Corona Frankreich: Kein Lockdown vor Weihnachten

In Frankreich breitet sich das Corona-Virus weiter schnell aus. In manchen Regionen warnen die Krankenhäuser bereits vor einer Überlastung der Kapazitäten. In vielen Teilen des Landes treten nun strenge Hygieneregeln in Kraft. Besonders hart trifft es die Region um Marseille – aber es gibt auch gute Nachrichten.

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Das Robert-Koch-Institut hat einige Corona-Risikogebiete in der EU ausgemacht

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Kein Lockdown vor Weihnachten

Frankreich atmet auf! Gesundheitsminister Olivier Véran versichert, es werde im Dezember keinen „vorbeugenden Lockdown“ geben, damit die Franzosen sicher sein könne, die Weihnachtsferien bei ihrer Familie verbringen zu können. Dieser Vorschlag, der im ganzen Land Empörung ausgelöst hatte, wurde zwei Wirtschaftsnobelpreisträgern gemacht, darunter die französisch-amerikanische Wissenschaftlerin Esther Duflo.

„Wir möchten, dass die Franzosen die Feiertage zum Jahresende mit ihren Familien verbringen können“, Gesundheitsminister Olivier Véran. Die Annahme, dass ein dreiwöchiger prventiver Lockdown etwas bringen könnte, ist reine Spekulation. Es sei im Moment unmöglich, zwei Monate in die Zukunft zu sehen, er arbeite eher von Tag zu Tag, antwortete er in der Sendung „Grand Jury “ bei den Sendern RTL und LCI.

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Mediziner fordern Corona-Maßnahmen

Doch auch Mediziner fordern angesichts der angespannten Corona-Lage in Frankreich „drastische Maßnahmen“. Ohne diese Maßnahmen würde es Frankreich mit einer zweiten Welle zu tun bekommen, die für Krankenhäuser und Intensivstationen viel schwieriger zu bewältigen sein werde als die erste, hieß es in einem offenen Brief von sieben Medizinern, der am Sonntag im „Journal du Dimanche“ veröffentlicht wurde. „Wir müssen jetzt schnell und entschlossen handeln.“ Weiter heißt es: „Unternehmen und Bildungseinrichtungen sollten nicht geschlossen werden, aber Abstandsregeln sollten strikt durchgesetzt werden.“ Nur wenn man jetzt konsequent die Maßnahmen umsetze, könne das Niveau der Epidemie wieder auf das Niveau vom vergangenen Juni gebracht werden.

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In Marseille schließen die Bistros

Harte Regeln gibt es in den nächsten Tagen die Region um die Hafenstadt Marseille. Dort müssen Restaurants und Bars für mindestens sieben Tage schließen, nachdem die Infektionszahlen zuletzt stark nach oben gegangen sind. In einer Mitteilung des Präfekten von Bouches-du-Rhône heißt es:

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„Restaurants und Bars in Marseille und Aix-en-Provence können die Öffentlichkeit nicht mehr willkommen heißen, außer für ihre Liefer- und Abholdienste.“

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Corona-Proteste in Paris

Auch Paris zählt zu den Gebieten mit erhöhtem Risiko. Dort sind die Maßnahmen allerdings nicht so streng wie in Marseille. Gaststätten und Bistros dürfen noch offen haben, müssen aber spätestens um 22 Uhr schließen. Die Maßnahmen stoßen inzwischen auf große Kritik. In Paris gingen die Wirte auf die Straße und forderten eine Lockerung der Einschränkungen.

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Frankreich ist von der Pandemie schwer getroffen. Der bisherige Höchstwert der täglichen Corona-Neuinfektionen wurde am Donnerstag mit 16 096 Fällen erreicht.

RKI: Das Problem sind private Feiern

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat den Eindruck bestätigt, dass viele der neuen Corona-Infektionen zumindest in Deutschland auf private Zusammenkünfte zurückzuführen sind. „Die Menschen stecken sich derzeit hauptsächlich im privaten Umfeld an, also auf Partys, Hochzeitsfeiern, Beerdigungen, auch im Gottesdienst“, sagte er der Welt am Sonntag. Der private Bereich spiele „die große Rolle“. Dagegen sei das Risiko einer Ansteckung in Betrieben bisher nicht so hoch, sagte Wieler. Auch in Geschäften gebe es bislang ganz wenige Ansteckungen, sagte der RKI-Chef. An Schulen gebe es mittlerweile einige Ausbrüche. Dies müsse gut analysiert werden.

Berlin warnt vor Reisen

Die Bundesregierung hat Regionen in elf Ländern der Europäischen Union wegen steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Darunter sind auch Gebiete in den Nachbarländern Dänemark, Tschechien, Frankreich, Österreich und den Niederlanden, wie aus der am Mittwochabend aktualisierten Liste des Robert-Koch-Instituts hervorgeht. 

Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, müssen sich 48 Stunden vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen. Die Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben. Allerdings hat sie auch eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Reisen und Corona-Warnungen

Hier die Informationen des Rober-Koch-Institutes zu Ländern, die von Reisewarnungen betroffen sind.

Hier die Informationen des deutschen Gesundheitsministeriums zu Einreisen aus Risikogebieten

Hier die Informationen des Auswärtigen Amtes zu Corona-Warnungen

Corona: Franzosen wütend über neue Einschränkungen

In der Hafenstadt Marseille protestierten am Freitag hunderte Gastronomen gegen die angekündigte Schließung aller Bars und Restaurants ab Samstag.

