Corona Frankreich: Paris wird zur „super-roten“ Zone

Das Corona-Virus breitet sich in Frankreich weiter aus. Nun wird erwogen, etwa Paris in eine neue Gefahrenzone einzuteilen: „Super-rot“  

Paris als Corona-Hotspot

In Paris wurden zuletzt 204 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert, gut das Vierfache des Corona-Warnwerts. In ganz Frankreich waren es am Dienstag erneut mehr als 10.000 Neuansteckungen binnen 24 Stunden. Am Samstag war mit rund 13.500 Fällen der höchste Stand seit Beginn der Pandemie erreicht worden.

Verkaufsverbot von Alkohol

Über die weitere Verschärfung der Corona-Maßnahmen beriet am Mittwoch das Sicherheitskabinett unter Leitung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Diskutiert wurde unter anderem ein Verkaufsverbot für Alkohol ab 20 Uhr. Darüber hinaus könnten wie bereits in anderen französischen Städten Versammlungen von mehr als zehn Menschen etwa in Parks und auf Plätzen untersagt werden, gleiches gilt für Großveranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern. Auch das Mieten von Sälen für private Feiern oder Hochzeiten könnte behördlich verboten werden.

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20 Städte in Frankreich betroffen

Nach Angaben aus der Stadtverwaltung ist die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo strikt gegen Sperrzeiten für Bars und Restaurants, wie sie in Marseille und anderen Städten gelten. Auch ein Besuchsverbot für städtische Altenheime wie in Nizza ist demnach nicht vorgesehen.

Der wissenschaftliche Corona-Beirat der Regierung fordert schärfere Maßnahmen in den 20 größten Städten Frankreichs. Lyon, Bordeaux, Toulouse und Lille hatten in den vergangenen Tagen bereits verschärfte Maßnahmen angekündigt.

Millionen aus dem Morgenland

Das Königreich Bahrain steigt bei dem Fußballclub Paris FC ein, dort hofft man nun auf den Aufstieg in die erste Liga 

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Die Kicker aus Paris präsentieren sich auf Twitter.

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Keine Freundschaft mit dem Rivalen PSG

Die Fans von Paris FC blicken mit einiger Verachtung auf den Stadtrivalen Paris Saint-Germain. Befeuert wird die innige Feindschaft von einer großen Portion sportlichem Neid. Während die Elitetruppe um Kylian Mbappé und Neymar an der Spitze des europäischen Fußballs steht und zum siebten Mal in Folge französischer Meister geworden ist, ackern sich die Kicker von PFC mühsam in der zweiten Liga ab. In diesem Jahr ist der Club nur mit großem Glück dem Abstieg entronnen. Der Zuschauerschnitt im seit Jahren renovierungsbedürftigen Stade Charléty lag zuletzt bei knapp über 2000.

Geld schießt Tore – so hofft man in Paris

Ein Argument hört man in den Reihen des Paris FC inzwischen allerdings nicht mehr: dass sich Saint-Germain nur mit dem Geld der Scheichs aus Katar an die Spitze gespielt habe. Denn nun hat der Verein aus dem Süden der französischen Millionenmetropole einen neuen Geldgeber präsentiert. Das Königreich Bahrain wird Anteilseigner und Hauptsponsor bei dem Zweitligisten und übernimmt durch einen Staatsfonds 20 Prozent des Clubs. Im Gegensatz zu Saint-Germain habe man sich aber nicht mit Haut und Haaren den Geldgebern verschrieben, betonen die Verantwortlichen von PFC. Präsident Ferracci bleibe mit 77 Prozent Hauptanteilseigner und lenke auch weiter die Geschicke des Vereins. „Die Kontrolle des Clubs wird sich weiterhin auf eine regionale und nationale Mehrheitsbasis stützen“, hieß es in einer Mitteilung. Aus diesem Grund reden die Verantwortliche von einer Partnerschaft und nicht von einer Übernahme durch die Sponsoren aus Bahrain.

Da ging leider was daneben bei der Begegnung gegen Nancy

Es sollen neue Spieler gekauft werden

Mit dem neuen Partner soll sich allerdings auch der sportliche Erfolg einstellen, das Management spricht von einer „neuen Ära“, die anbrechen wird. Erklärtes Ziel ist es, in den nächsten drei Jahren in die Ligue 1 aufzusteigen. Aus diesem Grund wurde gleichzeitig mit dem Einstieg der Scheichs auch eine Kapitalerhöhung von 30 Prozent beschlossen. Das Geld soll in neue Spieler gesteckt werden. Bahrain investiert allerdings nur fünf Millionen Euro in den Club, eine für den Profifußball vergleichsweise bescheidene Summe. Deshalb hofft man beim Paris FC, auf dem Weg zum erhofften Aufstieg ins Oberhaus noch weitere potente, internationale Sponsoren an Land ziehen zu können.

