Ungewöhnliche Corona-Karriere einer Tauchermaske

Auf der Suche nach Beatmungsgeräten hatte ein Arzt aus Italien eine ungewöhnliche Idee. Fündig wird er in der Freizeitabteilung des Sportartikelherstellers Decathlon.

.

20.04.03-Decathlon

.

Am Anfang steht ein genialer Gedanke

Am Anfang mancher Erfolgsgeschichten steht ein genial einfacher Gedanke. Eine einfache Tauchermaske als Virenschutz? Wieso nicht! Diesen Einfall hatte Renato Favero als er die Maske Easybreath in den Händen hielt. Der Arzt im Krankenhaus in der kleinen norditalienischen Gemeinde Gardone Val Trompia war angesichts der Corona-Pandemie verzweifelt auf der Suche nach Beatmungsgeräten – und wurde in der Freizeitabteilung des Sportartikelherstellers Decathlon fündig. Der Vorteil von Easybreath: die Maske bedeckt mit einem großen Plexiglasfenster das gesamte Gesicht. Das zentrale Problem: Wie kann die Maske an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden? Doch der Arzt machte die Firma Isinnova in Brescia ausfindig, deren Ingenieure ihm mit einem 3-D-Drucker eine Art Adapter herstellten, mit dem der Beatmungsschlauch sicher an den Schnorchel der Maske angeschlossen werden kann.

.

.

Vom Erfolg etwas überrumpelt

Cristian Fracassi, Direktor von Isinnova, lud ein Video auf Youtube hoch, in dem er die Funktionsweise des Ventils erklärte. Gleichzeitig stellte er im Internet das Patent mit allen nötigen Daten gratis zur Verfügung. Nach seinen Worten ist es inzwischen über zwei Millionen Mal abgerufen worden. Auch Decathlon reagierte schnell. Die Sportartikelfirma habe Tausende Masken an Isinnova gespendet, um sie dort umzurüsten, erklärt Unternehmenssprecher Xavier Rivoire. Inzwischen hätten sich in allen 69 Ländern, in denen Decathlon mit Filialen präsent ist, medizinische Einrichtungen an die Firma gewendet, um sich nach den Einsatzmöglichkeiten der Maske zu erkundigen.

.

.

Doch beide Firmen wissen, dass sie sich mit ihrem Tun auf fremdes und sehr heikles Terrain begeben. Sowohl Decathlon als auch Isinnova weisen darauf hin, dass die Maske keine medizinische Zertifizierung hat, die Hersteller also auch keine entsprechende Verantwortung übernehmen können. Patienten müssen aus diesem Grund vorher unterschreiben, dass sie sich dieser Situation bewusst sind. Auch wird darauf hingewiesen, dass die Maske nur im absoluten Notfall verwendet werden darf – der allerdings ist in manchen Ländern inzwischen zum Normalfall geworden.

Auch als Schutzkleidung einsetzbar

Doch damit ist die unerwartete Karriere der Tauchermaske noch nicht zu Ende. Wieder stand ein findiger Arzt am Anfang einer anderen Entwicklung. Der französische Zahnarzt Paul Amas fiel in den vergangenen Wochen vor allem dadurch auf, dass er lustig-sarkastische Videos veröffentlichte, in denen er die schlechten Arbeitsbedingungen der Mediziner im Land anprangerte. „Die Zahnärzte sind wegen der umherfliegenden Spucke ihrer Patienten die wohl am meisten exponierten Ärzte“, erklärt der Mann aus Marseille. Als Amas in einem Filmchen einmal in einer neonfarbenen Badehose und der Tauchermaske Easybreath posierte, kam ihm die Idee, dass dieser Spaß auch ernst genommen werden könnte.

.

 

.

