Gewalt bei Protest in Paris gegen Polizeigewalt

Wieder gibt es Randale bei Demonstrationen in Frankreich. Besonders wild geht es in Paris zu. Die Menschen sind auch in Bordeaux, Lyon, Straßburg, Marseille gegen Polizeigewalt und für die Pressefreiheit auf die Straße gegangen. Auch die Randalierer sagen, gegen Gewalt zu sein – ihre eigene Gewalt sei lediglich Notwehr. Das gefällt aber auch nicht allen Demo-Teilnehmern.

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Ausschreitungen bei der Demo gegen die Polizeigewalt

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Protest gegen geplantes Gesetz

Am Place de la République im Zentrum von Paris versammelten sich gegen Mittag viele Tausend Menschen. Wegen der Masse an Demonstranten konnten nicht auf Hygieneabstände geachtet werden, wie es eigentlich gefordert worden war. Auch war schnell klar, dass der Nachmittag nicht ohne Krawalle abgehen würde. Wie fast immer, formierten sich in den Seitenstraßen kleine Trupps von schwarz gekleideten jungen Männern, die offensichtlich die Konfrontation mit der Polizei suchten. Die war im Gegenzug mit ebenfalls mit vielen Hundert Männern und Frauen im Einsatz. Dieser Ablauf ist inzwischen fast schon zu einer Art Ritual geworden.

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Radikalisierung der Demo-Teilnehmer

Zu beobachten war diese Entwicklung bei den Protesten der Gelbwesten. Die Demonstrationen litten am Ende unter der Radikalisierung vieler Teilnehmer. Am Ende schaukelten sich Randaliere und Einsatzkräfte gegenseitig hoch und es kam bei vielen Protesten zu regelrechten Straßenschlachten. Dieses Mal richteten sich die Proteste in der Hauptstadt Paris und in vielen anderen Städten nicht gegen die sozialen Missstände in Frankreich.

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Wut über ein geplantes Filmverbot

Den Unmut vieler Franzosen richtet sich gegen ein geplantes Filmverbot bei bestimmten Polizeieinsätzen. Angefacht wurden die Proteste von neuen Fällen von Polizeigewalt, die in dieser Woche durch Videoaufnahmen bekannt geworden waren und landesweit für Entsetzen gesorgt hatten.

Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron will mit dem Gesetz für „umfassende Sicherheit“ die Verbreitung von Foto- oder Filmaufnahmen unter Strafe stellen, durch die einzelne Polizisten in die Kritik geraten könnten. Nicht nur Journalisten befürchten massive Einschränkungen der Pressefreiheit. Demonstranten hielten Plakate mit Aufschriften wie „Wer beschützt uns vor der Polizei?“ oder „Stoppt Polizeigewalt“.

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Ein brennendes Auto am Rand der Demo in Paris

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Mit dem geplanten Gesetz will die Regierung der Polizei auch die Überwachung von Demonstranten mit Drohnen ermöglichen. Das Unterhaus des Parlaments hat die Vorlage bereits in erster Lesung gebilligt. Nun soll es allerdings nach Angaben von Premierminister Jean Castex noch einmal überarbeitet werden.

NACHTRAG:

Die Zeitung „Le Figaro“ meldet, dass einige Demonstranten ein Gebäude der Banque de France angezündet haben.

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Und hier die offizielle Teilnehmerzahl der Demonstration in Paris, bestätigt vom französischen Innenministerium:

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Frankreich: Skigebiete geöffnet – Skilifte geschlossen

Viele Skifahrer halten es für einen ziemlichen Witz. Frankreich will in den Weihnachtsferien die Skigebiete öffnen. Das Problem: die Lifte bleiben geschlossen. Auch die französischen Liftbetreiber sprachen von einer „wahnwitzigen“ Entscheidung.  

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Skifans sind verägert

Premierminister Jean Castex sprach lang und ausführlich über die geplanten Lockerungen der Corona-Auflagen in Frankreich. Als der Regierungschef schließlich zu den Plänen für die Skisaison kam, ahnte der Präsident des französischen Skiliftverbands, Alexandre Maulin, schon lange nichts Gutes mehr. Als Castex dann verkündete, dass die Skigebiete öffnen könnten, die Lifte aber geschlossen bleiben müssten, sagte Maulin er sei „am Boden zerstört“. Damit sei der Saisonstart praktisch abgesagt. Allerdings waren die Skifans vorgewarnt. Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor bereits betont, eine Öffnung der Skigebiete an den Feiertagen erscheine ihm wegen der weiter hohen Corona-Infektionszahlen unmöglich.

