Bürgermeister montiert Bänke ab wegen des Coronavirus

Im Kampf gegen den Coronavirus greifen die Verantwortlichen bisweilen zu erstaunlichen Maßnahmen. Das hat nun auch Sébastien Leprêtre, Bürgermeister von La Madeleine, getan. 

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Der Bürgermeister einer nordfranzösischen Gemeinde hat im Kampf gegen das Coronavirus alle Bänke abmontieren lassen. „Ich konnte sie jeden Tag aus dem Fenster meines Büros im Rathaus sehen“, sagte Sébastien Leprêtre, Bürgermeister von La Madeleine, der Tageszeitung „Le Parisien“ über die Menschen, die sich auf die Bänke gesetzt hätten. „Bei strahlendem Sonnenschein kamen die Einwohner zum Reden und nicht nur für zehn Minuten, sondern für einen guten Teil des Nachmittags. Das ist inakzeptabel.“ Die Stadtverwaltung montierte schließlich um die 40 Bänke auf Frei- und Grünflächen ab.

Nicht nur, dass das Sitzen auf einer Bank derzeit nicht erlaubt sei – die Bank sei auch ein potenzieller Virusüberträger, so der Bürgermeister. „Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages eine solche Entscheidung treffen müsste“, so Leprêtre. „Leider nehmen es einige Leute immer noch auf die leichte Schulter.“ Wenn die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben werden und sich die Situation wieder verbessert hat, sollen die Bänke wieder aufgestellt werden.

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In Frankreich gelten seit anderthalb Wochen strenge Ausgangsbeschränkungen – vor die Tür zu gehen, ist nur erlaubt, wenn es unbedingt nötig ist. Sport und kurze Spaziergänge – etwa mit Hunden, Kindern oder Personen desselben Haushalts – sind aber gestattet.

Arbeitslose sollen in Frankreich bei der Ernte helfen

Die Corona-Krise macht sich nun auch bei den französischen Bauern bemerkbar. Ihnen fehlen im Moment die Arbeitskräfte, um die Ernte von den Feldern einzuholen. Nun wurden Arbeitslose aufgerufen, bei der Feldarbeit auszuhelfen.

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In der Tageszeitung „Le Parisien“ berichten Bauern über ihre Notlage in Sachen Saisonarbeiter

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Es fehlen rund 200.000 Saisonkräfte

Nach Angaben des französischen Dachverbands der Landarbeiter (FNSEA)  fehlen bis Mai rund 200.000 Saisonkräfte. Die Verbandspräsidentin Christiane Lambert rief Interessierte im Radiosender France Inter auf, sich auf einer Webseite zu melden, die mit Hilfe der Arbeitsagentur eingerichtet wurde.

Landwirtschaftsminister Didier Guillaume hatte zuvor alle derzeit unbeschäftigten Franzosen aufgerufen, sich freiwillig zur Verfügung zu stellen. „Wir müssen produzieren, um die Franzosen zu ernähren“, betonte Guillaume.

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Sorgen machen sich unter anderem die Erdbeer-Bauern. Ihnen fehlen für die bevorstehende Ernte rund 3000 Saisonkräfte, die normalerweise aus Spanien, Portugal, Marokko oder Polen nach Frankreich kommen, wie der größte Anbauverband AIFLG im Südwesten Frankreichs mitteilte.

Einreiseverbot in Deutschland für Erntehelfer

Ein ähnliches Problem hat auch Deutschland. Dort wurde trotz der Schwierigkeiten ein Einreiseverbot für Saisonarbeitskräfte und Erntehelfer erlassen. Ihnen werde „bis auf weiteres“ die Einreise nach Deutschland im Rahmen der bestehenden Grenzkontrollen nicht mehr gestattet, teilt das Bundesinnenministerium mit. Dies habe Innenminister Horst Seehofer zur weiteren Eindämmung der Infektionsgefahren angeordnet.

„Die Regelung gilt für Einreisen aus Drittstaaten, Großbritannien sowie EU-Staaten, die den Schengen-Besitzstand nicht voll anwenden (u. a. Bulgarien und Rumänien) und für Staaten, zu denen Binnengrenzkontrollen vorübergehend wiedereingeführt wurden.“ Der Bauernverband hatte gefordert, den Einreisestopp „so kurz wie möglich zu halten.“ In der Landwirtschaft arbeiten jedes Jahr nahezu 300.000 Saisonkräfte vor allem aus Rumänien und Polen.

