder an. Aber auch viele Einwohner von Paris würden die Gelegenheit nutzen, um ihr Wahrzeichen zu besuchen, bevor wieder die ganz großen Touristenströme wieder einsetzen.

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Nicht alle Pariser mochten den Turm

Die Pariser sind natürlich sehr stolz auf ihren Turm, doch viele hatten zu Beginn ein eher zwiespältiges Verhältnis zu dem Bauwerk. Gebaut wurde es für die Weltausstellung, die am 6. Mai 1889 ihre Pforten öffnete. Vor allem die Intellektuellen schimpften über die kühle Stahlkonstruktion, in den Zeitungen fanden verbale Schlachten statt – von „Geschmacklosigkeit“ und „tragischer Straßenlaterne“ war die Rede. Eigentlich sollte der Turm nur für die Dauer der Weltausstellung stehenbleiben. 1909 drohte schließlich endgültig der Abriss. Doch Gustave Eiffel wollte das Bauwerk retten und hatte eine Idee: Er startete Funkversuche von dessen Spitze. Der Eiffelturm wurde schließlich zum Sendemast – und entging so dem Abriss.

Dem Namensgeber Gustave Eiffel (1832-1923) ist es auch zu verdanken, dass der gigantische Bau überhaupt realisiert wurde. Die ursprüngliche Idee für den Turm stammt vor allem vom Elsässer Maurice Koechlin. Er war in Eiffels Ingenieur-Büro angestellt und entwickelte das Konzept maßgeblich. Eiffels Verdienst war es, mit diplomatischem Geschick und Beharrlichkeit den Bau gegen Widerstände und Konkurrenzprojekte durchzusetzen.

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Seit dem Jahrtausendwechsel funkeln am Abend zu jeder Stunde 20.000 Glühbirnen fünf Minuten lang. Bereits seit 1985 erhellen Lichtstrahlen den Turm im Dunkeln von innen heraus. So ist der Eiffelturm auch zu später Stunde von fast überall in Paris zu sehen.

Neue Ideen für die alte Dame

Auch nun hat die Betreiberfirma die Zeit der Corona-Schließung genutzt, um sich Gedanken über die Zukunft der Sehenswürdigkeit zu machen. „Man muss den Eiffelturm neu erfinden“, sagt Partick Branko Ruivo, Generaldirektor der Betreibergesellschaft. Es genüge nicht mehr, das Bauwerk nur ansehen zu können. Aus diesem Grund wird auf der ersten Etage eine Art Erlebnisraum eingerichtet, in dem mittels interaktiver Bildschirme und Infoboxen die Geschichte begreifbar gemacht wird. Zudem werden dort in Zukunft auch Musikevents stattfinden und eine neue Brasserie soll die Gäste verpflegen.

Der nächste größere Einschnitt ist ebenfalls schon geplant. Der insgesamt 324 Meter hohe Eiffelturm soll bald einen neuen Anstrich erhalten. 60 Tonnen Farbe werden dafür benötigt und die Arbeiten werden fast zwei Jahre dauern. Pünktlich zu den Olympischen Spielen in Paris im Jahr 2024 soll das Wahrzeichen der Stadt dann im neuen Kleid erstrahlen.

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INFOS zum Eiffelturm

BAUWERK: Der Eiffelturm wurde für die Weltausstellung gebaut – sie wurde am 6. Mai 1889 eröffnet. Er ist 324 Meter hoch – inklusive der Antenne auf der Spitze des Bauwerks. Auf der ersten Etage befinden sich Besucher in 57 Metern Höhe, auf der zweiten in 115 Metern. Die oberste Aussichtsplattform befindet sich auf 276 Metern Höhe. Die Stahlkonstruktion allein wiegt 7300 Tonnen, insgesamt wiegt das Bauwerk 10.000 Tonnen. Mehr als 18.000 Eisenteile wurden verwendet, rund 2,5 Millionen Nieten halten ihn zusammen.

