Griechenland – abseits Syriza

100 Tage ist Syriza an der Regierung. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Gelegenheit dazu bietet eine Reise der Naumann-Stiftung nach Thessaloniki und Athen.  

Das Finanzamt in AthenBesuch beim Finanzamt Alpha in Athen. Es wird versucht, die Effizienz zu erhöhen.  Ämter wurden zusammengelegt, mehr Mitarbeiter gab es allerdings nicht. 

Die Diskussion  

Guy Verhofstadt und Po Tami-Chef Stavros Theodorakis diskutieren in Athen über die Wege aus der Krise im Griechenland. Veranstalter ist die Naumann Stiftung. Kein Wunder also, dass beide liberale Reformen fordern. 

Jesus soll helfen 

Privater Protest auf dem Syntagma Platz in Athen. Aber ob Jesus in diesem Fall den Ausweg weist?  

Die Journalistin 

Die griechische Journalistin Christina Siganidou – EU-Expertin des ehemaligen staatlichen Rundfunks – beschreibt die Situation in ihrem Land.   Wie alle Gesprächspartner an diesem Tag fordert sie mehr Verständnis für Griechenland. 

Der Bürgermeister  

Giannis Boutaris  ist eine Art Held in Griechenland. Mit viel Elan ist es dem Bürgermeister von Thessaloniki gelungen, die Stadt in vielen  Bereichen umzubauen. Die junge Generation schwärmt vor allem davon, dass er die Stadt weltoffener gemacht habe – bis hin zur Veranstaltung der Gay Pride. 

Die Stadt Thessaloniki  

Ausgrabungen mitten in der Stadt. Boutaris will den Tourismus ankurbeln. Dazu erinnert er die Bewohner an die eigene Geschichte. Einst lebten in Thessaloniki sehr viele Juden. Zudem wurde Atatürk dort geboren. Damit wird nun kräftig geworben. Die Besucherzahlen von Israeli und Türken sei sprunghaft angestiegen.  

Die schöne Seite Griechenlands   Es ist nicht alles schlecht in Griechenland. Tourismus wird von vielen als eine Möglichkeit gesehen, dem Land einen Schub zu geben.  

Athens zweifelhafte Nähe zum Kreml

Die Beziehungen zwischen Griechenland und Russland sind traditionell sehr eng . Vor allem Außenminister Kotzias hat eine spezielle Vorliebe.

15.04.08-tsiprasTsipras zu Besuch bei Putin

Das  Verhältnis zwischen Griechenland und Russland ist traditionell eng. Besonders die wichtige Rolle der orthodoxen Kirche verbindet beide Länder. Griechische Missionare hatten im 9. und 10. Jahrhundert das Christentum nach Osteuropa gebracht. Auch die kyrillische Schrift der Mönche übernahmen die Russen. Am gemeinsamen Kirchenkalender liegt es, dass  hohe Festtage wie etwa Ostern in beiden Ländern gleichzeitig gefeiert werden. Der heilige Nikolaus von Smyrna gilt beiden Staaten als Schutzpatron.

Premier mit KP-Erfahrung

Die zweite Traditionslinie kommt aus der Politik. In der Zeit des Widerstandes gegen die Militärdiktatur der Obristen im Jahr 1967 bildeten sich vielfältige Beziehungen republikanischer Politiker zu Russland. Viele Syriza-Politiker haben ihre Sozialisation in der Moskau-nahen griechischen KP erfahren. Nach dem Wahlsieg von Alexis Tsipras war der russische Präsident Wladimir Putin deshalb auch einer der ersten Gratulanten. Mit den Glückwünschen verband der Kremlchef  sogleich die Hoffnung, dass man „bei der Lösung aktueller Probleme in Europa und der Welt zusammenarbeiten“ werde.

„Töten, töten, töten“

Besonders interessant sind auch die Verbindungen des Außenministers Nikos Kotzias nach Russland. Er ist ein großer Bewunderer des Erznationalisten Alexander Dugin. Der Philosoph und Professor an der Moskauer Staatsuniversität wird zum engen Kreis um Putin gezählt. Bereits in jungen Jahren offenbarte Dugin seine Affinität zur Naziideologie.  Den Zerfall der Sowjetunion interpretiert er als Niederlage eines Imperiums, dessen Größe es wiederherzustellen gelte. Zentrale These seiner Philosophie ist, dass Russland durch die Angliederung der Ex-Sowjetrepubliken wieder zur „eurasischen Supermacht“ aufsteigen müsse. Seine Haltung zur Ukraine ist deutlich. In einem Video forderte er, Vertreter der „Kiewer Junta“ zu „töten, töten, töten“.

Dugin – ein Fan von Syriza

Offensichtlich interessiert sich  Dugin schon längere Zeit für Syriza. Der russische Blogger Anton Schekhowtsow zitiert Dugin mit den Sätzen (2013): „In Griechenland sollten unsere Partner die Linkspolitiker von Syriza sein, die den Atlantizismus, den Liberalismus und die Dominanz der Globalfinanz ablehnen. (. . .) Es ist ein gutes Zeichen, dass solche nonkonformistischen Kräfte auf der Bühne aufgetaucht sind.“

Hier der Link zu einem Hintergrund über den Tspiras-Besuch in der Stuttgarter Zeitung