Streit um ein Stück atmungsaktiven Stoff

Die Sportartikelkette Decathlon nimmt in Frankreich einen muslimischen Hidschab vom Markt. Die Kritik und der Hass, die dem Unternehmen entgegen schlug war einfach zu groß.

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19.02.26-Decathlon

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Fehlstart für Decathlon

Die Sportartikel-Kette verzichtet in Frankreich auf den Verkauf eines Jogging-Kopftuches für Frauen. Grund für die Entscheidung sind allerdings nicht schlechte Verkaufsaussichten. Die Kritik und auch der Hass, die dem französischen Unternehmen entgegenschlug war zu groß. Eine vorher noch nie dagewesene „Welle von Beleidigungen und Drohungen“ sei über das Unternehmen niedergegangen, schreibt Decathlon auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Der atmungsaktive muslimische Hidschab, der Haare und Hals der Sportlerinnen bedeckt, wurde bisher nur in Marokko verkauft, sollte nun aber auch in Frankreich auf den Markt kommen. „Wir stehen zu unserer Entscheidung, den Sport Frauen in aller Welt zugänglich zu machen,“ erklärte Xavier Rivoire, Kommunikationsdirektor des Unternehmens, in einem Radio-Interview nach der Entscheidung, den Hidschab aus dem Programm zu nehmen. Es handele sich „fast schon um ein gesellschaftliches Engagement“, da es auch Musliminnen das Joggen ermögliche.

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Scharfe Kritik aus der Politik

Das sehen allerdings vor allem französische Politikerinnen ganz anders. Aurore Bergé glaubt sogar die Werte der französischen Republik in Gefahr. „Der Sport emanzipiert. Er unterwirft nicht. Meine Wahl als Frau und als Bürgerin wird es sein, einer Marke, die mit unseren Werten bricht, nicht mehr zu vertrauen“, schreibt die Sprecherin der Regierungspartei La République en Marche auf Twitter. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn erklärte, dass der Verkauf zwar legal sei, aber sie die Idee dahinter nicht teile. Manche Politiker fordern sogar ganz offen den Boykott des Unternehmens. In den sozialen Netzwerken werden die Nutzer allerdings deutlicher. Werde Decathlon in Zukunft auch Bombengürtel in sein Programm aufnehmen, fragt ein Internet-User.

Decathlon ist von Reaktionen erstaunt

Mit solch heftigen Reaktionen hatten die Verantwortlichen von Decathlon offensichtlich nicht gerechnet, zumal der US-Sportartikelhersteller Nike schon seit einer Zeit einen Hidschab im Programm hat. „Das Produkt provoziert Reaktionen“, schreibt Decathlon auf Twitter. „Man kann verstehen, dass nicht die ganze Welt einer Meinung ist“, heißt es, es dürfe aber nicht sein, dass „unsere Angestellten in unseren Geschäften beleidigt und bisweilen sogar körperlich bedroht werden“.
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Die Leiterin von Decathlons Jogging-Sparte Kalenji, Angélique Thibault, hatte den Sport-Hidschab noch mit emotionalen Worten verteidigt. Sie werde von dem Wunsch angetrieben, „dass jede Frau in jedem Viertel laufen kann, in jeder Stadt, in jedem Land, unabhängig von ihrem sportlichen Können, ihrer Fitness, ihrem Körperbau, ihrem Einkommen. Und unabhängig von ihrer Kultur.“ Genützt hat es wenig – der Hidschab wird in Frankreich nicht verkauft werden.

Der Halbmond leuchtet in den Schweizer Alpen

Auf dem Gipfel des Berges Freiheit in den Schweizer Alpen thront weithin sichtbar ein Halbmond. Der sorgt für einige Aufregung.

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„All diese absurden Gipfelkreuze“

Nein es ist kein Anlauf zur Islamisierung des Schweizer Alpenlandes. Es ist auch kein feindlicher Akt fanatischer Muslime.  Es die provozierende Kunstaktion eines bekennenden Atheisten! „Ich wollte schon lange etwas Solches machen – etwas Polarisierendes, Trotziges”, erzählt Christian Meier dem Radiosender „FM1Today“. Der Künstler stammt aus Appenzell, lebt aber in Peking, ist seiner alten Heimat offensichtlich aber noch immer sehr verbunden. „Immer wenn ich zurück komme, gehe ich wandern und sehe alle diese absurden Gipfelkreuze – da musste ich halt etwas machen.”

