Ist vegetarisches Essen auch eine Mahlzeit?

In Frankreich wird über das Schulessen gestritten. Der Grund: In Lyon bekommen die Schüler nur noch ein fleischloses Essen, das sorgt bei manchen Politikern für große Empörung. Und natürlich sind auch die Bauern mit auf der Straße.

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Sind vegetarische Mahlzeiten ein ausgewogenes Essen?

In Frankreich ist ein erbitterter Streit um das Schulessen ausgebrochen. Die fundamentale Frage ist, ob eine vegetarische Mahlzeit ein ausgewogenes Essen sein kann. Auslöser ist die Entscheidung, dass in Lyon für die Schüler in den Mensen nur noch ein fleischloses Gericht aufgetischt wird. Ins Feld geführt wird von den Kritikern unter anderem die Gesundheit der Kinder, in Wahrheit scheint die Auseinandersetzung aber eine politisch hochbrisante Angelegenheit zu sein. Eskaliert ist der Streit schließlich, als sich die hohe Politik in Paris ziemlich brachial eingeschaltet hat.

Innenminister Gérald Darmanin geht es bei seiner Wortmeldung via Twitter allerdings nicht nur um das Wohl der Kinder. Er bezeichnete es als „inakzeptable Beleidigung“ für die französischen Landwirte und Metzger, dass in der Stadt im Südosten Frankreichs nur noch fleischloses Schulessen ausgegeben wird. Und das ausgerechnet in Lyon, das ist für seine exquisiten Fleischgerichte im ganzen Land berühmt ist. 

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Die Minister proben die verbale Attacke

Rückendeckung erhält Darmanin von Landwirtschaftsminister Julien Denormandie, der hinter dem vegetarischen Schulessen einen grünen Verbots-Wahn vermutet. Er schreibt auf Twitter: „Lasst uns aufhören, unseren Kindern Ideologie auf den Teller zu legen!“ Man solle ihnen geben, was sie zum Wachsen brauchen. Dazu gehöre auch Fleisch. Und natürlich gehen in Frankreich auch die Gewerkschaften und Interessenvertretungen auf die Barrikaden. „Genug ist genug!“ ist ein empörtes Communiqué überschrieben, das die Bauerngewerkschaft des Départements Rhône und die Jungen Landwirte gemeinsam verfasst haben. Beide Organisationen wollen am Montag vor das Rathaus in Lyon ziehen und gegen die Maßnahme öffentlich protestieren.

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Die Verantwortlichen in Lyon verstehen die ganze Aufregung allerdings nicht wirklich. Der grüne Bürgermeister Gregory Doucet erklärt, dass wegen der Corona-Pandemie mit dem Ende der Winterferien ein neues Hygienekonzept aufgestellt werden musste. Ziel sei es, in den Kantinen einen schnellen Ablauf bei der Ausgabe zu garantieren, weshalb nur ein Menü angeboten werde, das von allen Kinder gegessen werden könne. Zudem korrigierte er den Eindruck, dass das Essen vegetarisch sei, es enthalte zum Beispiel auch Fisch und Eier. Auch der Hinweis, dass die Maßnahme nur vorübergehend sei und nach der Corona-Pandemie in den Schulmensen wieder auf Normalbetrieb umgestellt werde, kann die aufgebrachten Gemüter nicht beruhigen.

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Zwei verschiedene politische Maßeinheiten?

Der grüne Bürgermeister Gregory Doucet kann sich zudem den süffisanten Hinweis nicht verkneifen, dass es in Lyon dieselbe Maßnahme mit denselben Begründungen bereits im vergangenen Jahr von Mai bis Juni während der ersten Corona-Welle gegeben habe. Entscheidender Unterschied: damals regierte in der Stadt Gérard Collomb, der zur Regierungspartei La République en Marche gehört. „Damals haben wir nichts von Ihnen gehört“, ätzt der Grüne Doucet in Richtung der Minister im fernen Paris und findet deren Argumentation schlicht lachhaft.

Der Bürgermeister ist trotz allen Widerstandes entschlossen, das vegetarische Menü in den Schulkantinen anzubieten. Er wolle sich nicht weiter an dem politischen Geplänkel beteiligen, „tausende Schüler warten darauf, dass sie versorgt werden“, erklärt Gregory Doucet. Das sei im Moment der Pandemie noch wichtiger geworden, da immer mehr Familien jeden Cent zweimal umdrehen müssten und darauf angewiesen seien, dass ihre Kinder zumindest in der Schule ein anständiges und vollwertiges Essen bekommen könnten. Doch die konservativen Politiker in Paris lassen es auf die Kraftprobe mit dem grünen Bürgermeister in Lyon ankommen. Nach dem Willen von Landwirtschaftsminister Denormandie soll nun der Präfekt des Départements Rhône erwirken, dass die Entscheidung der Stadtverwaltung wieder zurückgenommen wird. Und auch Innenminister Darmanin legte noch einmal verbal nach. Er erklärte, die „moralisierende und elitistische Politik der Grünen““ schließe die breiteren Schichten der Bevölkerung aus. „Viele Kinder bekommen nur in der Schulkantine Fleisch“, fügte der Minister hinzu, der sich einen Namen als beinharter Konservativer gemacht hat.

Steigende Corona-Zahlen in Frankreich – drohen Grenzschließungen zu Deutschland?

Ratlosigkeit in Frankeich. In einigen Regionen scheint sich das Corona-Virus rasant zu verbreiten. Zu den am schwersten betroffenen Gebieten zählt Alpes-Maritimes mit der Stadt Nizza. Aber auch in Moselle, an der Grenze zum Saarland werden weiter beunruhigende Zahlen gemeldet. Deutschland will auf diese Entwicklung reagieren – im Gespräch sind auch Grenzschließungen.

