Eine explosive Mischung

In Frankreich wird seit zwei Wochen gestreikt. Der geplante Rentenreform ist nur ein Grund für die Wut der Franzosen. 

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Die Proteste gegen die Rentenreform nehmen kein Ende. Nun drohen die Gewerkschaften damit, auch an Weihnachten den Zugverkehr lahmzulegen.

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Franzosen gelten als geradezu streikfreudig

Frankreich wird seinem Ruf wieder einmal gerecht. Die Franzosen gelten als geradezu streikwütiges Volk, das seinen Zorn gegen die „die da oben“ schnell auf die Straße trägt. Auch jetzt wieder sind viele Bereiche des öffentlichen Lebens seit zwei Wochen lahmgelegt. Doch mit dem Widerstand gegen die Rentenreform ist die bisweilen gewalttätige Vehemenz der Proteste nur ungenügend erklärt. Es ist ein explosives Gemisch aus mehreren Faktoren, das die Menschen auf die Barrikaden treibt. So entlädt sich die Frustration der Lehrer, Feuerwehrleute oder des Krankenhauspersonals wegen der immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen, über die sie seit Jahren vergeblich klagen. An den Protesten beteiligt sind auch viele Anhänger der Gilets Jaunes, die mehr soziale Gerechtigkeit in Frankreich einfordern – und natürlich den Sturz des Präsidenten Emmanuel Macron.

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Die Renaissance der Gewerkschaften

Und dann sind da natürlich die Gewerkschaften, die froh scheinen, endlich wieder als Kämpfer für die Rechte der Arbeitnehmer öffentlich wahrgenommen zu werden. Während der Proteste der Gelbwesten waren sie völlig abgemeldet. Das hat allerdings zur Folge, dass sich die vielen, untereinander konkurrierenden Gewerkschaften nun in eine Art Überbieterwettkampf begeben haben – jede Organisation geht mit immer radikaleren Forderungen für ihre Klientel in die Verhandlungen. Und natürlich ist der Streit um die Rentenreform auch in den Augen mancher Parteien eine Art Glückfall. Präsident Macron hat mit seiner Politik vor allem das linke Spektrum marginalisiert. Sie sehen nun die Chance, jenem Mann zu schaden, den sie für ihren Niedergang verantwortlich machen.

Macron ist die Zielscheibe der Proteste

Deutlich wird: Emmanuel Macron ist der gemeinsame Gegner, auf den sich die Wut aller Streikenden konzentriert. Das überdeckt sämtliche inhaltlichen Unterschiede in der Protestfront. Diese verwirrende Kakophonie in den Demonstrationszügen macht deutlich, dass die Reform des Rentensystems nur eines von sehr vielen fundamentalen Problemen ist, die es in Frankreich in den nächsten Jahren zu lösen gilt.

Das Ende einer französischen Tradition

Die Wut vieler Franzosen angesichts der geplanten Rentenreform ist riesig. Ein Grund ist, dass sich einzelne Berufsgruppen auf zum Teil Jahrhundertealte Privilegien berufen können. Hier einige Beispiele – von den Seeleuten bis zur Oper von Paris:

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Die Oper von Paris – die Bediensteten erfreuen sich allerlei Vergünstigungen.

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Seeleute:

Das Sozialsystem der Seeleute wurde im Jahr 1673 eingeführt – und damit das älteste Rentenregime in Frankreich. Unterstützt werden sollten Seeleute, die sich bei ihrer schweren und gefährlichen Arbeit verletzt hatten und nicht mehr zur See fahren konnten. Heute sind Berufsfischer, Meeresforscher oder aber auch Angestellte bei Charterunternehmen in diesem System und profitieren von manchen Privilegien. Das Problem: knapp 40.000 Aktive müssen über 110.000 Rentner bezahlen. Das bedeutet, dass der Staat fast 80 Prozent des strukturellen Defizits übernimmt.

