Proteste in Frankreich gegen die „Gesundheits-Diktatur“

Und wieder protestieren die Franzosen gegen den Präsidenten Emmanuel Macron. Dieses Mal geht es gegen die jüngsten Corona-Maßnahmen der Regierung. Landesweit sollen rund 100.000 Menschen auf der Straße gewesen sein.

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Demo gegen die Corona-Maßnahmen in Paris

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Gelbwesten wieder auf der Straße

In Frankreich sind die Proteste wegen der Corona-Maßnahmen bisher sehr bescheiden ausgefallen. Doch nun gehen immer mehr Menschen auf die Straße. Die Demonstranten kritisierten unter anderem die Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegekräfte sowie den Gesundheitspass, der ab August Voraussetzung für den Besuch von Restaurants oder Einkaufszentren sowie die Nutzung von Zügen oder Flügen im Inland sein soll. Der Pass dokumentiert Corona-Impfungen, eine überstandene Corona-Infektion oder einen negativen Test.

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Allerdings ist es eine abenteuerliche Mischung von Leuten, die sich da zusammenfinden. Das politische Spektrum reicht von extrem Rechts bis extrem Links, Berührungsängste scheint es nicht zu geben. Sie alle eint ein gemeinsamer politischer Feind: Emmanuel Macron. Zum ersten Mal seit Monaten sind auch wieder Gilets Jaunes in großer Zahl in den Protestzügen zu sehen.

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Geschmacklose Vergleiche bei den Demos

Wie so oft in Frankreich, werden viele Forderungen miteinander vermischt. Im Fall der Gelbwesten ging es natürlich um den „sozialen Kahlschlag“, den sie dem Präsidenten vorwerfen. Dabei ertönten Rufe nach dem Rücktritt von Präsident Emmanuel Macron. Auch der Slogan „Nein zur Gesundheits-Diktatur“ erschallte.  Bisweilen wurde allerdings auch die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Die Impfpflicht wurde mit den Regeln in einem KZ vergleichen, gezeigt wurde auf großen Fotos der Eingang des Lagers in Auschwitz.

Wie bei allen Protesten kam es auch dieses Mal zu Ausschreitungen. Dabei setzte die Polizei in Paris Tränengas gegen Demonstranten ein.

Französischer Konzeptkünstler Boltanski in Paris gestorben

Christian Boltanski hat aus seiner Person nie großes Aufhebens gemacht. Zurückhaltend, elegant etwas melancholisch ging er durch die Welt der Kunst. Nun ist er im Alter von 76 Jahren in Paris gestorben.

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Ein sehr französischer Künstler

Sein Freund Bernard Bilstène, ehemaliger Direktor des Museums für Moderne Kunst im Centre Pompidou, überbrachte die Nachricht. „Ja, er starb heute Morgen im Hospital Cochin, wo er einige Tage verbracht hatte. Er war krank. Er war ein bescheidener Mann, er hat Dinge versteckt, solange er konnte.“

Christian Boltanski war in seiner Art ein sehr französischer Künstler, eine Art Charmeur. Licht- und Schattenspiele waren seine visuelle Signatur. Leicht zu erkennen waren seine Werke sie an ihrem meditativen, melancholischen Charakter, der an den Expressionismus grenzten. Als lizenzierter schlechter Schüler glaubte Boltanski immer an die Tugenden von Leere, Langeweile, Warten, Phantasie und Träumen. Daraus entstanden seine Parallelwelten, seine Ideen und seine Kunst. Es waren Äußerungen eines einsamen Kindes, eines grübelnden jungen Mannes, eines erst spät Erwachsenen, eines Erfinders von Zeichen, die das Leben verkörpern. Abwechselnd Filmemacher, Maler, Bildhauer und Fotograf, hat der Künstler die Welt der zeitgenössischen Kunst tief geprägt.

