Urlaub in Frankreich – ein kleiner Ausblick auf eine unsichere Lage

Frankreich gehört in Europa zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder. Fast 30.000 Menschen sind dem Virus bereits zum Opfer gefallen. Nun rückt die Ferienzeit näher und nicht nur die Franzosen fragen sich, ob ein Urlaub in diesen Zeiten überhaupt möglich ist.

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Die Bistros in Paris sind geschlossen – wann sie öffnen können ist mehr als ungewiss.

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Franzosen sollen im Land bleiben

Nach der Vorstellung der Regierung sollen die Menschen in Frankreich diesen Sommer vor allem heimische Touristenziele anpeilen. Derzeit sei ein Urlaub im Ausland nicht zu empfehlen, sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian unlängst. Man müsse abwarten, wie sich die Lage entwickelt und hoffe, dass Urlaub in Europas bald wieder möglich sei.

Im Moment ist es den Franzosen verboten, sich weiter als 100 Kilometer von ihrem Zuhause zu entfernen. Im Fernsehen laufen aus diesem Grund Sendungen, die Ausflugstipps geben. Das Einhalten der Regelung wird streng kontrolliert. Der Außenminister unterstrich, dass es wohl erst Mitte Juni möglich ist, eine Prognose zu wagen, inwieweit man die Grenzen in Europa wieder öffnen kann.

Viele Strände sind wieder offen

Bis Ende Juni soll ein Großteil der Touristenziele in Frankreich wieder öffnen. Einige Strände am Atlantik und am Mittelmeer sind bereits wieder zugänglich – allerdings gelten dort strenge Regeln. Auch wer hier gegen die Auflagen verstößt, hat mit empfindlichen Strafen zu rechnen.

Große Museen hoffen auf den Juni

Die Regierung will Ende dieser Woche einen Ausblick zu den weiteren Entwicklungen geben. Große Museen wie der Louvre in Paris hoffen, Mitte Juli wieder aufmachen zu können. Kleinere Museen dürfen schon wieder Besucher empfangen. Cafés und Restaurants in Frankreich können eventuell ab dem 2. Juni in den Regionen wieder öffnen, in denen das Virus weniger verbreitet ist. In Paris dürfte das aber nicht der Fall sein.

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Der Sonderfall Paris

Paris ist ein Sonderfall. Die Stadt wird jedes Jahr von rund 35 Millionen Menschen besucht – liegt aber in einer sogenannten „roten Zone“. Das heißt, dass noch ziemlich viele Neuinfektionen durch das Corona-Virus zu verzeichnen sind. Aus diesem Grund haben in der Millionenstadt auch noch immer die Bistros. Restaurants und Hotels geschlossen. Auch die Parks sind nicht zugänglich, was von der Bürgermeisterin Anne Hidalgo schwer kritisiert wird.

Urlaub in Frankreich

Für Touristen aus Deutschland gilt im Moment, dass sie nicht nach Frankreich einreisen dürfen. Eine Urlaubsreise ist kein Grund, die Grenze zu überqueren. Zwar wird nicht mehr so scharf kontrolliert wie am Anfang, aber er ertappt wird, wird rigoros zurückgeschickt. Allerdings geht man davon aus, dass diese Restriktion noch im Juni aufgehoben wird. Dann werden wohl auch die Reisewarnungen aus Deutschland für andere Länder fallen.

Furcht vor der „zweiten Welle“

Das Problem ist, dass nicht abzusehen ist, wie sich die Lage in den kommenden Wochen entwickeln wird. Das wird von den Zahlen der Neuinfektionen abhängen, da Frankreich – ebenso wie viele andere Länder in Europa – eine „zweite Welle“ befürchten. Wahrscheinlich ist, dass ein Urlaub in den grünen Zonen (das wird vor allem die Küste sein) möglich sein wird. Unter welchen Bedingungen das geschieht, ist allerdings fraglich.

Unsichere Aussichten in Paris

Für Paris sieht die Lage wesentlich schlechter aus. Dort dürfte es noch bis weit in den Juni hinein dauern, dass die Restaurants ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Möglich ist, dass eventuell die Außenterrassen schneller wieder aufmachen dürfen – allerdings werden dann strenge Sicherheitsregeln gelten. Auch ist nicht abzusehen, wann die Hotels wieder öffnen. Für Ferienwohnungen gilt dasselbe.