Bank von Frankreich:

Napoleon Bonaparte hat im Jahr 1800 die Banque de France eingerichtet und acht Jahre später die dazugehörige Rentenkasse. Lange galt dieses System als das weitaus großzügigste, da den Angestellten sehr viele Zulagen gewährt wurden. Auch hier gibt es aktuell mehr Rentner (rund 16.000) als Einzahler (knapp 12.000). Seit 2007 sind die allergrößten Vergünstigungen allerdings abgeschmolzen worden. So wurde etwa das Rentenalter auf 62 angehoben, dennoch gelten für viele Angestellte noch die alten Regeln.

Opéra de Paris:

Eingerichtet wurde diese Rentenkasse im Jahr 1698 von König Louis XIV. und zählt heute rund 1900 Einzahler und 1800 Rentner. Das Eintrittsalter variiert stark und beträgt bei den Tänzern des Balletts 40 Jahre, zwischen 50 und 57 Jahren bei den Chormitgliedern und 60 Jahre bei den Musikern. Das Rentenregime kostet rund 27 Millionen Euro pro Jahr, das etwa zur Hälfte vom Staat finanziert werden muss.

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Minenarbeiter:

Die Arbeit in Minen hat in Frankreich eine lange Tradition, die Rentenkasse wurde in seiner jetzigen Form aber erst 1946 eingeführt. Allerdings werden seit 2010 keine neuen Mitglieder mehr aufgenommen. Das heißt, dass heute auf die rund 4000 Einzahler über 310.000 Rentner kommen. Das System basiert folglich vor allem auf Transferzahlungen des Staates. Das Renteneintrittsalte beträgt in der Regel 55 Jahre, kann aber auf 50 Jahre reduziert werden – unter der Voraussetzung, dass man 30 Jahre gearbeitet hat.

Hafen von Straßburg:

Eingerichtet im Jahr 1873 ist das Rentenregime im „Port autonome de Strasbourg“ das weitaus kleinste. Es zählt 165 Einzahler und 203 Begünstigte. Auch ansonsten ist diese Rentenkasse sehr speziell. So beträgt etwa der Arbeitgeberanteil an der Renten 33 Prozent, das ist vier Mal mehr als im Durchschnitt. Die Minimal- und Maximalrenten werden über sehr komplexe Rechenmethoden ermittelt. Das Eintrittsalter beträgt in Straßburg 60 Jahre.

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Angestellte bei Notaren:

Eingerichtet im Jahr 1937 zählt dieses Rentenregime heute rund 48.000 Einzahler und 70.000 Rentner. Lange durften Frauen schon mit 55 in Rente, wenn sie 25 Jahre gearbeitet hatten. Inzwischen wird das Eintrittsalter allerdings langsam angehoben. Die Rente beträgt 75 Prozent der zehn Monate, in denen man am besten verdient hat.

Das Ende mancher Rentenkassen:

Manche sehr speziellen Rentenkassen sind bereits eingestellt worden oder ihr Ende ist nahe. So ist der letzte Rentenbezieher der Kasse der Nationalen Druckerei Ende 2013 gestorben. Auch die Rentenkasse der französisch-äthiopischen Eisenbahner wird es nicht mehr lange geben, ebenso jene der Eisenbahner der französischen Überseegebiete. ENDE-ENDE

Hommage an den Schwarzmaler

Zum 100. Geburtstag von Pierre Soulages widmet Paris im Louvre und dem Centre Pompidou dem französischen Maler eine Doppelschau.

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Warum ausgerechnet schwarz?

Die Bilder von Pierre Soulages sind nicht einfach schwarz. Die raue, faserige oder auch glatte Oberfläche reflektiert das einfallende Licht, bisweilen tiefblau, oft in wilden Grautönen oder auch in einem alles verschlingenden Nachtschwarz. Der französische Künstler weist aus diesem Grund eine ihm immer wieder gestellte Frage weit von sich: Warum ausgerechnet schwarz? „Ich male nicht mit Schwarz“, erklärt er dann, „ich male mit Licht.“ Erst durch den Blick des Betrachters werde das Bild zum Werk vollendet. „In meinen Gemälden gibt es unendlich viele Sichtweisen“, sagt Pierre Soulages in einem Interview mit „Le Parisien“, „man verändert den Standpunkt und das Licht verändert sich ebenfalls.“

