Bachmann sucht sein Heil in Spanien

Lutz Bachmann liebt seine Heimat. Das hat er bei vielen Pegida-Demos ins Mikrophon gebrüllt. Dass er nun nach Teneriffa auswandern will ist nur konsequent. Er lebt den urdeutschen Traum, er sucht nicht das Fremde, er sucht Deutschland mit Sonne. Inzwischen wird deutlich, dass Pegida unmittelbar vor der Spaltung steht. 


 

Mit Rückgrat hinter der Sache

Der Pegida-Chef sieht Sehnsucht nach dem Ausland ganz entspannt. „Wen interessiert es, wo man arbeitet und seinen Lebensunterhalt verdient, solange man mit Rückgrat hinter der Sache steht?“, schrieb Bachmann daraufhin bei Facebook. „Monatelang war es bekannt und trotzdem uninteressant!“ Über die Umzugspläne Bachmanns hatten zuerst die „Dresdner Neuesten Nachrichten“ berichtet.

Die Sache wäre wohl noch Länger ein Geheimnis geblieben, hätte nicht die inzwischen mit ihm verfeindeten früheren Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling auf ihrer Facebook-Seite darüber berichtet. Sie auf Facebook geätzt, Bachmann sei dabei, auf die spanische Kanareninsel zu ziehen und nur noch alle zwei Wochen zu den Kundgebungen nach Dresden zu kommen.

 

Ein seltener Gast bei Pegida

Der Pegida-Mitgründer Bachmann war in den vergangenen Wochen immer seltener bei den Kundgebungen in Dresden zu sehen. Ein Grund für sein Fernbleiben wurde den 2200 bis 2600 Teilnehmern nicht genannt. Wie tief das Zerwürfnis der beiden ist, lässt sich anhand der Posts nur erahnen. „Ich wollte Lutz Bachmann nie (!) die Führungsposition streitig machen“, schreibt Festerling. „Jedoch mit Sigi gemeinsam dafür sorgen, dass Pegida weiter kraft- und anspruchsvoll bestehen bleibt, wenn LB seinen Lebensmittelpunkt nach Teneriffa verlegt.“ Mit LB ist offenbar Lutz Bachmann und mit Sigi Siegfried Däbritz, der zum Pegida-Organisationsteam gehört, gemeint. Däbritz, der früher FDP-Mitglied war, ist inzwischen neuer Frontmann vor Ort.

 

Ein langer Streit bei Pegida

Bachmann und Festerling hatte sich schon zuvor entzweit. Bachmann soll laut Insidern nicht gefallen haben, mit welchen Themen Festerling auftrat, als er krank war. Im Juni schließlich eskalierte der Streit. Pegida erklärte, Festerling habe das Organisationsteam verlassen und solle wegen vereinsschädigendem Verhalten aus dem Förderverein ausgeschlossen werden. Festerling wiederum bezichtigte via Facebook Bachmann in einer ausführlichen Erklärung „in sieben Punkten“ der Lüge und warf ihm vor, er verhalte sich „wie Merkel“.

Und hier noch ein kleiner Blick in die Zukunft von „extra3“:

Hier geht zur weiteren Berichterstattung über Lutz Bachmann

Nachtrag:

Pegida vor der Spaltung

Offensichtlich steht die Pegida-Bewegung vor der endgültigen Spaltung. Tatjana Festerling hatte sich am Montag (26.09.2016) mit etwa 60 Gleichgesinnten auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof in Dresden eingefunden, um gegen Pegida-Chef Lutz Bachmann zu protestieren. Anhänger beider Lager warfen sich vor, die Bewegung zu spalten. Auch persönliche Beschuldigungen und Beleidigungen blieben nicht aus. Selbst Schläge wurden Widersachern angedroht.

Bachmann stellt die Vertrauensfrage

Bachmann stellte die Vertrauensfrage für sich und seinen Vize Siegfried Däbritz und erhielt von der Mehrheit der schätzungsweise gut 2500 Anhänger lautstarken Beifall. Danach ließ er per Handabstimmung gleich noch klären, dass Festerling als Sprecherin der internationalen rechtspopulistischen Bewegung „Festung Europa“ zurücktreten solle. Die ehemalige Hamburger AfD-Politikerin warf ihrem früheren Gesinnungsgenossen deshalb später vor, größenwahnsinnig zu sein. Bachmann wies erneut den Vorwurf zurück, Pegida-Spendengelder veruntreut zu haben.

