100 Jahre alte Frau pilgert auf dem Jakobsweg

Simone Hivert ist in ihrer Heimat, der Region Charente, weltbekannt. Manche belächeln sie auch oder schütteln den Kopf, wenn die alte Frau wieder einmal unterwegs ist. Viele bewundern Simone Hivert aber auch – die Frau ist 100 Jahre alt und wandert noch immer lebenslustig durch die Gegen. Nun hat sie ein großes Ziel erreicht: sie beendet ihre Pilgerreise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

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Zuhause sind schon viele Artikel über die wandernde alte Frau geschrieben worden.

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Der letzte Abschnitt der Pilgerreise

Noch liegen 21 Kilometer Wegstrecke vor Simone Hivert. Es ist der letzte Abschnitt ihrer Pilgerreise, die sie vor 20 Jahren begonnen hat. Seit einigen Jahren mit dabei ist ihr Arzt Jean-Louis Barret. „Der Doktor hat mir immer gesagt: Wenn Du 100 wirst, wandern wir dahin“, erzählt Simone Hivert dem katholischen Internetportal „Aleteia“.

Mit knapp 80 Jahren hat die ehemalige Bäuerin aus dem Westen Frankreichs mit dem Wandern begonnen. Das bedeutet inzwischen sehr viel für sie, sagt Simone Hivert. Zu wandern sei mehr, als nur zu laufen. Man trete in Kontakt mit anderen Menschen, tausche sich aus und schließe auch Freundschaften.

100 Jahre und in bester Verfassung

„Sie ist in exzellenter Verfassung“, bestätigt ihr Arzt Jean-Louis Barret – physisch und psychisch. Für Simone Hivert und ihre kleine Wandergruppe sind die letzten 20 Kilometer keine sportliche Herausforderung, sie sieht darin eher eine Botschaft an andere. „Auch wenn man 100 Jahre alt ist, kann man noch Dinge in Angriff nehmen“ sagt sie. Es sei der Beweis, dass das Altern nicht immer nur Niedergang sein müsse. Und Simone Hivert gibt ihren Begleitern noch eine kleine, beruhigende Botschaft mit auf den Weg: „Wenn ich sterbe, bevor ich ankomme, dann bin ich auf jeden Fall bei Euch!“

INFO:

Der Jakobsweg ist ein europaweites Netz von Straßen und Wegen. Seit dem neunten Jahrhundert führt er Pilger vom Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und Frankreich zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten Spaniens. Im Mittelalter erstreckten sich die Tagesetappen meist von einem „heiligen Ort“, an dem Reliquien verehrt wurden, zum nächsten.

Neben den fast zahllosen Verästelungen und Zubringern gab es je nach Zählung vier bis sechs Hauptrouten durch Frankreich. Der „Weg der Deutschen“, die „Via Lemovicensis“, ging von Vezelay in Burgund aus und war der Hauptweg für Pilger aus Nord- und Westdeutschland sowie aus Osteuropa. Der sogenannte Küstenweg für Engländer und Iren verlief entlang der französischen Atlantikküste bis nach Spanien. Weiter östlich verliefen die „Via Turonensis“ über Paris, Tours und Bordeaux, die „Podiensis“ über Le Puy und Conques, die „Tolosana“ über Arles und Toulouse sowie der sogenannte Pyrenäenweg über Beziers und Foix.

Die angebliche Grabstätte des heiligen Jakobus entwickelte sich neben Rom und Jerusalem im Mittelalter zu einem der drei Hauptziele der christlichen Pilgerfahrt. Seit 1982 Papst Johannes Paul II. und 1987 der Europarat zur Wiederbelebung der Jakobswege aufriefen, hat eine Renaissance dieser „europäischen Kulturbewegung“ eingesetzt, wie die zuletzt immer weiter steigende Zahl von Pilgern belegt. Die Corona-Pandemie dürfte allerdings für deutliche Einbrüche in der Statistik sorgen.

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Hier gibt es weitere Infos zum Pilgern auf dem Jacobsweg:

Deutsche St. Jacobus-Gesellschaft

Zum Planen für den Jacobgsweg

Einige Infos zum Jacobsweg

Uns hier noch die 16 wichtigsten Tipps für den Weg von Travelbook

Und die sieben besten Bücher zum Jacobsweg nach Ansicht von Hillwalk Tours

Und hier die besten Hörbücher zum Jacobsweg

Lourdes-Wallfahrt mit strengen Corona-Maßnahmen

Unter strengen Corona-Schutzmaßnahmen findet im Wallfahrtsort Lourdes am Hochfest Mariä Himmelfahrt die 147. französische Nationalwallfahrt statt. Alle Pilger müssen eine Mund-Nasen-Maske tragen und den Sicherheitsabstand einhalten. Die Versammlungen sind auf 5.000 Personen begrenzt.

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20.08.15-lourdes

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Lourdes wegen Corona lange geschlossen

Wegen der Corona-Pandemie waren in Lourdes seit Anfang März die Bäder und der sogenannte Heilige Bezirk geschlossen. Damit war das südfranzösische Marienheiligtum erstmals in seiner Geschichte mehr als zwei Monate lang geschlossen. Zuletzt startet das Pilgerwesen nun langsam wieder. Große Menschenansammlungen wie sonst sollen aber vermieden werden.

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Als Alternative zum üblichen Waschritus für Kranke in Lourdes, dem Baden in Quellwasser, schuf der Wallfahrtsort einen neuen Pilgerweg entlang der Becken. An dessen Ende können Pilger Lourdes-Wasser trinken und sich damit das Gesicht waschen. Baden ist allerdings weiterhin nicht erlaubt.

Millionenverluste in Lourdes wegen Corona

Lourdes gehört zu den berühmtesten Wallfahrtsorten der Welt. In dem südfranzösischen Städtchen soll 1858 dem damals 14-jährigen Hirtenmädchen Bernadette Soubirous (1844-1879) insgesamt 18 mal Maria erschienen sein.

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Jahr für Jahr reisen normalerweise mehrere Millionen Pilger, darunter auch Zehntausende Kranke und Behinderte, nach Lourdes. Der kleine Ort mit seinen rund 14.000 Einwohnern verzeichnet nach Paris die zweithöchste Zahl an Hotelbetten und Übernachtungen in Frankreich. Mit dem langen Corona-Shutdown seit Frühjahr ist für das Wallfahrtswesen mit einem historischen Verlust von acht Millionen Euro für 2020 zu rechnen, teilten Verantwortliche mit.

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