Französische Youtuber landen einen Corona-Hit

Die beiden Jungs sind in Frankreich Youtube-Stars. In der Regel blödeln Mcfly und Carlito durch die Welt, doch nun haben sie mit einer eher ersten Sache einen Hit gelandet: ihr Musikvideo über die Corona-Regeln in Frankreich wurde in kürzester Zeit zehn Millionen Mal abgerufen. Nun wartet eine Belohnung auf sie.

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Ein Blick auf die Instagram-Seite von Mcfly und Carlito verrät, in welche Richtung ihre Kunst geht!

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Eine „Provokation“ des Präsidenten

Schuld hat eigentlich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Er hat Mcfly und Carlito in einer kurzen Videobotschaft aufgefordert einen Clip über die Corona-Regeln zu machen und damit die Schallmauer von zehn Millionen Klicks zu schaffen.

Auf Instagram haben die beiden nun die frohe Botschaft verkündet: die zehn Millionen Aufrufe sind erreicht.

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Die Wettschulden den Präsidenten

Natürlich fordern sie nun von Emmanuel Macron, dass auch er sich an seinen Teil der Abmachung hält. Er hatte versprochen, dass das Duo im Élyséepalast drehen darf. Der Präsident ließ Mcfly und Carlito postwendend seine Glückwünsche ausrichten und lud sie in seinen Regierungssitz ein.

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Von Regeln und von Verstößen

In dem Musikvideo „Je me souviens“ (Ich erinnere mich) erzählen die beiden Youtuber von Regel-Verstößen und auch von sich einschleichender Corona-Müdigkeit. An den Präsidenten gerichtet singen sie aber: „Ich verspreche dir, Manu, ich pass auf, für meine Kinder und Frankreich.“ Auch Präsident Macron hat in dem Video einen Gastauftritt. Sein Kopf ist in den Himmel eingeblendet, während der Staatschef noch einmal erklärt, worauf es ankommt: Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen, lüften und Versammlungen vermeiden.

Blutige Kämpfe zwischen Banden werden in Frankreich zum Problem

In Paris sind bei Bandenschlägereien zwei Jugendlich getötet worden. Die Zahl der Auseinandersetzung zwischen den rivalisierenden Gruppen rapide an – und werden immer brutaler. Grund ist oft der Kampf um die Vorherrschaft im Drogenhandel.

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Frankreichs Innenminister Darmanin verspricht den Franzosen mehr Polizisten auf den Straßen. Sie sollen die Banden unter Kontrolle halten.

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Kämpfe mit größter Brutalität

Die Toten sind im Grunde noch Kinder. In Frankreich sind ein 13-Jähriger und ein 14-jähriges Mädchen bei zwei Schlägereien zwischen rivalisierenden Banden gestorben. Geschockt sind die Franzosen allerdings nicht nur wegen des Alters, sondern auch angesichts der Brutalität der Auseinandersetzungen, die mit Messern und Baseballschlägern ausgetragen wurden.

Die Prügeleien haben nach Angaben der Polizei unabhängig voneinander in zwei Vororten von Paris stattgefunden. Die zuständige Staatsanwältin Caroline Nisand erklärte am Mittwoch, im Fall des getöteten Mädchens seien in Saint-Chéron sechs Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren festgenommen worden. Einer der Verdächtigen habe die Tat gestanden. Die Justiz ermittele unter anderem wegen Mordes und schwerer Gewalt gegen Minderjährige sowie unterlassener Hilfeleistung. Zuletzt war Ende Januar in Paris ein 15-Jähriger ins Koma geprügelt worden. Die verstörenden Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten, wie mehrere Jugendliche mit allergrößter Brutalität auf einen leblos auf dem Boden liegenden Körper eintreten.

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Die Politik will hart durchgreifen

Aus diesem Grund fuhr im aktuellen Fall sogar der französische Innenminister Gérald Darmanin unverzüglich in das Département Essonne, dem Ort beider Schlägereien. In einem auf Twitter veröffentlichten Video versprach der als Law-and-Order-Mann bekannte Politiker ein hartes Durchgreifen und kündigte an, etwa hundert Polizisten und Gendarmen so lange wie notwendig zusätzlich in der Gegend zu stationieren. Darmanin sprach von einer „Explosion gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Banden oder Gruppen junger Menschen“, auf die reagiert werden müsse.

Die Zahlen geben dem Innenminister Recht. Die Polizei registriert für das Jahr 2020 in einem Bericht 357 Zusammenstöße rivalisierender Gruppen. Das ist eine Steigerung von rund 25 Prozent zum Vorjahr. Diese Zahl wird von den Verantwortlichen mit großer Besorgnis zur Kenntnis genommen, da 2020 gekennzeichnet war durch Corona-Ausgangssperren und einen monatelangen rigiden Lockdown, die Zahl dieser Delikte hätte also eigentlich sinken müssen.

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Die meisten Banden agieren in Paris

Die allermeisten dieser Bandenkriege wurden im Großraum Paris ausgetragen. Dort zählt die Polizei fast 50 miteinander konkurrierende Gangs, die ihr „Territorium“ gegen die Rivalen verteidigen. Das Durchschnittsalter der Bandenmitglieder liegt bei knapp 17 Jahren. „Wir sind seit Jahrzehnten mit diesem Phänomen konfrontiert“, erklärt ein Sprecher der Polizeigewerkschaft Allianz. „Neu aber ist, dass die Mitglieder immer jünger und auch brutaler werden.“

Bei den Auseinandersetzungen zwischen den Banden geht es nach Aussagen der Experten des französischen Innenministeriums inzwischen vor allem um den Drogenhandel und die Kontrolle von Umschlagplätzen. Gekämpft werde oft um bestimmte Straßenzüge oder auch U-Bahn-Ausgänge. Über soziale Kanäle wie Snapchat oder TikTok würden sich die rivalisierenden Banden zum Kampf verabreden.

