Macron: „Wir sind im Krieg!“

„Wir sind im Krieg!“ Emmanuel Macron lässt keine Zweifel, wie ernst die Lage ist im Kampf gegen den Coronavirus. Immer wieder wiederholt der französische Präsident in einer Ansprache an die Nationen diesen kurzen Satz: „Wir sind im Krieg!“

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Drastische Maßnahmen gegen das Coronavirus

Die Maßnahmen, die der Präsident ankündigt, sind drastisch. Im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus schränkt Frankreich die Bewegungsfreiheit seiner Bürger stark ein. Die Menschen dürfen ihre Häuser nur noch verlassen, um einzukaufen oder zum Arzt oder zur Arbeit zu gehen, sagte Staatschef Emmanuel Macron am Montagabend in einer TV-Ansprache. Auch Sport sei unter bestimmten Bedingungen möglich.

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Die Einschränkungen sollen von Dienstagmittag an gelten und für mindestens 15 Tage aufrechterhalten werden. „Wir sind im Krieg“, sagte Macron. „Wir kämpfen weder gegen Armeen noch gegen eine andere Nation. Aber der Feind ist da, unsichtbar – und er rückt vor.“ Frankreich befinde sich in einem „Gesundheitskrieg“.

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Macron kritisiert das Verhalten mancher Franzosen

Frankreich hatte bereits ab Sonntag alle Restaurants und Bars geschlossen. Auch Schulen, Kindergärten und andere Bildungseinrichtungen, Museen und Bibliotheken bleiben derzeit zu. Der Präsident monierte allerdings, dass sich dennoch viele Menschen im Freien trafen.

Macron rief die Bürger auf, sich verantwortungsvoll zu verhalten. „Selbst wenn Sie keine Symptome haben, können Sie infiziert sein und andere anstecken.“ Es drohten Strafen, falls gegen die neuen Regeln verstoßen werde. „Frankreich macht eine schwierige Zeit durch.“ Niemand könne genau vorhersagen, wie lange es dauern werde, so der Präsident. Gleichzeitig verschob Macron die für kommenden Sonntag angesetzte Endrunde der Kommunalwahlen. Auch alle laufenden Reformen seien auf Eis gelegt seien, darunter die umstrittene Rentenreform. Gegen die Rentenpläne der französischen Regierung hatte es seit Dezember massive Streiks und Proteste gegeben.

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Macron verspricht Hilfe für die Unternehmen

Kein Unternehmen solle sich sorgen, aufgrund der Maßnahmen Bankrott zu gehen, versprach Macron. Miete oder Gas- und Stromkosten sollen für mittlere und kleinere Unternehmen ausgesetzt werden, wenn sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Macron forderte auch alle Unternehmen auf, die Arbeit von zu Hause aus zu erleichtern. Taxis und Hotels sollen für die Pflege eingesetzt werden. Der Staat werde dafür aufkommen, so der 42-jährige Staatschef.

Das verklärte Bild der Deutschen von Macron als zupackendem Krisen-Manager

Deutschland schimpft auf Angela Merkel. Die Kanzlerin müsse in der Krise um den Coronavirus Führungsstärke beweisen, heißt es immer wieder. Und es sind jene, die häufig auf „Mutti“ schimpfen, die nun laut nach der Mama rufen.

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Ist Macron wirklich ein gutes Beispiel?

Als positives Gegenbeispiel in dieser Krise, die sich inzwischen zur Pandemie ausgeweitet hat, wird immer wieder der französische Präsident Emmanuel Macron bemüht. Der leite sein Land mit ruhiger Hand und gebe seinem Volk das Gefühl, dass die Regierung den Kampf gegen das Virus ernst nimmt. Und es scheint wieder einmal, dass die Deutschen ein noch immer verklärtes Bild von einem zupackenden und dynamischen französischen Präsidenten haben.

