Fast alleine mit Mona Lisa

Der Louvre in Paris hat wieder geöffnet. Wegen der Corona-Regelung darf nur ein Bruchteil der üblichen Besucher das Museum besuchen.

 

20.07.06-louvre

 

Fast einsam vor dem Louvre

Der Louvre in Paris hat den ersten Tag geöffnet und am Eingang wartet keine unendliche Menschenschlange. Vor der Pyramide im Innenhof des meistbesuchten Museums der Welt ist die Situation ungewohnt entspannt. Das Personal kontrolliert am Montag in der Sommersonne freundlich die Eintrittskarten der wenigen Besucher, einige Kunstliebhaber müssen abgewiesen werden, sie haben keine Online-Reservierung. Vier Monate hatte das Museum wegen der Corona-Pandemie geschlossen, nun wartet auf die Angestellten eine große Herausforderung. „Es ist sehr bewegend für all die Teams, die diese Wiedereröffnung vorbereitet haben“, sagte Direktor Jean-Luc Martinez. Im vergangenen Jahr drängelten sich 9,6 Millionen Menschen durch den riesigen Kunstpalast. Im Juli 2019 mussten einige Säle wegen Überfüllung sogar geschlossen werden.

 

 

 

Drastisch reduzierte Zahl von Besuchern

Wegen der Corona-Maßnahmen wird sich die Zahl der Besucher allerdings drastisch reduzieren. Knapp 30 Prozent der üblichen Besucherzahl wird Einlass zu den Kunstschätzen gewährt werden. Die Besichtigung der Säle folgt einem vorgeschriebenen Parcours, der vermeiden soll, dass sich die Kunstinteressierten kreuzen „Man wird unter anderem wieder die Säle der französischen Malerei des 19. Jahrhunderts öffnen, die Abteilungen islamischer Kunst und italienischer Skulpturen“, erklärte der Louvre-Chef. Und natürlich den Zugang zu seinen Stars: der marmornen Schönheit der Statue der Venus von Milo und der Mona Lisa von Leonardo da Vinci.

Eine Eintrittskarte muss reserviert werden

Wer das Museum besuchen will, muss vorher im Internet eine Eintrittskarte reservieren – ohne geht gar nichts. Und auch in den Ausstellungsräumen selbst werden einige Regeln zu beachten sein. Die auffälligste ist die Zick-Zack-Absperrung vor der weltberühmten Mona Lisa, die an die Check-in-Vorrichtungen in Flughäfen erinnert. Orangefarbene Punkte am Boden signalisieren den Abstand, den die Besucher darin wahren müssen. Allerdings haben die wenigen Kunstliebhaber nun mehr als die üblichen 50 Sekunden Zeit, die Frau mit dem geheimnisvollen Lächeln zu betrachten.

 

 

Ein großes Loch im Budget des Louvre

Die Verantwortlichen in Paris erwarten angesichts der weltweiten Reisebeschränkungen in diesem Jahr allerdings keinen steilen Anstieg der Besucherzahlen. Dreiviertel des Publikums kommt in der Regel aus dem Ausland, vor allem aus den von Corona geplagten Ländern USA und China. Martinez hofft auf 3000 bis 4000 Besucher, im besten Fall 5000 im Sommer.

Die Schließung angesichts der Pandemie hat ein riesiges Loch in das Budget des Louvre gerissen, der sich zu 50 Prozent aus dem Verkauf von Eintrittskarten finanziert. Der Museumschef beziffert den Verlust auf rund 40 Millionen Euro. Der Louvre muss allerdings keine Insolvenz anmelden, denn Hauptgeldgeber ist der französische Staat.

Grenze zu Frankreich für Urlauber wieder offen

Die Zeit der Grenzkontrollen bei der Einreise aus Frankreich ist vorbei: „Mit Ablauf des Sonntags enden die Kontrollen“, heißt es von der Polizei. Am Wochenende des 13./14. Juni laufen die Kontrollen, die seit rund einem Monat nur noch stichprobenartig stattfinden, aus. In den beiden Monaten davor – also vom 16. März bis zum 16. Mai – hatte es dagegen systematische Kontrollen an der Grenze zu Frankreich, und auch zu Luxemburg, an überwachten Übergängen gegeben.

