Das verklärte Bild der Deutschen von Macron als zupackendem Krisen-Manager

Deutschland schimpft auf Angela Merkel. Die Kanzlerin müsse in der Krise um den Coronavirus Führungsstärke beweisen, heißt es immer wieder. Und es sind jene, die häufig auf „Mutti“ schimpfen, die nun laut nach der Mama rufen.

.

20.03-Macron-Corona

.

Ist Macron wirklich ein gutes Beispiel?

Als positives Gegenbeispiel in dieser Krise, die sich inzwischen zur Pandemie ausgeweitet hat, wird immer wieder der französische Präsident Emmanuel Macron bemüht. Der leite sein Land mit ruhiger Hand und gebe seinem Volk das Gefühl, dass die Regierung den Kampf gegen das Virus ernst nimmt. Und es scheint wieder einmal, dass die Deutschen ein noch immer verklärtes Bild von einem zupackenden und dynamischen französischen Präsidenten haben.

.

.

Das Problem: das sieht von der anderen Seite des Rheines zwar so aus, viele Franzosen beurteilen die Lage aber anders. Sie haben den Eindruck, dass ihr Staatschef wieder einmal viel redet, aber wenig tut. Inzwischen wird der Druck der Opposition angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus immer stärker. Sie fordert von Premierminister Edouard Philippe einen besseren Schutz für Wirtschaft und Bürger. Macron

Der Druck der Opposition auf Macron steigt

Die bürgerliche Partei Les Républicains (Die Republikaner) von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy verlangte einen „echten Antikrisen-Schild“. Sie brachte Steuererleichterungen und Hilfen wegen der Kurzarbeit ins Gespräch. Derzeit sind in Frankreich 3600 Unternehmen und rund 60.000 Angestellte wegen des Coronavirus von Kurzarbeit betroffen, vor allem in der Tourismus- und Reisebranche.

.

.

Die Linkspartei La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich) forderte, Kurzarbeitern ihr volles Gehalt zu zahlen. Die Kommunisten verlangten eine stärkere staatliche Unterstützung für die Krankenhäuser. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen beklagte, der Premier habe keine Antwort zur Verfügbarkeit von Atemschutzmasken und Virentests gegeben.
.

.

Ein Szenario wie in Italien?

Der Generaldirektor im Gesundheitsministerium, Jérôme Salomon, hatte am Mittwochabend gesagt, Frankreich müsse sich auf „ein Szenario wie in Italien“ vorbereiten. Die Regierung hatte zuvor Versammlungen mit mehr als tausend Teilnehmern untersagt, Schulen und Krippen in den besonders betroffenen Gebieten sind geschlossen. Nach Angaben des Ministeriums gab es in Frankreich zuletzt 48 Todesfälle und 2281 Infektionen.

Drinnen Geisterspiel – draußen Party

Beim Champions-League-Spiel Paris gegen Dortmund sitzen wegen des Coronavirus keine Fans auf der Tribüne, doch die feiern einfach vor dem Stadion eine rauschendes Fest. Es stellt sich die Frage: Wie sinnvoll sind unter diesen Umständen solche Spiele – und sollte man sie nicht ganz absagen? 

.

20.03-PSG04

Die Fans von PSG feiern den Sieg ihrer Mannschaft vor dem Stadion Parc des Princes

.

Pyrotechnik vorm Feinsten vor dem Stadion

Drinnen im Stadion Parc des Princes mag Geisteratmosphäre herrschen, doch vor der grauen Betonschüssel ist die Hölle los. Silvesterraketen starten laut pfeifend aus der johlenden Menge und explodieren krachend am klaren Nachthimmel von Paris, PSG-Fans zünden Bengalos und tauchen die Szenerie in gleißend rotes Licht, riesige Fahnen werden geschwenkt, der Alkohol fließt in Strömen. Als das 2:0 für ihre Mannschaft fällt, kennt der Jubel aus vielen Tausend Kehlen keine Grenzen, die Anhänger liegen sich in den Armen, küssen sich, die Bierdusche aus halb ausgetrunkenen Flaschen ist inklusive. So sieht Fan-Kultur in Zeiten des Coronavirus aus.