Große Tristesse in der Stadt der Liebe

Verrammelte Bistros, geschlossene Museen und leere Luxus-Boutiquen – Paris bietet in der Corona-Krise ein Bild des Jammers.

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Die Bistros in Paris sind noch immer geschlossen.

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Paris liegt in der roten Zone

Paris liegt in der roten Zone. In Zeiten von Corona ist das ein sehr schlechtes Zeichen. Während in anderen Teilen Frankreichs – den grünen Zonen – die Menschen seit einigen Tagen wieder an den Stränden flanieren dürfen, bleiben in der Hauptstadt sogar die beliebten Parks geschlossen. Die Regierung befürchtet, dass an sonnigen Tagen die Leute zu zehntausenden in die Grünanlagen strömen könnten, weil sie zumindest ein kleines Stückchen der neuen Freiheit genießen möchten. Das Virus hätte dann keine Probleme, sich auszubreiten.

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Strikte Regeln in Zeiten von Corona

Über zwei Monaten waren die Franzosen praktisch kaserniert und durften nur in Ausnahmefällen und mit Passierschein ihre Wohnung verlassen. Dennoch hat die Pandemie bis zu diesem Zeitpunkt fast 30.000 Menschen im Land das Leben gekostet. Inzwischen sinken die Zahlen der Neuinfizierten fast täglich – im Ballungsraum Paris verharren sie allerdings auf hohem Niveau. „Wir sind im Krieg“, hatte Präsident Emmanuel Macron am 16. März erklärt, als er in einer dramatischen TV-Ansprache eine zunächst zweiwöchige Ausgangssperre verhängte, die dann mehrfach verlängert wurde.

Die Bistros kämpfen ums Überleben

Längst haben die Bistro-Besitzer in der Hauptstadt die Hoffnung aufgegeben, bald wieder ihre Tische auf die sonnenbeschienenen Terrassen zu stellen. Hinter den Glasfenstern der Cafés stapeln sich die Mitte März eilig zusammengeräumten Stühle, dazwischen stehen vertrocknete Pflanzen. Ein Bild, das an Tristesse kaum zu überbieten ist. Manche Wirte nutzen die Zeit, ihre Lokale zu renovieren. „Ich habe nun alles drei Mal geputzt und die Küche umgebaut“, klagt der Betreiber eines kleinen Restaurants unweit der Oper, „ich weiß nicht, was ich noch machen soll.“ Seinen Abholservice hat er wieder eingestellt, denn er weiß nicht, für wen er kochen könnte. 36 Millionen Touristen, vor allem aus Asien, besuchen die Metropole an der Seine jedes Jahr, doch nun ist die Stadt wie leergefegt.

Die Lebenslust und Leichtigkeit verloren

Auf den Champs-Élysées stehen sich die Verkäufer in den berühmten Luxus-Boutiquen die Beine in den Bauch. Kunden? Fehlanzeige! „Ich erkenne Paris nicht wieder“, sagt ein livrierter Türsteher vor dem edlen Geschäft von Cartier im Schatten des Arc de Triomphe. Das Corona-Virus hat sich wie Mehltau über die Stadt gelegt. Wer französische Leichtigkeit und Lebenslust sucht, der ist im Moment in Paris an der falschen Stelle.

Frankreich schließt wegen Corona wieder einige Strände

Kaum sind die Strände in Zeiten von Corona geöffnet, sind sie auch schon wieder geschlossen. Der Grund: die Besucher halten sich nicht an die Regeln.  

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Die Menschen halten sich nicht an die Corona-Regeln

Im Département Morbihan waren die Strände bei Damgan, Erdeven und Billiers nur wenige Tage für die Besucher zugänglich. Nun hat die Präfektur einen Erlass veröffentlicht, der die Öffnung wieder rückgängig macht. In einem auf der Website der Stadt veröffentlichten Brief begründet der Bürgermeister seine Entscheidung, den großen Strand zu schließen.

Jean-Marie Labesse schreibt, dass „Beamte, die die Besucher aufforderten, die Regeln einzuhalten beleidigt wurden. Die Anweisungen im Rahmen der Corona-Vorschriften wurden nicht eingehalten. Trotz eines Verbotes gingen die Leute schwimmen, angelten oder legten sich in der Sonne an den Strand.“

Der Bürgermeister bedauert die Entscheidung.