ANSTRICH: Der Turm wurde seit dem Bau mehrfach komplett neu gestrichen. Die offizielle Farbe „Eiffeltum-Braun“ trägt er seit 1968. Dieser bronzefarbene Anstrich ist von oben nach unten in drei Schattierungen von hell nach dunkel abgestuft – so soll Leichtigkeit vermittelt werden. Zuvor war der Stahlbau auch schon Venedig-Rot und ockerfarben angemalt. Für den Anstrich werden 60 Tonnen Farbe verbraucht. Im Schnitt dauert das 18 Monate und kostet vier Millionen Euro.

LICHT: Am Abend funkelt der Turm zu jeder Stunde. Auch finden doch immer wieder Lichtshows statt. Alle Lichtinstallationen sind urheberrechtlich geschützt. Fotos davon dürfen zwar für den privaten Gebrauch gemacht werden. Wer die Bilder verbreiten will, braucht dafür aber eine Genehmigung.

TERROR: Nach der islamistischen Anschlagsserie, die Frankreich in den vergangenen Jahren erschüttert hat, wurde der Eiffelturm nachgerüstet. Seit 2018 schützen kugelsichere Glaswände den Stahlturm vor Terrorangriffen. Sie sind drei Meter hoch und stehen einmal auf der Seite zur Seine und gegenüber, Richtung Marsfeld. An den Längsseiten sind Metallzäune hinzugekommen. Die neuen Sicherheitsvorkehrungen waren durchaus umstritten, ist der Turm doch auch ein Symbol der Freiheit. Laut Betreiber waren sie aber notwendig.

Und wer ein Ticket buchen will: Hier draufklicken!

 

Corona-App in Frankreich – Ernüchterung nach dem großen Hype

Die Corona-Warn-App ist nun auch in Deutschland verfügbar. Die Aufregung ist groß! In Frankreich wurde die App bereits vor rund zwei Wochen zum Download freigeschaltet, auch dort schlugen die Wellen hoch, allerdings hat sich die Lage ebenso schnell wieder beruhigt. Inzwischen macht sich auch in den Reihen der Verantwortlichen eine gewisse Ernüchterung breit.

 

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StopCovid ist in den ersten Tagen der Hit

Frankreichs Coronavirus-Warn-App nennt sich „StopCovid“ und wurde in den ersten Tagen zum Hit. Nach Angaben der Regierung wurde die Erwartungen übertroffen. Innerhalb von vier Tagen sei die App eine Million Mal aktiviert worden, schrieb der Staatssekretär für Digitales, Cédric O, auf Twitter. Ähnlich wie in Deutschland wurde zuvor mächtig die Werbetrommel gerührt. Die französische Regierung erklärte immer wieder, damit die App wirksam sei, müsste sie von mehreren Millionen Französinnen und Franzosen genutzt werden.

 

Der Hype ist schnell verflogen

Doch der Hype um die App war schnell verflogen. Cédric O, Staatssekretär für Digitales, erklärte in diesen Tagen, dass mit dem Abflauen der Pandemie auch die Bereitschaft deutlich nachlasse, sich die App auf das Smartphone zu laden. Auch mit Aussagen über die Zahl der belegten „Treffer“ hielt sich der Politiker zurück. Es habe eine „eine Handvoll“ Benachrichtigungen durch die App gegeben.

Das Problem ist Bluetooth

Ein zentrales Problem ist offenbar technischer Natur. Es genügt nicht, sich die App zu installieren. Die Nutzer von StopCovid müssen ihre Bluetooth-Funktion aktiviert haben, sonst funktioniert die App nicht. „Wir wissen nicht, wer sein Bluetooth aktiviert oder nicht,“ erklärt Cédric O. Die ersten Zahlen machten allerdings keine große Hoffnung.

Allerdings wehrt sich der Staatssekretär auch immer wieder gegen Meldungen, dass mindestens 60 Prozent der Menschen die App geladen und aktiviert haben müssten, damit sie verlässlich funktioniert.

 

 

 

„StopCovid“ soll mit Hilfe von Bluetooth-Signalen erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind. Bürger sollen dann gewarnt werden, falls sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben. „Wir haben kein genaues Ziel, aber wir wissen, dass diese Anwendung vor allem für Stadtbewohner nützlich ist, die zu Stoßzeiten die U-Bahn nehmen, die in Bars und Restaurants gehen, die mit vielen Menschen in Kontakt stehen“, sagte der Staatssekretär jüngst dem Sender RMC.