Ein Nacktfoto als Protest im „Gesundheitskrieg“

Alain Colombié ist verzweifelt. Der Mediziner ist so verzweifelt, dass er sich auszieht. Auf Facebook veröffentlichte er ein Nacktfoto von sich.  Es sei ein „Aufschrei“ gegen die Zustände, die in Frankreich im Kampf gegen das Coronavirus herrschten, sagt er. Sein Vorwurf: das Land sei trotz Warnungen vieler Ärzten unvorbereitet in die Pandemie gegangen.

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Chair à canon – Kanonenfutter

Das Foto zeigt Colombié nackt in seinem Behandlungszimmer auf einem roten Drehstuhl. Er trägt lediglich ein Stethoskop und eine Kopf- und Armbinde mit der Aufschrift „chair à canon“ (Kanonenfutter).

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„Président Macron, vous demandez à vos petits soldats de partir au front sans armes et sans défense ( masque, gel, surblouse ) et bien sûr sans considération, le petit doigt sur la couture du pantalon….., à non merde ! Pardon !“

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Der Arzt sagt, dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron von Ärzten verlange, „in demselben Aufzug in die Schlacht zu ziehen, den ich auf dem Foto trage“, schreibt er in einem Kommentar. Die Mediziner hätten zu ihrer Verteidigung weder Masken noch Desinfektionsgel noch Schutzanzüge.

Gegenüber France Info erklärt er: 

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„Je demande l’insurrection générale de tous les professionnels de santé. Ne pouvant entrer en grève, je demande à tous et à toutes de travailler avec un brassard, un plastron ou tout autre moyen, intitulé : CHAIR À CANON ». „C’est un coup de gueule, c’est sorti du cœur mais là, la coupe est pleine et on va la boire jusqu’à la lie.“

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Frankreich im „Gesundheitskrieg“

Macron hatte die Franzosen vor gut einer Woche auf einen „Gesundheitskrieg“ gegen das Coronavirus eingestimmt. Inzwischen hat die Regierung einen Mangel an Masken und anderer Ausrüstung eingeräumt.

Colombié ist Hausarzt in der südfranzösischen Gemeinde Pomérols, in der Nähe der Urlaubsorte Agde und Sète am Mittelmeer. Nach eigenen Angaben hat er derzeit täglich mehr als 40 Patienten und arbeitet teils bis in die späten Abendstunden. In Frankreich wurden zuletzt offiziell mehr als 19.800 Coronavirus-Infektionen gezählt und 860 Tote.

 

Die Statistik gibt dem Coronavirus ein Gesicht

In der Krise bestimmen viele Statistiken das Leben der Menschen. Das reicht von der Zahl der Infizierten, bis zum Stromverbrauch.

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20.03.17-stüuhl

Null Menschen besuchen im Moment die Bistros in Frankreich – die haben wegen der Ausgangssperre geschlossen. Doch es gibt noch andere Zahlen zum Thema.

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Innerhalb von 24 Stunden über 100 Tote

Das Coronavirus ist kein unsichtbarer Feind. Sein Gesicht sind die Zahlen, die seit Wochen veröffentlicht werden und deutlich machten, dass aus einer lokalen Krise eine Pandemie geworden ist. Doch auch Zahlen sind eine eher abstrakte Angelegenheit. Was heißt es, wenn die Infektionen exponentiell zunehmen? Zu begreifen ist das, wenn etwa in Frankreich am Dienstag noch knapp 5000 Fälle gemeldet werden und zwei Tage danach bereits über 10.000, von denen fast 5000 im Krankenhaus liegen und davon über 1000 auf der Intensivstation. Oder wenn in Frankreich am Freitagmorgen innerhalb von 24 Stunden über 100 Todesfälle verzeichnet sind. Im ganzen Land sind inzwischen fast 400 Opfer zu beklagen.

Auch um das Maß der Bedrohung für sich selbst zu kalkulieren, wird auf die Zahlen der Statistik zurückgegriffen. In Frankreich sind nur zwei Prozent der Corona-Infizierten jünger als 15 Jahre, aber 34 Prozent sind älter als 65 Jahre. Noch deutlicher wird das Bild, wenn die Zahl der Intensivpatienten herangezogen wird. Von diesen sind im Moment 92 Prozent über 65 Jahre alt.