„Ich weiß, dass ich einen großen Teil der Bevölkerung bestrafe, der die Regeln einhält. Aber es ist deutlich geworden, dass wie die von der Regierung festgelegten Regeln an den Stränden nicht durchsetzen können“.

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Und er ergänzt:

„Wir sollten keine zweite Corona-Welle riskieren. Aus gesundheitlicher Sicht wäre dies dramatisch und für die Touristensaison katastrophal. Am Wochenende wird die Polizei aufpassen, damit die Verbote durchgesetzt werden.“

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In Saint-Malo schließen wir die offenen Strände nicht. Die Verantwortlichen fordern jedoch von den Besuchern mit Nachdruck, sich an die Regeln zu halten. Zudem muss nun auch in der Innenstadt eine Maske getragen werden. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 2. Juni.

Strände in Frankreich werden langsam wieder geöffnet

Im Zuge der gelockerten Corona-Auflagen in Frankreich haben erste Strände wieder geöffnet. An den beliebten Atlantik-Stränden von La Baule und Pornichet ist das Baden, Spazieren gehen oder Joggen seit Mittwoch wieder erlaubt, wie die Präfekturen mitteilten. Weitere Strände am Mittelmeer oder am Ärmelkanal sollen bis zum Wochenende folgen.

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„Aktiver“ Aufenthalt aber kein Sonnenbad

An den Stränden ist bisher nur ein „aktiver“ Aufenthalt erlaubt. Sonnenbaden oder Picknicks bleiben dagegen untersagt. Damit sollen Menschenansammlungen vermieden werden. Die französische Atlantikküste ist von dem neuartigen Coronavirus deutlich weniger betroffen als der Nordosten des Landes.

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So wie in dem kurzen Filmchen in den Tweet – oder so ähnlich – könnte es in ein paar Tagen an Frankreichs Stränden wieder aussehen:
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Die Wallfahrtsstätte in Lourdes öffnet wieder die Tore

Am Samstag soll auch das katholische Heiligtum im südwestfranzösischen Lourdes wieder für erste Pilger aus der Region öffnen. Die Wallfahrtsstätte hatte Mitte März erstmals in ihrer Geschichte geschlossen. Allerdings wurde von der Kirche während der gesamten Zeit der Schließung ein Gottesdienst angeboten, den die Gläubigen verfolgen konnten. Übertragen wurde er via Youtube.

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Parks in Paris bleiben weiter geschlossen

Die Menschen in Paris müssen sich allerdings noch etwas gedulden. In der Hauptstadt bleiben Parks und öffentlichen Gärten noch bis mindestens Anfang Juni geschlossen, wie eine Regierungssprecherin mitteilte. Bürgermeisterin Anne Hidalgo hatte sich für eine sofortige Öffnung stark gemacht und eine Maskenpflicht in den Parks angeregt.

„Man kann die Metro nehmen, aber nicht in einem Park spazieren gehen“, sagte sie am Mittwoch dem Sender BFMTV. Paris sei eine sehr dicht besiedelte Stadt, die Menschen würden ohne Grünflächen auf die Fußgängerwege gedrängt, argumentierte sie. Es ginge nicht darum, in den Parks zu picknicken, sondern Sport zu machen und sich bewegen zu können. Das sei auch eine Frage der Gesundheit.

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Paris liegt in der roten Zone

Paris liegt in Frankreich in der roten Zone. Das heißt, dort ist das Coronavirus besonders stark verbreitet. Während der Ausgangsbeschränkungen wurden im Land sämtliche Parks gesperrt. Mit den Lockerungen am Montag öffneten diese in den grünen Zonen des Landes wieder. In den roten Zonen müssen sie geschlossen bleiben. Hidalgo hatte schon zuvor gefordert, dass die Parks öffnen müssen – der Gesundheitsminister Olivier Véran hatte der Bitte eine Abfuhr erteilt. Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye erklärte am Mittwoch, dass die Regierung an dieser Entscheidung festhalten wird. Die Öffnung der Parks sei angesichts der Situation unangemessen.