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Insgesamt 69 Départements gehören inzwischen zu einer der drei roten Zonen. Dort ist das Virus besonders aktiv. Scharlachrot ist nur die Region um Marseille – vor allem dort regt sich nun der Widerstand der Bevölkerung gegen die Hygiene-Vorschriften.

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Der Offenbarungseid des Premiers

Die kurze Szene gleicht einem Offenbarungseid der französischen Regierung. Hauptdarsteller sind ein hilflos stotternder Premierminister und eine völlig verdutze Journalistin. Léa Salamé vom Sender „France2“ hatte Jean Castex vor laufender Kamera die Frage gestellt, ob er die französische Corona-Warn-App StopCovid auf seinem Smartphone habe. Die Antwort des Regierungschefs: „Nein!“ Großes Erstaunen. Er fahre ja nicht mit der Métro zur Arbeit und komme auch sonst kaum mit Menschen direkt zusammen, versucht Castex die Situation zu retten. Der Hinweis der Journalistin, dass er mit Wirtschaftsminister Bruno Le Maire und Tour-de-France-Chef Christian Prudhomme – beide positiv auf Corona getestet – Kontakt hatte, kommentiert der Premier mit einem verlegenen Achselzucken.

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Das Versagen der gesamten Regierung

Nun ergießt sich Hohn und Spott über den Premierminister und er steht stellvertretend für das Versagen der Regierung in der Corona-Krise. Etwas oberlehrerhaft hatte Castex die Franzosen immer wieder aufgefordert, sich an die auferlegten Regeln zu halten, um die Verbreitung des Virus einzudämmen – ohne sich offensichtlich selbst wirklich darum zu kümmern. Auch der Flop der umstrittenen Warn-App StopCovid wird nun wieder diskutiert. Zu selten wurde sie installiert, weshalb allenfalls eine Hand voll Corona-Verdachtsfälle nachverfolgt wurden. Diskutiert wird nun auch wieder das anfängliche Durcheinander bei der Versorgung mit Masken und das aktuelle Chaos mit den Corona-Tests.

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Die Wut der Franzosen

Zum ersten Mal seit Beginn der Krise kocht die Wut der Franzosen über die Regierung noch, der es nicht gelingt, die Pandemie einzudämmen. Im Gegenteil: die nationale Gesundheitsbehörde meldet einen neuen Rekord der Infektionszahlen. Binnen 24 Stunden wurden weitere 16.096 Menschen positiv getestet, 52 Menschen sind gestorben. In Paris werden wieder Operationen verschoben, um Intensivbetten für den Notfall freizuhalten.

Warnung vor einem neuen Lockdown

Zum ersten Mal gehen die Menschen nun wegen der neuen Corona-Maßnahmen auf die Straße, die am Donnerstag verkündet wurden. Unter dem Motto „Rettet unsere Bars und Restaurants!“ demonstrierten in der besonders betroffenen Stadt Marseille am Freitag hunderte Gastwirte gegen die angekündigte Schließung ihrer Lokale. Der regionale Arbeitgeberverband warnte in einer Erklärung vor einem „wirtschaftlichen Lockdow““, denn Fitnessstudios und andere Einrichtungen sind ebenfalls betroffen.

Corona-Einschränkungen auch in Paris

Auch in anderen Landesteilen gibt es scharfe Proteste gegen die neuen Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die rund ein Dutzend Großstädte betreffen, darunter auch Paris. Dort sind ab Montag unter anderem Versammlungen von mehr als zehn Menschen verboten und Großveranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern. Für Bars und Restaurants gilt ab 22 Uhr eine Sperrstunde.

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Der Premierminister schließt einen erneuten Lockdown nicht aus!

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Die Angst der Gastwirte

Die Wiedereröffnung von Cafés und Restaurants nach dem strengen Lockdown Anfang Juni hatten viele Franzosen geradezu euphorisch gefeiert. Präsident Emmanuel Macron würdigte die Gastronomiebetriebe als Symbole des „französischen Esprits, unserer Kultur und Lebenskunst“. Ihre erneute Schließung nährt die Ängste vor einer neuen landesweiten Ausgangssperre. Regierungschef Jean Castex appellierte im Fernsehen an die „gemeinsame Verantwortung“ der Franzosen. Nach seinem Eingeständnis in Sachen Corona-Warn-App klingt dieser Satz in den Ohren vieler Franzosen allerdings hohl.

INFO:

Wer sich über den aktuellen Stand der Reisewarnungen informieren will, der kann das unter diesem Link zur Stuttgarter Zeitung tun.

Empörung in Frankreich über verschärfte Corona-Maßnahmen

In Marseille müssen Bars und Restaurants schließen –  Frankreichs Gesundheitsminister Véran warnt vor einer kritischen Lage.

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Die Corona-Zonen in Frankreich, eingeteilt von der Regierung

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Harte Corona-Regelungen in Marseille

Frankreichs Regierung verschärft die Corona-Maßnahmen und löst damit einen Sturm der Entrüstung aus. Vor allem in der von der Pandemie besonders hart getroffenen Stadt Marseille ist der Unmut groß. Die angekündigte Schließung aller Bars und Restaurants nannte ein Regionalvertreter am Donnerstag einen „Affront“ und sprach von einer „kollektiven Bestrafung“ durch die Zentralregierung in Paris. Aber auch in der Hauptstadt schlagen die Wellen hoch. Auch dort sind neue Restriktionen angekündigt.