Der Stromverbrauch in Frankreich sinkt

Doch die Pandemie liefert auch noch andere Zahlen. So ist in Frankreich der Stromverbrauch um 15 Prozent gesunken. Das sei eine „völlig neue Situation“, heißt es vom Netzbetreibers RTE und ist wohl durch die sinkenden wirtschaftlichen Aktivitäten im Zuge der Pandemie zu erklären.

Natürlich nimmt deswegen natürlich auch der Verkehr ab. Jeden Tag fahren viele Zehntausend weniger Autos nach Paris – und dennoch wird in der Millionenstadt die Feinstaubbelastung nicht weniger. 63 Mikrogramm pro Kubikmeter sind am Donnerstag gemessen worden, fast doppelt so viel wie zu Anfang der Woche. Das sei typisch im Frühling, heißt es zur Erklärung, und wäre unter normalen Umständen wesentlich höher. Zudem wehe bei dem schönen Wetter kein Wind, der Feinstaub wird also nicht verwirbelt.

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Die Strafen werden in Frankreich erhöht

An Zahlen richtet sich inzwischen auch die Aktivitäten im Freien aus. Wer in Frankreich ohne Grund die Ausgangssperre missachtet, muss 135 Euro bezahlen. Um den Grad der Abschreckung zu erhöhen, soll die Strafe noch auf 375 Euro erhöht werden. Erlaubt ist, Sport zu treiben – allerdings nur alleine, zwei sind schon eine Gruppe. Und man darf sich nicht zu weit vom Haus dabei entfernen: zwei Kilometer sind das Maximum. Und wer joggen geht, darf das höchstens für 30 Minuten, also keine Zeit für einen Marathon.

Die Zahlen zeigen auch, dass Präsident Emmanuel Macron in der Krise an Zustimmung gewinnt. Seit Monaten steckt er im Umfragetief und hatte zuletzt das Vertrauen von nur noch knapp 20 Prozent der Franzosen. Doch sein Auftreten in der Corona-Krise wird von 65 Prozent seiner Landsleute honoriert. 85 Prozent der Befragten des Umfrageinstitutes Odoxa sagen sogar, er hätte viel früher so hart durchgreifen sollen.

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Auch in Frankreich sind Prepper unterwegs

Und natürlich werden auch in Frankreich angesichts der Ausgangssperre Nahrungsmittel gehortet. 20 Prozent der Befragten geben an, sich mit den Dingen des täglichen Bedarfs eingedeckt zu haben. Sieben Prozent der Franzosen haben sich wegen der Krise in eine andere Region des Landes begeben – meistens von der Stadt aufs Land, wo es sich besser leben lässt. Faktisch hat in diesen Tagen in Frankreich eine Völkerwanderung von vier Millionen Menschen stattgefunden. Das allerdings war eher kontraproduktiv und hat die Ausbreitung des Virus wohl eher begünstigt. Ob dieser Furcht begründet ist, wird sich in den kommenden Tagen in der Statistik zeigen.

Eine Insel im Atlantik schottet sich ab

In Frankreich sind wegen der Ausgangssperre viele Städter aufs Land gefahren. Dort sehen die Einheimischen das mit großer Sorge und reagieren rigoros.

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Kein Fremder darf mehr auf die Insel

Der Bürgermeister von Groix greift durch. Dominique Yvon hat die kleine Insel vor der bretonischen Atlantikküste gesperrt. Kein Fremder darf das Eiland mehr betreten. Der Grund: die Île de Groix ist in Zeiten der Corona-Krise Zufluchtsort für viele Menschen aus der Stadt geworden. In den letzten Stunden vor Verhängung der landesweiten Ausgangssperre fand etwa in Paris ein wahrer Exodus aus der Millionenmetropole statt. Zu Zehntausenden strömten die Menschen aufs Land, zu ihren Verwandten oder in die Zweitwohnungen am Meer.

