Corona: Frankreich will „abschreckende Maßnahmen“ für Skitouristen

Frankreich verzeichnet im Moment sichtbare Erfolge im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Die Zahl der Infizierten geht zurück – auch die Zahl der Todesfälle. Doch nun blicken die Verantwortlichen mit Bangen auf die kommenden Feiertage. Vor allem die Skifahrer bereiten einige Sorgen.

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Eine Überschrift aus der Tageseitung „Le Figaro“

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Test für Rückkehrer aus dem Skiurlaub

Wegen der Corona-Pandemie will Frankreich seine Bürger in den Weihnachtsferien am Skifahren im Ausland hindern. Premierminister Jean Castex sagte, wer entgegen der Empfehlung der Regierung zum Skifahren in die Schweiz oder nach Spanien reise, müsse nach der Rückkehr in Quarantäne gehen. Dafür werde es „stichprobenartige Kontrollen an der Grenze“ geben.

Castex sagte dem Fernsehsender BFM-TV weiter, die Präfekten der grenznahen Verwaltungsbezirke in Frankreich könnten eine einwöchige Pflicht zur Selbstisolation für zurückkehrende Skitouristen anordnen. Es gehe um den „Schutz der Bürger“ vor einer Ansteckung, betonte der Premier.

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Abschreckende Maßnahmen für Skifahrer

Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor „strenge und abschreckende Maßnahmen“ für Skitouristen angekündigt. In Frankreich bleiben in den Weihnachtsferien wegen der Pandemie alle Skilifte geschlossen. Österreich und die Schweiz haben aber bereits angekündigt, dass Skifahren bei ihnen möglich ist.

Premier Castex bedauerte das Scheitern einer „europäischen“ Lösung. Frankreich hatte sich zuvor mit Deutschland und Italien verständigt, dem Massentourismus in den Alpen zum Jahreswechsel einen Riegel vorzuschieben. Damit wollen die Länder neue Corona-Ausbrüche wie im österreichischen Ischgl verhindern.

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Skigebiete auf – Lifte zu

Die Diskussion um den Skiurlaub läuft in Frankreich bereits seit geraumer Zeit. Inzwischen wird immer deutlicher, dass es angesichts der Corona-Pandemie zu einer etwas skurrilen Situation kommt: die Skigebiete sind über Weihnachten und Neujahr geöffnet – aber die Lifte bleiben geschlossen. Das ist zumindest im Moment die Lage, doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Hoteliers und Liftbetreiber sprechen von einer „wahnwitzigen“ Entscheidung und machen aus diesem Grund mächtig Druck auf die Politik. Ihr Argument: 250 Skistationen mit 120.000 Angestellten und einem Umsatz von rund neun Milliarden Euro stünden am finanziellen Abgrund.

Jean-Baptiste Lemoyne, Staatssekretär für Tourismus, betont nun, dass eine endgültige Entscheidung über die Öffnung der Skigebiete erst Mitte Dezember fallen werde. Allerdings machte er deutlich, dass allenfalls daran gedacht werden könne, Anfang Januar den Betrieb wieder aufzunehmen – wenn es die Infektionslage zulasse.

Und hier noch einmal zusammengefasst, was geht – und was nicht:

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Frankreich: Skigebiete geöffnet – Skilifte geschlossen

Viele Skifahrer halten es für einen ziemlichen Witz. Frankreich will in den Weihnachtsferien die Skigebiete öffnen. Das Problem: die Lifte bleiben geschlossen. Auch die französischen Liftbetreiber sprachen von einer „wahnwitzigen“ Entscheidung.  

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Skifans sind verägert

Premierminister Jean Castex sprach lang und ausführlich über die geplanten Lockerungen der Corona-Auflagen in Frankreich. Als der Regierungschef schließlich zu den Plänen für die Skisaison kam, ahnte der Präsident des französischen Skiliftverbands, Alexandre Maulin, schon lange nichts Gutes mehr. Als Castex dann verkündete, dass die Skigebiete öffnen könnten, die Lifte aber geschlossen bleiben müssten, sagte Maulin er sei „am Boden zerstört“. Damit sei der Saisonstart praktisch abgesagt. Allerdings waren die Skifans vorgewarnt. Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor bereits betont, eine Öffnung der Skigebiete an den Feiertagen erscheine ihm wegen der weiter hohen Corona-Infektionszahlen unmöglich.

