Zu alt, zu weiß, zu männlich

Die Führung der César-Akademie tritt zurück – Auslöser ist die Nominierung des umstrittenen Filmemachers Polanski

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20.02.14-cesar

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Frankreichs Filmwelt im Krisenmodus

Frankreich Filmwelt befindet sich seit Wochen im Krisenmodus. Auslöser ist die Nominierung des umstrittenen Filmemachers Roman Polanski für den begehrten César. Nun hat der Vorstand der französischen César-Akademie kurz vor der Verleihung des Preises Ende Februar die Reißleine gezogen und ist zurückgetreten. Ob dadurch die erhoffte Ruhe eintritt, ist allerdings fraglich. Geplant ist, dass nach der Preisverleihung am 28. Februar eine Hauptversammlung abgehalten wird, heißt es von Seiten der Akademie, auf der ein neuer Vorstand gewählt werden soll.

Proteste gegen Roman Polanski

Die Nominierung von Polanskis Drama „J’accuse“ (Intrige) in zwölf Kategorien war allerdings nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Der Regisseur sieht sich in den USA seit Jahrzehnten mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert, weswegen er das Land nicht mehr betritt. Kurz vor dem Filmstart im vergangenen November hatte auch die Fotografin und Schauspielerin Valentine Monnier Polanski vorgeworfen, sie 1975 vergewaltigt zu haben. Der Filmemacher bestreitet den Vorwurf. Frauenrechtlerinnen forderten deshalb die Absetzung des Films und demonstrierten bei der Premiere des Streifens in Paris vor dem Kino.

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Filmschaffende haben die Nase voll

Für viele Filmschaffende in Frankreich ist die Nominierung Polanskis nicht nur ein Skandal, sondern auch ein deutliches Zeichen dafür, dass die César-Akademie reformiert werden muss. In der Zeitung „Le Monde“ machten sich schließlich 400 Prominente in einer öffentlichen Stellungnahme ihrem Unmut Luft. Sie werfen der der Institution unter anderem Intransparenz und Diskriminierung bei der Auswahl der Preisträger vor. Grundsätzlich heißt es, die Akademie sei zu männlich, zu alt, zu weiß und basiere auf Kungelei und Kumpanei. Der 70-jährige Alain Terzian, seit 2003 Präsident der Akademie, hatte noch vor einigen noch Tagen versucht, die Wogen zu glätten und eine Reform angekündigt – doch diese vage Aussage, in Zukunft mehr Frauen bei der Auswahl zu berücksichtigen, war den empörten Filmschaffenden offenbar zu wenig.

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Politiker äußern sich vorsichtig

Im Streit um die César-Akademie und die Nominierung von Polanski sah sich nun sogar der französische Kulturminister Franck Riester bemüßigt zu reagieren. Allerdings formulierte er seine Meinung sehr vorsichtig. Über Twitter macht er klar, dass der ganze Streit weit außerhalb seiner Zuständigkeit liegt, die Académie des Césars sei privatrechtlich organisiert, bekomme keine öffentlichen Gelder und solle ihre Unabhängigkeit bewahren. Allerdings kann er die erhobenen Vorwürfe offensichtlich nachvollziehen, denn er fügte noch hinzu, dass die neue Führung sollte es ermöglichen, das französische Kino in seiner ganzen Vielfalt zu zeigen.

Shaun das Schaf statt Adolf Hitler

Ein Kino in Burladingen wird mit Nazi-Parolen beschmiert, weil ein Film über das Leben des Hitler-Attentäters Georg Elser gezeigt werden soll. Der Besitzer nimmt den Streifen daraufhin aus Angst aus dem Programm. Doch in der Stadt wird über die Vorfälle geschwiegen. 

15.05.05-burladingenDas Kino in Burladingen. Die Nazi-Parolen sind schon wieder mit Farbe überpinselt worden.

Ein  Knacken, dann ein Krächzen aus der Sprechanlage. „Wir geben zu dem Vorfall keine Stellungnahme ab“, sagt der Blechkasten neben der Tür zum Rathaus. Die Stimme ist schwer zu verstehen, nur wenige Schritte entfernt donnern  Lastwagen über die Hauptstraße von Burladingen. Klar wird jedoch: Die Stadtverwaltung will die Nazi-Schmierereien auf keinen Fall öffentlich kommentieren, die Rathaustür bleibt verschlossen.