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Tätersuche der Polizei im Internet

Das macht sich inzwischen aber auch die Polizei zunutze und versucht, solche gewalttätigen Auseinandersetzungen bereits im Vorfeld zu verhindern. Dazu durchkämmen speziell ausgebildete Beamten die sozialen Netzwerke auf der Suche nach solchen „Verabredungen“ und ordnen im Notfall auch präventive Einsatz der Sicherheitskräfte an. Aber auch vor Ort werde versucht, die neuralgischen Plätze zu entschärfen, etwa über die Beleuchtung und die Installation von Überwachungskameras. In diesem Zusammenhang beklagt der Sprecher der französischen Polizeigewerkschaft Allianz allerdings den Personalmangel bei den Sicherheitskräften, die „nicht überall sein können, wo sie gebraucht werden“. Einziger Trost der Beamten sei inzwischen, dass bei den brutalen Schlägereien zwischen den Banden bisher nur sehr selten Schusswaffen benutzt würden.

Dramatische Corona-Zahlen in drei Regionen Frankreichs

Frankreichs Premierminister klingt nicht wirklich optimistisch. „Wir nähern uns einem komplizierten Monat März“, warnte Jean Castex seine Landsleute angesichts der Lage in Nizza – und zu jenem Zeitpunkt war die verheerende Situation in der nordfranzösischen Küstenstadt Dunkerque noch nicht bekannt. Hier ein Überblick über die aktuelle Lage in Frankreich:

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Die Lage in Frankreich im Überblick – Grafik von „Le Parisien“

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Dunkerque (Dünkirchen) und der Norden

Mit einer Inzidenzrate von 901 Fällen pro 100.000 Einwohner in Dunkerque ist eine alarmierende Entwicklung eingetreten. „Wir befinden uns eindeutig nicht mehr auf einer Welle, wir befinden uns auf einer Flut“, kommentiert Christophe Couturier, Leiter der Notfälle im Krankenhaus von Dunkerque die Situation.

Auch Jean Castex reagierte schnell und erklärte, dass die Corona-Maßnahmen in der Stadt der Entwicklung angepasst werden müssten. Die Verantwortlichen erklärten, dass in Dunkerque eine außerordentlich hohe Rate der englischen Corona-Variante aufweise. Mediziner sprechen von etwa 72 Prozent der identifizierten Fälle. „Wenn strenge Maßnahmen zur Eindämmung notwendig sind, müssen diese zumindest an den Wochenenden ergriffen werden“, sagte Jean-René Lecerf, der Präsident des Département-Rats Nord, dem Sender Franceinfo.

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Zwar ist die Inzidenzrate in Dunkerque sehr hoch, ist im restlichen Département Dünkirchen jedoch weniger besorgniserregend. Mit 293 Fällen pro 100.000 Einwohner ist es viel höher als der nationale Durchschnitt (201,7 Fälle pro 100.000 Einwohner), aber immer noch viel niedriger als das der Alpes-Maritimes (583,2). Aber auch im benachbarten Pas-de-Calais steigen die Zahlen und und haben um mehr als 15 Prozentpunkte zugenommen. Gezählt werden nun über 340 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Moselle und Grand Est

Im der Region Grand Est betrug die Inzidenzrate in den letzten sieben Tagen 315 positive Fälle pro 100.000 Einwohner – das sind fast zehn Punkte mehr als in der Vorwoche. Der Nachbar Deutschland bereitet sich darauf vor, im Notfall das französische Département als „Hochrisikogebiet“ einzustufen.

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Ein großes Problem ist die Belegung der Klinken. „Der Druck in Krankenhäusern steigt weiter an, da 547 Personen in die Kliniken eingeliefert wurden, darunter 86 in der Intensivmedizin“, warnt Lamia Himer von der Agence régionale de Santé (ARS) in Grand Est. Die Auslastung der Intensivbetten betrage 95 Prozent. In dieser Region bereitet vor allem die südafrikanische Corona-Variante Sorgen. „Mehr als ein Drittel der Krankheitsfälle sind südafrikanischen Ursprungs“, erklärte Gesundheitsminister Olivier Véran bei einem Besuch vor Ort. In keiner anderen Region Frankreichs seien solchen Infektionsraten zu beobachten.  

Paris und Île-de-France

„Die Situation ist seit mehreren Wochen angespannt. Die Zahl der Kranken in den Intensivstationen nimmt stetig und langsam zu“, erklärte der Pariser Krankenhausdirektor Martin Hirsch gegenüber France Inter. „Im Januar hatten wir 25 Aufnahmen pro Tag. Heute haben wir jeden Tag 50.“

In Paris wurde in den letzten sieben Tagen eine Inzidenzrate von 290,8 Fällen pro 100.000 Einwohner gezählt, eine Zahl, die weit über dem nationalen Durchschnitt (201,7) liegt. In der Hauptstadt lag die Belegungsrate der Intensivbetten bei 57 Prozent, in Île-de-France bei 66 Prozent.

Alpes-Maritimes

Für Teile von Frankreichs Mittelmeerküste ist zuletzt wegen der starken Ausbreitung des Coronavirus ein Teil-Lockdown verhängt worden. An den kommenden beiden Wochenenden soll für die städtische Küstenregion des Département Alpes-Maritimes ein Lockdown gelten. Angesichts der Varianten sei es dringend notwendig, zu handeln, wo immer es nötig sei, sagte Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi dem Sender BFM TV.

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Die Küstenmetropole ist besonders schwer getroffen. Im gesamten Département liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, also der sogenannte Inzidenzwert, bei mehr als 580. In der Küstenstadt Nizza liegt der Wert bei weit über 700. Besorgnis wird auch wegen der Überlastung der Krankenhäuser und Intensivstationen geäußert. Vor allem in Nizza gibt es praktisch keine freien Betten mehr.