Eine sehr große Ehre für Pierre Soulages

Zu seinem 100. Geburtstag am 24. Dezember wird Pierre Soulages nun eine besondere Ehre zuteil. Frankreich feiert ihn mit einer Doppelausstellung. Erstmals widmet der Pariser Louvre dem Maler eine Retrospektive. Nach Pablo Picasso und Marc Chagall ist Soulages erst der dritte Künstler, dem eine solche Würdigung zuteil wird. Die zweite Schau wird im Centre Pompidou gezeigt.

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Ausstellung im prachtvollen „Salon carré“

Die Ausstellung im Louvre findet im prachtvollen „Salon carré“ statt, wo normalerweise italienische Malereien aus dem 12. bis 15. Jahrhundert hängen. Sie mussten 19 größtenteils monumentalen Werken weichen, die die künstlerische Entwicklung von Pierre Soulages markieren. Man habe mit wenigen Werken ein 80 Jahre währendes Schaffen illustrieren wollen, sagt Kurator Alfred Pacquement. Die Hommage im Centre Pompidou konzentriert sich mit 14 Arbeiten auf die Jahre 1948 bis 2002, darunter sind auch ältere Werke zu sehen, in denen die Farbe Schwarz noch nicht ganz die Bildfläche beherrscht.

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Unter den Exponaten der Retrospektive befinden sich seine ersten, ab Mitte der 1940er Jahre entstandenen Kompositionen wie die einzige erhaltene Nussbeize-Arbeit auf Leinwand. Einer der Höhepunkte ist allerdings ein sehr großformatiges Werk aus dem Jahr 2019. Kurator Alfred Pacquement habe es bei einem Besuch im Ateliers des Malers in Sète gesehen und sei bei dessen Anblick schlicht hingerissen, erinnert sich der Künstler. Ein Werk von solcher Wucht, aus den Händen eines 100 Jahre alten Menschen.

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Schwepunkt auf den Outrenoir-Werken

Ein Schwerpunkt der Doppelschau liegt auf den „Outrenoir“-Werke. Längst zur Legende ist der Schaffensprozess geworden, in dem Pierre Soulages praktisch über Nacht seinen Weg zu diesen Werken „jenseits des Schwarz“ gefunden hat. Nach mehr als 30 Jahren des Schaffens war der Künstler Ende der 80er Jahre an einem Wendepunkt angekommen. Nach eigenen Erzählungen arbeitete er damals an einem großformatigen Werk, das ihm nicht gelingen wollte. Wieder und wieder übermalte er das Bild, trug Schicht für Schicht der schwarzen Farbpaste auf, bis er sich erschöpft schlafen legte. Als er erwachte und das Werk erneut betrachtete, modulierte die faserige, wilde Oberfläche das Licht. „Darin habe ich einen neuen Typ der Malerei erkannt“, erinnert sich Soulages, einer Malerei jenseits des Schwarz, die die Seele des Betrachters berührt.

INFO: Beide Ausstellungen im Louvre und Centre Pompidou dauern bis zum 9. März, Eintritt 17 Euro, dienstags geschlossen

Neuer Protest gegen Rentenreform in Frankreich

Wieder gegen Zehntausende auf die Straße.  Die Gewerkschaften sprechen von einem großen Rückhalt in der Bevölkerung, doch vor allem in Paris wird die Kritik an dem seit Tagen anhaltenden Streik immer lauter. Mit Spannung wird die Präsentation der Umbaupläne der Regierung erwartet.

