Von Lissabon bis Wladiwostok – das Russland-Kapitel im Koalitionsvertrag

Deutschland hat eine neue Regierung. Lange hat es gedauert. Im Koalitionsvertrag, zwischen CDU und SPD ist vieles geregelt – auch das zukünftige Verhältnis zu Russland.

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Nachdrückliches Interesse an guten Beziehungen zu Russland

Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, wird natürlich zuerst einmal erklärt, dass Deutschland ein nachdrückliches Interesse an guten Beziehungen zu Russland habe. Herausgehoben werden die großen Möglichkeiten, die beide Staaten in der Zusammenarbeit hätten. Dann aber folgt schon ein „Aber“.

Die neue Bundesregierung bedauere die derzeitige russische Politik, die mit der Krim-Annexion und dem Eingreifen im Osten der Ukraine einen „erheblichen Rückschritt“ bedeute. Auch zu einem Abbau der Sanktionen gegen Russland nehmen die Parteien Stellung: „Bei Umsetzung der Minsker Vereinbarungen sind wir zu einem Abbau der Sanktionen bereit und werden darüber einen Dialog mit unseren europäischen Partnern führen“.

Besonders bemerkenswert ist das Bekenntnis zur Vision eines gemeinsamen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok. Diesen Vorschlag hatte auch schon einmal der russische Präsident Wladimir Putin gemacht – geworden ist daraus allerdings nichts. Im Koalitionsvertrag steht dazu: “Beide Seiten und ganz Europa können davon profitieren.“

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Hier der Text des Koalitionsvertrags im Wortlaut:

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„Deutschland hat ein nachdrückliches Interesse an guten Beziehungen zu Russland und an enger Zusammenarbeit zur Sicherung von Frieden und zur Regelung wichtiger internationaler Herausforderungen. Russland ist unser größter europäischer Nachbar, mit dem wir Frieden in Europa, die Integrität nationaler Grenzen und die Souveränität aller Staaten nur auf Grundlage der OSZE-Prinzipien garantieren wollen.

Es besteht im wirtschaftlichen Austausch ein großes Potenzial und im zivilgesellschaftlichen Bereich ein starkes Kooperationsinteresse. Deshalb bedauern wir, dass Russlands Politik, einschließlich der Menschenrechtslage, einen erheblichen Rückschritt bedeutet. Russland verletzt durch seine völkerrechtswidrige Krim-Annexion und das Eingreifen im Osten der Ukraine die europäische Friedensordnung.

Diese gegenwärtige russische Außenpolitik verlangt von uns besondere Achtsamkeit und Resilienz. Deutschland und Frankreich werden sich weiter intensiv für die Lösung des Konflikts in der Ostukraine und die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen einsetzen. Im Mittelpunkt dieser Anstrengungen stehen zunächst die Einhaltung des Waffenstillstands im Osten der Ukraine und der Rückzug aller schweren Waffen und aller bewaffneten Einheiten aus diesem Gebiet.

Diese Entwicklungen sollen durch eine Mission der Vereinten Nationen abgesichert werden. Sowohl Russland als auch die Ukraine müssen ihre Verpflichtungen aus den Minsker Vereinbarungen erfüllen. Bei Umsetzung der Minsker Vereinbarungen sind wir zu einem Abbau der Sanktionen bereit und werden darüber einen Dialog mit unseren europäischen Partnern führen. Wir halten an der Vision eines gemeinsamen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok fest.

Beide Seiten und ganz Europa können davon profitieren. Ziel unserer Politik gegenüber Russland bleibt eine Rückkehr zu auf gegenseitigem Vertrauen und friedlichem Interessenausgleich basierenden Beziehungen, die wieder eine enge Partnerschaft ermöglichen. Wir werden die zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit mit den Ländern der Östlichen Partnerschaft und mit Russland, u. a. im Petersburger Dialog, stärken und wollen die Mittel dafür erhöhen.“

QuellenPassage im Koalitionsvertrag (PDF, S.149f), Kommersant(RU)

Neue Enthüllungen von Nawalny

Alexej Nawalny sorgt wieder einmal für Aufregung. In einem Enthüllungsfilm beschuldigt der Kreml-Kritiker Vizeregierungschef Sergej Prichodko der Korruption.