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Aufmunternde Parolen des Premiers

Also bleiben in Frankreichs Skigebieten wie überall im Land auch Restaurants und Bars bis mindestens zum 20. Januar geschlossen. Die Regierung stellte deshalb weitere Finanzhilfen in Aussicht. 2021 werde „das Jahr der französischen Gastronomie“, versprach Premier Castex. Daran wollen Restaurant- und Barbetreiber allerding nicht wirklich glauben und haben massive Proteste gegen die fortgesetzte Schließung angekündigt.

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Im Moment versuchen die Alpenländer noch eine einheitliche Linie in der Corona-Krise zu finden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dringt darauf, bis zum 10. Januar alle europäischen Skigebiete geschlossen zu halten, um neue Corona-Ausbrüche wie im österreichischen Ischgl im vergangenen Winter zu verhindern. Auch Italien befürwortet dies.

Österreich schwimmt gegen den Strom

Aus dieser Phalanx schert allerdings Österreich aus – das Land, in dem das berühmt-berüchtigte Ischgl liegt. Jenes Städtchen, das den zweifelhaften Ruf des europäischen Hotspots erworben hat. Österreich will den Skibetrieb auch in diesem Winter aufrechterhalten und nur Après-Ski untersagen. „Urlaub in Österreich ist sicher“, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger dem „Spiegel“. Das Land ergreife „alle Maßnahmen, um sicheren Urlaub zu ermöglichen“, sagte sie mit Verweis auf Maskenpflicht und Abstandskonzepte. „Man holt sich das Virus nicht draußen beim Skifahren“, betonte Köstinger. Die Frage aber ist, was passiert in den überfüllten Gondeln oder auch beim Anstehen an den Liften.

Der Terror trifft auf eine verunsicherte Gesellschaft

Frankreich wird immer wieder zum Ziel terroristischer Anschläge. Eine zentrale Rolle spielt das nicht geklärte Verhältnis zwischen dem Islam und der säkularen Gesellschaft.

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Frankreich von Bluttat erschüttert

Frankreich wird zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage von einer brutalen Bluttat erschüttert. In Lyon wurde ein orthodoxer Priester vor seiner Kirche mit einer Schrotflinte angeschossen und ringt nun mit dem Tod. Mit großer Sorge stellen sich viele Franzosen die Frage, ob es sich wieder um einen Terrorakt handeln könnte, doch das ist derzeit noch unklar.

Der Angriff auf den Priester trifft das Land in einer Phase, in der wieder einmal über die Rolle des Islam, Radikalisierung und Zuwanderung gestritten wird. Der Schock über den Angriff eines islamistischen Attentäters in der Basilika Notre-Dame in Nizza sitzt den Franzosen noch in den Knochen. Drei Menschen wurden dabei bestialisch getötet und sechs weitere verletzt. Der Angreifer, ein junger Migrant aus Tunesien, wurde von Polizisten angeschossen und liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Erst vor zwei Wochen war der Lehrer Samuel Paty in Paris von einem Attentäter enthauptet worden, nachdem er im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte.

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Innenminister Darmanin will hart gegen Islamisten vorgehen

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Frankreich reagiert hart auf die Bedrohung

Die Politik reagierte, wie sie immer nach solchen Anschlägen reagiert: Premierminister Jean Castex hat die höchste Terrorwarnstufe für das Land ausgerufen. Präsident Emmanuel Macron kündigte an, die Zahl der Soldatinnen und Soldaten zu erhöhen, die Gotteshäuser und Schulen schützen sollen. Natürlich begrüßen die allermeisten Bürger diese Demonstration der Stärke, doch gerade die Angriffe der vergangenen Tage durch radikalisierte Einzeltäter zeigen, dass diese Sicherheit eine trügerische ist. Immer mehr Franzosen stellen sich die Frage, weshalb ausgerechnet ihr Land immer wieder Ziel von solchen Terrorangriffen wird? Im Mittelpunkt steht dabei sehr das Verhältnis der Gesellschaft zum Islam.