Regierung verweist auf hohe Zahlen

Die französische Regierung will den Protesten aber nicht weichen und verweist zur Begründung der neuen Maßnahmen auf die Zahl der Neuinfektionen im Land, die mit zuletzt gut 13.000 in 24 Stunden weiter extrem hoch ist. Gesundheitsminister Olivier Véran warnte in einer Ansprache im Fernsehen, ohne rasches Gegensteuern drohe „in einigen Wochen wieder eine kritische Lage“ in den Krankenhäusern. Die Regierung verhängte deshalb die härtesten Maßnahmen seit Ende der Ausgangssperre am 11. Mai.

In Marseille, wo von Samstag an die höchste Corona-Alarmstufe gilt, müssen alle Restaurants und Bistros schließen. Auch alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen dürfen nicht mehr öffnen, so lange sie kein „strenges Gesundheitsprotokoll“ vorlegen können. Theater und Kinos sind von den Anordnungen nicht betroffen.

Vorgehen ohne Absprache mit Paris?

Michèle Rubirola, die Bürgermeisterin der südfranzösischen Hafenmetropole, äußerte sich im Sender „BFM TV“ empört darüber, dass diese Schritte ohne jede Absprache entschieden worden seien. Sie fordert ein zehntägiges Moratorium. Es solle erst abgewartet werden, wie sich die Corona-Lage in der Stadt weiterentwickelt. Das Ministerium verweist aber darauf, dass die Corona-Lage in Marseille ist seit Wochen angespannt ist. Die Zahl der Menschen, die sich innerhalb einer Woche mit dem Coronavirus infiziert haben, liegt dort nach Angaben der Regierung bei rund 250 – das ist fünf Mal so hoch wie festgesetze Warnwert.

Unverständnis auch in Paris

Etwas abgeschwächte Regelungen gelten in Paris, Bordeaux, Nizza und sieben weiteren französischen Großstädten. Dort sollen etwa Bars und Restaurants spätestens um 22 Uhr schließen. Aber auch dort regt sich Kritik. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo nannte das Vorgehen genauso „schwer verständlich“ wie die Schließung aller Fitnessclubs und Sporthallen.

Maskenpflicht in Unternehmen

In allen Städten mit hoher Virus-Ausbreitung sind zudem Versammlungen von mehr als zehn Menschen untersagt sowie Großveranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern. Landesweit gilt überdies weiter eine Maskenpflicht in Unternehmen, Schulen und in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln. Mit fast 31.500 Corona-Todesfällen ist Frankreich nach absoluten Zahlen eines der am stärksten betroffenen Länder Europas.

Berlin warnt vor Reisen

Die Bundesregierung hat Regionen in elf Ländern der Europäischen Union wegen steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Darunter sind auch Gebiete in den Nachbarländern Dänemark, Tschechien, Frankreich, Österreich und den Niederlanden, wie aus der am Mittwochabend aktualisierten Liste des Robert-Koch-Instituts hervorgeht. 

Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, müssen sich 48 Stunden vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen. Die Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben. Allerdings hat sie auch eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Reisen und Corona-Warnungen

Hier die Informationen des Rober-Koch-Institutes zu Ländern, die von Reisewarnungen betroffen sind.

Hier die Informationen des deutschen Gesundheitsministeriums zu Einreisen aus Risikogebieten

Hier die Informationen des Auswärtigen Amtes zu Corona-Warnungen

Corona Frankreich: Paris wird zur „super-roten“ Zone

Das Corona-Virus breitet sich in Frankreich weiter aus. Nun wird erwogen, etwa Paris in eine neue Gefahrenzone einzuteilen: „Super-rot“ . Das Robert-Koch-Institut hat manche Regionen in Frankreich zu Risikogebieten erklärt.

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Paris als Corona-Hotspot

In Paris wurden zuletzt 204 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert, gut das Vierfache des Corona-Warnwerts. In ganz Frankreich waren es am Dienstag erneut mehr als 10.000 Neuansteckungen binnen 24 Stunden. Am Samstag war mit rund 13.500 Fällen der höchste Stand seit Beginn der Pandemie erreicht worden.

Wieder sind neue Zonen hinzugekommen, in denen das Virus sich stark verbreitet. Gesundheitsminister Olivier Véran zog daraus die Konsequenzen. Dabei werden die „roten Zonen“ inzwischen abgestuft. So ist die Region um Marseille eine Hochrisikozone, wo sogar Bars und Restaurants geschlossen werden.

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Die Hauptstadt Paris liegt, zusammen mit einigen anderen Gebieten in einer „super-roten Zone“. Das heißt für die Hauptstadt konkret, dass ab Montag in Versammlungen von zehn Personen im öffentlichen Raum verboten. Für Versammlungen zwischen 1000 und 5000 Personen gelten besondere Regelungen. Großveranstaltungen oder auch Feiern von Studenten völlig verboten. Das hat den Grund, dass die Universitäten in den vergangenen Tagen als Infektionsherde identifiziert wurden.

