AfD feiert in Stuttgart die Einheit

Den Tag der Deutschen Einheit nutzt die AfD-Prominenz in Stuttgart für einen Generalabrechnung mit der EU und mit der deutschen Politik. Mit dabei: der Europapolitiker Pretzell und die AfD-Chefin Petry. Überraschend nicht bei der Veranstaltung war Jörg Meuthen, Vorsitzender der wieder vereinigten AfD im Stuttgarter Landtag. 

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Demo gegen die AfD in Stuttgart

Tag der Deutschen Einheit

Die Selbstbestimmung der Bürger in Europa und Deutschland ist nach den Worten der AfD-Politiker Marcus Pretzell und Frauke Petry in Gefahr. Die europäische Idee des Individuums falle dem alles bestimmenden Staat zum Opfer, sagte der AfD-Europaparlamentarier Pretzell bei einer Feier seiner Partei zum Tag der Deutschen Einheit in Stuttgart. „Eine angestrebte Umkehr dieses europäischen Gedankens werden wir nicht dulden“, betonte Pretzell, der Mitglied der ENF-Fraktion (Europa der Nationen und der Freiheit) im Europaparlament ist.

Demo gegen die AfD

Vor dem Veranstaltungslokal skandierten bis zu 300 Demonstranten „Nazis raus“ und „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“. Nach Einschätzung der Veranstalter dieser Gegendemonstration ist die AfD eine rassistische Partei, die sich gegen sozial Schwache und gesellschaftliche Minderheiten stelle.

Nach Polizeiangaben kam es vereinzelt zu „Provokationen zwischen Teilnehmern der AfD-Veranstaltung und mutmaßlich dem linken Spektrum zuzurechnenden Demonstranten“. Der Stadtbahnverkehr entlang der Tagungshalle wurde zeitweise eingestellt. Ein Polizist wurde den Angabne zufolge bei dem Einsatz leicht verletzt. Ein Demonstrationsteilnehmer wurde vorläufig festgenommen.

Petry zieht Vergleich zur DDR

Petry, AfD-Bundesvorsitzende und gebürtige Dresdnerin, zog in ihrer Rede Parallelen zwischen aktuellen Tendenzen in der Bundesrepublik und Erscheinungen in der DDR. Im SED-Staat sei die Politik durch ideologische Wunschvorstellungen bestimmt gewesen, die „Politikerkaste“ sei abgehoben gewesen und habe ökonomische Schwierigkeiten sowie die Probleme der Bürger ignoriert. Die Medien hätten nicht die Realität dargestellt. „Es war gefährlich, seine Meinung zu sagen“, sagte sie und fügte als rhetorische Frage an die rund 300 Gäste hinzu: „Kommt Ihnen das bekannt vor?“ Die AfD werde dafür eintreten, dass solche Zustände nicht „auf leisen Sohlen wieder zurückkehren“.

Wer die „Masseneinwanderung“ von Flüchtlingen als Zeichen von Vielfalt interpretiere verkenne, dass Europa mit seinen verschiedenen Kulturen bereits Vielfalt verkörpere, sagte Pretzell. „Vielfalt ist das letzte, was „good old europe“ lernen muss.“ Die Europäer müssten sich ihrer Werte bewusst sein, auch im Verhältnis zu den Zuwanderern, die die Freiheit der Religion, Gleichberechtigung von Mann und Frau und den westlichen Bildungs- und Leistungsethos nicht zu schätzen wüssten. „Die Hälfte von ihnen lebt geistig im siebten Jahrhundert“, sagte Pretzell.

Pretzell gegen Pöbeleien

Zum Auftakt der Veranstaltung distanzierte sich Pretzell von Pöbeleien gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck bei der Einheitsfeier am Montag in Dresden. Der Tag sei ein Tag der Freude, insbesondere für die AfD. Polemik sei dem Anlass nicht angemessen. Damit reagierte Pretzell auf Äußerungen mehrerer hundert Demonstranten, darunter vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses, die Gäste der Einheitsfeier als „Volksverräter“ beschimpft hatten.

