Zu viele Frauen in Führungspositionen – Paris muss Strafe bezahlen

Anne Hidalgo ist stolz auf eine Strafe. Die Bürgermeisterin von Paris hat im Jahr 2018 zu viele Führungsposten mit Frauen besetzt. Aus diesem Grund muss die Stadt nun 90.000 Euro berappen, das hat das Ministerium für den Öffentlichen Dienst beschlossen.

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Unterstützung aus den USA

Die Unterstützung für Anne Hidalgo kommt sogar aus den fernen USA. Hillary Clinton hat einen Bericht des britischen „Guardian“ auf ihrem Twitter-Account geteilt, in dem die Strafe für Anne Hidalgo thematisiert wurde. Mit großer Freude wurde der Clinton-Tweet von Hidalgo dann mit einem dicken Like versehen.

Publik gemacht hatte die Strafe Anne Hidalgo selbst. Während einer Sitzung des Stadtrates informierte sie die Mitglieder:

“Je vais me réjouir aujourd’hui que nous ayons été condamnés à une amende.”

Anne Hidalgo

Gesetzt ist nun einmal Gesetz

Viele glaubten an einen Witz, dem war aber nicht so. Ganz genau geht es darum, dass im Jahr 2018 exakt 69 Prozent der Führungsposten in Paris mit Frauen besetzt wurden – nur fünf Männer kamen zum Zug. In der Sitzung erklärte die Bürgermeisterin allerdings, dass sie in dieser Sache auch nicht zu Späßen aufgelegt sei. Die Strafe sei „offensichtlich absurd“ und außerdem ungerecht, unverantwortlich und gefährlich. „Wir müssen Frauen mit Entschlossenheit und Konsequenz fördern, denn der Rückstand ist überall in Frankreich noch sehr groß“, betonte die Bürgermeisterin.

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Eine „absurde“ Regelung

Besonders delikat wird sie Sache auch, dass die Strafe vom Ministerium für den Öffentlichen Dienst verhängt wurde. Die zuständige Ministerin Amélie de Montchalin stellte sich aber sofort auf die Seite von Hidalgo und sprach von einer „absurden“ Regelung. Die Sache der Frauen habe etwa Besseres verdient, schrieb sie auf Twitter.

Allerdings haben die Beamten im Amt rechtlich richtig gehandelt. Denn die Strafe geht auf ein Gesetz zurück, dass große Städte dazu verpflichtete, bei der Vergabe von Führungsposten mindestens 40 Prozent jedes Geschlechts zu berücksichtigen. Im Jahr 2019 wurde das Gesetz allerdings geändert und sieht Straffreiheit vor, wenn es insgesamt keine Ungleichheit bei den Führungsposten gibt. Die Strafe für die Stadt Paris bezieht sich aber auf die Ernennungen im Jahr 2018 und muss daher noch gezahlt werden.

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Das hat auch die zuständige Ministerin Amélie de Montchalin erkannt und forderte aus diesem Grund: „Ich möchte, dass die von Paris für 2018 gezahlte Strafe zur Finanzierung konkreter Maßnahmen zur Förderung von Frauen im öffentlichen Dienst verwendet wird.“ Nach Angaben aus der Stadtverwaltung sind bei der Stadt Paris derzeit knapp die Hälfte der leitenden Angestellten Frauen.

Zur Ehre der Frauen

Es war Guerilla-Akt der besonderen Art. Die Aktivistinnen der Feministinnengruppe „Osez le féminisme“ haben auf der Ile de la Cité im Zentrum von Paris unzählige alte Straßennamen ausgetauscht und mit den Namen von Frauen ersetzt. Sie wollten damit darauf hinweisen, wie wenige öffentliche Straßen oder Plätze nach Frauen benannt sind.

15.08.29-Paris-neu

Die im Jahr 2009 gegründete Gruppe „Osez le féminisme“ konzentrierte ihre Aktion auf das Gebiet rund um die Kathedrale Notre Dame. Der Name der Aktion: FémiCité. Die Gruppe unterstreicht, dass Frauen einen bedeutenden Anteil an der Geschichte hätten, der endlich auch sichtbar gemacht werden müsse. „Nur 2,6 Prozent der Straßen in Paris tragen den Namen einer Frau“, erklärt Marie Allibert, Sprecherin der Gruppe gegenüber der Zeitung „Le Figaro“.

„Osez le feminisme“ wählte für ihre Aktion die Namen von berühmten und weniger berühmten Frauen aus. So etwa auch den der amerikanischen Sängerin Nina Simone, die ihre letzten Lebensjahre in Frankreich verbrachte. Es sind aber auch weniger bekannte Namen zu lesen – zum Beispiel der von Elisabeth Jacquet de la Guerre. „Eine großartige Komponistin und Musikerin, die am Königshof des 17. Jahrhunderts wirkte, eine Zeit, als das Patriarchat wirklich dominant war“, erklärt Marie Allibert.

Ziel der Gruppe ist es, dass die Hälfte der Straßennamen in Zukunft Frauennamen tragen. Die Aktivistinnen wissen, dass sie mit ihrem Ansinnen auch ganz praktische Probleme aufwerfen – und haben auch eine Lösung dafür. Ihr Ziel es nicht unbedingt, dass Straßen umbenannt werden, um Frauen mehr Platz im öffentlichen Bewusstsein zu geben. „Wir könnten einen Place de la Nation – Simone de Beauvoir haben“, schlägt Marie Allibert vor. „Wir möchten, dass berühmte Plätze und symbolträchtige Orte diesen großartigen Frauen gewidmet werden.“