Louvre sagt auf Druck von Nationalisten aus Bulgarien Ausstellung ab

Der Pariser Louvre hat nach Protesten von Nationalisten und Kirche eine Ausstellung über bulgarische Kunst abgesagt. Die nationale Bewegung IMRO-BNB nannte die Ausstellung eine Beleidigung.

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20.02.27-Louvre

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Eine Schau über islamische Kunst

Die ursprünglich für den Juni geplante Werkschau in der Abteilung für islamische Kunst sollte Arbeiten zeigen, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert entstanden sind, einer Zeit, in der Bulgarien unter osmanischer Herrschaft stand. Der Louvre will die Entscheidung im Moment nicht kommentieren.

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In Bulgarien wird der Islam oft mit der Jahrhunderte währenden osmanischen Herrschaft verbunden, die als „osmanisches Joch“ empfunden wurde. Erst im Jahr 1878 wurde das Balkanland autonomes Fürstentum. Bulgariens orthodoxe Kirche, der rund 80 Prozent der Bulgaren angehören, hatte erklärt, dass sie Nachfragen des Louvre nach Leihgaben nicht nachkommen werde.

Bereits vor zwei Wochen hatte das bulgarische Kulturministerium den Louvre wissen lassen, dass es angesichts der Reaktionen der Öffentlichkeit und der orthodoxen Kirche die Absage der Ausstellung wünsche.

Streikaktion vor dem Louvre erzürnt Touristen

Eine Streikaktion vor dem Pariser Louvre hat zahlreiche Touristen erzürnt: Dutzende Mitglieder der französischen Gewerkschaft CGT blockierten am Freitag den Haupteingang zu dem Museum an der Louvre-Pyramide und hinderten Besucher am Eintritt. Mit der Aktion protestierten sie gegen die Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron.

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20.01.17-Louvre

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Buh-Rufe für die Protestierer

Während einige französische Passanten applaudierten, reagierten viele Touristen mit Buh-Rufen. Ein Besucher aus Brüssel sagte, er sei mit dem Zug trotz der Bahn-Streiks in Frankreich extra für die große Sonderausstellung zum 500. Todestag von Leonardo da Vinci angereist.

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„Ich liebe Frankreich, aber das geht wirklich zu weit“, sagte eine Spanierin. „Ich verstehe nicht, warum die Polizei die Aktion nicht beendet.“ Ein Besucher aus China nannte den Protest „egoistisch“. Ein französischer Tourist rief wutentbrannt dazu auf, den Louvre zu stürmen. Der Appell verhallte jedoch. Allerdings waren einige der erbosten Besucher kurz davor, handgreiflich zu werden.

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„Den Louvre zu besuchen ist nicht lebenswichtig“, entgegnete einer der Demonstranten. „Wir verteidigen unsere Rechte , das ist viel wichtiger.“ Der Ort für die Protestaktion war kein Zufall: Vor der berühmten Louvre-Pyramide des US-chinesischen Architekten Ieoh Ming Pei hatte Präsident Macron 2017 seinen Triumph bei der Präsidentschaftswahl gefeiert.

Hommage an den Schwarzmaler

Zum 100. Geburtstag von Pierre Soulages widmet Paris im Louvre und dem Centre Pompidou dem französischen Maler eine Doppelschau.

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19.12.13-Soulages

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Warum ausgerechnet schwarz?

Die Bilder von Pierre Soulages sind nicht einfach schwarz. Die raue, faserige oder auch glatte Oberfläche reflektiert das einfallende Licht, bisweilen tiefblau, oft in wilden Grautönen oder auch in einem alles verschlingenden Nachtschwarz. Der französische Künstler weist aus diesem Grund eine ihm immer wieder gestellte Frage weit von sich: Warum ausgerechnet schwarz? „Ich male nicht mit Schwarz“, erklärt er dann, „ich male mit Licht.“ Erst durch den Blick des Betrachters werde das Bild zum Werk vollendet. „In meinen Gemälden gibt es unendlich viele Sichtweisen“, sagt Pierre Soulages in einem Interview mit „Le Parisien“, „man verändert den Standpunkt und das Licht verändert sich ebenfalls.“

Eine sehr große Ehre für Pierre Soulages

Zu seinem 100. Geburtstag am 24. Dezember wird Pierre Soulages nun eine besondere Ehre zuteil. Frankreich feiert ihn mit einer Doppelausstellung. Erstmals widmet der Pariser Louvre dem Maler eine Retrospektive. Nach Pablo Picasso und Marc Chagall ist Soulages erst der dritte Künstler, dem eine solche Würdigung zuteil wird. Die zweite Schau wird im Centre Pompidou gezeigt.

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Ausstellung im prachtvollen „Salon carré“

Die Ausstellung im Louvre findet im prachtvollen „Salon carré“ statt, wo normalerweise italienische Malereien aus dem 12. bis 15. Jahrhundert hängen. Sie mussten 19 größtenteils monumentalen Werken weichen, die die künstlerische Entwicklung von Pierre Soulages markieren. Man habe mit wenigen Werken ein 80 Jahre währendes Schaffen illustrieren wollen, sagt Kurator Alfred Pacquement. Die Hommage im Centre Pompidou konzentriert sich mit 14 Arbeiten auf die Jahre 1948 bis 2002, darunter sind auch ältere Werke zu sehen, in denen die Farbe Schwarz noch nicht ganz die Bildfläche beherrscht.

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Unter den Exponaten der Retrospektive befinden sich seine ersten, ab Mitte der 1940er Jahre entstandenen Kompositionen wie die einzige erhaltene Nussbeize-Arbeit auf Leinwand. Einer der Höhepunkte ist allerdings ein sehr großformatiges Werk aus dem Jahr 2019. Kurator Alfred Pacquement habe es bei einem Besuch im Ateliers des Malers in Sète gesehen und sei bei dessen Anblick schlicht hingerissen, erinnert sich der Künstler. Ein Werk von solcher Wucht, aus den Händen eines 100 Jahre alten Menschen.

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Schwepunkt auf den Outrenoir-Werken

Ein Schwerpunkt der Doppelschau liegt auf den „Outrenoir“-Werke. Längst zur Legende ist der Schaffensprozess geworden, in dem Pierre Soulages praktisch über Nacht seinen Weg zu diesen Werken „jenseits des Schwarz“ gefunden hat. Nach mehr als 30 Jahren des Schaffens war der Künstler Ende der 80er Jahre an einem Wendepunkt angekommen. Nach eigenen Erzählungen arbeitete er damals an einem großformatigen Werk, das ihm nicht gelingen wollte. Wieder und wieder übermalte er das Bild, trug Schicht für Schicht der schwarzen Farbpaste auf, bis er sich erschöpft schlafen legte. Als er erwachte und das Werk erneut betrachtete, modulierte die faserige, wilde Oberfläche das Licht. „Darin habe ich einen neuen Typ der Malerei erkannt“, erinnert sich Soulages, einer Malerei jenseits des Schwarz, die die Seele des Betrachters berührt.

INFO: Beide Ausstellungen im Louvre und Centre Pompidou dauern bis zum 9. März, Eintritt 17 Euro, dienstags geschlossen