Lukaschenkos verkniffene Lobrede

Na also, geht doch! Alexander Lukaschenko hat einige Zeit gebraucht, um die richtigen Worte zu finden. Aber dann hat er der Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch doch noch gratuliert – und es muss dem Autokraten richtig weh getan haben. Hier der Link zu der Eloge auf die Nobelpreisträgerin

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Zweideutige Sätze des Lobes

Am Donnerstagabend hat der weißrussische Präsident doch noch einige anerkennend-verkniffene Sätze über die neue Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch verloren. „Ich freue mich aufrichtig über Ihren Erfolg“, erklärte der autoritär regierende Staatschef in Minsk. Allein aus diesem Satz ist die große Freude Lukaschenkos über die Auszeichnung zu lesen. „Ich hoffe sehr, dass Ihre Auszeichnung unserem Staat und unserem weißrussischen Volk dienen wird.“ Das allerdings ist eine sehr zweideutige Aussage. Denn im Sinne von Lukaschenko dürfte das Werk Swetlana Alexijewitschs dem Volk sicherlich nicht dienlich sein. Die Schriftstellerin engagiert sich für Menschenrechte und kritisiert offen die autoritären Regierungen in der Ex-Sowjetunion. „Ihr Schaffen hat nicht nur Weißrussen, sondern auch Leser in vielen Ländern der Erde nicht gleichgültig gelassen“, schrieb Lukaschenko schließlich noch – und damit hat er angesichts der vielen Proteste gegen sein die Demokratie verachtendes Regime sicher Recht.

Russland eingeschränkte Freude

Schon vorher hatte in Russland Kreml-Sprecher Dmitri Peskow reagiert. Natürlich gratuliere man Alexijewitsch zum Nobelpreis, sagte er, kritisierte aber zugleich Äußerungen von ihr zur Ukraine. „Es sieht ganz so aus, als habe Swetlana nicht alle Informationen, um positiv das einschätzen zu können, was in der Ukraine passiert“, sagte Peskow nach Angaben der Agentur Interfax. Alexijewitsch hatte das Vorgehen Russlands in der Ostukraine als Okkupation bezeichnet.

Der Literaturnobelpreis ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem politischen Preis geworden. Das ist eine Entwicklung, die nicht wirklich gut zu heißen ist – aber angesichts der verkniffenen Reaktionen der Autokraten aus Weißrussland und Russland, hat das Komitee dieses Mal wohl eine richtige Wahl getroffen.

Luxus, wem Luxus gebührt

In Russland bringt das Tragen teurer Uhren bisweilen viel Ärger mit sich. Nun hat eine Armbanduhr mit einem goldenen Totenkopf darauf  den Sprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin in Erklärungsnot gebracht. Der Grund: der noble Zeitmesser soll umgerechnet rund 565.000 Euro wert sein.

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Verfängliches Bild auf Instagram

Dmitri Peskow heiratete am Wochenende im mondänen Schwarzmeer-Badeort Sotschi die Olympia-Eistänzerin Tatjana Nawka. Doch nicht die Bilder von dem Paar sorgten in Russland für Aufregung, sondern die Armbanduhr, die der Bräutigam dabei trug. In Russland ist es nicht gerade unüblich, dass für kleine und große Gefälligkeiten auch schon einmal sündhaft teure Chronographen den Besitzer wechseln. Peskow hat laut Vermögenserklärung ein jährliches Einkommen von 132.000 Euro – kann sich eine Uhr im Wert von über einer halben Million Euro also nur schwerlich leisten.

Geschenk für den Gatten

Putins Sprecher versucht nun fieberhaft, Spekulationen über ein mögliches Korruptionsgeschenk einzudämmen. „Geschenke von einer Ehefrau an ihren Mann“ könnten ja wohl kaum etwas mit Korruption zu tun haben, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Eistänzerin Nawka bestätigte, dass sie ihm die Uhr geschenkt habe, doch sei der genannte Preis übertrieben.

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Navalny fragt nach

Der Oppositionspolitiker und Antikorruptionskämpfer Alexej Nawalny hatte in seinem Blog im Internet geschrieben, dass es sich bei der Uhr um eine Sonderedition der Luxusmarke Richard Mille handle. Die Uhr sei umgerechnet mindestens 565.000 Euro wert, wobei er aus einer E-Mail des in der Schweiz ansässigen Uhrmachers zitierte.

Die Uhr „kostet mehr als Ihr Appartement“, schrieb Nawalny. Er veröffentlichte weitere Fotos von Peskow mit teuren Uhren am Handgelenk, darunter eine Rolex, eine Omega und eine andere Richard Mille, und warf ihm direkt „illegale Bereicherung“ vor. Hier der Link zum Navalny-Text