Gruseliges am Place de la République

Der Place de la République im Herzen von Paris ist ein besonderer Ort. Er ist das Herz der französischen Republik – und der Stadtpunkt oder das Ziel zahlreicher Demonstrationen. Manchmal wird er sogar von Zombies heimgesucht.

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Ein Zombie beim Imponiergehabe. Die Teilnehmer geben sich alle Mühe möglichst erschreckend zu wirken.

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Tanz der Untoten in Paris

Auf dem Place de la République ist immer etwas los – und wenn nichts los ist, dann sind die Skate-Boarder vor Ort. An einer kleinen Rampe zeigen sie immer wieder ihre Tricks. Doch dieses Mal bekommen sie Konkurrenz. Beim 10. Zombie-Walk in Paris findet eine Invasion der Untoten statt – und natürlich ist der zentrale Platz in der Stadt ein guter Ausgangspunkt für das Event.

Übrigens: Der Platz, früher «Place du Château-d’Eau», hat seit 1879 seinen Namen, als seit 1878 im Pariser Stadtrat das Projekt zur Errichtung einer Statue der Republik zu Ehren des Republikanismus, der politischen Ideologie und des Freiheitskonzepts beraten wurde. Das Denkmal wurde 1879 bei der Fonderie Thiébaut Frères in Auftrag gegeben und 1883 eingeweiht.

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Um die Mittagszeit sammeln sich immer mehr der verkleideten jungen Menschen und beginnen sich zu schminken. Manche begnügen sich mit einigen kurzen Make-Up-Strichen, andere legen ziemlich Hand an. Da wird gekleistert, gezupft und modelliert. Dem Einfallsreichtum sind dabei keine Grenzen gesetzt.

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Das Schminken nimmt bisweilen Stunden in Anspruch

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Kurioses Aufeinandertreffen mit den Gelbwesten

Am Nachmittag schließlich haben sich rund 50 der Untoten auf dem Place de la République zusammengerottet und treiben ihr Unwesen. Allerdings ist etwa die doppelte Zahl an Fotografen unterwegs, für die die Zombies nur allzu gerne posieren.

Wie Wikipedia weiß, stammt der Zombie Walk natürlich aus den USA. Das erste Treffen dieser Art fand am 19. August 2001 im US-amerikanischen Sacramento statt. In Deutschland sind in der Vergangenheit immer wieder Zombie Walks von den Behörden verboten worden – die Untoten hatten es einfach vergessen, die Veranstaltung vorher angemeldet. Und der deutsche Amtsschimmel kennt sogar vor dem Jenseits kein Pardon.

In Paris am Place de la République geht aber alles glatt über die Bühne, doch am Nachmittag kommt es zu einem kuriosen Aufeinandertreffen. Eine versprengter Trupp von Gilets Jaunes zieht vorbei und mischt sich kurz mit den Zombies. Vergleiche jeglicher Art verbieten sich in diesem Fall allerdings.

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Gelbweste meets Zombie

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Politischer Protest der Kurden

Am Nachmittag wird es auf dem Platz noch enger. Mehrere Hundert Kurden protestieren gegen den Einmarsch der Türkei in Syrien. Sie verteilen Transparente und schwenken Fahnen, auf denen der türkische Präsident Erdogan geschmäht wird. Die Polizei hat die Straßen um den Platz gesperrt, hält sich aber sehr dezent im Hintergrund.

Die Kurden sind äußert gut organisiert. Hunderte Fahnen werden verteilt, viele mit dem Porträt des PKK-Führers Özalan. Auch einige Franzosen haben sich eingefunden, um dafür zu demonstrieren, das Volk der Kurden in ihrem Kampf gegen die türkische Armee nicht allein zu lassen.

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Demo der Kurden gegen den Krieg in Syrien

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Zwischen den Protestierenden haben sich einige Händler breit gemacht, die in fahrbaren Garküchen ihre Spezialitäten anbieten. Nicht fehlen darf natürlich die traditionelle Merguez, eine scharf gewürzte Hackfleisch-Bratwurst aus der maghrebinischen Küche. Sie wird bei allen Treffen, Zusammenkünften und Festen gegessen.

