Die Grenzen der radikalen russischen Kunst

Die Redakteure von Deutschlandfunk Kultur sind offensichtlich irritiert. „Was bezweckt der Aktionskünstler?“ betiteln sie einen Text über  Pjotr Pawlenski. Der im Westen gefeierte Russe hatte zuvor in Paris die Tür einer Bankfiliale angezündet. Doch war es nicht irgendeine Bank, es war die Banque de France. Er wurde wegen Sachbeschädigung verhaftet.

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Akt gegen die Tyrannei

Angeblich, berichtete eine Augenzeugin, will Pawlenski seine Aktion als Akt gegen die Tyrannei verstanden wissen – er wolle damit eine neue Revolution anstoßen. Doch durch seine Tat wird der Aktionskünstler nicht vom Kreml-Kritiker zum Kapitalismus-Kritiker. Pawlenski sei vor allem eines: ein Einzelgänger, der durch seine kompromisslose Art auch in Russland schon einige regierungskritische Intellektuelle gegen sich aufgebracht habe.

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Pawlenskis Fassade bekommt Risse

Durch die Aktion in Paris dürfte Pawlenskis öffentliche Fassade noch mehr Risse bekommen haben. Schon im Frühjahr war er selbst im wohlmeinenden Westen in Verruf geraten, als er nach ungeklärten Missbrauchsvorwürfen Russland verließ und in Frankreich politisches Asyl beantragte. Vor einigen Wochen dann erklärte Pawlenski in einem Interview mit der Deutschen Welle, er wohne in einem besetzten Haus und klaue, wie jeder anständige Franzose, sein Essen in Supermärkten.

Keine Verbündete des Westens

Hier zeigt sich ein zentrales Problem: im Westen sehen viele in den Vertretern radikaler Kunst in Russland Verbündete des Westens. Doch für einen Mann wie Pawlenski sind die Mächtigen, das westliche Establishment nicht minder verachtenswert als die Herrscher im eigenen Land.

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Radikale russische Kunst am Limit

Im Fall Pawlenski zeigt sich auch einmal mehr, dass die radikale russische Kunst außerhalb der restriktiven russischen Rahmenbedingungen nicht funktioniert. Einige Aktivisten der Gruppe Wojna, aus deren Umfeld später Pussy Riot entstanden sind, haben sich schon vor Jahren ins Ausland abgesetzt. Einer von ihnen, Oleg Worotnikow, lebt heute in Tschechien, beschwert sich über die westliche Langeweile, lobt Putin und hofft irgendwann wieder nach Russland zurückkehren zu können. Auch Pussy Riot konnten nach ihrer Freilassung nie an den alten Erfolg, der ihnen zwei Jahre im russischen Gefängnis einbrachte, anknüpfen. Für ihr plumpes Musikvideo, in dem Sie Trump kritisiert, musste Nadeschda Tolokonnikowa, das ehemalige Gesicht von Pussy Riot viel Spott einstecken.

Aktionskünstler Pawlenski flieht aus Russland

Der Aktionskünstler Pjotr Pawlenski hat Russland verlassen – allerdings nicht freiwillig. Er sagt, man versuche ihm uns seiner Frau sexuelle Übergriffe anzuhängen und den Prozess zu machen.

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Die Gründe für die Flucht

In einem Interview mit dem Oppositionssender „Doschd“ erklärt Pawlenski seine Gründe,  Moskau den Rücken zu kehren. Eine Schauspielerin beschuldige das Paar, sie vergewaltigt zu haben. Dem Aktionskünstler, der für seine radikalen Performances bekannt ist, und seiner Frau könnten bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft drohen.

Hier geht es zu einem Interview mit dem Aktionskünstler mit Hromadske.TV

Pawlenski sagte dem TV-Sender, bei den Anschuldigungen handle es sich um „Denunziation“. Er sehe sich gezwungen, zum Schutz seiner Frau und Kinder das Land zu verlassen. Mit seiner Familie sei er zunächst über Weißrussland in die Ukraine gereist. Von dort aus sei er nach Frankreich geflogen, wo er um politisches Asyl bitten werde.

