Prag kämpft gegen „Fake News“

Alle reden von „Fake News“ – auch in Tschechien. Dort ist seit dem 1. Januar sogar ein neues Abwehrzentrum in Betrieb genommen worden. Schließlich sind im Herbst Wahlen. Doch das Projekt sorgt für allerhand Streit. Sogar der Präsident hat sich nun eingemischt.

Hier geht es zur Homepage des Abwehrzentrums

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Der Präsident ist erbost

Präsident Milos Zeman gilt als Freund Russlands. Ob das seine Haltung zu dem Abwehrzentrum gegen „Fake News“ beeinflusst, ist unbekannt. Tatsache aber ist, der Staatschef hat das Projekt schon im Vorfeld immer wieder mit scharfen Worten gegeißelt.

Nun hat er sich wieder zu Wort gemeldet. In den Zeitung „Pravo“ sagt er, niemand habe ein Monopol auf die Wahrheit. Den Mitarbeitern der neuen Einheit warf er vor, nicht ausreichend qualifiziert und ideologisch voreingenommen zu sein. Das zeige sich an ihrer angeblich „negativen Haltung zum designierten US-Präsidenten Donald Trump“.

In seiner Weihnachtsansprache warnte Zeman:

„Wir brauchen keine Zensur, wir brauchen keine Meinungspolizei. Wir brauchen kein neues Amt für Presse und Information, wenn wir weiter in einer freien und demokratischen Gesellschaft leben wollen.“

Gegen den Verdacht der Zensur

Doch das Innenministerium verwahrte sich sofort gegen den Verdacht der Zensur. Das Abwehrzentrum werde weder Internetseiten ausschalten, noch irgendwelche Inhalte aus den Medien entfernen lassen, heißt es in einer Stellungnahme auf den Webseiten des Ministeriums. Eva Romancovová ist Koordinatorin des Abwehrzentrums. Dem Tschechischen Rundfunk sagt sie:

„Wir halten es auf keinen Fall für angemessen, das Internet zu zensieren. Wir glauben, dass der Kampf gegen Fake News nur über den Weg der Erklärung, des Erläuterns gehen kann. Das heißt, wir veröffentlichen dann mit Hinblick auf die innere Sicherheit die wahrheitsgemäßen Informationen. “

 Keine Einigung im Streit

Immer wieder hat Innenminister Milan Chovanec versucht, mit Zeman eine Lösung des Streits zu finden. Doch konnte er die Bedenken des Präsidenten auch in einem zweistündigen Vieraugengespräch nicht ausräumen. „Der Staat sollte seinen Standpunkt zu Informationen darlegen, die für die Sicherheit entscheidend sind“, argumentierte der Sozialdemokrat. Es handele sich nicht um eine Form der Zensur.

Schutz vor Wahlbeeinflussung

Das neue tschechische „Zentrum gegen Terrorismus und hybride Gefahren“ hat rund 20 Mitarbeiter und zum Jahresanfang seine Arbeit aufgenommen. Beobachter sehen darin auch einen Versuch, mögliche Wahlbeeinflussungen etwa durch Russland zu verhindern. In Tschechien stehen im Herbst Parlamentswahlen an.

Hier geht es zu einem Bericht in „Radio Praha“

 

Fake News zu einem Mob in Dortmund

Es ist ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Fake-News-Debatten in Deutschland. Im Mittelpunkt steht ein abstruser Text über angeblich chaotische Silvesterfeiern in Dortmund, veröffentlicht auf der  rechtspopulistischen US-Nachrichtenseite „Breitbart“.

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Ein „tobender Mob“?

Die Überschrift ist deutlich: „1000-Mann-Mob setzt Deutschlands älteste Kirche in Brand“ steht über einem Text bei „Breitbart“-News. Der englischsprachige Bericht erzeugt den Eindruck, dass in Dortmund während einer Silvesterfeier Ausländer mit Feuerwerkskörpern gegen andere Besucher und Polizisten vorgegangen seien und das Dach der Reinoldikirche in Brand gesetzt hätten. Der Text bezieht sich dabei in verfälschender Weise auf einen Bericht der „Ruhr Nachrichten“. Deren Reporter war am Silvesterabend in der Dortmunder Innenstadt und hat über die Nacht berichtet. Allerdings wurden die Fakten überdreht, verfälscht und in dieser Form schließlich über soziale Netzwerke verbreitet.

Die Kirche in Brand gesetzt?