 

20.06.02-bistro

In Paris haben die Bistros wieder geöffnet – allerdings mit einigen Einschränkungen

Lange Zeit ging fast nichts an der Grenze

Etliche, vor allem kleine Übergänge waren in dieser Zeit gesperrt gewesen. Mit den Grenzkontrollen sollte die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden. Einreisen durfte nur, wer einen triftigen Grund nachweisen konnte. Die Kontrollen bei der Einreise aus Luxemburg waren bereits am 16. Mai komplett weggefallen. Auch für den Zugverkehr heißt das, dass er nach und nach wieder normalisiert wird.

 

Welche Einschränkungen in Frankreich?

Auch wenn die Einreise nach Frankreich nun wieder problemlos möglich ist, sind im Land selbst doch einige Einschränkungen zu beachten. Noch bis vor wenigen Tagen durften auch Franzosen sich nur in einem Umkreis von 100 Kilometern bewegen. Diese Regelung wurde am 2. Juni aufgehoben. Inzwischen haben in weiten Teilen des Landes Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber nun wieder geöffnet. Auch die Restaurants empfangen seit Anfang dieser Woche im ganzen Land wieder Gäste – alles natürlich mit strengen Hygieneregeln. Auch Freizeitangebote sind nun wieder verstärkt möglich. So sind alle Strände wieder zugänglich. Große Museen und Monumente dürfen ebenfalls wieder Besucher empfangen.

Eine spezielle Situation in Paris

Etwas anders ist die Lage in Paris, das schwerer von den Folgen des Virus getroffen wurde. Das heißt: in der Hauptstadt geht die Öffnung wesentlich langsamer voran und wird noch bis Ende Juni dauern. Das heißt, dass die Hotels noch geschlossen haben und auch in den Restaurants und Bistros herrschen strenge Regeln. So darf nur auf den Terrassen gegessen und getrunken werden.

Die Museen öffnen wieder

Für die Museen in Paris bedeutet das: Der Louvre oder das Musee d’Orsay öffnen erst in ein paar Wochen. Das Versailler Schloss öffnete nach der coronabedingten Zwangspause am 6. Juni wieder seine Türen. Zugänglich sind das Schloss, die Gärten, Parkanlagen und das von Ludwig XV. für seine Mätresse Madame de Pompadour errichtete Trianon, teilte die Schlossleitung mit. Der Besuch kann nur mit vorheriger Reservierung eines Zeitfenster-Tickets und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen. Das Loire-Schloss Chambord soll ab dem 5. Juni wieder zu besichtigen sein, das Schloss von Fontainebleau ab dem 1. Juli.

 

 

 

Der Eiffelturm macht (fast) auf

Ab dem 25. Juni soll der seit Mitte März geschlossene Eiffelturm in Paris wieder geöffnet werden. Allerdings können Besucher dem Betreiber zufolge nur über die Treppen bis in den zweiten Stock des weltberühmten Bauwerks. Die Spitze und Aufzüge sollen zunächst geschlossen bleiben.

 

 

Das Pariser Grand Palais öffnet mit der Ausstellung „Pompeji“ am 1. Juli wieder seine Türen. Die Schau ist den letzten Ausgrabungen der antiken Stadt am Golf von Neapel gewidmet. Gezeigt werden unter anderem Objekte, die bei den Ausgrabungen 2010 zu Tage gekommen sind. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine 3D-Rekonstruktion, die die Besucher in die Geschichte der Stadt eintaucht, die 79 n.Chr bei dem Vulkanausbruch des Vesuvs verschüttet wurde.