Paul Amas setzte sich mit Decathlon in Kontakt, die dem Arzt sofort über 1000 Masken zur Verfügung stellte, die er an die Krankenhäuser in Marseille verteilte. Nun wird noch daran gearbeitet, einen einfachen Wegwerffilter zu konstruieren, der an der Schnorchelöffnung der Maske angebracht werden kann. Auch hier will niemand die Verantwortung für den Einsatz des Gerätes übernehmen. Doch Paul Amas hat eine sehr pragmatische Einstellung. Sein Motto: in Zeiten des Krieges gelte es, schnell Leben zu retten und nicht Zeit mit unnötigen Fragen zu vertrödeln.

Streit um ein Stück atmungsaktiven Stoff

Die Sportartikelkette Decathlon nimmt in Frankreich einen muslimischen Hidschab vom Markt. Die Kritik und der Hass, die dem Unternehmen entgegen schlug war einfach zu groß.

.

19.02.26-Decathlon

.

Fehlstart für Decathlon

Die Sportartikel-Kette verzichtet in Frankreich auf den Verkauf eines Jogging-Kopftuches für Frauen. Grund für die Entscheidung sind allerdings nicht schlechte Verkaufsaussichten. Die Kritik und auch der Hass, die dem französischen Unternehmen entgegenschlug war zu groß. Eine vorher noch nie dagewesene „Welle von Beleidigungen und Drohungen“ sei über das Unternehmen niedergegangen, schreibt Decathlon auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Der atmungsaktive muslimische Hidschab, der Haare und Hals der Sportlerinnen bedeckt, wurde bisher nur in Marokko verkauft, sollte nun aber auch in Frankreich auf den Markt kommen. „Wir stehen zu unserer Entscheidung, den Sport Frauen in aller Welt zugänglich zu machen,“ erklärte Xavier Rivoire, Kommunikationsdirektor des Unternehmens, in einem Radio-Interview nach der Entscheidung, den Hidschab aus dem Programm zu nehmen. Es handele sich „fast schon um ein gesellschaftliches Engagement“, da es auch Musliminnen das Joggen ermögliche.

.

.

Scharfe Kritik aus der Politik

Das sehen allerdings vor allem französische Politikerinnen ganz anders. Aurore Bergé glaubt sogar die Werte der französischen Republik in Gefahr. „Der Sport emanzipiert. Er unterwirft nicht. Meine Wahl als Frau und als Bürgerin wird es sein, einer Marke, die mit unseren Werten bricht, nicht mehr zu vertrauen“, schreibt die Sprecherin der Regierungspartei La République en Marche auf Twitter. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn erklärte, dass der Verkauf zwar legal sei, aber sie die Idee dahinter nicht teile. Manche Politiker fordern sogar ganz offen den Boykott des Unternehmens. In den sozialen Netzwerken werden die Nutzer allerdings deutlicher. Werde Decathlon in Zukunft auch Bombengürtel in sein Programm aufnehmen, fragt ein Internet-User.

Decathlon ist von Reaktionen erstaunt

Mit solch heftigen Reaktionen hatten die Verantwortlichen von Decathlon offensichtlich nicht gerechnet, zumal der US-Sportartikelhersteller Nike schon seit einer Zeit einen Hidschab im Programm hat. „Das Produkt provoziert Reaktionen“, schreibt Decathlon auf Twitter. „Man kann verstehen, dass nicht die ganze Welt einer Meinung ist“, heißt es, es dürfe aber nicht sein, dass „unsere Angestellten in unseren Geschäften beleidigt und bisweilen sogar körperlich bedroht werden“.
.

.

Die Leiterin von Decathlons Jogging-Sparte Kalenji, Angélique Thibault, hatte den Sport-Hidschab noch mit emotionalen Worten verteidigt. Sie werde von dem Wunsch angetrieben, „dass jede Frau in jedem Viertel laufen kann, in jeder Stadt, in jedem Land, unabhängig von ihrem sportlichen Können, ihrer Fitness, ihrem Körperbau, ihrem Einkommen. Und unabhängig von ihrer Kultur.“ Genützt hat es wenig – der Hidschab wird in Frankreich nicht verkauft werden.