Bilderberg – das Mekka der Mächtigen

Die geheime Weltregierung ist wieder zusammengekommen: die Bilderberg-Konferenz. Versammlungsort ist in diesem Jahr Dresden und die Gästeliste für das 64. Treffen liest sich wie ein „Who is Who“ aus Weltpolitik, Wirtschaft und Wissenschaft und Medien.

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Lädt ein zu Demos und Spekulationen – die Bilderberg-Konferenz

Entscheidung über die Zukunft des Planeten?

Doch die Konferenz ist nicht nur das Mekka der Mächtigen, sondern auch eines der Lieblingsthemen der Verschwörungstheoretiker. Den Bilderbergern wird von nicht gerade wenigen Menschen unterstellt, dass sie die Weltherrschaft antreten wollen. Vermutet wird, dass eine Handvoll Erwählte über die weitere Zukunft des Planeten entscheiden. Befeuert werden diese Theorien von den Organisatoren des Treffens selbst.

Schon seit ihrem ersten Treffen 1954 im Bilderberg-Hotel des damaligen Prinzgemahls der niederländischen Königin wird die Konferenz nach der sogenannten „Chatham House Rule“ abgehalten. Sie gestattet Teilnehmern zwar, die erhaltenen Informationen zu verwenden. Aber weder Identität noch Zugehörigkeit der Redner oder anderer Teilnehmer dürfen preisgegeben werden. Veröffentlicht wird außer einer Teilnehmer- und einer Themenliste nichts. Das schafft Raum für Spekulationen.

Eine notorische Geheimniskrämerei

Die notorische Geheimniskrämerei um das Treffen ruft natürlich auch politische Gruppen auf den Plan. So haben von der „Roten Fahne/Antifaschistische Aktion“ bis zur rechtsextremen NPD zahlreiche Parteien, Gruppen und Einzelpersonen knapp zwei Dutzend Protestkundgebungen gegen die Dresdner Konferenz angekündigt. Auffallend: Das Engagement rechter Gruppen. Auch die AfD und Pegida rufen zu Aktionen auf. Die Bilderberg-Konferenz geht gegen ein völkisch-nationales Bild, das gerade die rechten Gruppierungen vertreten, die ja auch der US-Regierung vorwerfen, die Weltregierung übernehmen zu wollen. Die Polizei ist jedenfalls vorgewarnt und bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Die Stadt hat ein Versammlungsverbot rund um den Tagungsort verhängt. Für Drohnen und andere Flugobjekte wurde eine Sperrzone eingerichtet.

Auch Berlin ist bei Bilderberg

Natürlich sind unter den 130 Teilnehmern, die  auch über das Weltgeschehen und die Stärkung der transatlantischen Beziehungen beraten, auch Vertreter der Bundesregierung: Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble und Thomas de Maizière (alle CDU).

Unwahrscheinlich ist, dass die Geheimniskrämerei eines Tages ein Ende haben wird. „Es ist eine informelle Gruppe, die über verschiedene Themen spricht und die Diskussion hinter verschlossenen Türen führt, um die Gespräche zu erleichtern“, sagt Henri de Castries, Chef des Axa-Versicherungskonzerns und Vorsitzender des Lenkungsausschusses der Bilderberger. Dass es sich bei den Konferenzteilnehmern um eine Machtelite handelt, sei nicht relevant. Und: „Warum sollten diese Menschen nicht das gleiche Recht auf Privatsphäre haben wie jeder normale Bürger?“

Bilderberg und die Chemtrails

Henri de Castries ist natürlich klar, dass mit solch nebulösen Aussagen  auch er weiter an dem Märchen von der Weltregierung strickt. Hart dementiert wird von den Bilderbergern allerdings die Theorie, dass in ihrem Namen die berüchtigten Chemtrails versprüht werden. Verschwörungstheoretiker wird das aber nicht davon abhalten, weiter daran zu glauben, dass in den Kondensstreifen der Flugzeuge am Himmel gezielt Chemikalien versprüht werden, um das Denken der unbedarften Weltbevölkerung zu beeinflussen.