Zwar sind seit Montag die Seine-Ufer, das Champ de Mars am Eiffelturm und die Wälder vor den Toren der Stadt wieder geöffnet. Vielerorts ist es aber trotzdem einfach zu eng. Joggerinnen und Jogger drängeln sich auf engen Fußgängerwegen. Während der Ausgangsbeschränkungen konnten sie häufig noch auf die Straße ausweichen, weil wenig Verkehr war. Das ist nun nicht mehr möglich. Am Montagabend versammelten sich Dutzende Menschen in kleinen Gruppen an den Kanalufern der Stadt – prompt wurde für alle Ufer der Stadt ein Alkoholverbot verhängt.

Mit fast 27.000 Todesfällen ist Frankreich eines der am meisten betroffenen EU-Länder. Die strikte Ausgangssperre ist seit Montag gelockert, viele Geschäfte und Schulen haben wieder geöffnet.

Eine provisorische Leichenhalle im Pariser Großmarkt

Weil in Frankreich zu viele Menschen sterben, werden die Toten in einer Kühlhalle in Rungis aufgebahrt. Es ist nicht das erste Mal, dass zu solch einer Notmaßnahme gegriffen werden musste.   

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„Der Bauch von Paris“

Der Großmarkt Rungis gilt als der „Bauch von Paris“. Jeden Morgen werden dort Tonnen von Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Meeresfrüchte oder Schnittblumen verkauft – in normalen Zeiten. Doch in der Corona-Krise hat dieser lebhafte, pulsierende Ort vor den Toren der Millionenmetropole eine neue traurige Berühmtheit erlangt. Weil die Leichenhäuser in der Region die vielen Toten der Pandemie nicht mehr aufnehmen können, werden hunderte Särge in einem Kühlhaus des Großmarktes aufgebahrt. Frankreich ist eines der am stärksten von der Epidemie betroffenen Länder in Europa. Inzwischen werden weit über 25.000 Opfer gezählt.

Für viele Angehörige ist es ein Schock, wenn sie erfahren, dass sie nach Rungis fahren sollen, um die Verstorbenen ein letztes Mal zu sehen. „Für mich ist das kein Ort, um von meiner Mutter Abschied zu nehmen“, sagte Bruno Lefèvre gegenüber dem Fernsehsender BFMTV. Die alte Dame war im Alter von 89 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben.

Abschied in einem Plastikzelt

In einem abgetrennten Bereich einer rund 4000 Quadratmeter großen Halle waren 14 weiße Zelte aufgebaut, wie sie im Sommer oft auf Gartenpartys zu finden sind, erzählt der Mann. Darin konnte sich der engste Familienkreis um den Sarg versammeln. Diese Situation sei eine schwere Prüfung für alle Angehörigen gewesen. „Es ist schwierig, in einem Plastik-Zelt Abschied von der Person zu nehmen, die man am meisten geliebt hat im Leben“, beschrieb Bruno Lefèvre die Umstände, „das ist einfach unmöglich.“

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Geschockt waren die Hinterbliebenen aber nicht nur angesichts der für sie wenig würdigen Umstände in Rungis. Wirklich empört hat die Familie, dass sie danach eine Rechnung in Höhe von über 250 Euro für die Aufbahrung und die kurze „Zeremonie“ präsentiert bekamen. Das private Bestattungsunternehmen OGF, das von der französischen Regierung für die Organisation der temporären Leichenhalle beauftragt worden war, verteidigte sich, dass dies nur ein Bruchteil der Kosten wären, die in normalen Zeiten für dieselben Leistungen berechnet würden. Dann meldete sich allerdings Sandrine Thiefaine zu Wort, Präsidentin der französischen Bestattungsunternehmen und Konkurrentin von OGF: „Es ist nicht akzeptabel, die Familien für das Aufbahren der Verstorbenen in einer Lagerhalle in Rungis bezahlen zu lassen.“

Die Regierung übernimmt die Kosten

Die Regierung erkannte die Brisanz des Problems und reagierte schnell. Innenminister Christophe Castaner erklärte vor der Nationalversammlung: „Es scheint mir nicht gerechtfertigt, dass die betroffenen Familien in dieser ungewöhnlichen Situation auch noch finanziell belastet werden.“ Wenig später verschickte das Ministerium eine Pressemitteilung, dass die Angehörigen für die Kosten, die durch die ungewöhnlich langen Aufbahrungszeiten in Rungis entstehen, nicht aufkommen müssten.

