Lourdes nimmt Corona-Kranke auf

In der Corona-Pandemie nimmt die französische Wallfahrtsstätte in Lourdes erstmals Kranke auf. Auf dem Gelände des katholischen Heiligtums im Südwesten Frankreichs wurde ein medizinisches Zentrum für Obdachlose und Menschen in Armut eingerichtet, wie die Präfektur mitteilte.

.

.

Dort sollen rund 20 Covid-19-Patienten aufgenommen werden, die keine schweren Symptome zeigen. Wegen der Corona-Krise war die Wallfahrtsstätte erstmals in ihrer Geschichte für Besucher geschlossen worden. Nach Lourdes kommen jedes Jahr Millionen Pilger aus der ganzen Welt, von denen sich viele eine Heilung ihrer Gebrechen erhoffen. Der christlichen Tradition zufolge erschien die Jungfrau Maria 1858 in einer der Höhlen von Lourdes.

Marine Le Pens einsamer Kampf gegen den Präsidenten

Frankreich schart sich angesichts der Krise hinter Emmanuel Macron, nur die rechtsnationale Populistin weiß alles besser

.

20.04.04-le pen

Marine Le Pen ist im Moment auf allen Kanälen zu finden

.

Gemeinsam im Kampf gegen das Virus

In Frankreich macht der Begriff der „unité nationale” (nationale Einheit) die Runde. Präsident Emmanuel Macron wiederholt immer wieder, das Land befinde sich im „Krieg“ gegen das Coronavirus. Kritik von der politischen Konkurrenz ist angesichts dieser dramatischen Rhetorik selten, die rigide kontrollierte Ausgangssperre wird überraschend klaglos mitgetragen. Nur Marine Le Pen schert aus dieser Front aus und tut das, was sie am besten kann. Die Chefin des rechtsextremen Rassemblement National poltert mit wütendem Gestus durch die politische Landschaft. Im Fernsehen, Radio oder via Twitter bezichtigt sie die Regierung jeden Tag der Lüge oder wirft dem Präsidenten totales Missmanagement in der Krise vor. Allerdings gelingt es ihr nicht wie in der Zeit vor der Krise, mit ihren Tiraden auch Themen zu setzen.

Marine Le Pen stilisiert sich als eine Art Whistleblowerin, die schon früh vor der Krise gewarnt habe – aber keiner von den Verantwortlichen in Paris habe auf sie gehört. Der Rassemblement National sei schon immer für die Schließung der Grenzen eingetreten oder habe die Abhängigkeit vom Ausland bei der Produktion etwa von Medikamenten angeprangert. Wer ihr widerspricht oder klaffende Lücken in ihrer Argumentation aufzeigt, dem wirft sie vor, „Fake News“ zu verbreiten.

.

 

.

Das Ziel ist Emmanuel Macron

All diese Angriffe dienen offensichtlich einem einzigen Ziel: sie sollen Emmanuel Macron nachhaltig schaden. Denn es gilt als sicher, dass Le Pen gegen den Amtsinhaber bei den Wahlen in zwei Jahren um den Präsidentensessel konkurrieren wird.

Allerdings muss die Politikerin erkennen, dass ich Katastrophenrhetorik nicht verfängt und die Beliebtheitswerte des ihr verhassten Staatschefs jeden Tag steigen. In der Krise scheinen die Franzosen ein ungeahntes Vertrauen in ihren forsch vorgehenden Präsidenten zu entwickeln. Im Gegenzug steht Marine Le Pen mit ihren Wortmeldungen oft als Besserwisserin da, die selbst keine effektiveren Maßnahmen zur Lösung dieser fundamentalen Krise bieten kann.

Le Pen und die große Verschwörung

Angesichts dieser Situation versteigt sich Marine Le Pen inzwischen in das Verbreiten von Verschwörungstheorien. „Es ist eine Frage des gesunden Menschenverstandes, dass sich die Franzosen die Frage stellen“, raunte sie dieser Tage in einem Interview mit dem Sender „France Info“ ins Mikrophon, „ob das Virus natürlichen Ursprungs ist oder aus einem Labor entkommen konnte.“ Mit solchen Aussagen bedient sie ihr Publikum, denn Studien zufolge sind vor allem die Wähler des Rassemblement National für Verschwörungstheorien empfänglich.