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Die Situation in den einzelnen Départements in Frankreich. Die Inzidenz liegt bei über 190 Infizierten. Quelle der Zahlen ist die staatliche Gesundheitsbehörde

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Große Sorge in Nizza über den Anstieg

Es ist ein Horror-Wert. In Nizza beträgt der Inzidenzwert in diesen Tagen 740! Das ist der mit Abstand höchste Wert in ganz Frankreich. Inzwischen fordert Christian Estrosi, der Bürgermeister der Stadt, erneut einen örtlichen harten Lockdown. Sein Ziel: er will die Touristen aus der Region fernzuhalten, um das starke Infektionsgeschehen einzudämmen. Bereits am Samstag hatte Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Veran einen entsprechenden Schritt ins Spiel gebracht und war damit auf Estrosis Zustimmung gestoßen. „Es gibt einige Städte und Gegenden in Frankreich, wo das Virus sich sehr viel schneller ausbreitet als anderswo“, sagt Veran bei einem Besuch in der Stadt Nizza an der Mittelmeerküste. „Das könnte regionale Einschränkungen erforderlich machen.“

Auf der Spurensuche, weshalb ausgerechnet in Nizza solche Zahlen gemeldet werden, zeigt die staatliche Gesundheitesbehörde Santé Publique France mit dem Finger auch auf das nahe Fürstentum Monaco. Im Gegensatz zu Frankreich sind dort Bars und Restaurants geöffnet, die das Infektionsherde angesehen werden. Immer wieder fahren offensichtlich Franzosen aus dem Département Alpes-Maritimes über die Grenze, um sich einen netten Abend mit Freunden zu machen.

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Ärger über die Touristen in Nizza

Christian Estrosi hatte sich in den vergangenen Tagen auch immer wieder entnervt über die Touristenströme geärgert, die an der Mittelmeerküste zu finden sind. Entgegen aller Warnungen der Mediziner und Politiker seien vor allem auch an Weihnachten und Neujahr seien viele Franzosen in das Département gekommen, um ihre Familien zu besuchen oder einige Tage Urlaub zu machen. Der Bürgermeister kündigte an, in den kommenden Tagen zu entscheiden, ob in Nizza wesentlich strengere Corona-Regeln gelten werden. Zumindest verschärfte Maßnahmen an den Wochenenden scheinen inzwischen sicher zu sein.

Rémi Salomon, der in Frankreich für die medizinische Koordination in den französischen Altenheimen verantwortlich ist, erklärte in einem Interview im Sender BFMTV:

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„L’épidémie est hors de contrôle dans le département, ça veut dire que les mesures prises depuis quelques semaines ne suffisent pas (…) si on veut éviter le débordement des hôpitaux.“

Rémi Salomon

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Hohe Werte im Département Moselle

Hohe Infektionszahlen werden auch aus dem Département Moselle gemeldet. Dort war zuletzt die hochansteckende und gefährliche südafrikanische Variante des Corona-Virus zu finden. Die Inzidenzrate ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums inzwischen zwar stabil, doch liege sie noch immer bei über 280 Fällen auf 100.000 Einwohner.  

Auf französischer Seite wird befürchtet, dass das das Département Moselle angrenzende Deutschland Konsequenzen aus der Entwicklung ziehen könnte. Nach Berichten will das das Corona-Kabinett der Bundesregierung über eine höhere Warnstufe für das französische Département beraten. Bisher gilt Frankreich als „Risikogebiet“, nun könnte die Region als „Hochinzidenzgebiet“ oder sogar als „Virusvariantengebiet“ eingestuft werden.

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Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans und seine Kollegen aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hatten bereits in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass sie neue Grenzkontrollen nach Möglichkeit vermeiden wollen. Tobias Hans erklärte aber in einem Interview: „Wenn Inzidenzen krass auseinanderlaufen und es keine gemeinsamen Bekämpfungsstrategien gibt, dann kommen auch Grenzkontrollen als Ultima Ratio in Betracht.“

Asselborn warnt vor Grenzschließungen

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat Deutschland vor Grenzschließungen wegen der Corona-Pandemie gewarnt. „Natürlich muss es angesichts der Virusmutationen Tests geben, aber wir müssen alles dafür tun, dass die Pendler ohne Einschränkungen zu ihren Arbeitsplätzen kommen“, sagte Asselborn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er verwies darauf, dass Luxemburg auf Grenzpendler angewiesen sei. „60 Prozent der Beschäftigten in unseren Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegeeinrichtungen sind Grenzgänger. Wenn diese Pendler nicht mehr einreisen können, dann bricht das Gesundheitssystem in Luxemburg zusammen.“ Allein nach Luxemburg pendelten jeden Tag 100 000 Menschen aus Frankreich, 50 000 aus Deutschland und 50 000 aus Belgien.

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Wieder steigende Zahlen in Frankreich

In der Mehrzahl der französischen Départements war in den vergangenen Wochen ein Rückgang der Infektionszahlen zu beobachten. Allerdings verschlechterte sich in einigen Regionen die Lage sehr schnell – nicht nur in Alpes-Maritimes oder Moselle. Insgesamt lagen nach  Angaben des Gesundheitsministeriums die registrierten Neuinfektionen zum dritten Mal in Folge über dem Wert der Vorwoche. Demnach wurden zuletzt 22.371 neue Fälle gemeldet. Vor einer Woche waren 21.231 Neuansteckungen registriert worden. Damit liegt die Inzidenz wieder über dem Wert von 190 Infizierten.

Eine besonders besorgniserregende Entwicklung wird in Nièvre verzeichnet, wo die Inzidenzrate zuletzt um über 16 Prozent gestiegen ist und inzwischen bei rund 170 liegt. Alarmiert sind auch die Regionen rund um Bouches-du-Rhône mit einer Inzidenzrate von 346 neuen Kontaminationsfällen pro 100.000 Einwohner, Aisne (262,3), Val-d’Oise (254,7), die Innenstadt von Paris (255,9) und Val-de-de Marne (251,9). In den Haute-Garonne liegt die Inzidenz bei inzwischen deutlich über 200 Infizierten.