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Streit mit den „Eindringlingen“

Angesichts dieses Ansturms kommt es nicht nur auf Groix zu Reibereien zwischen Einheimischen und Gästen, die nun die Regale in den Geschäften vor Ort leerkaufen. Die Menschen in den Dörfern haben auch Angst, dass die Großstädter den Coronavirus einschleppen. Angesichts der überaus schlechten medizinischen Versorgung auf dem Land wäre das eine Katastrophe. Deshalb haben sich einige Bürgermeister im Département Morbihan entschlossen, das Vermieten von „Zimmern aller Art“ an Saisongäste zu verbieten. In der Region liegen die beliebten Inseln Belle-Île-en-Mer, Groix, Houat et Hoëdic. In den Häusern wohnen dürfen nur noch die Eigentümer oder nahe Verwandte – also deren Kinder oder Eltern.

Die Leute benehmen sich in der Krise wie im Urlaub

Nach Ansicht der Einheimischen kommt diese Beschränkung viel zu spät. In den sozialen Medien beschweren sie sich darüber, dass die „Eindringlinge“ sich benehmen würden, als seien sie im Urlaub. Gepostet werden Fotos auf denen trotz der Ausgangssperre Menschen mit ihren Surfbrettern am Stand zu sehen sind oder auf Fahrrädern kreuz und quer über die Inseln fahren. „Die Pariser halten sich an keine Regeln“, ist ein Satz, der in dieser Situation oft geäußert wird und die landesweiten Vorurteile der Landbevölkerung über die Bewohner der Hauptstadt wiederspiegelt: arrogant, respektlos, oberflächlich.

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Angst vor dem Coronavirus

Christophe Germain, Besitzer eines Fischladens in Belle-Île-en-Mer, profitiert einerseits von den Gästen und hat Verständnis, dass sie aus der Stadt geflüchtet sind. Auf der anderen Seite ist er sehr beunruhigt. „Jeder Neuankömmling könnte den Virus in sich tragen und ihn weitergeben,“ sagt er Geschäftsmann.

Die Stimmung im Département Morbihan ist noch aus einem weiteren Grund gereizt. Die Region war eine der ersten französischen Gegenden, in der viele Corona-Erkrankungen registriert wurden. Die Verantwortlichen haben darauf sehr früh mit drastischen Maßnahmen reagiert und die Verbreitung in den Griff bekommen. Nun befürchten die Menschen, dass dieser Erfolg zunichte gemacht wird und die Epidemie mit den Neuankömmlingen zurückkehren könnte.

Emmanuel Macron – ein Gewinner der Corona-Krise

Mit seinem harten Durchgreifen in der Corona-Krise trifft der französische Präsident den Nerv des eigenen Volkes. Seine Zustimmungswerte steigen deutlich.

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20.03.17-Macron

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Die Franzosen vertrauen ihrem Präsidenten

Die Corona-Krise kennt auch Gewinner. Zu ihnen zählt im Moment Emmanuel Macron. 76 Prozent der Franzosen vertrauen ihrem Präsidenten im Kampf gegen die Pandemie. Das ergibt eine Umfrage von Harris Interactive im Auftrag des Senders RTL. Das ist ein Ergebnis, von dem der von zahlreichen Krisen geschüttelte Staatschef bisher nur träumen konnte.

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35 Millionen Franzosen verfolgten seine Rede an die Nation am Montagabend – das ist absoluter Zuschauerrekord. Dabei verkündete Macron neue, strenge Maßnahmen, um das Ausbreiten der Krankheit im Land weiter einzudämmen. Zudem erklärte er, angesichts der Krise seine umstrittene Rentenreform auszusetzen. In Frankreich sind seit Sonntag alle Restaurants und sehr viele Geschäfte geschlossen. Nun wurde vom Präsidenten eine Ausgangssperre verhängt, die von rund 100.000 Polizisten überwacht wird. Wer dagegen verstößt muss 135 Euro Strafe bezahlen. Schon in den ersten Stunden nach Inkrafttreten wurden mehrere Hundert Anzeigen verteilt.

Frankreich von Corona stark betroffen

Dem Präsidenten erschienen diese Maßnahmen notwendig, da Frankreich zu den am stärksten vom Coronavirus betroffen Regionen in Europa zählt. Das Land hat mit rund 7700 registrierten Fällen zwar weniger Infizierte als Deutschland (9400), doch sind bis zu diesem Zeitpunkt 148 Tote zu beklagen (Deutschland: bisher 24 Tote).