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Klare Ansage bei der Demonstration in Paris – Macron soll weg und mit ihm das gesamte politisch System

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Die Regierung will das Rentensystem vereinfachen

Philippe Martinez ist nicht zufrieden. „Es sind weniger Leute auf der Straße“, sagt der Generalsekretär der CGT, einer der größten Gewerkschaften in Frankreich. Im ganzen Land waren die Franzosen wieder dazu aufgerufen, gegen die geplante Rentenreform der Regierung zu demonstrieren. In Paris haben sich bei einer zentralen Kundgebung mehrere zehntausend Menschen versammelt. Immer wieder zu hören: Schlachtrufe, dass Präsident Emmanuel Macron zurücktreten solle. Der Staatschef war mit dem Versprechen in sein Amt gestartet, das Rentensystem moderner und vor allem gerechter zu machen. Die Regierung will die Privilegien für bestimmte Berufsgruppen auf längere Sicht beenden und ein einheitliches System schaffen, das für alle gilt. Denn momentan gibt es insgesamt 42 Renten-Einzelsysteme in Frankreich – davon bringen einige zahlreiche Privilegien mit sich.

Die Gewerkschaften sind kampfbereit

IMG_4167Die Gewerkschaften aber zeigen sich kampfbereit. CGT-Chef Philippe Martinez fordert, dass die Reform gestoppt wird. Auch Yves Veyrier, Generalsekretär des Gewerkschaftsbunds Force ouvrière, sagt: „Wir haben keinen Grund, ein System aufzugeben, das funktioniert.“ Deutlich wird, dass sich die französischen Gewerkschaften in ihrer Abwehrschlacht gegen den geplanten Umbau inzwischen auch gegenseitig immer weiter anstacheln – jede Organisation möchte für ihre Anhänger mehr Privilegien sichern als die andere. Yves Veyrier erklärte am Dienstag, dass auch er das Rentensystem verbessern wolle – bei ihm heißt das allerdings, dass seine Mitglieder in Zukunft noch bessere Konditionen bekommen.

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Ohne Mampf – kein Kampf

Die Gewerkschaften erwähnen immer wieder, dass die Mehrheit der Franzosen ihren Kampf gegen die Reform unterstützen würden, doch vor allem in Paris werden die geplagten Bewohner der Millionenmetropole inzwischen etwas ungehalten. Seit sechs Tagen streiken die Nahverkehrsbetriebe, was vor allem im Berufsverkehr für Chaos sorgt. Am Montag ging vor allem am Morgen auf den großen Stadtautobahnen über mehrere Stunden nichts mehr und es wurden über 600 Kilometer Stau gemeldet.

Klagen wegen des langen Streiks

Auch die Klagen der Hoteliers in der Stadt werden immer lauter. „Seit vergangenem Donnerstag sind die Hotelbuchungen um 30 Prozent gesunken, in den Restaurants liegt der Rückgang bei 40 bis 50 Prozent“, sagt Franck Delvau vom Pariser Verband der Hotelindustrie. Vor allem die Touristen aus Europa und Frankreich würden stornieren. Ein Grund ist auch, dass im ganzen Land der Zugverkehr bestreikt wird und die TGV-Schnellzüge seit Tagen nur noch vereinzelt fahren. Franck Delvau: „Warum nach Paris kommen, wenn es keinen Nahverkehr und keine Sicherheit bei den Museen gibt, bei Denkmälern wie dem Eiffelturm, der am vergangenen Donnerstag geschlossen hatte?“

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Die Regierung stellt die Reform vor

Die Gewerkschaften wissen im Grund noch nicht einmal, wogegen sie genau streiken, denn die Regierung wird die Reformpläne er am Mittwoch öffentlich vorstellen. Premierminister Edouard Philippe geht allerdings nichts davon aus, dass danach die Streiks ein Ende haben werden. „Nur weil ich eine Rede halte, bedeutet das nicht, dass die Demonstrationen aufhören werden. Diese Rede wird sogar neue Fragen aufwerfen. Und das ist normal“, erklärte der Regierungschef. Erwartet wird, dass die Regierung in einigen Bereichen nachgeben wird, an der Reform aber grundsätzlich festhält.

Extincton Rebellion sabotiert E-Scooter in Frankreich

Die selbsternannten Kämpfer für eine bessere Umwelt machen mehrere Tausend Trottinette unbrauchbar. Die Kritik richtet sich gegen die zweifelhafte Ökobilanz der Gefährte.