Frankreich rüstet sich gegen die 3. Corona-Welle

In Frankreich warnen die Wissenschaftler vor einer trügerischen Ruhe. Zwar geht die Zahl der Corona-Neuinfektionen zurück. Doch das Institut Inserm warnt vor einer dritten Welle durch die britische Covid-Variante.

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In Frankreich infizieren sich jeden Tag rund 20.000 Menschen mit dem Corona-Virus

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Leise Hoffnung und große Sorge

Die Zahlen sehen eigentlich gut aus. Zuletzt wurde sogar die Marke von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner wieder unterschritten. Das heißt, es werden noch immer regelmäßig mehr als 20 000 Neuinfektionen pro Tag in Frankreich gemeldet, was allerdings deutlich unter den Werten von Dezember liegt. In den vergangenen Tagen hatte sich auch die Situation in den Krankenhäusern leicht gebessert.

Doch Gesundheitsminister Olivier Véran gibt dennoch keine Entwarnung – im Gegenteil. Inzwischen seinen 20 bis 25 Prozent der Corona-Infektionen im Land auf die hochansteckende Variante aus Großbritannien zurückzuführen, erklärt er. Was das bedeutet, konnte im Département Moselle an der deutschen Grenze beobachtet werden, wo es einen heftigen Ausbruch mit mutierten Viren gegeben hat.

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Die britische Variante breitet sich schnell aus

In einem Bericht warnt das Forschungsinstitut Inserm vor genau dieser Entwicklung im gesamten Land. Die britische Variante könnte „Ende Februar oder Anfang März“ für die meisten Infektionen verantwortlich sein. Für die Region Île-de-France wird dies sogar schon für Mitte Februar vorausgesagt. „In den kommenden Wochen wird ein schnelles Wachstum der Infektionszahlen erwartet“, erwarten die Forscher. Konkret: sie befürchten eine dritte Welle.

Die Wissenschaftler schreiben auf ihrer Internetseite:

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Ces nouveaux variants, baptisés « Anglais », « Sud-Africain » ou « Brésilien » selon le pays dans lequel ils ont été décrits pour la première fois, sont actuellement associés à une nouvelle augmentation de l’incidence et de la mortalité liés au Covid-19. La crainte d’une possibilité de réinfection ou d’infections par ces nouveaux variants malgré la vaccination commence à émerger.

Mitteliung von Inserm

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Noch sind die Zahlen in den Krankenhäusern stabil

In den vergangenen Monaten sei es gelungen, über die verschiedenen Beschränkungen des öffentlichen Lebens, eine „Stabilisierung der Krankenhausaufenthalte“ zu erreichen. Das heißt, dass die Kliniken im Moment nicht an ihren Belastungsgrenzen arbeiten. Das könnte sich durch das Auftauchen der britischen Variante aber schnell ändern.

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Die Regierung reagiert inzwischen auf diese Prognosen. Das französische Gesundheitsministerium hat Gesundheitsbehörden und Krankenhäuser einem Zeitungsbericht zufolge aufgefordert, ab 18. Februar im Krisenbetrieb zu arbeiten. Mit der Verschiebung nicht dringender Operationen und der Mobilisierung aller verfügbarer medizinischer Mitarbeiter solle einem möglichen Anstieg der Krankenzahlen infolge von Coronavirus-Mutanten begegnet werden, berichtet „Le Journal Du Dimanche“.

Zudem werden wegen der Corona-Pandemie in Frankreich die Regional- und Département-Wahlen um drei Monate verschoben. Sie sollen nun im Juni dieses Jahres stattfinden und nicht wie ursprünglich geplant im März. Die Abstimmung gilt als letzter wichtiger Stimmungstest vor der Präsidentschaftswahl 2022.

Frankreich will „keine bösen Überraschungen“

Wird die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich wieder geschlossen? Alle beteuern, dass das Chaos vom vergangenen Jahr vermieden werden soll, als die Corona-Zahlen in Grand-Est stark gestiegen sind. Eine Strategie scheint aber auch jetzt noch nicht abzusehen.

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Eine besorgniserregende Entwicklung in Sachen Corona im Département Moselle

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Paris befürchtet neue Grenzschließungen

Die Politiker in Paris sind beunruhigt. Die Befürchtung steht im Raum, dass Deutschland die Grenze wegen der möglichen Ausbreitung hoch ansteckender Coronavirus-Varianten im Département Moselle die Grenzen schließt. Wie an der Grenze im Osten Deutschlands dürfe es auf jeden Fall nicht ablaufen, heißt es in Frankreich. Die Bundesregierung hatte in der vergangenen Woche Tschechien, die Slowakei und das österreichische Bundesland Tirol als sogenannte Virusvariantengebiete eingestuft. In Bayern und Sachsen gelten an den Grenzen seit Sonntag strenge Einreisebeschränkungen, in Bayern wurden bereits in den ersten Stunden hunderte Menschen an der Grenze abgewiesen.

Aus diesem Grund hat Frankreich die Bundesregierung vor einer Schließung der gemeinsamen Grenze gewarnt. Der französische Europa-Staatssekretär Clément Beaune sagte am Montag im Radiosender France Inter, er wolle mit den Ministerpräsidenten des Saarlands, von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg beraten, „damit es keine bösen Überraschungen gibt“.

