Paris: Illegale Corona-Party im Eisenbahntunnel

In Frankreich herrscht – anders als in Deutschland – ein ziemlich rigider Lockdown. Die meisten Franzosen halten sich daran, aber es gibt auch Ausnahmen. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist eine illegale Party aufgeflogen.

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Corona-Party in Paris

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Unter dem Motto „I want to break free“ haben zuletzt rund 300 junge Pariser im Osten der Hauptstadt an einem gut versteckten Ort eine illegale Rave-Party mitten im Lockdown gefeiert. Die Veranstalter sehen das ganze Event natürlich nicht als banale Party, sondern versuchen die Sache zu überhöhen. Sie erklären, dass es ein Akt des „Widerstands“ gegen die strengen Corona-Auflagen in Frankreich gewesen sei. Ganz nebenbei haben sie natürlich ziemlich gut abkassiert. Im ganzen Land sind alle Diskotheken geschlossen und private Feiern untersagt, die Menschen dürfen ihre Wohnungen nur aus triftigen Gründen verlassen.

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Die Location für die Party war gut gewählt. Sie fand in einem stillgelegten Eisenbahntunnel statt. Die Gäste wurden per Email eingeladen, die Tickets zum Preis von 15 Euro waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft, heißt es in einigen Berichten. Die Gastgeber hatten allerdings eine Auflage: die Gäste sollten einzeln oder in sehr kleinen Gruppen an den Ort im Osten von Paris kommen. So sollte vermieden werden, dass die Anwohner aufmerksam werden.

Die Partygäste mussten sich dann im Licht ihrer Handys den Weg durch den dunklen Eisenbahntunnel bis zu einer Halle bahnen, von wo die wummernden Bässe der Musik und die psychedelische Beleuchtung nicht nach außen drangen. Bilder und kurze Filme zeigen: Kaum jemand trug eine Maske, Abstandsregeln wurden nicht eingehalten.

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„Wir haben bereits Erfahrung damit“, sagte ein 27-jähriger Veranstalter, der seinen Namen nicht nennen wollte nach Angaben mehrerer Medien. „Wir können die Anlage in weniger als zwei Stunden irgendwo aufbauen und heimlich eine Party veranstalten.“ Organisatoren solcher Feiern drohen in Frankreich ein Jahr Haft und eine Geldstrafe von 15.000 Euro.

Vor allem die jungen Menschen klagen immer häufiger darüber, dass sie sich seit Monaten eingesperrt fühlen würden. Tatsache ist allerdings auch, dass am Anfang der zweiten Corona-Welle viele Studentenwohnheime zu Hotspot wurde, weil sich die jungen Leute nicht an die Regeln hielten. Danach haben einige Fakultäten beschlossen, ihren Betrieb einzustellen.

Mit fast 49.000 Todesfällen ist Frankreich eines der am stärksten betroffenen Länder Europas.

Ein kleines Licht am Ende des Corona-Tunnels in Frankreich

Der Gesundheitsminister spricht von einer „Form der Verlangsamung“ der Infektionszahlen. Geschäftsleute verlangen eine Lockerung des Lockdowns – doch die Regierung bremst diese Hoffnungen.

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Karte mit einem Vergleich der Übersterblichkeit in Frankreich

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Eine Schock-Zahl am Wochenende

Die Zahl ist ein Schock: am Wochenende wurde in Frankreich mit über 85.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag ein beunruhigender Rekord gemeldet. Am Montag folgte dann die Korrektur. Gesundheitsminister Olivier Véran erklärte, dass diese hohe Zahl auf einen Computerfehler zurückzuführen sei. Entwarnung konnte er dennoch nicht geben. Véran sagte, dass am Sonntag knapp 40.000 Neuinfektionen gemeldet wurden – allerdings seien wegen erneuter Probleme bei der Datenerfassung nicht alle Fälle registriert worden. Das heißt, die wirkliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.