Die Lage in Frankreich

Insgesamt ist die Corona-Situation in Frankreich weiter angespannt, aber die Lage war recht stabil. Allerdings ist der landesweite Inzidenzwert zuletzt wieder leicht auf mehr als 200 angestiegen. Im gesamten Land gilt seit mehreren Wochen eine strenge Ausgangssperre ab 18 Uhr. Anders als in Deutschland sind Schulen und Einzelhandel weitgehend geöffnet.

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Ist vegetarisches Essen auch eine Mahlzeit?

In Frankreich wird über das Schulessen gestritten. Der Grund: In Lyon bekommen die Schüler nur noch ein fleischloses Essen, das sorgt bei manchen Politikern für große Empörung. Und natürlich sind auch die Bauern mit auf der Straße.

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Sind vegetarische Mahlzeiten ein ausgewogenes Essen?

In Frankreich ist ein erbitterter Streit um das Schulessen ausgebrochen. Die fundamentale Frage ist, ob eine vegetarische Mahlzeit ein ausgewogenes Essen sein kann. Auslöser ist die Entscheidung, dass in Lyon für die Schüler in den Mensen nur noch ein fleischloses Gericht aufgetischt wird. Ins Feld geführt wird von den Kritikern unter anderem die Gesundheit der Kinder, in Wahrheit scheint die Auseinandersetzung aber eine politisch hochbrisante Angelegenheit zu sein. Eskaliert ist der Streit schließlich, als sich die hohe Politik in Paris ziemlich brachial eingeschaltet hat.

Innenminister Gérald Darmanin geht es bei seiner Wortmeldung via Twitter allerdings nicht nur um das Wohl der Kinder. Er bezeichnete es als „inakzeptable Beleidigung“ für die französischen Landwirte und Metzger, dass in der Stadt im Südosten Frankreichs nur noch fleischloses Schulessen ausgegeben wird. Und das ausgerechnet in Lyon, das ist für seine exquisiten Fleischgerichte im ganzen Land berühmt ist. 

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Die Minister proben die verbale Attacke

Rückendeckung erhält Darmanin von Landwirtschaftsminister Julien Denormandie, der hinter dem vegetarischen Schulessen einen grünen Verbots-Wahn vermutet. Er schreibt auf Twitter: „Lasst uns aufhören, unseren Kindern Ideologie auf den Teller zu legen!“ Man solle ihnen geben, was sie zum Wachsen brauchen. Dazu gehöre auch Fleisch. Und natürlich gehen in Frankreich auch die Gewerkschaften und Interessenvertretungen auf die Barrikaden. „Genug ist genug!“ ist ein empörtes Communiqué überschrieben, das die Bauerngewerkschaft des Départements Rhône und die Jungen Landwirte gemeinsam verfasst haben. Beide Organisationen wollen am Montag vor das Rathaus in Lyon ziehen und gegen die Maßnahme öffentlich protestieren.

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Die Verantwortlichen in Lyon verstehen die ganze Aufregung allerdings nicht wirklich. Der grüne Bürgermeister Gregory Doucet erklärt, dass wegen der Corona-Pandemie mit dem Ende der Winterferien ein neues Hygienekonzept aufgestellt werden musste. Ziel sei es, in den Kantinen einen schnellen Ablauf bei der Ausgabe zu garantieren, weshalb nur ein Menü angeboten werde, das von allen Kinder gegessen werden könne. Zudem korrigierte er den Eindruck, dass das Essen vegetarisch sei, es enthalte zum Beispiel auch Fisch und Eier. Auch der Hinweis, dass die Maßnahme nur vorübergehend sei und nach der Corona-Pandemie in den Schulmensen wieder auf Normalbetrieb umgestellt werde, kann die aufgebrachten Gemüter nicht beruhigen.

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Zwei verschiedene politische Maßeinheiten?

Der grüne Bürgermeister Gregory Doucet kann sich zudem den süffisanten Hinweis nicht verkneifen, dass es in Lyon dieselbe Maßnahme mit denselben Begründungen bereits im vergangenen Jahr von Mai bis Juni während der ersten Corona-Welle gegeben habe. Entscheidender Unterschied: damals regierte in der Stadt Gérard Collomb, der zur Regierungspartei La République en Marche gehört. „Damals haben wir nichts von Ihnen gehört“, ätzt der Grüne Doucet in Richtung der Minister im fernen Paris und findet deren Argumentation schlicht lachhaft.

Der Bürgermeister ist trotz allen Widerstandes entschlossen, das vegetarische Menü in den Schulkantinen anzubieten. Er wolle sich nicht weiter an dem politischen Geplänkel beteiligen, „tausende Schüler warten darauf, dass sie versorgt werden“, erklärt Gregory Doucet. Das sei im Moment der Pandemie noch wichtiger geworden, da immer mehr Familien jeden Cent zweimal umdrehen müssten und darauf angewiesen seien, dass ihre Kinder zumindest in der Schule ein anständiges und vollwertiges Essen bekommen könnten. Doch die konservativen Politiker in Paris lassen es auf die Kraftprobe mit dem grünen Bürgermeister in Lyon ankommen. Nach dem Willen von Landwirtschaftsminister Denormandie soll nun der Präfekt des Départements Rhône erwirken, dass die Entscheidung der Stadtverwaltung wieder zurückgenommen wird. Und auch Innenminister Darmanin legte noch einmal verbal nach. Er erklärte, die „moralisierende und elitistische Politik der Grünen““ schließe die breiteren Schichten der Bevölkerung aus. „Viele Kinder bekommen nur in der Schulkantine Fleisch“, fügte der Minister hinzu, der sich einen Namen als beinharter Konservativer gemacht hat.