Wegen der seit Wochen grassierenden Epidemie wird das Champions-League-Spiel zwischen PSG und Borussia Dortmund am Mittwoch in Paris ohne Zuschauer ausgetragen. Zur Sicherheit, wie die Verantwortlichen bei der Uefa betonen, damit sich das Virus nicht weiter ungehindert ausbreiten könne. Warnungen und gute Ratschläge gibt es viele, doch die werden alle in den Wind geschlagen, denn die Funktionäre haben die Rechnung ohne die Hardcore-Fans gemacht. Die haben sich zu Tausenden vor dem Stadion in Paris versammelt, verfolgen dort das Spiel am Radio oder am Smartphone via Internet und feiern eine riesige Party.

.

.

Die PSG-Ultras stehen zu ihrem Verein

„Ich scheiße auf Corona“, grölt ein Fan und reckt dem Virus, das vielleicht auch in dieser Menschenmasse irgendwo sein Unwesen treibt, den ausgestreckten Mittelfinger entgegen. „Wir sind Ultras, wir stehen auch in schwierigen Zeiten hinter unserer Mannschaft,“ lautet sein unerschütterliches Credo. Das Konzept „Geisterspiele“ halten an diesem Abend vor dem Parc des Prince alle für kompletten Unsinn, erdacht von „Funktionären und anderen Feiglingen“. Die Frage nach der völligen Absage der Fußballspiele angesichts der Pandemie erübrigt sich angesichts dieser aufgeheizten Atmosphäre.

20.03-PSG03Weil auch ein „Geisterspiel“ irgendwie abgesichert werden muss, sind rund ums das Stadion mehrere Hundert Polizisten positioniert. Schon Stunden vor dem Anpfiff haben sie die Zufahrtstraßen abgeriegelt und kontrollieren vor allem den kurzen Weg von der Métro-Station Porte de Saint-Cloud zum Haupteingang des Parc des Princes. „Das ist eigentlich ein Einsatz wie bei einem normalen Spiel“, erklärt einer der Beamten. Es sei klar gewesen, dass trotz dieser „besonderen Umstände“ viele Fans kommen würden und man müsse darauf vorbereitet sein.

Die Polizei drückt beide Augen zu

In Frankreich sind Versammlungen mit mehr als 1000 Menschen wegen der Coronavirus-Epidemie untersagt, in diesem Fall wird zum Wohl des öffentlichen Friedens angesichts der krawallerprobten Ultra-Fans offensichtlich eine großzügige Ausnahme gemacht. Und so sitzen viele der Sicherheitskräfte gelangweilt in den wartenden Mannschaftsbussen in den Seitenstraßen – auch das ein idealer Tummelplatz für einen hinterhältigen Virus. Etwas ruhiger als vor dem Haupteingang bei den Hardcore-Anhängern geht es in den Bistros rund um das Stadion zu. Doch auch dort sitzen die PSG-Fans dicht gedrängt vor Großbildschirmen und bejubeln ihre Mannschaft. Die Kneipen sind restlos überfüllt und so bilden sich große Menschentrauben vor den Türen und Fenstern, denn jeder will einen Blick auf das TV-Geschehen im Innern erhaschen. Die Frage nach dem Virus wird auch in diesem Kreis mit einem Kopfschütteln beantwortet und wieder fällt der Satz von den „weltfremden Funktionären“, denen die Fans und der Fußball eigentlich egal seien. .

.

Nach dem Match wird richtig gefeiert

Nach der gewonnenen Begegnung wird es vor dem Stadion noch einmal richtig kuschelig. Die Kicker von PSG zeigen sich auf einem Balkon den Fans, die sofort mit Macht gegen das Absperrgitter drängen und mit lauten Schlachtgesängen ihre siegreichen Idole huldigen und den lang ersehnten Einzug der Mannschaft ins Viertelfinale der Champions League feiern. Einige der Stars werfen ihre verschwitzten Trikots in die Menge, die dort von Hand zu Hand gereicht werden.

20.03-PSG1

Gib eine Beschriftung ein

Der Starstürmer Kylian Mbappé setzt sich schließlich in Buddha-Pose auf die breite Balustrade und schmäht unter dem Gejohle der Anhänger den Dortmunder Gegner. Der Grund: BVB-Stürmer Erling Haaland hatte im Hinspiel seine Tore mit dieser Geste gefeiert. Erst spät ziehen dann die Fans in Richtung Métro und fahren siegestrunken in den völlig überfüllten Zügen nach Hause. Zum Abschied gibt es dann wie immer – typisch französisch und gegen jede Coronavirus-Empfehlung – Küsschen links, Küsschen rechts.