Inzwischen befürchten aber sogar Vertreter aus dem Rassemblement National, dass das aggressive Auftreten von Marine Le Pen der Partei mehr schadet als nutzt. Am Ende, so heißt es warnend, vertraue das Volk dem Zauberer mehr als dem Zauberlehrling.

Bürgermeister montiert Bänke ab wegen des Coronavirus

Im Kampf gegen den Coronavirus greifen die Verantwortlichen bisweilen zu erstaunlichen Maßnahmen. Das hat nun auch Sébastien Leprêtre, Bürgermeister von La Madeleine, getan. 

.

20.03.27-Bänke

.

Der Bürgermeister einer nordfranzösischen Gemeinde hat im Kampf gegen das Coronavirus alle Bänke abmontieren lassen. „Ich konnte sie jeden Tag aus dem Fenster meines Büros im Rathaus sehen“, sagte Sébastien Leprêtre, Bürgermeister von La Madeleine, der Tageszeitung „Le Parisien“ über die Menschen, die sich auf die Bänke gesetzt hätten. „Bei strahlendem Sonnenschein kamen die Einwohner zum Reden und nicht nur für zehn Minuten, sondern für einen guten Teil des Nachmittags. Das ist inakzeptabel.“ Die Stadtverwaltung montierte schließlich um die 40 Bänke auf Frei- und Grünflächen ab.

Nicht nur, dass das Sitzen auf einer Bank derzeit nicht erlaubt sei – die Bank sei auch ein potenzieller Virusüberträger, so der Bürgermeister. „Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages eine solche Entscheidung treffen müsste“, so Leprêtre. „Leider nehmen es einige Leute immer noch auf die leichte Schulter.“ Wenn die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben werden und sich die Situation wieder verbessert hat, sollen die Bänke wieder aufgestellt werden.

.

 

.

In Frankreich gelten seit anderthalb Wochen strenge Ausgangsbeschränkungen – vor die Tür zu gehen, ist nur erlaubt, wenn es unbedingt nötig ist. Sport und kurze Spaziergänge – etwa mit Hunden, Kindern oder Personen desselben Haushalts – sind aber gestattet.

Arbeitslose sollen in Frankreich bei der Ernte helfen

Die Corona-Krise macht sich nun auch bei den französischen Bauern bemerkbar. Ihnen fehlen im Moment die Arbeitskräfte, um die Ernte von den Feldern einzuholen. Nun wurden Arbeitslose aufgerufen, bei der Feldarbeit auszuhelfen.

.

20.03.25-Arbetiskärfte

In der Tageszeitung „Le Parisien“ berichten Bauern über ihre Notlage in Sachen Saisonarbeiter

.

Es fehlen rund 200.000 Saisonkräfte

Nach Angaben des französischen Dachverbands der Landarbeiter (FNSEA)  fehlen bis Mai rund 200.000 Saisonkräfte. Die Verbandspräsidentin Christiane Lambert rief Interessierte im Radiosender France Inter auf, sich auf einer Webseite zu melden, die mit Hilfe der Arbeitsagentur eingerichtet wurde.

Landwirtschaftsminister Didier Guillaume hatte zuvor alle derzeit unbeschäftigten Franzosen aufgerufen, sich freiwillig zur Verfügung zu stellen. „Wir müssen produzieren, um die Franzosen zu ernähren“, betonte Guillaume.

.

 

.

Sorgen machen sich unter anderem die Erdbeer-Bauern. Ihnen fehlen für die bevorstehende Ernte rund 3000 Saisonkräfte, die normalerweise aus Spanien, Portugal, Marokko oder Polen nach Frankreich kommen, wie der größte Anbauverband AIFLG im Südwesten Frankreichs mitteilte.

Einreiseverbot in Deutschland für Erntehelfer

Ein ähnliches Problem hat auch Deutschland. Dort wurde trotz der Schwierigkeiten ein Einreiseverbot für Saisonarbeitskräfte und Erntehelfer erlassen. Ihnen werde „bis auf weiteres“ die Einreise nach Deutschland im Rahmen der bestehenden Grenzkontrollen nicht mehr gestattet, teilt das Bundesinnenministerium mit. Dies habe Innenminister Horst Seehofer zur weiteren Eindämmung der Infektionsgefahren angeordnet.