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Geprägt von der Mutter

Die Kindheit des kurz vor Kriegsende geborenen Christian Boltanski war geprägt von der Krankheit seiner an Kinderlähmung erkrankten Mutter und dem Schreckgespenst des Holocaust, dem sein Vater aus einer jüdischen Familie in Osteuropa nur knapp entkommt. Sein Werk wird 50 Jahre lang von den Themen Kindheit, Erinnerung und Abwesenheit geprägt sein. Zunächst Maler, schuf er zu Beginn seiner Karriere großformatige naive Gemälde, dann wandte er sich den Installationen zu.

Als Autodidakt hat er nie eine akademische Ausbildung absolviert. Er entwickelt ein ganz besonderes Universum, indem er Lebensmomente durch Alltagsgegenstände wie Bücher oder Kleidung rekonstruiert. Seine Bild- und Tonarbeiten sprechen die Emotionen der Zuschauer an und sind von Symbolik durchdrungen.

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Auseinandersetzung mit dem Tod

Erst 2019 widmete das Pariser Centre Pompidou ihm eine umfangreiche Retrospektive. Unter den Exponaten war auch sein erster Kurzfilm, „L’homme qui tousse“ (etwa: Der Mann, der hustet), aus dem Jahr 1969. In den vergangenen Jahren hat sich Boltanski auch immer mehr mit seinem eigenen Tod auseinandergesetzt. Wie in einem Werk von 2014, „Letzte Sekunde“: eine riesige Digitalanzeige, die die Sekunden des Lebens zählte, und mit seinem Tod aufhören sollte.

„Sein Tod ist ein sehr großer Verlust“, sagte Bernard Blistène. „Vor allem liebte er diese Übertragung zwischen Menschen, durch Geschichten, durch Erinnerungen. Er wird einer der größten Geschichtenerzähler seiner Zeit bleiben. Er war ein unglaublicher Erfinder.“

Frankreichs Zug der Lemminge

Das ist Frankreich! Am ersten Tag der Ferien stürzen sich alle Franzosen auf die Autobahn und machen sich den Weg ans Meer. Jeder weiß es, doch keiner tut etwas dagegen. Die Folge sind unendliche Staus.

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Die große Passion der Franzosen

Auch in diesem Jahr haben hoffnungslos verstopfte Autobahnen zum Ferienbeginn in Frankreich die Geduld der Reisenden strapaziert. Nach Angaben des französischen Verkehrsdienstes Bison Futé erreichten die Staus bereits bis Samstagmittag eine Gesamtlänge von mehr als 1100 Kilometern. Vergeblich hatte der Verkehrsdienst die Franzosen gewarnt, gleich zu Ferienbeginn loszufahren.

In den Nachrichtensendungen kam es zu den bekannten Liveberichten von den Autobahnen. Fast scheint es so, dass die Franzosen ohne dieses alljährliche Ritual einfach nicht leben können. Es scheint eine Art Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln, das Nicht-Franzosen unverständlich bleibt.

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Alle wollen ans Meer

Von den Staus betroffen waren so gut wie alle Hauptrouten in den Süden und zu den Küstenregionen des Landes. Besonders zäh lief der Verkehr auf der A7 von Lyon bis an das Mittelmeer sowie auf der A10, über die Autofahrer aus dem Großraum Paris in den Südwesten Frankreichs gelangen. Die Fahrt von Paris nach Bordeaux verlängerte sich damit um drei Stunden. 

Da viele Reiseziele im Ausland wegen der Corona-Pandemie nur schwer zu erreichen sind, verzichteten viele Franzosen auf Fernreisen und machen Urlaub im eigenen Land. Auch das ist ein Grund, weswegen die Staus in diesem Jahr besonders lang sind.

Unter diesem Link kann sich jeder über die Stausituation informieren

Pilgerfahrt zu Jim Morrison

Vor 50 Jahren ist der legendäre US-Sänger in Paris an einer Überdosis Drogen gestorben. Sein Grab auf dem Friedhof Père Lachaise ist ein beliebtes Ziel für seine Fans.

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Das Gab von Jim Morrison ist Ziel für vieler seiner Fans.