Bar müssen früher schließen

Die Bars werden auch ab 22 Uhr teilweise geschlossen sein, aber die Präfekten könnten beschließen, früher zu schließen, sagte der Gesundheitsminister Oliver Véran. Turnhallen müssen ebenfalls schließen.

Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, hatte schon im Vorfeld vor zu restriktiven Maßnahmen gewarnt, die das wirtschaftliche und soziale Leben beeinträchtigen würden. „Wir fordern Wachsamkeit: Wir werden noch lange mit diesem Virus leben, es muss etwas getan werden, dass das Leben noch lebenswert ist,“ erklärt Anne Souyris, stellvertretende Bürgermeisterin von Paris, zuständig für Gesundheit. Auch ein Besuchsverbot für städtische Altenheime wie in Nizza ist demnach in Paris nicht vorgesehen.

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20 Städte in Frankreich betroffen

Nach Angaben aus der Stadtverwaltung ist die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo strikt gegen Sperrzeiten für Bars und Restaurants, wie sie in Marseille und anderen Städten gelten.

Der wissenschaftliche Corona-Beirat der Regierung fordert schärfere Maßnahmen in den 20 größten Städten Frankreichs. Lyon, Bordeaux, Toulouse und Lille hatten in den vergangenen Tagen bereits verschärfte Maßnahmen angekündigt.

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Große Aufregung in Marseille

„Ich höre mit Erstaunen und Wut eine Entscheidung, zu der die Stadt Marseille nicht konsultiert wurde“, erklärte Michèle Rubirola, die Bürgermeisterin von Marseille, auf Twitter. „Nichts in der aktuellen gesundheitlichen Situation rechtfertigt diese Ankündigung. Ich akzeptiere nicht, dass die Marseillais Opfer politischer Entscheidungen sind, die niemand verstehen kann “, kritisierte sie die von Olivier Véran angekündigten Maßnahmen. Sie kann nicht verstehen, dass Marseille in eine Zone höchster Alarmbereitschaft versetzten worden ist, die zur Schließung von Bars und Restaurants führte .

Reisewarnung für Frankreich?

Die Bundesregierung hat Regionen in elf Ländern der Europäischen Union wegen steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Darunter sind auch Gebiete in den Nachbarländern Dänemark, Tschechien, Frankreich, Österreich und den Niederlanden, wie aus der am Mittwochabend aktualisierten Liste des Robert-Koch-Instituts hervorgeht. 

Es wird erwartet, dass das Auswärtige Amt für alle diese Gebiete eine Reisewarnung ausspricht. Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, müssen sich 48 Stunden vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen. Die Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben. Allerdings hat sie auch eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Reisen und Corona-Warnungen

Hier die Informationen des Rober-Koch-Institutes zu Ländern, die von Reisewarnungen betroffen sind.

Hier die Informationen des deutschen Gesundheitsministeriums zu Einreisen aus Risikogebieten

Hier die Informationen des Auswärtigen Amtes zu Corona-Warnungen

Corona Frankreich: Die Zahlen sind Grund zur Sorge

Die Corona-Zahlen in Frankreich geben Anlass zur Besorgnis. Die französischen Gesundheitsbehörden melden einen neuen Höchstwert von 13 498 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. In den vergangenen sieben Tagen kamen 3853 Covid-19-Patienten ins Krankenhaus, davon 593 auf Intensivstationen.

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Städte verschärfen ihre Corona-Regeln

Im Kampf gegen die steigenden Corona-Zahlen verhängen immer mehr Städte und Departements in Frankreich strengere Regeln. Ab Montag sind im Departement Indre-et-Loire in der Mitte des Landes Tanzabende und von Studentengemeinschaften organisierte Abende verboten, ebenso Aperitifs, Umtrunke und Snacks im Stehen. Untersagt werden zudem Essensplatten für mehrere, Bars in geschlossenen Räumen ohne Sitzmöglichkeiten bleiben zu, wie die zuständige Präfektur mitteilte. Toulouse, Nizza, Bordeaux und Marseille haben bereits ähnliche Regeln eingeführt.

Inzwischen sind weitere Regionen in Zonen eingeteilt worden, in denen das Virus eine „erhöhte Aktivität“ auf weist. Das bedeutet, dass nun 55 Départements „rote Zonen“ sind – also weit über die Hälfte. Hinzugekommen sind:

Aveyron, Calvados, Doubs, Eure, Gers, Indre-et-Loire, Marne, la Haute-Marne, Meurthe-et-Moselle, Saône-et-Loire, Tarn, Vienne und Territoire de Belfort.

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Mehr Informationen gibt es unter diesem Link der nationalen Gesundheitsbehörde: Santé Public France

Probleme an den Universitäten

Besondere Aufmerksamkeit gilt im Moment auch dem Wiederaufnahme des Unterrichts an den französischen Schulen und Hochschulen. Sie scheinen bisweilen zu regelrechten Infektionsherden werden. In diesem Monat sind bereits mindestens ein Dutzend Infektionscluster bekanntgeworden. Während in anderen Ländern Europas vielfach weiter auf Online-Veranstaltungen gesetzt wird, ist an den Universitäten in Frankreich wieder mehr Präsenz angesagt. Angesichts überfüllter Hörsäle warnen Experten, dass die Pandemie sich unter den jungen Studenten fast ungehindert ausbreiten könne.