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Aufmunternde Parolen des Premiers

Also bleiben in Frankreichs Skigebieten wie überall im Land auch Restaurants und Bars bis mindestens zum 20. Januar geschlossen. Die Regierung stellte deshalb weitere Finanzhilfen in Aussicht. 2021 werde „das Jahr der französischen Gastronomie“, versprach Premier Castex. Daran wollen Restaurant- und Barbetreiber allerding nicht wirklich glauben und haben massive Proteste gegen die fortgesetzte Schließung angekündigt.

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Im Moment versuchen die Alpenländer noch eine einheitliche Linie in der Corona-Krise zu finden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dringt darauf, bis zum 10. Januar alle europäischen Skigebiete geschlossen zu halten, um neue Corona-Ausbrüche wie im österreichischen Ischgl im vergangenen Winter zu verhindern. Auch Italien befürwortet dies.

Österreich schwimmt gegen den Strom

Aus dieser Phalanx schert allerdings Österreich aus – das Land, in dem das berühmt-berüchtigte Ischgl liegt. Jenes Städtchen, das den zweifelhaften Ruf des europäischen Hotspots erworben hat. Österreich will den Skibetrieb auch in diesem Winter aufrechterhalten und nur Après-Ski untersagen. „Urlaub in Österreich ist sicher“, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger dem „Spiegel“. Das Land ergreife „alle Maßnahmen, um sicheren Urlaub zu ermöglichen“, sagte sie mit Verweis auf Maskenpflicht und Abstandskonzepte. „Man holt sich das Virus nicht draußen beim Skifahren“, betonte Köstinger. Die Frage aber ist, was passiert in den überfüllten Gondeln oder auch beim Anstehen an den Liften.

Brutale Räumung eines Flüchtlingscamps in Paris

Immer wieder werden in Frankreich illegale Flüchtlingslager geräumt – doch nicht immer sind die Aktionen so spektakulär wie in der Nacht auf Dienstag auf dem Place de la République in Paris. Die Runde machen wieder einmal unschöne Bilder von reichlich brutal vorgehenden Polizisten, die auch vor dem Einsatz von Tränengas nicht zurückschrecken.

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Aktivisten bauen ein Flüchtlingslager

Aktivisten hatten am Montag mehrere Hundert Zelte für Flüchtlinge auf dem zentralen Platz in Paris aufgebaut. Ausgangspunkt war die Räumung eines Flüchtlingscamps unter einem Autobahnzubringer im Vorort Saint-Denis. Hunderte Migranten sind seitdem ohne Unterkunft.

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Die Polizei wartet nicht lange

Die Polizei rückte etwa eine Stunde nach dem Aufbau des Camps auf der Place de la République an. Die Beamten trugen die Zelte weg, in denen sich teilweise noch Flüchtlinge befanden. Später setzten sie dann auch Tränengas gegen die Migranten und ihre Unterstützer ein.

Die Pariser Polizeiführung erklärte, das Lager sei geräumt worden, weil es illegal gewesen sei. Die Polizei habe die Migranten „eingeladen“, sich anderswo eine vom Staat oder Hilfsgruppen angebotene Unterkunft zu suchen. Hilfsorganisationen und Pariser Abgeordnete sagten, sie hätten die Zelte errichtet, um auf das Leid von Migranten aufmerksam zu machen, die vergangene Woche aus einem anderen Lager nahe dem Nationalstadion vertrieben worden seien. Mangels anderer Optionen hätten sie seither auf der Straße geschlafen.

Die meisten der Menschen stammen aus Afghanistan, Somalia und Eritrea. Bei manchen sei der Asylantrag abgelehnt worden, andere hätten ihn noch nicht gestellt und fielen damit durch die bürokratischen Raster, sagte Torre.

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Angriff auf Journslisten?

„Sie sind zu gewalttätig. Wir wollen nur ein Dach über dem Kopf“, sagte der afghanische Flüchtling Shahbuddin nach Medienberichten. Ein Journalist des Online-Mediums „Brut“ wirft einem Beamten vor, ihn drei Mal angegriffen zu haben. „Wir werden die Polizeipräfektur und das Innenministerium um Erklärungen bitten“, erklärte „Brut“.

