Asarow will zurück an die Macht in Kiew

Nikolai Asarow hat einen Traum: er will zurück an die Macht. Den Weg dorthin hat nun skizziert. Mit einem Schattenkabinett will der im russischen Exil lebende ukrainische Ex-Regierungschef die pro-westliche Führung in Kiew unter Druck setzen.

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Vorgezogene Wahlen

„Wir brauchen vorgezogene Wahlen, Präsidenten-, Parlaments- und Kommunalwahlen“, forderte Asarow bei der Präsentation seines „Komitees zur Rettung der Ukraine“ in Moskau. „Die Ukraine braucht dringend eine Erneuerung“, meinte er. An der Spitze der alternativen Führungsmannschaft steht der frühere Rada-Abgeordnete Wladimir Olejnik, der als Präsidentenanwärter der Gruppe gehandelt wird. Viele weitere Namen nannte Asarow aber nicht. Zahlreiche Mitglieder des Komitees lebten und arbeiteten in der Ukraine, daher sei es gefährlich, sie zu nennen, sagte er zur Begründung. Seine Idee einer Übergangsregierung von Technokraten, die in allen Landesteilen akzeptiert werde, sei die einzige Chance, das Land zu retten.

Die einzige Chance

Spiegel-Online sagte Asarow: „Sonst wird die Ukraine zerfallen. Im Osten und im Süden des Landes lehnen Millionen die neuen Kiewer Machthaber ab. Solange sie aber nicht im politischen System repräsentiert sind, bleibt Frieden eine Illusion“, sagt Asarow. „Wer im Kampf gegen die Streitkräfte des Regimes und durch ihren Artilleriebeschuss Verwandte verloren hat, will mit der gegenwärtigen Kiewer Regierung nichts zu tun haben.“ (LINK: Hier geht es zum Artikel von SpiegelOnline )

Betrüger und Dummköpfe

Nach Aussagen des „Spiegel“ kann Asarow seinen Ärger über den Macht- und Bedeutungsverlust kaum unterdrücken. Den neuen Präsidenten Petro Poroschenko, als Süßwarenmagnat einer der Finanziers des Maidan-Volksaufstandes, nennt er einen „Betrüger“ und Premierminister Arsenij Jazenjuk „einen Dummkopf“. Beide hätten „noch gelernt, sich die Schnürsenkel richtig zu binden, als ich schon zur Regierung gehörte“, schimpft Asarow.

Gesteuerter Putsch

Der 67-jährige Asarow war 2014 nach seiner Entlassung als Regierungschef vor den blutigen Maidan-Protesten in Kiew geflohen und lebt seither in Russland. Mit der Flucht verlor er seinen politischen Einfluss in der Ukraine. Asarow bezeichnet den damaligen Machtwechsel als einen vom Ausland gesteuerten Putsch. Er wirft der prowestlichen Führung in Kiew vor, mit dem Krieg gegen prorussische Separatisten im Donbass das Land an den Rand des Chaos zu führen.

Oleg Senzow – ein Filmemachter als Feind Russlands

Man ist für oder gegen Russland – dazwischen gibt es nichts. Nach diesem Muster ist Oleg Senzow gegen Russland. Aus diesem Grund wird dem ukrainischen Regisseur der Prozess gemacht. Der 39-Jährige steht in Russland unter Terrorismusverdacht.

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Planung von Anschlägen

Die Anklage wirft dem Filmemacher vor, auf der von Russland 2014 einverleibten Halbinsel Krim einen Ableger des radikalen ukrainischen Rechten Sektors gegründet zu haben, der in Russland verboten ist. Zudem soll Senzow an der Planung von Anschlägen etwa auf die Zentrale der Regierungspartei Geeintes Russland in der Krim-Hauptstadt Simferopol beteiligt gewesen sein.

Ein politisches Verfahren

„Ich halte dies für ein politisches Verfahren“, sagte Senzow bei der ersten Anhörung vor einem Gericht am Dienstag in der Großstadt Rostow am Don und betonte seine Unschuld. „Senzow erwartet einen Freispruch“, sagte sein Anwalt Dmitri Dinse nach Agenturberichten. Berühmte Kollegen, von Wim Wenders bis zum kremltreuen Nikita Michalkow, fordern seine Freilassung. Persönliche Bekannte, wie die Theaterregisseurin Galina Dschikajewa, nennen die Anklage absurd.

Aktiv auf dem Maidan

Die Ukraine, internationale Menschenrechtsgruppen und Filmemacher fordern Senzows Freilassung. Er war im Mai 2014 festgenommen worden.Eigentlich wollte Senzow damals seinen zweiten Spielfilm «Nosorog» (Nashorn) fertig drehen, aber dann begannen in Kiew im Dezember die proeuropäischen Proteste gegen Präsident Wiktor Janukowitsch, weil dieser das fertig ausgehandelte EU-Assoziierungsabkommen nicht unterzeichnen wollte.Bei den blutigen Maidan-Protesten 2013/2014 in Kiew unterstützte der Regisseur die prowestlichen Demonstranten.Nun drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Die von der Ukraine und dem Westen kritisierte russische Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim lehnt er ab. Senzow stammt aus Simferopol. Nach mehreren Kurzfilmen erschien 2011 sein erster und bislang einziger Spielfilm „Gamer“, ein Streifen über einen jungen, talentierten und süchtigen Computerspieler aus einer ostukrainischen Provinzstadt.