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Deutlich wird in der Umfrage, dass das Volk hinter den Maßnahmen ihres Präsidenten steht. Rund Dreiviertel der Befragten findet sie überzeugend oder sogar sehr überzeugen. Auch die Regierung kann von dem Umfragehoch Macrons profitieren. 63 Prozent der Franzosen äußern ihr Vertrauen, dass die Politiker ihre Arbeit in der Krise gut machen. Auch das ist angesichts der monatelangen, bisweilen brutal geführten Streiks gegen die Rentenreform ein überraschender Wert. Hier hängt die Zustimmung allerdings sehr von der Parteizugehörigkeit ab. 97 Prozent der Mitglieder der Präsidentenpartei La République en Marche stehen hinter der Regierung und dem Staatschef. Aber auch knapp die Hälfte des rechtsextremen Rassemblement National bewerten die ergriffenen Schritte als überzeugend. Das ist ein kleiner Rückschlag für dessen Chefin Marine Le Pen, denn sie gilt für Macron als größte Konkurrentin im Rennen um die Gunst des Volkes.

Laut der Befragung machen sich knapp über 70 Prozent der Franzosen Sorgen um ihre Gesundheit die ihrer Familie. Gleichzeitig empfinden sie die Ausgangssperre nicht als Schock oder allzu große Einschränkung des alltäglichen Lebens. Rund 60 Prozent der Befragten sagen, es sei leicht oder sehr leicht, die Ausgangssperre einzuhalten.

In Frankreich erstirbt das öffentliche Leben

Der Präsident verkündet wegen des Coronavirus eine Ausgangssperre für das ganze Land – Unternehmen sollen mit Milliardenprogrammen unterstützt werden

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Die Bistros in Paris haben geschlossen – das ist eine Maßnahme der Ausgangssperre, die über das Land verhängt worden ist.

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Die Menschen verlassen Paris

Ungewohnte Hektik auf den Bahnhöfen in Paris. Wenige Stunden vor dem Einsetzen der Ausgangssperre um die Mittagszeit wollen viele Menschen am Dienstagmorgen die Millionenmetropole noch schnell verlassen. „Wir fahren zu unseren Eltern auf Land, das ist schöner, als hier die enge Stadtwohnung“, erklärte eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern im Schlepptau auf dem Weg zum Gare du Nord. Auch auf dem Gare de l’Est, von wo die Züge in Richtung Deutschland starten, ist ungewöhnlich viel Treiben. „Ich habe meine Tochter besucht, die hier lebt und vor einigen Tagen ein Kind bekommen hat“, sagt eine Frau aus der Nähe von Frankfurt. „Mein Zug wäre Ende der Woche gegangen, aber unter diesen Umständen habe ich schnell umgebucht.“

Die TGV-Verbindungen werden reduziert

Angesichts dieser Reisewelle werden nun Sorgen laut, dass sich das Virus durch die aus der Stadt kommenden Menschen schneller im ganzen Land ausbreiten könnte. Aus diesem Grund begann die staatliche Bahn SNCF am Dienstag damit, die Langstreckenverbindungen mit TGV-Hochgeschwindigkeitszügen drastisch einzuschränken. Gesundheitsminister Olivier Veran wies darauf hin, dass die Einschränkungen für das öffentliche Leben an der Küste genauso gelten wie in Paris. Am Dienstag erklärte der Minister, dass die Sperre mindestens zwei Wochen dauern werde.

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Nach Italien und Spanien ist Frankreich das dritte Land in der EU, das wegen des Coronavirus eine Ausgangssperre verhängt. Präsident Emmanuel Macron hatte die Maßnahme am Montagabend in einer Fernsehansprache angekündigt. Für die Überwachung der Ausgangssperre sind über 100.000 Sicherheitskräfte mobilisiert worden. Innenminister Christophe Castaner appellierte am Dienstag noch einmal eindringlich an alle Franzosen: „Bleiben Sie zu Hause!“ Wer sich nicht an die Vorgaben hält, auf den warten empfindliche Strafen. Für Verstöße sollten die Bußgelder bald auf 135 Euro erhöht werden, derzeit drohen noch 38 Euro.