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Das Problem: das sieht von der anderen Seite des Rheines zwar so aus, viele Franzosen beurteilen die Lage aber anders. Sie haben den Eindruck, dass ihr Staatschef wieder einmal viel redet, aber wenig tut. Inzwischen wird der Druck der Opposition angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus immer stärker. Sie fordert von Premierminister Edouard Philippe einen besseren Schutz für Wirtschaft und Bürger. Macron

Der Druck der Opposition auf Macron steigt

Die bürgerliche Partei Les Républicains (Die Republikaner) von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy verlangte einen „echten Antikrisen-Schild“. Sie brachte Steuererleichterungen und Hilfen wegen der Kurzarbeit ins Gespräch. Derzeit sind in Frankreich 3600 Unternehmen und rund 60.000 Angestellte wegen des Coronavirus von Kurzarbeit betroffen, vor allem in der Tourismus- und Reisebranche.

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Die Linkspartei La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich) forderte, Kurzarbeitern ihr volles Gehalt zu zahlen. Die Kommunisten verlangten eine stärkere staatliche Unterstützung für die Krankenhäuser. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen beklagte, der Premier habe keine Antwort zur Verfügbarkeit von Atemschutzmasken und Virentests gegeben.
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Ein Szenario wie in Italien?

Der Generaldirektor im Gesundheitsministerium, Jérôme Salomon, hatte am Mittwochabend gesagt, Frankreich müsse sich auf „ein Szenario wie in Italien“ vorbereiten. Die Regierung hatte zuvor Versammlungen mit mehr als tausend Teilnehmern untersagt, Schulen und Krippen in den besonders betroffenen Gebieten sind geschlossen. Nach Angaben des Ministeriums gab es in Frankreich zuletzt 48 Todesfälle und 2281 Infektionen.

Frankreich verbietet Veranstaltungen wegen Coronavirus

Die französischen Behörden verschärfen die Maßnahmen. Angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sind Veranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern bis auf Weiteres untersagt.

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5000 Menschen sind das Limit

Die französischen Behörden haben angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Veranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern bis auf Weiteres untersagt. Alle Zusammenkünfte von mehr als 5000 Menschen „in geschlossenen Räumen“ sowie manche im Freien würden landesweit abgesagt, teilte die Regierung in Paris mit. Unter anderem strichen die Behörden den für Sonntag geplanten Pariser Halbmarathon mit rund 44.000 angemeldeten Läufern sowie den letzten Veranstaltungstag der internationalen Landwirtschaftsmesse in der Hauptstadt.

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Weiterhin seien von den Absagen der Karneval im Alpenort Annecy sowie die Immobilienmesse Mipim im südfranzösischen Cannes betroffen. Die am Wochenende stattfindenden Spiele der ersten französischen Fußballliga würden jedoch wie geplant stattfinden, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran. Er bezeichnete die getroffenen Vorkehrungen als „provisorisch“.

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Drastische Maßnahmen in Oise

Drastische Maßnahmen verkündete er zudem für das vom Coronavirus besonders betroffene Département Oise nördlich von Paris sowie die Gemeinde La Balme-de-Sillingy im Département Haute-Savoie nahe der Stadt Annecy. Dort sind demnach jegliche Zusammenkünfte bis auf Weiteres untersagt. Véran rief die Bewohner dazu auf, zu Hause zu bleiben und wenn möglich auch von dort zu arbeiten. Sie könnten für Einkäufe rausgehen, „unnötige Fahrten“ sollten aber dringend vermieden werden, sagte der Minister. Einige Schulen sollen zudem am Montag geschlossen bleiben.

Laut Véran wurden seit Freitagabend 16 neue Infektionsfälle im Land bestätigt, womit die Gesamtzahl der in Frankreich gemeldeten Fälle auf insgesamt 73 steigt. Unter ihnen würden derzeit 59 in Krankenhäusern behandelt, zwölf seien bereits geheilt und zwei Menschen verstorben, hieß es weiter.