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Der Innenminister reagiert „schockiert“

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin nannte die Bilder von der Räumung des Lagers „schockierend“. Er forderte vom Polizeipräfekten einen Bericht an. Sobald dieser vorliege, werde er über weitere Schritte entscheiden, schrieb Darmanin im Onlinedienst Twitter.

Die Polizeipräfektur und die Präfektur der Region Ile-de-France erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, der Aufbau nicht genehmigter Flüchtlingslager sei „nicht hinnehmbar“. Die Polizei sei eingeschritten, um die „illegale Besetzung des öffentlichen Raums“ zu beenden.

Zusammenhang mit neuem Gesetz?

Der Linkspolitiker Éric Coquerel, der selbst vor Ort war, bezeichnete das Verhalten der Polizei als „unverhältnismäßig“. Er sei von der Polizei herumgeschubst worden, sagte er dem Sender Franceinfo. Es sind nun vor allem Videos im Netz, die das Vorgehen der Polizei dokumentieren. Gleichzeitig wird im Parlament über das sogenannte globale Sicherheitsgesetz debattiert, das der Regierung zufolge die Polizei besser schützen soll.

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Ein umstrittener Paragraf sieht vor, dass die Veröffentlichung von Bildern von Sicherheitsbeamten im Einsatz bestraft werden kann, wenn sie das Ziel verfolgt, die körperliche oder seelische Unversehrtheit der Polizistinnen oder Polizisten zu verletzen. Medienschaffende sehen darin einen Angriff auf die Pressefreiheit und fürchten Repressionen bei Demonstrationen.
„Für mich liegt auf der Hand, dass, wenn sich die Polizei auf den Straßen von Paris so etwas erlaubt, es offensichtlich mit dem globalen Sicherheitsgesetz zusammenhängt“, sagt Linkspolitiker Coquerel.

Innenminister lässt prüfen

Innenminister Gérald Darmanin schaltete am Dienstag die Polizei-Aufsichtsbehörde ein, die als mächtige „Polizei der Polizei“ gilt.

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Paris: Illegale Corona-Party im Eisenbahntunnel

In Frankreich herrscht – anders als in Deutschland – ein ziemlich rigider Lockdown. Die meisten Franzosen halten sich daran, aber es gibt auch Ausnahmen. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist eine illegale Party aufgeflogen.

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Corona-Party in Paris

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Unter dem Motto „I want to break free“ haben zuletzt rund 300 junge Pariser im Osten der Hauptstadt an einem gut versteckten Ort eine illegale Rave-Party mitten im Lockdown gefeiert. Die Veranstalter sehen das ganze Event natürlich nicht als banale Party, sondern versuchen die Sache zu überhöhen. Sie erklären, dass es ein Akt des „Widerstands“ gegen die strengen Corona-Auflagen in Frankreich gewesen sei. Ganz nebenbei haben sie natürlich ziemlich gut abkassiert. Im ganzen Land sind alle Diskotheken geschlossen und private Feiern untersagt, die Menschen dürfen ihre Wohnungen nur aus triftigen Gründen verlassen.

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Die Location für die Party war gut gewählt. Sie fand in einem stillgelegten Eisenbahntunnel statt. Die Gäste wurden per Email eingeladen, die Tickets zum Preis von 15 Euro waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft, heißt es in einigen Berichten. Die Gastgeber hatten allerdings eine Auflage: die Gäste sollten einzeln oder in sehr kleinen Gruppen an den Ort im Osten von Paris kommen. So sollte vermieden werden, dass die Anwohner aufmerksam werden.

Die Partygäste mussten sich dann im Licht ihrer Handys den Weg durch den dunklen Eisenbahntunnel bis zu einer Halle bahnen, von wo die wummernden Bässe der Musik und die psychedelische Beleuchtung nicht nach außen drangen. Bilder und kurze Filme zeigen: Kaum jemand trug eine Maske, Abstandsregeln wurden nicht eingehalten.

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„Wir haben bereits Erfahrung damit“, sagte ein 27-jähriger Veranstalter, der seinen Namen nicht nennen wollte nach Angaben mehrerer Medien. „Wir können die Anlage in weniger als zwei Stunden irgendwo aufbauen und heimlich eine Party veranstalten.“ Organisatoren solcher Feiern drohen in Frankreich ein Jahr Haft und eine Geldstrafe von 15.000 Euro.

Vor allem die jungen Menschen klagen immer häufiger darüber, dass sie sich seit Monaten eingesperrt fühlen würden. Tatsache ist allerdings auch, dass am Anfang der zweiten Corona-Welle viele Studentenwohnheime zu Hotspot wurde, weil sich die jungen Leute nicht an die Regeln hielten. Danach haben einige Fakultäten beschlossen, ihren Betrieb einzustellen.