Der Ko-Vorsitzende von Petry und designierte Vorsitzende der vor der Wiedervereinigung stehenden baden-württembergischen AfD-Landtagsfraktion, Jörg Meuthen, war nach Worten von Pretzell zur Feier eingeladen. Meuthen war jedoch nicht anwesend.

 

Nachtrag:

Parallel zum Treffen der AfD in Stuttgart Bad Cannstatt hat sich nicht nur vor dem Tagungsort, dem Kursaal, der Protest geregt. Auch in der Stadt waren Gegendemonstranten zu Gange. Drei AfD-Mitglieder zeigten am Montag bei der Polizei an, dass zwei Autos und ein Wohnhaus beschädigt wurden.

Das Auto eines AfD-Politikers

Getroffen habe es die Autos des Kreisvorstandsmitglieds Alexander Beresowski und des Stadtrats Eberhard Brett sowie das Haus des Landtagsabgeordneten Heinrich Fiechtner. An den Autos wurden Reifen zerstochen, Scheiben zerstört und in einem Fall Parolen auf den Lack gesprüht. Im Internet bekennen sich die Verfasser eines Beitrags auf der Seite Indymedia.org zu den Sachbeschädigungen.

 

Hier geht es zur Berichterstattung in der Stuttgarter Zeitung

 

AfD-Chaostage in Stuttgart

Die AfD im Landtag von Stuttgart ist zerbrochen. Nun tobt ein offener Kampf um die Macht. Ex-Fraktionschef Jörg Meuthen hat eine neue Fraktion mit dem Namen Alternative für Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Sogar AfD-Chefin Frauke Petry hat sich eingemischt. Das hat seine Gründe.

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Frauke Petry will im Machtkampf in Stuttgart ein Wörtchen mitreden.

Ein Vorspiel für den Kampf im Bund

Die  entscheidende Frage hinter dem Stuttgarter AfD-Theaterdonner lautet: Wer wird kommendes Jahr Spitzenkandidat oder Kandidatin der Alternative für Deutschland bei der Bundestagswahl? Wahrscheinlich kommt die Partei der Antwort in diesen Tagen ein sehr großes Stück näher. Denn der Machtkampf in Stuttgart ist eine Art Vorspiel für den seit längerem erwarteten Schlagabtausch in der Bundespartei. Das wissen natürlich auch die AfD-Vorsitzende Frauke Petry und der Bundesvize Alexander Gauland. Aus diesem Grund haben sie in diesen Tagen die ganz harten Bandagen übergezogen und mischen kräftig mit beim Streit im Landesverband von Baden-Württemberg. Der eine stellt sich mit markigen Solidaritätsadressen an die Seite des Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen, während Petry ihre Macht zu zementieren sucht, indem sie sich – natürlich auf Kosten ihres Vorstandskollegen Meuthen – als Schlichterin präsentiert. Damit attestierte sie ihrem Rivalen Meuthen unausgesprochen eklatante Führungsschwäche.

In Stuttgart werden mit den personellen Entscheidungen womöglich auch die entscheidenden Weichen für die politische Zukunft  gestellt. Setzt Frauke Petry sich durch, wird sie versuchen, die AfD weiter zu einer Partei zu formen, die sich um die Belange des „kleinen Mannes“ kümmern soll, jener Menschen die Angst davor haben, dass sie wirtschaftlich und sozial abgehängt werden. Mit ihren rechtspopulistischen Parolen hat die AfD diese Wählergruppe vor allem im Osten Deutschlands angesprochen. Auch schließt Petry ausdrücklich Koalitionen mit anderen Parteien nicht aus. Das bringt ihr parteiintern den Vorwurf ein, das Profil der AfD verwischen zu wollen.

Meuthen gegen Petry

Jörg Meuthen hingegen sieht die Alternative für Deutschland als eine nationalkonservativ-liberale Partei mit klarer wirtschaftspolitischer Kante. Befragungen nach der Landtagswahl haben ergeben, dass die AfD-Wähler in Baden-Württemberg eher dem bessergestellten Bürgertum entstammen. Er positioniert die Partei in der Opposition und sieht die AfD nicht als Koalitionspartner für andere Parteien.