NACHTRAG 22.06.2020:

In Frankreich sind neue Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Kraft getreten. Alle Schulen mit Ausnahme von Gymnasien öffneten am Montag wieder unter Auflagen. Auch Campingplätze und Kinos können wieder aufmachen. Zudem waren erstmals seit gut drei Monaten alle Stationen der Pariser Metro wieder geöffnet.
Für Frankreichs Schüler gilt seit Montag eine Anwesenheitspflicht, nur Gymnasiasten sind ausgenommen. Allerdings hatte das Bildungsministerium Verständnis für Eltern signalisiert, die ihr Kind zwei Wochen vor Beginn der Sommerferien nicht zum Unterricht schicken wollen. Theoretisch droht beim Verstoß gegen die Schulpflicht ein Bußgeld von 750 Euro.
Ab Mittwoch können Touristen auch den Eiffelturm wieder besuchen. Für Freitag ist zudem die Öffnung des Pariser Flughafens Orly angekündigt. Die Einreise nach Frankreich ist seit einer Woche für Deutsche und die meisten anderen EU-Bürger wieder uneingeschränkt möglich.

Louvre sagt auf Druck von Nationalisten aus Bulgarien Ausstellung ab

Der Pariser Louvre hat nach Protesten von Nationalisten und Kirche eine Ausstellung über bulgarische Kunst abgesagt. Die nationale Bewegung IMRO-BNB nannte die Ausstellung eine Beleidigung.

.

20.02.27-Louvre

.

Eine Schau über islamische Kunst

Die ursprünglich für den Juni geplante Werkschau in der Abteilung für islamische Kunst sollte Arbeiten zeigen, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert entstanden sind, einer Zeit, in der Bulgarien unter osmanischer Herrschaft stand. Der Louvre will die Entscheidung im Moment nicht kommentieren.

.

 

.

In Bulgarien wird der Islam oft mit der Jahrhunderte währenden osmanischen Herrschaft verbunden, die als „osmanisches Joch“ empfunden wurde. Erst im Jahr 1878 wurde das Balkanland autonomes Fürstentum. Bulgariens orthodoxe Kirche, der rund 80 Prozent der Bulgaren angehören, hatte erklärt, dass sie Nachfragen des Louvre nach Leihgaben nicht nachkommen werde.

Bereits vor zwei Wochen hatte das bulgarische Kulturministerium den Louvre wissen lassen, dass es angesichts der Reaktionen der Öffentlichkeit und der orthodoxen Kirche die Absage der Ausstellung wünsche.

Streikaktion vor dem Louvre erzürnt Touristen

Eine Streikaktion vor dem Pariser Louvre hat zahlreiche Touristen erzürnt: Dutzende Mitglieder der französischen Gewerkschaft CGT blockierten am Freitag den Haupteingang zu dem Museum an der Louvre-Pyramide und hinderten Besucher am Eintritt. Mit der Aktion protestierten sie gegen die Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron.

.

20.01.17-Louvre

.

Buh-Rufe für die Protestierer

Während einige französische Passanten applaudierten, reagierten viele Touristen mit Buh-Rufen. Ein Besucher aus Brüssel sagte, er sei mit dem Zug trotz der Bahn-Streiks in Frankreich extra für die große Sonderausstellung zum 500. Todestag von Leonardo da Vinci angereist.

.

 

.
„Ich liebe Frankreich, aber das geht wirklich zu weit“, sagte eine Spanierin. „Ich verstehe nicht, warum die Polizei die Aktion nicht beendet.“ Ein Besucher aus China nannte den Protest „egoistisch“. Ein französischer Tourist rief wutentbrannt dazu auf, den Louvre zu stürmen. Der Appell verhallte jedoch. Allerdings waren einige der erbosten Besucher kurz davor, handgreiflich zu werden.

.

.
„Den Louvre zu besuchen ist nicht lebenswichtig“, entgegnete einer der Demonstranten. „Wir verteidigen unsere Rechte , das ist viel wichtiger.“ Der Ort für die Protestaktion war kein Zufall: Vor der berühmten Louvre-Pyramide des US-chinesischen Architekten Ieoh Ming Pei hatte Präsident Macron 2017 seinen Triumph bei der Präsidentschaftswahl gefeiert.

Hommage an den Schwarzmaler

Zum 100. Geburtstag von Pierre Soulages widmet Paris im Louvre und dem Centre Pompidou dem französischen Maler eine Doppelschau.