Ein kleines Stück kulinarische Freiheit

Die Wirte kämpfen in der Corona-Pandemie ums Überleben. In Frankreich bedienen inzwischen immer wieder Restaurants ihre Gäste am Tisch, obwohl das in Zeiten von Corona verboten ist. Der Staat will nun mit Strafen härter durchgreifen.

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Auch auf den Champs-Élysées haben die Restaurants geschlossen.

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Nur kurz einmal hinsetzen und Kaffee trinken

Angefangen hat alles mit einem Kaffee in der Mittagspause. „Du kannst doch schnell hinsitzen, um den Kaffee zu trinken“, schlug der Wirt vor. Neben dem Tresen, wo er die abgepackten Essen zum Abholen verkaufte, standen kleine Bistrotische und waren von der Straße aus nicht zu sehen. Laut Corona-Verordnung ist das natürlich verboten, aber es war ja nur kurz und ein entspanntes Schwätzchen in diesen einsamen Zeiten konnte nicht schaden. An den anderen Tischchen saß bereits eine Handvoll Gäste, alles Stammkunden, die dem kleinen Bistro in einem schicken Pariser Arrondissement auch in Zeiten der Pandemie die Treue hielten.

Einige Wochen später waren die Bistrotische am Mittag mit weißen Tischdecken überzogen. Es sei doch egal, ob man das Sandwich vor dem Lokal im Stehen isst oder hier sitzt, erklärte der Wirt – natürlich sei alles Corona-Konform und mit dem nötigen Abstand. Doch auch dabei sollte es nicht bleiben. Mitte Januar werkelte plötzlich wieder der Koch in der Küche, brutzelte am Herd Burger und dekorierte Salatschüsseln. Die Tische sind nun gedeckt und laden zum Hinsetzen ein. Der Laden ist um die Mittagszeit gut besucht, niemand regte sich auf – im Gegenteil. Die Kunden, die sich in ihrer Pause ein Sandwich auf die Hand holten, scheinen fast froh über dieses kleine Stück Normalität in diesen so seltsamen Zeiten.

Wirte kämpfen ums Überleben

Wegen des Profits mache er das nicht, sagt der Wirt, es sei eher eine Art Beschäftigungstherapie. Für die paar Essen sei er den ganzen Morgen unterwegs und zudem könne er nun seinen seit Monaten arbeitslosen Koch wieder anstellen und bezahlen. Der saß nämlich seit Beginn der Schließung der Restaurants im November zuhause in einer kleinen Wohnung in einem der unansehnlichen Vororte von Paris und wusste nicht, wie er seine Familie ernähren sollte.

Natürlich weiß der Wirt von einigen anderen Kollegen, die trotz des Verbotes Gäste an Tischen bedienen. Auch wird in den französischen Zeitungen immer wieder von diesen „restaurants clandestins“ berichtet – wobei die Grenzen des Verstoßes fließend sind. Es gibt jene Bistros, wo man sich zum Kaffee kurz hinsetzen darf. In einem Kebab-Haus kann man an den Tischen im rückwärtigen Bereich des Gastraumes zum Essen Platz nehmen. Und dann gibt es jene Restaurants, wo etwa Stammgäste sich anmelden können und abends für einen kleinen Kreis groß aufgetischt wird. Alle haben allerdings eines gemeinsam: sie arbeiten so diskret wie möglich und verdienen nicht genug, um die Ausgaben zu decken. Aber es reicht in den meisten Fällen zumindest, um die eigene Moral aufrechtzuerhalten.

Die Wirte verlieren die Geduld

Je länger die von der Regierung verordnete Schließung der Lokale dauert, desto lauter werden die Stimmen der Wirte, die ein Ende der Maßnahmen fordern. Im November hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron noch eine Öffnung der Restaurants für den 20. Januar in Aussicht gestellt, sollte die Gesundheitssituation es zulassen. Doch diese Aussage verwandelte sich ziemlich schnell in Schall und Rauch. Die Wiedereröffnung wurde jüngst angesichts der unverändert hohen Zahlen von über 20.000 Neuinfektionen pro Tag auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben.

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Inzwischen sieht sich sogar die Regierung gezwungen, gegen die „restaurants clandestins“ vorzugehen. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat Betreiber in diesen Tagen die Streichung finanzieller Mittel angedroht, sollten sich die Wirte nicht an die Regeln halten. Ein Gastronom, der seinen Laden öffne, bekomme einen Monat lang kein Geld aus dem Solidaritätsfond, sagte der erzürnte Minister dem Sender RTL. Wenn er es wieder tue, gebe es überhaupt keine Unterstützung mehr. Es sei eine „extrem schwierige Situation“ für die Gastronomie, aber das rechtfertige nichts, unterstrich Bruno Le Maire. Der Zorn der Wirte wird dadurch allerdings nur noch weiter angefacht. Inzwischen rufen manche Restaurantbesitzer dazu auf, ihre Betriebe trotz Corona zumindest am Mittag wieder ganz offiziell zu öffnen.

Die staatlichen Hilfen reichen oft nicht

Der Besitzer eines angesagten Restaurants im Zentrum von Paris verriet der Tageszeitung „Le Parisien“, dass die Hilfe der Regierung von bis zu 10.000 Euro pro Monat eine große Erleichterung sei. Allerdings müsse er jeden Monat 20.000 Euro Miete bezahlen, das relativiere die Höhe der Unterstützung. Viele Wirte beklagen sich inzwischen auch über das Vorgehen der Banken, die oft keine Kredite mehr vergeben würden, um diese schwere Zeit irgendwie zu überbrücken.