Inzwischen zählt Frankreich mehr als 40.000 Corona-Tote und gehört damit zu den am schwersten von der Pandemie betroffenen Länder. Was den Verantwortlichen große Sorge bereitet ist die Tatsache, dass viele Kliniken im Land an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Fast 5000 Menschen liegen auf den Intensivstationen und jeden Tag kommen einige Hundert hinzu, doch es gibt insgesamt nur knapp 6500 Betten. Mehrere Patienten wurden aus diesem Grund bereits zur Behandlung nach Deutschland in die grenznahen Krankenhäuser in Saarbrücken und Völklingen verlegt. Immer wieder muss sich die Regierung herbe Kritik gefallen lassen, da nach der ersten Corona-Welle der schnelle Aufbau von 4000 zusätzlichen Intensivbetten versprochen worden war. Doch nun zeigt sich, dass nur ein Bruchteil wirklich realisiert wurde.

Ein sehr rigider Corona-Lockdown

Angesichts der Krise herrscht in Frankreich ein rigider Lockdown. Menschen dürfen nur eine Stunde pro Tag auf die Straße und sich maximal einen Kilometer von ihrer Wohnung entfernen. Auch sind die allermeisten Geschäfte geschlossen, offen haben etwa Lebensmittelgeschäfte und Apotheken.  

Trotz der täglich steigenden Zahlen sieht Gesundheitsminister Véran ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Er spricht von „einer Form der Verlangsamung“ bei den Neuinfektionen. Es sei aber zu früh, jetzt schon Schlüsse für die kommenden Wochen zu ziehen. In den nächsten Tagen werde sich zeigen, ob diese Entwicklung anhalte. Tatsache sei aber, dass die Zahl der Menschen auf den Intensivstationen kurzfristig weiter steigen werde.

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Geschäftsleute wollen Corona-Lockerungen

Unterdessen werden die Forderungen der Geschäftsleute immer lauter, den Internethandel in Frankreich einzuschränken, so dass die im Netz präsenten Firmen nur noch die Dinge des täglichen Gebrauchs verkaufen dürfen. Auch solle der „Black Friday“ verboten werden, ein Tag, an dem der Handel die Kunden angesichts der nahenden Weihnachten üblicherweise mit Sonderangeboten lockt. Die Regierung äußert sich zu diesen Forderungen des stationären Handels nicht, macht aber Hoffnungen, dass Ende kommender Woche wieder alle Geschäfte in Frankreich öffnen könnten – wenn es die Corona-Zahlen zulassen.

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Karine Lacombe, Leiterin der Abteilung für Infektionskrankheiten an der Klinik Saint-Antoine in Paris, warnt allerdings vor einer zu frühen Lockerung, zeigt sich aber „verhalten optimistisch“ im Bezug auf Weihnachten. Allerdings werde es kein „normales Fest“, erklärte sie in einem Interview mit dem Sender BFMTV, da es sich gezeigt habe, dass sich die Menschen bei Treffen im privaten Bereich besonders häufig anstecken würden. Sie setzt auf einen Lerneffekt bei den Franzosen, denn am Ende der Sommerferien zeichnete sich bereits die zweite Infektionswelle ab. Der Grund: viele Menschen haben sich bei Verwandtenbesuchen und Familienfeiern angesteckt.

Boykottaufrufe in Frankreich gegen Amazon

Die Buchhändler kämpfen in der Corona-Krise ums Überleben. Es wird während des Lockdowns zwar mehr gelesen, bestellt wird allerdings im Internet.

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Eine Werbung in Frankreich, die die Franzosen davon überzeugen soll, nicht bei dem US-Unternehmen Amazon zu kaufen.

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Heftiger Streit um Amazon

Unruhige Zeiten für Amazon in Frankreich. Dabei wurde der US-Versandhändler ohne eigenes Verschulden in einen Streit hereingezogen, in dessen Zentrum er nun steht. Denn der Konzern macht nichts Unlauteres: er liefert Bücher. Doch in den angespannten Zeiten von Corona kann auch das Alltägliche schnell zu einem Politikum werden. Inzwischen hat das Amazon-Thema in Frankreich die höchsten Ministerebenen erreicht.

Ausgangspunkt ist eine Anordnung der französischen Regierung, dass im Zuge des rigiden Corona-Lockdowns im Land alle „nicht relevanten“ Geschäfte schließen müssen. Dazu zählen in diesem Fall auch Buchhändler. Doch der Aufschrei angesichts dieses Schrittes ist groß – egal ob links, mitte oder rechts im politischen Spektrum.