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Immer wieder „The End“

Das Grab ist nicht leicht zu finden. Am Haupteingang von Père Lachaise schräg rechts auf dem Kopfsteinpflaster den Hügel hinauf, Grab Nummer 5, 6. Division, 2. Reihe. Eigentlich eine sehr genaue Beschreibung, aber der Friedhof im Osten von Paris ist ein verwirrendes Labyrinth, ein Reich der Toten, das mit seinem morbiden Charme die Lebenden seit Jahrzehnten in seinen Bann zieht. An diesem Samstag brauchen die Besucher allerdings nur der Musik zu folgen. Die Klänge von „Riders in the Storm“ verlieren sich zwischen den Reihen der monumentalen Gräber. Und immer wieder: „The End“.

Es sind die Lieder, die Jim Morrison zum Idol einer ganzen Generation gemacht haben. Am 3. Juli 1971 hat der Musiker in Paris sein Leben ausgehaucht. Zum 50. Todestag pilgern seine Fans nun in die französische Hauptstadt. „Hier bin ich ihm ganz nah“, haucht eine sehr junge Frau in Jeans und Batikkleid an einen Grabstein gelehnt. Ein älterer Mann hat einen Kassettenrekorder mitgebracht, aus dem etwas blechern die Songs plärren. Versonnen blickt er auf das kleine Windrad auf dem Grab, andere Fans singen leise die Texte mit. Ein junger Mann mahnt zum Aufbruch, die Gruppe macht sich dann auf zu einer Art Jim-Morrison-Gedächtnistour durch Paris.

Ein kometenhafter Aufstieg

Nicht nur sein Leben, die psychedelische Rockmusik und der kometenhafte Aufstieg zum Sexsymbol, sondern auch der jähe Tod haben Jim Morrison zum Mythos werden lassen. Noch immer ranken sich viele Geheimnisse um seine letzten Stunden. Die genaue Todesursache ist bis heute unklar, manche raunen sogar, der US-Geheimdienst habe seine Hände im Spiel gehabt. Gestorben ist der Musiker wahrscheinlich an einem Mix aus zu viel Alkohol und harten Drogen. Die offizielle Version heißt: Herzversagen. Dabei war der Star für einen Neuanfang nach Paris gekommen, um seine Ruhe und neue Inspiration zu finden.

Als gesichert gilt, dass der Sänger der US-Band The Doors in der Badewanne eines Pariser Hotelzimmers sein Leben aushauchte, während seine Freundin Pamela Courson nebenan ihren eigenen Drogenrausch ausschlief. Es kursiert auch die Erzählung, dass der Künstler auf der Toilette eines angesagten Klubs durch eine Überdosis Heroin zu Tode kam, eine Droge, die Morrison ansonsten eigentlich mied. Das alles sei aber im Nachhinein vertuscht worden, heißt es. Es bleibt diffus.

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Jim Morrison im „Club 27“

„Gestorben mit nur 27 Jahren“, betonen viele seiner Fans vielsagend am Grab auf dem Friedhof Père Lachaise – genauso wie Janis Joplin oder Jimi Hendrix. Und die Frage steht im Raum: Kann das Zufall sein? Die Verehrung der Tristesse-Touristen aus aller Welt geht sogar so weit, dass das Grab ihres Idols zuletzt mit Gittern abgesperrt werden musste. „Ich weiß nicht, was sich die Leute dabei denken“, empört sich eine Aufseherin, die über den Zugang am Haupteingang des Friedhofs wacht. „Nicht nur das Grab von diesem Sänger wurde beschädigt und beschmiert, sondern auch die Gräber rundherum. Gibt es keine Rücksicht mehr auf dieser Welt?“ Ziemlich bizarr findet sie, dass die Fans als kleine Erinnerung keine Blumen für Jim Morrison niederlegen, sondern ihren gekauten Kaugummi an einen Baum neben dem Grab kleben. Sie findet das schlicht eklig, die Kaugummis werden aber nicht mehr entfernt, allerdings hat die Friedhofsverwaltung den Stamm des Baumes inzwischen mit einer Bastmatte geschützt.

