Marine Le Pens einsamer Kampf gegen den Präsidenten

Frankreich schart sich angesichts der Krise hinter Emmanuel Macron, nur die rechtsnationale Populistin weiß alles besser

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Marine Le Pen ist im Moment auf allen Kanälen zu finden

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Gemeinsam im Kampf gegen das Virus

In Frankreich macht der Begriff der „unité nationale” (nationale Einheit) die Runde. Präsident Emmanuel Macron wiederholt immer wieder, das Land befinde sich im „Krieg“ gegen das Coronavirus. Kritik von der politischen Konkurrenz ist angesichts dieser dramatischen Rhetorik selten, die rigide kontrollierte Ausgangssperre wird überraschend klaglos mitgetragen. Nur Marine Le Pen schert aus dieser Front aus und tut das, was sie am besten kann. Die Chefin des rechtsextremen Rassemblement National poltert mit wütendem Gestus durch die politische Landschaft. Im Fernsehen, Radio oder via Twitter bezichtigt sie die Regierung jeden Tag der Lüge oder wirft dem Präsidenten totales Missmanagement in der Krise vor. Allerdings gelingt es ihr nicht wie in der Zeit vor der Krise, mit ihren Tiraden auch Themen zu setzen.

Marine Le Pen stilisiert sich als eine Art Whistleblowerin, die schon früh vor der Krise gewarnt habe – aber keiner von den Verantwortlichen in Paris habe auf sie gehört. Der Rassemblement National sei schon immer für die Schließung der Grenzen eingetreten oder habe die Abhängigkeit vom Ausland bei der Produktion etwa von Medikamenten angeprangert. Wer ihr widerspricht oder klaffende Lücken in ihrer Argumentation aufzeigt, dem wirft sie vor, „Fake News“ zu verbreiten.

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Das Ziel ist Emmanuel Macron

All diese Angriffe dienen offensichtlich einem einzigen Ziel: sie sollen Emmanuel Macron nachhaltig schaden. Denn es gilt als sicher, dass Le Pen gegen den Amtsinhaber bei den Wahlen in zwei Jahren um den Präsidentensessel konkurrieren wird.

Allerdings muss die Politikerin erkennen, dass ich Katastrophenrhetorik nicht verfängt und die Beliebtheitswerte des ihr verhassten Staatschefs jeden Tag steigen. In der Krise scheinen die Franzosen ein ungeahntes Vertrauen in ihren forsch vorgehenden Präsidenten zu entwickeln. Im Gegenzug steht Marine Le Pen mit ihren Wortmeldungen oft als Besserwisserin da, die selbst keine effektiveren Maßnahmen zur Lösung dieser fundamentalen Krise bieten kann.

Le Pen und die große Verschwörung

Angesichts dieser Situation versteigt sich Marine Le Pen inzwischen in das Verbreiten von Verschwörungstheorien. „Es ist eine Frage des gesunden Menschenverstandes, dass sich die Franzosen die Frage stellen“, raunte sie dieser Tage in einem Interview mit dem Sender „France Info“ ins Mikrophon, „ob das Virus natürlichen Ursprungs ist oder aus einem Labor entkommen konnte.“ Mit solchen Aussagen bedient sie ihr Publikum, denn Studien zufolge sind vor allem die Wähler des Rassemblement National für Verschwörungstheorien empfänglich.

Inzwischen befürchten aber sogar Vertreter aus dem Rassemblement National, dass das aggressive Auftreten von Marine Le Pen der Partei mehr schadet als nutzt. Am Ende, so heißt es warnend, vertraue das Volk dem Zauberer mehr als dem Zauberlehrling.

Die Statistik gibt dem Coronavirus ein Gesicht

In der Krise bestimmen viele Statistiken das Leben der Menschen. Das reicht von der Zahl der Infizierten, bis zum Stromverbrauch.

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Null Menschen besuchen im Moment die Bistros in Frankreich – die haben wegen der Ausgangssperre geschlossen. Doch es gibt noch andere Zahlen zum Thema.