In dieser schwelenden Auseinandersetzung versuchen beide seit Monaten ihre Truppen hinter sich zu sammel. Petry setzt im Machtkampf vor allem ihren Lebensgefährten und NRW-Landeschef Marcus Pretzell und scheint in einer schwächeren Position. Denn hinter Meuthen stehen die einflussreichen Landeschefs in Thüringen und Brandenburg, Björn Höcke und Alexander Gauland, sowie die große Mehrzahl der Bundesvorstandsmitglieder.

Die Keilerei im Bund

Doch sollte Jörg Meuthen den Machtkampf tatsächlich für sich entscheiden, wird das nicht das Ende der Probleme sein. Denn die politische Position des Professors aus Karlsruhe ist nicht kompatibel mit den rechtsnationalen Ideen von Gauland oder der rechtspopulistischen Einstellung von Höcke. Die drei Männer eint allein die Abneigung gegen Frauke Petry. Ist sie weg, wird die parteiinterne Keilerei um das Spitzenamt im Bund erst richtig Fahrt aufnehmen.

 

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Nachtrag:

Am Mittwoch ziehen sich Meuthen und Petry in Stuttgart zu einem Vier-Augen-Gespräch zurück. Doch aus der Schadensbegrenzung wird nichts. Nach dem Treffen gründet Meuthen eine eigene, neue Fraktion mit dem Namen Alternative für Baden-Württemberg. Petry sagt: Die Rest-AfD ist die wahre AfD. Dann reist sie ab. An eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der beiden Parteichefs ist nach diesen Vorfällen wohl nicht mehr zu denken.

Serebrennikow gegen Schwulenhass

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow gibt nicht auf. Der 46-Jährige will auch nach seinem Ärger mit Moskaus Behörden seinen Film über den schwulen Komponisten Peter Tschaikowsky („Schwanensee“) drehen.

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Er kann den Film nicht nicht machen

„Nein, das ist nicht vorbei. Ich kann diesen Film nicht nicht machen, dazu habe ich zu viel eingebracht“, sagte der Filme- und Theatermacher. Gesucht werde ein Investor, sagte Serebrennikow in Stuttgart, wo er die Oper „Salome“ von Richard Strauss inszeniert.

Das russische Kulturministerium hatte die Förderung des Films zurückgezogen, weil Serebrennikow die in Russland tabuisierte private Seite des Nationalhelden Tschaikowsky (1840-1893) zeigen wollte. „Das war ein beispielloser Druck seitens des Kulturministeriums auf mich. Die Situation war unerträglich, in dieser Lage war es unmöglich, den Film zu drehen“, sagte er.

Russland liebt Tschaikowsky „trotzdem“

Kulturminister Wladimir Medinski hatte trotz persönlicher Briefe und Bekenntnisse Tschaikowskys behauptet, dass dessen Homosexualität nicht erwiesen sei. Präsident Wladimir Putin hingegen hatte das bestätigt, aber gesagt, dass die Russen ihn nicht deshalb lieben würden.

„Bisher haben die Schwulenhasser gewonnen“, meinte Serebrennikow. „Es hängt alles zusammen mit einer Atmosphäre der Homophobie in bestimmten Kreisen – aber nicht in der ganzen Gesellschaft. Die Russen sind sehr duldsam, sehr tolerant“, sagte der Künstler. Der Film hatte ursprünglich zu Tschaikowskys in diesem Jahr groß gefeierten Geburtstag vor 175 Jahren fertig sein sollen.

Kunst in Zeiten der Revolution

Im Literaturhaus Stuttgart diskutierten Künstler beim Change!-Festival darüber, welchen Einfluss Künstler auf den Verlauf von Protesten haben können.

Hier ein kurzer Youtube-Trailer zum Change-Festival

 

Die Wirkungsmacht von Kunst

Kann ein Pinselstrich eine Revolution auslösen, ähnlich dem Flügelschlag eines Schmetterlings, der einen Wirbelsturm verursacht? Eine unglaubliche Vorstellung. Dennoch wird immer wieder die zentrale Rolle der Kunst in Zeiten des fundamentalen gesellschaftlichen Umbruchs hervorgehoben. Beschrieben wird die ungeheure Wirkungsmacht eines Romans, eines Pamphlets, von Fotos, Karikaturen, Graffitis oder auch eines Liedes.

