Erdogan hält die Zeit an

„Wie viel Uhr ist es?“ Das ist eine Frage, die in der Türkei im Moment gar nicht so einfach zu beantworten ist. Die meisten Länder in Europa sind an diesem Wochenende wieder von der Sommerzeit zur Winterzeit zurückgekehrt – nicht so die Türkei!

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Die Zeit angehalten

Die Idee dazu stammt von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Nicht, dass der sehr selbstbewusste und inzwischen auch sehr autoritär regierende Staatschef inzwischen glaubt, auch die Zeit aufhalten zu können. Der Grund ist profaner: Die Zeitumstellung soll erst nach den Wahlen stattfinden.

Die Menschen mögen diese Anordnung noch murrend hinnehmen. Doch der Staatschef hat nicht mit den Computern, Smartphones und Tabletts gerechnet. Die verweigern sich nämlich beharrlich dem Willen des türkischen Machthabers.

Der Spott ist sicher

In den sozialen Netzwerken sorgt die Sache natürlich für einigen Spott. Unter den Hashtag #saatkac (Wie viel Uhr ist es) finden sich inzwischen immer mehr Einträge. Ein User schreibt, dass die Türkei das erste Mal in ihrer Geschichte in einer Frage geeint ist: „Wie viel Uhr ist es?“

Erdogan hat natürlich eine sehr logische Erklärung für seine Entscheidung. Ihn treibt die Fürsorge um die Menschen – und wohl auch die Sorge um die Höhe seines Wahlsieges. Er will, dass die Wähler am Wahltag (1. November) eine Stunde mehr Tageslicht haben, um ihre Stimme abzugeben!

Einfach Hand anlegen

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass die Türkei die Zeitumstellung verschiebt. Allerdings hat es noch nie für solche Verwirrung gesorgt wie jetzt. Der Grund: damals gab es noch keine Smartphones und das ganze andere elektronische Zeugs. Der einzige Rat, der den Türken an dieser Stelle gegeben werden kann: die Uhr am Handy einfach per Hand wieder umstellen – das muss dann aber am 8. November auch wieder korrigiert werden.

Hier ein Link zur Berichterstattung in der Stuttgarter Zeitung

Die Sommerzeit bleibt!

Am Wochenende ist es wieder soweit: Die Sommerzeit beginnt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren um 02.00 Uhr um eine Stunde auf 03.00 Uhr vorgestellt – die Nacht ist damit um eine Stunde verkürzt. Die Sommerzeit endet dann wieder am 25. Oktober.

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Bei Funkuhren geschieht die Zeitumstellung automatisch. Taktgeber dafür ist in Deutschland die Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Über einen Sender werden die Signale übertragen, durch die sich die Funkuhren automatisch der neuen Zeit anpassen.

Eine ewige Diskussion

Wie jedes Jahr gibt es auch dieses Mal natürlich wieder viele Diskussionen wegen der Umstellung – gefolgt von den immer gleichen Erklärungen. „Die Einrichtung einer gemeinsamen Sommerzeit durch die Europäische Gemeinschaft 1981 zielte darauf ab, den gemeinsamen Binnenmarkt funktionsfähig zu machen“, heißt es in einer Erklärung der EU-Kommission. 2001 trat dann die EU-Richtlinie in Kraft, die die Sommerzeit-Regelung dauerhaft festlegt.  Vor allem die Industrie habe sich für die Sommerzeit und damit einer harmonisierten Zeitzonenregelung stark gemacht.

Zu den Forderungen nach einer Abschaffung der Sommerzeit sagt Reinhard Hönighaus, Sprecher der Europäischen Kommission in Deutschland: „Diese Kommission kümmert sich um die wesentlichen Dinge für Europa und hält sich in den weniger wichtigen Dingen zurück. Die immer wiederkehrende Debatte um die Sommerzeit, so interessant sie sein mag, gehört für die Kommission nicht zu den wesentlichen Dingen.“

Die Sommerzeit macht Sinn

Dass die Sommerzeit-Regelung Sinn macht, zeigen nach Angaben der EU-Kommission zwei Studien von 2007 und 2014: Bei unterschiedlichen Sommerzeitregelungen der Mitgliedstaaten würden die Kosten zum Beispiel der Energieversorger steigen. Aber auch für die Bürger ist die Sommerzeit laut dieser Studien von Vorteil. Sie sorge nicht nur für – wenn auch überschaubare – Energiesparnisse im Privathaushalt, auch die Freizeitmöglichkeiten seien für jeden Einzelnen durch die zusätzliche helle Abendstunde vielfältiger.

Die Geschichte der Sommerzeit

Die Geschichte der Sommerzeit in Europa geht bis auf den Ersten Weltkrieg zurück. Europäische Staaten stellten während des Ersten Weltkriegs probeweise die Uhr vor – um Kohle zu sparen. In der Ölkrise in den 70er Jahren gewann die Idee erneut an Popularität. Das Resultat waren verschiedene Sommerzeitregelungen in der Europäischen Gemeinschaft, da nicht alle Mitgliedstaaten parallel an der Uhr drehten – ganz im Gegensatz zu heute.

Hier der Link zum Europa-Blog in der Stuttgarter Zeitung