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Das kulinarische Angebot ist durchaus sehens- und essenwert

Techno-Parade in Paris

Ausgelassene Feier in Paris. Beim Louvre trafen sich am Samstag mehrere Zehntausend junge Techno-Fans zu alljährlich stattfindenden Parade. In einer infernalischen Lautstärke dröhnten die Bässe von mehreren Lastwagen. Die Stimmung war ausgelassen und auch das Wetter spielte mit – es war ein lauer Spätsommertag.

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Red Bull ist einer der Sponsoren der Parade

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Kleine Verstimmung durch die Gilets Jaunes

Allerdings kam es zu einer kleinen Verstimmung – einige Gilets Jaunes drängten sich zwischen die Feiernden. Doch nicht alle Techno-Fans fanden das gut. „La rue est à tout le monde!“ antworteten die Gilets Jaunes.

Tommy Vaudecrane, Organisator der Parade zeigte sich nicht glücklich über den Besuch der Demonstranten, die sich zuvor zu ihrer 46. Protestwoche auf den Champs-Élysées versammelt hatten. Von einer machtvollen Bewegung war dort allerdings nichts mehr zu sehen – es handelte sich eher um einen versprengten Haufen.

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Ein Demonstrant der Gilets Jaunes auf der Techno-Parade

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Teilnehmer ohne Einladung

Tommy Vaudecrane sagte:

„Nous n’avons pas invité les Gilets jaunes. On regrette cette recuperation.”

Die Techno-Fans wollten von den Gelbwesten politisch nicht in Beschlag genommen warden. Die aber ignorierten diesen Wunsch und liefen vor der Parade her, die sich deswegen gegen 16 Uhr mit etwas Verspätung in Bewegung setzte.

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Die Stimmung an dem Tag war trotz dieser kleinen Probleme dennoch sehr ausgelassen. Die Parade hatte allerdings auch ein politisches Motto. #JusticePourSteve hatten sich die Organisatoren auf ihre Fahnen geschrieben. Steve ist ein junger Mann, der im Sommer bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam, als die Beamten ein Techno-Festival räumten.

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Die Weinberge im Stadtzentrum von Paris

Im Stadtzentrum von Paris gibt es fünf Weinberge. Im Herbst werden dort von Freiwilligen die Beeren gelesen. Viel Wein gibt es nicht, der wenige Rebensaft aber hat aber einen stolzen Preis.

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Wein aus Paris – die Ernte 2019 ist wegen des heißen Sommers vorzüglich

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Jean Taiel freut sich das ganze Jahr auf diesen einen Tag im Herbst. Am frühen Morgen schnürt er seine festen Schuhe, zieht sich eine wasserdichte Jacke über und geht den kurzen Weg von seiner Wohnung im 19. Pariser Arrondissement durch den Park von Belleville zum Weinberg. Wobei die Bezeichnung Weinberg die Sache nicht ganz trifft. Ungefähr 500 Quadratmeter misst die Fläche. Es sei eher ein „mikro-vignoble“ – ein Mikro-Weinberg, rückt Jean Taiel die Relationen zurecht.

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Jean Taiel freut sich das ganze Jahr auf die Weinlese

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Im richtigen Leben ist der Endfünfziger Controler bei einer Softwarefirma, doch nun darf er sich für kurze Zeit als Weinbauer fühlen. Zusammen mit rund einem Dutzend anderer Erntehelfer, die alle aus der Nachbarschaft des Parks von Belleville stammen, macht er sich an die Lese der Beeren. Jeder bekommt eine Gartenschere und eine kleine Plastikwanne in die Hand gedrückt. Viel Arbeit wartet allerdings nicht. Nach knapp einer Stunde sind die Reben leer und die Behälter voll. „Es ist aber jedes Mal ein schönes Erlebnis“, sagt Jean Taiel, „wir arbeiten hier zusammen, reden miteinander und man fühlt sich wie in der freien Natur – es hat etwas Archaisches.“

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Zusammen den Wein zu lesen bringt den Menschen die Natur näher – und sorgt für eine gute Nachbarschaft

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Fünf dieser „Mikro-Weinberge“ gibt es in der Innenstadt von Paris, auf denen über zwei Dutzend verschiedene Rebsorten kultiviert werden, vor allem Gamay und Pinot Noir. Der berühmteste und mit 1800 Reben auch der größte befindet sich direkt am Montmartre, wenige Schritte unterhalb der Basilika Sacré-Coeur. Der Weinbau ist eng mit der Geschichte des Ortes verbunden. Es heißt, dass schon die Äbtissinnen von Montmartre im Mittelalter dort Wein gekeltert hätten. Damals seien die meisten Bewohner in Rebbergen tätig gewesen. Weil die Einfuhr von Wein nach Paris damals strengen Auflagen unterlag, entwickelte sich der Weinort Montmartre vor den Toren der Stadt zum Ausgehdorf. Überaus lustig soll es dort zugegangen sein, bevor der Hügel 1860 Teil der ausufernden Metropole wurde. Später zog das kleine Städtchen auf dem Montmartre zahlreiche Künstler an, um deren ausufernden Weingenuss sich natürlich bis heute allerlei Mythen ranken.