In diesem Fall war der Gedanke die Vorform zur Tat. Christian Meier mobilisierte also eine Handvoll Freunde und einen Hubschrauber. Ihr Ziel: der nur schwer zugängliche Gipfel auf dem Berg mit dem bezeichnenden Namen „Freiheit“ im ostschweizer Kanton Appenzell Innerrhoden. In einer Nacht- und Nebelaktion montierten sie einen fast drei Meter großen Halbmond auf dem 2140 Meter hohen Fels. Und damit das Kunstobjekt auch nachts ins rechte Licht gerückt ist, wird es von Scheinwerfern angestrahlt. „Auf der Freiheit thront jetzt ein Halbmond“, triumphiert Meier.

 

Eine wissenschaftliche Messanlage?

Nicht alle erkennen allerdings den tieferen Sinn hinter der Aktion. Ein Bergwanderer schreibt auf einer Internet-Plattform etwas irritiert: „Neben dem Halbmond waren mehrere Solarpannele installiert.“ Der Mann hielt die ungewöhnliche Konstruktion schlicht für eine wissenschaftliche Messanlage.

In den Dörfern am Fuße der Freiheit stößt die Aktion allerdings auf sehr wenig Verständnis. Es sei eine bodenlose Frechheit, dass da jemand so etwas aufstellt, ohne sie zu informieren, empören sich die Bewohner. Der Betreiber eines Berggasthofes hält das alles für „eine bodenlose Sauerei“.

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Die Polizei ist eingeschaltet

Inzwischen hat sich auch die Kantonspolizei in den Fall eingeschaltet. Sie befürchtet, dass der weiße Halbmond in dem schwer zugänglichen Gebiet als Notfallsignal missverstanden werden könnte. Aus diesem Grund sei bereits die Rettungsflugwacht informiert worden, dass an der Stelle nachts ein Licht sichtbar sein könne – also niemand in Bergnot geraten sei. Zudem befürchten sie, dass sich ungeübte Wanderer auf den Weg machen könnten, um die Installation aus der Nähe anzusehen. Der Aufstieg sei aber nur für geübte Kletterer geeignet.

Viel Zeit, den Halbmond zu bestaunen, gibt es sowieso nicht. Wie der Radiosender weiter berichtet, wird der Künstler nach den Angaben des Kantonsvorsitzenden von Innerrhoden, Roland Inauen, zwar kein Bußgeld bezahlen müssen. Aber er sagt weiter: „Wir haben bereits das Gespräch mit dem Künstler gesucht.“ Meier habe zugesichert, die Installation innerhalb einer Woche wieder zu entfernen.

Hier geht es zur Berichterstattung und einer Bildergalerie der Aktion

Hier geht es zu dem Wanderer-Blog mit einigen Kommentaren zur Aktion

 

 

 

Gefundenes Fressen für Populisten

In einer Umfrage sagen 60 Prozent der Bundesbürger, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Die Lebenswirklichkeit der allermeisten Deutschen spricht allerdings eine andere Sprache.  

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Die Deutschen misstrauen dem Islam – vor allem AfD-Wähler

Die AfD-Anhänger sind gegen den Islam

Nun gibt es also eine neue Umfrage zum Thema Islam. Das Ergebnis: Für 60 Prozent der Bundesbürger gehört der Islam nicht zu Deutschland. Und wen wundert’s, dieser Aussage stimmen 94 Prozent der AfD-Parteigänger zu. In deren Parteiprogramm steht schließlich wortwörtlich der Satz: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“

Doch was sagt diese eine Antwort in der Umfrage des Instituts? Ziemlich wenig. Klarer wird die Sache, wenn andere Ergebnisse hinzugezogen werden. Eine Mehrheit von 58 Prozent der Deutschen meint, die etablierten Parteien CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke und FDP kümmerten sich nicht ausreichend darum, dass Sorgen und Bedenken gegenüber dem radikalen Islam ernst genommen werden. Und: Relativ groß ist derzeit die Furcht vor einem islamistischen Terroranschlag in Deutschland. Dass es dazu kommen wird, befürchten fast drei von vier Deutschen (72 Prozent). Das ist ein wenig überraschendes Ergebnis nach den Attentaten in Paris und Brüssel.