PSG und Paris FC sind eng verbunden

Der Wunsch zum Lokalrivalen Paris Saint-Germain aufschließen zu können nährt sich auch aus der Geschichte beider Vereine. Der Paris FC entstand im Jahr 1969 im Grunde aus einer Schmach, nachdem die beiden Pariser Traditionsvereine Racing Club und Stade Français kurz zuvor aus der ersten französischen Liga abgestiegen waren. Nur ein Jahr nach der Gründung fusionierte der Verein mit Stade Saint-Germain und hieß fortan Paris Saint-Germain. Die Liaison hielt allerdings nur drei Jahre, 1973 gingen die Clubs wieder getrennte Wege. Doch während sich die Kicker von Saint-Germain in der ersten Liga festsetzen konnten, taumelte der PFC von einer sportlichen Misere in die nächste und spielte einige Jahre sogar in der Viertklassigkeit. Aber natürlich verfolgt nicht nur der Paris FC mit der Millioneninvestition klare Ziele.

Bahrain verfolgt offensichtliche Ziele

Der Sport war für Bahrain bereits in der Vergangenheit eine beliebte Investitionsplattform. 2007 übernahm das autoritär geführte Königreich durch die Mumtalakat Holding Company Anteile am Formel-1-Rennstall McLaren. Seit 2004 drehen Rennfahrer beim GP von Bahrain ihre Runden. Auch im Radsport ist das Land präsent. 2017 wurde das Team Bahrain-Merida mit einigen Stars gegründet, das inzwischen unter dem Namen Bahrain-McLaren firmiert und auch bei der Tour de France am Start war. Menschenrechtler kritisieren, dass Bahrain mit seinem Engagement im Sport sein internationales Image aufpolieren will. Nicht nur Amnesty International wirft den Machthabern zahlreiche Menschenrechtsverletzungen vor. In den Mitteilungen von Paris FC findet sich zu diesem Thema allerdings keine Zeile.

Corona Frankreich: Die Zahlen sind Grund zur Sorge

Die Corona-Zahlen in Frankreich geben Anlass zur Besorgnis. Die französischen Gesundheitsbehörden melden einen neuen Höchstwert von 13 498 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. In den vergangenen sieben Tagen kamen 3853 Covid-19-Patienten ins Krankenhaus, davon 593 auf Intensivstationen.

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Städte verschärfen ihre Corona-Regeln

Im Kampf gegen die steigenden Corona-Zahlen verhängen immer mehr Städte und Departements in Frankreich strengere Regeln. Ab Montag sind im Departement Indre-et-Loire in der Mitte des Landes Tanzabende und von Studentengemeinschaften organisierte Abende verboten, ebenso Aperitifs, Umtrunke und Snacks im Stehen. Untersagt werden zudem Essensplatten für mehrere, Bars in geschlossenen Räumen ohne Sitzmöglichkeiten bleiben zu, wie die zuständige Präfektur mitteilte. Toulouse, Nizza, Bordeaux und Marseille haben bereits ähnliche Regeln eingeführt.

Inzwischen sind weitere Regionen in Zonen eingeteilt worden, in denen das Virus eine „erhöhte Aktivität“ auf weist. Das bedeutet, dass nun 55 Départements „rote Zonen“ sind – also weit über die Hälfte. Hinzugekommen sind:

Aveyron, Calvados, Doubs, Eure, Gers, Indre-et-Loire, Marne, la Haute-Marne, Meurthe-et-Moselle, Saône-et-Loire, Tarn, Vienne und Territoire de Belfort.

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Mehr Informationen gibt es unter diesem Link der nationalen Gesundheitsbehörde: Santé Public France

Probleme an den Universitäten

Besondere Aufmerksamkeit gilt im Moment auch dem Wiederaufnahme des Unterrichts an den französischen Schulen und Hochschulen. Sie scheinen bisweilen zu regelrechten Infektionsherden werden. In diesem Monat sind bereits mindestens ein Dutzend Infektionscluster bekanntgeworden. Während in anderen Ländern Europas vielfach weiter auf Online-Veranstaltungen gesetzt wird, ist an den Universitäten in Frankreich wieder mehr Präsenz angesagt. Angesichts überfüllter Hörsäle warnen Experten, dass die Pandemie sich unter den jungen Studenten fast ungehindert ausbreiten könne.