„Die Regelung gilt für Einreisen aus Drittstaaten, Großbritannien sowie EU-Staaten, die den Schengen-Besitzstand nicht voll anwenden (u. a. Bulgarien und Rumänien) und für Staaten, zu denen Binnengrenzkontrollen vorübergehend wiedereingeführt wurden.“ Der Bauernverband hatte gefordert, den Einreisestopp „so kurz wie möglich zu halten.“ In der Landwirtschaft arbeiten jedes Jahr nahezu 300.000 Saisonkräfte vor allem aus Rumänien und Polen.

Ein Nacktfoto als Protest im „Gesundheitskrieg“

Alain Colombié ist verzweifelt. Der Mediziner ist so verzweifelt, dass er sich auszieht. Auf Facebook veröffentlichte er ein Nacktfoto von sich.  Es sei ein „Aufschrei“ gegen die Zustände, die in Frankreich im Kampf gegen das Coronavirus herrschten, sagt er. Sein Vorwurf: das Land sei trotz Warnungen vieler Ärzten unvorbereitet in die Pandemie gegangen.

.

20.03.24-colombie

.

Chair à canon – Kanonenfutter

Das Foto zeigt Colombié nackt in seinem Behandlungszimmer auf einem roten Drehstuhl. Er trägt lediglich ein Stethoskop und eine Kopf- und Armbinde mit der Aufschrift „chair à canon“ (Kanonenfutter).

.

„Président Macron, vous demandez à vos petits soldats de partir au front sans armes et sans défense ( masque, gel, surblouse ) et bien sûr sans considération, le petit doigt sur la couture du pantalon….., à non merde ! Pardon !“

.

Der Arzt sagt, dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron von Ärzten verlange, „in demselben Aufzug in die Schlacht zu ziehen, den ich auf dem Foto trage“, schreibt er in einem Kommentar. Die Mediziner hätten zu ihrer Verteidigung weder Masken noch Desinfektionsgel noch Schutzanzüge.

Gegenüber France Info erklärt er: 

.

„Je demande l’insurrection générale de tous les professionnels de santé. Ne pouvant entrer en grève, je demande à tous et à toutes de travailler avec un brassard, un plastron ou tout autre moyen, intitulé : CHAIR À CANON ». „C’est un coup de gueule, c’est sorti du cœur mais là, la coupe est pleine et on va la boire jusqu’à la lie.“

.

Frankreich im „Gesundheitskrieg“

Macron hatte die Franzosen vor gut einer Woche auf einen „Gesundheitskrieg“ gegen das Coronavirus eingestimmt. Inzwischen hat die Regierung einen Mangel an Masken und anderer Ausrüstung eingeräumt.

Colombié ist Hausarzt in der südfranzösischen Gemeinde Pomérols, in der Nähe der Urlaubsorte Agde und Sète am Mittelmeer. Nach eigenen Angaben hat er derzeit täglich mehr als 40 Patienten und arbeitet teils bis in die späten Abendstunden. In Frankreich wurden zuletzt offiziell mehr als 19.800 Coronavirus-Infektionen gezählt und 860 Tote.

 

Asterix und Obelix trauern um ihren Vater Albert Uderzo

Mit den beiden ungleichen Galliern ist der französische Zeichner weltberühmt geworden. Nun ist der Erfinder der Comic-Helden gestorben.

.

20.03.24-Asterix

.

Den Erfolg nicht in die Wiege gelegt

Der Erfolg als Zeichner wurde Albert Uderzo nicht gerade in die Wiege gelegt. Der Sohn italienischer Einwanderer war farbenblind und er hatte sechs Finger an jeder Hand. Die kleine Fehlbildung wurde ihm nach seiner Geburt am 25. April 1927 bereits früh entfernt. Mit dem anderen Problem musste er sich allerdings sich ein Leben lang herumschlagen, doch er wusste sich zu helfen. Damit Uderzo eine grüne Wiese nicht in leuchtend roten Farben bemalte, beschriftete er alle seine Buntstifte.