Die meisten Erklärungsversuche gehen weit in die Kolonialzeit zurück, als Frankreich etwa in Algerien und anderen afrikanischen Staaten das Sagen hatte. Anfangs noch ignoriert, wurden nach der Arbeitsmigration während der Wirtschaftswunderjahre in den Ballungsräumen um Paris, Lyon oder Marseille die ersten Schwierigkeiten im Zusammenleben deutlich. Wirklich reagiert hat der Staat allerdings erst, als der wachsende Islamismus etwa während des algerischen Bürgerkriegs in den 1990er Jahren zunehmend das Leben in Frankreich bedrohte. In diesem Zusammenhang thematisierten vor allem junge französische Muslime immer lauter die koloniale Vergangenheit Frankreichs, was das schwierige Verhältnis vieler Muslime zur Republik deutlich werden ließ.

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Dem Staat fehlt der Ansprechpartner

Ein zentrales Problem ist auch noch heute, dass es dem Staat in den Reihen der Muslime an verbindlichen Ansprechpartner fehlt. Zwar wurde 2003 der französische Islam-Rat (Conseil français du culte musulman – CFCM) eingerichtet, doch das Problem ist, dass das Gremium nur einen Bruchteil der Gläubigen repräsentiert und weit entfernt davon ist, die französischen Muslime zu repräsentieren. Seine Stimme wird bei den immer wieder mit großem Eifer geführten Diskussionen um das Kopftuch oder Halal-Essen in Schulkantinen kaum gehört.

Wesentlich mehr Erfolg mit der Selbstdarstellung haben in diesem Fall die extremen Rechten in Frankreich, die das Misstrauen in den Islam gezielt schüren. Dabei sind beide Extreme auf unheilsame und zynische Weise in ihrer Argumentation voneinander abhängig. Die Islamisten brauchen die Rechtsextremen, um behaupten zu können, dass die französische Gesellschaft rassistisch ist. Und die extreme Rechte braucht die Islamisten, um die Gefahren durch den Islam aufzubauschen und sich als Verteidiger der christlichen Zivilisation präsentieren zu können.

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Franzosen fürchten die Überfremdung

Allerdings hat die Angst vor Überfremdung längst die Mitte der französischen Gesellschaft erreicht. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop, der zufolge denken acht von zehn Franzosen, dass der Säkularismus in Gefahr sei. Sie sehen den Islam zunehmend als Bedrohung für den französischen Lebensstil.

Auf der anderen Seite beklagen die Muslime immer lauter, dass sie sich als Fremde im eigenen Land fühlen würden. Der prominente Lyoner Imam Kamel Kabtane kritisierte jüngst eine „zänkische und gefährliche Medien- und Politik-Kampagne gegen Muslime und den Islam“. Mit dieser würden „Franzosen gegen Franzosen“ aufgewiegelt, sagte er. Kritisiert wird auch, dass Muslime nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch in der Schule und bei der Wohnungssuche schlechtere Chancen hätten.

Viele Muslime kapseln sich ab

Nicht zuletzt aus diesem Grund würden viele Muslime beginnen, sich abzukapseln und regelrecht in ihre Gettos zurückzuziehen. Der französische Soziologe Bernard Rougier warnte, dass inzwischen ganze Viertel in französischen Vorstädten mit ihren gesichtslosen Plattenbausiedlungen unter die soziale Kontrolle von Islamisten geraten seien. Diese fänden unter den Abgehängten und frustrierten Jugendlichen viele Anhänger. Mit seinen Thesen wendet er sich auch ausdrücklich gegen die vor allem bei französischen Linken populäre Annahme, dass allein die soziale Misere der Grund für die Gewaltausbrüche junger Muslime sei – andere Begründungen werden von ihnen gerne als „islamophob“ gebrandmarkt.

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Emmanuel Macron über die Lage in Frankreich

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Macron bekämpft den Separatismus

Nachdem schon mehrere französische Präsidenten das „Problem der Vorstädte“ lösen wollten, hat nun auch Emmanuel Macron das Thema für sich entdeckt. Neu an seiner Offensive ist, dass er offen anspricht, dass der „islamistischen Separatismus“ bekämpft werden müsse. Weil etwa zu viele Imame in Frankreich, die im Ausland ausgebildet werden, „gegen die Republik“ predigen würden, will er deren Arbeit in Zukunft verbieten.