Der OB von Leipzig spricht Klartext

Aus diesem Mann spricht Frust und Wut – und auch ein Funken Hoffnung. „Ich halte die Stimmung in Sachsen kaum noch aus“, bekennt der Leipziger SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung. Grund:der offene Rassismus in seiner Stadt. 

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Ein Appell an die Kollegen

Wären da nicht die vielen optimistischen Menschen, die aktiv Willkommenskultur leben und deutlich auf der Straße ihren Widerstand formulieren, „dann könnte man fast verzweifeln“, sagte Jung dem Internetportal 100tage100menschen.de des Deutschen Katholikentages, der vom  25. bis 29. Mai in der sächsischen Messemetropole stattfindet.

Hier geht es zu dem Interview mit dem OB von Leipzig

Jung appelliert an seiner Kollegen, sich klarer und deutlicher gegen den Rechtsextremismus im Land zu positionieren. „Die Politiker vor Ort müssen Bündnisse schmieden, um zu zeigen, dass sie für ein anderes, weltoffenes Deutschland einstehen.“ In dem Gastbeitrag formuliert Jung: „Wir haben in Sachsen ein Rassismusproblem“. Er wolle aber nicht pauschal über Kolleginnen und Kollegen urteilen, so der Leipziger Rathauschef. Er könne sich gut vorstellen, dass es vor allem in kleinen Gemeinden manchmal schwer für einen Bürgermeister sei, gegen die Stimmung vor Ort aufzustehen.

Der Katholikentag in Leipzig ist ein Wagnis

Der Oberbürgermeister äußerte sich im Rahmen einer multimedialen Werbekampagne für den 100. Katholikentag, der vom 25. bis 29. Mai in Leipzig stattfindet. Dabei erzählen die Veranstalter unter http://www.100tage100menschen.de Geschichten von Menschen, die mit dem Christentreffen in der Messestadt in Verbindung stehen oder in Berührung kommen werden.

Der Protestant Jung hob hervor, dass der Katholikentag in einer Stadt stattfindet, „in der nicht einmal 20 Prozent der Einwohner einer christlichen Konfession angehören“. Es sei „ein Wagnis, denn niemand weiß letztlich, wie die Menschen hier auf das Angebot reagieren und in welcher Form sie sich an den Diskussionen zu sozialen, ethischen und kirchlichen Fragestellungen beteiligen werden“. Über die großen Fragen des Menschseins in einem säkularisierten Umfeld ins Gespräch zu kommen, sei „eine große Chance dieser Veranstaltung“, so der Oberbürgermeister. Die politischen Herausforderungen wie die Flüchtlingsfrage oder das Thema Integration gingen alle an, „egal ob gläubig oder nicht-gläubig“.

Jung äußerte Verständnis für die Entscheidung der Katholikentags-Verantwortlichen, der AfD bei den Veranstaltungen „kein Forum zu bieten“. Zugleich sei es jedoch wichtig, mit den Menschen im Gespräch zu bleiben, „die ihre Ängste und Sorgen loswerden wollen“. Der Oberbürgermeister betonte: „Das ist im Einzelfall eine Gratwanderung und sollte daher nicht parteipolitisch motiviert, sondern immer an der Sache orientiert sein.“

 

Pegida ist kein Exportschlager

Das war er also, der machtvolle Aufmarsch der „besorgten“ Bürger Europas gegen die vermeintliche „Islamisierung des Abendlandes“! Knapp 8000 Anhänger von Pegida versammelten sich in Dresden zu einer Kundgebung, die öffentliche und medienwirksame Vernetzung mit Gruppen in anderen Ländern schlug jedoch kläglich fehl.

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Probleme mit der Technik

Bei dem Aufmarsch in Dresden mussten die Pegida-Verantwortlichen eine entscheidende Erfahrung machen: es ist einfach, zu jammern und zu maulen – schwerer gestaltet es sich, wenn etwas tatsächlich auf die Beine gestellt werden soll. Sinnbild dafür war in Dresden die missglückte technische Verbindung in einige „Partnerstädte“. Die Leitung nach Prag stand für einige Minuten, brach aber immer wieder zusammen. Andere Orte wurde schon gar nicht mehr angefunkt.