„Die zweite Welle ist da“

François Braun, Notfallarzt in Metz und Chef der Organisation Samu-Urgences de France, sagt zur aktuellen Situation in einem Interview mit der Zeitung „Le Parisien“:

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„Depuis une dizaine de jours, on assiste à une augmentation assez importante de cas et cette hausse est constante de jour en jour. La seconde vague est là et il est temps de s’y préparer.“

Der „polnische Spiderman“ sorgt für Aufregung in Paris

Ein Mann ist an der Fassade des Tour Montparnasse hochgeklettert. Es war nicht die erste spektakuläre Aktion des Extremsportlers.

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Offensichtlich handelt es sich bei dem Kletterer um die Mann, der sich selbst im Aufzug fotografiert hat. Zu lesen ist: Wir sehen uns oben.

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Große Aufregung am Fuße des Hochhauses

Die Menschen am Fuß des Tour Montparnasse in Paris trauen ihren Augen nicht. In schwindelnder Höhe hängt am Freitagabend ein Mann an der Fassade des 210 Meter hohen Gebäudes. Viele denken zuerst, es handle sich bei der Person um jemandem, der seinem Leben durch einen Sprung in die Tiefe ein Ende setzen möchte. Doch weit gefehlt. Völlig ruhig und gekonnt kletterte der Mann ohne Seilsicherung und andere Hilfsmittel nach oben.

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Die Leute trauen ihre Augen nicht

„Als ich gegen 19,30 Uhr den Bahnhof Montparnasse verließ, sah ich die Rettungssanitäter, die Feuerwehrleute, die Polizei. Ich dachte, dass etwas Ernstes passiert ist“, erzählt eine Frau der Tageszeitung „Le Parisien“. Alle Leute aber hätten die Köpfe in die Luft gereckt, dann habe auch sie den Grund für den Menschenauflauf entdeckt. „Dort sehe ich einen Mann in einem weißen T-Shirt, der mit bloßen Händen und ohne Seil auf den Wolkenkratzer klettert,“ erzählt die Frau. Er sei sehr sicher und flüssig geklettert, so als habe er sein Leben lang nichts anderes getan.   

Retter seilen sich zu dem Mann ab

Während der Kletterer seinen Aufstieg unbeirrt fortsetzte, seilte sich vom Dach des Turms ein Retter zu dem Mann. Nach einem kurzen Meinungsaustausch in großer Höhe schloss sich der Helfer dem Kletterer an und begleitete ihn bei der Tour bis zur Aussichtsplattform. Auf dem Dach des Hochhauses wurde der Mann dann festgenommen.

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Den Namen des Kletterers nannte die Polizei nicht. Er ist demnach Pole und war nach eigenen Angaben als Tourist in Paris. Hinweise auf die Identität des Kletterers liefert allerdings die Fotoplattform Instagram. Auf einem Konto wurde einige Minuten vor dem Aufstieg ein Foto geteilt. Zu sehen ist ein junger Mann, der genauso gekleidet ist wie der Kletterer des Montparnasse-Turms, der sich in einem Aufzug fotografiert. „Wir sehen uns oben“, steht auf dem Foto in polnischer Sprache.

Nicht die erste Aktion des Polen

Wahrscheinlich handelt es sich um den Polen Marcin Banot, der unter dem Pseudonym BNT im Internet unterwegs ist. Es wäre nicht der erste Coup des 30-Jährigen, der sich auf Instagram und Youtube als Kletterer und Videograf präsentiert. Bekannt ist er als „polnischer Spiderman“, der schon für einige Aufregung sorgte, als er im Juni 2019 auf das Marriott Hotel in Warschau geklettert ist. Der Tour Montparnasse ist das höchste Hochhaus in der Pariser Innenstadt. 2015 war bereits der berühmte Fassaden-Kletterer Alain Robert, der als „französischer Spiderman“ bekannt ist, auf das Hochhaus geklettert. Auch er wurde festgenommen.

Corona Frankreich: Oder ist es doch eine Frage der Disziplin?

Immer wieder dieselbe Frage: Was macht Deutschland besser in Sachen Corona? Eine befriedigende Antwort gibt es nicht – sie setzt sich allerdings aus vielen Faktoren zusammen. Fakt ist: in Frankreich sind wieder 10.600 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages verzeichnet worden und die Zahl der Toten liegt zum ersten Mal über jener vom Frühjahr.

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Viele Menschen auf engem Raum

Die Corona-Situation ist in Großstädten wie Marseille, Bordeaux oder Paris besonders ernst. Das lässt sich natürlich einfach damit erklären, dass dort sehr viele Menschen auf engem Raum leben. Infektionen können sich – vor allem im morgendlichen und abendlichen Nahverkehr – leicht weiterverbreiten. Die Métros sind eng und schlecht belüftet – ideale Bedingungen für ein Virus.