Mit fast 49.000 Todesfällen ist Frankreich eines der am stärksten betroffenen Länder Europas.

Corona: Erster Hoffnungsschimmer in Frankreich

In Frankreich macht sich vorsichtige Hoffnung breit. Nach Wochen der steigenden Zahlen, scheint die Infektionen inzwischen ihren Höhepunkt erreicht zu haben.

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Erstmals sei Wochen positive Nachrichten

Es ist die beste Botschaft, die die nationale Gesundheitsbehörde Santé publique seit vielen Wochen zu verkünden hat. Im Wochenbericht heißt es dort:

„Selbst wenn alle Werte auf hohem Niveau bleiben, legt ihre Auswertung nahe, dass der epidemische Höhepunkt der zweiten Welle überschritten ist.“

Gesundheitsbehörde Santé publique

Die Gründe für die sich andeutende Entspannung wurden von der Behörde auch nachgeliefert. Offensichtlich hätten die abendlichen Ausgangssperren in Großstädten wie Paris oder Lyon seit Mitte Oktober und der vor drei Wochen verhängte landesweite Lockdown eine „direkte Wirkung“ gehabt.

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Todesfälle haben sich stabilisiert

Erstmals seit einigen Wochen habe sich die Zahl der Todesfälle „stabilisiert“, hieß es. Zuletzt starben demnach innerhalb einer Woche gut 3750 Menschen an oder mit dem neuartigen Coronavirus – das war erstmals seit August ein Rückgang im Vergleich zur Vorwoche. Insgesamt wurden in Frankreich mittlerweile mehr als 47.000 Todesfälle gezählt.

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Entspannung auch in Kliniken

Zum ersten Mal seit Beginn der zweiten Welle seien auch die Krankenhaus-Einweisungen rückläufig, hieß es weiter. Zuletzt wurden in einer Woche knapp 17.400 Menschen ins Krankenhaus und gut 2700 auf Intensivstationen eingeliefert.

Dennoch will die Regierung vorerst an ihren strikten Maßnahmen festhalten. „Die Ausgangsbeschränkungen sind nicht beendet“, erklärte Gesundheitsminister Olivier Véran am Donnerstagabend. Die Regierung verweist darauf, dass die Intensivstationen immer noch zu rund 94 Prozent mit Corona-Patienten belegt sind.

Corona-Lockerung vor Weihnachten?

Allerdings prüft das Kabinett erste Lockerungen vor Weihnachten. Im Gespräch ist eine teilweise Öffnung der Geschäfte. Viele Franzosen hoffen zudem, ihre Familien zu Weihnachten besuchen zu können. Derzeit sind Reisen weitgehend untersagt, und auch das Verlassen der Wohnung ist nur aus triftigen Gründen erlaubt.

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Auch Frankreichs Regierungschef Jean Castex sieht das Land „auf einem guten Weg“ zu einer ersten Lockerung des Corona-Lockdowns. Wenn sich die Gesundheitslage weiter verbessere, könnten kleine Geschäfte „um den 1. Dezember herum“ wieder öffnen, sagte der Premierminister am Freitag bei einem Besuch in der bretonischen Gemeinde Crozon.

Die Vogeljagd mit Leimruten bleibt in Frankreich erlaubt

In Frankreich tobt seit Jahren ein sehr emotional geführter Streit um die Leimrutenjagd. Nur der Stierkampf scheint die Gemüter ähnlich aufzuwühlen. Gestritten wird durch alle Instanzen. Nun hat der Europäische Gerichtshof entschieden: diese archaische Art der Vogeljagd darf weiter ausgeübt werden.

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Grundsätzlich heißt: mit Ausnahmen

Bei der Leimrutenjagd werden die Vögel mithilfe von mit Kleber bestrichenen Zweigen gefangen werden. Das ist grundsätzlich in der gesamten Europäischen Union verboten – grundsätzliche heißt allerdings: mit Ausnahmen. Und diese Ausnahmen finden sich in einigen Regionen im Süden von Frankreich.

