Orthodoxe Kirche in Ukraine steuert auf Unabhängigkeit von Moskau zu

Der Schritt ist gewaltig und hat wenig mit Glauben und viel mit Politik zu tun: das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel hat der Loslösung der ukrainisch-orthodoxen Kirche von Moskau zugestimmt. Die Ukraine gehörte 332 Jahre zum Moskauer Patriarchat.

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Eine historische Entscheidung des Patriarchats

Der Kirche in der Ukraine werde ein unabhängiger Status zuerkannt, teilte das Patriarchat nach einer Synode unter Vorsitz des Patriarchen Bartholomäus I. in Istanbul mit. Die Ukraine feierte die „historische“ Entscheidung, während die russisch-orthodoxe Kirche sie als „katastrophal“ kritisierte.

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In der Ukraine hatte sich nach der staatlichen Unabhängigkeit 1992 ein Teil der Moskau zugehörigen orthodoxen Kirche abgespalten, doch wurde dies bisher nicht anerkannt. Der Patriarch Filaret wurde von Moskau exkommuniziert. Nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Moskau 2014 verschärfte sich der Streit, die ukrainisch-orthodoxe Kirche beantragte auch offiziell ihre Unabhängigkeit. Bartholomäus I. ist das Oberhaupt der orthodoxen Christen und gilt unter den Patriarchen als „Erster unter Gleichen“. Die Loslösung der ukrainischen Kirche von Moskau bedurfte daher seiner Zustimmung. Das Patriarchat entschied außerdem, den Patriarchen von Kiew, Filaret Denisenko, wieder einzusetzen.

Spannungen zwischen Kiew und Moskau

Die Entscheidung dürfte die Spannungen zwischen Kiew und Moskau weiter verschärfen. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko feierte den Beschluss des Ökumenischen Patriarchats als „historische Entscheidung“. Die Unabhängigkeit sei ein „Sieg des Guten über das Böse“ und ein Schlag gegen das russische Vormachtreben, sagte er in einer Fernsehansprache. Die russisch-orthodoxe Kirche sprach hingegen von einer „katastrophalen Entscheidung“. Dadurch werde eine Kirchenspaltung in der Ukraine „legalisiert“. Das Ökumenische Patriarchat habe damit eine „rote Linie“ überschritten.
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Der Kreml mischt sich ein

Auch der Kreml meldete sich zu Wort und hat vor schweren Folgen des ukrainischen Strebens nach kirchlicher Unabhängigkeit von Russland gewarnt. Mit einem solchen Schritt könnte die orthodoxe Welt gespalten werden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. „Wir sind sehr besorgt darüber.“ Er wisse von einer harten und konsequenten Reaktion der russisch-orthodoxen Kirche auf die Entscheidung der Bischofskonferenz unter Vorsitz des ökumenischen Patriarchen Bartholomaios, erklärte Peskow.

Hier geht es zu einem Hintergrund über den Streit zwischen Kiew und Moskau

Oleg Senzow soll beendet Hungerstreik beendet haben

Eine Bestätigung nicht noch nicht vor: Nach 144 Tagen hat der in Russland inhaftierte ukrainische Regisseur Oleg Senzow nach Angaben der Gefängnisleitung seinen Hungerstreik beendet.

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Ärzte würden nun eine optimale Diät für ihn zusammenstellen, so dass er bald wieder normal essen könne, teilte die Strafvollzugsbehörde am Freitag mit. Der 42-Jährige hatte bisher Nährstoffe per Tropf erhalten. Eine unabhängige Bestätigung für das Ende des Hungerstreiks lag bislang nicht vor.

Hintergrund des Hungerstreiks ist die Forderung, Dutzende ukrainische Häftlinge aus russischen Gefängnissen freizulassen. Der Filmemacher war 2015 wegen angeblich geplanter Terroranschläge auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim in einem international kritisierten Prozess zu 20 Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Gnadengesuche der Mutter waren vom Kreml mehrfach abgelehnt worden. Der Ukrainer müsse das Gesuch selbst stellen, hieß es.