Bei „Breitbart“ liest es sich so, dass ein Mob von mehr als 1000 Männern „Allahu Akbar“ geschrien, Polizisten attackiert und eine historische Kirche in Brand gesetzt habe. Die Berichterstattung zeichnet ein düsteres, bedrohliches Bild von der Silvesternacht in Dortmund. Für den Leser scheint es so, als sei die Lage dort in der Nacht zum neuen Jahr vollkommen außer Kontrolle geraten.

Die Polizei stellt richtig

Nun hat die Polizei auf den falschen Bericht reagiert und eine detaillierte Einsatzbilanz der Silvesternacht in Dortmund veröffentlicht. Die zuständige Behörde stellte klar: „Herausragende oder spektakuläre Silvestersachverhalte wurden bis zum heutigen Tage nicht gemeldet.“ Auf einem Platz in der Innenstadt hätten sich rund 1000 Menschen versammelt. Es sei zwar zum Teil zu unsachgemäßem Einsatz von Silvesterfeuerwerk gekommen, dies sei jedoch unterbunden worden.

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Die Feuerwehr hatte am Neujahrstag gemeldet, dass es durch eine Silvesterrakete zum Brand eines Gitterschutznetzes an der Reinoldikirche gekommen sei. Mit dem Netz ist ein Baugerüst verkleidet. Das Feuer sei schnell gelöscht worden. Die Polizei hat nach Angaben einer Sprecherin „keinerlei Erkenntnisse, dass die Rakete absichtlich abgefeuert wurde“.

Berater von Donald Trump

Das rechtspopulistische Internetportal „Breitbart“ wurde im US-Wahlkampf berühmt – der frühere Chefredakteur Steve Bannon ist Chefberater des designierten US-Präsidenten Donald Trump. „Breitbart“ hat vor einigen Wochen angekündigt, sich auch in Europa weiter ausdehnen zu wollen. Bisher gibt es nur einen Ableger in Großbritannien. Politiker wie die Chefin des rechtspopulistischen Front National, Marine Le Pen, in Frankreich, haben die Absicht begrüßt, auch in Frankreich eine Redaktion aufzubauen.

Kampf gegen Fake-News

Wie die Internet-Seite Meedia berichtet, wappnen sich zahlreiche Medien im Kampf gegen falsche Informationen im Netz und organisieren sich im Netzwerk First Draft Coalation. Das Bündnis will Fakten schneller checken und Falschmeldungen enttarnen. Zum Jahreswechsel wächst die Organisation um 40 internationale Medien, schreibt „Meedia“, darunter die dpa oder Zeit Online sowie Guardian und BBC. Auch Google und Facebook sind an Bord.

Das Netzwerk soll die Kräfte der Partner bündeln, um in der Recherche und Verifikation von Geschichten aus dem Netz effizienter arbeiten zu können, so „Meedia“. So wollen sich die Partner über einen virtuellen Newsroom über Fake News austauschen, ihre Ergebnisse auch mit der Öffentlichkeit teilen und gemeinsame Standards für den Umgang mit Fake News erarbeiten. Dafür sollen über die Koalition beispielsweise Mitarbeiter-Schulungen organisiert werden, heißt es.

Absichtlich lancierte Falschmeldungen und verfälschende Zuspitzungen prägten die Endphase des amerikanischen Wahlkampfs und alarmierten auch hierzulande Politiker. Im Innenministerium wird darüber diskutiert, ein Abwehrzentrum gegen Desinformation einzurichten.

Wie erkenne ich Fake-News?

Es erscheint wie ein Szenario aus einem schlechten Film: Maschinen übernehmen oder steuern die Kommunikation zwischen den Menschen. Social Bots sind von solch einer Fähigkeit natürlich weit entfernt, doch die Programme drohen immer häufiger Einfluss auf die politische Meinungsbildung zu nehmen. Nicht selten verbreiten sie Falschmeldungen und es ist meist nur schwer festzustellen, ob es sich um Gerüchte handelt. Ein paar Werkzeuge, gefälschte Nachrichten oder Bilder zu erkennen, gibt es aber doch. Wichtig ist es, die eigene Medienkompetenz zu stärken – und kritisch zu bleiben, auch wenn eine Nachricht sehr gut ins eigene Weltbild passt.

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Was sind Social Bots

Bei Social Bots handelt es sich um Fake-Accounts in sozialen Netzwerken, die von einer Software gesteuert werden. Diese Computer-Programme verfassen automatisch Texte oder retweeten Beiträge. Sie zielen meist darauf ab, die politische Meinungsbildung zu beeinflussen. Häufig wird mit den Fake-Accounts versucht, zu polarisieren und zu manipulieren. Deshalb sehen Wissenschaftler in den Bots ein Risiko für die Demokratie.