„Die zweite Welle ist da“

François Braun, Notfallarzt in Metz und Chef der Organisation Samu-Urgences de France, sagt zur aktuellen Situation in einem Interview mit der Zeitung „Le Parisien“:

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„Depuis une dizaine de jours, on assiste à une augmentation assez importante de cas et cette hausse est constante de jour en jour. La seconde vague est là et il est temps de s’y préparer.“

Corona Frankreich: Oder ist es doch eine Frage der Disziplin?

Immer wieder dieselbe Frage: Was macht Deutschland besser in Sachen Corona? Eine befriedigende Antwort gibt es nicht – sie setzt sich allerdings aus vielen Faktoren zusammen. Fakt ist: in Frankreich sind wieder 10.600 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages verzeichnet worden und die Zahl der Toten liegt zum ersten Mal über jener vom Frühjahr.

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Viele Menschen auf engem Raum

Die Corona-Situation ist in Großstädten wie Marseille, Bordeaux oder Paris besonders ernst. Das lässt sich natürlich einfach damit erklären, dass dort sehr viele Menschen auf engem Raum leben. Infektionen können sich – vor allem im morgendlichen und abendlichen Nahverkehr – leicht weiterverbreiten. Die Métros sind eng und schlecht belüftet – ideale Bedingungen für ein Virus.

Eingewendet wird auch, dass Frankreich deutlich mehr Teste durchführt als noch im Frühjahr. Allerdings hinkt man mit der Auswertung der Tests sehr hinterher. Die Leute müssen stundenlang anstehen und bekommen ihre Ergebnisse dann viele Tage danach erst mitgeteilt. Experten beklagen, dass auf diese Weise Verdachtsfälle nicht schnell genug erkannt und isoliert werden können. Zu langsam auf jeden Fall, um Infektionsketten zu durchbrechen.

Kritik an der französischen Regierung

Beklagt wird auch ein Schlingerkurs der Regierung. Der Mediziner und frühere Gesundheitsdirektor William Dab kritisierte im „Journal de Dimanche“, dass Premier Jean Castex zuletzt keine wirklich starken Maßnahmen angekündigt habe, sondern nur Anpassungen. Castex wolle das Leben mit dem Virus und dem Wirtschafts- und Schulleben aussöhnen. Die Strategie Frankreichs ist immer noch nicht klar definiert – hatte man im Frühjahr noch eindeutig auf den zentralisierten Staat gesetzt und dieselben strengen Ausgangsbeschränkungen für alle verhängt, nimmt die Regierung jetzt die Regionen in die Pflicht.

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Scheitern der Quarantäne-Regeln

Doch nicht allein die Regierung kann an den Pranger gestellt werden – Probleme gibt es bei der Disziplin der Franzosen im Kampf gegen die Pandemie. Der wissenschaftliche Corona-Beirat in Frankreich hat kürzlich ein „Scheitern“ der Quarantäne-Regeln festgestellt. Auch Gesundheitsminister Olivier Véran räumte ein, die meisten Franzosen hielten sich nicht an die Selbstisolation.

Das ist zum Teil allerdings verständlich, denn viele Franzosen arbeiten in prekären Anstellungen und haben schlicht Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Auch ist es für viele schlicht nicht möglich, zuhause im Homeoffice zu bleiben. Sie arbeiten als Müllarbeiter, Parkwächter, Putzhilfen, in Supermärkten oder Restaurants.

Zu viele Partys werden gefeiert

Deutlicher wird die Kritik an den jungen Menschen und der eher bürgerlichen Schicht in Frankreich. Ähnlich wie in Spanien infizieren sich vor allem Jüngere mit dem Virus. Man geht davon aus, dass zu viel gefeiert wird. Vor allem im Sommer war das ein großes Problem. Schließlich mussten einige Gemeinden am Meer ihre Strände schließen, weil dort immer wieder Partys gefeiert wurden.

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In den französischen Medien merkt man außerdem an, dass der Mindestabstand in Frankreich bei einem Meter liegt – nicht wie in Deutschland bei 1,50 Meter. Und zur Begrüßung gehören eigentlich die Bise – also Küsschen – dazu. Auch wenn sich die Französinnen und Franzosen bemühen: Das berühmte Küsschen wegzulassen, fällt schwer. Laut Umfrage verzichten auf Wangenkuss und Händeschütteln nur noch 66 Prozent statt zuvor 92 Prozent. Laut Befragungen der nationalen Gesundheitsbehörde befolgen die Franzosen auch Ratschläge wie regelmäßiges Händewaschen inzwischen deutlich seltener als auf dem Höhepunkt der Krise Anfang April.

Nachlässiges Tragen der Maske

Auch beim Tragen der Maske werden die Franzosen immer laxer. Zwar wird von der Polizei hart durchgegriffen – die Strafe beträgt 135 Euro – doch man sieht immer mehr Menschen, die die Mund-Nase-Bedeckung nicht oder nur halb aufhaben.

Die Zeitung „Figaro“ berichtet dazu:

Près de 45.000 personnes ont été verbalisées pour non-respect du port du masque depuis le mois de mai en France, a déclaré jeudi 17 septembre le ministre de l’Intérieur Gérald Darmanin, devant une commission d’enquête sénatoriale sur la gestion de la crise sanitaire.