Empörung über das Schweigen

Peter Ohlendorf hat dafür kein Verständnis, er findet das Schweigen empörend. Die Stadt und der Gemeinderat müssten dem Angriff auf die Demokratie mit einer klaren Haltung entgegentreten, fordert der Regisseur. Nach bisherigen Erkenntnissen war sein Film „Blut muss fließen“ einer der Auslöser für die Schmierereien auf mehreren Hauswänden in dem Städtchen am Fuße der Schwäbischen Alb. Die Dokumentation über die Umtriebe in der rechtsradikalen Musikszene lief vor Kurzem in den Alb-Lichtspielen in Burladingen, einem Programmkino, das sich nach eigener Beschreibung aktueller und historisch interessanter Themen annimmt.

  
Die Bibliothek war auch Ziel der Schmierereien. 

Nun sollte dort auch der Film „Elser – Er hat die Welt verändert“ gezeigt werden. Ein Film über den Hitlerattentäter Georg Elser.  Kurz vor dem Start besprühten Unbekannte das Kino und einige umliegende Gebäude mit Nazi-Parolen. Der Kinobetreiber Ludwig Schülzle nahm daraufhin den Film aus dem Programm, weil er sich bedroht fühlte. Inzwischen möchte er zu dem Vorfall nichts mehr sagen, dem 80-Jährigen geht die Aufregung der letzten Tage offensichtlich an die Nerven. Im Aushang vor dem Kino kündigen nun Plakate die Zeichentrickfilme „Shaun das Schaf“ und die „Pinguine aus Madagaskar“ an.

Wenig Rückhalt in der Bevölkerung

Viel Rückhalt aus der Bevölkerung erhält der Betreiber  nicht. Zu spüren ist in Burladingen eine Mischung aus Schock und Unglauben, der Alltag soll  schnell wieder Einzug halten. Die Nazi-Runen und „Verräter“-Schmierereien wurden übermalt, nur an der Bücherei sind noch einige Spuren sichtbar. Allein die CDU in Burladingen hat Stellung bezogen. Sie ruft dazu auf sich von  Rechtsradikalismus zu distanzieren.  Die anderen Parteien schweigen.

  
Solche Runen wurden an die Wände gesprüht. 

„Ich kann mir nicht vorstellen, wer das gemacht hat“, sagt ein alter Mann sichtlich ratlos. Er wohnt seit Jahrzehnten neben dem Kino  und fasst  die Gemütslage der meisten Burladinger zusammen. Eine direkte Bedrohung durch Rechtsradikale oder das Aufkeimen einer braunen Saat will aber niemand ausmachen. „Idioten gibt es eben überall“, sagt der Besitzer einer Pizzeria. Gar nicht oder nur vage können oder wollen sich die Leute an das Jahr 2006 erinnern, als 14 rechte Jugendliche aus der  Umgebung wegen Körperverletzung, Beleidigung und Landfriedensbruch  vor Gericht standen. Immer wieder war es damals zu Schlägereien, Drohungen und Pöbeleien gekommen. Die Szene wurde  aber nicht zerschlagen. Wie der Verfassungsschutz mitteilt, liegen Informationen zu rund 30 Personen im Zollernalbkreis vor, die der rechten Szene zuzurechnen sind.

Ermittlungen „auf Hochtouren“

Aktuell ermittle die Polizei   „auf Hochtouren“, wie ein Sprecher sagt. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang der Schmierereien in Burladingen mit einem Stofftransparent, das Unbekannte in diesen Tagen an einer Brücke an der B32  bei  Burladingen aufgehängt hatten. Darauf zu sehen waren Y-förmige Runen und der Schriftzug „Combat 18“ –  Bezeichnungen aus der Neonaziszene. Die Zahl 18 steht dabei für den ersten und den achten Buchstaben des Alphabets: A und H.

Gegenaktionen linker Gruppen

Die Schmierereien  haben jetzt linke Gruppierungen auf den Plan gerufen. Die „Antifa Zollernalbkreis“ bekannte sich zu einem Anschlag auf das Haus von Edda Schmidt in  Bisingen. Sie  gehört dem Landesvorstand der NPD an. Ihr wurden auch im NSU-Prozess Kontakte zum „NSU-Trio“ nachgesagt. „Unsere Aktion der letzen Nacht sehen wir als Antwort auf die in letzter Zeit verstärkten Nazi-Aktivitäten im Zollernalbkreis“, heißt es auf der Internet-Seite der Antifa-Gruppe. Auch die antifaschistische Kampagne „Alboffensive“ will kämpfen. Ein Vertreter der Gruppe habe vor einigen Tagen anlässlich der Aufführung des Filmes „Blut muss fließen“ eine Einschätzung zu den rechten Umtrieben in Burladingen gegeben, erklärt der Sprecher Moritz Elser. Er sieht sich nach den Schmierereien bestätigt. Die Stadt müsse endlich zugeben, kommentiert Elser, dass „Burladingen ein Nazi-Problem hat“.