Die Meinung der Interessenverbände zu diesem Thema ist einhellig. „Wir verurteilen jede heimliche Eröffnung“, sagt Franck Delvau, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Umih) im Großraum Paris. Er fordert die strikte Einhaltung der Regeln. Es sei besser, jetzt alles zu schließen, bis die Pandemie abgeklungen ist und dann unter den bestmöglichen Bedingungen wieder zu öffnen. Das Schlimmste sei es doch, fügt Franck Delvau hinzu, einige Wochen nach einer ungeordneten Öffnung wieder schließen zu müssen.

Viele Hundert Verwarnungen an Wirte

Allein die Präfektur in Paris hat seit Anfang November 207 Verwarnungen gegenüber Wirten ausgesprochen, die ihr Lokal illegal geöffnet haben. 14 Restaurants wurden geschlossen, weil sie sich wiederholt nicht an die Vorgaben gehalten haben. Natürlich müssen auch die Gäste in diesen Fällen mit einer Geldstrafe rechnen. Wer ohne guten Grund nach der Ausgangssperre um 18 Uhr die Wohnung verlässt, muss mindestens 135 Euro bezahlen.

Ein böses Erwachen gab es dieser Tage allerdings für die Gäste im Restaurant L’Annex auf der Île de la Cité im 4. Arrondissement von Paris. Das typisch französische Lokal, das nach eigenen Angaben während der Corona-Pandemie Essen zum Mitnehmen anbietet, liegt direkt neben dem Berufungsgericht und unweit der Polizeipräfektur. Einer Radstreife war nach Angaben der Tageszeitung „Le Figaro“ eines Mittags ein ungewöhnliches Treiben aufgefallen. Bei der anschließenden Kontrolle entdeckten die Polizisten eine Gruppe, die es sich auf einer kleinen, etwas abgetrennten Terrasse des Restaurants bei reichlich Champagner und leckerem Essen gutgehen ließ. Als die Streifenpolizisten die Personalien aufnehmen wollten, wurde die Stimmung gereizt. Der Grund: die meisten der Anwesenden arbeiten als Richter am Berufungsgericht nebenan. Die Beamten ließen keine Ausrede gelten und verwehrten sich auch gegen Drohungen der Ertappten. Schließlich wurden zehn Personen eine Geldstrafe von 135 Euro aufgebrummt. Am Restaurant selbst sind inzwischen die Vorhänge geschlossen und die Schiefertafel mit dem Hinweis „L’Annexe est ouvert“ (Das Annexe hat geöffnet) wurde entfernt.

Pop-up-Attraktion in Paris: Hochwasser an der Seine

In Paris gibt es für die Corona-geplagten Einwohner im Moment eine neue Freizeitbeschäftigung: Hochwasser-Watching. Der Pegel der Seine ist in diesen Tagen stark angestiegen und liegt inzwischen bei vier Metern. Der Schiffsverkehr ist stark eingeschränkt.

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Die Uferstraße an der Seine ist in weiten Teilen nicht mehr zu passieren.

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Überschwemmung – aber noch keine Gefahr

Ein Spaziergang am Ufer der Seine entlang ist im Moment also nicht mehr möglich. Zwar versuchen immer wieder Radfahrer, Jogger und Spaziergänger, die Fluten zu umgehen, das ist etwa unter den Brücken nicht mehr möglich. Dort schwappt das braune Wasser bis an die Wand des Ufers. Inzwischen ist auch die Seine-Insel Île aux Cygnes nahe dem Eiffelturm gesperrt. Bekannt ist die Insel vor allem wegen des Standortes der Freiheitsstatue.

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Hoffen auf ein Ende des Regens

Nach Angaben der Stadt herrscht inzwischen die Warnstufe Gelb. Das entspreche einer Überschwemmungsgefahr und einem schnellen Anstieg des Wasserspiegels. Diese verursachten noch keine größeren Schäden, es sei aber Wachsamkeit geboten. In Paris hat es in den vergangenen Tagen immer wieder heftig geregnet. Die Hochwasserwerte waren allerdings noch weit entfernt von den 6,10 Metern von Juni 2016 oder sogar den 8,62 Metern von 1910. Auch 2018 trat die Seine über die Ufer, etliche ufernahe Wege und Straßen waren damals ebenfalls abgesperrt.

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Von Seiten der Stadt heißt es:

Ce niveau correspond à un risque de crue ou de montée rapide des eaux n’entraînant pas de dommages significatifs, mais nécessitant une vigilance particulière dans le cas d’activités saisonnières et/ou exposées.La Seine à Paris a connu une hausse en raison de la propagation de l’onde de crue venant notamment de la Marne ainsi que d’une succession de perturbations actives en fin de semaine dernière. Les niveaux seront en hausse à Paris dans les jours à venir avec pour lundi matin 01/02 déjà 4,09 m. Ce qui entraine les fermetures suivantes :

  • Rive droite tronçon Tuileries – Henri IV
  • Île au Cygnes
  • Voie Georges-Pompidou entre Bir Hakem et pont de Garigliano

Der Asterix-Park bei Paris schließt das Delfinarium

Die verspielten Tiere waren eine der Attraktionen des Unternehmens. Ein Grund für das Ende ist die ständige Kritik von Tierschützern.  

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Die große Attraktion des Asterix-Parkes

Die Delfine sind eine der großen Attraktionen im Asterix-Park. Die meisten der Besucher wollten unbedingt die Tiere im „Théâtre de Poséidon“ sehen, erzählt Nicolas Kremer nicht ohne Stolz. Und dennoch hat der Direktor des Vergnügungsparks in Plailly vor den Toren von Paris beschlossen, die beliebte Show abzusetzen. Wenn der Park wie geplant Anfang April wieder öffnet, werden das Becken und das Aquarium leer sein. Der Grund ist in diesem Fall allerdings nicht die Corona-Pandemie, sondern der Tierschutz.