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Initiative gegen Amazon

An vorderster Front kämpfen die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, und der französische Schriftsteller Sylvain Tesson. Sie haben die Initiative „Entzündet das Licht in unseren Buchläden“ ins Leben gerufen. Das ist ein sehr poetisches Motto, die Ziele sind allerdings knallhart, denn sie fordern, dass die Geschäfte wieder öffnen dürfen, da ansonsten eine Pleitewelle drohe. „Die Pariser betrachten ihre Buchhandlung als unverzichtbares Gut“, erklärte Anne Hidalgo. Und dann plädierte sie an die Einwohner der Metropole. „Kaufen Sie bei ihrem Buchhändler. Sie können Ihr Buch dort bestellen und abholen.“

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An dieser Stelle nun kommt das Unternehmen Amazon ins Spiel. Zwar kaufen die Franzosen während des Lockdowns mehr Bücher, die bestellen sie aber sehr oft bei dem Versandhändler. Der liefert die Ware direkt ins Haus, was ein gutes Argument ist, wenn man in Frankreich pro Tag nur eine Stunde aus dem Haus darf und sich auch nicht weiter als einen Kilometer von seiner Wohnung entfernen sollte.

„Kaufen Sie nicht bei Amazon“

Natürlich freut sich Anne Hidalgo, dass ihre Landsleute mehr lesen. Allerdings ärgert sie sich, dass davon vor allem der US-Gigant Amazon profitiert. In einem Interview mit dem Sender BFM.TV sagte sie deshalb: „Kaufen Sie nicht bei Amazon!“ Und weiter: „Ich sage es ganz deutlich: Amazon ist der Tod unserer Buchhandlungen und unseres nachbarschaftlichen Lebens.“

Rückendeckung erhielt die Bürgermeisterin von der französischen Kultusministein Roselyne Bachelot. Sie versprach, dass die französischen Buchhandlungen von „erheblich reduzierten“ Postgebühren für den Versand bestellter Bücher profitieren werden. Dann legte sie nach. „Kaufen Sie keine Bücher auf digitalen Plattformen“, sagte sie dem Sender LCI. Doch das schien ihr offensichtlich nicht deutlich genug. Denn dann empfahl Roselyne Bachelot den Franzosen offen, sich nicht an das amerikanische Unternehmen zu wenden, dessen wirtschaftliches, soziales und ökologisches Modell seit vielen Jahren in der Kritik stehe. „Amazon sackt die Gewinne ein, es liegt an uns, dass es nicht so kommt“, sagte sie.

Die Regierung hilft den Händlern

Dann ging die französische Regierung mit der Unterstützung der Händler noch einen Schritt weiter. Man ließ wissen, dass unabhängigen Buchhändlern wegen der Zwangsschließung ihrer Läden die Versandkosten vollständig ersetzt würden. Dies solle es kleinen Händlern ermöglichen, „mit großen Internetplattformen“ in Konkurrenz zu treten, erklärte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire, offensichtlich beeindruckt von den mehrtägigen Protesten der Buchhändler.

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Inzwischen bekommen die kleinen Händler in der Corona-Krise Unterstützung von unerwarteter Seite. Die Supermarktkette Intermarché kündigte eine „solidarische Initiative“ an, damit Buchhändler und andere von der Schließung betroffene Einzelhändler ihre Produkte über deren Internetseiten vertreiben können. Nicht alle kleinen Geschäfte seien in der Lage, über das Internet zu verkaufen, sagte der Intermarché-Vorsitzende Thierry Cotillard. Beworben wird diese Initiative mit dem griffigen Slogan: „Désolé Amazon“ – Es tut uns leid, Amazon.

Rettet Corona manchem Wildschwein das Leben?