Dort kann die Jagdmethode nach Ansicht der zuständigen Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof (EuGH) unter bestimmten Umständen erlaubt bleiben. Voraussetzung sei unter anderem, dass dem Erhalt der Tradition ein „erhebliches kulturelles Gewicht“ zukomme, argumentierte Juliane Kokott am Mittwoch in Luxemburg in ihren Schlussanträgen. (Az. C-900/19)

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Tierschützer haben geklagt

Zwei Tierschutzvereinigungen hatten gegen die französische Regelung geklagt, die den Einsatz von Leimruten zum Fangen von Drosseln und Amseln in fünf Départements erlaubt. Der französische Staatsrat fragte den EuGH, ob die Regelung mit dem europäischen Vogelschutz vereinbar sei.

Unabhängig von ihrer kulturellen Bedeutung könne sie dies nur sein, wenn die Jagd streng überwacht und auf wenige Exemplare beschränkt werde, erklärte die Generalanwältin. Zudem müsse gesichert sein, „dass der ungewollte Fang von Vogelarten und seine Konsequenzen“ im Vergleich zu der kulturellen Bedeutung der Fangmethode hinnehmbar seien. Der EuGH muss der Generalanwältin in seinem Urteil nicht folgen, tut dies aber oft.

Niederlage auch für die Politik

Im August hatten viele noch gehofft, dass diese Art der Jagd verboten wird. Auch die Umweltministerin. Doch nun muss sie auf eurpäischer Ebene eine Niederlage einstecken.

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Radiosender erklärt viele lebende Promis für tot

Peinliche Panne beim französischen Radiosender RFI, der veröffentlicht aus Versehen zahlreiche vorgefertigte Nachrufe

Die Nachrufe waren für kurze Zeit auf der Homepage des Senders zu finden

Die Frage nach dem Danach

Was erzählen sich die Leute nach meinem Tod über mich? Jeder Mensch hat sich diese bange Frage nach der finalen Abrechnung seines Lebens schon einmal gestellt. Überwiegt in der kollektiven Erinnerung das Gute oder gibt es mehr Schatten? Knapp einhundert Prominente haben nun das Glück – oder ist es eher Pech? – zu wissen, was die Nachwelt über den Verlauf ihres Erdendaseins denkt. Der französische Radiosender RFI hat versehentlich knapp einhundert vorgefertigten Nachrufe von noch lebenden Persönlichkeiten veröffentlicht. Zu den auf der Website des Senders gewürdigten Berühmtheiten zählten unter anderem die britische Königin Elizabeth II., der brasilianische Fußball-König Pele und die französische Schauspielerin Brigitte Bardot.

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Die Texte verbreiten sich lawinenartig

Die Texte standen zwar nur kurz auf der Hompage des Radiosenders, aber einmal online gegangen, war das mediale Unglück nicht mehr aufzuhalten. Denn die Nachrufe wurden automatisch auch auf dem Nachrichtendienst Twitter veröffentlicht, dort griff sofort die Suchmaschine Google zu, was auch mehrere Plattformen wie Yahoo und MSN auf die Texte aufmerksam machte.

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Der Sender entschuldigt sich für das Missgeschick

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Der Sender erntet viel Spott

Die Verantwortlichen bei RFI sind natürlich untröstlich und werfen sich vor ihren Hörern und vor allem den beschriebenen Prominenten in den Staub. Die Veröffentlichung der Nachrufe hatte im Netz zu zahlreichen Reaktionen geführt – von Verwirrung über Unverständnis bis hin zu Spott. „Wir arbeiten hart daran, diesen großen Bug zu beheben und entschuldigen uns bei den Betroffenen und bei Ihnen, die uns folgen und uns vertrauen“, teilte der Sender auf Twitter mit. Und dann gab RFI einen kleinen Einblick in das Tagesgeschäft. Die Nachrufe seien vorgeschrieben worden, um schnell auf einen tatsächlichen Todesfall reagieren zu können, hieß es in einer Erklärung. Das sei eine gängige Praxis im Journalismus, da ein fundiert recherchierter und gut geschriebener Nachruf mehrere Tage Arbeit benötige. In unserer schnelllebigen Medienwelt erwarte die Öffentlichkeit aber gerade beim Ableben einer prominenten Person rasche Informationen.