Doch nicht alle Angehörigen teilen die harsche Kritik. Gegenüber der Tageszeitung „Le Parisien“ betonte ein Arbeiter des Großmarktes, dass er den Eindruck habe, dass den Trauernden durchaus die Möglichkeit geboten werde, würdevoll Abschied von den Verstorbenen zu nehmen. Und er erinnert daran, dass in Rungis bereits während des Hitze-Sommers 2003 ein Gebäude zu einer Leichenhalle umfunktioniert worden war. Damals habe man sich in der provisorischen Leichenhalle eher an einen Krieg erinnert gefühlt.

Corona-Kämpferinnen im Altenheim

Es ist eine der schönen Geschichten, geschrieben in Krisenzeiten von Corona. Eine französische Altenpflegerin hat sich mit ihren Angestellten freiwillig fast 50 Tage unter Quarantäne gestellt, um ihre Schützlinge vor dem Coronavirus zu schützen.

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Eine für alle – und alle für eine

Man denkt sofort an die drei Musketiere. Dort steht jeder für jeden ein – besonders in der Not. Das scheint sich auch Valerie Martin gedacht zu haben, als die Corona-Krise immer bedrohlicher wurde. Als Sars-CoV-2 auch in französischen Pflegeeinrichtungen um sich griff und Hunderte alte Menschen daran erkrankten und starben, schwor sie sich sich, bei ihr im Vilanova-Pflegeheim in Lyon werde das nicht passieren.

Und sie fassten einen erstaunlichen Entschluss: Sie und ihre Mitstreiterinnen schlossen sich mit den 106 Bewohnerinnen und Bewohnern ein. 47 Tage und Nächte harrten sie zusammen aus, während im Rest des Landes mehr als 9000 Menschen in Pflegeheimen starben.

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Nun wollten Martin und zwölf Kolleginnen, die die ganze Zeit im Vilanova geblieben waren, ihre Quarantäne beenden. Die Gefahr ist noch nicht gebannt, doch die Lage hat sich inzwischen deutlich entspannt. Tests hatten ergeben, dass sich weder Pfleglinge noch Personal mit dem Virus infiziert haben.

8000 Kilometer im Wohnzimmer radeln

Die Corona-Pandemie schlägt manchem offenbar aufs Gemüt. Andere versuchen, dem Eingesperrtsein durch wilde Aktionen zu entkommen. Zur zweiten Gattung gehört der französische Extremsportler Pascal Pich. Er will in seinen vier Wänden 8000 Kilometer mit dem Rad zurücklegen – alles natürlich für einen guten Zweck. 

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Ein monströser Kilometerstand

Pascal Pich selbst sagt zu seinem Vorhaben: „Der Kilometerstand ist ziemlich monströs, aber es ist nichts Außergewöhnliches. Das Außergewöhnliche ist, es ganz allein und eingesperrt zu tun.“

Der fünffache Weltmeister im Ultra-Triathlon, einem extremen Ausdauersport, bei dem Schwimmen, Radfahren und Laufen über lange Strecken kombiniert werden, radelt während der Corona-Pandemie stundenlang auf seinem sogenannten Rollentrainer, der in seiner kleinen Wohnung nahe der Stadt Nîmes in Südfrankreich steht. Im Online-Netzwerk Facebook rief Pich zu Spenden auf.

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Kaffeemaschinen und Mikrowellen gespendet

Gemeinsam mit einem Geschäftspartner habe er bereits rund hundert Kaffeemaschinen, Mikrowellen oder Tischtennisplatten besorgt und diese an 28 verschiedene Krankenhäuser verschenkt. „Jeder tut, was er tun will, und ich will in die Pedale treten, also trete ich in die Pedale“, sagte Pich, der beim Strampeln in seinem 14 Quadratmeter großen Wohnzimmer oft den Fernseher anschaltet. In acht Stunden legt er zwischen 250 bis 320 Kilometer zurück.