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Die Ausbeute vom Weinberg im Parc de Belleville

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Hubert Jossinet scheint ein bisschen neidisch auf die schönen Geschichten, die sich rund um den Wein am Montmartre erzählt werden. Seit 2007 ist er im Auftrag der Stadt zuständig für den Park von Belleville und damit auch für den kleinen Weinberg, der sich zwischen alten Bäumen und schmalen Wegen sachte an den Hang schmiegt.

An diesem Morgen hat sich auch zwei Gruppen aus deinem nahen Kindergarten eingefunden, um den eifrigen Großstädtern bei der Weinlese zuzusehen. Die müssen immer wieder ihre Arbeit unterbrechen, um die Fragen des neugierigen Nachwuchses beantworten. „Wir bringen den Kindern damit auch ein Stück Natur nahe, das in der Großstadt ansonsten völlig verloren geht“, umschreibt Hubert Jossinet auch den pädagogischen Auftrag, den die Stadt mit dem Anbau des Weines erfüllten will.

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Mitarbeiter der Stadt Paris geben den Erntehelfern Anweisungen – und natürlich darf danach gekostet werden

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Einer der Erntehelfer fragt den Chef der Gärtner, ob er den Kindern die Trauben zum Essen geben könne. Hubert Jossinet nickt und erklärt, dass in allen fünf Pariser Weinbergen bei der Bekämpfung von Schädlingen keine chemischen Keulen zum Einsatz kämen. Alle Pflanzen würden gegen Mehltau und Pilze nur mit natürlichen Substanzen wie Kupfer und Schwefel behandelt.

„Bei uns hier wird an dieser Stelle schon seit gallo-römischen Zeit Wein angebaut“, sagt Hubert Jossinet dann noch. Der Boden sei dazu geradezu ideal, was der Qualität des Weines zugutekomme. Im Gegensatz dazu gilt der Rebensaft vom Montmartre als überaus saurer Tropfen. Allerdings geht der Gärtner davon aus, dass die Qualität des Weines in diesem Jahr in allen fünf Pariser Weinbergen überdurchschnittlich sein dürfte. „Nach diesem Hitzesommer mit bis zu über 40 Grad in Paris, sind die Trauben nun fleischig, prall und optimal reif,“ urteilt Jossinet.

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Die Reben im Parc de Belleville sind durch einen langen Zaun geschützt

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Die eher schwankende Qualität des Rebensaftes tut zumindest dem Preis des Montmartre-Weins keinen Abbruch. Rund 1500 Flaschen werden dort jedes Jahr produziert, versehen mit kunstvollen Etiketten, die bei Sammlern und Touristen sehr beliebt sind. Rund 40 Euro muss man für die Halbliterflasche „Clos de Montmartre“ auf den Tisch blättern – bei Versteigerungen auch deutlich mehr. Das Geld ist allerdings sehr gut angelegt. Der Verkaufserlös aller fünf Weinberge kommt sozialen Projekten in der Stadt zugute.

Eine tödliche Gefahr in der Idylle

An bretonischen Stränden werden tonnenweise Algen angeschwemmt und verrotten. Dabei werden hochgiftige Gase freigesetzt, die wohl auch schon Menschen getötet haben.

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Yves-Marie Le Lay überprüft, wie viele giftige Gase sich an den Stränden gebildet haben.

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Ein fiepender Ton zeigt die tödliche Gefahr

Die Bucht La Lieue de Grève erscheint wie eine Idylle aus dem Tourismusprospekt – stünde da nicht dieser Mann mit seiner furchterregenden Gasmaske am Strand. In geflickten Gummistiefeln stapft er mühsam durch den Morast, der sich bei Ebbe in den kleinen Senken gebildet hat. Hie und da hält er inne, gräbt kurz mit einer kleinen Gartenschaufel und hält ein gelbes Messgerät in das Loch. Ein fiepender Ton ist zu hören, der nur eines bedeuten kann: Gefahr!