Probleme beim Corona-Tracking

Ein Problem ist die Nachverfolgung von Infektionsketten. Dabei sollte eigentlich die Corona-Tracking-App „StopCovid“ helfen, doch die ist – das muss man so deutlich sagen – ein Flop. Sie wurde mehr als zwei Millionen Mal runtergeladen und hat weniger als 200 Mal angeschlagen, was sogar von offizieller Seite als „lächerlich“ bezeichnet wird. In Restaurants und Bars gibt es keine Formulare, um Kontaktfälle zu identifizieren.

Corona Frankreich: Zweite Welle erreicht die Städte

Frankreich kämpft weiter gegen die zweite Corona-Welle. Konzentrierte sich die Aufmerksamkeit bisher aus Marseille und Bordeaux, kommen nun auch Lyon und Nizza in den Fokus. Sorge macht die Ausbreitung des Virus bei der Generation Ü65.

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Die Zahl der neuen Infektionen pro 100.000 Einwohner in den Städten

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Zahl der Corona-Infektionen steigt

In Lyon ist die Zahl der Infizierten in den vergangenen Tagen stark angestiegen. Der Index liegt inzwischen bei fast 200 – das ist die Zahl der positiven Fälle 100.000 Einwohner. Das heißt die Zahl ist viermal höher als die Alarmschwelle von 50. Sorge macht den Verantwortlichen, dass immer mehr ältere Menschen von dem Virus befallen werden.

Dieselbe Sorge an der Côte d’Azur, wo diese Rate in Nizza nahe bei 150 liegt – auch dort steigt die Zahl bei den über 65-Jährigen. Angesichts dieser schlechten Zahlen hat der Präfekt von Alpes-Maritimes angekündigt, dass Bars und Restaurants womöglich früher schließen müssen – oder in Ausnahmefällen ganz zu machen müssen. Die Behörden scheinen bereit, ziemlich hart durchzugreifen. Auf Anordnung der Regierung müssen die Behörden und betroffene Privatpersonen in der Rhône und in den Alpes-Maritimes ab Samstag spezifische Maßnahmen vorschlagen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

Der Gesundheitsminister warnt

Auch aus anderen Städten kommen schlechte Nachrichten. Rennes, Paris, Toulouse oder Dijon sind ebenfalls im Visier, wo die Indexrate drei- bis viermal höher ist als die Alarmschwelle. „Wir werden die Entwicklung der Situation in diesen Metropolen äußerst aufmerksam verfolgen“, betont Gesundheitsminister Olivier Véran. Ein genereller Lockdown kommt allerdings nicht in Betracht. Man werde versuchen, ein Gleichgewicht zwischen Vorsorge und wirtschaftlichen Gegebenheiten suchen, heißt es immer wieder.

Im Département Haute-Garonne mit der Stadt Toulouse hat die Präfektur beschlossen, dass ab Samstag keine Gruppen von mehr als zehn Personen in öffentlichen Räumen zusammenstehen dürfen. Außerdem sind alle Tanzveranstaltungen verboten und auch der öffentliche Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen ist untersagt. Zudem wurde die Maskenpflicht um einen Monat verlängert.

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Appell an die jungen Menschen

Immer wieder kommt der Appell an die jungen Menschen, sich an die Hygieneregeln zu halten – da dies auch Auswirkungen auf die älteren, gefährdeten Generationen hat.

 Im Sommer stieg die Zahl der Infektionen bei jungen Menschen stark an und lag bei 140 pro 100.000 bei 15- bis 40-Jährigen. Doch offensichtlich nur bei rund der Hälfte der jungen Infizierten zeigten sich Symptome. Das Risiko ist, dass diese Jungen ihre Eltern und Großeltern infizieren, die anfälliger für schwere Formen der Krankheit sind. Genau diese Befürchtung sei nun eingetreten, erklären die Gesundheitsbehörden. Seit einigen Wochen zeigen Zahlen, dass sich die Verbreitung des Covid-Virus unter den über 65-Jährigen beschleunigt hat. „Seit August sind die Auswirkungen real und sichtbar“, sagte der Gesundheitsminister, insbesondere auf den Intensivstationen.

Die Corona-Zahlen in Frankreich – Stand 12. September 2020

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Nachtrag:

Die Zeitung „Parisien“ berichtet, dass in einem Altenheim in Roanne mindestens 50 neue Corona-Fälle entdeckt worden sind. Und auch in einem der größten Altenheime Frankreichs in Bourges mit 619 Bewohnern scheint die Pandemie zu grassieren.

Frankreichs Kampf gegen die zweite Corona-Welle

Im ganzen Land steigt die Zahl der Infektionen stark an. Ein Grund: zu häufig werden die Abstandregeln missachtet. Nun greifen die Behörden zu zum Teil harten Maßnahmen.

Kein Fahrer der Tour de France positiv

Es gibt auch eine gute Corona-Nachricht aus Frankreich. Bei der zweiten Testwelle während der Tour de France ist bei keinem Fahrer eine Infektion festgestellt worden. Das Radrennen kann also ohne weitere Ausfälle in seine Schlussphase gehen. Erstaunlich ist, dass sich der Tour-Tross scheinbar unbeschadet durch ein Land bewegen kann, in dem die Pandemie wieder massiv um sich greift. Immer neue sogenannte Cluster mit Infizierten werden identifiziert, inzwischen ist das halbe Land zur „roten Zone“ erklärt, wo sich nach Angaben der Regierung das Virus „aktiv verbreitet“. In Frankreich sind rund 31.000 Todesfälle gemeldet. Am Wochenende wurde landesweit ein neuer Höchststand von mehr als 10.000 Neuinfektionen in 24 Stunden erreicht.