Nur Claqueure im Chaos

Das vergangene Vierteljahrhundert bietet die besten Möglichkeiten, Feldforschung zu betreiben. Seit dem Zerfall der Sowjetunion sind die Staaten in und um Europa nicht zur Ruhe gekommen. Zuletzt implodierten mit gewaltigem Getöse viele Staaten im arabischen Raum. Die Europäer hatten angesichts des Arabischen Frühlings eher die Rolle der Claqueure und interessierten Zuschauer eingenommen, doch die Schockwellen haben nun auch unseren Kontinent erreicht und die Folgen sind in den Städten zu spüren. Millionen Flüchtlinge haben sich auf den Weg gemacht, um bei uns ein besseres Leben zu finden und diese Menschen werden auch hier den Grundstein für eine vielleicht grundlegende Veränderung der Gesellschaft legen.

Viele Verbindungslinien

Die Veranstaltung im Literaturhaus Stuttgart hatte also eine ungeahnte Aktualität. Unter dem Titel „Change!“ diskutierten rund zweidutzend Schriftsteller, Künstler, Kuratoren und Kulturvermittler am Wochenende in verschiedenen Runden über die Rolle der Kunst im Umbruch. Eine gewaltige Herausforderung, sind die gesellschaftlichen Veränderungen auf den ersten Blick politisch, kulturell und historisch doch kaum mit einander zu vergleichen. Doch es gebe auch offensichtliche Verbindungslinien, unterstreicht Stefanie Stegmann, Leiterin des Literaturhauses. Die Kunst erobere sich durch Veränderungen immer neue Freiräume sich auszudrücken, beobachtet werde auch eine Re-Politisierung der Kultur.


Das Leben ungefiltert aufnehmen

Die Diskussionen machten deutlich, dass sich jeder Künstler diese neuen Freiräume auf seine eigene, sehr individuelle Weise erobert. Die Russin Viktoria Lomasko braucht das elektrisierende Chaos für ihre Arbeit, wie etwa die Proteste 2011/12 in Moskau mit all der aufgestauten Wut, der Bedrohung durch die Polizei und der Hoffnung auf Veränderung. Die Illustratorin will dabei sein, muss alles am eigenen Leib spüren. „In solchen Situationen spitzen sich die Gefühle extrem zu, man glaubt, man habe keine Haut mehr, man nimmt das Leben ungefiltert in sich auf“, beschreibt sie ihre Eindrücke.


Zwei Revolten erlebt

Viktoria Lomasko gegenüber sitzt ihr mentaler Widerpart. Nikita Kadan fixiert die junge Russin ruhig, als sie ihre Arbeitsweise beschreibt, seine Mine wirkt fast teilnahmslos und es ist kaum zu sagen, ob sie Staunen, Bewunderung oder Unverständnis ausdrückt. Aber er scheint jedes ihrer Worte tief in sich aufzusaugen. Der junge Ukrainer hat bereits zwei Revolutionen erlebt, aber er ist keiner, der auf den Barrikaden stehen will. „Kunst und Protest existieren nebeneinander her und manchmal treffen sie sich, weil die Zeit reif ist“, sagt der Grafiker. Was er damit meint, macht Kadan an einem Beispiel deutlich. Lange vor den Protesten 2013/14 auf dem Maidan hatte er eine verstörende Serie von Porzellantellern geschaffen, auf denen fast liebevoll gemalte Folterszenen abgebildet sind. Auf de Höhepunkt der Proteste, als die Sicherheitskräfte mit allergrößter Brutalität gegen die Demonstranten vorgingen, eilte der junge Künstler zu den Aktivisten auf den Maidan und verteilte die Teller. Das war sein Beitrag am Kampf, seine Art, den Menschen Mut zu machen, sich gegen das System zu stemmen – es war in seinem Sinne der Zeitpunkt, an dem sich Kunst und Protest trafen. Gerade durch die Distanz, die der Künstler zum Geschehen habe, erklärt Kadan, sei es ihm möglich, vieles genauer zu beschreiben und Dinge sichtbar zu machen, die unter der Oberfläche liegen. Für ihn ist Kunst eine vorsichtige, tastende Annäherung an das Sein hinter dem Schein.