Die Angst vor dem Terror

Die Deutschen haben also keine Angst vor dem Islam, sondern vor dem Terror, der von Islamisten ausgeht. Das eint sie mit den Einwohnern von Istanbul oder Ankara. Dort haben in den vergangenen Wochen mehrere Bomben Dutzende Menschen in den Tod gerissen, gelegt wurden die Sprengsätze von Fanatikern des Islamischen Staates.

Die Lebenswirklichkeit der allermeisten Deutschen spricht gegen einfache Antworten auf scheinbar einfache Fragen. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die Wahl der türkischstämmigen Grünen-Politikerin Muhterem Aras zur Präsidentin des Landtages von Baden-Württemberg, einem doch eher christlich-konservativen Bundesland. Die meisten Menschen gehen offensichtlich viel entspannter und realistischer mit der Islam-Frage um, als mancher Politiker glauben machen will.

Die Klugheit der Wähler

Die unterschätzen offensichtlich die Klugheit ihrer Wähler und versuchen mit einem dumpfen Populismus politisches Kapital zu schlagen. So bezeichnet die AfD-Landtagsabgeordnete Christina Baum die Wahl von Muhterem Aras als „ein ganz klares Zeichen, dass die Islamisierung Deutschlands in vollem Gang ist.“ Sie spricht auch von einem „schleichenden Genozid an der deutschen Bevölkerung durch die falsche Flüchtlingspolitik der Grünen“. AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen versucht, solche verbalen Ausfälle zu relativieren. Er unterstreicht: „Zu Deutschland gehören sehr wohl Millionen Menschen islamischen Glaubens, die bei uns leben, friedlich integriert.“ Nach der Wahl von Aras zur Landtagspräsidentin Abstimmung hat Meuthen der Muslimin gratuliert.

„Der Islam gehört nicht zu Deutschland“

Jörg Meuthen stimmt in die Islamkritik seiner Partei ein. Er nimmt aber in Deutschland lebende Muslime in Schutz, die nicht mit Radikalen in einen Topf geworfen werden wollen.

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Die AfD muss immer wieder Spott aushalten. Jörg Meuten (zweiter von rechts) will das ändern und seine Partei zu einer akzeptierten Alternative machen.

Herr Meuthen, Ihre Parteifreunde Beatrix von Storch und Alexander Gauland haben jüngst mit islamkritischen Äußerungen von sich reden gemacht. Teilen Sie ihren Ansatz, der Islam sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar?

Meuthen: „Ich teile die Kritik der Kollegen über weite Strecken. Allerdings muss jeder seine Worte sorgsam wählen. Gewisse zeitgeistige Strömungen im Islam tendieren zu einer krassen Radikalisierung. Denken Sie an den Salafismus oder den militanten Wahabismus, der von Staaten wie Saudi-Arabien und Katar gesteuert wird. Diese Strömungen sollen auch nach Deutschland getragen werden. Es ist unübersehbar, dass diese Strömungen inkompatibel mit unserem Grundgesetz sind. Das Scharia-System geht mit unserem Rechtssystem nicht zusammen. Oder nehmen sie das Bild der Frau, das diese Ausprägungen des Islam zeichnen. Unser Umgang mit dem weiblichen Geschlecht ist glücklicherweise ein anderer.“

Was folgt daraus für die AfD?

„Wir sagen klar, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. Wir sagen aber genauso klar, dass zu Deutschland sehr wohl Millionen Menschen muslimischen Glaubens gehören, die gut integriert sind und unsere Gesetze und Rechtsordnung achten.“

Signalisiert die AfD nicht auch diesen Menschen, dass man sie eigentlich nicht haben will?

„Ich glaube, am meisten entsetzt über radikale Strömungen im Islam sind gerade Muslime, die ganz friedlich bei uns leben. Dieser Tage habe ich eine E-Mail bekommen von einem alten Schulfreund türkischer Herkunft. Er schreibt mir, er sei der AfD dankbar dafür, dass sie das Thema auf die Tagesordnung bringt. Er wolle nämlich mit den Radikalen nicht in einen Topf geworfen werden.“

Haben Sie ihm einen Mitgliedsantrag geschickt?