Die Kritik an der App ist groß

Experten hatten bereits kritisiert, dass die französische App nicht von den Schnittstellen Gebrauch macht, die Apple und Google für Corona-Tracing-Apps kürzlich für ihre Betriebssysteme iOS und Android bereitstellten. Das kann zu Problemen wie höheren Stromverbrauch und einer weniger zuverlässigen Bluetooth-Erkennung führen.

Die Kritik richtet sich allerdings nicht nur an die Technik der App. Datenschützer haben zwar immer wieder versichert, dass die Anwendung sicher sei und die Daten auch nicht verwendet werden könnten, um Menschen zu verfolgen. Dennoch schürt die App offensichtlich Ängste, die bisweilen nicht genau zu fassen sind.

 

 

Der Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich

Großen Wert legt die französische Regierung auf die Tatsache, dass sie technisch von den US-Konzernen Apple und Google unabhängig ist. Anders als Deutschland hat sich Frankreich im Fall der Corona-App für eine zentrale Software-Lösung entschieden. Das bedeutet, dass die Daten auf zentralen Server gespeichert werden und nicht nur auf den jeweiligen Nutzerhandys. Die französische Regierung argumentiert, dass die Gesundheitsbehörden nur mit einem zentralen System vollen Zugang zu den Angaben haben. Das bedeutet, dass deutsch-französischen Grenzgänger die App wahrscheinlich nicht wirklich nutzen können.

Kritiker warnen auch, dass es wegen der App zu falschen Verdächtigungen durch die Nutzer kommen könnte. Das Problem ist, dass bei einer Warnung nicht klar ersichtlich ist, wer der Infizierte ist. Wenn jemand an einem Kiosk etwa eine Warn-Nachricht erhalte, könne ihn das zur Annahme verleiten, vom Verkäufer gehe eine Gefahr aus – auch wenn dies womöglich gar nicht zutrifft.

Sind Reisen nach Frankreich möglich?

Ein Stück weit kehrt die Reisefreiheit wieder zurück: Die Bundesregierung wird die Reisewarnung für zahlreiche europäische Länder aufheben. Doch ob der Sommerurlaub wirklich stattfinden kann, dürfte auch an den Regelungen der Urlaubsländer selbst hängen. Im Fall von Frankreich heißt das: Frankreich hält an der Aufhebung der Grenzkontrollen am 15. Juni fest. Das bedeutet, dass deutsche Urlauber auch erst ab diesem Datum nach Frankreich reisen können.

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Der Vorplatz von Notre-Dame ist in diesen Tagen wieder für Touristen geöffnet worden. Nach dem Brand vor einem Jahr war er mit Blei verseucht.

Berlin hebt die Reisewarnung auf

Aufgehoben werden soll die Reisewarnung für die 26 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union, das gerade aus der EU ausgetretene Großbritannien und die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums, die nicht Mitglied in der EU sind: Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein. Die Aufhebung soll ab 15. Juni gelten. Nur Spanien und Norwegen sind davon wegen noch bestehender Einreisesperren vorerst ausgenommen. Eine Reaktivierung der Reisewarnung für bestimmte Länder oder Regionen je nach Entwicklung der Neuinfektionen ist allerdings möglich.

Die Regeln in Frankreich werden gelockert

Doch wie genau sieht es in Frankreich aus? Noch bis vor wenigen Tagen durften auch Franzosen sich nur in einem Umkreis von 100 Kilometern bewegen. Diese Regelung wurde am 2. Juni aufgehoben. Inzwischen haben in weiten Teilen des Landes Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber nun wieder geöffnet. Auch die Restaurants empfangen seit Anfang dieser Woche im ganzen Land wieder Gäste – alles natürlich mit strengen Hygiene-Regeln. Auch Freizeitangebote sind nun wieder verstärkt möglich. So sind alle Strände wieder zugänglich. Große Museen und Monumente dürfen ebenfalls wieder Besucher empfangen.