Zwischen zwei Polen

Zwischen diesen beiden Polen, dem fordernd-revolutionären Aktionismus und dem zurückhaltend-beobachtenden Abwarten bewegt sich die Kunst in Zeiten des Umbruchs. Es ist eine zentrale Botschaft der Veranstaltung im Literaturhaus, dass es wichtige Verbindungslinien gibt zwischen allen Protestbewegungen – egal ob sich die Menschen im Maghreb, in Ägypten, Syrien, Russland oder der Ukraine gegen die Unterdrückung stemmen. Deutlich wurde allerdings auch, wie wichtig es ist, die gewonnenen Freiheiten in einer postrevolutionären Gesellschaft zu verteidigen und zu festigen. Gerade in dieser Zeit der Unsicherheit und Neuorientierung spielt die Kunst eine wichtige Rolle. Denn der offene Kampf für die Freiheit ist nur die erste Etappe auf einem sehr langen Weg in Richtung Demokratie.

Der Link zur Berichterstattung in der Stuttgarter Zeitung

Ein Interview mit der Kriegsreporterin Carolin Ehmke

Parade der Einheitsmännchen

25 Jahre Deutsche Einheit

Hessen richtet in diesem Jahr die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung aus. Aus diesem Anlass wurde der Künstler Ottmar Hörl eingeladen, eine Installation mit seriellen Skulpturen zu entwickeln. So gehen etwa 1000 Figuren des von ihm entworfenen Einheitsmännchens als Botschafter auf Deutschlandreise.

Ottmar Hörls Vision: möglichst viele Menschen in den Diskurs einzubeziehen. Im Moment stehen die Männchen auf dem Schlossplatz in Stuttgart.

Mehr Infos über das Kunstprojekt unter diesem Link

Mehr zum Künstler auf der Seite www.ottmar-hoerl.de

Und das sagt der Künstler selbst über seine Einheitsmännchen: Damit die konzeptuelle Idee ihr kommunikatives Potenzial entfal ten kann, arbeite ich im öffentlichen Raum – es ist ein Raum für alle und gleichzeitig für niemanden. Individuelle Vereinnahmungen können umgehend absorbiert und relativiert werden. Unter diesemAspekt ist der öffentliche Raum einer der spannungsreichsten und effizientesten Plattformen zur Entwicklung und Ausweitung kultureller Erfahrungszonen und immer auch eine Herausforderung für künstlerische Abenteurer.
Hier – außerhalb von Museumsräumen – entscheide ich mich daher bewusst für Motive, die bereits im kollektiven Gedächtnisverankert sind. Durch minimale Verrückung des Kontexts oder Neu schöpfung werden sie dann auf neue Weise erfahrbar.
Dieser künstlerischen Strategie entsprechend lag es nahe, zum Jubiläum der deutschen Einheit das ursprünglich 1961 von Karl Peglau ent wickelte, altbekannte „Ampelmännchen“ aufzugreifen und neu zu formulieren. Aus dem zweidimensionalen Piktogramm eines grünen Männchens wurde eine dreidimensionale, vollplastische, 38 cm hohe serielle monochrome Figur. Nach wie vor mit Hut, erhält sie nun ein Gesicht.
Aus dem „Ampelmännchen“ hat sich sozusagen eine neue Generation entwickelt, das „Einheitsmännchen“: weltoffen, freundlichund positiv in die Zukunft blickend, lächelnd, die Hand reichend für einAufeinander-Zugehen, voll Energie, dynamisch, mutig und entschlossen voranschreitend.