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Ein Entscheidung nach langer Überlegung

Es war kein Entschluss, der über Nacht gefallen ist. „Wir haben lange darüber nachgedacht. Ich würde sogar sagen, dass die Entscheidung bereits vor drei Jahren getroffen wurde “, verriet Nicolas Kremer der Tageszeitung „Le Parisien“. Allen im Asterix-Park liege das Wohlergehen der Tiere am Herzen, aus diesem Grund werden die acht Delfine und fünf Seelöwen in den kommenden Wochen in verschiedenen europäischen Delfinarien untergebracht, wo eine möglichst artgerechte Haltung möglich sei. Ein Freilassen der Delfine im offenen Meer sei „für die in Gefangenschaft aufgewachsenen Tiere unmöglich“, betonte der Direktor des Asterix-Parks, der im Jahr 1989 gegründet wurde und inzwischen jährlich mehr als zwei Millionen Besucher zählt.

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Großer Druck der Tierschützer

Ganz freiwillig geschieht das Ende der Show allerdings wohl nicht. Der Druck der Tierschützer auf die Delfinarien ist in Frankreich stetig gestiegen. Im Jahr 2017 versuchte sogar die damalige Umweltministerin Ségolène Royal, die Zucht der Meeressäuger in Gefangenschaft per Gesetz zu verbieten. Sie war damals zwar nicht erfolgreich, doch in diesen Tagen wird das Thema im Rahmen einer Debatte über den Tierschutz erneut im französischen Parlament diskutiert. Ziel ist es wieder, das Züchten von Delfinen und Walen in Gefangenschaft und ihre Teilnahme an Shows zu verbieten.

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Ein „Trauma“ für die Belegschaft

Allerdings sieht sich Nicolas Kremer in gewisser Weise auch als Opfer. Es sei für die Wissenschaftler und Tierpfleger im Asterix-Park ein „echtes Trauma“ gewesen, immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert zu werden, die Tiere zu quälen. „Wir haben uns immer um das Wohl unserer Tiere gekümmert“, unterstreicht der Direktor und ergänzt: „Wir werden uns nun auf unser Kerngeschäft konzentrieren.“ Die Entscheidung seines Unternehmens will er allerdings nicht als Kritik an den französischen Tierparks wie Marineland oder Planète Sauvage verstehen, deren Grundlage es sei, Tiere zu halten und auch wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse zu liefern, die für den Fortbestand einer Art manchmal entscheidend seien. „Ich weiß, dass die Tiere dort gut behandelt werden“, sagt Nicolas Kremer, auch wenn sie nicht in der freien Natur leben.

Die grüne Zukunft der Champs-Élysées

Die berühmte Flaniermeile in Paris soll für 225 Millionen Euro umgebaut werden. Das soll auch die Folgen des Klimawandels abfedern.

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Mehr Grün und weniger Beton – die Champs-Élysées und der Arc de Triomphe sollen in den kommenden Jahren umgebaut werden. Ziel ist es, die Zahl der Autos drastisch zu reduzieren und wieder eine lebenswerte Gegend daraus zu machen.

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Champs-Élysées – ein nicht eingelöstes Versprechen

Die Champs-Élysées sind ein überirdisches Versprechen. Die gesegneten Gefilde des Elysion durften nur von auserwählten Helden betreten werden, heißt es in der griechischen Mythologie. Die Realität in Paris ist heute allerdings eine andere, die legendäre Flaniermeile ist längst kein mystischer Ort mehr.

Rund 3000 Autos pro Stunde schieben sich Stoßstange an Stoßstange über das Kopfsteinpflaster der achtspurigen Prachtstraße. Eine krude Mischung aus Luxusboutiquen, Billigläden und Fast-Food-Ketten säumt den Boulevard. Und wird Paris nicht von Protesten der „Gelbwesten“ oder Corona heimgesucht, schieben sich Massen von Touristen über die breiten Gehwege. Die Champs-Élysées seien die Summe aller Probleme, die sich heute den großen Städten dieser Welt stellen, lautet das vernichtende Urteil des Architekten Philippe Chiambaretta: Luftverschmutzung, zu viele Autos, überbordender Tourismus und exzessiver Konsum.

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Der Umbauplan wird nun in Angriff genommen

Mann weiß, wovon er redet, denn er beschäftigt sich seit Jahren mit der Entwicklung der Straße und ist nun beauftragt, deren grundlegende Umgestaltung zu organisieren. Bereits im Jahr 2018 war er von der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo aufgefordert worden, Vorschläge zu entwickeln, die mit großem Wohlwollen aufgenommen, allerdings nicht weiter verfolgt wurden. Nun hat Anne Hidalgo die Bürgermeisterinnenwahl erneut mit deutlicher Mehrheit gewonnen, was sie offensichtlich als Aufforderung versteht, ihren Plan mit großem Nachdruck zu verfolgen, Paris zu einer „grünen Stadt“ mit mehr Bäumen, Grünflächen, Radwegen und vor allem weniger Autos umzubauen. Ähnliche Ideen verfolgt sie rund um den Eiffelturm und der Verbindung zum Trocadéro.

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Zum Leuchtturm-Projekt soll aber die Neugestaltung des fast zwei Kilometer langen Boulevards werden, der sich schnurgerade vom Place de la Concorde bis zum Arc de Triomphe zieht. Für 225 Millionen Euro wird in den kommenden Jahren ein grünes Band entstehen. Im Schatten von Bäumen sollen die Menschen zwischen Gärten und Spielplätzen in Bistros und Restaurants das Leben genießen. Weichen müssen die Autos, geplant ist, die Fahrbahn von aktuell acht auf zwei Spuren zu verengen, was mehr Raum für Spaziergänger und Radfahrer bringt. „Der Ehrgeiz besteht darin, die Champs-Élysées wieder zu einem Spazierweg und einem echten kulturellen Ziel zu machen“, unterstreicht Architekt Chiambaretta.