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Mehrere Luxusanwesen in Moskau

In dem Video wirft Nawalny dem Vizeregierungschef Sergej Prichodko vor, Schmiergelder vom Oligarchen Oleg Deripaska angenommen zu haben. Nawalny wirft Prichodko zudem vor, mehrere Luxusanwesen in Moskau und Umgebung zu besitzen, deren Wert seine Einkommen aus Funktionen in wechselnden russischen Regierungen übersteigen.

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Der Film basiert hauptsächlich auf Bildern, die eine von Nawalny als Callgirl bezeichnete junge Frau aufgenommen hat. Sie zeigen den Oligarchen Deripaska, Chef des Aluminiumriesen Rusal, auf einer Jacht mit einem Mann, der wie Prichodko aussieht. Laut Nawalny stammen die Aufnahmen von einer Kreuzfahrt vor der Küste Norwegens im Jahr 2016.

Eine „Kampagne zur Rufschädigung“?

„Der Oligarch nimmt einen hochrangigen Regierungsvertreter mit auf seine Jacht: Das ist Bestechung“, sagte Nawalny dazu. Eine Sprecherin des Oligarchen sagte, das Video basiere auf „Einbildungen“ und sei Teil einer „Kampagne zur Rufschädigung“ Deripaskas. Dieser werde „seine Ehre und Würde vor Gericht verteidigen“.
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Der Rusal-Chef gehört zu einer Reihe von Oligarchen, die im Zuge der Privatisierung von Staatsunternehmen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Reichtum gekommen sind. Deripaska hatte auch enge Kontakte zu dem früheren Wahlkampfmanager von US-Präsident Donald Trump, Paul Manafort, der im Zusammenhang mit Ermittlungen zur russischen Einmischung in den US-Wahlkampf angeklagt ist.

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Tipps für die Verführung reicher Männer

Das Callgirl Nastja Rybka hatte die Bilder zunächst im Online-Dienst Instagram veröffentlicht. Sie war durch die Veröffentlichung eines Buches bekannt geworden, in dem sie Tipps für die Verführung reicher und mächtiger Männer gab, und hat auf Instagram 50.000 Follower.

Der Blogger und Jurist Nawalny hat sich den Kampf gegen Korruption auf die Fahne geschrieben. Er wollte Staatschef Wladimir Putin bei der Präsidentschaftswahl im März herausfordern, die Wahlkommission schloss ihn aber wegen einer Verurteilung zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe wegen Unterschlagung aus.

Die seltsame Putin-Liste der USA

Die Börsenhändler finden die Nachricht gut. Die USA werden keine neuen Sanktionen gegen Russland verhängen. Der Aktienindex steigt deswegen. Doch nicht alle sind erfreut, denn die US-Regierung hat ranghohe russische Politiker und kremlnahe Geschäftsleute auf eine umstrittene Liste gesetzt.

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Eine Liste als „unfreundlicher Akt“

Die Kritik aus Moskau ist laut – sehr laut. Präsident Wladimir Putin bezeichnete das Dokument als „unfreundlichen Akt“, der die ohnehin komplizierten Beziehungen zu den USA weiter erschwere. „Natürlich schadet die Liste den internationalen Beziehungen als Ganzes“, sagte Putin der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

Die Vorsitzende des Föderationsrats, Walentina Matwijenko, hat eine ganz eigen Interpretation. Die Liste sei nichts anderes als Einmischung in die russische Präsidentenenwahl im März. . Die USA versuchten damit, Unterstützung für Präsident Wladimir Putin zu untergraben, der am 18. März für eine weitere Amtszeit kandidiert.
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Alle sind Feinde der USA?

Und auch Putins Sprecher Dmitri Peskow fand nur unschöne Worte: „De facto wurden wir alle Feinde der USA genannt.“ Russische Politiker gehen davon aus, dass das Dokument als Grundlage für Sanktionen dienen könnte. Doch was war geschehen: Das US-Finanzministerium hat eine Liste veröffentlicht, in der mehr als 200 ranghohe russische Politiker und Geschäftsleute mit engen Verbindungen zum Kreml genannt werden. Unter anderem werden darin Regierungschef Dmitri Medwedew, Außenminister Sergej Lawrow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu erwähnt. Insgesamt werden 114 Politiker und 96 Oligarchen wie Rosneft-Chef Igor Setschin und der Gazprom-Vorstandsvorsitzende Alexej Miller aufgeführt. .