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Die Trottinette sind auf Frankreichs Gehwegen nicht immer gern gesehen.

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Sind die E-Scooter eine Umweltsünde?

Die Trottinette sind für viele Franzosen zum Hassobjekt geworden. Für einige Fahrer dieser hippen E-Scooter scheinen Verkehrsregeln nicht zu gelten, zudem blockieren achtlos abgestellte Gefährte immer wieder die Gehwege. Für die Gruppe Extinction Rebellion sind vor allem die Leih-Trottinette zudem eine Klimasünde, weshalb die selbsternannten Kämpfer für eine bessere Umwelt nun rigoros zur Tat geschritten sind. Nach eigenen Angaben haben sie in Paris, Lyon und Bordeaux genau 3600 der Elektroroller lahmgelegt. Die Gefährte seien nicht dauerhaft zerstört worden, heißt es von Seiten der Gruppe, man habe lediglich den QR-Code unkenntlich gemacht, den die Benutzer scannen müssen, wollen sie eine Trottinette ausleihen.

Extinction Rebellion kritisiert die fragliche Ökobilanz

Die Kritik von Extinction Rebellion entzündet sich an der mehr als fraglichen Umweltbilanz der Gefährte, wie die Gruppe über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilt. Vor allem die Produktion der Batterien sei außerordentlich aufwändig und energieintensiv. Auch stammten die dafür verwendeten Materialien oft aus fraglichen Abbaugebieten. Das Einsammeln der kleinen Flitzer in der Nacht, um sie aufzuladen und danach wieder an ihre Standorte im gesamten Stadtgebiet zu bringen, schmälert die Ökobilanz zusätzlich. Zudem werden Zweifel an der Lebensdauer der Elektroroller laut – in manchen Studien wird behauptet, sie seien nur wenige Woche in Gebrauch und müssten dann ausgetauscht werden.

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Firmen wollen Klage einreichen

Der Anbieter Dott hat rund einhundert Beschädigungen an seinen Trottinette in Paris gezählt, erklärt Marketingdirektor Matthieu Faure. Die Mitarbeiter des Unternehmens seien unterwegs, um die QR-Codes wieder lesbar zu machen. „Wir bedauern den Vandalismus des Kollektivs Extinction Rebellion“, erklärt er weiter. Der Anbieter Lime hat angekündigt, Klage wegen der Aktion einzureichen. Ein Sprecher des Unternehmens Bird weist die vorgebrachten Vorwürfe zurück. Jeden Tag würden Tausende Menschen die Trottinettes benutzen, um zur Arbeit zu fahren, die sonst im Auto sitzen würden. Die Elektroroller seien also durchaus ein Beitrag zur Verbesserung der Umwelt.

Extinction Rebellion will nach Informationen der Tageszeitung „Le Parisien“ die Argumente der Anbieter aber nicht gelten lassen. Die Gruppe werde die Aktion wiederholten, so heißt es, bis „die Spielzeuge der grünen Kapitalisten aus unseren Städten“ verschwunden sind.

Frankreich kämpft gegen das Bistro-Sterben

In Frankreich schließen immer mehr der legendären Cafés. Innerhalb eines halben Jahrhunderts ist die Zahl von einst 200.000 auf weniger als 40.000 geschrumpft. Präsident Macron hat nun einen Rettungsplan in die Wege geleitet.

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Der sehr gewagte Schritt einer jungen Frau

Die französische Tageszeitung „Le Monde“ hat den Blick in der Regel auf die ganz große Politik in der weiten Welt gerichtet. Doch wegen der Eröffnung des kleinen Bistros La Fine Mousse in Verneuil-Moustiers ist ein Reporter sogar aus dem fernen Paris in die allertiefste Provinz gereist. Gerade einmal 130 Menschen wohnen in dem Flecken im Département Haute-Vienne im Westen Frankreichs. Umgeben ist das kleine Dorf von mehreren Naturparks, will heißen: die Chance bei einem Streifzug durch die Region auf einen Wolf zu treffen ist wahrscheinlich größer, als einem Menschen zu begegnen. Zusätzlich interessant ist das neue Bistro auch deshalb, weil die erst 19 Jahre alte Laureen Foulon als neue Besitzerin ganz und gar nicht dem landläufigen Klischee des etwas bärbeißigen, aber dennoch leutseligen Kneipenwirts entspricht.