Der Sonderfall Paris

Etwas anders ist die Lage in Paris, das schwerer von den Folgen des Virus getroffen wurde. Das heißt: in der Hauptstadt geht die Öffnung wesentlich langsamer voran und wird noch bis Ende Juni dauern. Das heißt, dass die Hotels noch geschlossen haben und auch in den Restaurants und Bistros herrschen strenge Regeln. So darf nur auf den Terrassen gegessen und getrunken werden.

Da die Lage noch reichlich unübersichtlich ist, hält sich die Regierung auch mit Aussagen für die Ferienmonate im Sommer zurück. Sie hat allerdings die Franzosen aufgefordert, in Frankreich Urlaub zu machen und auch Reisen ins Ausland zu verzichten.

Am 28. Juni will die Regierung in Paris dann die Lage neu bewerten und über das weitere Vorgehen entscheiden. Dann dürften auch Aussagen dazu möglich werden, ob und wie ein Urlaub in Frankreich möglich sein wird.

Die Museen öffnen etwas später

Für die Museen in Paris bedeutet das: Der Louvre oder das Musee d’Orsay öffnen erst in ein paar Wochen. Das Versailler Schloss öffnet nach der coronabedingten Zwangspause am 6. Juni wieder seine Türen. Zugänglich sind das Schloss, die Gärten, Parkanlagen und das von Ludwig XV. für seine Mätresse Madame de Pompadour errichtete Trianon, teilte die Schlossleitung mit. Der Besuch kann nur mit vorheriger Reservierung eines Zeitfenster-Tickets und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen. Das Loire-Schloss Chambord soll ab dem 5. Juni wieder zu besichtigen sein, das Schloss von Fontainebleau ab dem 1. Juli.

Hier geht es zu einer Mitteilung des Louvre, die allerdings auch andere Museen betrifft:

UPDATE:

Das Pariser Centre Pompidou empfängt nach der coronavirusbedingten Zwangspause am 1. Juli mit der angekündigten Christo-Schau wieder seine ersten Besucher. Die Ausstellung des kürzlich verstorbenen Verhüllungskünstlers konnte wegen der Pandemie nicht wie geplant am 18. März eröffnet werden. Die bis zum 19. Oktober dauernde Werkschau „Christo und Jeanne-Claude Paris“ legt einen Schwerpunkt auf die Verhüllung der Pariser Brücke Pont Neuf im Jahr 1985 sowie auf das Projekt der Verpackung des Pariser Triumphbogens, das trotz des Todes des Künstlers im September 2021 stattfinden soll. Christo war am 31. Mai im Alter von 84 Jahren gestorben.

Ursprünglich war das Projekt für dieses Jahr geplant, wegen der Pandemie musste es jedoch verschoben werden. Seit den 1990er Jahren realisierte Christo seine gigantischen Installationen zusammen mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude. Zu den berühmtesten Projekten zählte neben dem Pont Neuf auch die Verhüllung des Reichstags im Juni 1995. Die Wiedereröffnung des Centre Pompidou findet unter strengen Sicherheitsmaßnahmen statt, die das Museum zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen will.

Paris findet seine Lebensfreude wieder

In ganz Frankreich dürfen in der Corona-Krise Cafés und Restaurants nun wieder öffnen – in Paris allerdings unter erschwerten Bedingungen.

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20.06.02-bistro

Die Kellner haben wieder alle Hände voll zu tun

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Ende der strikten Corona-Beschränkungen

Punkt Mitternacht klingen im Royal Cambronne die Gläser. Die Gäste in dem vollbesetzen Café im 15. Arrondissement von Paris begießen mit großem Hallo das Ende einer 80 Tage dauernden Leidenszeit. So lange waren Bistros und Restaurants in Frankreich wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Seit Dienstag dürfen die Wirte unter strengen Auflagen wieder ihre Kundschaft bedienen. „Ich hätte nie geglaubt, dass mir der Besuch im Bistro so sehr fehlen würde“, gesteht Catherine Philippe, ein junge Bankangestellte, die sich in der Vor-Corona-Zeit fast jeden Abend noch kurz auf ein Glas mit ihren Freunden getroffen hatte.

