Satire gegen Extremsport

Felix Baumgartner hat Recht! Ihn als „behinderten Volltrottel“, „Nazi“ oder seine Freundin als „billige Schlampe“ zu beschimpfen, ist tatsächlich ein Zeichen von  mangelnder Reife und Niveau. Hier brechen sich die üblichen Facebook-Reflexe die Bahn, die die Plattform wirklich unerquicklich werden lassen. Felix Baumgartners eigener Post ist allerdings auch nicht von schlechten Eltern:

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Damit hat der Extremsportler eine Lawine losgebrochen. Doch wer einen Sprung aus dem Weltall wagt, der ist auch für solche Lebenslagen gestählt. Also schreibt er:

 

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Reichlich albern wirkt bei seinen Posts, dass Baumgartner die übliche Facebook-Diktion verwendet – viele Worte in Großbuchstaben schreibt (das soll das Brüllen ersetzen) und nicht fehlen dürfen natürlich die schier unendlich vielen Ausrufezeichen. So schreibt er über hunderttausende Flüchtlinge, die das Land „UNTERWANDERN“ und vom fehlenden „MORALISCHEN“ Kompass. Und schließlich kommt er noch – wie viele Verschwörungstheoretiker  heutzutage – auf das große Schweigekartell zu sprechen. “Die Polizei und unser Militär haben SPRECHVERBOT und dürfen sich zu den aktuellen Problemen gegenüber der Presse nicht äussern.”  Hier geht es zum FB-Kommentar

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Baumgartner über politische Sachverhalte äußert. In einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Kleine Zeitung“ bezeichnete er „eine gemäßigte Diktatur“ als die beste Regierungsform und erntete viel Spott dafür.

 

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Viele Male wird der Post kommentiert und macht im Netz eine kleine Karriere. Und die Erwiderungen sind durchaus nicht nur auf dem von Baumgartner beklagten „Nazi“-Niveau. Ein User setzt sich mit der Tatsache auseinander, dass man den Sportler durchaus irgendwie auch als eine Art Steuerflüchtling sehen könnte:

 

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Und dann gibt es natürlich noch Jan Böhmermann – jener Satiriker, der die Regeln des Internets wie kein zweiter verinnerlicht hat. Der will sich so eine Chance zum Spott natürlich nicht entgegen lassen.  Er kommentiert unter dem Baumgartner-Post – natürlich im Stil des Extremsportlers, mit vielen Großbuchstaben und Ausrufezeichen:

 

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Und Böhmermann hat natürlich eine Lösung des Problems. Er will Till Schweiger von der Kette lassen. Der Schauspieler, der sich öffentlich und medienwirksam für Flüchtlinge einsetzt und für sie sogar ein Heim bauen lassen will. Dafür muss aber auch er Kritik einstecken:

 

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Tatsache ist: Jeder weiß, dass auch Schweiger gerne die sozialen Plattformen nutzt, um sich Gehör zu verschaffen. Die Fortsetzung der Geschichte „Baumgartner meets Böhmermann“ scheint also gesichert.

 

Was sagt Red Bull?

Wie erwartet findet das „Handelsblatt“ auch einen wirtschaftlichen Aspekt an der Geschichte. Natürlich kann es der Firma Red Bull nicht ganz egal sein, was einer ihrer Werbeträger in die Welt bläst. Im „Handelsblatt“ heißt es:

„Er schlägt aber durch die Erwähnung von Sponsor Red Bull in seinem Posting auch die indirekte Brücke zur Rolle als Teil der Markenidentität des Brausekonzerns. Für das Unternehmen eine sehr unerfreuliche Situation, denn der Kniff des deutschen Moderators bringt Red Bull in Erklärungsnot. Denn Sportler sind immer auch Markenbotschafter und Sprachrohre. Eigentlich kann sich der Weltkonzern Red Bull nicht erlauben, mit schlechter Publicity in Verbindung gebracht zu werden.

 Das Getränkeunternehmen ist völlig unpolitisch, pflegt aber sein Image als Spaß- und Abenteuergetränk. Ein für Grenzzäune und Schutz des österreichischen Volkes vor der Unterwanderung durch Flüchtlinge warnendes Aushängeschild dürfte einigen Managern sauer aufstoßen.“

Was sagt Till Schweiger?