In Frankreich herrscht ein rigider Lockdown. Die Jäger wollen weiter auf die Pirsch, doch darüber gibt es Streit

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Die Verwerfungen um die Jagd in Corona-Zeiten sind nicht ganz einfach zu klären

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Millionen besitzen einen Jagdschein

Das Jagen ist in Frankreich eine überaus populäre Angelegenheit. Weit über eine Million Menschen besitzen einen Jagdschein und freuen sich alljährlich auf den Herbst, wenn die Jagdsaison eröffnet wird. Dieses Mal gibt es allerdings ein Problem: im ganzen Land gilt ein rigider Corona-Lockdown. Das heißt, jeder darf sein Haus pro Tag nur mit einem guten Grund für eine Stunde verlassen und kann sich dann ausschließlich im Umkreis von einem Kilometer seiner Wohnung bewegen.

Die französischen Jäger haben allerdings eine gut funktionierende Lobbyabteilung, deren Einfluss auch in dieser Ausnahmesituation bis nach Paris reicht. Die Politik hatte also ein Einsehen und Bérangère Abba, Staatssekretärin für Biodiversität, verkündete auf dem Nachrichtendienst Twitter, dass für die Waidmänner während des Lockdowns allerlei Ausnahmen gelten würden. So sollte etwa die Jagd auf Wildschweine, die in den Wäldern große Schäden anrichten, weiter möglich sein.

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Die Jäger wollen mehr Tiere jagen

Die Schar der Jäger jubelte, zumal Willy Schraen, Präsident der nationalen Jägervereinigung, flugs erklärte, dass diese Ausnahmen natürlich auch für Hasen, Fasanen und Tauben gelten würden und eine Stunde der „waidmännischen Entspannung“ durchaus erlaubt sei. Diese Ankündigung löste allerdings einen Sturm der Entrüstung aus. Bastien Lachaud, Parlamentsabgeordneter der linken Partei La France Insoumis, empörte sich über den „unglaublichen Skandal“, dass kleine Geschäfte und Buchläden schließen müssen und die Jäger ihrer Freizeitbeschäftigung nachgehen dürfen.

Staatssekretärin Bérangère Abba sah sich folglich genötigt, den obersten Jäger zurückzupfeifen und erklärte ausdrücklich, dass ausschließlich Wildschweine und Rotwild gejagt werden dürften – oder vielleicht der eine oder andere Kormoran, die in den Fischzuchtanlagen enorme Schäden anrichten würden.

Jäger fürchten dramatische Konsequenzen

Das aber ist Jean Guichou, Direktor des Jägerverbandes im Département Ariège, zu wenig. Er prophezeite „dramatische Konsequenzen“, wenn die Jagd zu sehr eingeschränkt würde. Die Zahl der Autounfälle mit Wild könnten sprunghaft ansteigen und er warnte vor Ernteausfällen. Guichou sieht sogar die Biodiversität der Wälder in Gefahr, sollte eine Tierpopulation zu stark zunehmen.

Umweltschützer sind empört

Da platze Allain Bougrain-Dubourg, Präsident der französischen Vogel- und Umweltschützer, der Kragen. Er warf den Jägern Scheinheiligkeit vor und wird dabei sehr grundsätzlich. Die würden sich doch nicht um die Natur, sondern vor allem um ihr Freizeitvergnügen kümmern. Im Winter würden etwa die Wildschweine durchgefüttert, damit sie im nächsten Herbst abgeschossen werden könnten. Statt nur mit dem Gewehr durch den Wald zu pirschen, sollten sich die Waidmänner um eine anständige Hege und Pflege kümmern. Beide Seiten tauschen inzwischen täglich im für die sozialen Medien gängigen Ton ihre Argumente für und gegen die Jagd aus und es wird deutlich, dass das große Halali in dem Streit also noch nicht geblasen ist.

Frankreich fliegt Corona-Patienten nach Deutschland

Die Crona-Pandemie breitet sich in Frankreich weiter schnell aus. Nun geraten die ersten Krankenhäuser unter Druck. Aus diesem Grund sollen französische Intensiv-Patienten nach Deutschland verlegt werden.