Doch nicht nur technisch war der „Aktionstag“ eine Pleiten-Pech-und-Pannen-Orgie. So schien es als schlechtes Omen, dass Pegida-Front-Mann Lutz Bachmann wegen einer Krankheit das Bett hüten musste und nicht zu den „Massen“ sprechen konnte. So hatte Versammlungsleiter Siegfried Däbritz die Rolle, sich immer wieder zu entschuldigen, wenn wieder einmal etwas nicht funktionierte.

 

Die üblichen Parolen

Natürlich treffe Pegida keine Schuld, versuchte Däbritz die Pannen immer wieder zu überspielen – fragt sich nur, wer dann das Chaos zu verantworten hatte. Angela Merkel? Die immer wieder mit Merkel-Raus-Rufen bedacht wurde? Die „Lügenpresse“? Die störungsfrei von dem Treffen in Dresden in ihren Nachrichtensendungen berichtete?

Während der Veranstaltung in Dresden wurde denn auch vermieden, die Teilnehmerzahlen in den anderen Ländern zu erwähnen – die waren nämlich aus Sicht von Pegida enttäuschend. Bis auf Prag, wo am Samstag etwa 1500 Islam-Gegner aufmarschierten, kamen in den anderen Städten meist nur wenige Hundert zusammen – wenn überhaupt.

 

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„Besorgte Bürger“ bei der Pegida-Demo in Amsterdam

Rechtspopulisten in der Regierung

Die geringe Beteiligung in den anderen europäischen Städten am Aktionstag „Festung Europa“ dürfte auch daran gelegen haben, dass die Flüchtlingskritik dort längst von größeren Parteien und Bewegungen als Thema besetzt oder – wie in Ungarn und Polen – inzwischen Regierungspolitik ist.

In Breslau trat ein zentraler Konstruktionsfehler der „Festung Europa“ ganz deutlich zutage. In der polnischen Stadt musste die Pegida-Aktion abgesagt werden, weil polnische Nationalisten die Organisatoren bedrohten und eine „Germanisierung“ befürchteten. Das kann passieren, wenn Nationalisten und Nationalisten treffen.

Pegida-Demo wird zum Rohrkrepierer

So wurde der Export von Pegida-Gedankengut zum Rohrkrepierer. Deutlich ist, dass die Bewegung seit Monaten auf der Stelle tritt. Zwar kommen noch immer einige Tausend Menschen zu den regelmäßigen Demos, doch droht den Verantwortlichen der schleichende Tod. Auch zeigte der Aktionstag, dass die Bewegung intellektuell und ideologisch nur schwach unterfüttert ist. Außer den üblichen Parolen gegen Merkel, die Presse und den Islam hatten die Organisatoren nichts zu bieten.

Das scheinen die Rechtspopulisten in anderen Ländern ähnlich zu sehen. Die Chefin des französischen Front National, Marine Le Pen, zeigte Bachmann bislang ebenso der kalte Schulter wie der schon mehrfach als Pegida-Redner angekündigte österreichische FPÖ-Chef Heinz-Christian „HC“ Strache.

Pegidas Strahlkraft reicht offensichtlich nur zur Mobilisierung einiger Nazi-Gruppen und einiger „besorgter Bürger“. Der Versuch, der Bewegung mehr Substanz zu geben und auch neues Feuer einzuhauchen ist in Dresden kläglich gescheitert.

Bachmanns „Provokation“

Lutz Bachmann hat es wieder einmal geschafft. Mit einem Tweet brachte er erneut in Erinnerung, was wirklich hinter Pegida und den so genannten „besorgten Bürgern“ steckt.

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Als die Nachricht von der Terrorwarnung in München in den sozialen Netzwerken die Runde machte, sorgten sich Millionen Deutsche kurz vor Neujahr um die Sicherheit in ihrem Land. Der Hauptbahnhof in München und der Bahnhof im Stadtteil Pasing wurden zwischenzeitlich geschlossen, da die Polizei konkrete Hinweise hatte, dass islamistische Täter Anschläge geplant hatten.

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Für Lutz Bachmann, der die „Pegida“-Bewegung anführt, war diese kurze Nachricht natürlich Wasser auf seine Mühlen. Kurz vor Mitternacht kommentierte der 42-Jährige die Terrorwarnung auf Twitter.

In den vergangenen Monaten waren Tausende Flüchtlinge aus Syrien am Bahnhof in München angekommen und von den meisten freundlich empfangen worden.