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Innerhalb von 24 Stunden über 100 Tote

Das Coronavirus ist kein unsichtbarer Feind. Sein Gesicht sind die Zahlen, die seit Wochen veröffentlicht werden und deutlich machten, dass aus einer lokalen Krise eine Pandemie geworden ist. Doch auch Zahlen sind eine eher abstrakte Angelegenheit. Was heißt es, wenn die Infektionen exponentiell zunehmen? Zu begreifen ist das, wenn etwa in Frankreich am Dienstag noch knapp 5000 Fälle gemeldet werden und zwei Tage danach bereits über 10.000, von denen fast 5000 im Krankenhaus liegen und davon über 1000 auf der Intensivstation. Oder wenn in Frankreich am Freitagmorgen innerhalb von 24 Stunden über 100 Todesfälle verzeichnet sind. Im ganzen Land sind inzwischen fast 400 Opfer zu beklagen.

Auch um das Maß der Bedrohung für sich selbst zu kalkulieren, wird auf die Zahlen der Statistik zurückgegriffen. In Frankreich sind nur zwei Prozent der Corona-Infizierten jünger als 15 Jahre, aber 34 Prozent sind älter als 65 Jahre. Noch deutlicher wird das Bild, wenn die Zahl der Intensivpatienten herangezogen wird. Von diesen sind im Moment 92 Prozent über 65 Jahre alt.

Der Stromverbrauch in Frankreich sinkt

Doch die Pandemie liefert auch noch andere Zahlen. So ist in Frankreich der Stromverbrauch um 15 Prozent gesunken. Das sei eine „völlig neue Situation“, heißt es vom Netzbetreibers RTE und ist wohl durch die sinkenden wirtschaftlichen Aktivitäten im Zuge der Pandemie zu erklären.

Natürlich nimmt deswegen natürlich auch der Verkehr ab. Jeden Tag fahren viele Zehntausend weniger Autos nach Paris – und dennoch wird in der Millionenstadt die Feinstaubbelastung nicht weniger. 63 Mikrogramm pro Kubikmeter sind am Donnerstag gemessen worden, fast doppelt so viel wie zu Anfang der Woche. Das sei typisch im Frühling, heißt es zur Erklärung, und wäre unter normalen Umständen wesentlich höher. Zudem wehe bei dem schönen Wetter kein Wind, der Feinstaub wird also nicht verwirbelt.

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Die Strafen werden in Frankreich erhöht

An Zahlen richtet sich inzwischen auch die Aktivitäten im Freien aus. Wer in Frankreich ohne Grund die Ausgangssperre missachtet, muss 135 Euro bezahlen. Um den Grad der Abschreckung zu erhöhen, soll die Strafe noch auf 375 Euro erhöht werden. Erlaubt ist, Sport zu treiben – allerdings nur alleine, zwei sind schon eine Gruppe. Und man darf sich nicht zu weit vom Haus dabei entfernen: zwei Kilometer sind das Maximum. Und wer joggen geht, darf das höchstens für 30 Minuten, also keine Zeit für einen Marathon.

Die Zahlen zeigen auch, dass Präsident Emmanuel Macron in der Krise an Zustimmung gewinnt. Seit Monaten steckt er im Umfragetief und hatte zuletzt das Vertrauen von nur noch knapp 20 Prozent der Franzosen. Doch sein Auftreten in der Corona-Krise wird von 65 Prozent seiner Landsleute honoriert. 85 Prozent der Befragten des Umfrageinstitutes Odoxa sagen sogar, er hätte viel früher so hart durchgreifen sollen.

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Auch in Frankreich sind Prepper unterwegs

Und natürlich werden auch in Frankreich angesichts der Ausgangssperre Nahrungsmittel gehortet. 20 Prozent der Befragten geben an, sich mit den Dingen des täglichen Bedarfs eingedeckt zu haben. Sieben Prozent der Franzosen haben sich wegen der Krise in eine andere Region des Landes begeben – meistens von der Stadt aufs Land, wo es sich besser leben lässt. Faktisch hat in diesen Tagen in Frankreich eine Völkerwanderung von vier Millionen Menschen stattgefunden. Das allerdings war eher kontraproduktiv und hat die Ausbreitung des Virus wohl eher begünstigt. Ob dieser Furcht begründet ist, wird sich in den kommenden Tagen in der Statistik zeigen.

Emmanuel Macron – ein Gewinner der Corona-Krise

Mit seinem harten Durchgreifen in der Corona-Krise trifft der französische Präsident den Nerv des eigenen Volkes. Seine Zustimmungswerte steigen deutlich.