Seine erste Herausforderung war, die Strecke der 21 Etappen der Tour de France in 14 Tagen zu absolvieren – ohne seine Wohnung zu verlassen. Dafür musste er 3471 Kilometer zurücklegen. Insgesamt will er auf rund 8000 Kilometer kommen.

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In Paris kämpfen die Bistros ums Überleben

Die legendären französischen Cafés haben bereits schwere Monate hinter sich, nun droht vielen in der Corona-Krise das Aus.

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Das ist keine Kunst – das Bistro in Paris ist wegen Corona geschlossen

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Gestapelte Stühle hinter verschlossenen Türen

Es ist ein trauriger Anblick. Auf dem Place Saint-Piere am Fuß des Montmartre in Paris, wo an schönen Tagen fast rund um die Uhr das Leben pulsiert, ist keine Menschenseele zu sehen. Im Café „Le Ronsard“ sollten eigentlich entspannte Besucher in der milden Frühlingssonne schon am frühen Morgen ein Frühstück mit Blick auf die malerische Kirche Sacré-Coeur genießen – doch das sind Erinnerungen aus Vor-Corona-Zeiten. Die Realität sieht anders aus, an allen Geschäften rund um den Platz sind die schweren Eisengitter heruntergelassen. Die Terrassen sind leer, hinter den großen Glasfenstern der Bistros stapeln sich die Stühle.

Der Tag, an dem die Katastrophe begann, ist genau zu datieren: es ist der 14. März. Damals verkündete Frankreich Regierung im Kampf gegen die Pandemie eine rigide Ausgangssperre, alle gastronomischen Betriebe mussten von einem Tag auf den anderen schließen. „Von den weit über 200.000 Bistros und Restaurant im Land sind 95 Prozent zu“, klagt Roland Héguy, Präsident des französischen Hotel- und Gaststättenverbandes UMIH. „Rund fünf Prozent haben noch geöffnet und versuchen sich mit einem Lieferservice über Wasser zu halten – aber die machen meist auch nur zehn Prozent des normalen Umsatzes.“
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Kein Datum für die Öffnung der Bistros

Viele Bistro-Betreiber befürchten inzwischen, nicht wieder auf die Beine zu kommen. Der Grund: es ist nicht abzusehen, wann sie ihre Lokale wieder öffnen können. Zwar sollen in Frankreich die Ausgangssperren ab dem 11. Mai wieder gelockert werden, das gilt aber nicht für das Gastgewerbe. „Man hat uns jegliche Hoffnung geraubt“, sagt Roland Héguy, räumt aber im selben Atemzug ein, dass es schwierig ist, Regelungen für ein Gewerbe zu finden, das vom Kontakt zu Menschen lebt.

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Die Wirte hoffen, dass sie bald ein Datum bekommen, wann sie die Bistros wieder öffnen können

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Vor allem die Bistros in Paris ist es nicht der erste Rückschlag, sie arbeiten seit weit über einem Jahr im Krisenmodus. „Uns hat es besonders schwer getroffen“, erzählte ein Kellner im Bistro „L’Esmeralda“ schon Anfang März, kurz vor dem völligen Corona-Shutdown und ahnte damals wohl, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein könnte. Viele Bistros in der Hauptstadt hätten schon unter den monatelangen Protesten der Gelbwesten schwer gelitten, als Paris an manchen Tagen wegen der vielen Krawallmacher unter den Demonstranten bisweilen einer belagerten Stadt glich. „Angesichts der Bilder von brennenden Barrikaden und Straßenkämpfen haben sich viele Touristen nicht mehr nach Paris getraut“, sagte der Kellner.

In Paris ist die Situation besonders schwer

Der zweite schwere Schlag für das „L’Esmeralda“, das am Quai aux Fleurs unmittelbar neben der Kathedrale Notre-Dame liegt, kam am 15. April. In jener Nacht wurde die Kirche durch ein verheerendes Feuer beinahe zerstört. Schon nach wenigen Tagen konnte das Bistro wieder öffnen, doch die Gäste blickten danach von der Terrasse nicht mehr auf das gotische Wunderwerk, sondern auf einen hässlichen Metallzaun, hinter dem gerade noch die Turmspitzen der Kirche zu sehen sind. Die Proteste gegen die umstrittene Rentenrefom der Regierung im vergangenen Winter, die den Umsatz weiter in den Keller getrieben haben, vergisst der Kellner fast zu erwähnen. Damals kamen schon weniger Touristen aus China – auch das ein erstes Anzeichen der sich ausbreitenden Corona-Pandemie, die Frankreich mit ganzer Wucht getroffen hat. Das Land zählt neben Italien und Spanien zu den am schwersten betroffenen Ländern in Europa.