Die Zahl der Bistros sink rapide

Vier Jahre habe das Bistro in Verneuil-Moustiers zwischen Kirche und Rathaus leer gestanden, erzählt die jungen Frau, die sich bei ihrem kleinen Abenteuer durchaus bewusst ist, dass in Sachen Rentabilität die Statistik gegen sie spricht, denn Frankreich leidet unter einem Massensterben seiner ikonischen Bistros. Innerhalb eines halben Jahrhunderts ist die Zahl der Cafés von einst 200 000 auf weniger als 40 000 geschrumpft.

Doch die Bistros sind längst ein Kulturgut, weshalb sich nun allerhöchste Stellen eingeschaltet haben. Der französische Präsident Emmanuel Macron persönlich hat eine Rettungsaktion gestartet. Er will 1000 neue Cafés schaffen oder alte wiederbeleben. 150 Millionen Euro sollen dafür investiert werden. Im Fokus sind die abseits gelegene kleine Dörfer, in denen die Schließung von Cafés besonders schwer wiegt, weil sich den Einwohnern kaum andere Möglichkeiten für soziale Kontakte bieten.

Ein Fonds zur Rettung der Bistros

An der Spitze der Aktion steht Jean-Marc Borello, Chef der gemeinnützigen Organisation SOS mit einem jährlichen Umsatz von einer Milliarde Euro. Für ihn ist die Rettung der Cafés nicht nur eine soziale Mission. Er will damit auch auf den Frust und den Zorn der Menschen in Teilen des Landes antworten, die fernab des Lichterglanzes von Paris leben und sich abgehängt fühlen.

Und hier offenbart sich der Grund für die Bistro-Initiative des französischen Präsidenten. Seit einem Jahr demonstrieren Menschen in gelben Weste im ganzen Land dagegen, dass in der Provinz die Schulen und Krankenhäuser schließen, die Busse zu selten fahren, Jobangebote fehlen und es zu wenige vernünftige Freizeitangebote gibt. Die Rettung von Cafés könne diese Probleme natürlich nicht lösen, räumt Jean-Marc Borello ein. Aber es sei ein kleiner Schritt, die soziale Isolation zu bekämpfen.

Die Bistros sollen zusätzliche Dienste anbieten

Zudem sollen die neuen Einrichtungen nach seinen Vorstellungen erweiterte Versionen der traditionellen französischen Bistros sein. Neben den üblichen Getränken, Snacks und Wettscheinen könnten sie etwa auch tägliche Notwendigkeiten wie Brot und andere Grundnahrungsmittel bieten oder auch Internetzugang und Postdienste.

Laureen Foulon bekam bei ihrem Start in Verneuil-Moustiers allerdings keine Hilfe vom Staat, sondern von den Eltern, die beim Renovieren halfen. Ihr Onkel Jean-Luc steuerte seinen Billardtisch bei und Oma Thérèse einen ganzen Koffer voller Geschirrtücher. 200 Menschen waren bei am Abend der Einweihung vor einigen Wochen dabei, Laureen Foulon sieht das als gutes Omen.

Frankreich droht der Stillstand

Die Gewerkschaften haben bei der Bahn zu einem landesweiten Streik am 5. Dezember aufgerufen. Die Regierung befürchtet eine Ausweitung der Proteste.

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Am 5. Dezember geht bei der SNCF nichts mehr. Die Gewerkschaft hat einen Streik angekündigt. Es geht gegen die geplanten Rentenreform der Regierung.