Eingewendet wird auch, dass Frankreich deutlich mehr Teste durchführt als noch im Frühjahr. Allerdings hinkt man mit der Auswertung der Tests sehr hinterher. Die Leute müssen stundenlang anstehen und bekommen ihre Ergebnisse dann viele Tage danach erst mitgeteilt. Experten beklagen, dass auf diese Weise Verdachtsfälle nicht schnell genug erkannt und isoliert werden können. Zu langsam auf jeden Fall, um Infektionsketten zu durchbrechen.

Kritik an der französischen Regierung

Beklagt wird auch ein Schlingerkurs der Regierung. Der Mediziner und frühere Gesundheitsdirektor William Dab kritisierte im „Journal de Dimanche“, dass Premier Jean Castex zuletzt keine wirklich starken Maßnahmen angekündigt habe, sondern nur Anpassungen. Castex wolle das Leben mit dem Virus und dem Wirtschafts- und Schulleben aussöhnen. Die Strategie Frankreichs ist immer noch nicht klar definiert – hatte man im Frühjahr noch eindeutig auf den zentralisierten Staat gesetzt und dieselben strengen Ausgangsbeschränkungen für alle verhängt, nimmt die Regierung jetzt die Regionen in die Pflicht.

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Scheitern der Quarantäne-Regeln

Doch nicht allein die Regierung kann an den Pranger gestellt werden – Probleme gibt es bei der Disziplin der Franzosen im Kampf gegen die Pandemie. Der wissenschaftliche Corona-Beirat in Frankreich hat kürzlich ein „Scheitern“ der Quarantäne-Regeln festgestellt. Auch Gesundheitsminister Olivier Véran räumte ein, die meisten Franzosen hielten sich nicht an die Selbstisolation.

Das ist zum Teil allerdings verständlich, denn viele Franzosen arbeiten in prekären Anstellungen und haben schlicht Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Auch ist es für viele schlicht nicht möglich, zuhause im Homeoffice zu bleiben. Sie arbeiten als Müllarbeiter, Parkwächter, Putzhilfen, in Supermärkten oder Restaurants.

Zu viele Partys werden gefeiert

Deutlicher wird die Kritik an den jungen Menschen und der eher bürgerlichen Schicht in Frankreich. Ähnlich wie in Spanien infizieren sich vor allem Jüngere mit dem Virus. Man geht davon aus, dass zu viel gefeiert wird. Vor allem im Sommer war das ein großes Problem. Schließlich mussten einige Gemeinden am Meer ihre Strände schließen, weil dort immer wieder Partys gefeiert wurden.

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In den französischen Medien merkt man außerdem an, dass der Mindestabstand in Frankreich bei einem Meter liegt – nicht wie in Deutschland bei 1,50 Meter. Und zur Begrüßung gehören eigentlich die Bise – also Küsschen – dazu. Auch wenn sich die Französinnen und Franzosen bemühen: Das berühmte Küsschen wegzulassen, fällt schwer. Laut Umfrage verzichten auf Wangenkuss und Händeschütteln nur noch 66 Prozent statt zuvor 92 Prozent. Laut Befragungen der nationalen Gesundheitsbehörde befolgen die Franzosen auch Ratschläge wie regelmäßiges Händewaschen inzwischen deutlich seltener als auf dem Höhepunkt der Krise Anfang April.

Nachlässiges Tragen der Maske

Auch beim Tragen der Maske werden die Franzosen immer laxer. Zwar wird von der Polizei hart durchgegriffen – die Strafe beträgt 135 Euro – doch man sieht immer mehr Menschen, die die Mund-Nase-Bedeckung nicht oder nur halb aufhaben.

Die Zeitung „Figaro“ berichtet dazu:

Près de 45.000 personnes ont été verbalisées pour non-respect du port du masque depuis le mois de mai en France, a déclaré jeudi 17 septembre le ministre de l’Intérieur Gérald Darmanin, devant une commission d’enquête sénatoriale sur la gestion de la crise sanitaire.

Probleme beim Corona-Tracking

Ein Problem ist die Nachverfolgung von Infektionsketten. Dabei sollte eigentlich die Corona-Tracking-App „StopCovid“ helfen, doch die ist – das muss man so deutlich sagen – ein Flop. Sie wurde mehr als zwei Millionen Mal runtergeladen und hat weniger als 200 Mal angeschlagen, was sogar von offizieller Seite als „lächerlich“ bezeichnet wird. In Restaurants und Bars gibt es keine Formulare, um Kontaktfälle zu identifizieren.