Das allerdings sieht etwa der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan als Affront – auch weil viele zahlreiche Imame aus der Türkei kommen und er auf diese Weise ein Mittel der direkten Einflussnahme verlieren würde. Der Hass, mit dem er und viele anderen Staatsmänner der islamischen Welt in den vergangenen Tagen gegen Emmanuel Macron hetzten, wirkt in der angespannten Situation wie ein Brandbeschleuniger. Manche jungen Männern in Frankreichs verlorenen Vororten könnten diese Tiraden als Aufforderung zum Handeln verstehen.

Corona Frankreich: Paris greift hart durch im Kampf gegen Covid-19

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt in Frankreich rapide an. Nun reagiert die Regierung erklärt 38 weitere Départements zu roten Zonen.

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54 Départements in Frankreich sind nun Risikogebiete

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Der Premier mahnt die Franzosen

Insgesamt sind in Frankreich nun 54 Departements betroffen, in denen insgesamt 46 Millionen Bürgerinnen und Bürger leben, sagte Frankreichs Premier Jean Castex am Donnerstag. Bisher gilt eine nächtliche Ausgangssperre im Großraum Paris und acht weiteren Metropolen. Ohne triftigen Grund dürfen sich Menschen dort seit dem Wochenende zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht auf der Straße aufhalten.

Neu gilt die nächtliche Ausgangssperre nun etwa im Département Bas-Rhin mit der Elsass-Metropole Straßburg oder auf Korsika. Außerdem ist fast die gesamte Mittelmeerküste betroffen.

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„Die Situation ist ernst, sie ist ernst in Europa, sie ist ernst in Frankreich“, warnte der Regierungschef. Und er glaubt nicht, dass sich die Situation bald entspannen können. Der Monat November werde hart, erklärte Castex. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionsfälle pro 100.000 Einwohner sei innerhalb einer Woche um 40 Prozent gestiegen und liege nun bei 251 Fällen.

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«Le mois de novembre sera difficile car nous savons que, malgré les mesures prises, l’impact des contaminations actuelles se fera sentir, on en est sûrs maintenant, au mois de novembre.»

Regierungschef Jean Castex

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Maßnahmen werden eventuell verschärft

Es sei noch zu früh, um die Auswirkungen der Ausgangssperre dort zu bewerten, sagte der Regierungschef weiter. Abhängig von den Ergebnissen werde man die Lage neu bewerten und möglicherweise die Maßnahmen verschärfen.

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Mit mehr als 32 000 gemeldeten Neuinfektionen binnen 24 stunden wurde am Wochenende ein Spitzenwert erreicht. Am Mittwochabend wurden rund 26 600 Neuinfektionen registriert. Besonders die Lage auf den Intensivstationen bereitet große Sorge – gerade in der Hauptstadt Paris sind immer mehr Intensivbetten mit Covid-19-Patienten beleg. Auch die Zahl der täglich gemeldeten Todesfälle steigt an. Seit dem Wochenende gilt außerdem erneut der Gesundheitsnotstand, mit dem die Regierung weitgehende Beschränkungen per Dekret durchsetzen kann.

Hier können die Corona-Zahlen in Frankreich nach Gemeinden aufgeschlüsselt eingesehen werden.

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INFO zu Corona-Zahlen:

Die neusten Covid-Zahlen der Europäische Gesundheitsagentur ECDC
Die neusten globalen Zahlen der Johns-Hopkins-Universität
Die Liste internationaler Risikogebiete des RKI

Corona: Franzosen wütend über neue Einschränkungen

In der Hafenstadt Marseille protestierten am Freitag hunderte Gastronomen gegen die angekündigte Schließung aller Bars und Restaurants ab Samstag.

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Insgesamt 69 Départements gehören inzwischen zu einer der drei roten Zonen. Dort ist das Virus besonders aktiv. Scharlachrot ist nur die Region um Marseille – vor allem dort regt sich nun der Widerstand der Bevölkerung gegen die Hygiene-Vorschriften.