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Frankreich meiden am 5. Dezember

An dieser Stelle ein wichtiger Reisehinweis: Wer am 5. Dezember einen Kurzurlaub in Frankreich plant, der sollte besser umbuchen. Der Grund: die Angestellten der der französischen Bahn SNCF und der Pariser Verkehrsbetriebe RATP haben einen landesweiten Streik angekündigt. Inzwischen wird gemunkelt, dass sich auch andere Bereiche, wie etwa die Bediensteten der Autobahn-Mautstellen und Museen, dem Ausstand anschließen könnten.

Die  Bahn reagiert auf den Streik

Die Verantwortlichen bei der SNCF haben mit drastischen Mitteln auf den angekündigten Streik reagiert. Auf der Internetseite des Unternehmens sind für den Zeitraum vom 5. Dezember bis 8. Dezember für alle TGV inOui, OuiGo und Intercitys keine Tickets mehr zu buchen. Auch alle Reisen nach London wurden gestrichen. Für die Fahrten von Paris nach Stuttgart sind sogar vom 4. Dezember abends bis zum 10. Dezember morgens keine Buchungen möglich. Wer schon jetzt eine Fahrkarte für diesen Zeitraum besitzt, kann diese, nach Angaben der SNCF, kostenlos stornieren oder umtauschen. „Wir werden die Situation kommende Woche noch einmal analysieren“, erklärte SNCF-Chef Jean-Pierre Farandou, dann würden weitere Entscheidungen in Sachen Fahrplan getroffen. Man könne allerdings erst kurz vor Streikbeginn sagen, welche Züge tatsächlich fahren und welche nicht.

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Streik gegen die Rentenpläne der Regierung

Grund für den Streik sind die Rentenpläne der Regierung. Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, die fast 50 speziellen Rentensysteme in Frankreich zu einer einzigen Kasse zusammenfassen zu wollen. Die Eisenbahner sind davor besonders betroffen, da bei ihnen bis jetzt noch die großzügigsten Regelungen gelten. So können manche Mitarbeiter mit überdurchschnittlichen Bezügen schon mit 52 in den Ruhestand gehen. Die neuen Regelungen sollen zwar nur für Mitarbeiter gelten, die nach der angekündigten Rentenreform angestellt werden, doch die Gewerkschaften innerhalb der SNCF sind dennoch empört und zum Kampf entschlossen.

Die Regierung befürchtet, dass der Streik vom 5. Dezember nur der Vorbote für einen äußerst konfliktreichen Winter sein könnte. Schon einmal, im Jahr 1995 wollte die damalige Regierung des konservativen Premiers Alain Juppé das Rentensystem reformieren, musste nach wochenlangen Arbeitskämpfen die Pläne allerdings begraben.

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INFO-BOX zum Streik:

UMTAUSCH: Die ursprüngliche Fahrkarte kann nach Angaben der SNCF umgetauscht werden. Das heißt, man kann einen anderen Zug nehmen – sofern dort noch Plätze frei sind. Diese Regel gilt für alle Arten von Fahrkarten mit Gültigkeit während der Streikperiode.

ERSTATTUNG: Alle Fahrkarten können unabhängig vom jeweiligen Tarif, einschließlich „nicht umtauschfähig / nicht erstattungsfähig“, kostenlos erstattet werden. Bei Hin- und Rückfahrkarten werden Ihnen alle Fahrkarten erstattet, wenn man einen Teil der Reise nicht antreten kann.

VORGEHEN: Bahnfahrende können Ihre Tickets kostenlos an einem SNCF-Schalter oder unter der Nummer 0033 892 35 35 35 umtauschen oder stornieren. Wenn das Bahnticket kostenlos umtausch- oder erstattungsfähig ist, kann man die Reservierung vor der geplanten Abfahrt des Zuges direkt auf der SNCF-Website stornieren oder umtauschen.

AUSWIRKUNGEN: Wird die SNCF bestreikt, hat dies voraussichtlich auch Auswirkungen auf die internationalen Verbindungen von Thalys  (etwa Paris – Brüssel – Aachen – Köln – Essen) und TGV (Frankfurt – Paris, München/Stuttgart – Paris, Frankfurt – Lyon – Marseille).