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Offene Grenzen für Pendler gefordert

Für Grenzpendler und den Güterverkehr müssten die Grenzen offen bleiben, forderte Beaune. Eine komplette Schließung der deutsch-französischen Grenze solle verhindert werden. So müsse es möglichst auch weitgehende Ausnahmen für Grenzpendler geben. „Es darf keine Entscheidung geben, die nicht abgestimmt ist“, mahnte er und verwies direkt auf die vorherige Schließung der deutschen Grenzen zu Tschechien und zum österreichischen Tirol.

Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) will coroanbedingte Grenzkontrollen zu Luxemburg und Frankreich wie im Frühjahr 2020 verhindern. „Wir werden alles daran setzen, dass wir gemeinsam die Pandemie bekämpfen“, betonte er am Montag in Saarbrücken in einer Regierungserklärung im Landtag. Wenn wegen der Virusvarianten Kontrollen nötig seien, dann nur in Zusammenarbeit mit den Nachbarn, mit gemeinsamen Tests und nicht an der Stelle der früheren Schlagbäume.

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Ministerpräsident Tobias Hans sagte:

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„Die neuen Virusvarianten stellen uns vor neue Herausforderungen. Uns droht quasi eine Pandemie in der Pandemie, wenn wir uns unvorsichtig anstellen.“

Ministerpräsident Tobias Hans

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„Beunruhigende Lage“ im Département Moselle

Ausgelöst wurden die Befürchtungen, weil in dem an das Saarland und Rheinland-Pfalz grenzenden Verwaltungsbezirk Moselle in den vergangenen Tagen mehr als 300 Infektionen mit der südafrikanischen Variante des Coronavirus nachgewiesen worden sind. Experten haben den Verdacht, dass manche Impfungen gegen diese Mutante nicht so wirksam sind.

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Gesundheitsminster Oliviér Véran sprach am Freitag bei einem Besuch in der Region von einer „beunruhigenden Lage“. Täglich kämen etwa hundert Neuinfektionen hinzu, die meisten offenbar mit der südafrikanischen Variante. Als Konsequenz kündigte Véran mehr Tests und Impfungen sowie schärfere Quarantäneregeln an. Allerdings sollen Schulen und Geschäfte in der Region nach dem Willen der Zentralregierung in Paris vorerst geöffnet bleiben.

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Marine Le Pens dritter Anlauf aufs Präsidentenamt

Die Rechtspopulistin steht in Umfragen gut da. Sie profitiert von der Schwäche Emmanuel Macrons, stolpert bisweilen aber über die eigenen Aussagen.

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Marine Le Pen und ihre schlechten Tage

Manchmal hat Marine Le Pen sehr gute Tage. Dann sitzt sie ihren Gesprächspartnern gegenüber, beantwortet Fragen konzentriert, routiniert und mit einer fast schon präsidentiell anmutenden Gelassenheit. Ihre Berater aber zittern vor den schlechten Tagen, wenn bei der Chefin des extrem rechten Rassemblement National (RN) wieder einmal die Dämme brechen, wenn in hitzig geführten Diskussionen vor den laufenden Fernsehkameras plötzlich wieder jene unbeherrschte Frau zum Vorschein kommt, die ihre Gegner nicht mit Argumenten auskontert, sondern lautstark mit hässlichen Tiraden überzieht. An solch einem schlechten Tag hat Marine Le Pen im Jahr 2017 die Präsidentenwahl gegen Emmanuel Macron endgültig verloren. Im direkten TV-Duell gegen den smarten Aufsteiger wirkte sie völlig überfordert, aggressiv bis hin zur Hysterie und vor allem: inkompetent.

Nun nimmt die 52-Jährige einen neuen Anlauf. Im kommenden Jahr will Marine Le Pen zur Präsidentin von Frankreich gewählt werden. Es ist ihre dritte und letzte Chance, denn hinter der RN-Chefin wartet die junge Konkurrenz aus den eigenen Reihen – nicht zuletzt ihre eigene Nichte Marion Maréchal.

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Marine Le Pen in Umfragen vorne

In den Umfragen steht Marine Le Pen im Moment nicht schlecht da. Den ersten Wahlgang könne sie mit rund 26 Prozent für sich entscheiden, so die Zahlen des Instituts Harris Interactive. Emmanuel Macron landet demnach mit 23 Prozent auf Platz zwei. In der Stichwahl würde nach diesen Angaben dann aber der Amtsinhaber mit knapp 52 Prozent gewinnen. Für viele bürgerliche Gesellschaftsschichten scheint die Rechtspopulistin noch immer nicht wählbar zu sein.

Ihre aktuelle Stärke zieht Marion Le Pen allerdings nicht aus dem eigenen, überzeugenden Auftreten, sondern aus der Schwäche von Emmanuel Macron. Seit dem Beginn der sozialen Proteste der „Gelbwesten“ vor über zwei Jahren dümpelt der Präsident in einem nicht enden wollenden Umfragetief. Der große Hoffnungsträger der Franzosen brachte mit seinem vor allem an Zahlen und nicht an Menschen orientierten Reformkurs das eigene Volk gegen sich auf. Und in der Corona-Pandemie gab er bei mehreren TV-Ansprachen zwar den Macher, erwies sich am Ende aber als erstaunlich schlechter Krisenmanager.

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Schlingerkurs der Rechtspopulistin

Marine Le Pen kann aber von der aktuellen Krise nicht profitieren, was auch mit ihrem Schlingerkurs in Sachen Pandemiebekämpfung zu tun hat. So hat die Rechtspopulistin zwar immer wieder die harten Beschränkungen des öffentlichen Lebens der Franzosen kritisiert, war aber auch nie wirklich gegen den von der Regierung verhängten Lockdown. Dasselbe desolate Bild gibt Marine Le Pen beim Thema Impfungen ab. Zuerst kritisierte die, dass die Regierung vorpresche und einen „unsicheren Impfstoff“ verwende, was ihr viel Beifall von Seiten der Verschwörungsfraktion einbrachte. Dann geißelte sie allerdings, dass zu langsam geimpft werde, um dann schließlich Anfang Januar zu verkünden, dass sie sich nun – entgegen ursprünglicher Aussagen – so schnell wie möglich impfen lasse.