Wenn es die Leute zu bunt trieben, zu laut Musik hörten oder sogar Drogen nähmen, „schreiten wir natürlich ein“, sagt die Wächterin. Zuletzt sei es allerdings eher ruhig geblieben. „Die Leute besuchen dieses Grab genauso, wie sie die von Frédéric Chopin, Edith Piaf und Oscar Wilde besuchen“, sagt die Aufseherin. Manche würden allerdings über die Absperrgitter klettern und ihre Devotionalien auf dem Grab ablegen, aber das werde eben akzeptiert. „Wir erleben hier einfach zu viele verrückte Sachen mit Leuten, die die Gräber ihrer Idole besuchen.“ Dann erzählt sie die Geschichte eines Mannes, der offensichtlich von seinen Gefühlen überwältigt, zu Füßen des monumentalen Grabes des Schriftstellers Oskar Wilde bewusstlos zusammengebrochen war. Sie selbst musste mit dem Krankenwagen mitfahren, da der Fahrer den Weg über den Friedhof nicht fand.

Die Pforten der Wahrnehmung

Während die Frau an der Pforte zum Reich der Toten wie Zerberus barsch die Besucher verscheucht, die mit ihren E-Rollern den Friedhof befahren wollen, scheint die letzte Ruhestätte von Jim Morrison wie das Tor in eine andere, entrückte Welt zu sein. Jim Morrison hätte das gefallen. Denn der Name der in seiner Studienzeit in Los Angeles gegründeten Band „Doors“ geht auf ein Zitat des englischen Dichters William Blake zurück: „Wenn die Pforten der Wahrnehmung gereinigt würden, würde alles dem Menschen erscheinen, wie es ist: unendlich.“ 1954 erschien dann ein Essay des britischen Schriftstellers Aldous Huxley mit eben jenem Titel „The doors of perception“ (Die Pforte der Wahrnehmung), von welchem sich schließlich der Bandname ableitet. Es geht darum, einen Übergang zu schaffen zwischen Diesseits und Jenseits, die menschliche Wahrnehmung zu erweitern.

Viele der leicht entrückten Besucher sinnieren über die griechische Inschrift auf dem Grabstein. „Kata Ton Daimona Eaytoy“ steht dort, „gemäß seinem eigenen Geist“, und spielt auf die griechische Mythologie und die Selbstinszenierung des Rockstars als wiederkehrendem Dionysos an. Wilde Theorien purzeln durcheinander, was damit schlussendlich gemeint sein könnte und jeder versucht irgendwie, sein eigenes Leben in diesen kurzen Satz zu pressen. Aber auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner können sich am Grab ihres Idols alle einigen: Jim Morrison wird ewig leben.

Als hätte es nie eine Pandemie gegeben

Die Fête de la Musique war in Frankreich die erste landesweite Veranstaltung nach dem Aufhaben der Ausgangssperren. Zwar wurden Regeln für die Konzerte erlassen, doch kaum jemand hielt sich daran.

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Kleiner Eindruck aus dem 9. Arrondissement von Paris. Beim alljährlichen, landesweiten Musikfest wurde getanzt – und alle Regeln missachtet, die wegen der noch immer herrschenden Pandemie erlassen worden sind.

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Als hätte es keine Pandemie gegeben

Tausende Nachtschwärmer – meist junge Leute – versammelten sich in vielen Städten Frankreich, um die Musik zu genießen und leider ignorierten sehr viele der Teilnehmer die Vorgaben der Gesundheitsbehörden. Viele schienen die Corona-Pandemie bereits abgehakt zu haben. Sogar Kultusministerin Roselyne Bachelot musste zugeben, dass es „gewisse Exzesse“ gegen habe.