„Nein, aber er wäre hochwillkommen. Wir sind grundsätzlich für alle Menschen offen, nur mit Radikalen haben wir ein Problem.“

Welche konkreten Forderungen erheben Sie?

„Wir wollen die Religionsfreiheit nicht in Zweifel ziehen. Muslime sollen ihre Religion in Deutschland leben können. Dafür gibt es Moscheen. Wir wehren uns aber dagegen, dass immer mehr Moscheen gebaut werden, die etwa aus Saudi-Arabien finanziert werden und in denen dann ein militanter Islam gepredigt wird.“

Gibt es weitere Forderungen?

„Ich sehe keinen unmittelbaren gesetzgeberischen Handlungsbedarf, wende mich aber gegen das schleichende Einsickern einer falschen Rücksichtnahme. Nehmen sie die Schweinefleisch-Debatten in Kita-Kantinen oder den Streit um Schwimm-Unterricht an Schulen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in eine falsch verstandene Form der Anpassung hineingeraten. An bestimmten Punkten müssen wir klar sagen, nein, das machen wir nicht.“

Wie wollen Sie als Chef der AfD-Fraktion im Landtag damit umgehen, dass Sie von allen anderen voraussichtlich ignoriert werden?

„Wir sind freundliche und offene Menschen. Als solche sind wir gesprächsbereit gegen jedermann. Ich war in der vergangenen Woche bei Herrn Klenk, dem Landtagspräsidenten. Das war ein ganz angenehmes Gespräch. Aber es gibt andere, die betrachten uns als den quasi Gottseibeiuns.“

Sie werden voraussichtlich Oppositionsführer Landtag. Mit welchem Selbstverständnis gehen Sie an die Arbeit?

„Das Recht, in Debatten als erster auf die Regierung antworten zu können, will ich nutzen. Wir haben jetzt das Parlament als öffentliches Sprachrohr, das ist eine große Chance für die AfD. In der Sache werden wir eine harte Opposition machen, weil wir zu wichtigen Themen auf unterschiedlichen Positionen stehen. Wir werden uns den anderen Fraktionen nicht anbiedern und keine Kumpanei machen. Das ist das eine. Das andere ist der Umgang miteinander. Ich erwarte, dass man anständig miteinander umgeht. Im Wahlkampf bin ich teilweise erschrocken. Herr Kretschmann hat uns noch am Wahlabend abgesprochen, eine demokratische Partei zu sein. Mal sehen, ob er diesen Duktus immer noch verfolgt.“

Der Programmentwurf, den die AfD auf dem Bundesparteitag in Stuttgart diskutieren wird, ist in Teilen von einer gewissen Staatsverachtung geprägt. Es hagelt Kritik gegen Parteien und Parlamente. Wollen Sie anderes politisches System?

„Eine Staatsverachtung liegt uns fern. Wir verachten weder die Parlamente noch die anderen Parteien. Aber wir haben ein anderes Demokratieverständnis, indem wir auf die direkte Demokratie setzen. Wir streben sozusagen eine Schweizerisierung an – das Volk soll über wichtige Fragen entscheiden können. In der Schweiz gibt es auch Parlamente. Die haben aber weniger zu sagen, weil das Volk mehr zu sagen hat. Es ist ein Unding, dass die Bürger bei uns in Grundsatzfragen nicht direkt und unmittelbar entscheiden können. Niederländer und Franzosen durften etwa über die EU-Verfassung abstimmen, die Deutschen nicht. Natürlich bringen Volksabstimmungen eine gewisse Selbstentmachtung des Parlaments mit sich. Aber gerade dafür stehen und werben wir.“

Die AfD sei die Partei des „gesunden Menschenverstands“, heißt es im Leitantrag von Bundesprogrammkommission und Bundesvorstand für das Programm. Was heißt das für Sie persönlich?