Schockwellen in Frankreichs Kulturszene

Die umstrittene Verleihung des Film-César an Roman Polanski löst in Frankreich eine heftige Diskussion aus – Themen sind Sexismus, Gleichberechtigung und die kulturelle Identität des Landes.

.

img_4855

Demonstration gegen die Verleihung des César an Roman Polanski in Paris

.

Finkielkraut sieht die Kultur Frankreichs in Gefahr

Schließlich hat sich Alain Finkielkraut doch noch zu Wort gemeldet. Der große Welterklärer konnte nicht länger schweigen zu einem Thema, das die intellektuelle Elite Frankreichs in helle Aufregung versetzt: die Verleihung des Filmpreises César und die daraus resultierenden Erschütterungen in der Kulturwelt. Der Essayist und Philosoph beschränkt sich in seinem wütenden Aufsatz in „Le Figaro“ natürlich nicht auf die Einordnung einer fürchterlich missratenen Gala. Er zieht den Kreis weiter, Finkielkraut beklagt einen in seinen Augen naiv zelebrierten Multikulturalismus und bringt zum Ausdruck, dass er die nationale Identität und die ganze Kultur Frankreichs bedroht sieht.

Ihm assistiert eine ganze Phalanx konservativer Essayisten, die mit großer Wucht in dieselbe Kerbe schlägt und in vielen Nuancen den „Meinungsterror der Minderheiten“ anprangert. Wobei jeder seine eigene Minderheit aus dem Hut zaubert: Schwule, Lesben, Schwarze, Muslime, Einwanderer, Feministinnen, um nur einige zu nennen.

Rundumschlag gegen die Mächtigen des Staates

Aber auch die Gegenseite geht nicht gerade zartbesaitet ans Werk. Die bekannte Romanautorin Virginie Despentes holt in einem Essay in der Zeitung „Libération“ zu einem wortgewaltigen Rundumschlag gegen die Mächtigen des Staates und der Kultur aus, die nach ihrer Ansicht mit Geld die Welt regieren, einen verabscheuungswürdigen Sexismus ausleben, Vergewaltiger in den Himmel heben und von den Opfern fordern zu schweigen.

img_4842

Die Schärfe der Auseinandersetzung lässt erahnen, dass es unter der mit Glamour bedeckten Oberfläche schon lange gebrodelt haben muss. Die Verleihung des Regie-César an Roman Polanski war lediglich der berühmte Funken, der die Explosion eingeleitet hat. Im Vorfeld hatten unzählige Gruppen gegen den Filmemacher protestiert und schon zum Kinostart von „J’accuse“ (Intrige) im November wurden wütende Rufe nach Absetzung des Films laut. Einer von mehreren Gründen: kurz zuvor hatte ein früheres Model dem umstrittenen Polanski vorgeworfen, sie 1975 vergewaltigt zu haben. Der 86-jährige Filmemacher bestreitet dies.

Ein Einblick in die Seele Frankreichs

Unter diesen Vorzeichen war diese denkwürdige César-Gala plötzlich mehr als die glamouröse Verleihung eines Filmpreises. Sie wurde zum Einblick in den Gemütszustand einer tief im Innern erschütterten französischen Kulturwelt. Klar ist bisher nur: alte Gewissheiten sind verflogen, zu erkennen sind eine überraschende Orientierungslosigkeit, viel unterdrückte Wut auf allen Seiten und noch mehr Verunsicherung.

.

.

Alain Finkielkraut gilt als Prototyps eines Vertreters der alten Kulturepoche, die sich mit der neuen, selbstbewussten Generation von französischen Kunstschaffenden schwertun. Doch er hat seine neue gedankliche Heimat bereits gefunden: beim rechtsradikalen Front National, der sich heute etwas moderater Rassemblement National nennt. Wie deren Chefin Marine Le Pen sieht der Philosoph insbesondere die Einwanderung als Gefahr für Frankreich, denn die einheimische Bevölkerung bestimme nicht mehr die kulturelle Linie.