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Die Grafik zeigt die Regionen, in denen nun mehr Corona-Patienten in Krankenhäusern versorgt werden müssen als noch während der ersten Welle

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Die Corona-Welle ebbt nicht ab

Die Welle ebbt nicht ab und der „Druck ist in einigen Gebieten sehr stark“, erklärte Frédéric Valletoux, Präsident des französischen Krankenhausverbandes FHF während einer Video-Konferenz. Betroffen seien vor allem die Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Hauts-de-France. „Transfers in andere Regionen, sogar in andere Länder, werden dazu beitragen, diesen Druck zu verringern, und sind manchmal unerlässlich“, fügte Frédéric Valletou hinzu. Im Frühjahr hatten Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und andere deutsche Bundesländer insgesamt rund 130 französische Corona-Patienten aufgenommen.

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Die Corona-Patienten werden immer jünger

Was Jean Emmanuel de la Coussaye, Leiter Notfallmedizin und krisenmedizinischer Direktor an der CHU de Nîmes, auffällt ist, dass auch das Durchschnittsalter der Patienten im Vergleich zur ersten Welle gesunken ist. „Das Profil der intubierten Patienten hat sich geändert und sie werden immer jünger. Wir haben viele junge Erwachsene zwischen 35 und 55 Jahren “, sagt er und fügt hinzu, dass seine Teams jetzt besser ausgebildet sind, um diese Covid-Patienten zu versorgen.

Die Grafik zeigt, in welchen Regionen die Zahl der reanimierten Patienten höher ist als noch während der ersten Welle.

Bald an der Belastungsgrenze

Die französische Regierung und Gesundheitsexperten erwarten, dass die Krankenhäuser bis Mitte November wieder an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Zuletzt wurden gut 3700 Corona-Intensivpatienten in den öffentlichen Kliniken behandelt. Bis Montagabend wurden dort 416 neue Todesfälle registriert, die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie stieg damit auf 37.435. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen stieg auf einen neuen Höchststand von 52.518.

Wird in Frankreich die Ausgangssperre verschärft?

Ausgangssperre – ja oder nein? In Frankreich herrscht im Moment einige Verwirrung darüber, ob im Kampf gegen die Corona-Pandemie eine nächtliche Ausgangssperre, etwa in großen Städten, in Planung ist.

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Die Karte zeigt, wo die Krankenhäuser bereits die Patientenzahlen aus dem Frühjahr, die reanimiert werden müssen, überschritten haben.

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Strenge Regeln für Paris?

Losgetreten hat die Diskussion um die Verstärkung der Lockdown-Regeln Regierungssprecher Gabriel Attal. In einem Interview im Sender BFM TV erklärte er, dass die Ausgangssperre im Großraum Paris voraussichtlich ab 21 Uhr gelten werde. Die Präfekten anderer Region können eine solche nächtliche Ausgangssperre ebenfalls einführen. Im Laufe des Tages sollte ein entsprechendes Dekret für Paris erlassen werden, sagte Attal.

Kurze Zeit begann die Regierung auf mehreren Kanälen, diese Aussagen zu dementieren. Zum jetzigen Zeitpunkt sei nichts beschlossen, heißt es. Eine Entscheidung solle erst in den kommenden Tagen getroffen werden – es ginge vorrangig um die Schließzeiten bestimmter Läden in der Hauptstadt, so der TV-Sender BFM. Die große Mehrheit der Franzosen akzeptiere die Regeln, hatte Attal zuvor im TV gesagt. Es sei aber unhaltbar für diese Menschen, dass sich einige Menschen nicht an die Regeln hielten.

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Kritik an Pariser Bürgermeisterin

Bei dieser Gelegenheit kritisierte der Regierungssprecher auch die Pariser Bürgermeisterin Anna Hidalgo. Sie lege den Schwerpunkt zu sehr auf das Wohlergehen der Geschäfte in der Stadt, was verantwortungslos sei. Er habe sich zuvor mit Pflegern in Krankenhäusern von Paris unterhalten und die seien über die Aussagen Anne Hidalgos zuletzt sehr erstaunt gewesen. Gerade die Kliniken im Großraum der Hauptstadt stünden angesichts der Corona-Pandemie schon jetzt wieder kurz vor dem Zusammenbruch.

Wörtlich sagte er:

«On va atteindre aujourd’hui les 1000 patients en réanimation dans les hôpitaux franciliens, qui sont en quasi-débordement et on entend depuis quelques jours Madame Hidalgo se préoccuper de la question des commerces, dire: “il faut tout rouvrir”».