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Die 42 Départements, die inzwischen in Frankreich zur roten Zone erklärt wurden

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Marseille wird zum Corona-Hotspot

Zu den Corona-Hotspots zählt Marseille, wo seit Mitte August die Zahl der Neuinfektionen steil in die Höhe schnellt. Mit zuletzt 312 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschreitet Marseille den Corona-Warnwert von 50 um mehr als das Sechsfache. Die Behörden verhängten deshalb besonders scharfe Schutzmaßnahmen, Marseille wird damit zum Testfall für den neuen Umgang Frankreichs mit der Pandemie. Zur Sicherheit haben die öffentlichen Krankenhäuser von Marseille die Zahl der Notfallbetten für Corona-Patienten auf 139 aufgestockt, es gibt 32 Beatmungsplätze. Ein großer Teil ist bereits belegt.

Lockdown soll vermieden werden

Auf keinen Fall wird es aber einen erneuten generellen Lockdown geben. Das haben die französische Regierung und auch die Stadtverwaltung von Marseille mitgeteilt. Die Wirtschaft des Landes kämpft noch immer mit den Auswirkungen der ersten Ausgangssperre im Frühjahr, die unter anderem die Arbeitslosenzahlen drastisch steigen ließ. „Strafmaßnahmen helfen nur einen kurzen Moment“, ist die neue Bürgermeisterin Michèle Rubirola überzeugt. Die 64-jährige Ärztin setzt auf die Einsicht der Bürger, wie sie der Zeitung „Le Monde“ sagte. Das verfängt allerdings nicht bei allen. Für Kopfschütteln sorgten am Wochenende Fernsehbilder hunderter Fans des Fußball-Erstligisten Olympique Marseille, die am alten Hafen den Sieg über Paris feierten – ohne Sicherheitsabstände, viele ohne Schutzmasken. Schon im Sommer warten Virologen angesichts von überfüllten Stränden und Fußgängerzonen vor dem erneuten Aufflammen der Pandemie.

Große Sorge in den Altenheimen

Die Furcht vor einer zweiten Corona-Welle ist vor allem in den Altenheimen sehr groß. Anders als in Deutschland sind dort sehr viele Menschen an den Folgen einer Infektion gestorben. So sind etwa im südfranzösischen Sévérac-d’Aveyron zuletzt in wenigen Tagen sechs Senioren Opfer von Covid-19 geworden. Manche Einrichtungen haben sich bereits entschlossen, Besuche von Angehörigen stark einzuschränken oder sogar ganz zu verbieten. Grund dafür ist, dass sich zu viele Besucher nicht an die Hygieneregeln halten würden, erklärt ein Arzt. Sie würden die alten Menschen umarmen oder mit ihnen ohne Maske in einem engen Zimmer sitzen.

Universitäten im Corona-Fokus

Sorge bereitet den Verantwortlichen auch der Beginn des neuen Studienjahres. Die Befürchtung ist, dass Universitäten landesweit zu den neuen Hotspots werden könnten. Auch hier scheint weniger der Unterricht das Problem, sondern die privaten abendlichen Zusammenkünfte der Studenten und auch das Zusammenleben in größeren Wohngemeinschaften, bei dem nicht auf die Hygieneregeln Rücksicht genommen wird. Eine Fakultät in Reims wurde bereits geschlossen. Von den Universitäten in Nantes, Amiens, Nancy und Toulouse werden stark steigende Infektionszahlen gemeldet.

Inzwischen sind in Paris und anderen Städten wegen der angespannten Lage viele Großveranstaltungen abgesagt worden. In Paris fällt die internationale Kunstmesse FIAC aus, wie die Organisatoren mitteilten. Der französische Verwaltungsbezirk Nord mit den Städten Dünkirchen und Lille sagte wegen der „brutalen Beschleunigung“ der Infektionszahlen geplante Nachbarschaftsfeste sowie die Europäischen Tage des Kulturerbes an diesem Wochenende ab. Die Öffnung von Denkmälern und Kulturstätten zieht in ganz Frankreich normalerweise Hunderttausende Menschen an.

Corona Frankreich: In Bordeaux werden die Regeln verschärft

Frankreichs Furcht vor einer zweiten Corona-Welle wird täglich größer. Zu beunruhigend sind die Zahlen von neuen Infektionen. Am Wochenende wurden mehr als 10 000 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden verzeichnet – die Lage ist aber regional unterschiedlich. Die Regierung hatte zuletzt vor allem auf regionale Maßnahmen gesetzt und an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen im Land appelliert.

In diesem Fall greifen die Verantwortlichen von Bordeaux im Kampf gegen das Coronavirus hat durch und verhängen strengere Regeln. Private Treffen im Freien seien auf zehn Personen beschränkt, kündigte die Präfektin Fabienne Buccio an. Sie forderte Familien außerdem auf, Familienfeiern wie Hochzeiten auf ebenfalls maximal zehn Personen zu beschränken. Tanzpartys, Flohmärkte oder Nachbarschaftsfeste seien nicht erlaubt, Schulausflüge abgesagt. Die Behörden haben außerdem den Konsum von Alkohol auf öffentlichen Plätzen in der Stadt verboten.