In Paris strömten Tausende Menschen vor allem durch das Zentrum der Stadt. Nach Angaben des Innenministeriums waren fast 3000 Polizisten zusätzlich abgestellt – die auch immer wieder eingriffen, um Ansammlungen von mehreren hundert Menschen zu zerstreuen. Vor allem vor dem Rathaus und auf der Grünfläche vor dem Invalidendom kam es zu Räumungen.

Das alles störte die Feiernden aber nicht, sie verlegten ihre Party einfach an die Seine. Um 23 Uhr waren die Ufer voller Menschen – ohne Masken oder soziale Distanzierung. Auch in anderen Städten spielten sich ähnliche Szenen ab. Vor allem junge Menschen feierten „das Ende“ der Pandemie – oder zumindest der Ausgangsbeschränkungen.

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Polizei beendet einige Partys in der Stadt

Auch im Jardin des Tuileries versammelten sich am frühen Abend mehrere Hundert Jugendliche, bevor sie von der Polizei zerstreut wurden. Anschließend zogen die Menschen zum Hôtel de Ville, dessen Platz ebenfalls geräumt wurde. Zu Ausschreitungen kam es wieder einmal am Place de la République. Tränengas wurde verschossen und Wasserwerfer aufgefahren.

Das von der Regierung geplante Gesundheitsprotokoll der Fête de la Musique verbot es, „eine Versammlung von mehr als 10 Personen im öffentlichen Raum zu veranstalten“. Das kümmerte viele Leute aber nicht, Konzerte im Freien zu veranstalten. Gestattet waren allerdings nur Indoor-Konzerte in Bars und Restaurants, je nach Platzangebot auch Konzerte im Freien – allerdings nur mit Stühlen.

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Gepflegtes Ambiente bei den Macrons

Ganz gepflegt ging es bei Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zu. Der hat den Elektropop-Pioneer Jean-Michel Jarre (72) zu sich eingeladen und nebenbei zum Kommandeur der Ehrenlegion gemacht. Im Ehrenhof des Élyséepalastes gaben er und andere Künstler ein Konzert. Macron hat zudem den Musiker und Komponisten Marc Cerrone (69) zum Ritter der Ehrenlegion gemacht. Die Ehrenlegion ist die höchste Auszeichnung in Frankreich. Zu dem Konzert unter freiem Himmel waren laut Élyséepalast rund 300 junge Menschen eingeladen – die blieben natürlich alle schön auf ihren Stühlen sitzen.  

Politik ohne Volk

Alarmierend niedere Wahlbeteiligung in Frankreich. Bei der ersten Runde der Regionalwahlen bleiben zweidrittel der Wähler zuhause. Das bürgerliche Lager wird überraschend deutlich stärkste Kraft.

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Verliererin ist die Demokratie

Die große Verliererin der Regionalwahlen in Frankreich ist die Demokratie. Zweidrittel der Franzosen sind am Tag der Abstimmung zuhause geblieben und haben ihre Stimme nicht abgegeben. Jeder einzelne Politiker müsste sich nach solch einem niederschmetternden Ergebnis die Frage stellen, mit welcher Legitimation er sich noch als Volksvertreter bezeichnen kann. Doch weit gefehlt. Bis in die Parteizentralen ist diese selbstkritische Erkenntnis noch nicht vorgedrungen. Wie nach einem völlig normalen Wahltag werden dort Erfolge gefeiert, Wunden geleckt und bereits Bündnisse für die entscheidende zweite Runde geschmiedet. Einmal mehr erhärtet sich für die Franzosen der Eindruck, dass sich der Politikapparat von den Menschen abgekoppelt hat und mit seinen komplizierten Machtspielchen längst eine Art Eigenleben führt.