Ein Plan für die Olympischen Spiele

Begonnen werden soll das Projekt mit der Umgestaltung des Place de la Concorde, der sich bis zu den Olympischen Spielen 2024 in einem völlig neuen Licht präsentieren soll. Der Plan Chiambarettas ist es, die Autos auszusperren, viele hundert Bäume zu pflanzen und auf dem Gelände einen verkehrsberuhigten, zentralen Park zu gestalten, der sich an den Louvre und die Tuileriengärten anschließt. Bis zum Jahr 2030 soll dann der Rest der Champs-Élysées bis hinauf zum Arc de Triomphe folgen.

Die Bürgermeisterin Anne Hidalgo unterstreicht immer wieder, dass sie mit ihren Plänen im Geiste der großen Stadtplaner handle. Mitte des 17. Jahrhunderts erstreckten sich hinter dem Louvre noch ausgedehnte Wälder. Im Jahr 1674 konzipierte schließlich der königliche Architekt André Le Nôtre jene berühmte Achse von den Tuilerien in Richtung Westen zum Arc de Triomphe. Damals lustwandelten die Bürger allerdings noch durch kaum gebändigte Natur. Erst im 19. Jahrhundert bauten reiche Pariser Bürger ihre beeindruckenden Wohnhäuser entlang den Champs-Élysées.

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Zuletzt machten die Champs-Élysées vor allem dadurch von sich reden, weil es dort zu Ausschreitungen bei Protesten kam.

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Die Folgen des Klimawandels

Die geplante Neugestaltung wird nicht nur das Stadtbild von Paris grundlegend verändern. Ein wesentliches Ziel ist es, die dichtbesiedelte Millionenmetropole und deren Bewohner vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Am Place de la Concorde werden inzwischen jeden Sommer Jahr Rekordtemperaturen von weit über 40 Grad Celsius gemessen. Eine großflächige Begrünung könnte wesentlich Abhilfe schaffen. Reichlich Kopfzerbrechen bereitet den Verantwortlichen allerdings zwei wichtige Termine im Jahr: die Ankunft der Tour de France und die Militärparade am Nationalfeiertag am 14. Juli. So ist der 70 Meter breite, schnurgerade Boulevard wie gemacht für das Defilee der Panzer oder den Massensprint der legendären Frankreichrundfahrt der Radprofis. Wie genau diese Veranstaltungen in die schöne und vor allem grüne Zukunft eingepasst werden sollen, wagt im Moment niemand zu sagen. In den schicken Werbefilmen für das Projekt sind zwar viele lachende und spielende Kinder zu sehen – aber kein schweres Kriegsgerät.

Sternen-Regen für Frankreichs Gastronomen

Mitten in der Corona-Pandemie zeichnet der Guide Michelin Spitzenköche aus und erntet dafür einige Kritik.

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Ein neuer dritter Stern am Gastro-Himmel

Der Guide Michelin trotzt der Krise. Der Gastronomieführer hat mitten in der Corona-Pandemie die Spitzenrestaurants im Stammland Frankreich mit seinen Sternen ausgezeichnet. Einer der großen Gewinner ist in diesem Jahr der Koch Alexandre Mazzia aus Marseille. Dessen Restaurant „AM“ mit nur 22 Sitzplätzen wurde überraschend mit einem dritten Stern dekoriert.

Die Zahl der Edellokale mit drei Sternen in Frankreich und Monaco erhöht sich damit auf 30. Als Tribut an die Pandemie blieben Herabstufungen in der gastronomischen Topliga dieses Mal aus. Ebenfalls wegen Corona wurde die Vergabe der Auszeichnungen in diesem Jahr auf dem Eiffelturm unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollzogen und nur über die sozialen Netzwerke übertragen.

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Die Macher kontern die Kritik

Kritik an solch einer elitären Veranstaltung in Zeiten der Krise wurde von Gwendal Poullennec, dem Chef des Guide Michelin, gekontert. Natürlich habe man sich diese Frage auch in seinem Hause gestellt. Aber gerade in diesen schweren Zeiten sei es wichtig, dass die Gastronomen jede Unterstützung bekämen. „Mit der Veröffentlichung unseres Gastronomieführers wollen wir den Küchenteams Mut machen, an sich selbst zu glauben und weiter zu arbeiten.“

Einige der Spitzenlokale bieten inzwischen einen Liefer- oder Abholservice an. Und selbst bekannte Sterneköche zögern nicht, außerhalb ihrer angestammten Edellokale zu arbeiten. Der mit dem dritten Stern dekorierte Alexandre Mazzia besorgte sich kurzerhand einen umgebauten Lieferwagen und zieht nun mit diesem Foodtruck durch die Straßen von Marseille. Ein Star der Branche, Mauro Colagreco vom „Mirazur“ in Menton an der Côte d’Azur, richtete mit einem Unternehmer einen Feinkoststand in einer Markthalle in Monaco ein. „Wir müssen uns anpassen, Lösungen suchen“, sagte der aus Argentinien stammende Drei-Sterne-Koch der Zeitung „Le Figaro“ und fügte hinzu: „Das hilft, die Mannschaft in Schwung zu halten, die Hersteller zu beschäftigen, mit der Kundschaft in Kontakt zu bleiben und nicht die Hoffnung zu verlieren.“

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Die Last einer Auszeichnung

Eine Auszeichnung vom Guide Michelin ist nicht nur eine Ehre, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor. Eric Tronchon, im Jahr 2019 mit einem Stern dekoriert, erinnert sich daran, wie er sich in seinem Lokal „Solstice“ in Paris plötzlich vor Reservierungen kaum mehr retten konnte. „Wir haben die Zahl unserer Essen von einem Tag auf den anderen praktisch vervierfacht“, sagt der Spitzenkoch. Zuvor hatte er allerdings fast eine halbe Million Euro investiert, um seine Küche auf den neusten Stand zu bringen. Nun bekommt er in der Pandemie vom Staat jeden Monat rund 10.000 Euro Unterstützung, allerdings muss er davon mehrere Tausend Euro Miete und sein Personal bezahlen. Mit den Sternen werde in diesem Jahr nicht nur das Talent der Gastronomen ausgezeichnet, erklärt Gwendal Poullennec, sondern vor allem auch der Kampfgeist, sich gegen diese Krise zu behaupten.