Regierungssprecher Gabriel Attal

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Die Corona-Lage ist dramatisch

Bereits vor einem Lockdown, der seit vergangenem Freitag gilt, galt in weiten Teilen des Landes eine nächtliche Ausgangssperre. Die Corona-Lage im Land ist dramatisch. Erst am Montagabend wurde mit mehr als 52 500 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden ein neuer Spitzenwert gemeldet. Außerdem starben innerhalb eines Tages mehr als 400 Menschen in Krankenhäusern. In Frankreich leben rund 67 Millionen Menschen.

Die Menschen in Frankreich dürfen derzeit nur mit einem triftigen Grund überhaupt vor die Tür – dazu zählen einkaufen, der Weg zur Arbeit oder Arztbesuche. Spaziergänge oder Sport an der frischen Luft sind nur eine Stunde im Radius eines Kilometers zur Wohnung erlaubt. Die Menschen müssen immer ein entsprechendes neu ausgefüllte Formular mit sich führen, auf dem der Grund nachgewiesen wird. Alle Läden, die keine lebensnotwendigen Produkte verkaufen, haben geschlossen, ebenso Gastronomie oder Kultureinrichtungen.

Corona: In Frankreich geht die Wirtschaft in die Knie

Die Auswirkungen der Corona-Krise werden in Frankreich immer deutlicher. Inzwischen droht dem Land wegen der strengen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ein Rückfall in die Rezession.

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Schlechte Zeiten für die französische Wirtschaft

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Minister rechnet mit einer Rezession

Finanzminister Bruno Le Maire redet nicht um den heißen Brei herum. Das Bruttoinlandsprodukt werde im laufenden vierten Quartal voraussichtlich schrumpfen, sagte der Politiker während eines Interviews beim Sender „Radio Europe 1“. Er rechnete vor, das allein die jüngst ergriffenen Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie rund zwei Milliarden Euro kosten würden. Das habe natürlich gravierende Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaftssituation. „Wir werden wahrscheinlich im letzten Quartal des Jahres ein negatives Wachstum verzeichnen“, sagte Le Maire – der aber bereits das Licht am Ende des Tunnels sieht. Er rechnet sehr schnell mit einer deutlichen Erholung der Wirtschaft. „Im Jahr 2021 wird es einen starken Aufschwung geben“, sagte der Wirtschaftsminister.

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Hiobsbotschaften in Sachen Corona

Begleitet wird diese Aussage von den neusten Hiobsbotschaften in Sachen Corona. Noch immer breitet sich das Virus in Frankreich stark aus. Das Gesundheitsministerium meldete am Donnerstagabend mit 41.622 Neuinfektionen einen neuen Tageshöchstwert. Die Regierung weitete die Ausgangssperren auf weitere Teile des Landes aus. Damit dürfen rund 46 Millionen der insgesamt 67 Millionen Einwohner ihre Häuser zwischen 21 Uhr und sechs Uhr nicht mehr verlassen.

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In Frankreich sitzt noch immer der Schock der ersten Corona-Welle sehr tief. Damals dauerte der Lockdown 55 Tage und legte das Land praktisch lahm. Das Bruttoinlandsprodukt war im Frühjahr um 13,8 Prozent zum Vorquartal eingebrochen. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft schrumpfte mit 9,7 Prozent deutlich weniger. Im Sommer dürfte die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft um 15 Prozent gewachsen sein, heißt es aus Kreisen von Wirtschaftswissenschaftlern.

Die Tageszeitung „Le Parisien“ kommentiert die aktuelle Situation mit dramatischen Worten.  

