Proteste zu Putins Geburtstag

Es ist eine Konfrontation mit Ansage. Bei Großdemonstrationen zum Geburtstag von Kremlchef Wladimir Putin wurden in Russland zahlreiche Oppositionelle festgenommen.

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Aufruf zu Protesten

Vor allem die Anhänger des Oppositionellen Alexej Nawalny hatten im Vorfeld immer wieder zu Demonstrationen aufgerufen. In Putins Heimatstadt St. Petersburg griffen die Sicherheitskräfte bei der nicht genehmigten Kundgebung hart durch. Dort wurden am Samstag mindestens 100 Menschen in Gewahrsam genommen, berichtete die Zeitung „Nowaja Gaseta“. Im Zentrum der Hauptstadt Moskau gingen trotz Regens und Versammlungsverbots mehr als tausend Demonstranten auf die Straße. Die Polizei sprach von einer Menge aus 700 Demonstranten und Journalisten. Die Demonstranten riefen „Putin, Schande Russlands“ und „Alles Gute zum Geburtstag“. Viele hielten die russische Verfassung in die Höhe.

Viele Festnahmen in Russland

Das Portal OVD-Info zählte landesweit mehr als 270 Festnahmen. In Moskau blieb der Protest dagegen weitgehend friedlich. Bereits im Vorfeld gab es landesweit Dutzende Festnahmen. Der staatliche Nachrichtensender Rossia-24 erwähnte die Proteste nicht und berichtete stattdessen über Geburtstagsglückwünsche an Präsident Putin. Der Staatschef hielt sich in Sotschi auf und leitete nach Angaben seines Sprechers eine Sitzung des nationalen Sicherheitsrates. Und auch der Staatsfunk RT konnte nur Gutes über den Geburtstag berichten.

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Nawalny hatte in rund 80 Städten zu Protesten gegen die Staatsspitze und für freie und faire Wahlen aufgerufen. Lediglich in knapp 20 Orten wurden die Proteste zugelassen. Er selbst konnte nicht demonstrieren. Er sitzt seit Ende September wegen des mehrfachen Aufrufs zu nicht genehmigten Protesten für 20 Tage in Arrest.

Amnestie für den Eichhörnchen-Killer

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst. Ein 19-jähriger Eichhörnchen-Killer in Russland hat von einer groß angelegten Amnestie anlässlich des 70. Jahrestages des Sieges der Alliierten über Nazi-Deutschland profitiert. Die Richter kannten für Jelisej Wladimirow zwar keine Gnade – er wurde wegen Tiermisshandlung zu einem Jahr Haft verurteilt. Dann aber wurde der junge Mann im selben Atemzug vom Gericht begnadigt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.
15.07.22-Eichhorn
Reine Selbstverteidigung
Die Geschichte des Todes des Eichhörnchens ist schnell erzählt. Der Sohn eines russischen Anwalts hatte das Tierchen im August 2014 in einem Park auf einer Insel in der Newa in St. Petersburg erschossen. Seine Begründung der Tat hört sich angesichts der kleinen, possierlichen Nager eher kurios an: er habe aus reiner Selbstverteidigung gehandelt. Das Eichhörnchen habe ihn gebissen, als er es füttern wollte. Dann habe der Nager nicht den Rückzug angetreten – ganz im Gegenteil. Das Eichhörnchen habe ihn angreifen wollen, schildert Wladimirow. Das sollte dem Tier allerdings nicht gut bekommen. Der junge Mann zog die Waffe ziehen und erlegte das Tier mit gezielten Schüssen, bevor Schlimmeres passieren konnte.
Sich widersprechende Aussagen
All das wäre wohl schnell dem Vergessen anheim gefallen, wäre Jelisej Wladimirow nicht bei der Tat beobachtet worden. Zudem schilderten mehrere Zeugen den Vorgang etwas anders. Sie berichteten, der Jugendliche habe einfach die Waffe gezogen, das Wort „Biest“ gerufen und das Tier dann gnadenlos erschossen. Den Richtern erschien die Version der Beobachter offensichtlich plausibler, weshalb sie sich für eine Strafe aussprachen.
Der junge Mann ist einer von insgesamt 150 000 Insassen oder Angeklagten, die vor dem Hintergrund des 70. Jahrestages des Siegs der Alliierten in Russland begnadigt werden. Die im Mai verkündete Amnestie schließt sowohl Ersttäter als auch Bagatelldelikte mit bis zu fünf Jahren Haft ein.