Die Begrenzung für öffentliche Veranstaltung im Département Gironde an der Atlantikküste liege nun bei 1000 statt 5000 Menschen, so die Präfektin Buccio. „Die Situation ist nicht alarmierend, aber besorgniserregend“, sagte sie mit Blick auf Krankenhäuser. Man müsse das Bewusstsein der Bevölkerung schärfen. Wenn nötig, werde man noch härtere Maßnahmen ergreifen.

Frankreichs Premier Jean Castex hatte die Städte Bordeaux, Marseille und das französische Überseegebiet Guadeloupe aufgefordert, strengere Regeln einzuführen. Grund dafür ist, dass die Corona-Lage in diesen Regionen besonders ernst ist.

In der Haute-Garonne wurde eine Demo der Gilets Jaunes verboten.

Corona in Frankreich: Große Sorge im Elsass

Unruhe im Elsass. Wegen der steigenden Zahl an Corona-Infektionen ist das Département Bas-Rhin direkt neben der Ortenau von den französischen Gesundheitsbehörden zu einer „roten Zone“ erklärt worden. Für Touristen und vor allem Berufspendler bedeutet das allerdings noch nichts. Eine Reisewarnung für Fahrten ins Département Bas-Rhin gibt es auf deutscher Seite bislang nicht. 

Das Bas-Rhin ist zur „roten Zone“ erklärt worden. Die Daten finden sie HIER!

Die Bewohner des Elsasses haben die vergangenen Monate in keiner guten Erinnerung. Die Region war eine der am meisten betroffenen Gegenden in Frankreich, viele Menschen starben, die Grenzen zu Deutschland wurden geschlossen. Im März war der Mangel an Schutzausrüstungen vor allem in den Kliniken und Altersheimen im Elsass eines der Hauptprobleme. Ein solches Szenario soll dieses Mal – trotz der steigenden Corona-Infektionszahlen – vermieden werden. Zu den Risikogebieten gehören neben Straßburg auch Haguenau, Saverne, Sélestat oder Molsheim.

Für Berufspendler hat die neue Lage keine Auswirkungen. Sie können weite ohne Probleme über die Grenze fahren – und müssen sich auch nicht testen lassen. Weiter möglich sind auch Kurz-Besuche in der betroffenen Region. Wer also zum Einkaufen ins Elsass fahren möchte, kann dies tun. Nur wer sich länger als 48 Stunden in einer sogenannten roten Zone aufhält, sollte sich bei seiner Rückkehr einem Corona-Test unterziehen.

Für eine gewisse Unruhe bei den Verantwortlichen sorgt die Tatsache, dass im Elsass, wie in ganz Frankreich, die Schule wieder begonnen hat. Für Kinder ab elf Jahren besteht dort Maskenpflicht. Befürchtet wird, dass sich die Schulen als Infektionsherde erweisen könnten. Das ist nicht ganz unbegründet, denn in den vergangenen Wochen hatte sich herausgestellt, dass vor allem in den Büros und anderen Arbeitsplätzen die Infektionszahlen stark ansteigen.

Die Behörden hatten schon früh auf eine mögliche zweite Corona-Welle reagiert. In den größeren Gemeinden im Raum Straßburg und in Städten wie Mulhouse sollte die Maskenpflicht noch bis Ende September auch im öffentlichen Raum oder zumindest in Teilen davon bestehen – in den Läden ist sie ohnehin Pflicht. Allerdings wurde diese Anordnung vom Verwaltungsgericht in Straßburg für die Stadt Straßburg und zwölf kleineren Gemeinden gekippt. Das Gericht begründete dies mit der Einschränkung der Freiheit der Bürgerinnen und Bürger. Geklagt hatten zwei Krankenhausärzte.

Die Maske könne einschränkend sein, sagt Rémy With der Badischen Zeitung. „Aber ich habe das Gefühl, dass es in unserer Region von der Bevölkerung ziemlich gut angenommen wird. Wir haben eine äußerst dramatische Gesundheitssituation erlebt, die ihre Spuren hinterlassen hat, eine Situation, die sich auf keinen Fall wiederholen darf.“ Heute zirkuliere das Virus zwar weiterhin, „aber wir liegen weit unter dem Niveau, das das Département Haut-Rhin im Frühjahr erlebt hat.“ Die Einwohner wüssten das und seien sich der Wirksamkeit der Präventivmaßnahmen bewusst. Vor allem, solange es keinen Impfstoff gegen Covid-19 gibt.

Die Krankenhäuser im Elsass laufen inzwischen wieder im Normalbetrieb, es wurden praktisch keine neuen Corna-Patienten eingeliefert. Dennoch sind die Behörden alarmiert, da sich die Infektionszahlen wieder auf einen kritischen Wert zubewegen. Dieser liegt bei 50 Neuinfektionen pro Woche bei 100.000 Einwohnern. In der Stadt Straßburg wurde dieser Wert in diesen Tagen mit 55 Infektionen bereits überschritten.

In Frankreich gelten jetzt insgesamt 28 der rund 100 Verwaltungsbezirke als sogenannte „rote Zonen“. Diese Einstufung ermöglicht es den Behörden, die Corona-Maßnahmen zu verschärfen. So können etwa die Öffnungszeiten von Restaurants beschränkt werden oder auch die Besucherzahlen von öffentlichen Einrichtungen wie Museen.