Hoffnung für 2021 – Jean-Michel Jarre gibt virtuelles Konzert in Notre-Dame

Das Jahr 2020 geht zu Ende – die Menschheit ist erleichtert, die vergangenen Monate hinter sich zu lassen. In Paris wird das neue Jahr auf eine ganz besondere Art begrüßt. Der Musiker Jean-Michel Jarre wird in der Kathedrale Notre-Dame ein Live-Konzert geben – zumindest fast live! Vertreten wird er durch einen Avatar.

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Der Künstler sprengt die Grenzen der Musik

Jean-Michel Jarre ist seit Jahrzehnten bekannt dafür, dass er nicht nur in der Musik Konventionen sprengt und sehr gerne Neues ausprobiert. Am 31. Dezember hat er wieder eine Überraschung für die Franzosen parat. In der vom Brand im April 2019 schwer gezeichneten Kathedrale Notre-Dame wird er ein Konzert geben. Das ist ein Symbol her Hoffnung, denn erst vor wenigen Wochen war klargeworden, dass das historische Gebäude vor dem Untergang gerettet werden kann. Zudem will der Musiker den Menschen Mut machen und dem Leben – trotz der Pandemie – die schönen und optimistischen Seiten abtrotzen.

Jean-Michel Jarre verspricht für den Abend Grandioses. Sein Avatar wird in einer dreidimensionalen Rekonstruktion im Kirchenschiff des gotischen Gotteshauses stehen und live Stücke aus dem neuen Album „Electronica“ spielt sowie seine bekanntesten Titel „Oxygène“ und „Equinoxe“ in überarbeiteter Version. Begleitet wird alles – wie immer bei solchen Auftritten des inzwischen 72-Jährigen – von einer ausgeklügelten Licht- und Laser-Show. Mit seinem ersten Konzert in Paris auf der Place de la Concorde zu Frankreichs Nationalfeiertag am 14. Juli 1979 spielte Jean-Michel Jarre vor über einer Million Zuschauer. Mit einer spektakulären Lichtschau zu den Millenniumsfeiern bespielte der Pionier der elektronischen Musik die Pyramiden von Gizeh.

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Ein Avatar im Kirchenschiff von Notre-Dame

Beim Silvesterkonzert in Notre-Dame werden die Live-Stücke vom Musiker selbst gespielt, der sich in einem Raum unweit der Kathedrale befinden wird. Rund 150 Menschen arbeiten seit Tagen daran, die Übertragung technisch möglich zu machen. „Welcome to the Other Side“ heißt das 45-minütige virtuelle Konzertereignis, das in Zusammenarbeit mit der Stadt Paris und der Unesco entstanden ist, deren „Botschafter des guten Willens“ Jarre schon seit 1993 ist.

Der atemberaubende Abend verspricht so ziemlich das Gegenteil der Konzerte zu werden, die vor dem Brand in der Kathedrale zu hören waren. Jean-Michel Jarre, der seit 1976 an seiner Musik und der Präsentation arbeitet, sagt dazu:

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« La réalité virtuelle est une nouvelle grammaire, un mode d’expression à part. Elle ne remplacera jamais les concerts, elle prendra une autre place dans le divertissement »

Jean-Michel Jarre

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An Geld herrscht kein Mangel

Die Idee wurde aus der Not geboren. Irgendwann in diesem Jahr stand fest, dass die Silvesterfeiern wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden können – doch ganz ausfallen lassen wollte man sie nicht. Ausgestattet mit einem sehr guten Budget, wurde der französische Weltstar angefragt. Erstmals trat Jarre als Avatar vor wenigen Monaten zur „Fête de la Musique“ am 21. Juni auf. Obwohl er nach eigenen Aussagen wegen des großen Zeitdrucks mit dem Ergebnis nicht vollends zufrieden war, war er doch „ziemlich beeindruck“ von der eigenen Show im Palais Royale in Paris.

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Eine Botschaft der Hoffnung

Allerdings musste Jean-Michel Jarre auch in diesem Fall einige Einschränkungen hinnehmen. Er hatte zunächst gehofft, die echte Fassade der Kathedrale mit Lichtprojektionen in die Show integrieren zu können. Doch das Versammlungsverbot machte diesem Gedanken ein schnelles Ende. Doch er entwickelte weiter seine Ideen, zumal ihm Notre-Dame die ideale Wahl schien, eine „Botschaft der Hoffnung“ in die Welt zu schicken. Jean-Michel Jarre: Die Kathedrale habe in der kollektiven Vorstellungskraft einen zentralen Platz. „Sie ist so geschwächt wie die Franzosen, aber auch so fähig wie sie, wiedergeboren zu werden.“

Das Event ist kostenlos und über die Social Media Plattformen Facebook und YouTube zugänglich sowie auf der Homepage der Stadt Paris und der Virtual-Reality-App VRChat. Direkt übertragen wird es unter anderem auch im französischen Radiosender „France Inter“ und auf dem Fernsehsender „BFMTV“.

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