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Eine sehr seltsame Liste

Allerdings wirft die Liste tatsächlich viele Fragen auf. Nicht ganz klar erscheint, wie Washington die Liste zusammenstellte. Sie ist so weit gefasst, dass in Moskau viele auch mit Spott darauf reagierten. „Die Liste sieht aus wie das „Who is Who“ der russischen Politik“, sagte Vize-Regierungschef Arkadi Dworkowitsch. Washington habe lediglich das Telefonverzeichnis des Kremls kopiert, schrieb Außenpolitiker Konstantin Kossatschow auf Facebook. Und sogar Kremlchef Putin fand nach anfänglichem Ärger seinen Humor wieder. Er scherzte über die Tatsache, dass sein Name auf der Liste fehle: „Was für eine Schande!“

Nawalny wagt die Kraftprobe

Alexej Nawalny hat es auf eine Kraftprobe ankommen lassen. Bei einer nicht genehmigten Kundgebung des Putin-Kritikers wird er von der Polizei festgenommen. Wenige Wochen vor der Präsidentenwahl in Russland gibt die Demonstration Aufschluss über die Lage der Opposition.

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Die Polizei greift hart durch

Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache. Nicht gerade zimperlich sind die Polizisten bei der Festnahme Alexej Nawalny vorgegangen. Auf mehreren Videos, die sich in den sozialen Netzwerken schnell verbreiteten war am Sonntag zu sehen, wie Polizisten Nawalny überfallartig ergriffen, als er auf dem Weg zu der Kundgebung im Zentrum von Moskau war. Kurz ging der 41-Jährige zu Boden, als die Beamten ihn in einen Polizeibus brachten. Doch Nawalny war nicht der einzige, der Bekanntschaft mit der Polizei machte.
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Das Bürgerrechtlerportal OVD-Info berichtete von mindestens 240 Festgenommenen im ganzen Land bei Nawalnys „Wählerstreik“. Eine Gewalteskalation wie bei anderen Protesten während der vergangenen Monate blieb in Moskau aber zunächst aus.

Nawalny will die Russen zum Boykott bewegen

Mit dem Protest demonstriert Nawalny gegen seinen Ausschluss von der Präsidentenwahl am 18. März. Er will die Russen zu einem Boykott bewegen. Lange hatte sich der Blogger und selbst ernannte Anti-Korruptionskämpfer bemüht, gegen Amtsinhaber Wladimir Putin antreten zu dürfen. Die Wahlleitung schloss ihn aber wegen einer umstrittenen Bewährungsstrafe in einem Fall von Unterschlagung aus. Ein Wahlsieg Putins gilt ohnehin als sicher. Nawalny argumentiert, durch seinen Ausschluss gebe es keinen echten Gegenkandidaten.
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Ein Test für beide Seiten

Die Protestaktion war aber auch eine Art Test für beide Seiten. Mit Spannung wurde erwartet, wie viele Menschen bei zum Teil frostigen Temperaturen auf die Straße gehen. Eine große Beteiligung wäre ein Zeichen für eine breite Unterstützung seines Wahl-Boykotts; eine geringe Mobilisierung könnte als Hinweis auf die Schwäche der Opposition gedeutet werden.

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Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl in Moskau bei knackigen Minusgraden auf rund 1000, Beobachter hielten 2000 bis 3000 vor allem junge Demonstranten für möglich. Nawalny hatte in rund 90 Städten zum „Streik der Wähler“ aufgerufen. In Moskau und St. Petersburg waren die Routen nicht genehmigt worden. In mehreren Städten in der Provinz wurden sie erlaubt.