Polanski erhält prominente Unterstützung

Zu dieser Kultur gehörte auch, dass sich Künstler in Frankreich bisher offensichtlich in einer Art geschütztem Raum bewegen konnten. Über mancherlei – auch strafrechtlich relevante – Eskapaden wurde großzügig hinweggesehen. In dieses Bild passt, dass einige berühmte Kunstschaffende in diesem Sturm der Empörung Roman Polanski demonstrativ beiseite springen – Fanny Ardant und Carla Bruni gehören dazu. Ähnlich wie Finkielkraut argumentieren sie, man müsse Mensch und Kunstwerk voneinander trennen.

Der Philosoph geißelt zudem die angebliche Bigotterie der Kritiker. Auch Ladj Ly, der Regisseur des Siegerfilmes „Les Miserables“, hat im Gefängnis gesessen. Bei dem farbigen Filmemacher aus einem berüchtigten Banlieue von Paris werde dieser Makel aber großzügig übergangen, während Polanski auf den Scheiterhaufen der Moral geopfert werde. Den Grund sieht Finkielkraut darin, dass das „neue Frankreich“ für alles einen Schuldigen gefunden habe: den „alten, weißen Mann“.

.

 

.

Ätzender Spott für die Kritiker der alten Welt

Mit ätzendem Spott reagieren die Verteidiger des alten Frankreich auf die Forderung nach Gleichberechtigung und dass auch die Welt der Kultur die ganze Gesellschaft abbilden müsse. Die schwarze Schauspielerin Aïssa Maïga bemerkt dazu, dass es ihr zu einer Gewohnheit geworden sei, bei jeder Film-Gala die sehr wenigen Schwarzen im Saal zu zählen. Allein solch eine Aussagen, die zum Nachdenken anregen müsste, löst in der Post-Polanski-Diskussion einen konservativen Aufschrei aus, als hätte Aïssa Maïga einen zerstörerischen Generalangriff auf die französische Gesellschaftsordnung gestartet.

4b9a3c4c-b2b2-47fe-b51b-08486a7363ad

Eine multikulturelle Gesellschaft sei eine zersplitterte Gesellschaft der vielen Konflikte, antwortete ihr der Autor Yves Mamou in einem vom Furor durchzogenen Artikel in der Tageszeitung „Le Figaro“. Und er lässt keinen Zweifel daran, dass auch er sich ein weißes, männliches, monolithisches Frankreich erträumt, in der Frauen allenfalls die Rolle von bewunderten Göttinnen einnehmen. Auf zwei zentrale Aussagen können sich die Vertreter des neuen und alten Frankreich am Ende dann doch immer einigen: der Kulturbetrieb geht schwierigen Zeiten entgegen. Und: nach dieser 45. César-Verleihung wird nichts mehr sein, wie es einmal war.

Models im Tier-Kostüm bei Stella McCartney

In der Modebranche ist Auffallen fast alles. Die einen beherrschen das mehr, die anderen weniger. Stella McCartney ist schon wegen ihres berühmten Namens ein Hingucker, doch in Paris bei der Fashionweek in Paris hat die Modedesignerin hat sich auch auf dem Laufsteg für eine kleine Überraschung gesorgt.

.

20.03.02-stella

.

Zu sehen waren nicht nur schöne Menschen in schicken Blusen, teuren Hemden, modischen Röcken und teuren Hosen, sondern auch „Tier“. Besser gesagt: Menschen in Tierkostümen. Damit wollte Stella McCartney auf etwas aufmerksam machen: Sie verzichtet für ihre Mode auf bestimmte Dinge, die von Tieren stammen. Sie stellt die Mode zum Beispiel ohne Federn, Leder oder Pelz her. Damit will sie Tiere schützen.

.

.

Auf ihrem Twitter-Account hat die die Tochter von Linda und Paul McCartney, die nach eigenen Angaben bereits mit zwölf Jahren begann, Kleider zu entwerfen, auch die entsprechenden Sprüche platziert.

.

 

.

Inzwischen sind auch anderen Modemacher auf diesen Trend eingegangen. Doch geht es ihnen nicht nur um den Tierschutz, sondern auch um die Umwelt. Bei der Herstellung von Leder etwa können schnell giftige Stoffe in die Natur gelangen, heißt es.

Ach ja, der Coronavirus. Die Schauen finden trotzdem statt. Allerdings hat sich das Verhalten der Besucher verändert – man geht auf Abstand. Sogar von der hohen Politik gibt es da gute Ratschläge. In Frankreich rät Gesundheitsminister Olivier Veran, von „La Bise“, den traditionellen Begrüßungsküsschen links und rechts an der Wange vorbei, Abstand zu nehmen. Solche Vorsichtsmaßnahmen hatte Frankreich auch bei der Schweinegrippe-Epidemie vor zehn Jahren empfohlen.