Corona verleiht Giorgio de Chirico erschreckende Aktualität

Das Musée de l’Orangerie in Paris zeigt Werke der metaphysischen Malerei des italienischen Künstlers.

Wegen der Corona-Beschränkungen darf nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern ins Museum. Das bringt Ruhe beim Betrachten der Bilder.

Keine Schlange am Eingang des Museums

Wir leben in besonderen Zeiten. In Paris wird eine Ausstellung eröffnet und es bildet sich keine unendlich lange Schlange vor dem Eingang des Museums, allein das ist ein kleines Ereignis. Das irritiert umso mehr, da im Musée de l’Orangerie Werke von Giorgio de Chirico (1888-1978) gezeigt werden, einem der bedeutendsten italienischen Künstler der Avantgarde. Zudem sind die Macher der Werkschau kein Risiko eingegangen und legen den Fokus auf seine metaphysische Malerei, die mit Abstand berühmteste Periode des Künstlers – unter normalen Umständen ein absoltes Muss für jeden Paris-Touristen. Aber: die französische Hauptstadt ist Corona-Risikogebiet und viele Menschen machen einen großen Bogen um die Stadt.

Beängstigende Aktualität des Werkes

Beängstigend aktuell wirken die Werke Girogio de Chiricos, die alle zwischen 1911 und 1918 entstanden sind. De Chirico gilt als Hauptvertreter der bis in die 1920er Jahre dauernden Strömung der metaphysischen Malerei, die durch rätselhafte Bilder die wahre Realität enthüllen und überwinden wollte. Im Musée de l’Orangerie zu sehen sind unheimliche, traumähnliche Stadtlandschaften, deren Leere an die Plätze in Paris während des zweimonatigen Corona-Lockdowns erinnern. Die gesichtslosen Figuren in den Gemälden wirken wie die Maskenträger, die in jenen Wochen im Frühjahr vereinzelt und verloren wirkend über die verwaiste Champs-Èlysées huschten.

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München, Paris, Ferrara

Etwas holzschnittartig teilen die Macher der Werkschau das Schaffen Giorgio de Chiricos in drei Perioden ein: München, Paris, Ferrara. Verständlich werden manche Entwicklungen und Seitenstränge seines Schaffens erst durch die Lektüre des sehr guten Ausstellungskataloges mit vielen pointierten Aufsätzen. Schwerpunkt der aktuellen Schau liegt natürlich auf der Zeit in Paris, wo sich der Maler und Grafiker erstmals zwischen 1911 und 1915 längerfristig aufhielt. Während seines Aufenthalts in der französischen Hauptstadt kam de Chirico mit Pablo Picasso, André Derain und dem Dichter und Kunstkritiker Guillaume Apollinaire zusammen, der von der Originalität der Bildsprache des Italieners fasziniert war.

Klare Trennung zum Spätwerk

Die Ausstellungsmacher ziehen dann einen konsequenten Trennungsstrich zu seinem späteren Werk, in dem der Künstler sich von der Moderne abwandte und die Alten Meister in seinen Fokus rückte. Enttäuscht urteilte damals der Surrealist André Breton, dass es zwei Teile in Giorgio de Chiricos Schaffen gebe, eine frühe und eine schlechte Phase. Die Organisatoren der aktuellen Ausstellung scheinen diese Auffassung in gewisser Weise zu teilen. ENDE-ENDE

Die Ausstellung im Musée de l’Orangerie ist bis zum 14. Dezember täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, Dienstag geschlossen; Eintritt normal: 12,50 Euro, ermäßigter Tarif: 10 Euro. Online-Reservierung und das Tragen von Mund- und Nasenschutz sind zwingend.

Corona Frankreich: Zweite Welle erreicht die Städte

Frankreich kämpft weiter gegen die zweite Corona-Welle. Konzentrierte sich die Aufmerksamkeit bisher aus Marseille und Bordeaux, kommen nun auch Lyon und Nizza in den Fokus. Sorge macht die Ausbreitung des Virus bei der Generation Ü65.

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Die Zahl der neuen Infektionen pro 100.000 Einwohner in den Städten

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Zahl der Corona-Infektionen steigt

In Lyon ist die Zahl der Infizierten in den vergangenen Tagen stark angestiegen. Der Index liegt inzwischen bei fast 200 – das ist die Zahl der positiven Fälle 100.000 Einwohner. Das heißt die Zahl ist viermal höher als die Alarmschwelle von 50. Sorge macht den Verantwortlichen, dass immer mehr ältere Menschen von dem Virus befallen werden.