„Wenn ich Präsidentin von Frankreich bin …“

Immer deutlicher wird, dass Marine Le Pen ein sehr grundsätzliches Problem hat. Sie muss auf der einen Seite die eigene Basis befriedigen, den Protest gegen „das System“ verkörpern und den Rassemblement National als Anti-Establishment-Partei positionieren. Will sie aber die Präsidentenwahl gewinnen, muss Marine Le Pen die Mehrheit der Franzosen überzeugen, dass sie eine würdige Staatschefin wäre. Dieser politische Drahtseilakt gelingt ihr nicht immer. Allerdings drohen sich in Frankreich die wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen wegen der Corona-Krise dramatisch zu vertiefen, weswegen die Rechtspopulistin in den nächsten Monaten ihre Chancen weiter steigen sieht, im dritten Anlauf doch noch den Élyséepalast zu erobern. Marine Le Pen gibt sich in Diskussionen aus diesem Grund sehr selbstbewusst. Ihre Ausführungen beginnt sie inzwischen sehr gerne mit den Worten: „Wenn ich Präsidentin von Frankreich bin …“. Das geht ihr überraschend locker über die Lippen.

Corona: Heimliche Partys und die Gefahr durch den britischen Virus

Für die Polizei ist es ein mühsames Katz-und-Maus-Spiel. Rund 800 Beamten waren allein in der Region Île-de-France unterwegs, um die Ausgangsbeschränkungen zu kontrollieren. Zwar reißt den Franzosen der Geduldsfaden, doch die Wissenschaft warnt immer lauter vor der neuen, sehr ansteckenden Corona-Variante.

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Corona-Zahlen in Frankreich

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Eine Party mit 60 Leuten ausgehoben

Bei ihren Kontrollen in Sachen Ausgangssperre waren die Polizisten leider sehr erfolgreich. Allein von Samstag auf Sonntag wurden 113 Verwarnungen wegen illegaler Zusammenkünfte in Bars und Restaurants ausgesprochen. Auf einer Party wurden mehr als 60 Teilnehmer gezählt.

Nicht zuletzt aus diesem Grund dringen Epidemiologen darauf, die Maßnahmen in Frankreich wesentlich zu verschärfen. So warnt Arnaud Fontanet vom Institut Pasteur in der Sonntagszeitung „Journal du Dimanche“ davor, dass vor allem die zuerst in Großbritannien entdeckte Mutation mit den aktuellen Maßnahmen kaum zu einzudämmen sei. Er weiß allerdings, dass sich das nicht so einfach machen lässt. Der Mediziner sagt, dass es nun Aufgabe der Politik sei, zwischen gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen zu vermitteln.

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„L’alternative aurait été un confinement tout de suite, qui, s’il avait été accepté par la population, aurait permis de soulager les hôpitaux et de reprendre le contrôle de l’épidémie avec un „Tester-Alerter-Protéger“ plus efficace une fois le nombre de nouveaux cas ramené à quelques milliers par jour. Mais le coût économique, social et scolaire aurait été très élevé. Du coup, le gouvernement a choisi de laisser une dernière chance au non-reconfinement, au risque de voir la situation sanitaire se dégrader encore, et d’être contraint plus tardivement au reconfinement.“

Arnaud Fontanet

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Ausgangssperre ab 18 Uhr in Frankreich

In Frankreich gilt aktuell eine strenge abendliche Ausgangssperre ab 18 Uhr. Die Menschen dürfen dann nur in Ausnahmefällen vor die Tür – dazu zählt etwa der Arbeitsweg. Restaurants, Bars oder kulturelle Einrichtungen wie Museen und Theater sind geschlossen. Schulen, Kindergärten und der Einzelhandel haben aber weitgehend geöffnet. Einen von vielen erwarteten neuen Lockdown hat die Regierung bisher nicht verkündet. Stattdessen droht sie seit Wochen damit, da die Lage beunruhigend sei. Zuletzt waren regelmäßig deutlich mehr als 20 000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet worden.

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Furcht vor der britischen Variante des Virus

Nach Einschätzung von Fontanet, der als Mitglied im Wissenschaftlichen Rat auch die Regierung berät, wird sich die in Großbritannien zuerst entdecke Variante um Anfang März herum in Frankreich durchsetzen. Am 7. und 8. Januar sei sie für 3,3 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich gewesen, am 27. Januar bereits für 14 Prozent, sagte der Wissenschaftler unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse einer Untersuchung. Er warnt davor, dass Frankreich vom Tempo der Epidemie überrascht werden könne. „Zumal zwischen dem Zeitpunkt, an dem Maßnahmen ergriffen werden, und dem Zeitpunkt, an dem sie wirksam werden, eine Verzögerung besteht.“

Inzwischen veröffentlicht das Gesundheitsministerium immer wieder Zahlen, dass die Impfungen voranschreiten – doch gibt es dabei große Probleme.

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Fälscher verdienen Millionen mit der zweiten Kunst-Garde

Die Polizei deckt in Frankreich ein Netzwerk auf, das sich auf das Kopieren von wenig bekannten Impressionisten spezialisiert hat. Verwickelt sind Auktionshäuser, Kunsthändler und Galerien.

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Auch Bilder von Vicent van Gogh, der seine letzten Tage in Auvers-sur-Oise verbracht hat, werden immer wieder kopiert. Doch die Fälscher, die nun ins Netz der Ermittler gegangen sind, haben sich nicht an die großen Meister gewagt.