Hier Auszüge aus einer Erklärung Pawlesnkis auf seiner Facebook-Seite:

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„Wir wurden ununterbrochen verfolgt, heimlich verhört, immer in der Absicht, uns aus dem gesellschaftlichen und politischen Leben des Landes zu beseitigen. Agenten haben uns Waffen angeboten und sogar versucht, uns dazu zu bewegen, etwas Spektakuläres zu unternehmen, etwas in die Luft zu sprengen oder sogar den Kreml zu besetzen. Das Schicksal der so genannten »Krimterroristen« wollten wir nicht erfahren und haben solche Vorschläge durchweg abgelehnt. Doch jetzt hat das Regime einen Weg gefunden, unser Leben in Russland unmöglich zu machen.“

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Sein Fazit: Er werde „unter keinen Umständen mit der Unterwürfigkeit eines Schafes in ein vom Staat betriebenes Schlachthaus torkeln.“

Hier geht es zur Erlärung im (deutschen) Wortlaut.

Pawlenski hat für seine umstrittenen Aktionen schon häufig Strafen in Kauf genommen. 2016 wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er am Hauptsitz des Inlandsgeheimdienstes FSB in Moskau eine Tür in Brand gesteckt hatte.  In einem Brief an die ZEIT spricht er danach von einem Erfolg, „von dem ich nicht zu träumen gewagt habe“. Außerdem wurde er von den russischen Behörden in eine Psychiatrie eingewiesen, um ihn einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen.

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Interview mit Piotr Pawlenski

Pjotr Pawlenski gilt als Russlands radikalster und umstrittenster Perfomance-Künstler. Oxana Evdokimova sprach mit ihm über Freiheit, Schmerz und Propaganda im heutigen Russland:

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Hier geht es zum Video!

Aufsehenerregende Aktionen

Pjotr Pawlenski erregt mit seinen Aktionen immer wieder Aufsehen. Nachdem er im November 2015 die Pforte des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Brand gesetzt hatte, war er in die Psychiatrie eingewiesen worden.

Es war nicht das erste Mal, dass Pawlenski für Furore sorgte. Vor zwei Jahren nagelte er seine Hoden auf das Pflaster des Roten Platzes in Moskau, um gegen die Entwicklung Russlands zu einem Polizeistaat zu protestieren. Die Justizbehörden kamen zu dem Schluss, er habe mit der damaligen Aktion kein Vergehen begangen. Noch immer anhängig ist ein Verfahren gegen Pawlenski, nachdem er in St. Petersburg im Februar 2014 Reifen verbrannte und die ukrainische Flagge schwenkte, um Demonstrationen gegen die ukrainische Regierung zu unterstützen. 2012 nähte er sich als Unterstützung für die regierungskritischen Punk-Aktivistinnen Pussy Riot den Mund zu.

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Ungewöhnliche Milde für Pjotr Pawlenski

Russische Richter können auch milde Urteile fällen. Diese ungewöhnliche Erfahrung darf der Performance-Künstler Pjotr Pawlenski machen. Dafür, dass er die Tür der Geheimdienstzentrale Lubjanka in Moskau in Brand gesetzt hat wird er nur mit einer Geldstrafe belegt. Möglich gewesen wären auch viele Jahre Gefängnis.

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Milde für den Vater von zwei Kindern

500.000 Rubel, umgerechnet rund 6.900 Euro, muss Pawlenski bezahlen und kam nach dem Richterspruch sofort auf freien Fuß. Mit in das Urteil eingerechnet sind allerdings die sieben Monate Untersuchungshaft, die der Künstler absitzen musste. Aber nun hatte die Richterin offensichtlich Mitleid, weil er Vater von zwei Kindern ist.

„Der Ausgang des Prozesses war eigentlich unwichtig. Wichtig ist, dass wir während des Prozesses die Realität aufdecken konnten. Wir konnten sehen, dass man die Kultur mit Methode vernichten und sich dann auf dieser Grundlage selbst zum Kulturdenkmal erklären kann.“ Das zielte auf den Geheimdienst. Das Gericht befand Pawlenski nämlich für schuldig, mit der Tür zur berüchtigten Geheimdienstzentrale Lubjanka ein Objekt des Kulturerbes zerstört zu haben. Um diese Argumentation überhaupt erst zu ermöglichen, hatte der Staatsanwalt erklärt, die Lubjanka sei deshalb ein Kulturgut, weil dort in den 1930er-Jahren bekannte Künstler festgehalten wurden.