Als große Siegerin der ersten Runde sieht sich die konservative Partei Les Républicains. Sie seien „mit weitem Abstand die Partei mit den meisten Stimmen“ geworden, betonte ihr Vorsitzender Christian Jacob. Die Konservativen verteidigten ihre Mehrheiten unter anderem in der Hauptstadtregion Ile de France oder auch in der Region Grand Est im Grenzgebiet zu Deutschland. Eine schwere Schlappe erlebte die Partei des Präsidenten Emmanuel Macron. La République en Marche konnte in keiner Region einen Kandidaten durchsetzen. Ein böses Erwachen gab es auch beim extrem rechten Rassemblement National (RN). Die Partei von Marine Le Pen machte sich nach Umfragen Hoffnungen auf einen Sieg in sechs der 13 Regionen, wurde aber enttäuscht: Nur in der südfranzösischen Region Provence-Alpes Côte d’Azur mit Städten wie Nizza liegt der RN knapp vor den regierenden Konservativen. Le Pen äußerte sich enttäuscht und hatte für das eigene schwache Abschneiden eine einfache Erklärung: die niedere Wahlbeteiligung.

Sind die Wähler Schuld?

Auch viele andere Politiker schieben den schwarzen Peter den Wählern zu. Diese hätten das komplizierte Abstimmungssystem nicht verstanden, seien wegen des schlechten Wetters zuhause geblieben oder seien schlicht zu wenig an Politik interessiert. Unterschlagen wird dabei aber, dass auch das Nicht-Wählen eine politische Willensäußerung ist. Es handelt sich um eine Boykottentscheidung oder zeigt ein starkes Desinteresse an der Politik, wie sie von den Partei betrieben wird.

In Frankreich hat sich zuletzt gezeigt, dass die Menschen durchaus sehr politisch denken und hohe Ansprüche an die Politik haben. Die Proteste der Gelbwesten waren anfangs sozialpolitisch motiviert, bevor sie in allwöchentlichen Krawall-Events versanken. Und auch die junge Generation beweist, dass sie in Sachen Klima bereit ist, sich für eine Sache einzusetzen. Deutlich wird allerdings, dass sich die Formen des politischen Engagements radikal verändert haben – was auch mit dem Einsatz sozialer Medien zu tun hat. Demonstrationen und Petitionen sind relativ leicht zu organisieren, es gibt Kunstaktionen oder Videos werden produziert und millionenfach geteilt. Eine Wahl ist keine Pflichtveranstaltung mehr, es gibt inzwischen viele Möglichkeiten, sich politisch auszudrücken.

Die Politik reagiert schwerfällig

Den Parteien fällt es schwer, auf diese kreative Haltung gegenüber der Politik und der Demokratie zu reagieren. Sie verharren noch immer in ihren alten Abläufen, Macht zu organisieren. Es war Emmanuel Macron, der dieses neue Anspruchsdenken der vor allem jüngeren Wähler selbst formuliert und die Möglichkeit erkannt hat, die Menschen auf allen Kanälen zu mobilisieren. Die Beteiligung bei seiner Wahl zum Präsidenten im Jahr 2017 betrug fast 80 Prozent.

Das Erbe von Emmanuel Macron

Macrons Schicksal zeigt allerdings, dass man das man das eine tun, das andere aber nicht lassen sollte. Denn er hat damals sehr große Hoffnungen geweckt, ist dann aber als Politiker gescheitert. Ihm ist es nicht gelungen, die hohen Ansprüche zu moderieren und ins reale Leben umzusetzen. Beim notwendigen Umbau des Landes blickte er gebannt auf die Zahlen, die Menschen gerieten allzu oft zur Nebensache. Und so ließ er auf seinem atemlosen Reformkurs zu viele Franzosen erschöpft, enttäuscht und wütend am Wegesrand zurück. Er wurde zum Inbild des abgehobenen Politikers und hat damit der gesamten Demokratie einen Bärendienst erwiesen.

Bei den aktuellen Regionalwahlen und auch schon bei den Kommunalwahlen vor einigen Monaten wurde dem Präsidenten dann ein zentrales Versäumnis zum Verhängnis: er hat seine Partei nicht im Volk verankert. Die jahrelange Arbeit der etablierten Parteien bei den Menschen vor Ort hingegen hat sich in diesem Fall ausgezahlt. In der aktuellen Corona-Krise haben sich die wenigen Wähler für die Politiker entschieden, die sie seit Jahren kennen.