Und was wäre aus dem Jungen Albert geworden, hätte ihn nicht sein sieben Jahr älterer Bruder Bruno einst dazu gedrängt, seine Zeichnungen einem Pariser Verlag anzubieten? Dort publizierte er mit 14 seine ersten Arbeiten. So wurde Albert Uderzo zu einem der berühmtesten Zeichner der Welt. Am Dienstag ist die Comic-Ikone im Alter von 92 Jahren im Pariser Vorort Neuilly gestorben.

Inspiriert von Mickey Maus

Seinen ersten Comic entdeckte Albert Uderzo einst nach eigenen Angaben in der französischen Tageszeitung „Le Parisien“. Fasziniert von den Abenteuern von Mickey Maus begann er im Alter von zehn Jahren selbst Figuren mit großen Nasen zu skizzieren. Nach der Schule schlug sich Uderzo erst einmal durchs Leben, arbeitete als Nachwuchszeichner und Bürobote in einem Verlag in Paris und landete nach dem Krieg für kurze Zeit unter anderem beim Trickfilm.

.

.

Im Jahr 1951 folgt schließlich die alles entscheidende Begegnung, von der Uderzo im Lauf seines Lebens immer wieder erzählen muss. Er lernt den talentierten Texter René Goscinny kennen. Beide entdecken ihre gemeinsame Leidenschaft für Walt Disney und für Laurel und Hardy. Uderzo beschreibt die erste Begegnung als „wesentlich und entscheidend“ für sich. Für Goscinny soll sie eine Art gegenseitige Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, wie „Le Monde“ schrieb. Sie hätten stundenlang miteinander geredet und beschlossen zusammenzuarbeiten.

Die Geburtsstunde von Asterix und Obelix

Das kongeniale Duo produziert in den folgenden Jahren mehrere Serien und hat erste Erfolge mit Figuren wie dem Indianer Umpah-Pah oder dem Reporter Luc Junior. Nach einer Auseinandersetzung mit ihrem Arbeitgeber gründen die beiden eine Werbeagentur, in der am 29. Oktober 1959 die erste Ausgabe der Jugendzeitschrift „Pilote“ erscheint. Darin haben zwei ungleiche Gestalten ihre Premiere: ein kleiner, knollennasiger Antiheld und dicker, rothaariger Tollpatsch. Astrix und Obelix haben das Licht der Öffentlichkeit erblickt.

.

 

.

Den Nerv der Menschen getroffen

Uderzo und Goscinny ahnen, dass sie den Nerv der Menschen getroffen haben und veröffentlichen zwei Jahre später das erste Album „Asterix der Gallier“. In den folgenden Jahrzehnten werden weltweit rund 370 Millionen Exemplare der Serie verkauft. Übersetzt werden sie über 100 Sprachen und Dialekte. Dabei sind die gallischen Helden, die mit List und Zaubertrank den Römern Angst und Schrecken einjagen, zuerst vor allem für die Franzosen gedacht. „Wir wollten etwas typisch Französisches schaffen, das sich von den amerikanischen Comics absetzt“, sagte Uderzo einmal. „Doch vermutlich haben wir mit unseren Geschichten etwas berührt, was alle Menschen trifft“.

Der Schock durch den Tod von Goscinny

Im November 1977 schien dann das jähe Ende von Asterix und Obelix gekommen. Mit nur 51 Jahren starb Goscinny bei einem Arztbesuch an einem Herzstillstand. Doch Uderzo beschloss, nach diesem Schock alleine weiterzumachen und auch die Texte für die Geschichten zu schreiben. Für eingefleischte Fans grenzte das an Blasphemie und die Kritiker bemängelten, den neuen Bänden fehle der ironische Witz der früheren Jahre. Doch die Leser dem blieben dem ungleichen Gallier-Duo treu. Das erste von Uderzo allein geschaffene Album „Der große Graben“ erschien 1980. Anfang 2009 zog er sich wegen seines Arthroseleidens zunehmend vom Zeichentisch zurück. Zwei Jahre später übergab er das Zepter ganz an jüngere Kollegen. Der erste Asterix-Band von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad erschien 2013.