Die Polizei erhöht den Druck

Schon im Vorfeld der neuen Proteste hatte die Polizei den Druck auf Nawalny erhöht. Sicherheitskräfte hatten seine Moskauer Büros durchsucht und beschlagnahmten Material. Mehrere enge Mitarbeiter Nawalnys wurden festgenommen. Zu seiner eigenen Festnahme schrieb er: „Das hat nichts zu bedeuten. Ihr geht nicht für mich auf die Straße, sondern für euch und eure Zukunft.“

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Täglich habe es vier bis fünf Durchsuchungen in den Büros gegeben, sagte Nawalnys  Stabschef Leonid Wolkow der Zeitung „Nowaja Gaseta“. „Ihr Ziel ist es, uns Organisatoren zu stören. Beim harten Kern unserer Freiwilligen heizt das aber nur die Stimmung an.“ Damit könnte Wolkow durchaus Recht haben – aber das harte Vorgehen der Behörden verhindert auch, dass sich die Proteste weiter ausbreiten.

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Nachtrag:

Die russische Polizei hat den Oppositionspolitiker Alexej Nawalny wenige Stunden nach seiner Festnahme wieder freigelassen. Er müsse sich aber zur Verfügung halten, sagte Nawalnys Anwältin Olga Michailowa der Agentur Tass am späten Sonntagabend.

Wer war Stalin?

Für die einen war er ein Massenmörder, die anderen vergöttern ihn als Retter ihrer Heimat. An Stalin scheiden sich auch heute noch die Geister.

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Stalin – der Menschenschlächter

Schauplatz Berlin:  Tonnenschwer und riesengroß – eine einst geschleifte Stalin-Figur entdeckten Historiker auf dem Hof eines Unternehmers in der Mongolei. Die viereinhalb Meter hohe Bronze-Statue wird nun Teil einer neuen Ausstellung in der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte. Die Schau „Der Rote Gott – Stalin und die Deutschen“ setzt sich mit dem Personenkult um Stalin in der frühen DDR auseinander. Ab dem 26. Januar ist die Sonderausstellung für Besucher frei zugänglich. Dass ein Diktator und Massenmörder so vergöttert werden konnte, sei heute nur noch schwer zu verstehen, sagt der Leiter der Gedenkstätte, Hubertus Knabe. Auf erschreckende Weise werde deutlich, wie manipulierbar Menschen seien.

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Stalin – der Menschenretter

Schauplatz Moskau: Nach der Kritik von Kommunisten und Kulturschaffenden hat die russische Regierung einen satirischen Film über den Tod des sowjetischen Diktators Josef Stalin kurz vor der Premiere verboten. Wie das Kulturministerium bekanntgab, darf „The Death of Stalin“ vom schottischen Regisseur und Drehbuchautor Armando Iannucci nicht in russischen Kinos gezeigt werden. Eigentlich sollte der Streifen dort zu sehen sein. In Großbritannien läuft die britisch-französische Produktion bereits seit Oktober 2017.

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Russland habe keine Zensur

Kulturminister Waldimir Medinski beteuerte, Russland habe keine Zensur. Doch viele Ältere würden den Film als beleidigenden Spott über die sowjetische Vergangenheit verstehen. Diese Verhöhnung treffe auch die Rote Armee, einfache Menschen und sogar die Opfer des Stalinismus. Russland fürchte sich nicht vor einem kritischen Blick auf seine Geschichte, aber es gebe eine moralische Grenze zwischen kritischer Analyse und Gespött. Der Exekutivdirektor der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft, Wladislaw Kononow, nannte den Film „ekelhaft“ sowie „eine Abscheulichkeit und Dreck“.

Stalin wir noch heute verehrt

Stalin hatte die Sowjetunion von 1924 bis zu seinem Tod im Jahr 1953 geführt. Meinungsumfragen zufolge wird er in Russland heute noch stark verehrt. Viele Russen halten ihm ungeachtet brutaler Säuberungsaktionen mit Millionen Toten zugute, das Land im Zweiten Weltkrieg zum Sieg geführt und es zu einer Atommacht gemacht zu haben.

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Putin hält sich zurück

Präsident Wladimir Putin hat eine vorsichtige Haltung zur Rolle Stalins in der russischen Geschichte eingenommen. Er verurteilte die Säuberungen, hob jedoch auch die Errungenschaften der Sowjet-Ära hervor. Die von Putin gegründete und von seinem Kulturminister geführte Russische Militärhistorische Gesellschaft enthüllte im vergangenen Herbst eine Büste von Stalin in einem Park in Moskau. Kremlkritiker halten solche Aktionen für Versuche, Stalins Ruf reinzuwaschen.