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Die Franzosen vertrauen ihrem Präsidenten

Die Corona-Krise kennt auch Gewinner. Zu ihnen zählt im Moment Emmanuel Macron. 76 Prozent der Franzosen vertrauen ihrem Präsidenten im Kampf gegen die Pandemie. Das ergibt eine Umfrage von Harris Interactive im Auftrag des Senders RTL. Das ist ein Ergebnis, von dem der von zahlreichen Krisen geschüttelte Staatschef bisher nur träumen konnte.

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35 Millionen Franzosen verfolgten seine Rede an die Nation am Montagabend – das ist absoluter Zuschauerrekord. Dabei verkündete Macron neue, strenge Maßnahmen, um das Ausbreiten der Krankheit im Land weiter einzudämmen. Zudem erklärte er, angesichts der Krise seine umstrittene Rentenreform auszusetzen. In Frankreich sind seit Sonntag alle Restaurants und sehr viele Geschäfte geschlossen. Nun wurde vom Präsidenten eine Ausgangssperre verhängt, die von rund 100.000 Polizisten überwacht wird. Wer dagegen verstößt muss 135 Euro Strafe bezahlen. Schon in den ersten Stunden nach Inkrafttreten wurden mehrere Hundert Anzeigen verteilt.

Frankreich von Corona stark betroffen

Dem Präsidenten erschienen diese Maßnahmen notwendig, da Frankreich zu den am stärksten vom Coronavirus betroffen Regionen in Europa zählt. Das Land hat mit rund 7700 registrierten Fällen zwar weniger Infizierte als Deutschland (9400), doch sind bis zu diesem Zeitpunkt 148 Tote zu beklagen (Deutschland: bisher 24 Tote).

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Deutlich wird in der Umfrage, dass das Volk hinter den Maßnahmen ihres Präsidenten steht. Rund Dreiviertel der Befragten findet sie überzeugend oder sogar sehr überzeugen. Auch die Regierung kann von dem Umfragehoch Macrons profitieren. 63 Prozent der Franzosen äußern ihr Vertrauen, dass die Politiker ihre Arbeit in der Krise gut machen. Auch das ist angesichts der monatelangen, bisweilen brutal geführten Streiks gegen die Rentenreform ein überraschender Wert. Hier hängt die Zustimmung allerdings sehr von der Parteizugehörigkeit ab. 97 Prozent der Mitglieder der Präsidentenpartei La République en Marche stehen hinter der Regierung und dem Staatschef. Aber auch knapp die Hälfte des rechtsextremen Rassemblement National bewerten die ergriffenen Schritte als überzeugend. Das ist ein kleiner Rückschlag für dessen Chefin Marine Le Pen, denn sie gilt für Macron als größte Konkurrentin im Rennen um die Gunst des Volkes.

Laut der Befragung machen sich knapp über 70 Prozent der Franzosen Sorgen um ihre Gesundheit die ihrer Familie. Gleichzeitig empfinden sie die Ausgangssperre nicht als Schock oder allzu große Einschränkung des alltäglichen Lebens. Rund 60 Prozent der Befragten sagen, es sei leicht oder sehr leicht, die Ausgangssperre einzuhalten.

In Frankreich erstirbt das öffentliche Leben

Der Präsident verkündet wegen des Coronavirus eine Ausgangssperre für das ganze Land – Unternehmen sollen mit Milliardenprogrammen unterstützt werden

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Die Bistros in Paris haben geschlossen – das ist eine Maßnahme der Ausgangssperre, die über das Land verhängt worden ist.

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Die Menschen verlassen Paris

Ungewohnte Hektik auf den Bahnhöfen in Paris. Wenige Stunden vor dem Einsetzen der Ausgangssperre um die Mittagszeit wollen viele Menschen am Dienstagmorgen die Millionenmetropole noch schnell verlassen. „Wir fahren zu unseren Eltern auf Land, das ist schöner, als hier die enge Stadtwohnung“, erklärte eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern im Schlepptau auf dem Weg zum Gare du Nord. Auch auf dem Gare de l’Est, von wo die Züge in Richtung Deutschland starten, ist ungewöhnlich viel Treiben. „Ich habe meine Tochter besucht, die hier lebt und vor einigen Tagen ein Kind bekommen hat“, sagt eine Frau aus der Nähe von Frankfurt. „Mein Zug wäre Ende der Woche gegangen, aber unter diesen Umständen habe ich schnell umgebucht.“