Bernard Tapie reagiert entspannt

Wenig erstaunt über seinen Nachruf dürfte der französische Geschäftsmann und Ex-Minister Bernard Tapie gewesen sein. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Tageszeitung „Le Monde“ aus Versehen einen Text über dessen Ableben veröffentlicht. Tapie reagierte mit Humor und zitierte Mark Twain, der ebenfalls bereits zu Lebzeiten das zweifelhafte Vergnügen hatte, in einer Zeitung den auf ihn verfassten Nekrolog lesen zu dürfen. Der Schriftsteller bemerkte damals trocken: „Die Nachricht von meinem Tod ist stark übertrieben.“

Ritterschlag in Frankreich für Anselm Kiefer

Im Zuge der Ehrung des französischen Schriftstellers Maurice Genevoix werden sechs Werke des deutschen Künstlers werden im Pathéon aufgestellt

Anselm Kiefer (links) und der französische Komponist Pascal Dusapin im Panthéon in Paris.

Viel der Ehre für Anselm Kiefer

Diese Geste gefällt nicht allen Franzosen. Ein deutscher Künstler wird mit seinen Werken ins Panthéon in Paris einziehen, die nationale Ruhmeshalle, Grabstätte der größten französischen Persönlichkeiten. Sechs mächtige Skulpturen von Anselm Kiefer werden in Zukunft im Querschiff des symbolträchtigen Gebäudes stehen. Es ist das erste Mal seit fast 100 Jahren, dass neue Kunstwerke im Panthéon aufgestellt werden. Zuletzt wurde im Jahr 1924 dem französischen Bildhauer Louis-Henri-Bouchard mit seiner monumentalen Skulptur „Aux héros morts inconnus“ (Den unbekannten toten Helden) diese große Ehre zuteil.

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Maurice Genevoix kommt ins Panthéon

Doch nicht Anselm Kiefer, der seit fast 30 Jahren in Frankreich lebt, steht im Mittelpunkt einer symbolträchtigen Zeremonie am Mittwoch, sondern der französische Schriftsteller Maurice Genevoix, dessen sterbliche Überreste ins Panthéon überführt werden. Dort wird er neben 70 Männern und fünf Frauen aufgebahrt werden. Das berühmteste Werk Genevoix‘ trägt den Titel „Ceux de 14“, ein vierbändiges Werk über die Grauen des Ersten Weltkrieges. Er hatte an den Kämpfen an der Marne und bei Verdun teilgenommen und wurde schwer verletzt. Aus diesem Grund ist seine Überführung auch eine tiefe Verneigung vor den französischen Kriegsteilnehmern, die in jener Zeit des Infernos ihr Leben lassen mussten. Der 11. November, der Tag des Waffenstillstandes, wird in Frankreich jedes Jahr feierlich begangen.

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Zeremonie für den Schriftsteller

Die sichtbare Verbindung zwischen Maurice Genevoix und den Toten des Krieges knüpft Präsident Emmanuel Macron. Vor der Zeremonie im Panthéon wird er am Grabmal des unbekannten Soldaten am Arc de Triomphe in Paris einen Kranz niederlegen. Wenn danach der Sarg des Schriftstellers in der Ruhmeshalle auf dem Hügel der heiligen Genoveva aufgebahrt wird, wird ein Musikstück des zeitgenössischen französischen Komponisten Pascal Dusapin aufgeführt – auch das eine Premiere. 70 Lautsprecher sollen das Vokalstück im Innern des Gebäudes in eine Klangwolke verwandeln. Stellvertretend für die Opfer des Ersten Weltkrieges werden die Namen von 15.000 gefallenen Soldaten vorgelesen.

Eine Initiative von Macron

Der Auftrag an Anselm Kiefer kam vom französischen Präsidenten Macron persönlich, der den deutschen Künstler im Jahr 2018 in Aachen getroffen hatte. Der Politiker ist offenbar beeindruckt von der Art, wie sich Kiefer Zeit seines Schaffens mit der emotionalen Zerrissenheit kultureller Identität gegenüber der Verstrickung in historische Schuld auseinandersetzt. Zudem repräsentiert sein Pendeln zwischen Deutschland und Frankreich eine gelebte, sehr produktive Verbindung zwischen den beiden einst verfeindeten Staaten. Hinzu kommt eine überwältigende haptische Materialität der Werke Kiefers, dessen Lieblingswerkstoffe Asche und Blei sind.

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Eine Stimme des Krieges

Für das Panthéon hat Anselm Kiefer sechs monumentale Vitrinen aus Glas und Stahl geschaffen, drei Meter hoch und fast sechs Meter breit. Zwischen bedrohlichem Blei und Stacheldraht sind dort auch getrocknete Mohnsamen zu finden, eine Erinnerung an die im Kampf getöteten Soldaten. Am Fuß der Skulpturen finden sich Zitate von Maurice Genevoix, der Mann der in Frankreich dem Grauen des Kriegs eine Stimme gegeben hat.