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„Die Statistiken sind unmissverständlich. Wenn die (nächtlichen) Ausgangsbeschränkungen nicht deutlich Wirkung zeigen, steuern wir unumgänglich auf eine Überfüllung der Krankenhäuser zu. Gestern wurde die (nächtliche) Ausgangssperre auf 38 Départements ausgeweitet. (…) Ein erneuter Lockdown wäre nicht zwangsläufig landesweit, sondern lokal wie in Deutschland, Spanien oder Italien. Die nächste Stufe wäre dann ein landesweiter Lockdown. Das wäre für alle eine wirtschaftliche Katastrophe: Privatpersonen, Selbstständige, Unternehmen und den Staat.“

Kommentar aus „Le Parisien“

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Und hier noch eine gute Sache aus der Tageszeitung „Le Parisien“. Hier kann man genau nachsehen, wie hoch die Infektionsrate in der eigenen Stadt ist. Die Sache ist etwas lieblos dargestellt, aber der Link erfüllt sehr gut seine Funktion. Hier entlang:

Corona Frankreich: Paris greift hart durch im Kampf gegen Covid-19

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt in Frankreich rapide an. Nun reagiert die Regierung erklärt 38 weitere Départements zu roten Zonen.

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54 Départements in Frankreich sind nun Risikogebiete

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Der Premier mahnt die Franzosen

Insgesamt sind in Frankreich nun 54 Departements betroffen, in denen insgesamt 46 Millionen Bürgerinnen und Bürger leben, sagte Frankreichs Premier Jean Castex am Donnerstag. Bisher gilt eine nächtliche Ausgangssperre im Großraum Paris und acht weiteren Metropolen. Ohne triftigen Grund dürfen sich Menschen dort seit dem Wochenende zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht auf der Straße aufhalten.

Neu gilt die nächtliche Ausgangssperre nun etwa im Département Bas-Rhin mit der Elsass-Metropole Straßburg oder auf Korsika. Außerdem ist fast die gesamte Mittelmeerküste betroffen.

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„Die Situation ist ernst, sie ist ernst in Europa, sie ist ernst in Frankreich“, warnte der Regierungschef. Und er glaubt nicht, dass sich die Situation bald entspannen können. Der Monat November werde hart, erklärte Castex. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionsfälle pro 100.000 Einwohner sei innerhalb einer Woche um 40 Prozent gestiegen und liege nun bei 251 Fällen.

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«Le mois de novembre sera difficile car nous savons que, malgré les mesures prises, l’impact des contaminations actuelles se fera sentir, on en est sûrs maintenant, au mois de novembre.»

Regierungschef Jean Castex

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Maßnahmen werden eventuell verschärft

Es sei noch zu früh, um die Auswirkungen der Ausgangssperre dort zu bewerten, sagte der Regierungschef weiter. Abhängig von den Ergebnissen werde man die Lage neu bewerten und möglicherweise die Maßnahmen verschärfen.

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Mit mehr als 32 000 gemeldeten Neuinfektionen binnen 24 stunden wurde am Wochenende ein Spitzenwert erreicht. Am Mittwochabend wurden rund 26 600 Neuinfektionen registriert. Besonders die Lage auf den Intensivstationen bereitet große Sorge – gerade in der Hauptstadt Paris sind immer mehr Intensivbetten mit Covid-19-Patienten beleg. Auch die Zahl der täglich gemeldeten Todesfälle steigt an. Seit dem Wochenende gilt außerdem erneut der Gesundheitsnotstand, mit dem die Regierung weitgehende Beschränkungen per Dekret durchsetzen kann.

Hier können die Corona-Zahlen in Frankreich nach Gemeinden aufgeschlüsselt eingesehen werden.

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INFO zu Corona-Zahlen:

Die neusten Covid-Zahlen der Europäische Gesundheitsagentur ECDC
Die neusten globalen Zahlen der Johns-Hopkins-Universität
Die Liste internationaler Risikogebiete des RKI

Frankreich Corona: Weitere Regionen werden zu roten Zonen

Die Entwicklung in Sachen Corona läuft in Frankreich sehr schlecht. Die Zahl der neuen Infektionen steigt. Aus diesem Grund werden weitere Départements in „Alarmbereitschaft“ versetzt.

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So viele Départements sind im Moment in „Corona-Alarmbereitschaft“ – die Zahl wird sich in diesen Tagen weiter erhöhen.

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Regierungssprecher Gabriel Attal erklärte während seiner Pressekonferenz im Anschluss an die Tagung des Ministerrates, dass die Regierung diese Änderungen am Donnerstag, 22. Oktober, während der Pressekonferenz unter der Leitung von Premier Jean Castex bekannt geben werde.