.

19.12.13-Soulages

.

Warum ausgerechnet schwarz?

Die Bilder von Pierre Soulages sind nicht einfach schwarz. Die raue, faserige oder auch glatte Oberfläche reflektiert das einfallende Licht, bisweilen tiefblau, oft in wilden Grautönen oder auch in einem alles verschlingenden Nachtschwarz. Der französische Künstler weist aus diesem Grund eine ihm immer wieder gestellte Frage weit von sich: Warum ausgerechnet schwarz? „Ich male nicht mit Schwarz“, erklärt er dann, „ich male mit Licht.“ Erst durch den Blick des Betrachters werde das Bild zum Werk vollendet. „In meinen Gemälden gibt es unendlich viele Sichtweisen“, sagt Pierre Soulages in einem Interview mit „Le Parisien“, „man verändert den Standpunkt und das Licht verändert sich ebenfalls.“

Eine sehr große Ehre für Pierre Soulages

Zu seinem 100. Geburtstag am 24. Dezember wird Pierre Soulages nun eine besondere Ehre zuteil. Frankreich feiert ihn mit einer Doppelausstellung. Erstmals widmet der Pariser Louvre dem Maler eine Retrospektive. Nach Pablo Picasso und Marc Chagall ist Soulages erst der dritte Künstler, dem eine solche Würdigung zuteil wird. Die zweite Schau wird im Centre Pompidou gezeigt.

.

.

Ausstellung im prachtvollen „Salon carré“

Die Ausstellung im Louvre findet im prachtvollen „Salon carré“ statt, wo normalerweise italienische Malereien aus dem 12. bis 15. Jahrhundert hängen. Sie mussten 19 größtenteils monumentalen Werken weichen, die die künstlerische Entwicklung von Pierre Soulages markieren. Man habe mit wenigen Werken ein 80 Jahre währendes Schaffen illustrieren wollen, sagt Kurator Alfred Pacquement. Die Hommage im Centre Pompidou konzentriert sich mit 14 Arbeiten auf die Jahre 1948 bis 2002, darunter sind auch ältere Werke zu sehen, in denen die Farbe Schwarz noch nicht ganz die Bildfläche beherrscht.

.

.

Unter den Exponaten der Retrospektive befinden sich seine ersten, ab Mitte der 1940er Jahre entstandenen Kompositionen wie die einzige erhaltene Nussbeize-Arbeit auf Leinwand. Einer der Höhepunkte ist allerdings ein sehr großformatiges Werk aus dem Jahr 2019. Kurator Alfred Pacquement habe es bei einem Besuch im Ateliers des Malers in Sète gesehen und sei bei dessen Anblick schlicht hingerissen, erinnert sich der Künstler. Ein Werk von solcher Wucht, aus den Händen eines 100 Jahre alten Menschen.

.

 

.

Schwepunkt auf den Outrenoir-Werken

Ein Schwerpunkt der Doppelschau liegt auf den „Outrenoir“-Werke. Längst zur Legende ist der Schaffensprozess geworden, in dem Pierre Soulages praktisch über Nacht seinen Weg zu diesen Werken „jenseits des Schwarz“ gefunden hat. Nach mehr als 30 Jahren des Schaffens war der Künstler Ende der 80er Jahre an einem Wendepunkt angekommen. Nach eigenen Erzählungen arbeitete er damals an einem großformatigen Werk, das ihm nicht gelingen wollte. Wieder und wieder übermalte er das Bild, trug Schicht für Schicht der schwarzen Farbpaste auf, bis er sich erschöpft schlafen legte. Als er erwachte und das Werk erneut betrachtete, modulierte die faserige, wilde Oberfläche das Licht. „Darin habe ich einen neuen Typ der Malerei erkannt“, erinnert sich Soulages, einer Malerei jenseits des Schwarz, die die Seele des Betrachters berührt.

INFO: Beide Ausstellungen im Louvre und Centre Pompidou dauern bis zum 9. März, Eintritt 17 Euro, dienstags geschlossen