Boykottaufrufe in Frankreich gegen Amazon

Die Buchhändler kämpfen in der Corona-Krise ums Überleben. Es wird während des Lockdowns zwar mehr gelesen, bestellt wird allerdings im Internet.

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Eine Werbung in Frankreich, die die Franzosen davon überzeugen soll, nicht bei dem US-Unternehmen Amazon zu kaufen.

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Heftiger Streit um Amazon

Unruhige Zeiten für Amazon in Frankreich. Dabei wurde der US-Versandhändler ohne eigenes Verschulden in einen Streit hereingezogen, in dessen Zentrum er nun steht. Denn der Konzern macht nichts Unlauteres: er liefert Bücher. Doch in den angespannten Zeiten von Corona kann auch das Alltägliche schnell zu einem Politikum werden. Inzwischen hat das Amazon-Thema in Frankreich die höchsten Ministerebenen erreicht.

Ausgangspunkt ist eine Anordnung der französischen Regierung, dass im Zuge des rigiden Corona-Lockdowns im Land alle „nicht relevanten“ Geschäfte schließen müssen. Dazu zählen in diesem Fall auch Buchhändler. Doch der Aufschrei angesichts dieses Schrittes ist groß – egal ob links, mitte oder rechts im politischen Spektrum.

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Initiative gegen Amazon

An vorderster Front kämpfen die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, und der französische Schriftsteller Sylvain Tesson. Sie haben die Initiative „Entzündet das Licht in unseren Buchläden“ ins Leben gerufen. Das ist ein sehr poetisches Motto, die Ziele sind allerdings knallhart, denn sie fordern, dass die Geschäfte wieder öffnen dürfen, da ansonsten eine Pleitewelle drohe. „Die Pariser betrachten ihre Buchhandlung als unverzichtbares Gut“, erklärte Anne Hidalgo. Und dann plädierte sie an die Einwohner der Metropole. „Kaufen Sie bei ihrem Buchhändler. Sie können Ihr Buch dort bestellen und abholen.“

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An dieser Stelle nun kommt das Unternehmen Amazon ins Spiel. Zwar kaufen die Franzosen während des Lockdowns mehr Bücher, die bestellen sie aber sehr oft bei dem Versandhändler. Der liefert die Ware direkt ins Haus, was ein gutes Argument ist, wenn man in Frankreich pro Tag nur eine Stunde aus dem Haus darf und sich auch nicht weiter als einen Kilometer von seiner Wohnung entfernen sollte.

„Kaufen Sie nicht bei Amazon“

Natürlich freut sich Anne Hidalgo, dass ihre Landsleute mehr lesen. Allerdings ärgert sie sich, dass davon vor allem der US-Gigant Amazon profitiert. In einem Interview mit dem Sender BFM.TV sagte sie deshalb: „Kaufen Sie nicht bei Amazon!“ Und weiter: „Ich sage es ganz deutlich: Amazon ist der Tod unserer Buchhandlungen und unseres nachbarschaftlichen Lebens.“

Rückendeckung erhielt die Bürgermeisterin von der französischen Kultusministein Roselyne Bachelot. Sie versprach, dass die französischen Buchhandlungen von „erheblich reduzierten“ Postgebühren für den Versand bestellter Bücher profitieren werden. Dann legte sie nach. „Kaufen Sie keine Bücher auf digitalen Plattformen“, sagte sie dem Sender LCI. Doch das schien ihr offensichtlich nicht deutlich genug. Denn dann empfahl Roselyne Bachelot den Franzosen offen, sich nicht an das amerikanische Unternehmen zu wenden, dessen wirtschaftliches, soziales und ökologisches Modell seit vielen Jahren in der Kritik stehe. „Amazon sackt die Gewinne ein, es liegt an uns, dass es nicht so kommt“, sagte sie.

Die Regierung hilft den Händlern

Dann ging die französische Regierung mit der Unterstützung der Händler noch einen Schritt weiter. Man ließ wissen, dass unabhängigen Buchhändlern wegen der Zwangsschließung ihrer Läden die Versandkosten vollständig ersetzt würden. Dies solle es kleinen Händlern ermöglichen, „mit großen Internetplattformen“ in Konkurrenz zu treten, erklärte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire, offensichtlich beeindruckt von den mehrtägigen Protesten der Buchhändler.