 

Die gute Nachricht aus Tschernobyl

Mit dem Namen Tschernobyl verbindet jeder vor allem Tod und Verderben. Nun ist in der Ukraine nahe der Atomruine die erste Solaranlage in der Sperrzone offiziell ans Netz gegangen.

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Bei der feierlichen Eröffnung hätten auch Vertreter des deutschen Investoren Enerparc AG aus Hamburg teilgenommen, teilten die Betreiber am Freitag in Kiew mit. Die Montage der Anlage mit einer Leistung von einem Megawatt war im Dezember 2017 abgeschlossen worden; sie liefert bereits seit Juli Strom ins allgemeine Netz. Die Ex-Sowjetrepublik deckt mehr als 50 Prozent ihres Elektroenergiebedarfs aus Atomkraft.

1986 war während eines Experiments der vierte Block des sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl explodiert und komplett zerstört worden. Die entstandene radioaktive Wolke verstrahlte große Gebiete im heutigen Weißrussland, der Ukraine und Russland. Zehntausende Anwohner im Umkreis von 30 Kilometern wurden umgesiedelt.

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2016 wurde ein 100 Meter hoher Stahlbogen über den Unglücksreaktor geschoben. Er ersetzt einen nach der Katastrophe eilig errichteten und brüchig gewordenen Beton-Sarkophag. Trotz der Reststrahlung will die Ukraine die 2600 Quadratkilometer große Sperrzone um Tschernobyl auch wieder nutzen. Die Regierung in Kiew plant zur Wiederbewirtschaftung der radioaktiv verseuchten Sperrzone weitere Solar- und Windkraftwerke.

Machtkampf in der orthodoxen Kirche

Um die orthodoxen Christen in der Ukraine tobt ein Machtkampf zwischen den Kirchenzentren in Konstantinopel (Istanbul) und Moskau. Lange schwelte der Streit nur unter der Oberfläche, inzwischen kommt es zu offenen Feindseligkeiten. Auch die Regierungen mischen sich ein.

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Die Politik mischt sich ein

Die ukrainische Regierung verurteilte den vorläufigen Abbruch der Beziehungen der russisch-orthodoxen Kirche zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel scharf. Außenminister Pawel Klimkin bezichtigte die russische Kirche wegen ihres Bruchs mit dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, des Separatismus. „Es sieht so aus, als gebe es in der Weltorthodoxie echte Separatisten“, schrieb er auf Twitter.

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Der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, versucht, alle Parteien zur Mäßigung aufzurufen. Er hoffe, „dass die Schwierigkeiten, die in den inner-orthodoxen Beziehungen aufgekommen sind, möglichst bald überwunden werden“, erklärte der griechisch-orthodoxe Theologe in Bonn.

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Der Grund des Kirchenstreits

Was war passiert? Die russisch-orthodoxe Kirche hat ihre Beziehungen zum Patriarchat von Konstantinopel unterbrochen. Anlass ist der Streit um die Zuständigkeit für die Ukraine. Doch die Ursachen des Konflikts liegen tiefer.

Der Grund für die Eskalation: Die russisch-orthodoxe Kirche wertet die jüngste Ernennung von zwei Exarchen für die Ukraine durch den Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., als „Kriegserklärung“ und hat ihrerseits „Sanktionen“ gegen Konstantinopel beschlossen. Auch wenn beide Seiten die Einheit der Orthodoxie beschwören, ist eine Lösung des Konflikts derzeit nicht zu erkennen.

Es geht nicht nur um die Macht in der Ukraine

Worum geht es? Vordergründig um die Oberhoheit für die Ukraine mit ihren rund 30 Millionen Mitgliedern in 12.000 Pfarreien, die in drei rivalisierende orthodoxe Kirchen gespalten sind. Für das Moskauer Patriarchat geht es dabei nicht nur um einen beträchtlichen Teil seiner auf 165 Millionen geschätzten Mitglieder, sondern auch um ihr historisches und spirituelles Zentrum. Das Patriarchat von Konstantinopel seinerseits versteht sich als „Mutterkirche“ Kiews und will durch die – nicht zuletzt von staatlicher Seite erbetene – Erklärung der Selbstständigkeit (Autokephalie) zur Überwindung des Schismas im Land beitragen.