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Den Fälschern sehr einfach gemacht

Der französische Landschaftsmaler Jean-Baptiste Camille Corot hat in seinem langen und sehr produktiven Leben 3000 Gemälde geschaffen – 5000 davon in den USA. In der Kunstwelt ist dies ein geläufiger Witz, doch er hat einen sehr realen Hintergrund. Denn es sind nicht mehr die Diebe von echten Kunstwerken, die mit ihren Raubzügen für Furore sorgen, die großen Gewinne werden inzwischen auf Auktionen mit Fälschungen erzielt. Nicht alle machen es den Kopierwerkstätten allerdings so einfach wie Camille Corot (1796-1875), der viele seiner Werke großzügig verschenkte, sogar eigenhändig kopierte und oft unsigniert ließ. Es schien den Vorläufer der französischen Impressionisten sogar zu amüsieren, dass seine Landschaftsbilder ausgerechnet in den USA sehr populär waren und er dort schon zu seinen Lebzeiten häufig kopiert wurde.

Allerdings ist es ein Irrtum zu denken, die Fälscher würden sich vor allem den Werken berühmten Künstler annehmen. Immer häufiger fallen der Polizei Kopien von weniger bekannten Meistern aus der zweiten Reihe der Kunstgeschichte in die Hände. Besonders erfolgreich waren zuletzt die Ermittler der französischen OCBC, ein Team von rund dreißig auf Kunstraub und Fälschungen spezialisierte Männern und Frauen. Über Jahre war diese „Zentralstelle für den Kampf gegen den Handel mit Kulturgütern“ einem Netzwerk von Fälschern, Kunsthändlern, Auktionshäusern, Strohmännern und Galerien auf der Spur, die offensichtlich viele hundert gefälschte Bilder des Impressionismus auf den Markt gebracht haben. Die Ermittlungen seien inzwischen „fast abgeschlossen“, bestätigte die „Kunstpolizei“ nun der französischen Tageszeitung „Le Parisien“.

Die Geschichte von „Monets Doppelgängerin“

Die episodenreiche Geschichte beginnt vor neun Jahren. Damals kaufte ein Mann bei einer Auktion in der nordfranzösischen Hafenstadt Le Havre für 66.000 Euro ein Gemälde. Der Titel lautet „Die japanische Brücke in Giverny“ und das Werk ist signiert mit Blanche Hoschedé Monet (1865-1947). Die Künstlerin wird gerne als „Monets Doppelgängerin“ bezeichnet. Ihre Mutter lebte mit dem berühmten Maler Claude Monet in Giverny zusammen, der das junge Mädchen gerne malte, das später dann selbst zur anerkannten Künstlerin wurde.

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Den Käufer in Le Havre beschlichen dann allerdings gewisse Zweifel an der Echtheit des impressionistischen Gemäldes und er wandte sich hilfesuchend an Jean Aittouares, einen Pariser Anwalt und Spezialisten auf dem Kunstmarkt. Der ließ das Werk von einem unabhängigen Experten untersuchen, der schnell zu einem vernichtenden Ergebnis kam: die Farbe sei zu frisch, der Rahmen zu neu, das Bild eindeutig eine Fälschung.

Viele Opfer schweigen aus Scham

Anders als in vielen anderen Betrugsfällen, in denen die Opfer aus Scham lieber schweigen, wurden in diesem Fall die Beamten der OCBC eingeschaltet. Die machten sich auf die Suche nach weiteren Opfern und wurden schnell fündig. Erst allmählich wurde das Ausmaß des Betruges deutlich, in den Galerien in Paris und Auktionshäuser in mehreren französischen Städten verwickelt waren. In Reims stießen die Ermittler schließlich auf die Werkstatt der Fälscher und beschlagnahmen 250 Gemälde – alles Kopien von als zweitklassig geltenden Künstlern. Die hätten auf Auktionen jeweils zwar nur zwischen 10.000 und 100.000 Euro eingebracht, doch in diesem Fall hätte die Masse den Profit gebracht. Der „Marktwert“ der gefundenen Bilder wird auf knapp 15 Millionen Euro geschätzt.

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Der Coup sei sehr gut geplant gewesen, erklärt ein Ermittler fast schon anerkennend. Die Fälscher hätten auch Picasso kopieren können, haben sich aber auf weniger bekannte Künstler wie Blanche Hoschedé Monet spezialisiert. Der Trick funktioniere ähnlich wie an der Supermarktkasse. Wer dort mit einem 500-Euro-Schein bezahlen wolle, der errege sofort Aufsehen. Aber einen Zehn-Euro-Schein nehme jeder, auch ungeprüft.

Ein kleines Stück kulinarische Freiheit

Die Wirte kämpfen in der Corona-Pandemie ums Überleben. In Frankreich bedienen inzwischen immer wieder Restaurants ihre Gäste am Tisch, obwohl das in Zeiten von Corona verboten ist. Der Staat will nun mit Strafen härter durchgreifen.

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Auch auf den Champs-Élysées haben die Restaurants geschlossen.

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Nur kurz einmal hinsetzen und Kaffee trinken

Angefangen hat alles mit einem Kaffee in der Mittagspause. „Du kannst doch schnell hinsitzen, um den Kaffee zu trinken“, schlug der Wirt vor. Neben dem Tresen, wo er die abgepackten Essen zum Abholen verkaufte, standen kleine Bistrotische und waren von der Straße aus nicht zu sehen. Laut Corona-Verordnung ist das natürlich verboten, aber es war ja nur kurz und ein entspanntes Schwätzchen in diesen einsamen Zeiten konnte nicht schaden. An den anderen Tischchen saß bereits eine Handvoll Gäste, alles Stammkunden, die dem kleinen Bistro in einem schicken Pariser Arrondissement auch in Zeiten der Pandemie die Treue hielten.