Die Besitzer rufen den Staat um Hilfe

Viele der kleine Bistro-Besitzer rufen nun den Staat um Hilfe. Die Regierung hat angekündigt, fällige Gebühren, Steuern und Sozialabgaben in Höhe von fast 750 Millionen Euro zu streichen. Roland Héguy ist das aber zu wenige und er fordert einen Solidaritätsfonds, der den Betreibern zum Beispiel bei Mietzahlungen unter die Armen greift. „Wenn nicht schnell Maßnahmen ergriffen werden, werden bis zu 50.000 Bistros pleitegehen“, prophezeit der UMIH-Präsident.

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Die Wirte sind zum Überleben aus staatliche Hilfe angewiesen

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Die Bistro-Besitzer versuchen sich allerdings auch selbst zu helfen. So wurden in diesen Tagen in Zusammenarbeit mit großen Unternehmen wie Pernod Ricard, Heineken, Kronenbourg oder Lavazza die Internetseiten „J’aime mon bistrot“ und „Bar solidaire“ freigeschaltet. Dort kann man bei seinem Lieblingsbistro Gutscheine für Getränke oder Essen kaufen und diese dann nach dem Ende der Ausgangssperre einlösen. Die beteiligten Großunternehmen steuern zu dem Verkaufswert noch einmal 50 Prozent hinzu. Wenn also jemand für 10 Euro Wein kauft, erhält der Wirt 15 Euro. In Frankreich seien die Bistros ein unverzichtbares Kulturgut, schreiben die Macher von „J’aime mon bistrot“, dieser Teil der Heimat müsse erhalten werden.

Kleine Ergänzung!

Oder man macht es wie in Amsterdam!

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Mit der Angel auf Baguette-Fang

Es gibt nichts Besseres als frische Croissants oder ein warmes Baguette. Wegen der  Sperrung der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich ist allerdings Einfallsreichtum gefragt, möchte man an die Delikatessen gelangen. 

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Ein ganz besonderer Lieferservice

Am Übergang zwischen Lauterbach und Carling kam die ortsansäßige Bäckerei auf die Idee, einen Lieferservice einzurichten. Die deutschen Kunden geben ihre Bestellung telefonisch ab – und die Bäckerin bringt Brot und Croissants an die geschlossene Grenze. In Nicht-Corona-Zeiten kauften viele Lauterbacher in der französischen Bäckerei in Carling wenige Meter hinter der Grenze ein, doch seit einigen Wochen ist damit Schluss – zumindest vorübergehend.

Mit der Angel auf Baguette-Fang

Auf eine besondere Idee kam der Saarländer Hartmut Fey. Der 68-Jährige kauft derzeit per Angel über den gesperrten Grenzübergang zwischen Lauterbach und Carling in Frankreich ein. Eine Verkäuferin der französischen Bäckerei hängt ihm die Backwaren in einer Tragetasche an die Angelrute – er hebt sie über die Absperrung.
„Es tut uns hier allen weh, dass unser kleiner Grenzübergang nicht mehr gegenseitig benutzt werden darf“, sagte Fey. „Wir hoffen, dass die Grenze bald wieder geöffnet wird.“ Seit Mitte März sind wegen der Corona-Krise etliche kleine Übergänge zwischen dem Saarland und Frankreich gesperrt. Der Einreiseverkehr nach Deutschland wird an mehrere überwachte Übergänge gelenkt.