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Der Offenbarungseid des Premiers

Die kurze Szene gleicht einem Offenbarungseid der französischen Regierung. Hauptdarsteller sind ein hilflos stotternder Premierminister und eine völlig verdutze Journalistin. Léa Salamé vom Sender „France2“ hatte Jean Castex vor laufender Kamera die Frage gestellt, ob er die französische Corona-Warn-App StopCovid auf seinem Smartphone habe. Die Antwort des Regierungschefs: „Nein!“ Großes Erstaunen. Er fahre ja nicht mit der Métro zur Arbeit und komme auch sonst kaum mit Menschen direkt zusammen, versucht Castex die Situation zu retten. Der Hinweis der Journalistin, dass er mit Wirtschaftsminister Bruno Le Maire und Tour-de-France-Chef Christian Prudhomme – beide positiv auf Corona getestet – Kontakt hatte, kommentiert der Premier mit einem verlegenen Achselzucken.

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Das Versagen der gesamten Regierung

Nun ergießt sich Hohn und Spott über den Premierminister und er steht stellvertretend für das Versagen der Regierung in der Corona-Krise. Etwas oberlehrerhaft hatte Castex die Franzosen immer wieder aufgefordert, sich an die auferlegten Regeln zu halten, um die Verbreitung des Virus einzudämmen – ohne sich offensichtlich selbst wirklich darum zu kümmern. Auch der Flop der umstrittenen Warn-App StopCovid wird nun wieder diskutiert. Zu selten wurde sie installiert, weshalb allenfalls eine Hand voll Corona-Verdachtsfälle nachverfolgt wurden. Diskutiert wird nun auch wieder das anfängliche Durcheinander bei der Versorgung mit Masken und das aktuelle Chaos mit den Corona-Tests.

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Die Wut der Franzosen

Zum ersten Mal seit Beginn der Krise kocht die Wut der Franzosen über die Regierung noch, der es nicht gelingt, die Pandemie einzudämmen. Im Gegenteil: die nationale Gesundheitsbehörde meldet einen neuen Rekord der Infektionszahlen. Binnen 24 Stunden wurden weitere 16.096 Menschen positiv getestet, 52 Menschen sind gestorben. In Paris werden wieder Operationen verschoben, um Intensivbetten für den Notfall freizuhalten.

Warnung vor einem neuen Lockdown

Zum ersten Mal gehen die Menschen nun wegen der neuen Corona-Maßnahmen auf die Straße, die am Donnerstag verkündet wurden. Unter dem Motto „Rettet unsere Bars und Restaurants!“ demonstrierten in der besonders betroffenen Stadt Marseille am Freitag hunderte Gastwirte gegen die angekündigte Schließung ihrer Lokale. Der regionale Arbeitgeberverband warnte in einer Erklärung vor einem „wirtschaftlichen Lockdow““, denn Fitnessstudios und andere Einrichtungen sind ebenfalls betroffen.

Corona-Einschränkungen auch in Paris

Auch in anderen Landesteilen gibt es scharfe Proteste gegen die neuen Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die rund ein Dutzend Großstädte betreffen, darunter auch Paris. Dort sind ab Montag unter anderem Versammlungen von mehr als zehn Menschen verboten und Großveranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern. Für Bars und Restaurants gilt ab 22 Uhr eine Sperrstunde.

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Der Premierminister schließt einen erneuten Lockdown nicht aus!

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Die Angst der Gastwirte

Die Wiedereröffnung von Cafés und Restaurants nach dem strengen Lockdown Anfang Juni hatten viele Franzosen geradezu euphorisch gefeiert. Präsident Emmanuel Macron würdigte die Gastronomiebetriebe als Symbole des „französischen Esprits, unserer Kultur und Lebenskunst“. Ihre erneute Schließung nährt die Ängste vor einer neuen landesweiten Ausgangssperre. Regierungschef Jean Castex appellierte im Fernsehen an die „gemeinsame Verantwortung“ der Franzosen. Nach seinem Eingeständnis in Sachen Corona-Warn-App klingt dieser Satz in den Ohren vieler Franzosen allerdings hohl.

INFO:

Wer sich über den aktuellen Stand der Reisewarnungen informieren will, der kann das unter diesem Link zur Stuttgarter Zeitung tun.