Es ist heiß, keuchend kämpft sich Yves-Marie Le Lay zurück. „Wenn ich die Maske nicht tragen würde, könnte ich hier sterben“, sagt er. „Die Konzentration an Schwefelwasserstoff ist enorm.“ Todesgefahr? An diesem wundervollen Ort, an diesem harmlosen Strand am westlichen Zipfel der Bretagne?  Yves-Marie Le Lay kennt diesen zweifelnden Blick und hebt an zu einem kurzen Vortrag.

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Bei Ebbe werden die Algen freigelegt und verfaulen in der Sonne

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Die Algen bilden Schwefelwasserstoff

„Der ganze Strand ist bei Ebbe bedeckt mit Unmengen grüner Algen“, erklärt er und macht mit dem Arm eine weit ausholende Bewegung. „Wenn die Sonne darauf scheint, beginnen die zu verrotten. Die oberste Schicht trocknet und schließt die darunterliegende Schicht luftdicht ab, wie eine Art Plastikplane. Die Algen darunter zersetzen sich aber weiter und bilden dabei Schwefelwasserstoff, ein hochgiftiges Gas. Wenn nun jemand auf diesen kleinen Algenberg tritt, kann das Gas schlagartig entweichen und wenn die Konzentration ausreichend hoch ist, kann das bis zum Tod führen.“ Wie zum Beweis stapft er durch eine kleine Algenansammlung, ein übelriechender Geruch nach faulen Eiern und Verwesung macht sich breit. „Schwefelwasserstoff“, sagt er zufrieden.

An den Stränden hat es schon Tote gegeben

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Umweltschützer Yves-Marie Le Lay

Dieses Phänomen sei natürlich nicht überall zu beobachten, erklärt Yves-Marie Le Lay, aber in den vergangenen Jahren hat es in der Region an einigen Stränden Tote gegeben, auch Tiere verenden immer wieder auf unerklärliche Weise. In diesen Tagen ist nur wenige Kilometer von La Lieue de Grève entfernt ein 18 Jahre alter Austernzüchter bei der Arbeit gestorben. Es gab zwar eine Autopsie, doch die brachte nur zu Tage, dass er keinem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. „Viele Faktoren sprechen dafür, dass er sich vergiftet hat“, sagt Yves-Marie Le Lay, „aber das Interesse der Industrie und der Politik ist nicht allzu groß, die Wahrheit ans Licht zu bringen.“

Yves-Marie Le Lay ist das, was man in Frankreich einen „écolo“, einen Umweltschützer, nennt und was nicht immer nett gemeint ist. Auf das Dach seines Hauses in Locquirec hat er Solarzellen montiert, in seinem Garten wuchern wegen der Artenvielfalt die Pflanzen und er fährt einen kleinen, gasbetriebenen Renault Clio. „Wenn man etwas Großes verändern will, muss man bei sich selbst anfangen“, sagt der ehemalige Philosophielehrer. Fast sein ganzes Leben lang habe er sich für den Naturschutz eingesetzt, erzählt der drahtige grauhaarige Mann. 1976 hat er die Umweltgruppe „Sauvegarde du Trégor” mitbegründet, die damals gegen den Bau eines geplanten Atomkraftwerkes in Beg an Fry an der Westspitze der Bretagne protestierten – mit Erfolg.

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Doch der Kampf für einen schonungsvolleren Umgang mit der Natur ist für Yves-Marie Le Lay nie zu Ende. Seit inzwischen fast zwanzig Jahren macht er auf die Gefahren durch die „algues vertes“, die grünen Algen, aufmerksam – ohne einen wirklich durchschlagenden Erfolg zu erzielen. Als Philosoph gefällt ihm der Vergleich mit Sisyphos – „die Leute würden aber eher sagen, ich bin eine Nervensäge“, sagt der Umweltschützer. Das Problem seien die Überdüngung der Felder und die Mastbetriebe an der bretonischen Küste, erklärt er. Die Flüsse und Bäche würden das überschüssige Nitrat aus dem Inland an die Strände spülen, weswegen sich die Algen dann jedes Frühjahr explosionsartig vermehren.