CSD in Stuttgart

Farbenfroh und gutgelaunt haben am Samstag auf der Politparade des Christopher Street Days (CSD) in Stuttgart Tausende Schwule, Lesben und Transsexuelle für die Gleichberechtigung mit Heterosexuellen demonstriert. Unter dem Motto „Akzeptanz? Was sonst!“ forderten sie vor allem die Öffnung der Ehe und das volle Adoptionsrecht für Schwulen und Lesben. Rund 4500 Menschen zogen nach Angaben des Veranstalters und der Polizei durch die Innenstadt – deutlich mehr als erwartet.  Begnadete Körper

Der Streit um den Bildungsplan und den Aktionsplan der grün-roten Landesregierung mobilisiere die Bewegung, sagte Christoph Michl vom Vorstand der Interessengemeinschaft CSD Stuttgart. Rund 200 000 Zuschauer kamen laut Polizei und Veranstalter zu der Parade.

  Aufreizende Kostüme

Mit Sprüchen, wie „Gleiche Pflichten, gleiche Rechte“ und „Homophobie ist voll schwul“, aber auch Kostümen mit Engelsflügeln und Lackstiefeln warben die Teilnehmer für ihre Forderungen. In einer Bimmelbahn fuhren erstmals Regenbogenfamilien mit – Schwule und Lesben mit ihren Kindern. Bisher können homosexuelle Paare nicht gemeinsam ein Kind adoptieren.

Große Gefühle

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland geht davon aus, dass bis zu zehn Prozent der Bevölkerung schwul oder lesbisch sind. Das wären in Baden-Württemberg mehr als eine Million Menschen.    Aufreizende Posen

In der bundesweiten Debatte um die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften hatte der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid die Union vor der Veranstaltung erneut attackiert. „Es ist eine Schande, dass die CDU einer ganzen Bevölkerungsgruppe weiterhin ihre vollen bürgerlichen Rechte verweigert, nur weil sie sich weigert, im 21. Jahrhundert anzukommen“, sagte Schmid, der mit seiner Frau Tülay bei der Parade mitlief.

  Gute Laune

Der CSD erinnert an die Vorfälle am 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street: Nach einer Polizeirazzia in einer Bar kam es damals zum Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen Polizeiwillkür mit Straßenschlachten.

Exodus der AfD-Mitglieder in Stuttgart

Afd-Gründer Bernd Lucke hat seinen Austritt aus der Partei erklärt. Viele Mitglieder an der Basis spielen nun mit dem Gedanken, dasselbe zu tun – zum Beispiel in Stuttgart. Der Kreisvorstand und alle vier Stuttgarter AfD-Stadträte haben vor einem übereilten Parteiaustritt gewarnt. In einem Mitgliederbrief bestreiten sie, dass die AfD nach rechts gerückt sei.

15.06.29-LuckeNach Luckes Austritt aus der AfD, ziehen viele Mitglieder in Stuttgart nach

Geschlossen hinter Frauke Petry

Der Kreisvorstand sowie die Gemeinderatsfraktion der Stuttgarter AfD haben sich demonstrativ geschlossen hinter den neuen Bundesvorstand der Partei um die Vorsitzende Frauke Petry gestellt. In einem Brief an die Basis warnten die Funktionäre davor, aufgrund einseitiger und verzerrter Presseberichte sowie entsprechender Vorhaltungen ausgetretener Parteimitglieder die AfD zu verlassen. Das Argument des „Rechtsrucks“ innerhalb der AfD nach dem Essener Parteitag sei eine „durchschaubare Diffamierungstaktik“ und im Übrigen gegenstandslos, da auch der neue Bundesvorstand zu den politischen Leitlinien der AfD stehe, heißt es in dem Schreiben.

Erst am Dienstag hatten zehn Stuttgarter AfD-Mitglieder ihren sofortigen Austritt aus der Partei unter Verweis auf den Essener Bundesparteitag erklärt, auf dem AfD-Mitbegründer Bernd Lucke bei der Wahl zum Bundesvorsitzenden gegen Petry unterlegen war.