Einige Wochen später waren die Bistrotische am Mittag mit weißen Tischdecken überzogen. Es sei doch egal, ob man das Sandwich vor dem Lokal im Stehen isst oder hier sitzt, erklärte der Wirt – natürlich sei alles Corona-Konform und mit dem nötigen Abstand. Doch auch dabei sollte es nicht bleiben. Mitte Januar werkelte plötzlich wieder der Koch in der Küche, brutzelte am Herd Burger und dekorierte Salatschüsseln. Die Tische sind nun gedeckt und laden zum Hinsetzen ein. Der Laden ist um die Mittagszeit gut besucht, niemand regte sich auf – im Gegenteil. Die Kunden, die sich in ihrer Pause ein Sandwich auf die Hand holten, scheinen fast froh über dieses kleine Stück Normalität in diesen so seltsamen Zeiten.

Wirte kämpfen ums Überleben

Wegen des Profits mache er das nicht, sagt der Wirt, es sei eher eine Art Beschäftigungstherapie. Für die paar Essen sei er den ganzen Morgen unterwegs und zudem könne er nun seinen seit Monaten arbeitslosen Koch wieder anstellen und bezahlen. Der saß nämlich seit Beginn der Schließung der Restaurants im November zuhause in einer kleinen Wohnung in einem der unansehnlichen Vororte von Paris und wusste nicht, wie er seine Familie ernähren sollte.

Natürlich weiß der Wirt von einigen anderen Kollegen, die trotz des Verbotes Gäste an Tischen bedienen. Auch wird in den französischen Zeitungen immer wieder von diesen „restaurants clandestins“ berichtet – wobei die Grenzen des Verstoßes fließend sind. Es gibt jene Bistros, wo man sich zum Kaffee kurz hinsetzen darf. In einem Kebab-Haus kann man an den Tischen im rückwärtigen Bereich des Gastraumes zum Essen Platz nehmen. Und dann gibt es jene Restaurants, wo etwa Stammgäste sich anmelden können und abends für einen kleinen Kreis groß aufgetischt wird. Alle haben allerdings eines gemeinsam: sie arbeiten so diskret wie möglich und verdienen nicht genug, um die Ausgaben zu decken. Aber es reicht in den meisten Fällen zumindest, um die eigene Moral aufrechtzuerhalten.

Die Wirte verlieren die Geduld

Je länger die von der Regierung verordnete Schließung der Lokale dauert, desto lauter werden die Stimmen der Wirte, die ein Ende der Maßnahmen fordern. Im November hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron noch eine Öffnung der Restaurants für den 20. Januar in Aussicht gestellt, sollte die Gesundheitssituation es zulassen. Doch diese Aussage verwandelte sich ziemlich schnell in Schall und Rauch. Die Wiedereröffnung wurde jüngst angesichts der unverändert hohen Zahlen von über 20.000 Neuinfektionen pro Tag auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben.

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Inzwischen sieht sich sogar die Regierung gezwungen, gegen die „restaurants clandestins“ vorzugehen. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat Betreiber in diesen Tagen die Streichung finanzieller Mittel angedroht, sollten sich die Wirte nicht an die Regeln halten. Ein Gastronom, der seinen Laden öffne, bekomme einen Monat lang kein Geld aus dem Solidaritätsfond, sagte der erzürnte Minister dem Sender RTL. Wenn er es wieder tue, gebe es überhaupt keine Unterstützung mehr. Es sei eine „extrem schwierige Situation“ für die Gastronomie, aber das rechtfertige nichts, unterstrich Bruno Le Maire. Der Zorn der Wirte wird dadurch allerdings nur noch weiter angefacht. Inzwischen rufen manche Restaurantbesitzer dazu auf, ihre Betriebe trotz Corona zumindest am Mittag wieder ganz offiziell zu öffnen.

Die staatlichen Hilfen reichen oft nicht

Der Besitzer eines angesagten Restaurants im Zentrum von Paris verriet der Tageszeitung „Le Parisien“, dass die Hilfe der Regierung von bis zu 10.000 Euro pro Monat eine große Erleichterung sei. Allerdings müsse er jeden Monat 20.000 Euro Miete bezahlen, das relativiere die Höhe der Unterstützung. Viele Wirte beklagen sich inzwischen auch über das Vorgehen der Banken, die oft keine Kredite mehr vergeben würden, um diese schwere Zeit irgendwie zu überbrücken.

Die Meinung der Interessenverbände zu diesem Thema ist einhellig. „Wir verurteilen jede heimliche Eröffnung“, sagt Franck Delvau, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Umih) im Großraum Paris. Er fordert die strikte Einhaltung der Regeln. Es sei besser, jetzt alles zu schließen, bis die Pandemie abgeklungen ist und dann unter den bestmöglichen Bedingungen wieder zu öffnen. Das Schlimmste sei es doch, fügt Franck Delvau hinzu, einige Wochen nach einer ungeordneten Öffnung wieder schließen zu müssen.

Viele Hundert Verwarnungen an Wirte

Allein die Präfektur in Paris hat seit Anfang November 207 Verwarnungen gegenüber Wirten ausgesprochen, die ihr Lokal illegal geöffnet haben. 14 Restaurants wurden geschlossen, weil sie sich wiederholt nicht an die Vorgaben gehalten haben. Natürlich müssen auch die Gäste in diesen Fällen mit einer Geldstrafe rechnen. Wer ohne guten Grund nach der Ausgangssperre um 18 Uhr die Wohnung verlässt, muss mindestens 135 Euro bezahlen.