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Ein Grundproblem der orthodoxen Kirche

Doch selbst eine Einigung in der Ukraine-Frage würde das Grundproblem der orthodoxen Kirche nicht lösen, das durch die Ungleichgewichte der 14 eigenständigen Landeskirchen und ihre ungeklärten Zuständigkeits- und Leitungsfragen entstanden ist. Formal scheint die Sache klar: Der Patriarch von Konstantinopel hat einen Ehrenprimat, aber keine rechtliche Vorrangstellung, und das oberste Organ ist ein panorthodoxes Konzil. Doch das Konzil von Kreta im Juni 2016 hat die Schwächen dieses Modells gezeigt. Trotz jahrzehntelanger Vorbereitung und detaillierter Absprachen vor Beginn boykottierten Moskau und drei andere Kirchen die Versammlung von Kreta und weigern sich bis heute, ihre Beschlüsse anzuerkennen.

Keiner gönnt dem anderen die Macht

Der jetzige harte Kurs von Bartholomaios I. in Sachen Ukraine dürfte auch ein Motiv in der damaligen Brüskierung durch seinen Moskauer Amtsbruder Kyrill I. haben. Dieser suchte erst am 31. August 2018 nach mehr als zweieinhalb Jahren wieder das persönliche Gespräch mit Bartholomaios, um den befürchteten Ukraine-Beschluss in letzter Minute abzuwenden. Das Treffen in Istanbul endete jedoch ohne offizielles Kommunique.

INFOBOX: Was ist die orthodoxe Kirche

Als orthodoxe Kirche wird die aus dem byzantinischen (Oströmischen) Reich hervorgegangene Kirchenfamilie bezeichnet. Sie besteht derzeit aus 14 selbstständigen („autokephalen“) Landeskirchen. „Orthodox“ war dabei zunächst keine eigene Konfessionsbezeichnung, sondern bedeutet auf Griechisch „rechtgläubig“. Trotz nationaler Unterschiede versteht sich die Orthodoxie in ihrem Bekenntnis und der Liturgie als eine einzige Kirche. Ehrenoberhaupt ist der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I. (78).

Die Vorrechte Konstantinopels wie die Gewährung der Autokephalie sind zum Teil umstritten. Der Patriarch hat anders als der Papst in der katholischen Kirche keinen Jurisdiktionsprimat. Über viele Fragen müssen die autokephalen orthodoxen Landeskirchen gemeinsam entscheiden. Dies sind: Konstantinopel, Antiochien, Alexandria, Jerusalem, Serbien, Bulgarien, Georgien, Zypern, Tschechien und die Slowakei, Albanien, Polen, Griechenland, Rumänien und Russland.

Die weltweit mehr als 220 Millionen orthodoxen Christen bilden nach Katholiken und Protestanten aller Denominationen die drittgrößte christliche Konfession. Von ihnen gehören die weitaus meisten (rund 165 Millionen) zur russisch-orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat).

Zu unterscheiden von den griechisch-orthodoxen Kirchen sind die orientalisch-orthodoxen (altorientalischen) Kirchen, etwa die koptische, die syrische und die armenische orthodoxe Kirche. Letztere trennten sich bereits zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert von der römischen Reichskirche.

In Deutschland leben laut Schätzungen etwa zwei Millionen orthodoxe Christen. Der 2010 gegründeten Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland gehören 16 Diözesan- und Weihbischöfe aus sieben orthodoxen Kirchen an. Vorsitzender ist der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos (80) mit Sitz in Bonn.

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Als Oberhaupt von mehr als der Hälfte aller orthodoxen Christen weltweit – ihre Zahl wird auf 220 Millionen geschätzt, andere Angaben reichen bis zu 300 Millionen – ist Kyrill offenbar nicht gewillt, sich dem am Bosporus residierenden Ehrenoberhaupt unterzuordnen. Dessen traditionelle Rolle als Primas der aus der Kirche des Oströmischen Reiches hervorgegangenen griechisch-orthodoxen Kirchenfamilie wird in der Gegenwart nicht nur durch die türkische Politik stark eingeschränkt.