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Inzwischen bekommen die kleinen Händler in der Corona-Krise Unterstützung von unerwarteter Seite. Die Supermarktkette Intermarché kündigte eine „solidarische Initiative“ an, damit Buchhändler und andere von der Schließung betroffene Einzelhändler ihre Produkte über deren Internetseiten vertreiben können. Nicht alle kleinen Geschäfte seien in der Lage, über das Internet zu verkaufen, sagte der Intermarché-Vorsitzende Thierry Cotillard. Beworben wird diese Initiative mit dem griffigen Slogan: „Désolé Amazon“ – Es tut uns leid, Amazon.

Rettet Corona manchem Wildschwein das Leben?

In Frankreich herrscht ein rigider Lockdown. Die Jäger wollen weiter auf die Pirsch, doch darüber gibt es Streit

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Die Verwerfungen um die Jagd in Corona-Zeiten sind nicht ganz einfach zu klären

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Millionen besitzen einen Jagdschein

Das Jagen ist in Frankreich eine überaus populäre Angelegenheit. Weit über eine Million Menschen besitzen einen Jagdschein und freuen sich alljährlich auf den Herbst, wenn die Jagdsaison eröffnet wird. Dieses Mal gibt es allerdings ein Problem: im ganzen Land gilt ein rigider Corona-Lockdown. Das heißt, jeder darf sein Haus pro Tag nur mit einem guten Grund für eine Stunde verlassen und kann sich dann ausschließlich im Umkreis von einem Kilometer seiner Wohnung bewegen.

Die französischen Jäger haben allerdings eine gut funktionierende Lobbyabteilung, deren Einfluss auch in dieser Ausnahmesituation bis nach Paris reicht. Die Politik hatte also ein Einsehen und Bérangère Abba, Staatssekretärin für Biodiversität, verkündete auf dem Nachrichtendienst Twitter, dass für die Waidmänner während des Lockdowns allerlei Ausnahmen gelten würden. So sollte etwa die Jagd auf Wildschweine, die in den Wäldern große Schäden anrichten, weiter möglich sein.

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Die Jäger wollen mehr Tiere jagen

Die Schar der Jäger jubelte, zumal Willy Schraen, Präsident der nationalen Jägervereinigung, flugs erklärte, dass diese Ausnahmen natürlich auch für Hasen, Fasanen und Tauben gelten würden und eine Stunde der „waidmännischen Entspannung“ durchaus erlaubt sei. Diese Ankündigung löste allerdings einen Sturm der Entrüstung aus. Bastien Lachaud, Parlamentsabgeordneter der linken Partei La France Insoumis, empörte sich über den „unglaublichen Skandal“, dass kleine Geschäfte und Buchläden schließen müssen und die Jäger ihrer Freizeitbeschäftigung nachgehen dürfen.

Staatssekretärin Bérangère Abba sah sich folglich genötigt, den obersten Jäger zurückzupfeifen und erklärte ausdrücklich, dass ausschließlich Wildschweine und Rotwild gejagt werden dürften – oder vielleicht der eine oder andere Kormoran, die in den Fischzuchtanlagen enorme Schäden anrichten würden.

Jäger fürchten dramatische Konsequenzen

Das aber ist Jean Guichou, Direktor des Jägerverbandes im Département Ariège, zu wenig. Er prophezeite „dramatische Konsequenzen“, wenn die Jagd zu sehr eingeschränkt würde. Die Zahl der Autounfälle mit Wild könnten sprunghaft ansteigen und er warnte vor Ernteausfällen. Guichou sieht sogar die Biodiversität der Wälder in Gefahr, sollte eine Tierpopulation zu stark zunehmen.

Umweltschützer sind empört

Da platze Allain Bougrain-Dubourg, Präsident der französischen Vogel- und Umweltschützer, der Kragen. Er warf den Jägern Scheinheiligkeit vor und wird dabei sehr grundsätzlich. Die würden sich doch nicht um die Natur, sondern vor allem um ihr Freizeitvergnügen kümmern. Im Winter würden etwa die Wildschweine durchgefüttert, damit sie im nächsten Herbst abgeschossen werden könnten. Statt nur mit dem Gewehr durch den Wald zu pirschen, sollten sich die Waidmänner um eine anständige Hege und Pflege kümmern. Beide Seiten tauschen inzwischen täglich im für die sozialen Medien gängigen Ton ihre Argumente für und gegen die Jagd aus und es wird deutlich, dass das große Halali in dem Streit also noch nicht geblasen ist.