Polizei durchsucht Nawalny-Büros

Die russische Polizei hat am Donnerstag Razzien in Wahlkampfbüros des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny vorgenommen. Nawalny schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, derzeit werde die Zentrale in St. Petersburg durchsucht.

Nachtrag:

Am 22. Januar hat ein Gericht die Stiftung Nawalnys aufgelöst. 

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Aktivisten diskutieren mit der Polizei

In einem Live-Video im Internet war zu sehen, wie Aktivisten heftig mit Polizisten diskutierten. Die Aktivisten sagten, die Polizei nehme Computer und Laptops sowie alles Gedruckte mit.

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Der 41-jährige Anwalt und Blogger ist ein scharfer Kritiker von Präsident Wladimir Putin. Bei der Präsidentschaftswahl am 18. März darf er nicht gegen den Amtsinhaber antreten. Die russische Wahlkommission begründete seinen Ausschluss mit einer Verurteilung Nawalnys zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe wegen Unterschlagung. Der Oppositionspolitiker bestreitet die ins Jahr 2009 zurückreichenden Vorwürfe und spricht von einem politisch motivierten Urteil.
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Nawalny ruft zum Wahlboykott auf

Nawalny rief seine Anhänger auf, weiter für einen Wahlboykott zu mobilisieren und am 28. Januar landesweit zu demonstrieren. Putins Wiederwahl am 18. März gilt als so gut wie sicher. Nawalny will mit seinen Anhängern die Wahl „beobachten“ und verhindern, dass die Zahlen zur Wahlbeteiligung „gefälscht“ werden.

Seinen Ruf als furchtloser Kritiker der Mächtigen verdankt Nawalny vor allem dem Internet. Dort veröffentlicht er seit 2007 in seinem Blog kritische Recherchen über die dubiosen Geschäftspraktiken russischer Großkonzerne, die sich teilweise in Staatsbesitz befinden. Auch das Fehlverhalten ranghoher Funktionäre machte er im Netz publik. 2012 rief er eine Anti-Korruptionsstiftung ins Leben.

Nawalny kritisiert Medwedew

Sein YouTube-Video mit Anschuldigungen gegen Ministerpräsident Dmitri Medwedew wurde inzwischen 25 Millionen Mal angeklickt. Nawalny wirft Medwedew vor, über ein undurchsichtiges Netzwerk von Stiftungen ein Immobilienimperium zu kontrollieren. Nawalny vertritt indes auch für einige seiner Anhänger fragwürdige politische Ansichten. 2007 trat er aus der wirtschaftsliberalen Oppositionspartei Jabloko aus und wurde im ultranationalistischen Milieu aktiv. Wiederholt beteiligte er sich am sogenannten Russischen Marsch, dessen Teilnehmer gegen Einwanderer sind und die „Überfremdung“ Russlands durch Muslime anprangern.

Behörden wollen Stiftung auflösen

Im Streit um den Ausschluss Alexej Nawalnys von der russischen Präsidentenwahl legen die Behörden nach. Sie wollen eine für den Oppositionellen wichtige Stiftung auflösen. Ein Moskauer Gericht teilte mit, es werde am 22. Januar über eine mögliche Schließung der Organisation Fünfte Jahreszeit entscheiden.
Die Stiftung ist nach Darstellung von Nawalnys Stabschef Leonid Wolkow das organisatorische Standbein des Wahlkampfes. Er sei deren Direktor, schrieb er bei Facebook. Berichten zufolge sammelt die Stiftung unter anderem Spenden für Nawalnys Aktivitäten und beschäftigt Mitarbeiter. „Eine Auflösung von Fünfte Jahreszeit stellt uns organisatorisch vor schwierige Aufgaben“, schrieb Wolkow.
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Nachtrag 22.01.2018