Frankreich verbietet Veranstaltungen wegen Coronavirus

Die französischen Behörden verschärfen die Maßnahmen. Angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sind Veranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern bis auf Weiteres untersagt.

.

20.03.01-corona

.

5000 Menschen sind das Limit

Die französischen Behörden haben angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Veranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern bis auf Weiteres untersagt. Alle Zusammenkünfte von mehr als 5000 Menschen „in geschlossenen Räumen“ sowie manche im Freien würden landesweit abgesagt, teilte die Regierung in Paris mit. Unter anderem strichen die Behörden den für Sonntag geplanten Pariser Halbmarathon mit rund 44.000 angemeldeten Läufern sowie den letzten Veranstaltungstag der internationalen Landwirtschaftsmesse in der Hauptstadt.

.

 

.

Weiterhin seien von den Absagen der Karneval im Alpenort Annecy sowie die Immobilienmesse Mipim im südfranzösischen Cannes betroffen. Die am Wochenende stattfindenden Spiele der ersten französischen Fußballliga würden jedoch wie geplant stattfinden, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran. Er bezeichnete die getroffenen Vorkehrungen als „provisorisch“.

.

.

Drastische Maßnahmen in Oise

Drastische Maßnahmen verkündete er zudem für das vom Coronavirus besonders betroffene Département Oise nördlich von Paris sowie die Gemeinde La Balme-de-Sillingy im Département Haute-Savoie nahe der Stadt Annecy. Dort sind demnach jegliche Zusammenkünfte bis auf Weiteres untersagt. Véran rief die Bewohner dazu auf, zu Hause zu bleiben und wenn möglich auch von dort zu arbeiten. Sie könnten für Einkäufe rausgehen, „unnötige Fahrten“ sollten aber dringend vermieden werden, sagte der Minister. Einige Schulen sollen zudem am Montag geschlossen bleiben.

Laut Véran wurden seit Freitagabend 16 neue Infektionsfälle im Land bestätigt, womit die Gesamtzahl der in Frankreich gemeldeten Fälle auf insgesamt 73 steigt. Unter ihnen würden derzeit 59 in Krankenhäusern behandelt, zwölf seien bereits geheilt und zwei Menschen verstorben, hieß es weiter.

Eine César-Verleihung im Banne von #metoo

Bei der Vergabe des Filmpreises in Paris protestieren Frauen gegen die zwölffache Nominierung Roman Polanskis – der den Preis für die beste Regie bekommt.

.

Die demonstrierenden Frauen werfen Roman Polanski vor, ein Vergewaltiger zu sein.

.

Der Skandal war vorprogrammiert. Kurz nach Mitternacht fiel im Salle Pleyel der Name Roman Polanski. Der Filmemacher erhielt den César für seine Regie bei dem Film „J’accuse“ (Intrige) über die Dreyfus-Affäre. Zurückhaltender Applaus kam auf, doch die ganze Aufmerksamkeit im Raum hatte in diesem Augenblick Adèle Haenel. Die Schauspielerin rannte wild gestikulierend durch die Sitzreihen in Richtung Ausgang. „Das ist eine Schande! Das ist eine Schande“, rief sie, ihr folgte die französische Drehbuchautorin und Regisseurin Céline Sciamma.

.

Um die Proteste unter Kontrolle zu halten, wird ziemlich viel Polizei aufgefahren.

.

Im Vorfeld der Verleihung in Paris hatte es große Aufregung um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den 86-Jährigen Polanski gegeben, dessen Film für insgesamt 12 Césars nominiert worden war. Viele Filmschaffende meldeten sich zu Wort und Frauenverbände hatten vergeblich die Absetzung des Films gefordert. Auch der französische Kulturminister Riester hatte am Freitag eindeutig Position bezogen und deutlich gemacht, ein Preis für Polanski wäre „ein schlechtes Symbol“ im „Kampf gegen sexuelle und sexistische Gewalt“. Die Jury müsse ihrer Verantwortung gerecht werden.

.

Die Frauen sagen, dass die Nominierung Polanskis für zwölf Césars ein Skandal sei.

.