Die Veränderungen durch die Migration

Auch hat die Migration in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass in der westlichen Welt zunehmend kirchliche Strukturen anderer orthodoxer Kirchen als die des Patriarchats von Konstantinopel entstanden sind. So steht nicht nur die Orthodoxie insgesamt, sondern gleich mehrere ihrer Kirchen in der Spannung zwischen Nationalkirche und Weltkirche.

Während Bartholomaios I. angesichts dessen die zentrale Rolle des Ökumenischen Patriarchats hervorhebt und stärken will, wirft ihm die Moskauer Kirchenleitung vor, „für die Orthodoxie fremde ekklesiologische Sichtweisen“ nach dem römisch-katholischen Modell zu vertreten. Mit dem damit verbundenen Häresie-Vorwurf wird der politische Gegensatz zugleich auf eine theologische Ebene gehoben.

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Es droht die Spaltung der Kirche

Die politischen Konflikte nicht nur in der Ukraine, sondern auch etwa in Nord-Mazedonien oder im Emirat Katar tangierten bislang zwar die kirchliche Gemeinschaft zwischen einzelnen Kirchen – etwa den Patriarchaten Jerusalem und Antiochia -, bezogen sich aber nicht auf Glaubensfragen. Die Drohung Moskaus, „die eucharistische Communio mit dem Patriarchat von Konstantinopel vollständig abzubrechen“, könnte nun den Beginn eines veritablen Schismas markieren – wobei sich beide Seiten gegenseitig die Schuld zuweisen.

Oleg Senzow schreibt sein Testament

Gibt Oleg Senzow sich auf? Der seit knapp vier Monaten hungerstreikende ukrainische Regisseur hat im russischen Straflager sein Testament geschrieben.

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Keine Hoffnung auf die Freiheit

„Dass ich bald freikomme und wir glücklich in Kiew leben werden, glaube ich schon nicht mehr“, zitierte ihn seine Cousine Natalia Kaplan, an die er das Schreiben schickte. Es gehe ihm immer schlechter. Er leide unter Sauerstoffarmut im Blut. „Schwindel im Kopf, alles dreht sich, der Körper, Kopf und die Gliedmaßen erstarren“, hieß es im Schreiben.

Senzow bekommt zwar über einen Tropf Nährstofflösungen, der 42-Jährige will jedoch weiterhin nichts essen. Hintergrund des Hungerstreiks ist die Forderung, Dutzende ukrainische Häftlinge aus russischen Gefängnissen freizulassen.

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Protest für Senzow

Gleichzeitig haben in Warschau Menschenrechtler mit einer stillen Solidaritätskundgebung für Senzow demonstriert. Als der Vertreter Russlands bei der Jahreskonferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Warschau die Eröffnungsrede hielt, erhoben sich die Protestteilnehmer mit T-Shirts mit der Aufschrift #SaveOlegSentsov.

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Verurteilt wegen Terrorismus-Vorwurf

Senzow stammt von der von Russland annektierten Halbinsel Krim und ist 2015 wegen Teilnahme an einer Verschwörung zu terroristischen Anschlägen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er selbst weist das zurück. Seine Anhänger halten das Urteil für politisch motiviert, weil Senzow gegen die Annexion aufgetreten ist. Die OSZE-Konferenz zum Thema Menschenrechte ist eine der seltenen Veranstaltungen, an denen Regierungen und Vertreter der Zivilgesellschaft gleichberechtigt teilnehmen.

1030 Jahre Kiewer Rus – ein Kirchen-Streit mit politischer Dimension

Großaufmarsch der Kirchenvertreter in Kiew. In Kiew – und auch in Moskau – haben zehntausende Menschen der Christianisierung des historischen Reichs der Kiewer Rus vor 1030 Jahren gedacht.