Ein Moskauer Gericht hat eine Stiftung zur Wahlkampforganisation des Kremlkritikers Alexej Nawalny aufgelöst. Indem die Stiftung namens Fünfte Jahreszeit Nawalnys Kampagnen mitfinanziere, verstoße sie gegen die eigene Satzung und somit gegen das Gesetz, urteilte ein Richter am Montag der Agentur Tass zufolge. Zudem habe die Organisation eine falsche Adresse für ihre Büroräume angegeben.
Die Stiftung ist nach eigener Darstellung das organisatorische Standbein des Wahlkampfes des Oppositionspolitikers. Berichten zufolge sammelt sie unter anderem Spenden für Nawalnys Aktivitäten und beschäftigt Mitarbeiter.
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Wladimir Putin taucht ab

Wladimir Putin ist ein verdammt harter Kerl. Das hat er während seiner Präsidentschaft mit martialischen Oben-ohne-Auftritten hoch zu Ross, bei der Tiger-Jagd oder beim Flug mit Kranichen immer wieder bewiesen. Nun weiß die Weltöffentlichkeit auch: Putin ist ein sehr gläubiger verdammt harter Kerl.

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Abtauchen im Seliger See

Im tiefsten Winter, bei Schnee und Minustemperaturen hat sich der russische Herrscher ins eiskalte Wasser des Sees Seliger, rund 400 Kilometer nördlich von Moskau, gestürzt. Ohne zu zögern streifte er sich einen imposanten Lammfellmantel von den Schultern und stürzte sich ins Nass. Das tat er natürlich nicht zum puren Vergnügen. Putin nahm teil an einem christlich-orthodoxen Ritual des Epiphaniefestes teil.

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Jedes Jahr am 19. Januar feiern die orthodoxen Gläubigen in Russland und anderen osteuropäischen Ländern das Epiphaniasfest, einen der ältesten christlichen Feiertage überhaupt. Dazu gehört traditionellerweise auch Eisbaden, welches in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar stattfindet. Dabei springen orthodoxe Christen in Teiche, Flüsse, Seen oder eigens aufgestellte Becken.

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Geist und Seele reinigen

Dem Glauben nach wird das Wasser aller Seen und Flüsse an diesem Tag rein. Mehr noch: Priester segnen das Wasser, welches reinigend für Geist und Seele sein soll. Die Gläubigen baden darin, um ihre Sünden abzuwaschen. Dreimal tauchen sie unter, dreimal bekreuzigen sie sich dabei. Während der Zeit der Sowjetunion war die Kirche viele Repressionen ausgesetzt. Nach dem Ende des kommunistischen Regimes entdeckten viele Russen die Religion wieder. Die Kirche ist längst zu einem wichtigen Faktor auch in der russischen Politik geworden.
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Putin auf Wahlkampftour

Böse Zungen behaupten allerdings, Putin habe lediglich so werbewirksam an dem eisigen Ritual teilgenommen, weil im März Präsidentenwahlen ins Haus stehen. Es wird mit einem klaren Sieg des Amtsinhabers gerechnet. Das sagten sowohl die jüngsten Umfragen des unabhängigen Lewada-Institus als auch der beiden großen staatlichen Meinungsforschungsinstitute voraus. Nachdem Putins einziger echter Rivale Alexej Nawalny von der Wahl ausgeschlossen worden war, deuteten die Umfrageergebnisse aber auch auf eine geringe Wahlbeteiligung hin. Sollten tatsächlich wenig Russen zur Wahl gehen, könnte das als Hinweis darauf aufgefasst werden, dass die Unterstützung für Putin gar nicht so groß ist. Unter diesen Umständen scheint es dem Präsidenten als lohnend, sich für einige Sekunden in die kalten Fluten zu stürzen, um  seine potentiellen Wähler zu beeindrucken.

Für viele Menschen in Russland ist das Ritual allerdings eine wichtige Sache. Sie fühlen sich danach besser und von den Sünden gereinigt. Das kann dann auch schon ein bisschen schmerzen.
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Aber natürlich gibt es auch Leute, die machen ihre Späße über den Auftritt von Wladimir Putin. Hier wird auf die verschärften Gesetze und vor allem auf die Hetze gegen Homosexuelle in Russland angespielt. Immer wieder kommt es zu Übergriffen.
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