„Nehmen sie zum Beispiel die Euro-Rettungspolitik. Damit habe ich mich als Wirtschaftswissenschaftler intensiv beschäftigt. Zwischen den Positionen der Wissenschaft und dem, was der Stammtisch aus dem Bauch heraus fordert, gibt es einen relativ hohen Deckungsgrad. Die politischen Eliten folgen aber einer ganz anderen Agenda. Die kommen dann mit dem Fraktionszwang und hauen das Ding in 48 Stunden durch. Das widerspricht dem gesunden Menschenverstand.“

Bereitet es Ihnen Bauchschmerzen, dass manche in Ihrer Partei statt vom gesunden Menschenverstand lieber vom gesunden Volksempfinden zu sprechen scheinen?

„Ich habe kein Problem mit dem Begriff Volksempfinden, solange man ihn patriotisch interpretiert. Wenn man ihn dagegen völkisch auslegt, reagiere ich hochsensibel. Bauchgrimmen bereitet mit eher die mögliche Vereinnahmung des Begriffs gesunder Menschenverstand. Das ist ja ein ganz schwammiger Begriff. Damit kann man alles und jedes für sich reklamieren. Es ist gut, dass wir auf unserem Programmparteitag auch um solche Begriffe ringen können. Die AfD braucht einen klaren Kompass. Völkisch-nationale Positionen akzeptiere ich nicht. Die AfD muss eine moderne konservative Partei sein, weltoffen und freiheitlich. Dafür stehe ich.“

In Ihrer Partei scheint es eine Art Aufgabenteilung zu geben. Frau von Storch und Frau Petry lassen es gerne krachen. Ihr Stil ist das erkennbar nicht. Sie müssen aber immer wieder erklären, dass die AfD gar nicht so schlimm ist, wie sie manchmal zu sein scheint. Nervt Sie das?

„Meinen Sie, ich sollte es auch mal krachen lassen?“

Vielleicht würde es helfen.

„Nein, im Ernst. Wir haben in der AfD keine abgesprochene Rollenverteilung. Jeder folgt einfach seinem Naturell. Meinem Naturell entspricht es, mich eher differenziert und zurückhaltend zu äußern. Im Inhalt sind die Unterschiede zwischen den Verantwortlichen an der Parteispitze nicht so groß.“

Hier der Link zu dem Interview in der Stuttgarter Zeitung

Die AfD und ihre Idee vom Islam

Beatrix von Storch hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Wieder einmal geht es um das Parteiprogramm der AfD. In einem Interview mit der „FAS“ sagt die Politikerin, dass der Islam nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei.

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Die Ideen von Storchs haben viele Anhänger. Auf Facebook feiert sie 50.000 Follower.

Mit dem Grundgesetzt nicht vereinbar?

„Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist“, sagte die stellvertretende Parteivorsitzende und Europa-Abgeordnete Beatrix von Storch der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Mit ihrer Aussage steuert sie sich allerdings in einen Widerspruch, der ihrer Ansicht aber offensichtlich keine ist. Die AfD-Politikerin betont, der Islam könne in Deutschland keine Heimat finden. „Viele Muslime gehören zu Deutschland, aber der Islam gehört nicht zu Deutschland.“

Auf ihrem Parteitag Ende April in Stuttgart will die AfD ihren Anti-Islam-Kurs in ihrem ersten Parteiprogramm beschließen. Dabei soll es laut Bericht auch darum gehen, Symbole des Islams aus der Öffentlichkeit zu verbannen. „Wir sind für ein Verbot von Minaretten, von Muezzins und für ein Verbot der Vollverschleierung“, sagte von Storch. Diese Forderungen erhebe der Bundesvorstand im Programmentwurf.

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Auch Gauland sieht Deutschland in Gefahr

Im Sinne von Beatrix von Storch äußerte sich auch Alexander Gauland, Fraktionschef der AfD in Brandenburg und ebenfalls stellvertretender Parteichef. „Der Islam ist keine Religion wie das katholische oder protestantische Christentum, sondern intellektuell immer mit der Übernahme des Staates verbunden. Deswegen ist die Islamisierung Deutschlands eine Gefahr“, sagte Gauland der „FAS“.

Gauland wandte sich gegen die Vorstellung, dass es neben der fundamentalen Ausrichtung des Islams auch einen aufgeklärten Islam gebe, der mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar sei. „Wir sind ein christlich-laizistisches Land, der Islam ist ein Fremdkörper. Einen Euro-Islam gibt es in Wirklichkeit nicht“, sagte der stellvertretende AfD-Vorsitzende.