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Lourdes schließt zum ersten Mal die Pforten

Angesichts der Corona-Pandemie schließt sogar die berühmte katholische Wallfahrtsstätte von Lourdes im Südwesten Frankreichs erstmals in ihrer Geschichte ihre Pforten. Das Heiligtum werde umgehend geschlossen, erklärte am Dienstag Rektor Olivier Ribadeau Duma im Kurznachrichtendienst Twitter. Die 30 Priester des Wallfahrtsorts würden neun Tage lang „besondere Gebete für die Welt aus der Grotte der Erscheinungen“ sprechen. Diese sollten live in katholischen Sendern übertragen werden, teilte die Leitung des Heiligtums mit.

Die Menschen werden nicht eingesperrt

Die Ausgangssperre im Land bedeutet allerdings nicht, dass sich die Menschen in ihren Wohnungen einsperren müssen. Erlaubt sind kurze Gänge zum Supermarkt, um einzukaufen. „Man kann auch weiter Individualsport machen oder mit seinem Hund spazieren gehen“, unterstrich Innenminister Castaner. Alles müsse allerdings sparsam, im Abstand zu den Mitmenschen, in der Nähe der Wohnung und mit großem Augenmaß geschehen. „Man kann an die frische Luft, aber Fußball spielen geht nicht,“ erklärte er.  Jeder muss dann ein entsprechendes Formular mit sich führen und ankreuzen, warum er draußen ist. Per SMS wurden die Menschen von der Regierung in der Nacht noch einmal über die neue Situation informiert.

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In Frankreich waren bereits seit Sonntag alle Restaurants und Bars geschlossen. Auch Schulen, Kindergärten und andere Bildungseinrichtungen, Museen und Bibliotheken bleiben derzeit zu. Dennoch hatten sich an dem sonnigen Wochenende unzählige Menschen im Freien getroffen. Der beliebte Parc des Buttes-Chaumont im 19. Arrondissement von Paris war übervoll mit Menschen, die auf dem Rasen ihre Picknick-Decken ausgebreitet hatten. Auf den Champs-Élysée bummelten die Menschen an den geschlossenen Läden vorbei, wer allerdings auf den Triumphbogen steigen wollte, der wurde vom Sicherheitspersonal abgewiesen.

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Eine dramatische Ansprache des Präsidenten

Bilder wie diese veranlassten Präsident Macron wahrscheinlich dazu, die Ausgangssperre für das gesamte Land auszurufen. In einer fast schon dramatischen Ansprache rief er die Bürger auf, sich verantwortungsvoll zu verhalten. „Selbst wenn Sie keine Symptome haben, können Sie infiziert sein und andere anstecken.“ Immer wieder wiederholte er den Satz: „Wir sind im Krieg!“ Niemand könne genau vorhersagen, wie lange es dauern werde, so der Präsident.

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Gleichzeitig verschob Macron die für kommenden Sonntag angesetzte Endrunde der Kommunalwahlen. Auch alle laufenden Reformen seien auf Eis gelegt, darunter die umstrittene Rentenreform. Gegen die Rentenpläne der französischen Regierung hatte es seit Dezember massive Streiks und Proteste gegeben.

Die Wirtschaft wird unterstützt mit Milliardensummen

Der Kampf gegen das Coronavirus sei „auch ein wirtschaftlicher und finanzieller Krieg“, sagte Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am Dienstag dem Radiosender RTL. Dieser Kampf werde „von Dauer sein, er wird heftig sein, und für diesen Krieg müssen wir alle unsere Kräfte mobilisieren“, forderte er. Kein Unternehmen solle sich sorgen, aufgrund der Maßnahmen Bankrott zu gehen, versprach Macron. Miete oder Gas- und Stromkosten sollen für mittlere und kleinere Unternehmen ausgesetzt werden, wenn sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Macron forderte auch alle Unternehmen auf, die Arbeit von zu Hause aus zu erleichtern. Taxis und Hotels sollen für die Pflege eingesetzt werden. Der Staat werde dafür aufkommen, so der 42-jährige Staatschef.

Die Regierung hat zu diesem Zweck ein milliardenschweres Hilfspaket für die Wirtschaft angekündigt. Unternehmen und Arbeitnehmer sollten mit insgesamt 45 Milliarden Euro unterstützt werden, sagte Bruno Le Maire. „Ich werde nicht zögern, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um große französische Unternehmen zu schützen.“ Dabei seien auch Verstaatlichungen denkbar. Der Wirtschaftsminister geht nach eigenen Angaben von einer durch die Pandemie ausgelösten Rezession in Frankreich aus.