Gute Stimmung im Royal Cambronne

Im Royal Cambronne ist in dieser lauen Juni-Nacht allerdings nur die Außenterrasse geöffnet, denn Paris gilt in Sachen Corona weiter als Risikogebiet, weshalb die Innenräume der Bistros noch mindestens für drei Wochen tabu sind. Im Rest von Frankreich reicht es, wenn die Betreiber der Gaststätten in den Lokalen selbst den vorgegebenen Sicherheitsabstand von einem Meter zwischen den Tischen einhalten – und natürlich ist das Tragen von Masken für das Personal Pflicht.

Anne Hidalgo interpretiert die Regeln

Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, ist allerdings bekannt für ihre Kreativität und Durchsetzungskraft. Kaum hatte der konservative französische Premier Édouard Philippe vergangene Woche die besonderen Einschränkungen der Corona-Regelungen im Fall von Paris verkündet, meldete sich die sozialistische Politikerin zu Wort. Natürlich könnten die Bistros in ihrer Stadt unter diesen Umständen die Terrassen vergrößern, erklärte Anne Hidalgo. Zu diesem Zweck ordnete sie an, einige kleine Straßen für den Autoverkehr zu sperren und vor allem Parkplätze vor den Lokalen den Wirten für Tische zur Verfügung zu stellen. Ihrer Ansicht nach gehören die typischen Cafés zum Stadtbild von Paris und sind eine Art Aushängeschild. „Ein Bistro – das ist für mich der Geruch von Kaffee und eines warmen Croissants“, schwärmte Anne Hidalgo in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Parisien“.

 

Hidalgos Kampf gegen den Verkehr

Ähnlich forsch war die Bürgermeisterin vor einigen Wochen im Fall der in Paris umstrittenen Radwege vorgegangen. Während der Corona-Krise und dem damit zusammenhängenden drastischen Lockdown war der Autoverkehr in der Stadt dramatisch zurückgegangen, gleichzeitig stieg die Zahl der Radfahrer steil an. Also ordnete Anne Hidalgo praktisch über Nacht den zusätzlichen Ausbau des bestehenden Radnetzes um rund 50 Kilometer an. Dazu wurden auf einigen Hauptverkehrsadern den Autos rigoros ganze Fahrspuren abgezwackt. So können die Pedaleure nun etwa auf der wichtigen und vielbefahrenen Rue Rivoli angstfrei und bequem die halbe Innenstadt durchqueren.

Der Aufschrei bei den Automobilisten war groß, Anne Hidalgo beruhigte allerdings die Gemüter und versprach, dass die Maßnahme zeitlich begrenzt sei – was allerdings nicht alle glauben wollen. Kritiker werfen der 60-Jährigen Populismus vor, da sie bei solch spektakulären Aktionen vor allem ihre Wiederwahl in einigen Wochen im Auge habe. Schätzungen zufolge besitzt nicht einmal die Hälfte der Haushalte in Paris ein Auto, was den Einsatz von Anne Hidalgo für die Radwege, den Nahverkehr und die Ausweitung der Grünflächen in der Stadt zu Lasten der Autofahrer erklären würde.

Strenge Regeln für die Terrassen

Auch im Fall der aktuellen Ausnahmegenehmigungen für die Bistros scheinen ihr die Wählerstimmen nicht ganz egal zu sein. In der Millionenmetropole an der Seine gibt es nach Schätzung der Tageszeitung „Le Parisien“ rund 15.000 Cafés, Bars und Restaurants mit einer für Paris typischen Terrasse. Deren Besitzer sind natürlich voll des Lobes für die Anordnung der Bürgermeisterin, die Bewirtungsfläche auf der Straße auszuweiten.

Und auch die mehrere Tausend Restaurants, die keinen Außenbereich haben, können unter den aktuellen Umständen Gäste bewirten. Am Dienstag stellten eifrige Kellner bei strahlendem Sonnenschein und fast 30 Grad Tische und Stühle auf die breiten Gehsteige. Dabei müssen allerdings einige Regeln eingehalten werden. Das Mobiliar darf aus ästhetischen Gesichtspunkten keine Beleidigung für das Auge der Passanten darstellen. Und gespeist wird natürlich ebenfalls mit Stil – Einweggeschirr und Wegwerfbesteck sind verboten.