Schilder warnen vor der Gefahr

Einige wenige Strände an der weit über 1000 Kilometer langen bretonischen Küste sind inzwischen gesperrt worden. Auch in La Lieue de Grève hängen Warnschilder, die bei der herrschenden Hitze von den zahlreichen Touristen allerdings ignoriert werden. Bei Ebbe donnern Männer mit schwere Traktoren und großen Anhängern über den Strand. Ihre Aufgabe ist es, die Algen zu sammeln, aufzuladen und wegzufahren. Angesichts der Größe der Bucht allerdings kein wirklich erfolgsversprechendes Unterfangen. „La Lieue de Grève ist der ideale Ort für die Algen“, erklärt Yves-Marie Le Lay. „Die Bucht hat die Form eines Hufeisens, deshalb ist der Wasseraustausch mit dem offenen Meer eher gering, sie ist sehr flach und zwei nitratbelastete Bäche münden in die Bucht. Hinzu kommt im Moment die ungewöhnliche Hitze, die seit Wochen herrscht und das Wachstum noch weiter fördert.“

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Mit solchen Maschinen werden die Algen eingesammelt

Das Problem der “algues vertes” ist allerdings nicht neu. Yves-Marie Le Lay präsentiert ein Dokument von 1971, in dem die Gemeinde von St.-Michel-En-Grève die Verantwortlichen der Region dazu auffordert, etwas gegen die stinkende Masse zu unternehmen, die schon damals seit einigen Jahren beobachtet wurde. „Diese Plage hat erst mit der Massentierhaltung und vor allem mit der intensiven Landwirtschaft begonnen“, kommentiert der Umweltschützer das Papier. Die Lösung des Problems sei deshalb ganz einfach, erklärt Yves-Marie Le Lay, man müsse beides verändern.

Das aber ist nur schwer zu machen in einer Region, in der die Landwirtschaft und der Tourismus das Einkommen der Leute sichert. Die Bauern möchten ihre Produktionsweisen nicht umstellen und die Hotel- und Restaurantbesitzer wollen nicht, dass das Problem der Algen an die große Glocke gehängt wird. „Hinzu kommt, dass hier irgendwie jeder mit jedem verbandelt ist“, sagt der Umweltschützer. Was das konkret heißt, zeigt sich in einer Crêperie, idyllisch gelegen in einer kleinen Bucht. Lange war die Besitzerin in der bretonischen Umweltbewegung aktiv, das Engagement schlief jedoch ein, als ihre Tochter einen Landwirt aus der Region heiratete.

Die Behörden reagieren sehr langsam

Nach Jahrzehnten der Untätigkeit haben angesichts der ungeklärten Todesfälle an den Stränden der Bretagne auch die Politik und die Behörden reagiert. Von öffentlicher Seite wir immer wieder darauf verwiesen, dass vor knapp zehn Jahren der erste Aktionsplan ins Leben gerufen worden ist. Damals wurden tatsächlich viele Millionen Euro in die Aufklärung der Landwirte und die Säuberung der Strände investiert, allerdings ohne wirklichen Erfolg. 2017 wurde aus diesem Grund ein zweiter Fünf-Jahres-Plan im Kampf gegen die Algenplage konzipiert.
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Für 55 Millionen Euro werden auch dieses Mal als konkrete Maßnahme die Strände gesäubert und weil die politisch Verantwortlichen offensichtlich die hohe Nitrat-Belastung der Flüsse als Hauptgrund ausgemacht haben, sind abermals die Bauern das Hauptziel der Kampagne. Einschneidende und verpflichtende Maßnahmen oder Veränderungen werden von ihnen allerdings nicht gefordert. Die Landwirte werden aufgefordert, ihre Produktionsweise auf „Bio“ umzustellen oder auch einfach die Felder weniger zu düngen. Auf der offiziellen Internetseite „Algues Vertes Info“ der Region ist zu lesen, es müsse versucht werden, die wirtschaftlichen und ökologischen Interessen unter einen Hut zu bekommen.