Offener Brief der Lokalpolitiker

In einem offenen Brief haben die Lokalpolitiker, darunter die früheren stellvertretende Kreisvorstandssprecher Sven Ederer und Peter Gerlach sowie AfD-Gründungsmitglied Ronald Geiger wegen des erkennbaren Rechtsrucks innerhalb der Partei ihren sofortigen Austritt erklärt. „Wir können nicht mehr Mitglied einer Partei sein, in deren Vorstand mit André Poggenburg mindestens ein Mitglied gewählt wurde, der als AfD-Funktionär auf Veranstaltungen gemeinsam mit Neonazis aufgetreten ist“, heißt es in dem Schreiben. Besagter AfD-Funktionär hatte sich laut einem Bericht der taz in Tröglitz (Sachsen-Anhalt) an einer Podiumsdiskussion mit dem Rechtsextremisten Christian Bärthel und anderen Organisatoren der Demos gegen das dortige Flüchtlingswohnheim beteiligt, auf das im April 2015 ein Brandanschlag verübt worden war. Zudem bescheinigen die Ex-Parteimitglieder dem neuen AfD-Vorstand fehlende Glaubwürdigkeit, wenn Kritik an der unsoliden Haushaltspolitik Griechenlands von Führungspersonal vorgebracht wird, das „offenkundig selbst mit persönlichen Finanzproblemen zu kämpfen hat“. Der Vorwurf zielt auch auf Lucke-Nachfolgerin Frauke Petry, deren Firma 2013 Insolvenz anmelden musste.

Auf dem Weg zur „Pegida-Partei“

Ronald Geiger, der im März 2013 von der FDP zur AfD übergelaufen war und als damaliger Regionalrat zu den ersten Funktionären der Partei in der Region Stuttgart zählte, sagte auf Anfrage, die AfD habe sich schrittweise zu einer „Pegida-Partei“ entwickelt. Mit pauschal islamfeindlichen Stimmungen und Aussagen wolle er nichts zu tun haben. Geiger, der zu den Erstunterzeichnern des sogenannten „Weckrufs“ von Lucke gehörte, rechnet damit, dass auch der Ex-Bundesvorsitzende austreten wird – und die Gründung einer liberalkonservativen Partei anstrebt: „Da würde ich sofort mitmachen“, so Geiger.

Der AfD die Treue halten

Ein anderer FDP-Dissident will dagegen den Rechtspopulisten die Treue halten: Bern Klingler, einer von zwei AfD-Sprechern. Er tut sich freilich hörbar schwer mit der Begründung: „Wir müssen jetzt erst mal Ruhe in den Laden bringen“, sagt er und fügt hinzu, die „guten Leute“ in der AfD seien jetzt noch mehr gefordert. Er sei überzeugt, dass Deutschland die AfD brauche: Die „Altparteien“ seien mit ihrer Politik gescheitert, tönt der Ex-Liberale.

Klingers Co-Sprecher Lothar Maier will nicht von Rechtsruck reden. Er sieht Spitzenpersonal in der neuen Parteiführung. Den Einzug Poggenburgs in den Vorstand bedauere er ebenso wie die Austritte der Stuttgarter Parteifreunde. Er bleibe natürlich in der Partei. In der Gemeinderatsfraktion „ändert sich gar nichts“.

In ihren politischen Positionen gestärkt fühlen dürften sich die Stadträte Eberhard Brett („Bis zum Parteitag stand ich hinter Lucke“) und Heinrich Fiechtner. Vor allem Letzterer hatte mit islamfeindlichen Äußerungen und einer Beleidigung von OB Fritz Kuhn via Facebook (Grüne) Schlagzeilen gemacht. Zudem sind gegen ihn bei der Staatsanwaltschaft zwei weitere Anzeigen wegen Beleidigung anhängig. Das noch vom alten Landesvorsitzenden Kölmel, einem Erzfeind Fiechtners, angestrengte Parteiausschlussverfahren muss der Stadtrat kaum noch fürchten: Man brauche in der Rest-AfD jetzt jeden Mann, bestätigt auch Lothar Maier.

Hier der Link zur Berichterstattung in der Stuttgarter Zeitung

Tanz-Flashmob in Stuttgart 

Das Festival Colours will die Farben des zeitgenössischen Tanzes zeigen und ihn unters Volk bringen. Grund genug, vor dem Königsbau einen Flashmob aufzuziehen.


Nicht alles sah immer elegant aus – aber der Spaß war immer dabei.

 Neben Disco-Fox war auch Klassisches im Programm.

 Beste Plätze!


Und immer fröhlich bleiben.

Hier der Link zur Stuttgarter Zeitung

Ein Bericht über das Colours Festival