Vendée Globe: Isabelle Joschke gibt auf

Große Enttäuschung für Isabelle Joschke. Die Deutsch-Französin musste am 62. Tag des Segelrennens Vendee Globe wegen eines Schadens an ihrer Rennyacht aufgeben. Schon während der Umrundung von Kap Hoorn signalisierte sie, dass sie technische Schwierigkeiten mit ihrem Boot „MACSF“ habe.  

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Ein Schaden am Kiel beendet das Rennen

Die 43 Jahre alte gebürtige Münchnerin lag als beste Frau auf Rang elf, als sie bei schwierigen Bedingungen etwa 1100 Meilen östlich der argentinischen Küste die bittere Entscheidung treffen musste. Ein Schaden am Kiel bedeutete schließlich das Ende des Wettbewerbs. Es war eine Vorrichtung ausgefallen, die den Kiel auch bei extremer Schräglage immer optimal durch das Wasser führt.

„Das ist viel schlimmer, als ein Segel zu verlieren oder gar beide Foils zu brechen. Der Verlust an Potenzial ist kolossal“, sagte die 43-Jährige und nannte sich selbst „untröstlich“. Schon zuvor hatten sich Joschkes Probleme bei der Regatta um die Welt vermehrt. Erst streikte ihr Autopilot, dann riss der Gennaker, ein Vorsegel.

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Eine schwere Entscheidung nach vielen Problemen

Zuerst versuchte sie noch, im Rennen zu bleiben, entschied sich nun aber für die Aufgabe. „Sie hat die Geschwindigkeit komplett reduziert, um die Auswirkungen der Wellen zu minimieren und um sicherzustellen, dass kein Wasser ins Boot gelangt“, sagte MACSF-Teammanager Alain Gautier. Es gelte zunächst, ein nahes Tiefdruckgebiet zu vermeiden und dann Isabelle Joschkes weitere Optionen zu prüfen.

In der Rangliste auf der offiziellen Homepage der Vendée Globe wird sie nun als „retired“ geführt. Dieses Schicksal teilt sie mit sechs weitere Startern des Rennens. 33 Segler hatten Anfang Novembe in Les Sables-d’Olonne den Wettbewerb nonstop rund um die Welt in Angriff genommen.

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Boris Herrmann weiter gut im Rennen

Gut im Rennen liegt weiter der Hamburger Boris Herrmann. Er hat noch knapp 5000 Seemeilen vor sich und belegt aktuell Rang acht. Auch an der „Seaexplorer“ zerren allerdings die Naturgewalten. Herrmann musste mehrere Reparaturen durchführen. Ein Kabelbruch sorgte für einen Ausfall seines Generators, zudem erschwerte ein Riss im Großsegel die ohnehin fordernde Passage am Kap Hoorn. „Das war wie ein neuer Schlag ins Gesicht. Ich werde den Kampf niemals aufgeben, aber ich habe meine Position verloren, und das tut weh. Es tut sehr weh“, sagte Herrmann.

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Endspurt bei der Vendée Globe – Positionskämpfe am Kap Hoorn

Die Vendée Globe biegt auf die Zielgerade gerade ein – eine Zielgerade, die mehrere Tausend Kilometer lang ist. Das Feld passiert Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas.

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Ein kurzer Gruß in die Heimat

Alle Segler sind erleichtert. Jeder Teilnehmer an der Vendée Globe schickte einen kurzen Gruß in die Heimat, als das Feld den Längengrad von Kap Hoorn passierte. Es ist das dritte und letzte wichtige Punkt während des Rennens. Die Deutsch-Französin Isabelle Joschke hält ein kleines, handgemaltes Schild in die Kamera. Darauf steht: Cap Horn. Allerdings machte sie keinen rundum zufriedenen Eindruck. Der Grund: die 43-Jährige hatte kurz zuvor einen größeren Schaden am Kiel ihres Bootes festgestellt, der die Manövrierfähigkeit ihres Bootes einschränkt.

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Probleme am Vorsegel bei Isabelle Joschke

„Das ist viel schlimmer, als ein Segel zu verlieren oder gar beide Foils zu brechen. Der Verlust an Potenzial ist kolossal“, sagte die gebürtige Münchnerin und nannte sich selbst „untröstlich“. Schon zuvor hatten sich Joschkes Probleme bei der Regatta um die Welt vermehrt. Erst streikte ihr Autopilot, dann riss der Gennaker, ein Vorsegel. Joschke ist kurz vor der Rundung des Kap Hoorn auf Rang elf zurückgefallen, will aber weiterkämpfen.

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Probleme auch bei Boris Herrmann

Auch der Hamburger Boris Herrmann kämpft mit einigen Problemen und ist auf Platz zehn zurückgefallen. Er sagte im ZDF: „Kap Hoorn ist der wichtige Punkt, wenn wir abbiegen nach Hause. Wenn der Bug das erste Mal wieder nach Norden zeigt.“ Allerdings sind noch immer knapp 30 Prozent der Strecke zu absolvieren, es kann also noch vieles passieren.

Der Hamburger passierte Kap Hoorn am frühen Dienstagmorgen um 3.27 Uhr deutscher Zeit nach 57 Tagen, 13 Stunden und 7 Minuten auf See. Sehen konnte der aktuell zehntplatzierte Skipper der „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco“ Kap Hoorn aber entgegen seiner Hoffnungen aber nicht – er war schlicht zu weit entfernt.