Die Hartnäckigkeit eines Bretonen

Yves-Marie Le Lay kann angesichts solcher Aussagen nur den Kopf schütteln. Nach einigen weniger schönen Äußerungen über Politiker und Behörden, wird er sehr fundamental in seiner Kritik. „Wir müssen den Kapitalismus grundlegend verändern“, fordert der Aktivist. „Das System zeigt, dass es nicht zukunftsfähig ist.“ Die Algenplage an den Stränden der Bretagne sei nur ein beispielhafter Ausschnitt des großen Ganzen. Der Umweltschützer weiß, dass er sich mit seinem Einsatz für die Ökologie nicht viele Freunde macht. „Ich erwarte nicht, dass man mir ständig applaudiert“, sagt Yves-Marie Le Lay, aber er wolle einfach nur seinen Kindern eine intakte Natur übergeben. Allein dafür lohne es sich, eine gewisse Hartnäckigkeit an den Tag zu legen. In Frankreich gelten die Bretonen als ganz besondere Sturköpfe, sagt Yves-Marie Le Lay. „In diesem Fall bin ich ganz Bretone.“

Carnaval Tropical in Paris

Ausgelassene Stimmung und super Wetter beim Carnaval Tropical in Paris. Mehrere Dutzend südamerikanische Gruppen ziehen an zehntausenden Zuschauern vorbei über die Champs-Élysées.

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In Paris herrscht für einige Stunden Stimmung wie an der Copacabana. Der Grund: Jedes Jahr im Juli findet auf den Champs-Élysées der Carnaval Tropical statt. Die Straße ist zwar nicht das Sambadrom, aber Teilnehmer und Zuschauer haben dennoch großen Spaß an der Sache.

Monatelang bereiten sich die Gruppen für den Auftritt auf der Pariser Flaniermeile vor. Das heißt vor allem: Kostüme nähen und Tanzschritte üben. Wie jeden ersten Sonntag im Monat ist auch dieses Mal die Straße für den Autoverkehr gesperrt. Und wieder einmal wird deutlich, wie viel Lebensqualität eine Stadt ohne Fahrzeuge bringt. Die Menschen flanieren entspannt auf den Champs-Élysées, haben Spaß, machen Fotos und begutachten ihre Einkäufe.

Schwimmbad im Hafenbecken von Paris

Paris stöhnt unter der Hitze. Im Stadtteil La Villette können sich die Menschen in die Fluten stürzen. Dort wird seit drei Jahren jeden Sommer ein provisorisches Schwimmbad aufgebaut. Alles gratis: Eintritt, Wasser, Sonne, Spaß! 

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Vier Becken hat das 100 Meter lange Schwimmbad. Für die Nichtschwimmer gibt es ein Becken mit 40 Zentimeter Wassertiefe, auf die Schwimmer warten über zwei Meter. Die gesamte Konstruktion ist aus Holz und lagert im Winter in einer Fabrikhalle.

Vor drei Jahren wurde das Schwimmbecken zum ersten Mal aufgebaut und es war sofort ein großer Erfolg. Rund 100.000 Gäste kamen zum Schwimmen. Es hätte wahrscheinlich auch mehr sein können, aber es dürfen aus Sicherheitsgründen nur einige Hundert Badende gleichzeitig ins Schwimmbad. Geboten werden Umkleidekabinen, Duschen, sanitäre Anlagen und natürlich eine Liegewiese mit Liegestühlen.

Und die Qualität des Wassers? Die ist auch nicht schlechter als an den Stränden im Mittelmeer erklärt einer der Verantwortlichen lakonisch. Allerdings werden jeden Tag Proben genommen und analysiert. Also alles im grünen Bereich. Allerdings kann es auch vorkommen, dass das Baden wegen der ungenügenden Wasserqualität verboten wird.

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Fantastische Illusionen im Hafenbecken

Das Bassin de la Villette ist ein beliebtes Ziel für die Bewohner von Paris. Vor allem an heißen Tagen verspricht das alte Hafenbecken nicht nur Abkühlung, sondern auch einiges an Abwechslung. 

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Ein ziemlich fantastisches Spektakel wurde den Zuschauern kurz vor Mitternacht von der Compagnie Ilotopie geboten. Autos kreuzten auf dem Wasser durch das Hafenbecken, brennende Fährmänner irrlichterten über das Wasser, eine Sängerin thronte hoch über dem Wasser. Begleitet wurde das Spektakel von Musik und einem imposanten Feuerwerk.

Für die Stadt haben solche Veranstaltungen zwei Ziele. Zum einen sollen natürlich die Leute unterhalten werden. Allerdings soll damit auch der Ruf des Viertels La Villette im 19. Arrondissement aufpoliert werden. Dort haben nämlich an vielen Ecken die Drogendealer das Sagen. Auf diese Weise werden sie zumindest für kurze Zeit von der Bildfläche vertrieben.