Nach seinem Rückzug machte Uderzo auch weniger schöne Schlagzeilen. Zuerst stritt er sich über Jahre mit dem Verlag Dargaud um die Rechte für die ersten 25 Asterix-Bände. Danach begann zwischen ihm und seiner Tochter Sylvie ein jahrelanger juristischer Kampf um das millionenschwere Asterix-Erbe, den beide 2014 beilegten. So fand er am Ende doch noch den Frieden mit seiner Familie. Die ließ die Welt nun wissen, dass Albert Uderzo friedlich eingeschlafen sei. Er erlag demnach „einem Herzinfarkt, ohne Verbindung zum Coronavirus“.

.

Coronavirus bei Asterix und Obelix 

Mitten in der Coronavirus-Krise ist Asterix-Erfinder Albert Uderzo gestorben. Der 92-Jährige erlag nach Angaben seiner Familie aber nicht der Lungenkrankheit Covid-19, sondern starb im Schlaf an einem Herzinfarkt. Was viele Fans überrascht: Bereits vor einigen Jahren tauchte „Coronavirus“ bei Asterix auf.
In dem 2017 erschienenen Band „Asterix in Italien“ heißt der Bösewicht „Coronavirus“. Dabei handelt es sich um einen verschlagenen Wagenlenker mit einer goldenen Maske, der im Auftrag von Julius Cäsar ein Pferdewagen-Rennen quer durch Italien gewinnen soll. Asterix und Obelix wollen den Sieg dieses bösartigen „Coronavirus“ auf jeden Fall verhindern. Eine der Zeichnungen in dem Comic zeigt eine jubelnde Menge, die „Coronavirus, Coronavirus“ schreit.
Waren die Uderzo-Nachfolger Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad also Hellseher, als sie den Band „Astérix et la Transitalique“ entwarfen? Kaum. Autor Ferri erklärte bereits 2017 bei der Vorstellung des neuen Comics in Paris, sie hätten sich für den Namen „Coronavirus“ entschieden, weil er „böse“ klinge. Denn die Familie der Coronaviren galt als Auslöser der SARS-Epidemie von 2002 und 2003 mit hunderten Toten.
Wer „Coronavirus“ in der deutschen Ausgabe von „Asterix in Italien“ sucht, tut dies allerdings vergeblich. Dort heißt der Wagenlenker Caligarius, und sein Beifahrer Bleifus und nicht Bacillus wie im französischen Original. Der deutsche Übersetzer Klaus Jöken sagte dazu 2017 der Zeitung „Die Welt“: „Wir Deutsche empfinden Krankheiten als etwas sehr Unappetitliches, Ekliges.“ Deshalb habe er sich mit dem Verlag für den Namen Caligarius entschieden.

Fataler Stillstand rund um Notre-Dame

Die Bauarbeiten an der Kathedrale müssen wegen des Coronavirus gestoppt werden – angelockt werden dadurch auch Plünderer.

.

IMG_0925

Die Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen. 

.

Die Kathedrale droht zusammenzubrechen

Die ausgebrannte Kathedrale Notre-Dame liegt noch immer wie ein waidwundes Tier auf der Île-de-la-Cité im Zentrum von Paris. Mit kühnen Holzkonstruktionen werden die Steinbögen an der Außenmauer notdürftig abgestützt und sollen so vor dem Einsturz bewahrt werden. Doch fast ein Jahr nach der Brandkatastrophe sind in diesen Tagen die Arbeiten zum Erliegen gekommen. Der Grund ist der Coronavirus. „Die Schutzmaßnahmen, die die Arbeiter wegen der herrschenden Bleibelastung einhalten müssen sind schon sehr hoch“, erklärt Ariel Weil, Bürgermeister des 4. Arrondissement, und es könne nicht noch eine zusätzliche Sicherheitsstufe wegen der Pandemie draufgesattelt werden. Also habe man sich schweren Herzens entschlossen, die Arbeiten ganz ruhen zu lassen.