Die überraschende Wandlung des Emmanuel Macron

Der Kampf gegen die Corona-Pandemie bringt in Frankreich Präsident und Volk zueinander. Eine Analyse:

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Macron hat seine Lektionen gelernt

Das Coronavirus lehrt die Menschen Demut. Auch Emmanuel Macron scheint seine Lektion gelernt zu haben. Der sehr selbstbewusste französische Staatschef gibt sich plötzlich ungewohnt zurückhaltend. Redete er vor einigen Tagen noch von einem Krieg gegen das Virus, ist von dieser martialischen Rhetorik kaum mehr etwas übrig. Er gibt sogar Fehler zu. Frankreich sei nicht gut genug auf die Pandemie vorbereitet gewesen, räumte Macron in seiner Rede an die Nation am Montag ein. Die vom Staatschef aufgezählten fehlende Schutzanzüge, Handschuhe, Desinfektionsmittel und Masken sind allerdings nur eine Seite des Mangels. Das andere, wesentlich größere Problem ist das Gesundheitssystem selbst.

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Applaus für die Helfer – genügt das?

Vor der Ansprache des Präsidenten applaudierten viele Franzosen auf ihren Balkonen zwei Minuten lang den Pflegern und Ärzten in Krankenhäusern und Altenheimen, um sich für ihren Einsatz im Kampf gegen die Pandemie zu bedanken. Natürlich hob auch Macron überschwänglich die Arbeit der Helden dieser schweren Wochen hervor. Vielen von ihnen müssen diese Lobeshymnen allerdings wie Hohn in den Ohren klingen. Es ist nur wenige Monate her, da wurden manche Protestzüge des Pflegepersonals, das auf die unhaltbaren Arbeitsbedingungen in den Kliniken aufmerksam machen wollte, von der Polizei mit Tränengas brutal auseinander getrieben.

Die Franzosen misstrauen ihm Präsidenten

Die Franzosen haben diese niederschmetternden Bilder nicht vergessen, weshalb sie auch jetzt Zweifel an der Aufrichtigkeit des Präsidenten hegen. Nur knapp über ein Drittel der Menschen in Frankreich vertraut laut einer Umfrage der eigenen Regierung im Kampf gegen das Coronavirus. Die tiefe Kluft, die sich zwischen dem Staatschef und seinem Volk seit Monaten auftut, wird auch während dieser Pandemie zum Problem. Das erklärt den Schwenk in der Rhetorik des Staatschefs. Er gibt nun nicht mehr den Feldherren, der sich ausschließlich am Machbaren orientiert, im Krieg gegen einen übermächtigen Feind seine einfachen Soldaten anfeuert und das Volk zu ständig neuen Opfern aufruft.

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Macron appelliert an die Menschlichkeit

Der als kalter Macher verschriene Emmanuel Macron will beweisen, dass auch er in diesen Tagen erkannt hat, dass sich hinter Zahlen und Statistiken immer Menschen verbergen. Ganz zu Beginn seiner Rede erwähnte er deshalb ausdrücklich die großen Sorgen der Familien, die wegen der Ausgangssperre im ganzen Land seit Wochen eingepfercht in lächerlich kleinen Wohnungen leben müssen. Die Aufforderung, sich trotz aller Probleme an die Ausgangssperre zu halten, formuliert der Präsident inzwischen eher als dringende Bitte und nicht mehr als drohenden Befehl.

Das ist eine überraschende Wendung, denn Macron setzte seine politischen und wirtschaftlichen Ziele in der Vergangenheit bei Widerständen gerne mit der Brechstange durch. Im Fall der Proteste der Gelbwesten und auch der von ihm geplanten Rentenreform führte das zur tiefen Spaltung der Gesellschaft und der Vertrauenskrise in die Regierung.

Macron – ein Jünger der Marktwirtschaft

Doch der Lernprozess scheint für Macron noch viel weiter zu gehen. Für den Jünger der Marktwirtschaft und Anhänger der Globalisierung war es ein Schock, dass Frankreich nicht in der Lage war, zu Beginn der Katastrophe genügend einfache Schutzmasken zu produzieren. Wie in allen europäischen Ländern waren die Kapazitäten aus Gründen der Rentabilität nach Asien ausgelagert worden. Es gehe nach dieser Krise auch darum, Ideologien hinter sich zulassen, sich neu zu erfinden, so die neue Überzeugung des Staatschefs. Er selbst sei der Erste, der in der Post-Corona-Zeit alte Glaubenssätze über Bord werfen werde.

Das sind ganz neue Töne aus dem Élysée-Palast. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob Emmanuel Macron die Entwicklung tatsächlich gelingt: vom verspotteten „Präsident der Super-Reichen“ zum Präsident aller Franzosen.