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Die Forderung nach Unabhängigkeit von Moskau

Angesichts des politischen Streits zwischen Russland und der Ukraine nutzte die Führung in Kiew das Jubiläum für die Forderung nach einer von Moskau losgelösten unabhängigen Landeskirche. „Die Autokephalie (kirchliche Unabhängigkeit) ist eine Frage der nationalen Sicherheit“, sagte Präsident Petro Poroschenko.

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Die Ukraine ist konfessionell vor allem zwischen dem Moskauer und dem in der orthodoxen Welt nicht anerkannten Kiewer Patriarchat gespalten. Die Russisch-Orthodoxe Kirche kritisiert die Pläne Kiews für eine unabhängige Kirche. Sie betrachtet die Ukraine als ihr kanonisches Territorium. Kiew hat den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomeos I., um Anerkennung ersucht. Die Beziehungen zwischen Moskau und Kiew sind wegen der russischen Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim 2014 und der anschließenden Unterstützung für ostukrainische Separatisten zerrüttet.

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In Moskau führten Präsident Wladimir Putin und der Russisch-Orthodoxe Patriarch Kirill eine Prozession von Zehntausenden Gläubigen zu einem Denkmal für Fürst Wladimir an. Fürst Wladimir hatte Ende des 10. Jahrhunderts von Kiew aus die Christianisierung seines Reiches eingeleitet. Putin bezeichnete die sogenannte Taufe der Rus als Ausgangspunkt für die russische Staatlichkeit. Kirchenoberhaupt Kirill betete zuvor bei einer Zeremonie im Kreml für Frieden in der Ukraine.

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Femen-Aktivistin tot in Paris aufgefunden

Eine Mitgründerin der Frauenrechtsgruppe Femen ist tot in ihrer Pariser Wohnung gefunden worden. Bei der Ukrainerin Oksana Schatschko wurde am Montag ein Abschiedsbrief gefunden, wie Femen-Aktivistinnen mitteilten.
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Trauer um Schatschko

„Wir trauern gemeinsam mit ihrer Familie und ihren Freunden“, schrieb Anna Guzol im Online-Netzwerk Facebook. Die Gruppe warte nun auf „die offizielle Version der Polizei“ zum Tod der 31-Jährigen.

Auf der Internetseite von Femen heißt es in einem offiziellen Statement: „Die furchtlose und verletzliche Oksana Schatschko hat uns verlassen. Wir trauern mit ihren Angehörigen und Freunden.“

Die Mitgründerin Huzol bestätigte gegenüber dem ukrainischen „Radio Free Europe“den Tod der Femen-Aktivistin. „Soweit ich weiß, war sie über alles besorgt, was in der Welt zurzeit schlecht läuft“, sagte Huzol dem Sender.

Guzol, Schatschko und zwei andere Aktivistinnen hatten Femen 2008 in der Ukraine gegründet. Nach Angaben der Gruppe war Schatschko eine von drei Femen-Mitstreiterinnen, die 2011 nach einem barbusigen Protest gegen den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko von Sicherheitskräften entführt und misshandelt worden sein sollen.

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Leben im französischen Exil

Der Gruppe zufolge übergossen die Entführer die Frauen in einem Wald mit Öl und drohten, sie in Brand zu setzen. Die Gruppe gab an, Schatschko sei erneut entführt worden, als Russlands Präsident Wladimir Putin einmal zu Besuch in der Ukraine war. Nach Angaben ihres Anwalts wurde sie damals von Unbekannten krankenhausreif geschlagen. Schatschko verließ die Gruppe später und arbeitete bis zu ihrem Tod als Künstlerin.
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Seit 2013 lebte sie im französischen Exil. Bei ihren Protesten treten die Femen zumeist mit nacktem Oberkörper auf. Zunächst lehnten sie sich vor allem gegen Sexismus auf. Später richteten sich ihre Aktionen dann auch etwa gegen Russland Staatschef Putin oder die französische rechtspopulistische Partei Rassemblement National, die bis vor kurzem Front National hieß.