AfD will Koranschulen stärker kontrollieren

Die AfD will laut FAS, dass Koranschulen und Moscheen schärfer kontrolliert werden. Es sei notwendig, „den Wildwuchs von islamischen Religionslehrern und Koranschulen, die privat finanziert werden, zu stutzen“. Das gelte vor allem für Moscheen, in denen Imame aus Saudi-Arabien predigten und die auch von dort bezahlt würden, betonte Gauland.

Den Vorschlag des AfD-Bezirksverbandes Niederbayern, den Bau und Betrieb von Moscheen ganz zu verbieten, lehnen von Storch und Gauland ab, weil die Freiheit der Religionsausübung geachtet werden solle.

Hier der Link zur weiteren Berichterstattung

Muslime werfen AfD Stimmungsmache vor

Nun regt sich Widerspruch. Deutsche Muslime reagieren bestürzt auf den Vorstoß des AfD-Bezirksverbandes Niederbayern, den „Bau und Betrieb von Moscheen“ zu untersagen.

 

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Islamfeindlichkeit wird salonfähig

„Mit Erschrecken, aber nicht überrascht stellen wir fest, wie Islamfeindlichkeit in Hass und Verachtung gegen alle Muslime umschlägt und nun auch keinen Halt mehr vor unseren Verfassungsprinzipien macht“, sagte der Vorsitzende der Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland. Islamfeindlichkeit werde zum „salonfähigen Rassismus“.

In dem aus Niederbayern stammenden Entwurf zum Grundsatzprogramm der AfD heißt es, Moscheen dienten „nicht nur dem gemeinsamen Gebet, sondern auch der Verbreitung der auf die Beseitigung unserer Rechtsordnung gerichteten islamischen Lehre“. Der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Aber auch innerhalb der Partei ist der Entwurf umstritten. Der bayerische AfD-Landeschef Petr Bystron hatte sich bereits am Mittwoch davon distanziert. Der Bezirksverband wirbt jedoch weiter um Unterstützung. Ende April will die AfD auf ihrem Parteitag in Stuttgart ihr Grundsatzprogramm diskutieren und verabschieden.

Gezielte Stimmungsmache der AfD

Der Geschäftsführer der Christlich-islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle der Deutschen Bischofskonferenz (CIBEDO), Timo Güzelmansur, sprach von gezielter Stimmungsmache gegen Muslime. „Aber wir sollten nicht auf diesen Zug aufspringen, sondern ruhig abwarten, ob diese Forderungen tatsächlich in ein Parteiprogramm hineinkommen oder vielleicht einfach parteiinterne Auseinandersetzungen sind“, sagte der katholische Theologe im Kölner domradio. Hier der Link zum Interview im Domradio

 

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Nicht nur die Kirche hält den Vorschlag für Unsinn

Den Dialog mit dem Islam suchen

Gleichzeitig erklärte der Theologe und Buchautor Ulrich Nersinger, die Gesellschaft sei auf den Dialog mit dem Islam angewiesen. Dies beziehe sich angesichts der Flüchtlingszahlen auch auf persönliche Gespräche, sagte er dem Internetportal katholisch.de in Bonn. „Auch die aktuellen Ereignisse wie die Terroranschläge in Brüssel verlangen, dass man offen miteinander spricht.“Hier der Link zu dem Text

Dialog sei indes „kein sinnloses, beschönigendes Daherreden“, betonte Nersinger. Er fordere vielmehr „das offene und kritische Gespräch“. Dazu gehöre auch das Festhalten an der eigenen Identität, „dass man sich mit seinem Glauben beschäftigt, sich in ihm auskennt und auch zu ihm steht, sonst ist der Dialog nicht sinnvoll“. – Nersingers Buch „Krieg und Frieden. Die Päpste und der Islam“ ist soeben im Bernardus Verlag erschienen.

Kritik der Israelitischen Kultusgemeinde an der AfD

Einen anderen zweifelhaften Aspekt aus dem offiziellen Programmentwurf der AfD kritisiert die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch. Darin heißt es: „Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus ist zugunsten einer erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen, die auch die positiven, identitätsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte mit umfasst.“ Dass eine derartige „Verengung“ existiere, sei eine Unterstellung, sagte Knobloch dem „Handelsblatt“. „Das trägt – gewollt oder bewusst fahrlässig – unterschwellige Züge von sekundärem Antisemitismus“, fügte Knobloch hinzu.