Corona: Frankreich führt verpflichtende Tests an Flughäfen ein

Frankreich geht im Kampf gegen ein Wiederaufflammen der Corona-Pandemie einen Schritt voran. An Flughäfen werden nun verpflichtende Coronavirus-Tests eingeführt. Getestet werden allerdings nicht alle Reisende, betroffen sind nur Rückkehrer aus insgesamt 16 Risikoländern. Darunter sind neben den USA unter anderem auch Brasilien, die Türkei, Algerien und Israel.

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20.07.24-castex

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Tests für Besucher aus Risikogebieten

In bestimmten Ländern sei der Zugang zu Corona-Tests schwierig, sagte der neue Premierminister Jean Castex bei einem Besuch am Pariser Flughafen Charles de Gaulle zur Begründung des neuen Schrittes. Nach Angaben von Castex‘ Büro sind unter anderem auch Serbien, Südafrika, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien betroffen. Da die EU die Grenzen zu den meisten der Risikoländer bisher geschlossen hält, betrifft die Maßnahme dem Premier zufolge zunächst nur französische Staatsbürger oder Menschen aus Drittländern mit einer Aufenthaltserlaubnis in Frankreich. In Deutschland hatten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern zuvor auf freiwillige Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten an Flughäfen geeinigt.

Warnung für Katalonien ausgesprochen

Zugleich riet der Regierungschef den Franzosen davon ab, in die spanische Region Katalonien zu reisen, „solange sich die gesundheitliche Situation dort nicht verbessert“. Mit der Regierung in Madrid werde besprochen, wie man den Grenzverkehr nach Frankreich soweit wie möglich herunterfahren könne. Spanien hatte am Mittwoch erklärt, eine erneute Schließung der Grenze zu Frankreich vermeiden zu wollen. Unter anderem in der Hauptstadt Barcelona hatten die Behörden zuletzt wieder strenge Ausgangsbeschränkungen eingeführt.
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Sorge wegen Corona-Anstieg im Elsass

Zudem haben die Behörden in Ostfrankreich angesichts eines leichten Anstiegs der Corona-Infektionen zu mehr Wachsamkeit aufgerufen. Die Abstandsregeln müssten unbedingt eingehalten werden, sagte die Leiterin der regionalen Gesundheitsbehörde ARS von Grand Est, Marie-Ange Desailly-Chanson. Sie riet davon ab, sich zu umarmen oder Küsse auszutauschen. Die Ansteckungsherde hätten sich verändert, ergänzte die Präfektin der an Deutschland grenzenden Region, Josiane Chevalier. Derzeit seien neue Cluster vor allem im beruflichen Umfeld und nach Familienfeiern erkennbar.

 

 

Grand Est schwer getroffen von der Pandemie

In Grand Est seien seit Anfang Juli etwa 30 neue Ansteckungsherde festgestellt worden, erklärte Chevalier. Derzeit müsse deshalb aber nicht Alarm geschlagen werden. Das südelsässische Département Haut-Rhin sowie die Départements Moselle und Vosges stünden unter genauerer Beobachtung. Die Zahl der Neuinfektionen in Grand Est hatte sich demnach in der vergangenen Woche verdoppelt. In den Wochen zuvor habe es durchschnittlich 150 neue Fälle gegeben, in der vergangenen Woche seien es fast 300 gewesen.

Die Region war von der Coronavirus-Pandemie hart getroffen worden. Seit Beginn der Gesundheitskrise wurden dort fast 4000 Todesfälle registriert, in ganz Frankreich sind es bisher knapp mehr als 30 000. Vor dem Krankenhaus im südelsässischen Mülhausen musste zeitweise eine Militärklinik aufgebaut werden, um die Intensivstationen zu entlasten.
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Eine gewissen „Dynamik“ der Ausbreitung von Corona

Es gebe beunruhigende Zeichen, dass die Pandemie in einigen Gebieten wieder aufflammen könnte, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran im Nachrichtensender „Franceinfo“. Es zeige sich eine gewisse „Dynamik“ bei der Ausbreitung. Von einer zweiten Welle sprach er jedoch nicht. In mehreren Gemeinden in der westfranzösischen Bretagne und im Département Mayenne war zuletzt wegen steigender Infektionszahlen bereits eine allgemeine Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen und Geschäften eingeführt worden. Landesweit gilt diese in Frankreich seit Montag. Zuvor galt sie unter anderem in öffentlichen Verkehrsmitteln.