Ein böses Erwachen gab es dieser Tage allerdings für die Gäste im Restaurant L’Annex auf der Île de la Cité im 4. Arrondissement von Paris. Das typisch französische Lokal, das nach eigenen Angaben während der Corona-Pandemie Essen zum Mitnehmen anbietet, liegt direkt neben dem Berufungsgericht und unweit der Polizeipräfektur. Einer Radstreife war nach Angaben der Tageszeitung „Le Figaro“ eines Mittags ein ungewöhnliches Treiben aufgefallen. Bei der anschließenden Kontrolle entdeckten die Polizisten eine Gruppe, die es sich auf einer kleinen, etwas abgetrennten Terrasse des Restaurants bei reichlich Champagner und leckerem Essen gutgehen ließ. Als die Streifenpolizisten die Personalien aufnehmen wollten, wurde die Stimmung gereizt. Der Grund: die meisten der Anwesenden arbeiten als Richter am Berufungsgericht nebenan. Die Beamten ließen keine Ausrede gelten und verwehrten sich auch gegen Drohungen der Ertappten. Schließlich wurden zehn Personen eine Geldstrafe von 135 Euro aufgebrummt. Am Restaurant selbst sind inzwischen die Vorhänge geschlossen und die Schiefertafel mit dem Hinweis „L’Annexe est ouvert“ (Das Annexe hat geöffnet) wurde entfernt.

Pop-up-Attraktion in Paris: Hochwasser an der Seine

In Paris gibt es für die Corona-geplagten Einwohner im Moment eine neue Freizeitbeschäftigung: Hochwasser-Watching. Der Pegel der Seine ist in diesen Tagen stark angestiegen und liegt inzwischen bei vier Metern. Der Schiffsverkehr ist stark eingeschränkt.

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Die Uferstraße an der Seine ist in weiten Teilen nicht mehr zu passieren.

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Überschwemmung – aber noch keine Gefahr

Ein Spaziergang am Ufer der Seine entlang ist im Moment also nicht mehr möglich. Zwar versuchen immer wieder Radfahrer, Jogger und Spaziergänger, die Fluten zu umgehen, das ist etwa unter den Brücken nicht mehr möglich. Dort schwappt das braune Wasser bis an die Wand des Ufers. Inzwischen ist auch die Seine-Insel Île aux Cygnes nahe dem Eiffelturm gesperrt. Bekannt ist die Insel vor allem wegen des Standortes der Freiheitsstatue.

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Hoffen auf ein Ende des Regens

Nach Angaben der Stadt herrscht inzwischen die Warnstufe Gelb. Das entspreche einer Überschwemmungsgefahr und einem schnellen Anstieg des Wasserspiegels. Diese verursachten noch keine größeren Schäden, es sei aber Wachsamkeit geboten. In Paris hat es in den vergangenen Tagen immer wieder heftig geregnet. Die Hochwasserwerte waren allerdings noch weit entfernt von den 6,10 Metern von Juni 2016 oder sogar den 8,62 Metern von 1910. Auch 2018 trat die Seine über die Ufer, etliche ufernahe Wege und Straßen waren damals ebenfalls abgesperrt.

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Von Seiten der Stadt heißt es:

Ce niveau correspond à un risque de crue ou de montée rapide des eaux n’entraînant pas de dommages significatifs, mais nécessitant une vigilance particulière dans le cas d’activités saisonnières et/ou exposées.La Seine à Paris a connu une hausse en raison de la propagation de l’onde de crue venant notamment de la Marne ainsi que d’une succession de perturbations actives en fin de semaine dernière. Les niveaux seront en hausse à Paris dans les jours à venir avec pour lundi matin 01/02 déjà 4,09 m. Ce qui entraine les fermetures suivantes :

  • Rive droite tronçon Tuileries – Henri IV
  • Île au Cygnes
  • Voie Georges-Pompidou entre Bir Hakem et pont de Garigliano

Polizei schnappt Diebe von 1600 Flaschen wertvoller Bordeaux-Weine

Dieser Diebstahl sorgte für einiges Aufsehen. Im September vergangenen Jahres hatten Einbrecher bei einem Weinhändler in Bruges 1600 Flaschen wertvollen Bordeaux-Wein aus dem Lager gestohlen. Nun sind die Täter offensichtlich gefunden.

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Ein ganz besonders wertvoller Tropfen

Dass es sich bei dem Diebstahl nicht gerade um Tafelwein handelt, wird allein durch den Preis deutlich. Nach Angaben der Polizei waren die Flaschen rund 800.000 Euro wert und waren unter anderem Château Latour, Haut-Brion oder Petrus. Nun konnte zumindest die Hälfte der Beute sichergestellt werden. Die mutmaßlichen Täter wurden nach Abgaben der zuständigen Behörde zufolge bei großangelegten Razzien mit rund 50 Beamten im Einsatz in mehreren Orten rund um Bordeaux festgenommen, etwa in Blanquefort und Mérignac.

Die Polizei hüllt sich zwar in Schweigen, aber offensichtlich waren die Beamten vor allem den Mitgliedern einer Familie auf der Spur. Die waren in der Vergangenheit schon mehrere Male durch nicht ganz saubere Geschäfte aufgefallen. Unter den Festgenommenen waren auch eine Frau sowie ein chinesischer Staatsbürger, der das Diebesgut offenbar exportieren wollte. Bei den Razzien wurden neben rund den 800 Flaschen Wein aus dem Diebesgut auch mehrere tausend Euro, zwei Waffen und geringe Mengen an Drogen beschlagnahmt.

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Der Diebstahl von Weinen floriert

Der Diebstahl von wertvollen Weinen ist nach Angaben der Polizei in der Region Bordeaux inzwischen ein „bedeutendes Phänomen“. Der Schaden sei meist sehr hoch, da die Weine beim Export hohe Preise erzielen würden. Bereits im Dezember war während eines gemeinsamen Einsatzes von Polizei und Gendarmerie ein ganzes Netzwerk ausgehoben worden. 25 Männer aus der Gironde, Dordogne und der Loire wurde festgenommen, die sich auf den Diebstahl von Grand-Crus-Weinen spezialisiert hatten. Der Schaden allein durch diese Bande wird auf rund fünf Millionen Euro geschätzt.