Eine mutige Geste gegen Nazis

Das Foto hat das Zeug zur Ikone. Eine Frau stellt sich einer Demonstration von Neonazis in den Weg. Sie reckt die rechte Faust in den Himmel. Ein Zeichen: an mir kommt ihr nicht vorbei. Die Aufnahme wird in den sozialen Netzwerken gefeiert.

 

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Der Fotograf David Lagerlöf hat sein Bild auf Twitter geteilt

Tess und die Nazis

Die Frau heißt Maria-Teresa Asplund. Am 1. Mai kommt ihr ein Marsch der militanten schwedischen Organisation Nordiska motståndsrörelsen („Schwedische Widerstandsbewegung“) durch die Stadt Borlänge in Zentralschweden. Mehr als 300 Rechtsextreme in schwarzen Hosen, weißen Hemden und grünen Krawatten trafen sich zu dem Aufmarsch. Auf Fotos sind Männer mit kahlgeschorenen Köpfen zu sehen, in ihren Händen tragen sie die Fahne der sektenähnlichen Organisation.

Sie habe sich den Neonazis spontan in den Weg gestellt, sagte Tess Asplund später dem schwedischen Radiosender P4 Dalarna. „Ich habe gar nicht wirklich nachgedacht, sondern bin einfach in den Weg gesprungen. Dann starrte mich einer von ihnen an und ich starrte zurück. Er sagte nicht, ich sagte nichts.“ Dann hätten Polizisten sie zur Seite geschoben. Die 42-Jährige war sich der Wucht ihrer Geste durchaus bewusst. Sie habe sie sich bei Nelson Mandela abgeschaut.

Hier noch ein Bericht über den Marsch der Nazis und die Aktion von Tess Asplund.

 

 

Zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle

Doch niemand hätte von der Aktion erfahren, wäre nicht David Lagerlöf zur Stelle gewesen. Der Fotograf arbeitet für Expo, eine antirassistische Zeitschrift, die lange vom Autor der Millennium-Trilogie, Stieg Larsson, herausgegeben wurde und zu einer gemeinnützigen Organisation gehört. Lagerlöf teilte das Bild auf seinem Twitter-Account und schrieb: „Eine einzelne Frau stellt sich Schwedens brutalster Nazi-Organisation in den Weg.“

In den sozialen Netzwerken wurde das Foto seit der Aktion unzählige Male geteilt. Für viele ist es bereits jetzt das Bild des Jahres und sie vergleichen es mit dem berühmten schwedischen Foto „Tanten med väskan“ („Die alte Frau mit der Handtasche“) – ein Foto von 1985, das eine Frau aus Växjö zeigt, die mit ihrer Handtasche auf Neonazis einschlägt.

Eine andere Twitter-Nutzerin vergleicht sie mit Rosa Parks, der farbigen Frau, die sich 1955 in den USA weigerte, ihren Sitzplatz im Bus einem Weißen zu überlassen.

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Tess Asplund hofft, dass ihr Foto etwas in der schwedischen Gesellschaft verändern wird. So erzählte sie dem britischen „Guardian“: „Rassismus ist in Schweden an der Tagesordnung. Es ist okay geworden, das N-Wort zu sagen.“ Das Foto solle ein Symbol im Kampf gegen den Rassismus werden. „Vielleicht wird das, was ich getan habe, ein Symbol dafür, dass wir gemeinsam etwas ändern können“, sagte sie weiter. „Wenn eine Person etwas ändern kann, dann kann das jeder.“ Hier der Link zur Berichterstattung in „Guardian“

Ikea-Gründer zurück in der Heimat

Irgendwann kommen sie alle zurück. Heimweh, schlechtes Gewissen oder schlicht Einsamkeit treibt sie an. So erging es wohl auch Ikea-Gründer Ingvar Kamprad. Der hat nach Medienberichten erstmals seit 1973 in seinem Heimatland Schweden Einkommensteuer bezahlt.

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Kamprad hatte Schweden 1973 verlassen

Wie die Zeitung „Dagens Nyheter“ auf ihrer Internetseite berichtete, gab der 89-jährige Gründer der Möbelhauskette seine Einkünfte im vergangenen Jahr mit 17,7 Millionen schwedischen Kronen (knapp 1,9 Millionen Euro) an. Dafür musste er demnach Steuern in Höhe von sechs Millionen Kronen (knapp 640.000 Euro) entrichten. Das Familienvermögen der Kamprads wird auf bis zu 40 Milliarden Euro geschätzt. Hier der Link zum Artikel in der Zeitung

Kamprad hatte Schweden 1973 verlassen. Seit 1976 lebte er in der Schweiz, weil er nach eigenen Angaben die hohen Steuern in seiner Heimat nicht zahlen wollte. Nach dem Tod seiner Frau Margaretha im Jahr 2011 kehrte er 2013 nach Schweden zurück. Kamprad sitzt immer noch in der Führungsetage der Ingka Holding, dem Mutterhaus von Ikea, dem 328 Geschäfte in 28 Ländern gehören. Ikea verzeichnete in Deutschland im Ende August abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/2015 einen Rekordumsatz von 4,4 Milliarden Euro und gute Verkaufszahlen in fast allen anderen Ländern. Weltweit erzielte der Konzern einen Gesamtumsatz von 31,9 Milliarden Euro, das waren satte 11,2 Prozent mehr als im Vorjahr.