Die TGV-Verbindungen werden reduziert

Angesichts dieser Reisewelle werden nun Sorgen laut, dass sich das Virus durch die aus der Stadt kommenden Menschen schneller im ganzen Land ausbreiten könnte. Aus diesem Grund begann die staatliche Bahn SNCF am Dienstag damit, die Langstreckenverbindungen mit TGV-Hochgeschwindigkeitszügen drastisch einzuschränken. Gesundheitsminister Olivier Veran wies darauf hin, dass die Einschränkungen für das öffentliche Leben an der Küste genauso gelten wie in Paris. Am Dienstag erklärte der Minister, dass die Sperre mindestens zwei Wochen dauern werde.

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Nach Italien und Spanien ist Frankreich das dritte Land in der EU, das wegen des Coronavirus eine Ausgangssperre verhängt. Präsident Emmanuel Macron hatte die Maßnahme am Montagabend in einer Fernsehansprache angekündigt. Für die Überwachung der Ausgangssperre sind über 100.000 Sicherheitskräfte mobilisiert worden. Innenminister Christophe Castaner appellierte am Dienstag noch einmal eindringlich an alle Franzosen: „Bleiben Sie zu Hause!“ Wer sich nicht an die Vorgaben hält, auf den warten empfindliche Strafen. Für Verstöße sollten die Bußgelder bald auf 135 Euro erhöht werden, derzeit drohen noch 38 Euro.

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Lourdes schließt zum ersten Mal die Pforten

Angesichts der Corona-Pandemie schließt sogar die berühmte katholische Wallfahrtsstätte von Lourdes im Südwesten Frankreichs erstmals in ihrer Geschichte ihre Pforten. Das Heiligtum werde umgehend geschlossen, erklärte am Dienstag Rektor Olivier Ribadeau Duma im Kurznachrichtendienst Twitter. Die 30 Priester des Wallfahrtsorts würden neun Tage lang „besondere Gebete für die Welt aus der Grotte der Erscheinungen“ sprechen. Diese sollten live in katholischen Sendern übertragen werden, teilte die Leitung des Heiligtums mit.

Die Menschen werden nicht eingesperrt

Die Ausgangssperre im Land bedeutet allerdings nicht, dass sich die Menschen in ihren Wohnungen einsperren müssen. Erlaubt sind kurze Gänge zum Supermarkt, um einzukaufen. „Man kann auch weiter Individualsport machen oder mit seinem Hund spazieren gehen“, unterstrich Innenminister Castaner. Alles müsse allerdings sparsam, im Abstand zu den Mitmenschen, in der Nähe der Wohnung und mit großem Augenmaß geschehen. „Man kann an die frische Luft, aber Fußball spielen geht nicht,“ erklärte er.  Jeder muss dann ein entsprechendes Formular mit sich führen und ankreuzen, warum er draußen ist. Per SMS wurden die Menschen von der Regierung in der Nacht noch einmal über die neue Situation informiert.

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In Frankreich waren bereits seit Sonntag alle Restaurants und Bars geschlossen. Auch Schulen, Kindergärten und andere Bildungseinrichtungen, Museen und Bibliotheken bleiben derzeit zu. Dennoch hatten sich an dem sonnigen Wochenende unzählige Menschen im Freien getroffen. Der beliebte Parc des Buttes-Chaumont im 19. Arrondissement von Paris war übervoll mit Menschen, die auf dem Rasen ihre Picknick-Decken ausgebreitet hatten. Auf den Champs-Élysée bummelten die Menschen an den geschlossenen Läden vorbei, wer allerdings auf den Triumphbogen steigen wollte, der wurde vom Sicherheitspersonal abgewiesen.

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Eine dramatische Ansprache des Präsidenten

Bilder wie diese veranlassten Präsident Macron wahrscheinlich dazu, die Ausgangssperre für das gesamte Land auszurufen. In einer fast schon dramatischen Ansprache rief er die Bürger auf, sich verantwortungsvoll zu verhalten. „Selbst wenn Sie keine Symptome haben, können Sie infiziert sein und andere anstecken.“ Immer wieder wiederholte er den Satz: „Wir sind im Krieg!“ Niemand könne genau vorhersagen, wie lange es dauern werde, so der Präsident.