Keine Anklage wegen Terrorismus

Pawlenski seinerseits hatte darauf bestanden, wegen Terrorismus angeklagt zu werden. Er wollte mit seiner Aktion „Bedrohung“ gegen den Terror des Geheimdienstes protestieren. Und er wollte zugleich Solidarität zeigen mit jenen, die von der russischen Justiz als angebliche Terroristen zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, wie der ukrainische Filmemacher Senzow. Das hat nun nicht funktioniert. In dieser Hinsicht hat Pawlenski seine Freiheit gewonnen und damit haben ihm die Behörden einen Strich durch seine Rechnung gemacht.

Die Fans feiern Pawlenski

Seine Fans haben ihr Idol allerdings gefeiert. Sie priesen seinen Mut und seine Furchtlosigkeit, die den Staat in die Knie gezwungen hätten. Pawlenski sei von sokratischer Furchtlosigkeit, so sagte es in der wartenden Menge vor dem Gericht der Aktionskünstler Oleg Kulik. Er lebe so frei wie der Philosoph, im Wissen, dass wir im Leben schon gestorben seien, „und siegen können in Russland ja nur die Toten“. So kann man das Urteil natürlich auch interpretieren.

Hier ein Link zur Berichterstattung über Pawlenski

Hier ein Link, wie Pawlenski die FSB-Tür angezündet hat

Pjotr, Light My Fire!

Das neue Cover der Moscow Times – sehr sehenswert! Und ein deutliches Zeichen, dass noch nicht alle Medien in Russland nach der Pfeife des Präsidenten tanzen.

Zur Geschichte: Der Performance-Künstler Pjotr Pawlenski hat die Tür des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Brand gesetzt, um gegen den staatlichen „Terror“ zu protestieren.

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Hier ist ein Link zur Berichterstattung über den „Anschlag“ auf den FSB

Hier der Link zur Berichterstattung in der Moscow Times

Hier ein kurzes Video über die Performance:

Und hier der Link zu einer beeindruckenden Biderlgalerie auf der Homepage der Moscow Times. Die ist allerdings nichts für schwache Nerven.Hier geht es zur Bildergalerie

FSB – die Tür zur Hölle brennt

Der Performance-Künstler Pjotr Pawlenski hat Medienberichten zufolge die Tür des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Brand gesetzt, um gegen den staatlichen „Terror“ zu protestieren.

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Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete am Montag unter Berufung auf Polizeiquellen, Pawlenski sei nach der Aktion festgenommen worden. Hier der Link zum Text von Interfax

Ein Video von der Aktion wurde im sozialen Netzwerk Vimeo veröffentlicht. Dort ist zu sehen, wie Pawlenski vor dem FSB-Gebäude mit den lodernden Flammen an der Holztür steht. Hier der Link zu dem Video

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Das Gebäude ist in Russland als Lubjanka bekannt – seit Sowjetzeiten ein Synonym für staatliche Unterdrückung. Der Inlandsgeheimdienst setze „unbegrenzten Terror“ ein, um 146 Millionen Menschen „unter seiner Gewalt zu halten“, heißt es im Text zu dem Video. Nach Informationen der Website „Mediasona“, die über die Festnahme von Aktivisten berichtet, wurde Pawlenski zum Verhör in ein Polizeikommissariat gebracht. Zwei Journalisten, die die Aktion verfolgten, wurden vorübergehend festgenommen.

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Pawlenski ist für spektakuläre Aktionen bekannt. Vor zwei Jahren nagelte er seine Hoden auf das Pflaster des Roten Platzes in Moskau, um gegen die Entwicklung Russlands zu einem Polizeistaat zu protestieren. Die Justizbehörden kamen zu dem Schluss, er habe mit der damaligen Aktion kein Vergehen begangen. Noch immer anhängig ist ein Verfahren gegen Pawlenski, nachdem er in St. Petersburg im Februar 2014 Reifen verbrannte und die ukrainische Flagge schwenkte, um Demonstrationen gegen die ukrainische Regierung zu unterstützen. 2012 nähte er sich als Unterstützung für die regierungskritischen Punk-Aktivistinnen Pussy Riot den Mund zu.

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In Moskau haben sie kurz nach der Performance mit den Aufräumarbeiten begonnen. Arbeiter verkleideten die offensichtlich angekokelte Tür mit Wellblech.

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Roman Dobrokhotov hat in seinem Facebook-Account dieses Foto gepostet. Hier der Link zur Seite