„La bise“ des Präsidenten Macron

Ist damit die Corona-Pandemie offiziell für beendet erklärt. Tatsächlich ist die Geste von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron ein deutliches Zeichen, dass die Franzosen sich entspannen können – aber dennoch vorsichtig sein müssen.

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La bise des Präsidenten

Der Präsident hat bei einer Feier zwei Weltkriegsveteranen auf die Wangen geküsst. Anlass war die öffentliche Auszeichnung mit der Ehrenlegion. Der 43-Jährige trug dabei einen Mund-Nasen-Schutz. Macron kehrte mit „la bise“ („Kuss“) zu einer in Frankreich üblichen herzlichen Begrüßung zurück, vor der wegen der Corona-Pandemie allerdings lange gewarnt wurde. Die Regierung lockerte wegen einer verbesserten Pandemie-Lage die Regeln, am Wochenende wird die nächtliche Ausgangssperre fallen.

Macron erinnerte mit der Feier in der Gedenkstätte Mont-Valérien bei Paris an dem legendären Aufruf von General Charles de Gaulle während des Zweiten Weltkrieges. Der spätere Staatschef hatte am 18. Juni 1940 von London aus seine Landsleute aufgerufen, den Kampf gegen Nazi-Deutschland fortzusetzen.

Gute Reise, kleine Freiheitsstatue

Frankreich schickt eine kleine Schwester der Freiheitsstatue als Leihgabe in die USA. Die fast drei Meter hohe Bronzestatue soll in die US-Hauptstadt Washington gebracht und im Garten der Residenz des französischen Botschafters aufgestellt werden.

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Ein Zeichen der Freundschaft

Die viele Tausend Kilometer lange Reise über den Atlantik begann am Montag – die Statue steht eigentlich vor dem Museum für Kunst und Handwerk in Paris. Der Pariser Stadtteilbürgermeister Ariel Weil wünschte der Statue eine gute Reise und schrieb auf Twitter von einem „erneuten Zeichen der Freundschaft“ mit den USA.

Das Original der Freiheitsstatue steht im Hafen von New York auf Ellis Island und gilt als Symbol der Freiheit. Der französische Bildhauer Frédéric Auguste Bartholdi entwarf die Frauengestalt, die auch die Handschrift des Ingenieurs Gustave Eiffel trägt, der wenige Jahre später seinen weltberühmten Pariser Turm baute. Frankreich schenkte den USA die Statue 1876 zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit von Großbritannien.

Mit dem Schiff über den großen Teich

In Paris gibt es noch weitere Miniversionen der berühmten Statue – etwa auf der Seine-Insel Île aux Cygnes. Die kleine Schwester soll nun zum amerikanischen Nationalfeiertag am 4. Juli auf Ellis Island ausgestellt werden. Danach soll es weiter nach Washington gehen. „Die große Schwester war mit der Bahn nach Rouen gefahren“, sagte Olivier Faron, Generaldirektor der Hochschule Conservatoire National des Arts et Métiers, dem Sender Franceinfo. Die kleine Schwester werde nun zunächst mit einem Lkw in die Hafenstadt Le Havre gebracht und dann mit dem Schiff übersetzen.

Frankreich erleichtert die Einreise

Die Reisen nach Frankreich werden wieder einfacher. EU-Bürger, die vollständig geimpft sind, müssen ab dem 9. Juni keinen negativen Corona-Test mehr vorweisen. Für alle anderen reicht dann ein höchstens 72 Stunden alter Antigen-Schnelltest statt des bisher vorgeschriebenen PCR-Tests.

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Grüne und rote Länder

Als vollständig geimpft gelten alle, die mindestens zwei Wochen vor der Einreise ihre zweite Impfdosis erhalten haben. Bei dem Vakzin von Johnson & Johnson gilt eine Wartezeit von vier Wochen. Die Erleichterungen gelten für alle Bürger aus „grün“ eingestuften Ländern. Dazu gehören alle EU-Staaten sowie einige Drittländer wie Australien, Südkorea oder Japan.