Die Schauspielerin Adèle Haenel ist in Frankreich zu einer Symbolfigur für die #metoo geworden. Die 31-jährige wirft ihren Landsleuten vor, die Debatte verschlafen zu haben.

Sie selbst hatte jüngst in einem Interview, das für sehr viel Aufregung gesorgt hat, Anklage gegen den Regisseur Christophe Ruggia erhoben. Sie beschuldigt ihn, sie als Minderjährige beim Dreh zu ihrem ersten Film „Les Diables“ (Kleine Teufel) wiederholt sexuell belästigt zu haben.

.

 

.

Roman Polanski selbst sieht sich als Opfer einer „Lynchjustiz“ von Feministinnen. Vor dem Kinostart von „Intrige“ hatte ihm ein früheres Model vorgeworfen, sie 1975 vergewaltigt zu haben. Der Filmemacher bestreitet dies, ebenso wie ähnliche Vorwürfe von fünf weiteren Frauen, darunter die frühere deutsche Schauspielerin Renate Langer. In den USA wird Polanski weiter wegen Missbrauchs einer Minderjährigen in den Siebziegerjahren gesucht, den er auch eingeräumt. Schon bei der Premiere des Filmes in Paris im November kam es zu wütenden Protesten. Nicht zuletzt aus diesem Grund hatte Polanski angekündigt, nicht nach Paris zur Verleihung zu kommen.

.

Im Vorfeld hatten Frauengruppen gefordert, den Film „J’accuse“ von Roman Polanski aus dem Wettbewerb zu nehmen

.

Während der Gala gab es vor dem Salle Pleyel unweit des Pariser Triumphbogens Proteste gegen die Nominierung Polanskis für den César. Mehrere Hundert Demonstrantinnen versuchten, zum Veranstaltungsort zu gelangen, wurden von der Polizei aber zurückgedrängt. Immer wieder skandierten sie, dass der rote Teppich nicht dem „Vergewaltiger Polanski“ gebühre, sondern seinen Opfern. Eine Frau mit einem Transparent in der Hand erklärte, dass die César-Akademie mit den zwölf Nominierungen dem umstrittenen Filmemacher die größte Ehre erwiesen hätten. Das sei ein nicht hinnehmbarer Skandal.

Der Protest gegen Polanski ist allerdings nicht ohne Wirkung geblieben. Kurz vor der Verleihung des begehrten Filmpreises in Paris hatte die Führung der Akademie geschlossen ihren Rücktritt erklärt – „um diejenigen zu ehren, die 2019 Filme gemacht haben, um die Gelassenheit zurückzugewinnen und damit das Fest des Films ein Fest bleibt“. Diese Chance aber hat die Akademie mit der umstrittenen Nominierung verpasst. Was im Trubel unterging: Das Sozialdrama „Die Wütenden“ hat den französischen Filmpreis César als bester Film gewonnen. Die Produktion von Regisseur Ladj Ly beschreibt den Alltag aus Gewalt und Rassismus in einem Pariser Vorort.

Louvre sagt auf Druck von Nationalisten aus Bulgarien Ausstellung ab

Der Pariser Louvre hat nach Protesten von Nationalisten und Kirche eine Ausstellung über bulgarische Kunst abgesagt. Die nationale Bewegung IMRO-BNB nannte die Ausstellung eine Beleidigung.

.

20.02.27-Louvre

.

Eine Schau über islamische Kunst

Die ursprünglich für den Juni geplante Werkschau in der Abteilung für islamische Kunst sollte Arbeiten zeigen, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert entstanden sind, einer Zeit, in der Bulgarien unter osmanischer Herrschaft stand. Der Louvre will die Entscheidung im Moment nicht kommentieren.

.

 

.

In Bulgarien wird der Islam oft mit der Jahrhunderte währenden osmanischen Herrschaft verbunden, die als „osmanisches Joch“ empfunden wurde. Erst im Jahr 1878 wurde das Balkanland autonomes Fürstentum. Bulgariens orthodoxe Kirche, der rund 80 Prozent der Bulgaren angehören, hatte erklärt, dass sie Nachfragen des Louvre nach Leihgaben nicht nachkommen werde.

Bereits vor zwei Wochen hatte das bulgarische Kulturministerium den Louvre wissen lassen, dass es angesichts der Reaktionen der Öffentlichkeit und der orthodoxen Kirche die Absage der Ausstellung wünsche.