Pilgern auf dem Jacobsweg ist wieder möglich

Urlaub in Frankreich und Spanien ist wieder möglich. Noch vor wenigen Wochen hätten das viele nicht für möglich gehalten. Aber am 15. Juni sind die Grenzkontrollen nach Frankreich wieder aufgehoben worden. Das heißt, dass deutsche Urlauber ab diesem Datum nach Frankreich reisen können. In Frankreich haben Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber wieder geöffnet.

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Die Hauptrouten des Jacobsweges. Eine Karte der Stadt Wendlingen am Neckar

Madrid öffnet die Grenze am 1. Juli

Das heißt auch, dass auf dem Jakobsweg wieder gepilgert werden kann – zumindest in Frankreich. Die Strecke war seit Mitte März wegen der Corona-Sperren komplett nicht begehbar. Die Regierung in Madrid hat angesichts des Abflauens der Pandemie einen Stufenplan beschlossen, danach ist die Einreise aus der EU ab dem 1. Juli wieder möglich. Zudem müssen die Einreisenden nicht mehr in Quarantäne. Praktisch bedeutet das, dass nun die gesamte Strecke wieder frei ist. Frankreich und Spanien waren beide sehr stark von dem Virus betroffen. Es sind rund 60.000 Menschen daran gestorben.

Wer nicht schon auf den vier Strecken in Frankreich mit der Pilgerreise beginnen will, der kann ab dem 1. Juli auch mit dem Flugzeug wieder etwa in das nordspanische Bilbao fliegen. Von dort begeben sich viele Pilger auf die Küstenroute oder fahren mit dem Linienbus ins Landesinnere, wo wie auf der Hauptroute weiterwandern.

Strenge Hygiene-Regeln auf dem Jocobsweg

Natürlich wird nicht sofort der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden können. Noch immer sind einige Corona-Regeln zu beachten. „Etwa zwei Drittel der Herbergen werden Anfang Juli, wie auch die Kathedrale in Santiago, wieder öffnen“, sagt Enrique Valentin, der Vorsitzende der „Asociacion Red de Albergues privados del Camino de Santiago“, der Vereinigung privater Pilgerherbergen am Jakobsweg. Allerdings müssen auch die geöffneten Herbergen wegen der neuen Hygiene- und Abstandsregeln ihre Kapazitäten reduzieren. Die Pilger müssen damit rechnen, dass nur 70 Prozent der Plätze belegt werden können.

Betreiber müssen sich mit Schutzmasken eindecken

Auch für die Betreiber der Unterkünfte müssen sich auf einige Änderungen einstellen. Vor der Öffnung müssen sie sich mit genügend Desinfektionsgel und Schutzmasken eindecken. Zudem müssen angesichts der Vorgaben durch die Behörden die Betten mit Wegwerflaken und auch die Kopfkissen mit Hüllen zur einmaligen Benutzung überzogen sein. Auch müssen die Duschen nach jeder Benutzung desinfiziert werden.

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Viele Wege führen ans Ziel. Dieser wird vorgeschlagen von der Jacobusbrüderschaft in Köln

Es ist davon anzugehen, dass die Mehrkosten auf die Besucher umgelegt werden, da die meisten Herbergen am unteren Limit kalkulieren. Signifikante Preiserhöhungen dürfte es aber dennoch nicht geben. Konkret heißt das etwa, dass die Herbergen den Übernachtungspreis von elf auf zwölf Euro anheben werden.

 

Run auf den Jacobsweg nach Corona?

Enrique Valentin, der Vorsitzende der „Asociacion Red de Albergues privados del Camino de Santiago“, hofft dass sich der Pilgerbetrieb im Laufe des Sommers wieder normalisiert. Ein neuer Rekord wie 2019, als das Pilgerbüro von Santiago de Compostela insgesamt 347.578 Ankömmlinge registrierte, wird in diesem Jahr gewiss nicht fallen. Doch es herrscht Nachholbedarf. Gerade jetzt werden viele Pilger auf dem Weg Glaube, Hoffnung, spirituellem Trost und ein neues Freiheitsgefühl suchen. Jesus Fernandez Gonzalez, Weihbischof in Santiago de Compostela, drückte das in einem Interview mit der galicischen Zeitung „La Voz de Galicia“ unlängst so aus: „Ich habe den Eindruck, dass sich der Pilger regelrecht auf den Jakobsweg stürzen wird.“

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INFO:

Der Jakobsweg ist ein europaweites Netz von Straßen und Wegen. Seit dem neunten Jahrhundert führt er Pilger vom Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und Frankreich zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten Spaniens. Im Mittelalter erstreckten sich die Tagesetappen meist von einem „heiligen Ort“, an dem Reliquien verehrt wurden, zum nächsten.

Neben den fast zahllosen Verästelungen und Zubringern gab es je nach Zählung vier bis sechs Hauptrouten durch Frankreich. Der „Weg der Deutschen“, die „Via Lemovicensis“, ging von Vezelay in Burgund aus und war der Hauptweg für Pilger aus Nord- und Westdeutschland sowie aus Osteuropa. Der sogenannte Küstenweg für Engländer und Iren verlief entlang der französischen Atlantikküste bis nach Spanien. Weiter östlich verliefen die „Via Turonensis“ über Paris, Tours und Bordeaux, die „Podiensis“ über Le Puy und Conques, die „Tolosana“ über Arles und Toulouse sowie der sogenannte Pyrenäenweg über Beziers und Foix.

Die angebliche Grabstätte des heiligen Jakobus entwickelte sich neben Rom und Jerusalem im Mittelalter zu einem der drei Hauptziele der christlichen Pilgerfahrt. Seit 1982 Papst Johannes Paul II. und 1987 der Europarat zur Wiederbelebung der Jakobswege aufriefen, hat eine Renaissance dieser „europäischen Kulturbewegung“ eingesetzt, wie die zuletzt immer weiter steigende Zahl von Pilgern belegt. Die Corona-Pandemie dürfte allerdings für deutliche Einbrüche in der Statistik sorgen.

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Hier gibt es weitere Infos zum Pilgern auf dem Jacobsweg:

Deutsche St. Jacobus-Gesellschaft

Zum Planen für den Jacobgsweg

Einige Infos zum Jacobsweg

Uns hier noch die 16 wichtigsten Tipps für den Weg von Travelbook

Und die sieben besten Bücher zum Jacobsweg nach Ansicht von Hillwalk Tours

Und hier die besten Hörbücher zum Jacobsweg