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Gleichzeitig verschob Macron die für kommenden Sonntag angesetzte Endrunde der Kommunalwahlen. Auch alle laufenden Reformen seien auf Eis gelegt, darunter die umstrittene Rentenreform. Gegen die Rentenpläne der französischen Regierung hatte es seit Dezember massive Streiks und Proteste gegeben.

Die Wirtschaft wird unterstützt mit Milliardensummen

Der Kampf gegen das Coronavirus sei „auch ein wirtschaftlicher und finanzieller Krieg“, sagte Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am Dienstag dem Radiosender RTL. Dieser Kampf werde „von Dauer sein, er wird heftig sein, und für diesen Krieg müssen wir alle unsere Kräfte mobilisieren“, forderte er. Kein Unternehmen solle sich sorgen, aufgrund der Maßnahmen Bankrott zu gehen, versprach Macron. Miete oder Gas- und Stromkosten sollen für mittlere und kleinere Unternehmen ausgesetzt werden, wenn sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Macron forderte auch alle Unternehmen auf, die Arbeit von zu Hause aus zu erleichtern. Taxis und Hotels sollen für die Pflege eingesetzt werden. Der Staat werde dafür aufkommen, so der 42-jährige Staatschef.

Die Regierung hat zu diesem Zweck ein milliardenschweres Hilfspaket für die Wirtschaft angekündigt. Unternehmen und Arbeitnehmer sollten mit insgesamt 45 Milliarden Euro unterstützt werden, sagte Bruno Le Maire. „Ich werde nicht zögern, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um große französische Unternehmen zu schützen.“ Dabei seien auch Verstaatlichungen denkbar. Der Wirtschaftsminister geht nach eigenen Angaben von einer durch die Pandemie ausgelösten Rezession in Frankreich aus.

Macron: „Wir sind im Krieg!“

„Wir sind im Krieg!“ Emmanuel Macron lässt keine Zweifel, wie ernst die Lage ist im Kampf gegen den Coronavirus. Immer wieder wiederholt der französische Präsident in einer Ansprache an die Nationen diesen kurzen Satz: „Wir sind im Krieg!“

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Drastische Maßnahmen gegen das Coronavirus

Die Maßnahmen, die der Präsident ankündigt, sind drastisch. Im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus schränkt Frankreich die Bewegungsfreiheit seiner Bürger stark ein. Die Menschen dürfen ihre Häuser nur noch verlassen, um einzukaufen oder zum Arzt oder zur Arbeit zu gehen, sagte Staatschef Emmanuel Macron am Montagabend in einer TV-Ansprache. Auch Sport sei unter bestimmten Bedingungen möglich.

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Die Einschränkungen sollen von Dienstagmittag an gelten und für mindestens 15 Tage aufrechterhalten werden. „Wir sind im Krieg“, sagte Macron. „Wir kämpfen weder gegen Armeen noch gegen eine andere Nation. Aber der Feind ist da, unsichtbar – und er rückt vor.“ Frankreich befinde sich in einem „Gesundheitskrieg“.

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Macron kritisiert das Verhalten mancher Franzosen

Frankreich hatte bereits ab Sonntag alle Restaurants und Bars geschlossen. Auch Schulen, Kindergärten und andere Bildungseinrichtungen, Museen und Bibliotheken bleiben derzeit zu. Der Präsident monierte allerdings, dass sich dennoch viele Menschen im Freien trafen.

Macron rief die Bürger auf, sich verantwortungsvoll zu verhalten. „Selbst wenn Sie keine Symptome haben, können Sie infiziert sein und andere anstecken.“ Es drohten Strafen, falls gegen die neuen Regeln verstoßen werde. „Frankreich macht eine schwierige Zeit durch.“ Niemand könne genau vorhersagen, wie lange es dauern werde, so der Präsident. Gleichzeitig verschob Macron die für kommenden Sonntag angesetzte Endrunde der Kommunalwahlen. Auch alle laufenden Reformen seien auf Eis gelegt seien, darunter die umstrittene Rentenreform. Gegen die Rentenpläne der französischen Regierung hatte es seit Dezember massive Streiks und Proteste gegeben.

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Macron verspricht Hilfe für die Unternehmen

Kein Unternehmen solle sich sorgen, aufgrund der Maßnahmen Bankrott zu gehen, versprach Macron. Miete oder Gas- und Stromkosten sollen für mittlere und kleinere Unternehmen ausgesetzt werden, wenn sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Macron forderte auch alle Unternehmen auf, die Arbeit von zu Hause aus zu erleichtern. Taxis und Hotels sollen für die Pflege eingesetzt werden. Der Staat werde dafür aufkommen, so der 42-jährige Staatschef.