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„Das tut weh! Es tut sehr, sehr weh!“

Allerdings hätte Boris Herrmann auch wenig Muße gehabt, das Land zu bestaunen. Denn er musste sich an Bord mit allerlei Reparaturarbeiten herumschlagen, zu sehr hat die lange Reise an Mensch und Maschine gezerrt. Kurz vor Kap Hoorn war ein sein Generator ausgefallen. Das nach fieberhafter Suche gefundene gebrochene Kabel konnte er schnell reparieren. Zusätzlich zwang ihn ein Riss im Großsegel, Kap Hoorn nur unter kleinem Vorsegel und mit entsprechend weniger Bootsgeschwindigkeit zu passieren. Dabei rutschte Herrmann auf Rang zehn zurück. „Das tut weh. Es tut sehr, sehr weh. Aber ich werde den Kampf niemals aufgeben“, sagte Herrmann.

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Die führende Vendée-Globe-Gruppe wird im finalen atlantischen Renndrittel vom Franzosen Yannick Bestaven („Maître Coq IV“) vor seinen Landsleuten Charlie Dalin („Apivia“) und Thomas Ruyant („LinkedOut“) angeführt. Herrmann startet seine Aufholjagd mit knapp 800 Seemeilen Rückstand auf den Spitzenreiter. Die schnellsten Boote werden Ende Januar im Start- und Zielhafen Le Sables-d’Olonne zurückerwartet.

Vendée Globe: Kleine Weihnachtsfeier auf hoher See

Spannendes Rennen bei der Vendée Globe – trotz Flaute. Inzwischen ist der Deutsche Boris Herrmann bei der Regatta um die Welt auf Platz drei vorgerückt. Ein starkes Rennen liefert auch Isabelle Joschke. Die Französin mit deutschen Wurzeln liegt als beste Frau auf Platz acht.

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Kein Rennen für Rekorde

Rekorde werden bei der Vendée Globe dieses Mal keine gebrochen. Aufgrund von ungewöhnlichen Wind- und Wetterverhältnisse sind die Boote bei der neunten Austragung des Wettbewerbs bislang rund eine Woche langsamer unterwegs als bei der vorigen Auflage 2016/2017.  Allerdings ist das Rennen spannend wie selten zuvor. Interessant ist: das liegt vor allem auch daran, dass das Feld gerade ein Gebiet passiert, in dem praktisch Flaute herrscht.

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Boris Herrmann scheint mit den Bedingungen sehr gut zurechtzukommen. Der Hamburger lieferte sich nahe des 55. Breitengrads Süd an der Eisgrenze ein Bug-an-Bug-Rennen mit dem Franzosen Jean Le Cam auf seinem Schiff „Yes We Cam!“. Er konnte seinen Konkurrenten in Schach halten und sogar einige Meilen enteilen. „Das ist unglaublich! Ich bin nach halbem Weg um die Welt Dritter auf dem Tracker. Das hätte ich mir nie erträumt“, sagte Herrmann. Der Segler hat es sich an Bord über die Feiertage weihnachtlich eingerichtet. Er hat eine Lichterkette aufgehängt und ein kleines Teelicht sorgt für etwas Wärme. Seine Frau hatte ihm vor dem Start am 8. November eine kleine Box gepackt, die er an Heiligabend auspackte.

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Isabelle Joschke gut im Rennen

Auch Isabelle Joschke auf ihrer Yacht MACSF hatte sich für die Feiertage etwas Besonderes einfallen lassen: es gab Muschelrisotto. Während eines kurzen Gesprächs über Funk erinnert sie sich an die Angst, die sie vor dem Rennen und vor allem vor der Passage durch das Südpolarmeer hatte. „Es hat mich erschaudern lassen, wenn ich nur daran dachte.“ Doch nun empfinde sie eine große Freude. Sie habe es geschafft, ihre Ängste in Zuversicht umzuwandeln und fühle sich der Herausforderung gewachsen. „Ich fühle mich nun wohl“, sagt Isabelle Joschke.

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Die Strapazen der ersten Wochen

Die ersten Wochen hatten ihr und dem Feld körperlich und psychisch alles abverlangt. Der Atlantik präsentierte sich rau und die Seglerin musste mehrere kleine Reparaturen an ihrem Schiff erledigen. Doch zeigte sich dabei die große Routine der 43-Jährigen, deren Vater Deutscher ist und deren Mutter aus Südfrankreich stammt. Sie ist seit 18 Jahren als Profiseglerin unterwegs. Ein so schweres Rennen wie die Vendée Globe zeige, wie die Menschen ganz tief in ihrem Innern wirklich sind, sagt Isabelle Joschke.

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Noch ein langer Weg ans Ziel

Die Segler haben allerdings noch einen langen Weg vor sich, bis sie Mitte Januar wieder im Zielhafen Les Sables-d’Olonne in Frankreich ankommen. Das Feld der verbliebenen 27 von 33 gestarteten Yachten wird vom Franzosen Charlie Dalin auf „Apivia“ angeführt, der seinen Landsmann Yannick Bestaven im ungewöhnlich leichtwindigen Stillen Ozean über Nacht auf Platz zwei verwies. In der führenden Gruppe bleibt es spannend, denn die Boote auf den Plätzen drei bis zehn trennten am 47. Tag auf See auf Kurs Kap Hoorn insgesamt nur 90 Seemeilen.

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Von 33 Startern sind sechs bereits ausgeschieden, der Franzose Kevin Escoffier funkte nach einer schweren Havarie SOS und musste aus den hohen Wellen im Südatlantik von seinem Kollegen Jean Le Cam gerettet werden, auch von einem Mastbruch und mehreren gerissenen Segeln wurde berichtet sowie von einer Kollision mit einem Wal. Die Regatta um die Welt ist und bleibt, trotz des technischen Fortschritts, eine Höchstschwierigkeit.