Bei vielen politischen Ereignissen haben Wissenschaftler eine Einflussnahme durch Fake-Accounts beobachtet: Der Ukraine-Konflikt sei beispielsweise durch faschistische Äußerungen, Sexismus und Propaganda zahlreicher Bots angeheizt worden. Beim Brexit, der Entscheidung über den Austritt Großbritanniens aus der EU, habe eine kleine Zahl an Accounts auffallend viele Pro-Brexit-Tweets abgesetzt. Nach dem ersten Fernseh-Duell zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten soll etwa ein Drittel der positiven Trump-Tweets von Bots abgesetzt worden sein.

Die vielen tendenziösen Posts können Zustimmung oder Ablehnung von politischen Meinungen vortäuschen und dafür sorgen, dass die Wirklichkeit verze rrt wahrgenommen wird. Wer die Meinungsmaschinen programmiert, ist oft nicht klar. Die meisten deutschen Parteien lehnen eine solche Propaganda im Wahlkampf ab.

 

Wie erkennt man Falschmeldungen?

1) Welche Quelle liegt der Nachricht zugrunde?

Wenn eine Meldung sehr einseitig, dramatisierend oder überspitzt sei, sollte man stutzig werden: Was ist die Quelle? Ist ein Artikel verlinkt, überprüft man auf der Website das Impressum. Gibt es dort keinen Ansprechpartner oder ist eine Adresse im Ausland genannt, kann das ein Hinweis auf eine Fälschung sein. Wer Lügen verbreitetet, hat meist ein Impressum ohne Namen oder gar keines.

2) Der Faktencheck

Ein erster inhaltlicher Faktencheck ist denkbar einfach. Dazu kann man die Schlagzeile der Meldung kopieren und in die Google-Suche eingeben. Vorsicht ist geboten, wenn Dutzende von  nicht wirklich seriös erscheinenden Seiten (siehe oben) im Internet dieselbe Meldung verbreiteten.

3) Ist ein Bild ein Fake?

Bilder lügen nicht! Wirklich? In Zeiten der Bildbearbeitung ist es kein Problem, Fotos zu manipulieren – oder das Bild wird im falschen Kontext verwendet. Die erste Frage muss sein: Passt das Bild zum Inhalt des Textes – oder ist es ein sogenannter „Hybrid-Fake“. Das heißt: Bild und Text sind jeweils echt, aber der Kontext, in dem sie entstanden sind, ist unterschiedlich. So ist etwa nach den Silvester-Attacken gegen Frauen in Köln ein Video verbreitet worden, das ursprünglich aus Kairo stammte.

4) Bilder überprüfen

Auch bei Bildern kann eine Googel-Suche weiterhelfen. Über die Bilder-Suche lässt sich bisweilen herausfinden, in welchem Kontext ein Foto aufgenommen wurde. Rechts neben der Suchzeile gibt es ein Kamerasymbol, über das man entweder ein Bild hochladen oder die URL eines Bildes einfügen kann. Google gibt oft Parallelfundstellen aus, und so lässt sich manchmal feststellen, wann das Bild aufgenommen wurde und wo. Suchmaschinen bieten zudem noch andere Suchfilter an, die man nutzen kann. So kann etwa die Größe eines Bildes eine wichtige Information sein, auch die Nutzungsrechte können weiterhelfen oder wie lange das Bild bereits im Umlauf ist.

5)Kommuniziere ich mit einem Social Bot?

Auch Social Bots kann man erkennen. Manipulierende Social Bots suchten bewusst nach Negativdarstellungen zum Beispiel über Flüchtlinge und retweeteten sie. Das Problem ist, dass die Programme das Verhalten eines „menschlichen Users“ imitieren.  So sind auf Bot-Accounts auch Katzenbildchen zu finden oder sie legen auch mal Ruhephasen ein und posten gar nichts. Wenn man allerdings versucht, den User in ein Gespräch zu verwickeln, lässt sich oft schnell herausfinden, ob dahinter ein wirklicher Mensch steckt. Sind die Antworten rudimentär, sehr schwammig oder ausweichend, sollte man ins Grübeln kommen.

6) Immer erst nachdenken!

Der wichtigste Tipp ist allerdings: kritisch bleiben! Gefühlte Wahrheiten nicht akzeptieren –auch wenn sie der eigenen Wahrnehmung entsprechen! Und: Meinungen hinterfragen – auch wenn es die eigene ist!

Hier noch der Link zu einem Artikel über Fakenews und deren Einfluss auf die politische Willensbildung