Das verklärte Bild der Deutschen von Macron als zupackendem Krisen-Manager

Deutschland schimpft auf Angela Merkel. Die Kanzlerin müsse in der Krise um den Coronavirus Führungsstärke beweisen, heißt es immer wieder. Und es sind jene, die häufig auf „Mutti“ schimpfen, die nun laut nach der Mama rufen.

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Ist Macron wirklich ein gutes Beispiel?

Als positives Gegenbeispiel in dieser Krise, die sich inzwischen zur Pandemie ausgeweitet hat, wird immer wieder der französische Präsident Emmanuel Macron bemüht. Der leite sein Land mit ruhiger Hand und gebe seinem Volk das Gefühl, dass die Regierung den Kampf gegen das Virus ernst nimmt. Und es scheint wieder einmal, dass die Deutschen ein noch immer verklärtes Bild von einem zupackenden und dynamischen französischen Präsidenten haben.

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Das Problem: das sieht von der anderen Seite des Rheines zwar so aus, viele Franzosen beurteilen die Lage aber anders. Sie haben den Eindruck, dass ihr Staatschef wieder einmal viel redet, aber wenig tut. Inzwischen wird der Druck der Opposition angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus immer stärker. Sie fordert von Premierminister Edouard Philippe einen besseren Schutz für Wirtschaft und Bürger. Macron

Der Druck der Opposition auf Macron steigt

Die bürgerliche Partei Les Républicains (Die Republikaner) von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy verlangte einen „echten Antikrisen-Schild“. Sie brachte Steuererleichterungen und Hilfen wegen der Kurzarbeit ins Gespräch. Derzeit sind in Frankreich 3600 Unternehmen und rund 60.000 Angestellte wegen des Coronavirus von Kurzarbeit betroffen, vor allem in der Tourismus- und Reisebranche.

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Die Linkspartei La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich) forderte, Kurzarbeitern ihr volles Gehalt zu zahlen. Die Kommunisten verlangten eine stärkere staatliche Unterstützung für die Krankenhäuser. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen beklagte, der Premier habe keine Antwort zur Verfügbarkeit von Atemschutzmasken und Virentests gegeben.
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Ein Szenario wie in Italien?

Der Generaldirektor im Gesundheitsministerium, Jérôme Salomon, hatte am Mittwochabend gesagt, Frankreich müsse sich auf „ein Szenario wie in Italien“ vorbereiten. Die Regierung hatte zuvor Versammlungen mit mehr als tausend Teilnehmern untersagt, Schulen und Krippen in den besonders betroffenen Gebieten sind geschlossen. Nach Angaben des Ministeriums gab es in Frankreich zuletzt 48 Todesfälle und 2281 Infektionen.

Fragwürdiges Polit-Happening um ein Sex-Video in Frankreich

Mit einem Sex-Video löst der russische Aktionskünstler Pawlenski ein politisches Erdbeben aus –  doch mit seinem Verhalten verwirrt er die Franzosen. Auch weil er das Selbstverständnis der Gesellschaft in Frage stellt. 

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Ein cooler Typ oder einfach ein Egomane?

Lachen gehört nicht zu den Stärken von Pjotr Pawlenski. Mit versteinerter Miene blickt der hagere Mann auf allen Fotos meist direkt in die Kamera. Ganz Frankreich stellt sich im Moment die Frage, ob diese teilnahmslose Coolness nur gespielt ist, oder ob sich im Innern dieses Menschen wirklich jene egomanischen Abgründe auftun, die manche vermuten.

Tatsache ist: der Aktionskünstler hat französische Politik-Geschichte geschrieben. Mit der Veröffentlichung eines Videos hat er den Pariser Bürgermeisterkandidaten Benjamin Griveaux spektakulär aus dem Rennen gekegelt. Auf den Aufnahmen ist ein masturbierender Mann – offensichtlich Griveaux – zu sehen und einige Textnachrichten eindeutigen Inhaltes. Der Russe, der sich als „politischer Künstler“ bezeichnet, wollte Griveaux nach eigenen Angaben „Scheinheiligkeit“ nachweisen, da dieser sich im Wahlkampf immer wieder als makelloser Familienvater präsentiert hat. Pawlenski und seine 29-jährige Partnerin Alexandra de Taddeo wurden festgenommen, sind inzwischen aber wieder auf freiem Fuß. Ermittelt wird gegen beide wegen Verletzung der Intimsphäre und Verbreitung von Sex-Bildern ohne Zustimmung.