Dieselbe Sorge an der Côte d’Azur, wo diese Rate in Nizza nahe bei 150 liegt – auch dort steigt die Zahl bei den über 65-Jährigen. Angesichts dieser schlechten Zahlen hat der Präfekt von Alpes-Maritimes angekündigt, dass Bars und Restaurants womöglich früher schließen müssen – oder in Ausnahmefällen ganz zu machen müssen. Die Behörden scheinen bereit, ziemlich hart durchzugreifen. Auf Anordnung der Regierung müssen die Behörden und betroffene Privatpersonen in der Rhône und in den Alpes-Maritimes ab Samstag spezifische Maßnahmen vorschlagen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

Der Gesundheitsminister warnt

Auch aus anderen Städten kommen schlechte Nachrichten. Rennes, Paris, Toulouse oder Dijon sind ebenfalls im Visier, wo die Indexrate drei- bis viermal höher ist als die Alarmschwelle. „Wir werden die Entwicklung der Situation in diesen Metropolen äußerst aufmerksam verfolgen“, betont Gesundheitsminister Olivier Véran. Ein genereller Lockdown kommt allerdings nicht in Betracht. Man werde versuchen, ein Gleichgewicht zwischen Vorsorge und wirtschaftlichen Gegebenheiten suchen, heißt es immer wieder.

Im Département Haute-Garonne mit der Stadt Toulouse hat die Präfektur beschlossen, dass ab Samstag keine Gruppen von mehr als zehn Personen in öffentlichen Räumen zusammenstehen dürfen. Außerdem sind alle Tanzveranstaltungen verboten und auch der öffentliche Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen ist untersagt. Zudem wurde die Maskenpflicht um einen Monat verlängert.

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Appell an die jungen Menschen

Immer wieder kommt der Appell an die jungen Menschen, sich an die Hygieneregeln zu halten – da dies auch Auswirkungen auf die älteren, gefährdeten Generationen hat.

 Im Sommer stieg die Zahl der Infektionen bei jungen Menschen stark an und lag bei 140 pro 100.000 bei 15- bis 40-Jährigen. Doch offensichtlich nur bei rund der Hälfte der jungen Infizierten zeigten sich Symptome. Das Risiko ist, dass diese Jungen ihre Eltern und Großeltern infizieren, die anfälliger für schwere Formen der Krankheit sind. Genau diese Befürchtung sei nun eingetreten, erklären die Gesundheitsbehörden. Seit einigen Wochen zeigen Zahlen, dass sich die Verbreitung des Covid-Virus unter den über 65-Jährigen beschleunigt hat. „Seit August sind die Auswirkungen real und sichtbar“, sagte der Gesundheitsminister, insbesondere auf den Intensivstationen.

Die Corona-Zahlen in Frankreich – Stand 12. September 2020

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Nachtrag:

Die Zeitung „Parisien“ berichtet, dass in einem Altenheim in Roanne mindestens 50 neue Corona-Fälle entdeckt worden sind. Und auch in einem der größten Altenheime Frankreichs in Bourges mit 619 Bewohnern scheint die Pandemie zu grassieren.

In Bordeaux stellt sich die Weihnachtsbaum-Frage

In der Stadt am Atlantik soll im Zentrum zum ersten Mal kein geschmückter Christbaum aufgestellt werden – doch es regt sich Widerstand  

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Die Baum-Befürworter versuchen mit einer Online-Petition das Schicksal noch zu wenden. Die Chancen stehen aber schlecht.

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Keine Harmonie in Bordeaux

Weihnachten ist das Fest der Besinnung und des Innehaltens. Gerade nach dem monströsen Pandemie-Jahr 2020, das bei vielen Menschen für Angst und böse Überraschungen gesorgt hat, sehnen sich viele nach ein paar friedlichen und unbeschwerten Tagen.

In der französischen Hafenstadt Bordeaux wird diese Hoffnung nach Ruhe und Eintracht allerdings nicht in Erfüllung gehen – was mit dem frischgewählten grünen Bürgermeister Pierre Hurmic zu tun hat. Der hat in diesen Tagen angekündigt, dass im Dezember kein Weihnachtsbaum im Stadtzentrum aufgestellt wird. Seine Begründung: er wolle keinen toten Baum, der auf einem Lastwagen quer durch Frankreich transportiert wurde.