Hier der Link zur weiteren Berichterstattung

AfD-Rechte wollen Religionsfreiheit einschränken

Das geplante Programm der AfD macht weiter Schlagzeilen. In der Partei wird offensichtlich auch  über eine drastische Beschränkung der Freiheit der Religionsausübung von Muslimen diskutiert.

 

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Der Spott ist der AfD immer wieder sicher

Gegenentwurf von der AfD aus Niederbayern

In einem aus Niederbayern stammenden Gegenentwurf zum Leitantrag für das Parteiprogramm werde gefordert, den „Bau und Betrieb von Moscheen“ zu untersagen, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Bundesvorstand der Partei wollte den Entwurf, an dessen Ausarbeitung sich Mitglieder des rechtsnationalen Parteiflügels beteiligt haben sollen, nicht kommentieren.

Weiter heiße es in dem Papier: Moscheen dienten „nicht nur dem gemeinsamen Gebet, sondern auch der Verbreitung der auf die Beseitigung unserer Rechtsordnung gerichteten islamischen Lehre“. Die Verfasser des Grundgesetzes hätten bei der Formulierung des Artikels zur freien Religionsausübung nicht in Betracht gezogen, „dass in seinen Anwendungsbereich auch Religionen Einzug halten können, die zu Straftaten auffordern und die Weltherrschaft zum Ziel haben“, argumentieren die Autoren dem Gegenentwurf. Deswegen müsse es bei der Religionsfreiheit Grenzen geben.

Mut zur Verantwortung?

Der „Vorschlag aus Niederbayern für ein Grundsatzprogramm“ trage den Titel „Mut zur Verantwortung“. Der Koran, heißt es dort laut Angaben des Redaktionsnetzwerks weiter, lasse auch „Lüge und Täuschung“ zu. Der Islam sei „auf seinem erklärten Weg zur Weltherrschaft bereits bei 57 von 190 Staaten angekommen“.

Hinter dem Papier stehen nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Rechtskonservative innerhalb der AfD, die unter dem Namen „Der Flügel“ firmieren. Der Gruppe zugerechnet werden die Landeschefs von Thüringen und Sachsen-Anhalt, Björn Höcke und André Poggenburg.

Bayerns AfD-Landeschef Petr Bystron distanzierte sich gegenüber dem Redaktionsnetzwerk von dem Papier, erklärte aber, er kenne den „Vorschlag aus Niederbayern“. Es handele sich um einen Gegenentwurf, da viele innerhalb der AfD mit dem Kurs der Parteispitze nicht einverstanden seien. Der Bezirksverband Niederbayern habe „eine gewisse Verwandtschaft“ zum rechten Flügel der Partei, sagte Bystron.

Der Widerspruch an den Plänen regte sich sofort nach Bekanntwerden des Papiers.

 

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Andere Twitter-Nutzer fordern die Kritiker allerdings auf, den Entwurf aus Niederbayern ganz zu lesen – was ihm allerdings nichts von seiner Konsequenz nimmt:

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AfD-Parteitag in Stuttgart

Die Alternative für Deutschland will ihr Parteiprogramm bei einem Mitgliederparteitag Ende April in Stuttgart beschließen. Auch in dem offiziellen Leitantrag steht, „der Islam gehört nicht zu Deutschland“. In diesem von der Programmkommission erarbeiteten Vorschlag verlangt die AfD aber lediglich, „verfassungsfeindlichen Vereinen den Bau und Betrieb von Moscheen“ zu untersagen. Außerdem sollte – ähnlich wie in Österreich – die Finanzierung von Moscheevereinen durch islamische Staaten oder ausländische Geldgeber verboten werden.

In Deutschland leben schätzungsweise fünf Millionen Muslime. Die Zahl der Moscheen liegt bei etwa 3000. Die AfD-Mitglieder können Änderungsanträge für den Parteitag noch bis zum 8. April stellen. Nach Angaben von Parteisprecher Christian Lüth sind bereits einige Dutzend Anträge eingegangen.