Der Moment der Pause ist ungünstig

Diese Entscheidung kommt in einem ungünstigen Moment. Denn die Arbeiter wollte gerade damit beginnen, das Metallgerüst zu demontieren, das noch immer auf dem Dach der Kathedrale liegt. In der Brandnacht war die rund 300 Tonnen wiegende Konstruktion geschmolzen und lastet nun auf dem Gewölbe, das deswegen droht zusammenzubrechen. Zudem sollte das Dach abgedichtet und mit der Reinigung des Innenraumes begonnen werden. Geplant war auch, die Orgel zu demontieren und zu restaurieren. Das alles muss nun warten, bis die für ganz Frankreich geltende Ausgangssperre aufgehoben wird.

Diebe versuchen Steine zu stehlen

Die Ruhe um die Kathedrale hat allerdings ihre Tücken, denn sie lockt finstere Gesellen an. In diesen Tagen wurden vom Sicherheitsdienst zwei Männer ertappt, die sich im

IMG_1010

Inneren zu schaffen machten. Beim Anrücken der Polizei versteckten sie sich unter einer großen Bauplane. In einer großen Tasche hatten die Diebe Steine dabei, die sie offensichtlich verkaufen wollten. Für die Verantwortlichen ist das keine Überraschung, wiederholt sind Plünderer über den drei Meter hohen Sicherheitszaun gestiegen, der die Kirche umgibt. Aus diesem Grund wird das Bauwerk auch rund um die Uhr bewacht wird.

Notre-Dame ist ein Mythos

„Notre-Dame war schon immer ein Mythos“, erklärt André Finot, Sprecher von Notre-Dame. „Es gibt einen riesigen Schwarzmarkt für diese Dinge, man findet sogar Steine von der Kathedrale, die auf Ebay zum Kauf angeboten werden.“ Vor zwei Jahren sei ein Mann aufgeflogen, der einen gestohlenen Wasserspeier veräußern wollte. Von der Polizei befragt, erklärte er, die Figur sei ihm bei einem Spaziergang rund um Notre-Dame vom Dach vor die Füße gefallen und er habe sie nur aufgehoben.

IMG_0958

Die Kirche wird nach dem Brand rund um die Uhr bewacht

Doch nicht nur Ganoven machen sich an Notre-Dame zu schaffen. „Im Dezember hatten wir einen großen Weihnachtsbaum auf dem Vorplatz aufgestellt“, erinnert sich André Finot. Doch die Touristen hätten die Christbaumkugeln und die Girlanden gestohlen, um sie als Souvenir mit nach Hause zu nehmen. Finot zählt inzwischen auch nicht mehr die Briefe von Bittstellern aus der ganzen Welt, die ein Stück Kohle von den verbrannten Dachbalken aus der Kathedrale haben möchten.

Das Schicksalsjahr 2020

Für die Verantwortlichen ist der Baustopp sehr bitter, denn 2020 sollte zu einer Art Schicksalsjahr für die Kathedrale werden. Bisher jetzt war man noch immer vor allem mit Sicherungsarbeiten und der Aufnahme der Schäden beschäftigt. Das sollte sich in diesem Sommer ändern und die Restaurierung in Angriff genommen werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte noch in der Brandnacht am 15. April 2019 verkündet, dass Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren aufgebaut werde. Das hielte Fachleute allerdings schon damals für nicht zu schaffen.

Teile der Kuppel sind eingestürzt

Bei dem verheerenden Brand, der mutmaßlich während der Renovierungsarbeiten am Dach ausgelöst wurde, verbrannte der komplette Dachstuhl, eine originale Eichenkonstruktion aus dem 13. Jahrhundert. Teile der Gewölbekuppel stürzten ein. Der 96 Meter hohe hölzerne Vierungsturm aus dem 19. Jahrhundert brach in sich zusammen und versank in einem unglaublichen Flammenmeer. Temperaturen bis zu 1000 Grad, Rauch, aber auch Löschwasser fügten dem Mauerwerk schwerste Schäden zu. Dazu kommt eine immense Bleikonzentration in und um die Kirche, Hinterlassenschaft der geschmolzenen Dächer – ein großes Gesundheitsrisiko für Anwohner und Arbeiter am Bau.