Von der Empörung völlig überrascht

Die Rathausspitze hatte allerdings nicht mit dem Aufschrei gerechnet, der nach der Ankündigung in der Bürgerschaft die Runde machte. „Wir sind überrascht von den vielen Kommentaren in dieser Sache“, gesteht Didier Jeanjean, der Stellvertreter des Bürgermeisters und er unterstreicht, dass das letzte Wort natürlich noch nicht gesprochen sei. Sollte eine Online-Petition, die von den Baum-Befürwortern ins Netz gestellt wurde, von den meisten Bürgern unterzeichnet werden, werde man im Rathaus in dieser Sache noch einmal intensiv beraten.

Unterdessen wittert die politische Konkurrenz die erste Gelegenheit, dem neuen Stadtoberhaupt eins auszuwischen. An die Spitze der Kritiker hat sich der jüngst abgewählte Bürgermeister Nicolas Florian gestellt und lässt dabei erahnen, wie schmerzhaft die Wunden noch sind, angesichts der verlorenen Wahl gegen seinen grünen Herausforderer vor wenigen Monaten. „Als ich im Amt war“, sagt er, „habe ich aus Kostengründen die 80.000 Euro teure Schlittschuhbahn an Weihnachten abgeschafft.“ Der Weihnachtsbaum aber blieb stehen. Wenn der neue Bürgermeister keine toten Bäume möge, dann müsse er auch alle Häuser mit Holzkonstruktionen verbieten, polemisiert Nicolas Florian.

Die Einwohner sind zwiegespalten

Die Einwohner von Bordeaux sind in Sachen Weihnachtsbaum zwiegespalten. Viele zeigen allerdings Verständnis und erklären, dass die 60.000 Euro, die der Baum kosten würde, in Kindergärten oder Schulen investiert werden könnten. Die Online-Petition der Befürworter mit dem Titel „Bordeaux will seinen Weihnachtsbaum behalten“ kommt dagegen nicht so richtig in die Gänge. In den ersten Wochen wurden rund 15.000 Unterschriften gesammelt. Bei knapp 250.000 Einwohnern scheint es also eher wahrscheinlich, dass im Zentrum der Stadt zum ersten Mal seit Jahrzehnten kein schön geschmückter Weihnachtsbaum die Herzen der Menschen erwärmen wird.

Frankreichs Kampf gegen die zweite Corona-Welle

Im ganzen Land steigt die Zahl der Infektionen stark an. Ein Grund: zu häufig werden die Abstandregeln missachtet. Nun greifen die Behörden zu zum Teil harten Maßnahmen.

Kein Fahrer der Tour de France positiv

Es gibt auch eine gute Corona-Nachricht aus Frankreich. Bei der zweiten Testwelle während der Tour de France ist bei keinem Fahrer eine Infektion festgestellt worden. Das Radrennen kann also ohne weitere Ausfälle in seine Schlussphase gehen. Erstaunlich ist, dass sich der Tour-Tross scheinbar unbeschadet durch ein Land bewegen kann, in dem die Pandemie wieder massiv um sich greift. Immer neue sogenannte Cluster mit Infizierten werden identifiziert, inzwischen ist das halbe Land zur „roten Zone“ erklärt, wo sich nach Angaben der Regierung das Virus „aktiv verbreitet“. In Frankreich sind rund 31.000 Todesfälle gemeldet. Am Wochenende wurde landesweit ein neuer Höchststand von mehr als 10.000 Neuinfektionen in 24 Stunden erreicht.

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Die 42 Départements, die inzwischen in Frankreich zur roten Zone erklärt wurden

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Marseille wird zum Corona-Hotspot

Zu den Corona-Hotspots zählt Marseille, wo seit Mitte August die Zahl der Neuinfektionen steil in die Höhe schnellt. Mit zuletzt 312 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschreitet Marseille den Corona-Warnwert von 50 um mehr als das Sechsfache. Die Behörden verhängten deshalb besonders scharfe Schutzmaßnahmen, Marseille wird damit zum Testfall für den neuen Umgang Frankreichs mit der Pandemie. Zur Sicherheit haben die öffentlichen Krankenhäuser von Marseille die Zahl der Notfallbetten für Corona-Patienten auf 139 aufgestockt, es gibt 32 Beatmungsplätze. Ein großer Teil ist bereits belegt.