Das ist ein Bericht der Deutschen Welle über die Terrorwarnung in München.

 

Bachmann nutzte die neuerliche Terrorwarnung nun, um „Pegida“-Propaganda zu betreiben und spielt mit dem #RefugISISnotWelcome auf #RefugeesWelcome an. Unter dem Hashtag twittern Europäer seit Monaten, dass Flüchtlinge durchaus willkommen sind.

Für seinen provozierenden Tweet erntete Bachmann gleich reihenweise Kritik.

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Bachmann zeigte sich allerdings uneinsichtig und stellte in einem weiteren Tweet erneut eine vermeintliche Verbindung zwischen der Terrorwarnung und Flüchtlingen her:

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In einem Punkt hat Lutz Bachmann zweifellos Recht – die Aufregung lohnt sich nicht, nicht wenn es um diese gezielten „Provokationen“ eines Rechtsauslegers geht.

 

Mit Hoffnung gegen den Terrorismus

Der Terrorismus muss an der Wurzel bekämpft werden. Polizei alleine reicht nicht. Entscheidend ist, den Menschen ihre Hoffnung wieder zu geben.  

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Kühlen Kopf bewahren

Nein – der Westen (was immer das sein mag) befindet sich nicht im Krieg gegen den Islam. Auch nicht umgekehrt. Die Terroristen, die in Paris über 100 Menschen in den Tod gerissen haben, mögen diese Sichtweise vertreten haben. Aber sie ist falsch. Und wir sollten uns hüten, eben diese Sichtweise zu übernehmen – es wäre ein kleiner Sieg der blindwütigen Islamisten. Allerdings: Die Pegida-Aufmärsche und der Blick in Twitter oder Facebook lässt erahnen, dass längst auch viele „Verteidiger des Westens“ sich in einem irgendwie gearteten Kriegszustand sehen.

Auch wenn es in dieser Situation schwer fällt, wichtig ist es, die Frage nach dem Warum mit kühlem Kopf zu beantworten und dann auch endlich die Konsequenzen aus den Antworten zu ziehen. Das wird schwer, denn es kommen einige sehr unangenehme Wahrheiten ans Licht.

Erschreckend wenig erreicht

Die erste Wahrheit ist: wir haben im Kampf gegen den Terrorismus erschreckend wenig erreicht. Nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo waren alle relevanten Stellen vorgewarnt – wie konnte so ein Anschlag wie nun in Paris dann noch passieren? Das ist eine Frage, die nun die Politik und die Sicherheitskräfte beantworten müssen.

Und doch gibt es noch eine ganz andere Frage. Sie geht viel weiter und betrifft die Ursachen der Probleme. Die Spirale der Gewalt und des Hasses scheint sich bei den südlichen Nachbarn der EU immer schneller zu drehen. Mit den Anschlägen in Paris muss die europäische Gesellschaft erkennen, dass sie die Folgen von Diktatur und Chaos nicht länger ignorieren kann.

Die großen Hoffnung sind zerstoben

Die großen Hoffnungen des Arabischen Frühlings sind nun endgültig zerstoben. Europa beobachtet staunend und zunehmend hilflos die Entwicklung. Den Weg der Radikalsierung und Dämonisierung zu gehen hieße, in alte Verhaltensmuster zu verfallen. Angesichts der Entwicklung ist es aber an der Zeit, neue Ansätze zu wählen. Es ist an der Zeit, den Islamismus an der Wurzel zu bekämpfen. Das heißt aber auch, dass wir die Menschen in der Region endlich Ernst nehmen. Bisher war vor allem der arabische Raum vor allem eine Frage des Öls – die Demokratie stand nie im Vordergrund. Diktaturen wurden von uns akzeptiert und sogar unterstützt. Ist es verwunderlich, wenn die jungen Menschen in jenen Staaten mit ihrem Glauben an die Demokratie auch ihre Hoffnung verlieren und sich radikalen Kräften zuwenden?

Es gilt also, den Menschen ihre Hoffnung wieder zu geben. Das ist eine schwierige Aufgabe, sie ist aber die einzige Chance, den Terrorismus zu bekämpfen – und auch den Flüchtlingsstrom zu stoppen. Beides liegt im ureigenen Interesse Europas und der Menschen in der arabischen Welt.

