Wer war Stalin?

Für die einen war er ein Massenmörder, die anderen vergöttern ihn als Retter ihrer Heimat. An Stalin scheiden sich auch heute noch die Geister.

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18.02.23-stalin

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Stalin – der Menschenschlächter

Schauplatz Berlin:  Tonnenschwer und riesengroß – eine einst geschleifte Stalin-Figur entdeckten Historiker auf dem Hof eines Unternehmers in der Mongolei. Die viereinhalb Meter hohe Bronze-Statue wird nun Teil einer neuen Ausstellung in der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte. Die Schau „Der Rote Gott – Stalin und die Deutschen“ setzt sich mit dem Personenkult um Stalin in der frühen DDR auseinander. Ab dem 26. Januar ist die Sonderausstellung für Besucher frei zugänglich. Dass ein Diktator und Massenmörder so vergöttert werden konnte, sei heute nur noch schwer zu verstehen, sagt der Leiter der Gedenkstätte, Hubertus Knabe. Auf erschreckende Weise werde deutlich, wie manipulierbar Menschen seien.

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Stalin – der Menschenretter

Schauplatz Moskau: Nach der Kritik von Kommunisten und Kulturschaffenden hat die russische Regierung einen satirischen Film über den Tod des sowjetischen Diktators Josef Stalin kurz vor der Premiere verboten. Wie das Kulturministerium bekanntgab, darf „The Death of Stalin“ vom schottischen Regisseur und Drehbuchautor Armando Iannucci nicht in russischen Kinos gezeigt werden. Eigentlich sollte der Streifen dort zu sehen sein. In Großbritannien läuft die britisch-französische Produktion bereits seit Oktober 2017.

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Russland habe keine Zensur

Kulturminister Waldimir Medinski beteuerte, Russland habe keine Zensur. Doch viele Ältere würden den Film als beleidigenden Spott über die sowjetische Vergangenheit verstehen. Diese Verhöhnung treffe auch die Rote Armee, einfache Menschen und sogar die Opfer des Stalinismus. Russland fürchte sich nicht vor einem kritischen Blick auf seine Geschichte, aber es gebe eine moralische Grenze zwischen kritischer Analyse und Gespött. Der Exekutivdirektor der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft, Wladislaw Kononow, nannte den Film „ekelhaft“ sowie „eine Abscheulichkeit und Dreck“.

Stalin wir noch heute verehrt

Stalin hatte die Sowjetunion von 1924 bis zu seinem Tod im Jahr 1953 geführt. Meinungsumfragen zufolge wird er in Russland heute noch stark verehrt. Viele Russen halten ihm ungeachtet brutaler Säuberungsaktionen mit Millionen Toten zugute, das Land im Zweiten Weltkrieg zum Sieg geführt und es zu einer Atommacht gemacht zu haben.

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Putin hält sich zurück

Präsident Wladimir Putin hat eine vorsichtige Haltung zur Rolle Stalins in der russischen Geschichte eingenommen. Er verurteilte die Säuberungen, hob jedoch auch die Errungenschaften der Sowjet-Ära hervor. Die von Putin gegründete und von seinem Kulturminister geführte Russische Militärhistorische Gesellschaft enthüllte im vergangenen Herbst eine Büste von Stalin in einem Park in Moskau. Kremlkritiker halten solche Aktionen für Versuche, Stalins Ruf reinzuwaschen.

Die Tragödie muss ein Ende haben!

Das Bild eines Toten Jungen am Strand von Bodrum löst Entsetzen aus. Es zeigt das Versagen Europas in der Flüchtlingskrise.

15.09.03-junge

Stalins Leitsatz

Ein Toter ist eine Tragödie, eine Million Tote sind eine Statistik. Dieser zynische Satz stammt aus dem Munde von Josef Stalin. Der sowjetische Diktator richtete seine Schreckensherrschaft danach aus. Das ist Geschichte. Doch jetzt, angesichts der vielen Bürgerkriegsflüchtlinge, entfaltet dieser Satz plötzlich erneut seine kaltherzige Wahrheit. Schon viel zu lange akzeptiert die Welt das Massensterben im Mittelmeer. Von vielen Tausend Toten wird berichtet, von Hunderttausenden, die den lebensgefährlichen Weg in Richtung Europa wagen. Von einem ungeheuren Strom ist die Rede, von einer gigantischen Welle, manche sprechen von einer Völkerwanderung – diese Beschreibungen können  Angst machen. Und was macht die Politik? Bei den Verhandlungen in den Hauptstädten der EU wird nicht zuerst darüber nachgedacht, wie Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden können, gestritten wird über Kosten, Lasten und Verteilungsschlüssel. Die Flüchtlinge werden zur Statistik.

Die Katastrophe bekommt ein Gesicht

Plötzlich aber hat diese millionenfache Katastrophe ein Gesicht. Ein Foto macht die Runde. Ein kleiner Junge liegt tot im Sand, bekleidet mit einem roten T-Shirt und einer kurzen blauen Hose, angespült wie ein Stück Treibholz am Strand des türkischen Badeortes Bodrum. Sein Name ist Ailan Kurdi. Er wurde nur drei Jahre alt. Auch sein Bruder Galip ist tot, beide sind bei der Flucht aus Syrien im Mittelmeer ertrunken. Die Familie war Medienberichten zufolge vergangenes Jahr aus der syrischen Stadt Kobane vor der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in die Türkei geflohen. Ailan saß vermutlich in einem von zwei Flüchtlingsbooten, die am Mittwochmorgen auf dem Weg von der türkischen Küste zu einer griechischen Ägäis-Insel sanken. Insgesamt zwölf tote Flüchtlinge aus Syrien, darunter fünf Kinder, wurden von der türkischen Küstenwache geborgen. 15 Flüchtlinge schafften es an Land. Drei Menschen wurden noch vermisst.

15.09.03-Kiyia Nicht alle wollen das Bild zeigen

Eine deutliche Botschaft

Das Bild des toten Ailan raubt den Atem, es ist kaum zu ertragen, es ist eine Anklage, es macht unser Versagen in dieser humanitären Krise deutlich. Dieses eine Foto macht deutlich, dass sich hinter einer Statistiken tausende Tragödien verbergen. Es ist wichtig, dieses Bild zu zeigen, die Augen nicht zu verschließen. Dieses Foto transportiert eine Botschaft: Europa lässt es zu, dass Kinder auf der Flucht vor dem Krieg im eigenen Land jämmerlich sterben. Dieses Bild sagt aber auch: diese Tragödie muss ein Ende haben!