Lockdown soll vermieden werden

Auf keinen Fall wird es aber einen erneuten generellen Lockdown geben. Das haben die französische Regierung und auch die Stadtverwaltung von Marseille mitgeteilt. Die Wirtschaft des Landes kämpft noch immer mit den Auswirkungen der ersten Ausgangssperre im Frühjahr, die unter anderem die Arbeitslosenzahlen drastisch steigen ließ. „Strafmaßnahmen helfen nur einen kurzen Moment“, ist die neue Bürgermeisterin Michèle Rubirola überzeugt. Die 64-jährige Ärztin setzt auf die Einsicht der Bürger, wie sie der Zeitung „Le Monde“ sagte. Das verfängt allerdings nicht bei allen. Für Kopfschütteln sorgten am Wochenende Fernsehbilder hunderter Fans des Fußball-Erstligisten Olympique Marseille, die am alten Hafen den Sieg über Paris feierten – ohne Sicherheitsabstände, viele ohne Schutzmasken. Schon im Sommer warten Virologen angesichts von überfüllten Stränden und Fußgängerzonen vor dem erneuten Aufflammen der Pandemie.

Große Sorge in den Altenheimen

Die Furcht vor einer zweiten Corona-Welle ist vor allem in den Altenheimen sehr groß. Anders als in Deutschland sind dort sehr viele Menschen an den Folgen einer Infektion gestorben. So sind etwa im südfranzösischen Sévérac-d’Aveyron zuletzt in wenigen Tagen sechs Senioren Opfer von Covid-19 geworden. Manche Einrichtungen haben sich bereits entschlossen, Besuche von Angehörigen stark einzuschränken oder sogar ganz zu verbieten. Grund dafür ist, dass sich zu viele Besucher nicht an die Hygieneregeln halten würden, erklärt ein Arzt. Sie würden die alten Menschen umarmen oder mit ihnen ohne Maske in einem engen Zimmer sitzen.

Universitäten im Corona-Fokus

Sorge bereitet den Verantwortlichen auch der Beginn des neuen Studienjahres. Die Befürchtung ist, dass Universitäten landesweit zu den neuen Hotspots werden könnten. Auch hier scheint weniger der Unterricht das Problem, sondern die privaten abendlichen Zusammenkünfte der Studenten und auch das Zusammenleben in größeren Wohngemeinschaften, bei dem nicht auf die Hygieneregeln Rücksicht genommen wird. Eine Fakultät in Reims wurde bereits geschlossen. Von den Universitäten in Nantes, Amiens, Nancy und Toulouse werden stark steigende Infektionszahlen gemeldet.

Inzwischen sind in Paris und anderen Städten wegen der angespannten Lage viele Großveranstaltungen abgesagt worden. In Paris fällt die internationale Kunstmesse FIAC aus, wie die Organisatoren mitteilten. Der französische Verwaltungsbezirk Nord mit den Städten Dünkirchen und Lille sagte wegen der „brutalen Beschleunigung“ der Infektionszahlen geplante Nachbarschaftsfeste sowie die Europäischen Tage des Kulturerbes an diesem Wochenende ab. Die Öffnung von Denkmälern und Kulturstätten zieht in ganz Frankreich normalerweise Hunderttausende Menschen an.

Corona Frankreich: In Bordeaux werden die Regeln verschärft

Frankreichs Furcht vor einer zweiten Corona-Welle wird täglich größer. Zu beunruhigend sind die Zahlen von neuen Infektionen. Am Wochenende wurden mehr als 10 000 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden verzeichnet – die Lage ist aber regional unterschiedlich. Die Regierung hatte zuletzt vor allem auf regionale Maßnahmen gesetzt und an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen im Land appelliert.

In diesem Fall greifen die Verantwortlichen von Bordeaux im Kampf gegen das Coronavirus hat durch und verhängen strengere Regeln. Private Treffen im Freien seien auf zehn Personen beschränkt, kündigte die Präfektin Fabienne Buccio an. Sie forderte Familien außerdem auf, Familienfeiern wie Hochzeiten auf ebenfalls maximal zehn Personen zu beschränken. Tanzpartys, Flohmärkte oder Nachbarschaftsfeste seien nicht erlaubt, Schulausflüge abgesagt. Die Behörden haben außerdem den Konsum von Alkohol auf öffentlichen Plätzen in der Stadt verboten.

Die Begrenzung für öffentliche Veranstaltung im Département Gironde an der Atlantikküste liege nun bei 1000 statt 5000 Menschen, so die Präfektin Buccio. „Die Situation ist nicht alarmierend, aber besorgniserregend“, sagte sie mit Blick auf Krankenhäuser. Man müsse das Bewusstsein der Bevölkerung schärfen. Wenn nötig, werde man noch härtere Maßnahmen ergreifen.

Frankreichs Premier Jean Castex hatte die Städte Bordeaux, Marseille und das französische Überseegebiet Guadeloupe aufgefordert, strengere Regeln einzuführen. Grund dafür ist, dass die Corona-Lage in diesen Regionen besonders ernst ist.

In der Haute-Garonne wurde eine Demo der Gilets Jaunes verboten.