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Pawlenski genießt das bizarre Schauspiel

Irritierend ist, dass Pjotr Pawlenski das bizarre Schauspiel im Blitzlichtgewitter zu genießen scheint. Seine kurzen Erklärungen in Französisch mit sehr schwerem russischen Akzent sind der Hit in den Nachrichtensendungen. Dieser undurchschaubare Mann erweckt den Eindruck, dass ganz Frankreich gerade Teil eines wohlkalkulierten Politik-Happenings ist und Pawlenski persönlich darin Regie führt. Auch die Justiz scheint verunsichert, in welchen Kategorien sie diesen Menschen beurteilen soll – vielleicht spielen auch die Richter nur eine ihnen zugewiesene Rolle in einer bizarren Inszenierung. Ins Gedächtnis drängt sich die Szene, als Pawlenski sich seine Hoden in Moskau auf den Roten Platz nagelte und die herbeigeeilten Polizisten vor laufender Kamera zu hilflosen Statisten in einem skurrilen Schauspiel degradierte.

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Offensichtlich ist, dass diesem Mann nur schwer mit den normalen Mitteln des Rechtssystems beizukommen ist. Dass Pawlenski den als reichlich arrogant verschrienen Benjamin Griveaux wegen seines außerehelichen Fehltritts bloßstellen wollte, passt noch ins Denkschema vieler Zeitgenossen. Rache und Gerechtigkeit sind für einen normalen Menschen nachvollziehbare Kategorien. Auch Spekulationen, dass es sich bei der ganzen Sache um ein böses Komplott des Kremls handelt, um das politische System in Frankreich zu destabilisieren, werden immer wieder kolportiert.

Pawlesnki passt nicht ins System

Doch dann werden mögliche Erklärungsversuche sehr komplex. Angesichts der drohenden Gefängnisstrafe stellt sich am Ende sogar die Frage, ob eine Strafe für einen Menschen wirklich eine Strafe ist, wenn er diese Strafe gar nicht als Strafe im herkömmlichen Sinne erkennt?

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In der Bewertung dieses Spektakels schwingt bei den Franzosen auch ein Stück Enttäuschung mit. Damals, als der Künstler sich mit seinen spektakulären Aktionen im fernen Moskau gegen die russischen Autoritäten auflehnte, wurde er im Westen als Freiheitskämpfer gefeiert. Und nun? Wieso verspottet Pawlenski das Land, das ihm so großzügig politisches Asyl gewährt hat, fragen französische Kommentatoren. Wo bleibt die Dankbarkeit? Frankreich ist doch keine menschenverachtende Autokratie wie Russland.

Franzosen glauben an die Republik

Pawlenski sieht das anders und verwirrt damit seine Umwelt. Denn tief in ihrem Innern glauben die Franzosen an die freiheitlichen Werte der Demokratie und der Republik. Doch dieser asketische Mann sät genau dort die Zweifel, dass auch im hochgelobten Westen die Freiheit des Einzelnen womöglich nur eine vermutete Freiheit sein könnte.

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Gleichzeitig stößt Pawlenski – wahrscheinlich von ihm eher ungewollt – auch weitere Türen auf, die Einblicke in schaurige Welten bieten. Ist es erstrebenswert, wenn jeder ohne Rücksicht auf die Mitmenschen seine persönliche Freiheit egoistisch auslebt und konsequent nur nach seinen eigenen Regeln agiert?

Oder darf ein Kollektiv im Namen der Gerechtigkeit das Leben anderer Menschen zerstören? Ähnlich wie zu Zeiten der französischen Revolution, als die Köpfe der Herrschenden zu Tausenden für eine vermeintlich gute Sache rollten? Piotr Pawlenskis Aktionen werfen fundamentale Fragen auf, Politik, Justiz und auch die Gesellschaft müssen darauf Antworten suchen. Auf eine Idee kommt allerdings – zurecht – niemand, dass die Veröffentlichung des Sex-Videos Kunst gewesen sein könnte.