Zwei Tage hat es gedauert, bis Till Schweiger sich zu Wort gemeldet hat. Getan hat er das auf stern.de
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Die Sequenz in dem Interview lautete:
Macht Jan Böhmermann Sie wütend?
Nein. Aber ich finde den nicht lustig. Das ist ein leicht verzogener Bubi, der sich selbst am lustigsten findet. Ich kann wirklich über mich selbst lachen. Es gibt da einige witzige Parodien, einige Sketche in „Switsch reloaded“ sind saukomisch, oder auch die SWR3  Parodie über Tschiller ist echt gut. Aber Jan Böhmermann… ich habe das ein Mal geguckt und mich darüber gewundert, dass die den alle so feiern. Warum eigentlich? Weil die so sind wie er?
Jan Böhmermann hatte also vergeblich gehofft, dass Till Schweiger ihm im Kampf gegen den österreichischen Extremsportler beispringen würde – sollte er das je gehofft haben! Offensichtlich ist, dass Schweiger in Sachen Flüchtlingen inzwischen kein Spaß mehr versteht, was allerdings auch mehr als verständlich ist, angesichts der Anfeindungen, die er wegen seines eigenen Projektes erfahren hat.

Was macht Jan Böhmermann?

Wer aber gedacht hatte, dass der Satiriker Böhmermann nun Ruhe geben würde, der sieht sich getäuscht. Er reagiert auf die Tatsache, dass Baumgartner ihn in den sozialen Netzwerken auf seinen Accounts blockte und die Kommentare gelöscht hat – was allerdings wenig sportsmännisch daher kommt.
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Und da es Böhmermann gefällt, die Dinge weit über die Schmerzgrenze hinaus zu treiben, legt er noch einen nach. Auf Twitter lässt er seine Fans wissen.
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Nun wäre eigentlich wieder Felix Baumgartner an der Reihe. Der scheint aber wenig Lust darauf zu haben, aus diesem Internet-Clich eine unendliche Geschichte zu machen.

Die britische Angela Merkel

Tracey Ullman? Bei den älteren Semestern klingelt es im Hinterstübchen. Das war doch die britische Pop-Sängerin aus den 80-er Jahren, die mit Cover-Versionen zu einiger Berühmtheit gelangt ist? Aber das ist Geschichte! Denn jetzt ist Tracey Ullman zurück: als Angela Merkel.

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Tracey is back

In der Tracy Ullman Show bei der BBC zeigt die 56-Jährige, dass sie eine ganz große Komödiantin ist. Sie spielt Camilla, die Frau von Prinz Charles, die darüber lästert, dass sie eigentlich auf den kleinen George aufpassen sollte – wozu sie aber ganz und gar keine Lust hat. Dann gibt sie die Schauspielerin Judi Dench, die als Ladendiebin enttarnt wird oder eine Drogenschmugglerin, die nach jahrzehntelanger Haft aus ihrem Gefängnisloch in Thailand entlassen wird.

Doch nicht alle finden die Show gut. Man hasse oder liebe Tracey Ullman – dazwischen gebe es nicht, schreibt der „Guardian“. Hier der Bericht im „Guardian“

 

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Lob für die „Kanzlerin“

Angesichts ihrer Darstellung von Angela Merkel überschlagen sich allerdings die Kritiker. Ihr deutscher Kraut-Akzent ist zum Schreien und wenn sie über andere Staatsmänner herzieht, spritzt das Gift. Der britische Premier David Cameron wird als ein ständiger „Umarmer“ nieder gemacht abgekanzelt, Barack Obama bekommt ein gutes Zeugnis, wird aber vor allem für seinen Geruch gelobt. Auch Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi bekommt sein Fett weg – erzählt wird eine einschlägige Sex-Anekdote.

 

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Interessant auch das Eigenbild der Kunst-Angela-Merkel: sie hält sich für verdammt sexy! Deshalb weist sie ihrer immer anwesende Assistentin „Börgit“ die Anweisung, sie nicht zu stark zu schminken und die Frisur nicht zu sehr zu betonen, sonst sähen die anderen Gipfelteilnehmer in ihr doch nur noch die Sexbombe und das Treffen sei am Ende nutzlos:

 

„And careful, Börgit, or we will get the puffyness with the hair and it’s all sex bomb! Sex bomb! And nobody can concentrate and the whole meeting is nutzlos!“

 

Ein nutzloses Treffen ist der Kunst-Merkel ein Graus – und am Ende siegt bei ihr immer Pragmatismus und deutsche Diszipliniertheit.

Tracey Ullman selbst sagt, sie bewundere die Kanzlerin, all ihre Parodien seien immer eine Hommage an die Person, sie spiele sie deshalb auch mit Hingabe. „Ich bin nicht bösartig oder fies mit ihnen, ich benutze sie als trojanische Pferde, um mich an die Wirklichkeit und die Personen heranzutasten, so wie bei Merkel“, sagt sie dem britischen „Telegraph“. Hier geht es zur Berichterstattung des „Telegraph“