Trauern geht auch so: Dieser Pianist hat kurzerhand sein Klavier mit dem Fahrrad zum ‪#‎Bataclan‬-Theater geschleppt und spielt für die Anwesenden «Imagine» von John Lennon.

 

Wieder ein Goebbels-Vergleich – Empörung ist fehl am Platz

Er hat es getan: Pegida-Chef Lutz Bachmann hat Justizminister Maas mit Goebbels verglichen. Das ist empören! Oder doch nicht?

-Vergleich: versteht die Aufregung nicht – die Sendung extra3 geht die Sache saitirisch an. Hier der Tweet von extra3

Bachmann ist nicht der erste

„Ein Hetzer ist er! Seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land!“ Nein, das sind nicht die Worte von Pegida-Chef Lutz Bachmann. Dieser Goebbels-Vergleich stammt von Willy Brandt, der sich am 12. Mai 1985 in der „Bonner Runde“ mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl stritt. Der Gobbels-Vergleich ist so etwas wie der „rote Knopf“ der deutschen Innenpolitik: der Skandal ist programmiert und für Empörung reichlich gesorgt.

Gezielte Provokation

So muss auch der Bachmann’sche Satz eingeordnet werden. Der Mann hat gezielt provoziert und er hat einen Treffen gelandet, als er bei der Montagsdemo in Dresden Justizminister Heiko Maas mit Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels verglich. Der erste, der sich meldete war SPD-Parteivize Thorsten Schäfer-Gümbel. Er sagte der dpa: „Verfassungsfeinde wie Bachmann sind ein klarer Fall für den Staatsanwalt und schon lange für den Verfassungsschutz.“

Auch SPD-Bundesvize Ralf Stegner reagierte empört auf Bachmanns Rede in Dresden: „Der verurteilte Straftäter und PEGIDIOT Bachmann vergleicht Heiko Maas mit Goebbels – dieser ekelhafte Brandstifter gehört vor den Kadi!“, schrieb Stegner bei Twitter.

Der Sieger heißt: Lutz Bachmann

Die Empörer sollten aber einen Moment innehalten, denn ihre Empörung nutzt nur einem: dem Pegida-Chef. Bachmann wird sich im stillen Kämmerlein die Hände reiben. Hat er es den linken und verkrusteten Systemparteien doch wieder einmal so richtig gezeigt.

Auch der Ruf nach dem Staatsanwalt ist wohlfeil, denn alle wissen, dass der Goebbels-Vergleich immer ohne juristische Konsequenzen geblieben ist. Weder Konrad Adenauer (verbaler Ausfall gegen Kurt Schumacher), noch Herbert Wehner (Breitseite gegen Franz Josef Strauß – der den Vergleich  dann selbst gegen linke Demonstranten verwendete) wurden belangt. Und auch als Helmut Kohl den damaligen sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow mit Goebbels verglich, schwappte die Empörungswelle hoch, war aber auch nur der Beginn einer wunderbaren Politiker-Freundschaft, die am Ende in der deutschen Einheit mündete.

Lediglich eine Randnotitz

Empörung ist im Fall der wohl kalkulierten Provokation Bachmanns der falsche Weg – zumal der Pegida-Chef genau weiß und einkalkuliert, dass das alles ohne rechtliche Konsequenzen für ihn bleibt. Der Satz gehört historisch eingeordnet – das ist dann aber allenfalls eine Randnotiz in der langen Liste der Pegida-Dummheiten.

Lohnender ist es, sich unermüdlich und ohne Schaum vor dem Mund mit dem politischen Programm des Mannes auseinander zu setzen. Schnell kommt dabei ans Licht: Pegida hat kein tragfähiges Programm. Das gehört deutlich aufgeschrieben und klug erklärt – wieder und immer wieder. Die dumpfe Pegida-Empörung kann nicht mit demselben Empörungspotential gekontert werden – das hat der Goebbels-Vergleich von Lutz Bachmann gezeigt.

Mehr Goebbels gibt es hier:

Wer sich noch einige Goebbels-Vergleich zu Gemüte führen will. Der „Spiegel“ hat sich schon vor einigen Jahren die Mühe gemacht, einige Beispiel zusammen zu sammeln. Hier ist der Link zum SPIEGEL