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Regierungssprecher Gabriel Attal sagte:

„Ich kann Ihnen von der Pressekonferenz morgen erzählen. Es wird verkündet werden, dass eine bestimmten Anzahl von Départements in Alarmberitschaft hochgestuft werden. Das heißt, dass es dort zu Ausgangssperren kommen wird.“

Regierungssprecher Gabriel Attal

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Frankreich will zudem wegen der sich verschärfenden Coronavirus-Pandemie den Gesundheits-Notstand bis zum 16. Februar des kommenden Jahres verlängern. Dem Ministerrat wurde am Mittwoch bereits ein Gesetzesentwurf vorgelegt. Danach beabsichtigt die Regierung auch, Maßnahmen ergreifen zu können, um die Bewegung, Versammlungen oder die Eröffnung von Einrichtungen mindestens bis zum 1. April 2021 in ganz Frankreich oder auch einzelnen Regionen je nach epidemischer Situation einzuschränken.

Und hier erzählt ein Arzt, der ganz vorne an der Corona-Front steht:

Frankreichs Premier: „Sind mitten in der zweiten Corona-Welle“

Frankreich erwartet nichts Gutes. Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, am Mittwoch eine Ansprache an sein Volk zu halten. Erwartet wird, dass er wegen der ständig steigenden Corona-Zahlen neue Einschränkungen verkünden wird.

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„Nichts darf ausgeschlossen werden“

Premierminister Castex hatte bereits angekündigt, die Verschärfung der Maßnahmen zu prüfen. „Nichts darf ausgeschlossen werden, wenn man sich die Lage in unseren Krankenhäusern anschaut“, sagte Premierminister Jean Castex am Montag im Radiosender Franceinfo. Er unterstrich auch noch einmal, dass sich Frankreich mitten in der zweiten „starken Welle“ befinde und wischte mögliche Lockerungen rundum vom Tisch. Allerdings, so der Premier, werde die Regierung versuchen, eine zweite landesweite Ausgangssperre wegen der Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft „mit allen Mitteln zu verhindern“.

Besorgt sind die Franzosen vor dem Beginn der Herbstferien Mitte Oktober vor allem, dass es zu Reisebeschränkungen im Land kommen könnte.

Corona-Warnstufe ausgeweitet

Inzwischen sind zwei weitere Städte in die höchste Corona-Warnstufe gehoben worden: Toulouse und Montpellier im Süden des Landes in Kraft. Damit gelten neun Ballungsräume und ein Überseegebiet als Hotspots: Neben Paris und dem Großraum Marseille sind dies bereits Lyon, Grenoble, Saint-Etienne und Lille sowie die Inselgruppe Guadeloupe in der Karibik. Mit der höchsten Warnstufe gehen strikte Schutzmaßnahmen einher: Unter anderem müssen Bars, Cafés und Sporthallen schließen, Restaurants dürfen nur unter Auflagen offen bleiben. Deutschland warnt derzeit vor Reisen nach Frankreich mit Ausnahme der Grenzregion Grand Est.

Scheinbar ungebremster Anstieg

Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen steigt in Frankreich weiter ungebremst. Am Sonntag lag sie nach Angaben der Behörden bei mehr als 16.000 binnen 24 Stunden, am Samstag hatte sie mit fast 27.000 einen neuen Höchststand erreicht. Die Zahl der Coronavirus-Patienten auf den Intensivstationen wuchs auf 1483 und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai.

Kleine Gesundheitsinfo:

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INFOS der französischen Regierung (französisch):

Link zu den aktuellen Zahlen

Link zu den Corona-Maßnahmen

Link: Was man über Corona wissen muss

Link zu einer Karte mit den Corona-Zonen

Reisen und Corona-Warnungen

Hier die Informationen des Rober-Koch-Institutes zu Ländern, die von Reisewarnungen betroffen sind.

Hier die Informationen des deutschen Gesundheitsministeriums zu Einreisen aus Risikogebieten

Hier die Informationen des Auswärtigen Amtes zu Corona-Warnungen