Die Einreiseerleichterungen fallen mit neuen Lockerungen zusammen. Ab Mittwoch öffnen in Frankreich auch die Innenräume von Cafés und Restaurants, die nächtliche Ausgangssperre beginnt erst um 23 Uhr statt bisher um 21 Uhr. Für Einreisende aus „orangenen“ Länder wie Großbritannien oder den USA ist in Frankreich weiterhin ein negativer Corona-Test Pflicht – selbst wenn sie eine vollständige Impfung nachweisen können. Nicht Geimpfte aus diesen Ländern müssen zudem einen zwingenden Grund zur Einreise nach Frankreich nachweisen und sich sieben Tage lang isolieren. Reisende aus „rot“ eingestuften Ländern wie Brasilien, Südafrika oder Indien können ebenfalls nur aus zwingenden Gründen nach Frankreich einreisen, wie etwa beruflichen oder familiären Motiven. Sie müssen ebenfalls negativ getestet sein und sich bis zu zehn Tage isolieren.

Emmanuel Macron buhlt um die Jugend

Emmanuel Macron ist auf der Suche nach Wählern. Neben den sehr konservativen Kreisen, die er mit seinem politischen Rechtsschwenk versucht, zu becircen, will er offensichtlich bei den jungen Menschen punkten. Nun hat er die populären französischen Youtuber McFly und Carlito zu sich in den Élyséepalast eingeladen. Dem ging allerdings ein Versprechen voraus.

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Der Präsident – locker vom Hocker

Der französische Staatschef Emmanuel Macron gab sich ganz locker. Locker auf dem Hocker stürzte er sich in einen Ratewettbewerb mit McFly und Carlito. Dabei ging es unter anderem um den französischen Starfußballer Kylian Mbappé. Am Ende gab es allerdings sehr diplomatisch zu – der Wettbewerb endete 4:4 unentschieden.

Die Einladung in den in den Präsidentenpalast war allerdings das Ergebnis einer Art Wette. Die beiden Youtuber hatten vor einigen Wochen mit einem Musikvideo über die französischen Corona-Regeln einen Hit gelandet – und damit eine Herausforderung von Macron erfolgreich gemeistert. Dieser hatte die beiden in einer Videobotschaft aufgerufen, mit einem solchen Clip zehn Millionen Views zu erreichen. Als Preis war ihnen ein Dreh im Élyséepalast versprochen worden.

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Ein Wettkampf mit zwei Youtubern

Bei dem Wettbewerb im Präsidentenamt mussten Macron und die Youtuber sagen, ob Anekdoten war oder falsch waren. Dass es sich allerdings nicht um einen wirklichen „Wettkampf“ handelte, zeigten allein die Fragen. Der Staatschef verlor zunächst, als er behauptete, Stürmerstar Mbappé würde von ihm betreut und stünde vor einem Wechsel von Paris nach Marseille. Mbappé dementierte dies persönlich am Handy: „Unmöglich“. Das Video endet mit einem Konzert der französischen Heavy-Metal-Gruppe Ultra Vomit im Garten des Élyséepalastes.

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Auf der Jagd nach Wählerstimmen

Das wirkte alles locker, doch wurde allerdings den Anschein einer etwas allzu plumpen Inszenierung nicht los. Denn ein Jahr vor der Präsidentenwahl muss Macron um seine zweite Amtszeit bangen. In Umfragen liegt inzwischen bisweilen sogar die rechtspopulistische Marien Le Pen vor ihm. Also versucht Macron nun bei jungen Menschen zu punkten. Das war nicht der erste Versuch, „Eindruck“ bei den jüngeren Generationen zu schinden. Erst Ende zurückliegender Woche hatte der einstige Senkrechtstarter einen „Kulturscheck“ von 300 Euro für junge Erwachsene angekündigt, die 18 Jahre alt sind.